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Nr. 256 Lrfter Blatt

177. Jahrgang

Dienstag, 1. November (927

«rschet», täglich. eefctx Soiietag» mb

Meere:

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Die Scholle

Htonati.rrjifirrrh: 2 Neich»»arti und 2D Neid»» Pfennig flr Träge» lohn, jud) bei Dichter» Idyemen rni einer 5te*»nmi infolge Hs her er Ckmall. FernfpkechanichlüNe:

51, M enb 112.

«**4rtft ftr Vrahtnoch- nd)ten Anzeiger 4 fetze».

PolKetffonto. firmffnri am Kein 11 SM.

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhessen

Üntd wwb Dftlflfl: BtilflW UntoerfitätS'Bedb nwö Sietubnidfrei H. Lange tn Gießen. Schriftieitnng und GeschäftrUelle: 5ch«lKraße T.

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!*r kn logetnemmet dis jum ^.ochmineg r erbet.

preti itr I mm tzötze tir Injeigen von 27 mm Breite örtlich 8, autsärt» 10 Net4>»piennig; ftr De» hlamean r.gen üon TU n.m ft rede 35 Deitbepfeniug, Dki^eortonfi 20* mehr.

Sbefrebahteer

Dr. Jeiebr. Wild Gange. DeeontwonNch für Tolthb Dr. Jr Wilh Üange, ftr Feuilleton Dr Ibonot; ftr btn übrigen letl tfrnft DlLinidifin. für den Wn» leigenlHl Hurt fyllmann, ländlich in (Fieber

Zehn Zahre Sowjetsiaat.

von E Wutbon.

Hm 7. November d. I. ooUenbet der russische 5o»|et|laat ba» Pejennium feiner Bestehen». Un- roiUturlid) verweilt der Gedanke bei diesem Welt­raum in der Erinnerung an die vor zehn Jahren allgemeine Prophezeiung, ein |o abnorme» Etaat»- mejen merbe nur einige Wochen, höchsten» einige Monate efiflkren können. Und unwillkürlich regt sich die tfraflf rote war es möglich, dah biefet Staatswesen leine epbemär jcheinende (Ejtfienj zu einer dauernden machte?

Die|e Frage läht sich nicht eindeutig deantwor- warten. (Ein ganzer Kampier von Faktoren, äußerer und innerer Natur, pehöN vielmehr zur Erklärung vieles gc|chichtlichen l'hänoinen». von den äußeren Faktoren sieht an erster Stelle das Scheitern der log.roelften Bewegung', geführt von Nolilchak, Denekln und Wrongel und gefcheiterl vor allem durch die aerfagende f)dfe der (Entente, deren =<heu vor Menfchenaofern, ebenfo wie durch die eigenen Fehler derWeihen' in der Agrarfrage.

Und damit fommen wir ja au® zu dem grunMegcnfcn Faktor, auf dem bw OpfterM be» ®ott»fclflaatrt von Anfang an bi» auf den beut.gen -Sag beruht der .OMung der A g r a r- frage, an ,^r 85 Prozent des russischen DolkeS intercfflert waren Freilich, diele Ld'ung war ron Anfang an und bleibt bi» freute nur eine unvollkommene wie in allen Agrarlän- krnrn te-A Osten», wie in Japan. »f>ina^3n6tei bat die rasche Vermehrung der ländlichen Be- rkIkernng. b t die ungeheure .Fortpflanzung der Mufa-.k» ichon heute zur Entstehung eine» nach Millionen zühtenden ßa n b p r o l e t a r t at», eine» neuen JtixTrnhaucmtum». eine» neuen l'anfc- bvnaer» kurz einer neuen Agrarfrage ge­führt Und im Anfang batte sich da» ^nierMum arg durch die Naturalabgabe bedrängt gefnhu. Allein nxnm o» am eigenen Oeibe auch erfuhr, dal) die .Sozialisationen" der Noten und kne .Requisitionen der Weihen im Lau«e de» Vur- gerkrieg» aus ein und dasselbe htnauskamen, so tnuftte « doch wenigsten», daß die Noten auf seinen neuertoorbeiwn Lanboesi» lernen Anspruch erhoben, unc e» vielfach ht der Praxis brr Fall war und da» gab auch den Au » - schlag »m 'Bürgerkrieg.

