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Ansammlung der Passagier« das Gerücht Me Runde, der Zug müsse so lang« stehen bleiben, um auf den Genossen Kornejew, den lÄsenbahninspek- tot, zu warten, der mit seiner Frau im Theater weile und mit diesem Zuge heimfahren wolle. Das Gerücht traf zu, und Genosse Kornejew dachte auch nicht daran, das Theater vor Fallen des Vorhanges zu verlassen, denn es wurde ein sehr interessantes, lehrreiches Stück gegeben und auhrr- dem hatte Genosse Kornejew für sich und seine Frau die teuren Eintrittskarten bezahlt. Der Zug konnte und muhte auf ihn warten, denn wozu sonst war Genosse Kornejew Eisenbahninspektvr?

Auf dem Bahnsteig erhob sich ein Tumult von Flüchen und erregten Stimmen. Die Beamten zuckten die Achseln. Befehl ist Befehl, lind man wartete lange, lange, etwas mehr als zwei Stun­den Doch jedes Theaterstück hat mal ein Ende, und schließlich strömte das Publikum aus dem Tempel der roten Thalia. Genosse Kornejew erschien mit der holden Gatttn auf dem Bahnhof und nahm, als ob nichts geschehen wäre, Platz in dem für ihn reservierten Abteil.

Endlich, endlich! Die armen Reisenden atmeten auf und waren froh, dah man nach dem eigent­lichen Theaterstück nicht noch einige Tanzdarbic- tungen oder dergleichen vorgeführt hatte. Rur einige gröber veranlagte Arbeiter konnten es nicht unterlassen, durchs Abteilfenster hindurch an den Genossen Kornejew die erbitterte Frage zu richten, ob einverantwortlicher Arbeiter" derart auf» treten dürfe, erhielten aber zur Antwort, das ginge sie gar nichts an, er, Kornejew, sei einer der ält^ten Konnnunisten des Bezirkes, und sie sollten nun endlich das Maul halten....

Ein Pfiff, das Zügle setzte sich in Bewegung.

So sehr lehrreich zu lesen in der sicherlich nicht von englischem Gelds bestochenen Prawda". 3m zehnten Fahre der Sowjetherrschaft....

Wortwörtlich genommen.

(a) Reuhork.

Es gibt Menschen, denen ist alles, was die Behörde sagt, heiliges, unantastbares Gesetz. And eine Frau, die den Buchstaben dieses Gesetzes allzu genau befolgte, ist Mrs. öact), eine kleine Beamtenfrau in R^uyork, die sich kürzlich wegen schwerer Körpervevlehung, begangen an ihrem Manne, vor Gericht zu verantworten hatte.

Ihre Verteidigung verblüffte Gericht und Zuhörerschaft. Wie sich erwiesen, war ihr Mann nicht gerade der besten einer. Am der gering­fügigsten Arsachen willen fing er, wenn er ver­ärgert von seinem Dienste nach Hause kam, Streit mit seiner Frau an, und öfter kam es dazu, daß er sie braun und blau prügelte. Vor wenigen Wochen erst war das wieder geschehen, und als am nächsten Morgen Mister Lach in sein Bureau gegangen war, verfügte sich Mrs. Lach, gewillt, di^en Zuständen irgendwie ein Ende zu machen, mit blaugeschlagenem linken Auge, an der Hand ihre kleinen Kinder, zu dem Friedensrichter ihres Bezirks, Mr. Gottlieb, der in ganz Reuyork seiner salomonischen Arteile wegen großes An­sehen genießt, und trug ihm ihre Leidensgeschichte bis tn die kleinsten Einzelheiten vor. Sie bat um Rat, wie sie sich verhalten solle.

Sm!" erwiderte Richter Gottlieb, und er bestätigte diese Anterhaltung vor dem Kollegen, der die Ablage gegen Mrs. Lach später führte, liebe Frau, ich habe den Eindruck, daß c»uch Sie einen Teil Schuld an dieser traurigen Lage der Dinge tragen. Sie scheinen zu schwach und nachgiebig ihrem Manne gegenüber, den ich kenne und für einen im Grunde feigen Großsprecher halte. Sie müssen ihm energischer gegenüber­treten, Sie müssen ihn, wenn er verärgert nach Hause tonnt, gleich so empfangen, daß er ein- geschüchtert wird und seine Absicht, zu krakehlen, aus Angst auf gibt, etwa den Kürzeren zu ziehen! Mit einem Wort: Sie müssen's ihm ordentlich heiß machen!"

