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läumsrektor, Geheimrat Busch, begrüßte die Fest­este mit einer kurzen Ansprache, auf die der preu­ßische Finanzminister Dr. Höpker-Aschoff und General der Infanterie Reinhardt (Kassel) mit Worten des Dankes antworteten. An den Reichspräsidenten wurde folgendes H u l d i- digungstelegramm geschickt:

Die zur Dierhundertjahrfeier der Philipps-Uni­versität zu vielen Tausenden versammelten Gäste, Dozenten, alte und junge Studenten senden Eurer Exzellenz tief empfundenen Dank für die Worte der Anerkennung, die wir heute vernommen haben und geloben, auch im neuen Jahrhundert zu lehren und zu lernen des deutschen Vaterlandes Größe.

gez.: Busch, Rektor der Philipps-Universität."

Der zweite Festakt.

Auch der Festsonntag stand unter einem gün­stigen Stern. Schon in den frühen Morgenstunden brachten Sonderzü-ge bereits Tausende und Abertau­sende nach Marburg. In den alten wintliaen Gassen der Jubiläumsstadt wogte bald eine festlich ge­stimmte Menge unter einem Meer von Fahnen in froher Erwartung des großen Festzuges, den der Nachmittag bringen sollte. Inzwischen fand für Lehr­körper, Studentenschaft und Ehrengäste in der Fest­halle der zweite Festakt statt, der als Giofel der ganzen Jubiläumsfeier die fein durchdachte und formvollendete

Festrede des Professors der systematischen Theologie D. Dr. Rudolf

Otto überSinn und Aufgaben der modernen Universität" brachte. Im ersten Teil seiner Rede schilderte der berühmte Theologe das neue Ideal der Universität, wie es zu Anfang des vorigen Jahrhunderts im Kreise des jungen deutschen Idealismus von Fichte, Schleiermacher, Humboldt, Schelling und Steffens geformt wurde, und wie es zunächst das Ideal der idealistischen Dezennien des vorigen Jahrhunderts geblieben sei. Im zweiten Teil seines Vortrags be­schrieb Otto dann die bedeutsamen Umwandlungen, die inzwischen im Begriff des Wissens, in der Me­thode und im Objekt der Forschung eingetreten sei, um dann im dritten Teil darzulegen, inwiefern auch die neue Ausgestaltung des ursprünglichen Ideals sich behauptet habe.

Die (khrensenaloren.

Der Rektor Professor Dr. Busch gab dann die Namen derer bekannt, die die Universität in An­erkennung ihres Wirkens für die Universität Mar­burg zum Ehrensenotor ernannt hatte, darunter unter anderem die Landräte Thöne -Witzenhaufen, Inner- Weilburg, Rabe v. Pappenheim- Kassel, Dr. S ch e l lm a n n - Kassel und Schwe­be 1 - Marburg, ferner der Vorsitzende des Nassauischen Prooinztallandtages, Hopf- Frankfurt a. M., der Direktor der Landwirtschaftlichen Haupt- genossenschast in Corbach, Tönsmann, Oberbür­germeister Dr. L e h r - Düsseldorf, Oberbürgermeister Dr. Müller- Marburg, Stadtverordnetenvorsteher Justizrat Rohde-Marburg, Rechtsanwalt Dr. Grimm- Essen, der Vorsitzende des Mitteldeutschen Zettungsverleyer-Vekbanbes Rich. Weber- Kassel, Verlagsbuchhändler Gottlieb Braun- Marburg, Lehrer Kappus- Wiesbaden imb den ehrwürdigen, fast 90 Jahre alten Vorkämpfer des Deutschtums in Chile Dr. Adolf Schürmann in «Santiago de Chile.

Die Ehrenpromotionen.

Hierauf erfolgten durch die Dekane der ein­zelnen Fakultäten die Ehrenpromotionen: Die theologische Fakultät promovierte u. a.: Prof. Dr. Anton Friedrichsen -Oslo, Prof. Dr. William Mitchell-Ramsey- Cdin- bvurgh, den Präsidenten des Reichsgerichts Dr. Walter Simons- Leipzig, Dr. Karl Duis­burg- Leverkusen, Oberpräsident der Provinz Hessen-Aassau Dr. Rudolf Schwander -Kassel.

