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Vie Autostraße Hansestädte - 8 antfmt - Bafel

Der Verein ..Hafraba", wie die Abkürzung für die oben bezeichnete Strecke Heisti, betreibt die Förderung seines Planes mit allein Nachdruck. ES sei daher an dieser Stelle etwas Näheres über die geplante Autostraße erwähnt, die in der Öffentlichkeit großem Interesse begegnet. Wie der Erläuterungsber.cht zum Entwurf der Autostraße, von Robert O ß en, Geh. Regierungs­rat und Professor an der Technischen Hochschule in Hannover, der auch erster Vorsitzender des Vorstandes derHafraba" ist, hervorhebt, soll die neue Autostraße nicht in Konkurrenz treten mit Plänen für den Ausbau des be­stehenden Straßennetzes, sondern soll eine Ergänzung zur vollendeten Ausgestaltung der Derkehrsmöglichkeiten sein. Die bereits ge­leisteten technischen Vorarbeiten für die Gestaltung des Projektes sind erstaunlich. In 45 Bänden sind ungefähr je 20 Kilometer der Gesamtstrecke entwurfsmäßig behandelt. Der Ent­wurf umfaßt eine Gesamt st recke von 881 Kilometer. Die Linienführung beginnt im Norden unter Einbeziehung der drei Hansestädte Bremen, Hamburg und Lübeck. Der Verlauf der Straße na<p Süden bis Basel ist dann, soweit es irgend angängig erscheint, gradlinig. Sie soll über Hannover, Hildesheim, Göttingen, Kas­sel, Marburg, Gießen, Frankfurt, Karlsruhe, Freiburg, nach Basel führen. Als Fortsetzung ist die Autostraße über Basel, Zürich, Lugano, Mailand bis nach Genua gedacht. Die Straße ist ausschließlich für motorbetriebene Fahrzeuge bestimmt. Sie wird eix Mittelding zwischen Eisenbahn- und Landstraße sein. Kreu- Kin gleicher Höhe mit anderen Der- egen kommen nicht vor. An den Zubringer­stationen ist der Uebergang von der Autostraße auf die Netze der Landstraßen und umgekehrt möglich. Der Kraftwagen kann jede Abfahrt wählen und nach jedem Ziel fahren. Anlagen wie bei den Bahnhöfen der Eisenbahn werden fehlen, statt deren wird es Zubringerstationen einfachster Art geben (Wärterhäuser). Die Auto­straße soll vier Verkehrsbreiten zu je 3 Meter 12 Meter erhalten, dazu je 1 Meter Bankett, so daß die Gesamtbreite 14 Meter beträgt. Auf Strecken von geringer Bedeutung werden nur drei Verkehrsbreiten zu je 3 Meier = 9 Meter vorgesehen. Iedoch erhalten auch auf diesen Strecken die Lleberführungen eine lichte Weite von 14 Meter. Als Maximalsteigerung sind 3 Pro­zent vorgesehen. Nur im Notfall sollen im ge­birgigen Gelände bis 4 Prozent zulässig sein. Das Fahrbahnprofil ist dachförmig mit einer Querneigung von 21/? Prozent. Was die Bau­kosten für die Autostraße anbelangt, so ist im Gesamtdurchschnitt für die ganze Linie Ham­burg-Basel ein Einheitsbetrag von 298400 M k. pro Kilometer ermittelt worden. Die Gesamtkosten für die 881 Kilometer lange Strecke würden also das nette Sümmchen von 262 890 400 Mk. ausmachen. Die Auf­bringung dieser Summe dürfte doch noch einigen Schwierigkeiten begegnen. Iedenfalls handelt es sich bei dem ganzen Plan um eine Idee groß­zügigster Art, deren Durchführung für das Ver­kehrswesen von Westdeutschland von heute noch nicht zu überblickender Tragweite sein würde. Der VereinHafraba" hat sich damit ein gewal­tiges Ziel gesteckt: ob seine Durchführung gelingt, muß die Zukunft erweisen. Erster Vorsitzender des Vorstandes derHafraba" ist, wie oben be­reits erwähnt, Geh. Reg.-Rat und Professor O h e n in Hannover, zweiter Vorsitzender ist Oberregierungsrat Dr. Zier an in Karlsruhe: ferner gehören dem Vorstand an: Regierungsrat Dr. Krebs, Darmstadt, Landesoberbaurat Becker in Kassel. Oberbaurat LIhlefelder in Frankfurt a. M., sowie Ingenieur Puri- c e l l i in Mailand.