And das tat die gelehrig« Mrs. Lach buch­stäblich. Als an diesem Abend der Herr Gemahl nach Hause kam, goß sie ihm ohne jede weitere Erklärung einen Kessel kochenden Wassers Über den Kopf

Der Einzelhandel zur hessischen Gewerbesteuer.

In der am 28. April In Darmstadt stattge- babten Vorstandssihung des Landesverbandes des hessischen EinzelhandHs wurde folgende Resolu­tion einstimmig gutgel)«ißen, die an die hessische Regierung, Landtag, Landtagsabgeordnete und Han- L delskammer weitergeleitet werden soll.

Der Landesverband des Hessischen Einzelhandels erhebt aufs schärfste Einspruch gegen den Beschluß

Dreißig Jahre drahtlose Telegraphie.

Don Dipl.-Ing. Dr. A. Hamm.

In diesem Sommer sind es gerade 30 Jahre her, daß Guglielmo Marconi, der italienische Inge­nieur, die von dem deutschen Physiker Heinrich 5) e rtz geschaffene Anordnung zur Erzeugung elektrischer Wellen dazu verwendete, Signale über eine gewisse Entfernung zu übertragen. Drei Nationen hatten zu dem Ergebnis, das damals das größt« Aufsehen er­regte, mit beigetragen, der Engländer James Clark M ar roell hatte die theoretischen Grundlagen ge­schaffen, die der Deutsche Hertz dann durch eine Reihe glänzend durchgeführter Experimente bestä­tigte. In ihnen erblickte Marconi mit dem Blicke des genialen Ingenieurs das Mittel, der Uebertra- gung von telegraphischen Zeichen durch den Draht eine solche ohne Drahtleitung on die Seit« zu setzen, und der Versuch gelang. S la b y schilderte anschau­lich, mit welcher Erregung die Teilnehmer an den Versuchen dem Klopfen lauschten, das das Eintreffen der Wellen aus der nur wenige hundert Meter ent­fernten Sendeftotion ankündigte, ein schmaler Meererarm wurde damit überbrürft. Die Neuerun­gen, die Marconi damals anwendete, waren vor allem die Antenne, ein senkrecht in die Luft gehängter Draht und gewiße Verbesserungen am Kohärer. Mit jenem Tage begann ein Siegeslauf der neuen Tech- nik, wie er seinesgleichen kaum hat, und wer heute drahtlos über den Ozean telegraphiert oder sich an den Darbietungen des Rundfunks freut, denkt wohl nicht so leicht daran, daß die ganze Technik erst 30 Jayre alt ist.

Marconis Anordnung war noch denkbar einfach, er schaltete die Funkenstrecke, die ihm zur Erzeugung der hochfrequenten Schwingungen diente, unmittel­bar in die Antenne, die so in ihrer Eigenschwingung erregt wurde. Im folgenden Jahr erfanden gleich- zeitig Braun in Straßburg und der Engländer Oliver Lodge das heut« unentbehrlichste Requisit derDrahtlosen", die Abstimmung durch Einfügung

des Hessischen Landtags, der auf Empfehlung des Finanzausschusses die vorläufigen Gewerbesteuer- Vorauszahlungen für 1925. 1926 und 1927 für endgültig erklärt hat.

Der bisherige Zustand, nun schon seit mehr als drei Jahren Gewerbesteueroorauszahlungen auf durchaus ungenügender Steuergrundlage zu erheben, muß als unerträglich und die Wirtschaft schädigend abgelehnt werden. Der hessische Einzelhandel ver- langt eine möglichst umgehende Gewerbesteuerver­anlagung für die Jahre 1925 und 1926. Hierbei kann die möglicherweise eintretende Mehrbelastung der Finanzämter gegenüber der Notwenoigkeit einer ge­rechten Durchführung der Gewerbesteuererhebung keine ausschlaggebende Rolle spielen.

Der hessische Einzelhandel gibt der bestimmten Erwartung Ausdruck, daß sich die politischen Par­teien feinen berechtigten Wünschen nicht länger ver­schließen. Der hessische Einzelhandel muß erwarten, daß das zugesagte und auch schon vorbereitete Ge- werbestenergesetz ohne Rücksicht auf das Inkrafttreten eines Reichsrahmengesetzes noch in dieser Tagung des Landtags zur Verabschiedung kommt.