Die juristische Fakultät: den Geh. Rat v. B elow- Freiburg, den Geh. Rat Frank- München, den Generaldirektor der Preußischen Staatsarchive in Berlin, Geh. Rat v. K e h r, den Landeshauptmann der Provinz Hessen-Rassau v. Gehren, den älniversitäts- prosessor Remterskiöld in älpsala-Schwe- den, den Staatssekretär im preußischen Justiz­ministerium, Geh. Rat Fritze, den Geh. Rat Friedrich v. Müller-München und den 90 Llahre alten früheren Oberbürgermeister der Stadt Marburg, Dr. Schüler.

Von der medizinischen Fakultät wurden u. a. ernannt: der preußische Minister für Wissen­schaft, Kunst und Volksbildung, Prof. Dr. D e ck e r- Derlin, der Präsident der Hessen-Aassauischen Landesversicherung, Dr. Schröder-Kassel, der Geh. Rat Schenk-Münster i.Wests., der Mi­nister a. D. misch, Präsident der Ober- rechnungskammer für bas Deutsche Reich, Prof. Dr. Gysi-Zürich, der Geh. Rat Häuser- Höchst a. M

Die philosophische Fakultät verlieh die Würde eines Dr. phil. h. c.: dem Schulrat Karl A l b r i ch - Hermannstadt (Siebenbürgen), dem Maler Prof. Paul Daum Marburg, dem Prof, der Archäologie Iohn Davidson Beazkeh- Oxford, dem Prof, der Chirurgie an der Dlniver- sität Berlin, Geh. Medizinalrat Dr. August Bier, dem Senator des Königreichs Italien, Benedeito C r v z e - Reapel, dem Oberpriester und Lehrer der Parsen und Hüter seines väterlichen Mazdas, Dar ab PeshvtanSanjana, der sich um die Erforschung der zoroastrischen Reli­gion durch Herausgabe wichtiger Werke besonders verdient gemacht hat, dem Prof, für Philosophie an der Universität Würzburg, Dr. Max von Frey, dem Prof, an der Universität Oxford Godefreh Har dH, dem Prof, der Rechte an der Universität Berlin, Geh. Iustizrat Dr. Ernst H e y m a n n, dem preußischen Finanzminister Dr. Hermann Höpker-A s ch o f f - Berlin, dem Drldhauer Prof. Georg K o l b e - Berlin, dem Landgrafen Alexander Friedrichvon H e s s e n auf Schloß Panker in Schleswig-Holstein, dem Ersten Kapellmeister der Staatsoper in Kassel, Robert L a u g S, dem Präsidenten der Industrie- und Handelskammer in Kassel, Dankdirekt. Karl L. $ l.e 1 ff«r, dem Professor an der Harward- Universität tn Cambridge, Arthur Kingsley Porter dem Rektor der Staatsuniversitat in Mexiko Dr. med. Alfonso Prunedain dank­barer Anerkennung seiner Verdienste um die Gründung der Deutschen Mexiko-Bücherei und in Würdigung seines warmherzigen Interesses für dre deutsche Wissenschaft und das gesamte deutsche «Geistesleben", dem Professor für Physio­logie an der Universität Berlin, Obermedizinal- rat Dr. Rubner, dem Regierungsrat und Mit­glied des Reichsgesundheitsamtes, Professor Dr Rost, dem Schriftsteller Wilhelm Schäfer Ludwigshafen a. Bodensee, dem Professor an der Universität Helsingfors, Vrjö Wichmann, dem I

außerordentlichen und bevollmächtigten Bot­schafter der Vereinigten Staaten von Amerika Jakob Gould Schurman in Berlin,bem viel­seitigen Förderer wissenschaftlicher Bestrebungen, dem tiefdringenden Kenner und Freund deutschen Geisteslebens, dem weitschauenden Vermittler zwischen deutscher imb amerikanischer Kultur". Diese Auszeichnung wurde mit außerordentlich starkem Beifall ausgenommen,

Die Würde eines Doktors der Staat s- wissenschaft wurde verliehen: dem Ober­bürgermeister der Stadt Fulda Dr. Georg Antoni, dem Präsidenten der Rotgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, Staatsminister o. D. D. Dr. Schmidt-Ott- Berlin, dem Ober­bürgermeister der Stadt Kassel, Hans Stadler.

