Nr. 177 Erstes Statt
177. Jahrgang
Montag, 1. August (927
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Eichener Anzeiger
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Dr. Friedr. Wilh. Lange. Berantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Teil Ernst Blumschein; für den Anzeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Giehen.
Vie vierhundert-Zahrseier der Marburger Philippruniverfität.
Svnderbericht des „Gießener Anzeigers".
Marburg, 30. Juli. Aach dem gestrigen so gÄungenenAuftakt nahm dieVierhmrdertjahr- seier der Philippsuniversität heute einen weiteren glänzenden Verlauf. Bald entwickelte sich in den Straßen ein solch ungeheurer Verkehr, daß die hiesigen und aus Kassel herbeigerufenen Polizisten keinen leichten Dienst hatten. Am Morgen dröhnten von allen Kirchen die Glocken, um die Gäste urrd die Bürgerschaft Marburgs zum F e st- gotteSdienst zu rufen. Gegen 9.30 iUjr füllte sich die zum Jubiläum vollständig umgebaute Aniversitätskirche mtt Gästen und Ehrengästen. Die studentischen Verbindungen im Wichs mit ihren Fahnen, die Rektoren der fremden Ani- dersitäten und der Lehrkörper der hiesigen Universität in ihren: mannigfaltigen Ornat machten einen festlichen Eindruck in dem hohen, prächtigen, von der Sonne hell durchschienenen Kirchenraum, in dem Universitätsprediger Prof. Dr. Dornhäuser die Festpredigt hielt. Aus der Kirche bewegte sich dann der Zug der hiesigen Dozentenschaft und der Ehrengäste unter Dorantritt Seiner Magnifizenz des Rektors, Geheimrat Prof. D. Busch durch die festlichen, von Zuschauern wogenden Straßen M rburgs zum
1. Festakt
in der großen Festhalle auf dem Kampsrasen, die nach dem feierlichen Einzug der Korporationen mit ihren Fahnen, den Rektoren der fremden Universitäten in ihren farbenprächtigen Ornaten und den vielen fremden Gästen ein außerordentlich stimmungsvolles Bild bot. Unter den Gästen bemerkte man den Vizekanzler und Justtzminister Exz. H e r g t, die preußischen Minister Dr. Decker und Dr. Höpke r°A s ch o f f, den Ober- präsidenten der Provinz Hessen-Aassau Exz. Schwände r, Landeshauptmann v. Geh rem Im Aamen der Philippsuniversität begrüßte die Gäste
der Jubiläumsrehtor
Geh. Rat Pros. Dr. Busch:
Marburg feiere das Fest wie ein Familienfest und habe deshalb nur die deutschen wissenschaftlichen Körperschaften innerhalb und außerhalb des Reiches zu sich gebeten. Marburg sei die erste, ohne geistliche Betätigung gegründete Universität. Die sei aber auch die erste auf reformatorischem Boden erwachsene und von Begmn an evangelische Universität gewesen. So habe die Hochschule des kleinen Hessenlandes Epoche gemacht in unserer Gelehrtenwelt. Heute hätten wir einen paritätischen Staat und eine paritätische Universität. Heute frage man nicht Mehr nach dem Bekenrttnis des Lernenden und des Lehrers. Die Universität sei als eine Gründung für alle geplant, aber zunächst besuchten sie nur die Söhne des eigenen Landes. Die späteren Aachfahren des Grü'.rders haben jedoch wenig in seinem Geiste gewirtt und ließen seine Schöpfung teilweise bis an den Rand des Unterganges kommen, bis die kurhessische Universität in den breiten Strom des großen Staates hineingestellt wurde, bis Marburg preußisch wurde. Das war ihr Erwachen von langem Schlummer. Seitdem geht es mit Marburg wieder bergauf. In Marburg zeigen jetzt nur noch geringe kümmerliche Reste die kleine staatliche Vergangenheit. Lehrer und Lernende seien nur zu einem kleinen Teil hessisch. Kaum ein deutsches Land sei in ihm nicht vertreten. Man könne nicht in die Zukunft schauen, aber es sei 'der Weg. gewiesen, auf dem die Geschlechter der Zukunft weiterzugehen hätten.