Der Verein hat seinen Sih und seine Haupt­geschäftsstelle in Frank, urt a. 201. Nach seinen Satzungen hat er den Zweck, f.a Rahmen einer Vorbereitungsgesellschaft alle Arbeiten zu lei­sten, welche in technischer, wirtschaftlicher, finan­zieller, verkehrspolitischer und propagandistischer Hinsicht zur Prüfung der Durchführbarkeit und zur Vorbereitung der Autostraße Hamburg- Frankfurt a. M.Basel notwendig sind.

Kunst und Wissenschaft.

Neue Ehrung Stefan Georges.

Wie aus Bingen gemeldet wird, beschloß die dortige Stadtverordnetenversammlung einstimmig, eine Straße in Bingen, und zwar den Nahekai, an dem auch bas Elternhaus Stefan Georges liegt, zu Ehren des Dichters von jetzt ab nach Stefan George zu benennen. Ferner fol' an Georges Ge­burtshaus eine Gedenktafel angebracht werden.

Buntes Allerlei.

Zar Nikolaus als Zensor Gogols.

Wie man aus den neuesten Veröffentlichun­gen der russischen Staa sarchive ersehen form, beschäftigte sich Zar Nikolaus I. von Zeit zu Zeit persönlich mit Zensurarbeiten. Der strenge Zar ließ sich die Werke verschiedener Schrift- steller vom Zensur-Komitee zuschicken und strich höchstpersönlich die Stellen, die ihm irgenbtoie gefährlich oder anstößig erschienen. Besonders viel hatte er bei Gogol auszusehen. Folgende Stelle schien ihm zu stark.Es gibt in Rußland solche Benennungen, bei denen man nur aus­spucken kann." Auch das war für den Zaren zu viel:Der Schmied Wakula sah Poiemkin und fragte:Ist das der Zar?" Der Kosccke gab ihm zur Antwort:Das, der Zarl Nein, das ist Potemkin selbst!" Nachstehender Satz aus einer Novelle Gogols wurde gleichfalls vom Zaren ge­strichen:Er halle Aiigst, sich auf bem Ball zu bewegen, um nicht irgendeinen Geheimrat anzustoßen." Der Zar erließ ein strenges Verlwt, feine Werke ohne Zensur herauszugeben. Darauf­hin nahm sogar der Chef des Gendarmeriekorps Dubbelt den Dichter in Schuh und bat den Zaren um eine VMderung der Zensurbestimmungen für Gogols Werte. Er meldete dem Zaren, daß die Zensuren bei der Vorlesung von Gogols Ro­manen noch strenger seien als er selbst. Ein Zensor hatte z. B. die Worte:Das himmlische Lächeln der Frau" mit der Begründung ge­strichen, daßeine Frau nicht wert ist, ihr Lächeln als himmlisch bezeichnet zu sehen." Der Sah:Du weißt, was meine Seele verlangt," wurde verboten, da mandie Seele in einem Roman nicht erwähnen darf." In einem Gedicht eines zeitgenössischen Poeten wurde der Sah:

Dein zarter Blick ist mir teurer als das Welt­all" gestrichen mit der Begründung,daß es im Weltall höhere Mach e gibt, die uirs teurer fein sollten als der Blick einer Frau". Auch der pathetische Ausruf:Ich rnöchce schweigend in deiner Nähe die höchste Freude genießen!" wurde verpöntdie höchste Freude", schrieb der Zensor,soll man beim Lesen frommer Bücher und nicht in der Nähe eines Weibes genießen." Muß man bei diesen Zensurblüten heute lächeln, so darf man andererseits nicht vergessen, daß es im modernen Rußland gleichfalls eine, aller­dings von kommunistischen Gesichtspunkten gelei­tete Zensur gibt, deren Striche nicht weniger lächerlich erscheinen.