Wegen seiner Verdienste um die alma mater Philippina verlieh die philosophische Fakultät dem Kurator der Philipps-Universität, Geh. Oberregierungsrat Dr. jur. et med. Ernst von Hülsen, ehrenhalber die Rechte und Würde eines Doktors der Philosophie. Gleich­zeitig promovierten ihn gemeinsam die philo- sophische und juristische Fakultät ehrenhalber zum Doktor der S t a a t s w i s sen s ch a f t

Der Ausklang.

Der Nachmittag stand im Zeichen des Schloß- feste s. Aus den ständig einlaufenden Zügen und Autobussen ergossen sich Tausende und Abertausende von Besuchern. Es war ein Wogen und Wallen in der Feststadt, ein Hin- und Herrasen von Autos, Motor- und Fahrrädern, wie es die festlich geklei­deten Straßen des sonst so stillen Städtchens noch nie sahen. Um 13,30 Uhr begann der gewaltige historische F e st z u g. Er zog durch die ganze Stadt vom Ortenberg herauf aufs Schloß. Voran mar­schierten die Musikanten und die Landsknechte, dann folgte der Landgraf Philipp der Großmütige mit feiner Gemahlin und seinem Hofstaat zu Pferde. Auf der Bahnhofsbrücke empfingen ihn die Zünfte und dann zog der imposante, farbenprächtige Zug zum Marktplatz, wo ein kleines Festspiel Theo­dor B i r 15 stattfand, in dem der Magistrat den Landgrafen begrüßte und in Rede und Gegenrede auf die Bedeutung des Festes hingewiesen wurde. Auf dem Schloß wurde der Landgraf von Marbur­ger Sängern empfangen, worauf er mit kurzen Worten das Schloßfest eröffnete. Und jetzt entwickelte sich ein Leben und Treiben, das sich in seiner unge­heuren, farbenfrohen Vielseitigkeit und Ausdehnung gar nicht beschreiben läßt. Da wechselten Schwerter-, Oberhessische Bauern-, Schwälmer-, allgemeine Trachten-, Alt-Marburg- und Volkstänze mit Hans Sachs-Spielen, Vorführungen einer Oberhessischen Spinnstube, und Gesangdarbietungen der Manner­chöre der Marburger Gesangvereine und des Mar­burger Studentenchores. In den Wein- und Bier­zelten, im Schloßkaffee konnte sich jeder gütlich tun, und auf dem sogenanntenBunten Kitzel" konnte jeder seine nod) so anspruchsvolle Launen kitzeln. Die Ehrengäste und die Studentenschaft zogen am Abend zum Festkommers in die große Fest­halle auf dem Kämpfrasen. Gegen 23,30 Uhr, als die Stimmung ihren Höhepunkt erreicht hatte, er­strahlten dann das Schloß und die Elisabethkirche im hellsten Licht, und von der anderen «Seite der Lahn grüßten ebenso der Kaiser-Wilhelms- und der Bismarckturm herüber. Vier lodernde Fanale leuch, teten ins weite Hessenland und verkündigten den Ruhm der alma mater Philippina.

Vertagung in Genf.

Die Krisis der Seeabrüstungskonferenz. Amerika verlangt eine Sicherungsklansel.

Genf, 1. Ang. (WTB.) Schweizerische Depe­schenagentur.) Auf Verlangen der amerikanischen De­legation wunde die Vollsitzung der «veeabrüstungs- konferenz auf zwei bis drei Tage verschoben. Die Vertagung wird damit begründet, daß die Voll­sitzung noch in allen Einzelheiten vorbereitet werden müsse: aber, wie es heißt, wurde der amerikanische Schritt durch wichtigere Momente veranlaßt. Am Sonntagmorgen stattete Discount I s h i i dem amen- konischen Delegierten G i b s o n einen Besuch ab. Hierauf begab sich der Ches der amerikanischen Dele­gation zu Bridgeman, und nach dieser Bespre­chung wurde die Sitzung vom Montag abgesetzt. Es ist vielleicht nicht ausgeschlossen, daß Japan noch ein­mal versucht, den Vermittler zwischen den bei­den anderen Parteien zu spielen'. Anderseits hat di« amerikanische Delegation soeben den Text einer poli­tischen Sicherungsklausel für den Fall, daß das Abkommen zum Abschluß gelangen sollte, ver­öffentlicht, die vorher von den Delegationen ange­nommen wurde. Der Text der Sicherungsklausel «st folgender:

3m Falle, daß vor dem 31. Dezember 1936 eine der vertragschließenden Parteien zu der Auffassung käme, daß die in der Klasse der Kreuzer zugebilligte Tonnage von einer andern Partei dergestalt ver­wendet wurde, daß die Notwendigkeit der Rich­tigstellung der Gesamttonnage dieser Klasse ge­geben wäre, kann diese Partei jederzeit nacy dem 31. Januar 1931 und mit Innehaltung einer sechs­monatigen Frist eine Konferenz der Machte einberufen, und zur Untersuchung der Frage, ob die Richtigstellung durch gegenseitige Abmachung herbei ge hr t werden kann. Im Falle, daß eine Verständigung nicht möglich wäre, kann lebe vertragschließende Partei die Auflö- jung der Konvention verlangen. Diese Modifizie­rung soll in dem auf den Empfang der Note durch die anderen Signatarmächte folgenden Jahre aus- gefuhrt werden. Unter diesen Bedingungen würde der Vertrag unter den anderen Parteien ebenfalls zu Ende fuhren.

... 3U hiefem ameritanifdjen Vorschläge einer poli- ttschen Zusatzklausel schreibt der Korrespondent des Reuter-Bureaus:Dieser Vorschlag ist von den amerikanischen Hauptdelegierten den britischen Dele- gierten m ehrere Tage vor ihrer Abfahrt ma tL. o n ii o n unterbreitet worden. Obgleich der Vorschlag auf keinen günstigen Boden fiel, hat die amerikanische Delegation ihn in der nichtöffentlichen Sitzung am Dienstag eingebracht, und dies erklärt Aum Teil die Zusammenkunft des briti- fcheuKabine tts am Freitag. Bisher haben die britischen Delegierten keinerlei Ansichten über diesen Entwurf einer politischen Klausel aus­gesprochen, deren Zweck anscheinend ist die Eng- länber mit einerSicherheitsvorrichtung" zu oer- sehen für den Fall, daß sie die Zahl ihrer großen Kreuzer vermehren müssen. Die von Amerika vorgeschlagene politische Klausel wirb von Beobach tern dahm ausgelegt, daß sie einen Mangel an Vertrauen zu den Teilhabern des Vertrages be- füglich der Einhaltung der Vertragsbestimmungen bekundet. Daß die Engländer einer derartigen Klausel nicht z ii Ü i m m e n können, bedeutet feine lieber rafshung. Das Ergebnis der Konferenz bleibt infolge­dessen immer noch in der Schwebe."

Dr. Reinhold

über den Dawesplan.

Deutschlands Leistungsfähigkeit begrenzt.

Williamstown, 31.Juli. (WTB.) In einem Interview mit einem Vertreter der Asso­ciated Preß gab der frühere deutsche Reichs- finanzminister Dr. Reinhold dem Zweifel Aus­druck, ob Deutschland im Stande sein werde, die durch den Dawesplan auferlegten Zahlungen zu leisten. Es sei md)t vvrherzusehen, ob die deutsche Wirtschaft die nötigen hohen Steuern tragen könne. Rach der Ansicht Sachverständiger sei dies zweifelhaft. Gegenwärtig, so führte Dr. Reinhold weiter aus, bestehen keine Schwierig­keiten: auch wird jede deutsche Regierung nach besten Kräften die Erfüllung anstreben, jedoch ist zu berücksichtigen, daß Deutschland geinäß dem Dawesplan um die Hälfte mehr zahlen muß, als die gesamten anderen Schuldner­nationen an Amerika zahlen sollen. Die Zahlun­gen können nicht aus dem Kapitalbesitz, sondern müssen aus dem Rationaleinkommen geleistet werden. Die Frage lautet daher weniger, was Deutschland produziert, als was es verdienen farat Der Dawesplan hat indessen die Beziehungen zu Amerika gefestigt, da er ame­rikanischen Vorschlägen entsprungen ist und mit amerikanischem Geld finanziert worden ist. Dr. Reinhold sprach die äleberzeugung aus, die Ge­wissenhaftigkeit, mit der Deutschland den Dawes­plan erfülle, werde tn Amerika anerkannt werden.

Die Hindenburgspende.