Kultusminister Dr. Becker überbrachte darauf die Grüße der preußischen Staatsregierung und begrüßte' sodann als Chef der Unterrichtsverwaltung die Ehrengäste. Besonders warme Worte der Begrüßung widmete der Minister tem amerikanischen Botschafter in Berlin, Schurman, der sich hier als Gelehrter unter Gelehrten fühlen könne. Sein starkes geistiges Interesse an der deutschen Kultur hätte ihm die Sym- pachie aller Verständigungsfreunde eingetragen. Die Marburger Universttät sollte nach dem Willen ihres Stifters nicht engem Konfeffionalismus dienen. Alle evangelischen Bekenntnisse sollten hier eine Heim- flätte finden. Immer habe in Marburg, sofern nicht reaktionäre Regierungen eingriffen, derGeistder Toleranz auch dem Katholizismus gegenüber bestanden. Mit der Erweiterung unseres Horizontes ’si dieser Geist der Toleranz mit dem Studium und vergleich der Konfessionen zu dem Studium und vergleich der großen Weltreligionen übergegangen, jo daß das Marburg des Jubiläumsjahres ein vorbildliches Zentrum dieses wichtigen Gebietes genannt werden könne. Hessisch sei Marburg auch geblieben nach seiner Angliederung an Preußen, mit der die eigentliche Blütezeit Marburgs angefangen Habs. Stets habe die Philipps-Universität engste Fühlung mit den Selbstverwaltungsinstanzen gehabt, und der vollendetste Ausdruck dafür sei das Jubiläums- ge s ch e n k, zu dem sich die Instanzen der Provinz zusammengefunden hätten. So wurzelt die erste geistige Kontinuitätslinie in den sich durch die Jahr- hundette gleichbleibenden ethnischen Grundlinien eines Volksstammes oder einer Ration. Aber der Wandel kommt, wir steigen nicht zweimal in den gleichen Fluß des gleichen Geistes. Den lebendigen Strom des Werdens hat Marburg nicht an sich vorbei rau sehen lassen. Es muß sich heute der Verbundenheit mit der großen geistigen
Entwicklung unseres Voltes bewußt fein. Er wolle keine Namen nennen. Aber sei nicht die gewaltige Welle der Pädagogik, die unsere Zeit durchbraust, von hier aus mit in Bewegung gesetzt und in ihrer Richtung entscheidend beeinflußt worden? Sind von hier aus nicht große philosophische und naturwissenschaftliche Ereignisse in alle Welt gegangen? Ist es nur ein Zufall, daß eine erstaunlich große Zahl von führenden Medizinern der Gegenwart einmal Lehrstühle an der Philipps-Universität inne- gehabt haben? Ist Marburg, insbesondere seine Stu- dentenschast, nicht führend in der Pflege der Leibesübungen, die unser künftiges Bildungsideal vielleicht stärker beeinflussen werden, als wir heute ahnen? Selten sei ein Jubiläum mit so großer Voraussicht und mit so großem Verantworllichkcilsgefühl vorvereitet worden, wie die 400-Jahr-Feier der Philipps-Universität. Was die Provinz Hessen-Nassau, die Stadt Marburg, der Universitätsbund usw. getan haben, wird immer in der Geschichte fort!eben als ein ruhmreiches Zeichen dafür, daß auch in schwerster Zeit Wissenschaft und Kunst ein unverlierbarer Besitz des deutschen Volkes geblieben sind. Die Staatsregie- rung, welche überall helfend eingegriffen habe, sei in der glücklichen Lage, gleichzeitig mit dem Bau der Kinderklinik eine neue Ohrenklinik darzubieten. Ferner habe sie mit der Begründung einer Jubiläumsprofessur für Prähistorie einem ureigensten Wunsch des Hessenlandes entsprochen. Der Minister schloß i Wir wollen leben, wir glauben an unsere Zukunft, und wir sind zu Opfern bereit. Diese Opfer haben wir gebracht, weil es sich um eine Gcistesstätte, um eine Bildungsstätte unserer Jugend handelt, und alles das war möglich ttotz der Intresfengegensätze, trotz der parteipolitischen Zerrissenheit unseres Volkes, weil wir in den Fragen unserer nationalen und geistigen Existenz doch einiger und geschlossener sind, als wir es im kleinlichen Tageskampf Wort haben wollen.