Die Periode de» Bürgerkriegs kann als die erste Phase her lEx'lienz de» eoroielftaatee Achen und .zugleich als die Phase, die dieser ür'stenz die Grundlage gab Nach der siegreichen Ueberwindung der Stegner auf eigenem Boden er- öffnet sich die zweite Phase die Anbahnung van Beziehungen zu der 21 uh en weit. Dos Vahr 1U2U ist zunächst ( in einer ruckschauenden Betrachtung cntbüHt sich eben die ganze «onfeqjcnf der Ereignisse -) der .'ieaelung der Beziehungen mit den rusflschen Nanbftaaten gewidmet: am 2 .Februar wird ein Friedeneoertrag mit (E ft fand, am 12. V"ii mit x!ttauen, am 11. »uguft mit Lettland, am 12. Oktober mit P s»«e n und om 14. Oktober mit Finnland geschlossen, nier- ouf kommen die h- e I: (t a a t e n an die Bei he (Es ift sicher kein Zufall bah her erste westliche Staat, der mit Nm Sowietstaat in geregelte Beziehungen >u treten versuchie. England war (Vertrag am 16 chlorz 1921) Llotfd «Worin war damals und ist di» auf den heutigen lag ein eifriger Anhänger der Zuiammenarbeit mit dem -owjetstaat geblieben; nd mabrenh Frankreich noch im 3uli 1920 Wran« Q-l ancrfannl und auch nach beflen 6fun noch starr on der Idee der Blockade Sowfetrutzlands ieft- hielt zeigte sich in jenem bnilchlusie Englands die I.alpolli iche Vnpasiungssähiakeit der britijchen voll» tijchenlinift. Freilich innerlich bleibt das Verhalt- \-i Englands zu Sowjetruhland von Anfang an bi» auf den heutigen Tag gespalten, und diese Spaltung oerlcibt der ganzen internationalen Stel­lung der Sowjetunion oi» in die Gegenwart hinein einen höchst unsicheren Charakter; in hisio- rischem A'pekt aber aab die englische Initiative mit den Anstvh auch für die anderen Wcststaaten: Deutschland (Vertrag vom 6. Mai 1921), Ita­lien (6. Dezember). Norwegen (2. Septem­ber) u. a.

Hond in Hand mit dieser Stabilisierung Der Beziehungen nach ausien hin gebt auch Die Keftigung im Innern vor sich, vor allem dank dem überaus langsamen, aber doch sicheren rrirtschastlichen Wiederaufbau. 1921 - - ha» Jahr der log. .Neuen ökonomischen Po­litik" bedeutet bic Abwendung von einem System X» ffarren Äouumini6mu». wie e» vor dem qc- terr'chi Hane, durch den Mebergang von der Nethode der Zwangsrequisitionen zur Natu- 7 alsteuer, wa» eine qrvsie Beruhigung dem Bauerntum brachte, sowie durch Gewährung eine» gewissen Spielraum» für Privathandel und Pri­ya tirvdustrie. wa» den ganzen schwerfälligen Diri- |d>jf trappe rat etoce elastischer machte. Das hier­auf einseyende Wachstum der landwirtschaftlichen und der gewerblichen Produktion kann, nach der vorsichtigen Berechnung de» bekannten Sonnet- hatistikers Grvmann <f. .DiePlanwirtschaft-. 1925. Nr. 1 und 2i. wie folgt veranschaulicht werden Landwirlschaftl. Produktion Industrielle Produktion in Millionen Nudel nach dem Preisstand von 1913

Jahr

1913

Absolut Prozentual Absolut Prozentual

4030

100

7010

100

192122

1740

43

1710

24

192223

2520

62

1910

24

192324

2710

67

2840

40

192425

2820

70

3700

52

Dieses Wachstum dauert weiter an. Man kann heute annehmen, daß etwa 85 Prozent der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion der Vorkriegszeit (berechnet natürlich auf den

Forderungen an die deutsche Nation.

Sine Mahnung Gteesemanns zur Zusammenfassung öer Kräfte.