Im Interesse des hessischen Einzelhandels dürfen wir die Erwartung aussprechen, daß die seither er­folgten Stundungen für 1925 und 1926 dis zur endgültigen Veranlagung bestehen bleiben, und auch den berechtigten Anträgen für 1927 weitest­gehend stattgegeben wird."

Aus -er Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 1. August 1927.

August.

Nun ist richtig schon der August, der Ernte­monat, herangekommen. Was der Frühling, was die ersten Sommermonate zur Entwicklung und allmäh­lich zur Vollendung und Reife brachten, das soll nun auf den goldfarbenen Getreioefeldern der Sense des Schnitters zur Beute fallen und als tägliches Brot in die Scheunen und Mühlen wandern. Leider Haben wir heuer ein Unwetterjahr mit geradezu katastro­phalen Heimsuchungen weiter Landstriche, in denen die Ernte mehr oder minder vollständig durch Wasser und Hagel vernichtet wurde. So manche Frucht, die üppig und verheißungsvoll im Winde wogte, liegt längst zerfetzt und zerschlagen, versandet und zuschanden gemacht im breiigen Boden. Um so dank­barer ist der Landmann für jede Fuhre Brotfrucht, die er glücklich unter dem Wiesbaum hat und unter das schützende Dach des Hauses bringt. Möchte der August endlich Einhalt tun mit den schweren Unwet­tern und uns eine gute Ernte-Witterung bescheren, auf daß nicht nur der Müh und Not des Landmanns der verdiente Lohn werde, sondern auch allem Volke die unentbehrliche tägliche Nahrung zu einem er- schwingbaren Preise.

Hochsommerlicher Glanz Iteat noch über den Tagen des August. Welch strahlende Sonnentage, ivelche Farbenpracht großer, leuchtender, vollgesich­tiger Blumen läßt er noch aufslammen, welche Le­bensfülle spricht aus seinem Wesen! Und doch führt er uns im Kreislauf des Jahres schon wieder ab­wärts, verkürzt uns das Licht des Tages um aanze eineinhalb Stunden und läßt uns manchmal die Nähe feines Nachfolgers, des schwermutsvollen Herb­stes, schon mehr als uns lieb ist, fühlen. Don der Monatsmitte an sendet die Kirchenglocke schon wieder um 8 Uhr abends die Töne des Aveläutens in die dämmerische Stille und mit den langen, lauen Som­merabenden, in denen man so gern unter Laub und Grünem noch ein Stündlein im Freien verträumte und verplauderte, wird es für ein, ach so langes Jahr, wieder vorüber sein.

Auch für den Ferien- und Reiseverkehr hat der August seine Bedeutung. Zwei kurze Wochen noch und schon ist die oielberedteHochsaison", die Hoch­flut des Ferienverkehrs und. damit die sogenannte goldne Zeit" unseres Fremdenverkehrsgewerbes wieder vorüber. Wenn's einmal so um die Mitte August ist, lichten sich in den Gebirgsorten und Som­merfrischen schon die Reiben der Gäste und noch ein Weilchen später wird's stiller und stiller und mag der scheidende August auch noch so gleißend und trunken mit Sonne und Farben für sich werben. Gerade im August kommt uns die Flüchtigkeit, die Kürze der schönen Jahreszeit so recht zum Bewußt­sein. Möge |id) wenigstens der August noch aus Kräften bemühen, uns für manche Unbill dieses un­beständigen Sommers zu entschädigen. H. G. P.

Rückgratverkrümmungen bei Schulkindern.

In den letzten Wochen vor den Sommerferien sanden am L v z e u m ärztliche Untersuchungen der Schülerinnen oer Unterklassen statt, die den Zweck hatten, festzustellen, ob und in welchem Grade von Kapazitäten und Induktivitäten. Erst damit wurde die Anordnung wirklich leistungsfähig, vor allem konnte die xur Schwingungserzeugung verwen bete Energie und damit die Reichweite vervielfacht werden. Als dann Marconi noch das erfand, was wir heute bei unseren Radio-Empfängern Sekun­därschaltung, nennen, da war eine gewisse technisch industrielle Verwendbarkeit der Einrichtting gegeben, und tatsächlich gelang es Marconi bereits im Jahre j 1901 mit dieser uns primitiv erscheinenden Anord­nung von Poldhu nach Neu-Fundland, das heißt über den Atlantischen Ozean in einer Breite von 2100 Kilometer, hinweg zu telegraphieren. Kurz dar­auf konnte die Reichweite sogar bis auf über 3000 i Kilometer gesteigert werden.