Die Selbstfahrerin im Berliner verkehr.

Die Dame am Steuer ihres Wagens das ist keine seltene Erscheinung mehr in Berlin. Zum Ausflug, zur Spazierfahrt, zu Einkäufen in der Stadt lenkt die moderne Dame ihren Wagen durch das Gewühl der Straßen mit einer Sicherheit, die manchem erfahrenen Chauf­feur zur Ehre gereichen würde. Aber erst in letzter Zeit ist dieser Brauch stärker in Erschei­nung getreten. Während im Vorjahre und sogar noch in den ersten Monaten dieses Jahres die Zahl der für Samen ausgestellten Führerscheine nicht nennenswert war, ist erst in den letzten Monaten seit März eine stärkere Zunahme zu verzeichnen. 3m März wurden 47, im April 65, im Mai 120 Führerscheine für Samen aus­gestellt. In den beiden nächsten Monaten war die Zahl etwas geringer, und zwar 107 im Juni und 117 im 3uli. 3m ganzen wurden seit März 456 Führerscheine ausgestellt. 3m Verhältnis zu den für Herren ausgestellten Führerscheinen ist diese Zahl jedoch noch recht gering. 3n der Zeit vom April bis 3uli wurden im Tages­durchschnitt über 100 Führerscheine für Herren ausgestellt.

Die amerikanischen Smiths.

Was die Müllers und Meiers in Deutschland sind, ist in Amerika die Familie Smith. Kein Name auf der Welt ist auch nur annähernd so verbreitet wie der Name Smith. Nach dec jüngsten Volkszählung gibt es in den Vereinig­ten Staaten nicht weniger als 1 304 300 Ameri­kaner, die diesen Namen fuß reu. Es gibt nun ganz wenige Städte in Amerika, wo die Fa­milie Smith nicht an erster Stelle steht. Eine Ausnahme bilden St. Pauls und Minneapolis, wo die Smiths erst an fünfter Stelle kommen, sowie Chicago, wo sie an zweiter Stelle stehen. In Chicago ist der Name Johnson noch ver­breiteter als der der Smiths. Auch in Neuyork nimmt er die erste Stelle ein. An zweiter Stelle kommt hier der Name Cohen, während in Philadelphia die Millers und in Boston die Sullivans gleich hinter den Smiths rangieren.

Straßensperrungen

mitgetellt vom Oberhes Ischen Automobil-Elud L. D., Gießen.

Welche Strecke wird gesperrt?

3n welchem Straßenzug liegt die Strecke?

Für welche Fahrz. erfolgt die Sperrung?

Voraussicht­liche Dauer der Sperre

Umleitung

Offenheim bis Wegekreuz bei km 5,8

Friedberg > Staden

Für alle Fahrzeuge

bis 1. Oktober

Bruchenbrücken-Affenheim

Kaichen - tzeldenbergen

Friedberg- Hanau

H

bis 17. Sept.

Erbstadt-Lichen

Kalbsburg - Fritzlar

Marburg Kassel

H

bis 25. Oktober

Kleinenglis-Wabern Holzhausen

LischeidGilserberg

Marburg - Kaffel

II

bis 30. Sept.

Itzenhain

Die Sperrung der Straße Gießen-Nodheim a. d. Bieber-Gladenbach (bis Landesgrenze) wird ab Mittwoch, den 7. September, aufgehoben.

In den amerikanischenWho's who", dem Buch der amerikanischen Berühmtheiten, füllen die Smiths 17 ganze Seilen aus.