Dresden. 81. Oft (DTB.) Anlählich des Iahresesseiib der Nelsource der Dresdner Rauf- Mannschaft, dao iradiiionsgemäsz om Nesormations- tage in Dresden flattfinbeL mhrte Neichsauhen- Minister Dr. Strefcinann folgendes aus: Wenn auch die wirtschaftliche Entwicklung in den letzten Jah­ren eine günstige geworden sei, und wenn wir heute ouf einen Tiefstand der Erwerbslosenziffer zurückblicken könnten, wie er selbst in Vorkriegs­zeiten nicht erreicht worden sei, so dürfe doch fein Zweifel darüber bestehen, dah diese Entwicklung e r hebliche Gefahren in f i ch berge, weniger Gefahren für die Gegenwart, als Gefahren für die Zukunft. Wir brauchten die Milliarden, die in Gestoli von Auslandkrediten in unsere Wirtschaft Seflohen seien und die Tatsache, dag durch diese rebife das Schicksal anderer Nationen mit der wirt­schaftlichen Entwicklung Deutschlands verbunden werde, sei zu begrüben. Aber nur die Milliarden, die hundertprozentig für produktive Zwecke Verwendung fänden, leien eine gerecht­fertigte Rapitolnnlaqc. während nickitproduktive Auslandonleihen eine Ichwere Belastung für uns be- deuteten. Dr. 3trc|emnnn wandte sich dann unter lebhaftem Beifall gegen die An und Weife, in der sich deutsche Lebensvitalität gegenwärtig Ausdruck verschaffe

Vas Hebermafj an Jefkn, Bauten ufw. ent­spreche nicht unserer kotfächlichen Cage und er- wecke im Au»land den Eindruck, wie wenn da» deutsche Volk, das den Krieg verloren habe, sich die» leisten könne.

Die» fei eine große wirtschaftliche und politische Gefahr für un», der mit allen Mitteln ent­gegengetreten werden müsse. Dr. Strcjemann wie» darauf hin, wie groß der Unterschied zwischen dem Lein de» deutschen Volke», da» durch ange­strengte Arbeit gekennzeichnet sei und dem Schein der Sorgenloiigkeit und des Le­bensgenusses sei, der sich leider in Deutschland mehr und mehr zeige Es sei bedauerlich, dasz man im Auslande geneigt sei, mehr nach dem Schein zu urteilen, namentlich in denjenigen Streifen des Aus- lande», die mit der Behauptung gegen Deutschland arbeiten, dasi da» deutsche Volk absichtlich über feine Verhältnisse lebe, um die Unmöglich- feit der Erfüllung seiner Verpflichtungen darzutun. Dr. Stresemann wie» im weiteren Verlauf seiner Darlegungen auf die Notwendigfeit der non der Neichsregierung erstrebten Derwaltungsrcsorm hin.

Ein Dolf fonne nicht den größten Krieg der Weltgeschichte verlieren und sich dann ein Durch- einanb.-r und Nebeneinander von Behörden leisten, wie e» in Deutschland der JaU sei. Der schroffe Geqenfah zwischen der Rationalinerung der Wirtschaft und der Derroaltunq fei ein Schulbeispiel dafür, bafj die von der Regierung begonnene Reform der Verwaltung berechtigt ist. Dr. Ltresemann zitierte die Meinung eine» Loko- motiviührers am Listdenkmal in Leipzig, in welcher der Wimsch ausgesprochen sei, dasz der Deutschen Neich;badn bald auch die Vereinheitlichung de» Reiche» folgen müsse ..Wir können und wol­len fein Land zwingen, leine Selbständigkeit auizu- geben", so fuhr Dr. Streiemann fort, ..aber wer den AWg zum Reiche findet, dem tkin er nicht ver­mehrt weichen. Wir brauchen die V e r e i n b / ; t litbung der Verwaltung aus den uc 'Ine- densten Gründen, nicht zuletzt, um unsere wirt­schaft 1 i chen Aufstiegsmäglichkeiien zu erhalten. Wir können nicht der optimistischen Auffasiung leben, daß wir als Volk auf die Dauer in den Ver­hältnissen leben wie setzt, wenn mir nicht den Mut aufbringen. entscheidende Schritte in dieser Be­ziehung zu tun. Nur wenn wir uns des Ernstes der Lage, in der wir leben, bewußt werden, wenn wir die Gefahren, die unserer wirtschaftlichen Zu- funftsentwirfking drohen, erkennen, wenn wir die Zeichen, die im Ueberminben des Importes gegen­über dem Export liegen, verstehen und für die Ab­änderung der bestehenden Verhältnisse sorgen, wird untere jetzige relativ gute Lage s i ch ausrecht erhalten lasten.