Man hatte aber damals zum Abhören der an­kommenden Sianale noch immer kein anderes Mit­tel als das im Anfang vorhandene, den Kohärer mit einigen Verbesserungen und Abänderungen, der na­türlich ein äußerst primitives Hilfsmittel war. Es wird überraschen zu hören, wie spät der heute übliche Detektor in die drahtlose Telegraphie ein- trat, nämlich erst im Jahre 1906. Auch er wurde, wie übrigens merkwürdigerweise säst alle bedeutenden Fortschritte der drahtlosen Telegraphie, von mehre­ren Erfindern zu gleicher Zeit entdeckt, nämlich von Braun in Straßburg, dem die grundlegenden deutschen Patente gehörten, und Dunwoody, P i ck a r d und anderen in Amerika. Der älteste Kri­stalldetektor, der auch heute noch teilweise sehr be­liebt ist, war der mit Karborundum zusammenge­setzte: bald darauf wurde die Verwendung der Pyrite, die außerordentlich beständige Detektoren er­geben, entdeckt. Heute ist die Anzahl der Kombina­tionen Leyion, obwohl die Verwendung von Blei- glanz mit irgendeiner Edelmetallspitze wohl die weit­aus beliebteste ist. Vor kurzem wurde in Deutschland der erste wesentliche Fortschritt auf diesem Gebiete seit über 20 Jahren erzielt, als man die Möglich­keit entdeckte, den Detektorkristall aus seinen Grund- Hoffen auf künstlichem Weo« herzustellen, womit gleichzeitig seine Eigenschaften erheblich verbessert wurden.

Noch vor der Ersinduna des Detektors wurden indessen zwei Hilfsmittel für bi« drahtlose leie-

Verbiegungen der Wirbelsäule bei den Mädchen vorhanden sind. Die Untersuchungen wur­den von dem Universitätsinstitut für Körperkultur vorgenommen und waren für die Schülerinnen voll­kommen freiwillig, d. h., sie fanden nur bei den Kindern statt, deren Eltern die Genehmigung baxu gegeben hatten. Der weitaus größte Teil der Schüle­rinnen der in Betracht kommenden Klassen ließ sich untersuchen. Das Ergebnis der Untersuchungen war nicht e r s r e u l i ch. Es zeigte sich, daß in manchen Klassen bei einer großen Zahl von Schülerinnen Verbiegungen der Wirbelsäule vorhan­den waren. Das Institut für Körperkultur führte mit den Eltern dieser Schülerinnen eine Aussprache Herbci und gab ihnen darin geeignete Ratschläge für die Beseitigung der Fehler. Im jugendlichen^Alter sind die Rückgratverkrümmungen in vielen Fällen durch zweckentsprechende Maßnahmen zu heilen. Weil aber viele Eltern keine Ahnung von dem Vorhandensein einer Rückgratverbiegung bei ihrem Kinde haben, wurden die Untersuchungen oorge- nommen, um die Eltern rechtzeitig in Kenntnis zu setzen. Ein Hauptmittel zur Beseitigung dieser Fehler ist das sog. orthopädische Turnen. Die Schule wird gleich nach den Ferien für die in Be­tracht kommenden Schülerinnen mehrere solcher Kurse einrichten, die von besonders dazu vorgebil­deten Lehrkräften geleitet werden.