Als Vertreter des Herrn Reichspräsidenten unb der Reichsregierung ergriff dann das Wort der Reichsjustizminister
Vizekanzler Sergi:
Bevor ich den Reigen der glückwünschenden Festgäste eröffne, habe ich die Ehre, mich eines Auftrags des Herrn Reichspräsidenten zu entledigen. Wenn heute die llnl- versität Marburg ihr erinnerungsreiches und hoffnungsfrohes Jubiläum feiert, so feiert mit ihr zugleich das deutsche Volk, das dem 400jähri- gen Walten geistiger Kräfte an der Lahn unschätzbare Werte verdankt. Da weilt auch der Herr Reichspräsident heute in Gedanken unter Ihnen, und zum Zeichen seiner HerzenSempfin- dungen hat er ein Handschreiben an Die Universität gerichtet, das zu verlesen ich die Ehre habe:
„Eurer Magnifizenz, dem Senat und der Siudenlenschaft entbiete ich zur vierhundert- jahrfeier der Philipps-Universität meine herzlichsten Glückwünsche. Mit dem ganzen deutschen Volke und insbesondere dem Hessenlande nehme ich an Ihrer Feier aufrichtigen Anteil. Möge Ihre altbewährte alma mater auch fernerhin einen führenden Platz im deutschen Geistesleben einnehmen und es sich wie bisher angelegen fein kaffen, der Jugend reichliches und gründliches wissenschaftliches Rüstzeug zum Vesten des Vaterlandes mit auf den Weg zu geben. Den netten, von vorbildlicher Opferwrlligkeil und erfreulichem Ge- meinsinn zeugender Iubiläumsskifkungen aber wünsche ich, daß ihnen ein segensreiches Dirken beschieden sei.
gez. von Hindenburg."
Lind nun. nachdem Sie aus diesem Handschreiben das hohe Interesse und die Qlnerfen» nung des obersten Vertreters des Deutschen Reiches ersehen haben, wollen Sie zugleich aus meinem Munde die herzlich st etc Glückwünsche und Grüße der Reichsregierung entgegennehmen. Im Schicksalsbilde Ihrer alma mater erblickt das Reichskabinett eine erneute Bestätigung der alten Wahrheit, daß deutsches Wesen und deutsche Volksgemeinschaft am fruchtbarsten gedeihen, wenn örtliche Kräfte sich in Selbständigkeit entfalten können, wenn auch Stammeseigenart, Bodenständigkeit und engerem Heimatgeftchl der Trieb zum höchsten Wettbewerb mit den übrigen Volksgenossen erwächst, wenn das Bürgertum der kleinen Stadt dem Großstädtertum, toeim die Provinz der Zentrale in wohl abgewogenem Ausgleich die Wage hält. Das heimatliche Aest, das Wissenschaft und Akademikertum sich hier in Marburg an die Berge gezaubert hat, klein aber fein, die stille und doch so segensreiche Denkerarbeit der Gelehrten — ich brauche vom Standpunkt meines Justizressorts aus nur an das hervorragende Wirken der juristtschen- oder persönlicher ausgedrückt der Savigntz-- und En- neccerus-Fakultät zu erinnern — alles dies war eine lebendige Keimzelle für deutsche Kraft im großen deutschen Dölkskörper all die vergangenen Jahrhunderte hindurch und soll und wird es, so Gott will, auch weiterhin bleiben!