Erziehung zum Staat.

Der Rcichökanzler fordert Achtung vor der gegnerischen Neberzeugung.

M.-Gladbach. 31. Oft. 'WTD ) Neid)»- laiuicr Dr. Warr hielt heute vor zahlreichem Publikum einen mit lebhaftem Beifall auf ge­nommenen Dorrrag über die ..Erziehung

vereinigten territorialen Ctaatgbeftanb) erreicht sind Gleichzeitig belehrt jedoch die oorstehenbe -t abeile, daß Nußland heute noch in einem stärkeren Grade zu einem Agrarstaat gewor­den ijt. al» es vor dem Del-krieg der Fall war ichattlichen zur gewerblichen Produktion wie 36b 635 war).

Allein dreier wirttchaftUchen Festtgung ent­spricht keineswegs eine inner- und außen- politische 6tabilifierung. Gerade das qegcn- toärttge Iubiläumsjahr der Cottjcrrepubli. ist vielmehr zugleich ein Jahr der Steigerung aller bisheriger inner- und außenpofttischer Kom­plikationen. Gerade in diesem Zahre hat der innere Kampf m der kvmmunisti'chen Partei bisher ungesehene Formen und Dimen'ionen an­genommen. Wan darf es sich freilich trotz der ständigen Berufung auf Lenin nicht ft>

zum Staat. Hauptaufgabe der staatsbürger­lichen Erziehungsarbeit, so erklärte der Kanzler, sei die Bernitt:lung und Bettie ung unanfecht­barer Erkenntnstse über die realen Staats- Notwendigkeiten die jenseits der Dis­kussion stehen. Polnischer Kamps müsse sein, aber er mülfe sich aul der Achtunng vor der gegnerischen Ueberzeugung grün­den. Der Ncichskanzler sprach die Erwartung aus. dasi das beut 14k Bolt diese zum Ideal der Bolksgemeinschaft jührende innere Er­neuerung. eine nahrhaft staatSbürger- liche Einstellung sich erkämpfen werde.

Das Echo der Kanzlerrede.

Berlin. 31. Olt. Ter gestrigen Nebe des NeichSkanzlers Tr War, wirb von den Blättern grosie Beachtung geschenkt. Sie wird als der Auftakt zum Wahlkampf bezeichnet. Je­doch nur wenige Blätter befassen sich mit ihr in redaktioneller Stellungnahme. T>ie .Kreuz­zeitung" stimmt mit dem Reichskanzler über­ein, wenn er die jetzige Koalition nur al» eine Arbeitsgemeinschaft, nicht al» eine Ge­sinnungsgemeinschaft bejeidjnet hat und sagt So wenig wie wir vom Zentrum eine Aenderung seiner Grundanschauung jemals verlangt haben, muffen auch wir nach wie vor auf dem Stand­punkt bleiben, daß wir für uns Konservative und für die konservative Presse volle Frei­heit der Betätigung unserer Grund­sätze beanspruchen müssen Auch für den kom­menden Wahlkampf nimmt da» genannte Blatt für die Deutfchna'.ionalen vollkommene Frei­heit in Anspruch wie es Dr. War, für da» Zentrum getan habe. Die .Deutsche Ta­geszeitung" bcgrüstt es. dah Dr. Warr die positive Arbeit der Negierungskoalition unter­streicht und erkennt an. datz der Neichslanzler die groben seelischen 3mponbcrübUien herausgestellt Hut, Ne für Ne Behandlung der Kriegs­

schuld als einer Ehren frage für h 3 gesamte deut'4h Bolt massgebend sein mutzten, dum Schl uh bemerkt da» Blatt in Anknüpfung an Ne von Dr. JTlarr betonte positive ft i tepvlltsiche Arbeit der Reglerung-koasitton. dasi die polit oe Leistung auf der Rechten umfangreicher utb fehr viel leichter zu finden sei. als auf ^ev Linken. Diese Tatsache müffe stet» in immer stär­kerer Weste auch in ihrer koaliiions: 'litifchen Würdigung sich durchsetzen.