Die Rückgratverbiegungen haben verschiedene Ursachen: z. T. liegt die Schuld bei den Kindern selbst. Es ist festgestellt, daß in sehr vielen Fällen die seitliche Verkrümmung der Wirbelsäule von dem zu frühen Tragen der Schulmappen kommt. Kinder, besonders Mädchen, im Alter von erst 10 Jahren, tragen oft die mit schweren Büchern gefüllte Mappe nicht selten eine halbe Stunde lang auf einer Seite entweder zur Schule ober nach Hause, und das geschieht täglich oft mehrmals. Der jugendliche Körper, dessen Knochen noch biegsam sind, wird also Tag für Tag durch die einseitige Belastung längere Zeit nach derselben Seite hin gebogen. Es ist klar, daß feiHidje Verkrümmungen des Rück­grates oft die Folge davon sind. Bei der Benutzung eines Ranzens , der die Last gleichmäßig auf den Rücken verteilt, sind solche Fehler ausgeschlossen. Es muß darum allen Eltern dringend geraten wer­den: Gebt euren Kindern nicht zu früh die Schul­mappen in die Hand, laßt sie möglichst lange den Ranzen benutzen! A.

Bornotizen.

Lageskalender für Montag. G. F. G.: 8,30 Llhr, Haupt Übung. Palast- Lichtspiele:Das süße Mädel." Astoria- Lichtspiele:Der Mitternachtsexpreß."

* Personalien. Ernannt wurden: Arn 15. Juli der Polizeiverwaltungsinspeltor Hugo Beate zu Gießen zum Polizeiverwaltungsober- inspektor, der Polizeiverwaltungsobersekretär Wilh. K u st e r zu Darmstadt und der Mini^ sterialrevisor Fritz Köbler zu Darmstadt zu Polizeiverwaltungsoberinspektoren, mit Wirkung vorn 1. April 1927; die Gendarmeriewachtmeister Wilhelm G e e st zu Romrod, Johann Hart­mann zu Eichelsdorf, Heinrich Schneider zu Homberg zu Gendarmerieoberwachtmeistern, mit Wirkung vom 1. April 1927. In den Rube- stand verseht wurden auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten am 1. August 1927 der Lehrer Karl Link an der Volksschule zu Rudingshain (Kreis Schotten), und der Lehrer Christian B i e d e n k a p p an der Volksschule zu Altenstadt, Kreis Büdingen.

" Bis zum 15. August kein Straf­porto. Das Reichspostministerium teilt mit: Es wird wiederholt daraus aufmerksam gemacht, daß die Erhöhung der Postgebühren am 1. August eintritt mit Ausnahme der neuen Paket- und Zeitungsgebübren, die erst vom 1. Oktober ab gelten. In oer Zeit vom 1. bis einschließlich 15. August wird für Postsendungen, die noch nach den alten Gebührensätzen freigemacht sind, nur der Llnterschied zwischen den alten und den neuen Gebühren als Rachgebühr erhoben. Rach dem 15. August wird für unzureichend frei­gemachte Briefsendungen (Briefe, Postkarten, Drucksachen, Geschäftspapiere, Warenproben, Mischsenbungen) das 1'/«fache des Fehlbettages unter Aufrundung auf volle 5 Pf., mindestens aber ein Betrag von 10 Pf. nacherhoben.

Engerer akademischer Ausschuß für Leibesübungen. Rach der Reuwahl des Engeren akademischen Ausschusses für Leibes- Hebungen durch den Gesamt-Senat vom 6. Juli, welche die Ramen Sommer, Kuhn und Leh­mann ergab, hat der neue Ausschuß einstimmig beschlossen, einen turnusgemähen Wechsel des Vorsitzenden eintreten zu lassen. Demgemäß führt

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den Vorsitz: 1. Prof. Dr. Sommer. Rerven- klinik, Am Steg 18, bis 31. August 1927: 2. Prof. Dr. Kuhn, Hygienisches Institut, Am Steg, vom 1. September bis 31. März 1929; 3. Prof. Dr. Lehmann, Mineralogisches Institut, Aula, Ludwigstraße, vom 1. April 1929 bis zur Reu­wahl im Juli 1930. Es wird gebeten, bei Zu­schriften und Desprechungen die zeitlich« Reihen­folge der Vorsitzenden zu wahren.