Berlin, 31. Juli. (WTB.) Wie wir erfahren, wirb die preußische Regierung in ber näch­sten Zeit einen Aufruf zur Hinbenburgspenbe er­lassen. Dankenswerterweise haben sich schon jetzt die preußischen Provinzialverwaltungen ent­schlossen, sich mit einem Gesamtbetrag von 200 000 Mark an ber Hinbenburgspenbe zu beteiligen. Inner­halb ber großen w ir t s ch a f t l i ch« n Verbänbe setzt, nachdem nunmehr auch die Industrie und die Landwirtschaft aufgerufen Haven, gegenwärtig eine starke Werbetätigkeit unter den Mitgliedern ein. In ganz besonbers dankenswerter Weise ist die Werbung bereits von einzelnen Handelskammern, dar­unter vor allem auch ber Berliner, geregelt worden. Ganz besonders erfreulich und kennzeichnend für die Verehrung, die der Reichspräsident in den breiten Schicksten genießt, ist, daß unter den bei den Post- ä m tern bereits eingezahlten Betrügen sich auch viele in Höhe von 30 und 50 Pf. befinden. Auch aus den Kreisen ber deutschen Presse in Nordame­rika, vor allem aus Milwaukee, liegen Meldungen vor, die erkennen lassen, wie der Gedanke der Hinden- burgspende bei den Deutschen Nordamerikas gezündet hat. Diese Tatsache verdient um so mehr Anerken­nung, als gerade die Deutschen sich finanziell sehr stark an der Bewegung zur Linderung der Flut- schaben des Mississippi beteiligt haben.

Carol und die Thronfolge in Rumänien.

Der Exkronprinz kündigt eine Intervention an.

Paris, 31. Juli. (Wolf.) DerMattn" oer- öffenllicht eine Erklärung des Prinzen Carol von Rumänien, in ber es heißt:Trotz meines lebhaften Wunsches, mich zu den Beisetzungsfeierlichkeiten meines Vaters zu begeben, wurde mir in striktester Form mitgeteilt daß meine Anwesenheit nicht erwünscht sei. Obgleich diese Antwort mir gegenüber als der letzte Wille des Königs hin- gestellt ist, bin ich darüber unterrichtet, daß ber letzte Wunsch meines Vaters ganz irn Gegen­satz hierzu stand. Mir liegt ber Gedanke fern, in meinem Lande irgendeine Aktion zu entfachen, Ich habe vor eineinhalb Jahren auf meine Rechte verzichtet, weil ich durch Personen und Mittel da­zu gezwungen wurde, über die ich mich im einzelnen nicht äußern will. Es ist mir sehr nahe gegangen, mich entschließen zu müssen, diesen Schritt zu tun, dessen Folgen ich beklage. Die über mich ver­breiteten Legenden batten mit meinem Entschluß nichts zu tun. Heute hat sich die Lage qeä nb e rt, benn heute erweckt bie Zukunft Rumäniens ernfte Besorgnisse. Mein Vater hat eine ernste Erb­schaft hinterlassen. Die fruchtbare Arbeit zweier Ge­nerationen bars nicht in Gefahr gebracht werben. Ich habe als Rumäne unb Vater bie Pflicht, über bie Größe ber Nation zu wachen, bamit ber «Staat in keiner Weise beeinträchtigt wird unb mein Sohn ein unantastbares Erbe erhält, wenn seine Zeit ge­kommen ist. Diese Lage gibt mir bas Recht, per- sönlich zu i n t e r v e n i e r e n. Ich habe ben lebhaften Wunsch, meinem Lanbe nützlich zu sein. Ich würbe es niemals ablehnen können, dem Wunsche meines Volkes zu gehorchen unb seinem Ruf zu entsprechen, wenn er an mich gerichtet wirb."

Die chinesischen Wirren.

Die Einigung des Südens.