Die .Deutsche Allgemein.- <*,. itun g" schsiestt ihre Stellungnahme: .Die KanzlerreN' ist ein wichtiges politisches Dokument. ?Hoge sie nicht nur im Zentrum. fonb.*m auch in den anderen Parteien, die der heutigen Nci4Xrcg e- rung nahestehen, als Signal verstanden werden, getrennt marschieren, vereint schla­gen'"

Die .Germania" bejaht sich vor allem mit den Ausführungen be» Kanzler» über die Krleg»schuld|rage und sagt ..Zeder ver­nünftige D.utf4-e ist mit dem Nesisislanzler barm einig, dasi wir in bet Kr egSschuldfrage .ledig.ich vom Standpunkte der Moral und der Sl,ce aus" kämpfen roollciL Wir stehen auf diesem Standpunkt, nicht etwa, weil wir die gewaltigen nationalen und materiellen Opfer, bi * d r B r- frag von Versailles dem deutschen Volke aus­erlegt hat. als gerecht anerkennen würden, nicht, weil uns bie schweren Lasten auf die Dauer als tragbar erschienen, sonbern weil wir es für unter unserer Würbe erachten, den Kamps um unsere Ehre mit materiellen Forderun­gen zu verquicken. Gerade u>er in dem Fr le­bens vertrag nur einen Ausdruck des Macht- wlllen» der Sieger sieht, ber sollte sich auch leicht zu der realpolitischen Erwägung durch­ringen dasi auch eine völlige Äeinwafchung Deutschlands, von jeder Mitschuld am Ausbruch be» TDeltkriege» an den harten 'Bestimmungen des Betlai Iler Vertrages nicht einen Buchstaben andern würde.

Lim die Freiheit des Handels.

Oie (Genfer Staaten-Konferenz jur Beseitigung der Ein- und Ausfuhrverbote.

Eigene Drahtmeldung be» ..Gießener Anzeiger»".

Berlin, 1. Nov. Die seit über zwei Wochen in Dens tagende Stapten-Konserenz für die Be­seitigung der Ein- und Ausfuhrver­bote macht bisher wenig von sich reden. Das ist im allgemeinen ein gutes Zeichen bei einer Konferenz, well eS darauf fchliehen läßt, dah dort gearbeitet wird Im vorliegenden Falle beruht allerdings der Nachrichtenmangel darauf, dah bisher nach den ersten öffentlichm Verhandlungen fast au^schliehsich in AuS- fchüffen gearL-itet wird, nie anscheinend im harten Meinung-:lampfe um die Frage der Aus­nahmen ringen, die von einem allgemeinen V erbot der Sin- und Ausfuhrverbote" frei- gelalfen werden sollen. Im Lause die'er Woche sollen die öffentlichen Verhandlungen wieder auf- g«rnvmmen werden, und dann muh es sich zeigen, ob die NZpfJi bleit einer "Berftänbigunq über­haupt besteht oder ob diele Kon'erenz mit einem flagranten Miherfolg beendet werden muh.

Der Artikel 4 des vom Wirifchaftekomitee des Völlcrbundes auägearbei.eien KonventionS- EntwurfS lieht nicht weniger a!S zehn verschie­dene AusnahmefäUe vor einige davon sind zweifellos unentbehrlich, da sie sich auf bie Wah­rung ter öffentlichen Sicherheit, auf die Landes­verteidigung. auf den Krankheitsfchuy und auf die Erhaltung von Kunstwerken ulto. beziehen. Aber wenn auch in vielem Artikel vielleicht der Nahmen noch nicht zu weit gefpannt fein sollte, so wird in dem folgenden Ar:ilel 5 ber Möglich­keit zur Aufrechterhaltung ober zum E.chh von Sin- und Ausfuhrverboten Tür und Tor ge­öffnet. well er den Fall einerBedrohung von Lebensinteresfen" ganz allgemein alS berechtigten Grund zum Erlah von Ver­boten vorfieht.

Die deutlcheNegierunghal g g n der­artige Berwäsierung des Drundg dank ns der garten Konvention von vornherein den schärfsten Wideripruch erhoben, und eine St reichu ng des Artikels 5, fotoie eine Stn->ränkung des

Artikels 4 gefordert. Auch 3 t a l i en , den, man ja in politischer Beziehung nicht mit Unrecht ein diktatorisches und Uaai0«goilti 4k» Aul treten nachsagen kann, vertritt in Gens aus wirtschaft­lichem Gebiet fast genau dieselbe Tendenz, wie die von Dr. Trendelenburg geführte deutliche- Delegation, d. h. die Forderung nach dner Rück­kehr zu BorkriegSzuständen. im Gegeillay zu andern Mächten, die sich mehr ober weniger nut einer Sanktionierung bes bestehrnden Zustandes begnügen möchten.