** Der Polizeibericht meldet: In der Rächt zum 1. August wurde in Wieseck bei einem Wirt und Mehgermeister ein Einbruchs­diebstahl ausgeführt. Der Täter, ein junger Mann aus Heuchelheim, wurde festgenommen und der Staatsanwaltschaft zugeführt. Am Samstag vormittag zwischen 8 und 9 ITfyr wurde von Passanten an dem Winterhafen am Wiß- marer Weg eine Frau mit einem kleinen Kinde in einem Kahn sitzend gesehen, welche unter Zurücklassung eines Sportwagens kurz darauf verschwunden war. Den Umständen nach dürfte die Lebensmüde den Tod mit ihrem'Kinde in der Lahn gefunden haben. Eine sofortig« Ab­suchung der Stelle im Wasser und der rim- gebung führte zu keinem Ergebnis. Es handett sich um die Ehefrau des Formers Willi Werth aus Gießen. Auf dem Polizeiamt sind in letzter Zeit einige Handkarren sichergestellt wor­den. Die rechtmäßigen Eigentümer können sich mit der Kriminalpolizei ins Benehmen sitzen. In der Zeit von Juni und Juli d. 3. wur­den in Gießen von zwei Fremden Passanten« auf der Straße gefilmt bzw. photographiert. Rach Anzahlung von einer Mart wurde die Lieferung eines Lichtbildes demnächst zugesagt, was bis jetzt nicht geschehen ist. Personen, die hierdurch geschädigt sind, werden ersucht, sich mit der Kriminalpolizei ins Benehmen zu sehen. In der Bleichsttahe wurde aus einem Vor­garten in der Rächt zum 31. Juli ein große« verstellbarer Liegestuhl entwendet. Zweckdienliche Mitteilungen hierzu nimmt die Kriminalpolizei Gießen entgegen.

* Dom Gießener Verkehrs-Ver­ein. Die Tätigkeit des Derkehrsbureaus im Juli ist durch folgende Zahlen zu belegen. Reiseaus- fünfte 265, Bäderprospekte 167, Gießener Ange­legenheiten 193, Reichs ad reßbuch usw. 72, Oeffenb* liche Fernsprechstelle 95, Verschiedene Anfra­gen 334.

" Wie man vom Blitz getroffen« Menschen behandelt. Vom Blitz Getrof­fene werden, wenn möglich, wieder zum Leben zurückgerufen dadurch, dah man die Atmung und mit ihr den Blutumlauf wieder in Bewegung bringt. Zunächst ist alle einengende Bekleidung zu entfernen, dann bürste und reibe man den ganzen Körper, um Wärme in das Blut zu bringen und lege Senfteige auf. Alm die Rerven anzuregen, kitzle man das Innere der Rase oder des Schlundes mit einem Federbart. Vor allen Dingen lege man eine dick« Decke unter den oberen Rücken, bah die Brust hoch kommt, fasse die Arme über dem Ellenbogen und beschreibe mit ihnen einen Bogen von oben nach unten und zurück, so daß die Brust sich hebt und senkt; man komme bei dem Senken und Drücken zu Hilfe. Auch kann man beim Heben der Brust mit Atemeinblasen di« Wirkung verstärken, wobei man hinter dem Kopf steht. Tritt bei diesev künstlichen Bewegung das Atemholen von selbst ein, so beginnt damit auch die Blutzirkulation und die Lekensfunktion.

WSR. Das Blumenbrett. Wenn die Blumenstöcke auf dem Blumenbrett viel durch Sonnenglut und Wind zu leiden haben, indem sie austrocknen, gibt es ein einfaches Mittel, sie in gleichmäßig feuchter Beschaffenheit zu erhalten. Man bettet die Töpfe in Moos ein, das manl beim Begießen nach Bedarf mit anfeuchtet. Dem Boden des Blumenbrettes gibt man am besten einen Belag von Zinkblech.

Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt: 273 Ochsen, 86 Bullen, 619 Kühe, 310 Färsen, 495 Kälber, 62 Schafe, 4735 Schweine.