And dann ein Zweites! Politik und Wirtschaft erscheinen heute fast als alleinherrschende Parolen des öffentlichen Lebens. And doch, so groß die Wichtigkeit dieser beiden Formen und Mittel, dem Volksganzen zu dienen, auch sein mag, ein Souveränitätsrecht vor andern Mitteln stcht ihnen nicht zu. 3m Gegenteil, vor und
über der politischen und wirtschaftlichen Erneuerung stäht die seelische Erneuerung des deutschen Volkes, und weit über die unsichere polittsche, so oft von Stimmungen und Tagessttömringen beeinflußte Erkenntnis hinaus wie über die gleichfalls noch so unsichere Erkemttnis wirtschaftlicher Probleme ragt hoch uni) klar de r Ewigkeitswert der wissenschaftlichen Erkenntnis. Sie aber ist ihr Lebenswerk, und unsere Ausgabe ist es, die Aeberzeugung von der Wichtigkeit dieses ihres Lebenszweckes zum Allgemeingut au machen. So gewiß wir uns nicht nur als Volk der Dichter uni) Denker bescheiden wollen, so gewiß muffen wir doch alles daransehen, um ncvH wie vor das Volk der Dichter und Denker zu sein!
And endlich ein Drittes I Das Akademi- f e r t u m als Stand genommen bildete und bildet mich heute noch eine Art Staat im Staate; der akademische Bürger fühlt sich im Geltungsbereiche seiner Organisation als Bürger besonderen Rechts. And sicherlich ist das starke Selbstgefühl des Akademikers durchaus berechtigt, das Gefühl, der gegebene Hüter der Wissenschaft zu sein, schon in jungen studentischen Jahren durch Höch st e Freiheit d i e Höch st e Verantwortung zu lernen und vor anderen Bevölkerungsgruppen der Träger gerade des Führer- und Persönlichkeitsgedankens zu sein; und wenn auch in der heutigen wirtschaftlichen und sozialen Schichtung des Volkes durch das Voranlommen anderer Berufskreise der Akademikerstand gegen früher vielleicht etwas zurückgetreten ist, so gilt doch noch immer auf zahlreichen und nicht den unwichtigsten Gebieten des Volkslebens der Ruf: Die Akademiker vor die Front! Aber dieser Staat im Staate darf sich nicht mit Mauern umschließen, sein Eigenleben muh sich aus innerem Drange vermischen mit dem Gemeinschaftsleben, feine Burger müssen den Weg zu Kopf und Herz der Mitbürger zu finden wissen. In den entscheidenden Dolksfragen muß es heißen; Akademiker und alle übrigen Volksgenossen, Kopf- undHandarbeiter vereint in einer Front! Am Ende ihrer 400jährigen Geschichte stehen Jahrzehnte, in denen das Verständnis für diese Gemeinschaftsnotwendigkeit sich schon in immer stärkerem Maße durchgesetzt hatte. Wie wundersam die bevorzugten Stände und die einfacheren Vvlkskreise miteinander seelisch verschmelzen können, hat dann der Krieg in den Höhepunkten seiner Erlebnisse bewiesen; es gilt nur, jene Erinnerungen in lebendiger T a t s ich fortgesetzt erneuern zu lassen, und die Reichsregierung vertraut darauf, in Ihnen die rechten Pfleger dieses großen Kameradschaftsgedankens zu finden!
Meine Damen und Herren! Ohne Tradition kein neues Leben! Ihre ruhmreichen Aniversitätserinnerungen und der lebendige Anblick all der Giebel und Sinnen Ihrer Stadt, die, angetan mit dem geheimnisvollen Zauber der Vergangenheit, in ragender Festigkeit so zwanglos aus der alten in die neue Zeit hinüber- führen, mögen Sie zu neuen Leistungen an» spornen, wie sie der Zeitentwicklung entsprechen; denn eine jede Zeit stellt ihre eigenen Ansprüche an die, die darin arbetten; die kommenden Jahrzehnte werden Ihnen ungeahnt und unerhört große Aufgaben bringen, unendlich große Opfer von Ihnen fordern; mögen Sie sich dem gewachsen zeigen in dem Bewußtsein, daß jeder einzelne nur Existenzberechtigung hat bei vollster Pflichterfüllung für die Allgemeinheit. Salus populi suprema lex!