Demgegenüber sind sowohl die Ameri­kaner, wie die Engländer, nicht gewillt, sich freiwillig Befchränlungi>i, m bezug aus den Schutz ihrer Industrien durch eine axitq. h nbe Konvention gegen Gin- und Ausfuhrverboie aaf- zuerlegen. Insbesondere vertritt die britische De­legation, geführt von Sir dnbnct) Ghapman. den Standpunk., dasi Grohbrilannlen fein Ein­fuhrverbot auf Farbstoffe starr feft- halten wölb. Nack» hitfem Beispiel hab n sich dann eine ganze Neih. anderer Staaten mit ter Forderung na4> Ausnahmebestimmungen für die sie interc fierenden Industrien g m Ibe , loäbr? b sich andere, so Frankreich und die Tschecho­slowakei auf einen vermittelnden Standpunkt stellen, tootei der französische Führer SerruyS unter Hinweis auf die Beftunmutigen des deutfch-französifchen Hand Ie« t «nmens, da» die geforderten Äonoen iOnSbestimmung n in feinem Nahmen bereit» weitg h nd v rw.r.liche, die S-chaffunz von Garantien for c. , durch die ein Mihvrauch i»er AuSnahmed:' i.nmuiig n verhütet werde» soll. S'.-rruy» hat fchr d u:I>ch erfläri. dah die meilten Aus- u»d Oirfubr- beschränkungen lediglich spekulativen Cha­rakter trügen, und dah es deshalb dem an ge­drehten Ziel witerfpiech:. wenn man sie aufr cht- zuerhalten versuche. wird fich in dm näch t en Tagen geigen, ob eine o rnünft.z.- Lösung zu fin­den ist oder ob bie'er Brr lud/ am W.rt -/a':»- cgoismuS einzelner Staa en sche.t.rn muh.

vorstellen, al» handle es sich bei diesem 2amps um lauter grundsätzliche, tiriaehente Differen­zen schon dah die beiden feindlichen 5lüget sich auf Centn berufen, beweist eS). Die Oppo­sition lebt vielmehr auch von einer Polemik gegen die verschiedenen Mihstänte im politischen und w rtschaftlichen Leden Der Union- die Ver­nachlässigung des ärmsten Bautmhnns bieUecer» harchnahine des Np parat»". d. h. ber Partei- burcaulratie die Enrfremdung zwischen Staat und Arve.ierschaft uiw. Und die Ge ahr liegt auch nicht Io sehr in Der Tatsache der Opposition selbst. Dah es eine Opposition in der Partei sterS geben wird, wußte bereits Lenin; aber um das Fraktionswesen zu unterdrücken, ver­langt er das Necht auf offene Kritik für alle Partei Mitglieder. Für seine Kampfnarur war die Kritik nur Anregung zu neuen Hebetlegun- gen und Maßnahmen. Stalin aber hat die

Kritik offenbar fatt Unb darin, dah diele einen geheimen Charakter annimmt, in Geheim- druckercien arbeitet, in Geheimrersamm un^en propagiert, kurz, dah die Opposition?< nahe au bet gleichen Etistenz gezwungen wird, tr;e die Parte, 'elbst unter dem Zarismus bann l:egt die Gefahr für die heute Herr chende 'Par­ket. denn < inegalen Kampf or en stetgern

renb die e Zeilen niei'ergeschrieben wer en, br n- gen die Zeitungen aus Moskau die Nachricht von etnem Aue chlu Trotzkis und Sinow.ews au» dem Zentrailotiiitee der 'Partei im beschleu­nigten Berlahren"., ilnb eine Epaltunq ist dop­pelt btbenti.a) für eine Partei, deren Kraft und Prestige bisher ganz in ihrer Keschlofsen- hert beruhte.

Hnb in das gleich: 3uailäums]abr fällt auch das grohe aufympol'.tifche Ereignis für die Sow-