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graphie erfunden, die erst viel später zur Wirksam­keit kamen, weil die Zeit noch nicht reif für sie war. Dem Dänen Valdemar Poulsen wurde die Ver­wendung des Lichtbogens zur Erzeugung hochfre­quenter Schwingungen patentiert, womit ein Mit­tel gegeben war, größere Schwingungsenergien als bisher zu erzeugen und somit die Reichweite der Telegraphie abermals bedeutend zu vergrößern. In­dessen bauerte es fast 10 Jahre, bis der Poulsen- Bogen wirklich angctuenbetjDurbe, erst kurz vor bem Kriege würben bi« ersten Stationen mit Lichtbogen- fenbern gebaut. Die zweite Erfinbung, bie eine noch unenblid) viel größere Bebeutung als bie bes Poul- fenbogens hatte, war bie ber Rohre, bie heute als unentbehrliches Requisit ber brahtlosen Telegraphie unb Telephonie gelten kann. Im Jahre 1904 erhielt ber Engländer Fleming das erste Patent darauf, seine Röhre, die lediglich als Detektor dienen sollte, hatte aber nur zwei Elektroden, während die dritte und vielleicht wichtigste, das Gitter, im Jahre 1908 von Leo d e Forest hinzugefügt wurde. Freilich hatten diese Röhren alle noch nicht das extrem hohe Vakuum, das heute als unentbehrlich gilt, infolge­dessen waren ihre Eigenschaften noch ziemlich unbe­rechenbar: immerhin war die Grundlage gegeben. Ec> hat aber von Lee de Forests Erfindung ab noch fast ein Jahrzehnt gedauert, ehe die Röhre zu dem universell verwendbaren Instrument geworden ist, das sie heut« darstellt sowohl zur Schwingungser zeugung wie zum Empfang. Dazu trug eine Erfin­dung bei, die man wohl zu den wichtigsten in der Hochfrequenztechnik rechnen kann, die auch wiederum von mehreren Seiten gleichzeitig gemacht wurde, nämlich bie ber Rückkopplung. Sie entstaub im Win­ter 1912/13, unb zwar in Amerika unb Deutschlanb, bort von b e F o r e st unb Armstrong, hier von Dr. Meißner gemacht. Durch sie würbe es er­möglicht, bie Röhre zur Schwingungserzeugung zu veranlassen, so baß sie als Sender von großer Kon­stanz der Wellenlänge brauchbar war, gleichzeitig wurde damit die denkbar größte Empfindlichkeit bes Empfanges erreicht.

Neben biefen grunblegenben Erfindungen treten die zahlreichen Schaltungspatente, an Denen die drahtlose Technik von jeher reich war, naturgemäß

an Wichtigkeit etwas zurück, aber um sie unerwähnt zu lassen, sind sie doch zu einflußreich, denn es kommt ja nicht allein auf ein erfolgreiches und sauberes Senden, sondern mindestens ebenso sehr auf laut­starken und sauberen Empfang an. Das erste Pa­tent dieser Art war das Marconisck)«, das den von Braun und Lodge erfundenen abgestimmten Kreis auf den Empfänger anwendete, womit bie Möglich­keit gegeben war, den Empfänger auf verschiedene Wellenlängen abzustinunen. Diese Erfindung zählt auch heute noch, wie man im Zeitalter des Radio nicht mehr auseinanberzusetzen braucht, zu den aller­wichtigsten. Sehr viel später liegen alle die Emp­fangsschaltungen, die heute eine große Rolle in ber Telegraphie und namentlich Telephonie spielen, die als abgestimmte Hochfrequenzverstärkung, Neutro­dynschaltung und Superhederodynschaltung usw. jedem Funkfreunde bekannt sind. Die große Lei­stungsfähigkeit ber drahtlosen Telegraphie, nament­lich die Telegraphie kommt mit viel einfacheren Hilfsmitteln aus ist durch sie erzielt worden, weil sie gestatten, auch ganz schwach ankommende Si­gnale, wenn sie nur überhaupt stärker sind als die atmosphärischen und anderen Störungen, gut hörbar zu machen. Meist sind diese Schaltungen unter eng­lischen Namen bekannt, weil es Amerikaner sind, die ihnen zur Geltung verhalfen haben, aber in fast allen Fällen sind die deutschen Patente älter, nur wurden sie während des Krieges als Geheimpatente erteilt und blieben so unbekannt.

Von den neueren Anwendungen der drahtlosen Telegraphie ist eine der Interessantesten zweifellos die der drahtlosen Bildübertragung. Die bisherigen Erfolg« sind sehr vielversprechend, obgleich di« all­gemeine Anwendung, ähnlich der des Rundfunks, noch nicht sichtbar ist. Aber die Uebertragung von Wetterkarten und einzelnen Bildern, das heißt die Anwendung ähnlich der Telegraphie, wird jetzt schon praktisch ausgeführt unb vielleicht wirb bie dies­jährige große Funkausstellung ein brauchbares Bild« empfangsgerät bringen. Auf alle Fälle muß man, bei der schnellen Entwicklung, die alle Zweige dieser Technik zeigen, stets auf Ueberraschungen gefaßt fein.

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