Tientsin, 30. Iuli. (Kabeldienst der Tel- Union.) lieber die Vermittlungsaktion Fen- ghusians zwischen Hankau und Tschiangkai- schek verlauten nunmehr noch Einzelhetten. Die Hankauer Militärsunttivn hatte beschlossen, die 2luflösung der von Tschiangkaischek einge­setzten Rankingregierung sowie eine ge- aenfeihge Am nestie zu fordern. Die Erfül- lung dieser Vorschläge wurde zur Voraussetzung einer Eimgungskonferenz gemacht. Fengyusiang hat daraus Tschiangkaischek vorgefchlagen, die Rankingregierung sowohl wie die Hankauregie- rmig sollten beide umge stallet werden und sich zu einem gemeinsamen energischen ? 0 y c , n uach Rorden vereinigen. Rach der Einnahme von Peking soll dann eine na- l'r?na Am ?neten5 abgehalten werden.

herljält sich gegenüber dem Der- mittlungsvorschlag von Fengyusiang einstweilen noch abwartend. Zusammenstöße zwischen den beidersei.igen Truppen von Ranking und Hankau sind nicht erfolgt, anscheinend, weil beide Par­teien eine unsichere Haltung der Truppen be­furchten. r

3n ^anfou sind S t r ei ku nruh en aus­gebrochen. Rachdem die chinesische Handelskam-

ihre Beisteuer für die Rikschakulis eingestellt hat. sind diese in den Streik getreten. Zs handelt sich um 7000 Kulis. Truppen und Gendarmen waren notwendig, um die Kulis au8 dem Gebäude der Handelskammer zu ent­fernen. Später wurde ein Versuch gemacht, die Verhafteten aus dem Polizeibureau in der Eingeborenenstadt zu befreien. Der Mob griff die Polizei an, die darauf feuerte. Vier Kulis tour&en getötet und eine Anzahl verwundet.

Hierauf zerstreute sich die Menge. Der Be­lagerungszustand ist erklärt worden, da bie Behörden einen kommunistischen Oluf- sta n d befürchten. Der Streik der Kulis dauert an.

Aus aller Welt.

Das Alter der deutschen Universitäten.

Im Zusammenhang mit den großen Iubi- läumsfeierlichkeiten in Tübingen und Marburg wird es unsere Leser interessieren, etaxis über das Alter der deutschen Universitäten zu erfahren. Die älteste deutsche Universität dürste wohl Prag fein. Die Universität Wien wurde 1365 gegründet. Die älteste reichsdeutsche Universität ist die Ruprecht°Karls°älniver>ttät in Heidel­berg, die 1386 gegründet wurde. 1409 entstand die ilniberfität Leipzig nach dem Auszug der deutschen Studenten und Professoren aus Prag. 1419 ist das Gründungsjahr der ersten nord­deutschen Universität in Rostock. 1456 entstand als zweite Universität an der Ostsee Greifs­wald. Als zweite badische Universität wurde 1457 die Albert-Ludwigs-älniversität in Frei­burg gegründet, 1472 die bayrische Ludwig- Maximilians-Universität, die damals in Ingol­stadt gestiftet wurde, später nach Landshut und 1326 nach München verlegt wurde. Fünf Iahre später, 1477, wurde dteEberhard-Kail-älniver i ät in Tübingen gegründet. Die Friedrichs-Uni­versität in Halle-Wittenberg geht auf das Gründungsjahr 1502 zurück. Die schlesische Friedrich-Wilhelms-älniversität in Breslau wurde 1506 in Frankfurt an der Oder gestiftet, und kam 1702 nach Breslau. 1811 ist sie dann zum zweitenmal gegründet worden. Die Marburger Philipps-älnivcrsität grün­dete der hessische Landgraf als erste weltliche Hochschule 1527. Ihr folgte die Albertus-Tlni- Vvrsität in Köni gsberg 1544, die Universität Iena 1558, die Erneuerung der Iulius-Maxi- milians-Tlniversität in Würzburg 1582, die Universität Graz 1586. Im Iahre 1607 wurde die hessische Ludwigs-Universität in Gießen gegründet, 1665 die Christtan-Albrechts-Hniver- sität in Kiel und 1673 die Leopold-Franzens«! Universität zu Innsbruck. Kinder des Ra­tionalismus sind die 1737 gegründeten Georg- August-Tlniversität zu Göttingen und bi« 1743 gegründete Georg-Alexander-Tlniversität zu Erlangen. Aus der Zeit der Erhebung stam­men die 1810 gegründete Friedrich-Wilhelms- Tlniversität zu Berlin und die Rheinische Friedrich-Wilhelms-älniversität, die 1818 in Bonn gegründet wurde. Eine letzte Welle der Universitätsgründungen kam in dem Iahrzehnt vor dem Kriege. Es entstanden 1892 die Uni­versität Münster, 1914 bie Universität Frankfurt und nach dem Kriege 1919 die, Universitäten Hamburg und Köln.