Sechsmal jum Tode verurteilt.

3n ©rauben^ wurde gestern das Urteil gegen den Massenmörder Leo Lewandowski ge­fällt, das auf sechsfache Todesstrafe lautet. Le­wandowski hatte zu Beginn dieses Jahres seine aus sechs Köpfen bestehende Familie mit einem Beil erschlagen.

Mutter und Kind durch Starkstrom getötet.

Eine in Kreuzburg auf Besuch weisende Frau begab sich gestern mit ihrem fünfjährigen Söhn­chen in den Garten. An einem Daum hing ein Draht herunter, der von einer Starkstromleitung abgerissen war. Als die Frau den Draht be­rührte, brach sie tot zusammen. Das Kind sah die Mutter umfallen, rannte auf sie zu und faßte sie an. Dabei erlitt es ebenfalls tödliche Verletzungen.

100 000 Mark unterschlagen und verwettet.

Bei der Mülheimer Stadtsparkasse wurden ünterfcßtagungen eines Oberinspektors ausged:ckt. die sich auf ungefähr 100 000 Mark belaufen sollen. Der ungetreue Beamte hat die gesamte unterschlagene Summe auf der RennbaAr ver­wettet. Der Beamte wurde verhaftet.

Schwerer Zusammenstoß zweier Motorräder.

Am Dienstagabend fließen in der Nähe von Eichstädt zwei Motorräder so heftig zu fammen, daß die beiden Fahrer des einen Rades sofort tot waren. Am Aufkommen des dritten Beteiligten wird ge­zweifelt.

Schiff in Seenot.

Eine drahtlose Meldung aus Victoria (Bri- tisch-Columbia) besagt, daß der kanadische Dampfer Princeß Charlotte" auf der Wrangelstraße O. O. S.-Rufe sendet und um Aufnahme seiner Passagiere bittet. Es befinden sich etwa 250 Men­schen an Bord des in Seenot geratenen Schisses.

Rundfunk-Programm.

Freitag, 2. September.

12 ilßr: Hebertragung aus Berlin: Eröff­nungsfeierlichkeiten der Großen Deutschen Fun.k- ausstellung. 13.30 biS 14.30: Neue Schallplatten. 15.30 bis 18: Uebertragung aus dem Schumann- tßeater: Tagung des Reichsverbandes der Deut­schen Industrie. 18.20 bis 18.50:Die Welt des Jupiter", Vortrag von Prof. Edmund Sittig. 18.55 bis 19: Wirtschaftsmeldungen. 19 bis 19.20: Zwanzig Minuten Fortschritte In Wissen­schaft und Technik. 19.20 bis 19.50 Film-Wochen­schau. 19.30: Uebertragung aus dem Franks ar er Opernhaus: Madame But erfly, Musik von G. Puccini. Anschließend: Spatkonzert: Edvard (Stieg. (Zum 20. Todestag am 4. September.)

Aus dcm Amts .cr-^ igungsblatt.

Das Am t s v e r k ü n d i g un g s b l a t t Nr. 63 vom 30. August enthält: Straßensperre. Regelung des Ausverkaufswesens. Schaf­räude in Holzheim. Durchführung des metri­schen Maßsystems. Reichsschulstatistik 1926. Beihilfe an die Volksbibliotheken des Kreises. Oeffentließet Zettelanschlag in der Stadt Gießen.

Briefkasten der Redaktion.

TB. 5. in G. Nach den von Ihnen geschilderten Einkommens- und Vermögensverhältnissen sind Sie nicht einkommensteuerpflichtig.

Sprechstunden der Redaktion.

12 bis 1 Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags. Samstag nachmittag geschlossen.

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Die amtsgerichtliche Verfügung ist zur Einsicht an der Ortstafel, Bergstraße 20, ausgehängt.

Gießen, den 29. August 1927.

I. A. des Hess. Amtsgerichts Gießen.

Leo, Ortsgerichtsoorsteher.

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