Massenflucht aus Berlin.

Gestern hatten sämtliche Derkehrsunternch- men Rekordziffern zu verzeichnen. Die Straßen­bahn mußte einen großen Teil ihres Reserve­wagenparks zu Hilfe nehmen, um auch nur an­nähernd den Riesenverkehr bewälttgen zu können. Die Wannseebahn erreichte die höchsten Ver­kehrsziffern in der bisherigen Iahresstattstik. Im Freibad Wannsee wurden rund 70000 Be­sucher gezählt und fast die gleiche Ziffer konnte das Freibad Müggelsee verzeichnen. Lei­der ist auch eine Anzahl tödlicher Badeunfälle zu verzeichnen. Insgesamt lind in der Umgegend von Berlin sieben Personen ertrunken.

Die hochwasserkalastrophe in Indien.

Die telegraphische Verbindung mit Baroba, bas infolge bes Hochwassers drei Tage hinterein­ander unter Wasser gesetzt war, wurde wie- berherhestellt. Die Zahl der Toten in der Stadt be­läuft sich auf ungefähr 30. Man befürchtet jedoch, daß noch weitere Kinder in der Umgebung ertrunken sind. In Ahmadabad sind 40 000 Personen ohne Unterkunft. Irn übrigen nimmt das Leben wie­der feinen normalen Charakter an. Einer der beiden indischen Küstendampfer, ber am 23. Juli von Bom­bay abgefahren ist, unb von bem mehrere Tage keine Nachricht vorlag, ist in Karachi eingetroffen.

Schweres Eisenbahnunglück in Brasilien.

Infolge falscher Signalstellung stießen auf der Sttecke del CastilleTorredowa in Brasilien ein Personenzug und ein Güterzug zusammen. 25 Reisende wurden getötet und eine größere Anzahl schwer verletzt.

vor ben Augen des Ehemannes ermordet.

In Wien hat der 25jährige Drogist 3a- rosch seine Tante, die Konfitürenhändlerin Anna Matz, von der er Geld verlangt hatte, das sie ihm jedoch verweigerte, erdrosselt und sodann aus der Geldlade, da er sich im letzten Augen­blick überrascht glaubte, nur 5,5 Schillinge an sich genommen. Die Tat geschah in Gegen­wart des Ehemannes, eines Kriegsinva- liden und Epileptikers, der infolge der Aufregung einen epileptischen Anfall bekam. Iarosch wurde festgenommen. Später wurde auch bet Gatte der Ermordeten unter dem dringenden Verdacht der Anstiftung zum Morde ver­haftet.

Schwere Berunlreuungen.

In den großen FleischwerkenPresto" tn Berlin-Wilmersdorf waren Fleischmengen in außerordentlichem Umfange entwendet worden, die sich auf eine Zeit von mindestens fünf Iahren erstreckten. Die Rachforschungen der Kriminalpolizei haben jetzt zu einem über­raschenden Ergebnis geführt. Es ist festgestellt worden, daß eine zwanzigköpfige Ver­brecherbande, die sich vornehmlich aus Angestellten der Fleischwerke zusam- mensetzte, die sich nur auf Diebstähle beschränkt hat, sondern aus Angst vor Entdeckung in der Rächt vom 12. zum 13. März 1925 die umfang­reichen Lagerräume der Firma Presto inFlam- men auf gehen lieh. Insgesamt sind bisher unter dem Verdachte des fortgesetzten «Einbruches und der Hehlerei (u. a. ist eine geheime Räu­cherei der Verbrecher aufgedeckt worden) mehr als 20 Personen verhaftet worden. Der Haupttäter ist flüchtig.

Wettervoraussage.

Noch Fortbauer bes warmen, zeitweise stärker bewölkten, auch aufheiternben Wetters mit Ge­witterneigung.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 26,8 Grab Celsius, Minimum: 13,8 Grab Celsius. Heutige Morgentemperatur: 18,0 Grab Celsius. Gestrige Sonnenscheinbauer: 6 Stunden.

Witterungsaussichten für Mittwoch: Im allge­meinen noch keine wesentliche Aenberung.

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