Weitere Gratulanten.
Der Oberpräsideitt der Provinz Hessen-Aassau, Dr. Schwänder, überbrachte darauf mit schlichten, herzlichen Worten die Grüße und Glück- wünsche des Oberpräsidiums, während Landeshauptmann v. Gehren die Glückwünsche ter Provinzialverwaltung für Hesseu-Aassau entbot. Die Grüße der Stadt Marburg übermittelte Oberbürgermeister Dr. Müller, welcher zugleich mitteilte, daß die Stadtverwaltung beschlossen habe, zum Zeichen der Dankbarkeit den Jubiläumsrektor Busch und den Kurator (Geheimrat Dr. v. Hülsen zu Ehrernbürgern der Stadt Marburg zu ernennen. Für den Deutsch-Evangelischen Kirchenausschuß sprach Landesoberpfarrer Dr. Möller, der zugleich im Auftrage der drei evangelischen Landeskirchen von Hessen, Aassau und Frankfurt a. M. die Summe Don 50 000 Mark Überreichte, die zum Ankauf des historischen Forsthauses dienen sollen, damit darin eine Heimstätte für Stchendiaten erbaut werden könne. Aamens des Bischofs von Fulda sprach darauf Dvmkapttular D. Richter, als Vertreter der Israelitischen Religionsgemeinschaft der Provinz Hcsfen-Aassau Provinzialrabbiner Dr. Cohn.
Es folgte dann die Aebergabe der Stiftung. Mit starkem Beifall begrüßt überbrachte der Vorsitzende des Aniversitätsbundes, Geh. Ober- regierungSrat Dr. Häußer - Frankfurt a. M.. Generaldirettor der Höchster Farbwerke, die Wünsche des Bundes. Der Aniversitätsbund, eine Vereinigung der Freunde und Förderer der Aniversität, sei gegen viele kleine bedeutungslose Geschenke gewesen und sei für die Zusammenfassung aller Kräfte zur Schaffung einer Jubiläumsgabe von großem Ausmaße ein- gerieten. Dieser Gedanke sei wohl kaum zur Tat
geworden, hätten sich nicht alle Körperschaften der Provinz in großzügiger Weife im AniverfitätSbund zu gemeinsamer Arbeit zusammengefunden. Die ötaatäregicrung habe in wohlwollender Weise die Ausführung gefördert und die Zukunft des Planes durch die Erklärung gesichert, die Kosten des Betriebes und der Anterhaltung zu übernehmen. So sei der Bund heute in der glücklichen Lage, als gemeinsame Gabe der Kommunalverwaltungen ein Kunst- Institut der Jubilarin darzubringen, das dazu dienen möge, das Ansehen der Philippsuniversität zu mehren.
Der Präsident des kurhessischen Landtages, v. Keudell, machte darauf Mitteilung, daß der Kommunallandtag einen Betrag von 300 000 Mark als Jubiläumsspende für das Kunstinstitut bewilligt habe.
Es sprachen dann noch der waldeckische Can* desdirektor Dr. Schmieding, Landrat von Gilsa für den preußischen Landkreistag, Unterabteilung Kassel, Landrat Jenner für die nassauischen Landkreise, Oberbürgermeister Stadt- l e r » Kassel, Oberbürgermeister Antoni- Fulda als Vertreter des preußischen Städtetages, Oberbürgermeister Dr. Lehr- Düsseldorf, der Vorsitzende der Handwerkskammer W i l d a g t - Kassel, der Vertreter des Reichsgesundheitsamtes Geheimrat R o st, der besonders auch die Glückwünsche des hochherzigen Stifters der Kinderklinik, Dr. George Horst übermittelte und der Großindustrielle ®ebeimrai Prof. Dr. Karl Dulsberg, der dem Studentenheim e. V das nach ihm benannte Wohnheim, Karl Duisberg- Haus schenkte. Der Rektor der Philippsuni- versität sand Worte warmen Dankes für die Glückwünsche und Stiftungen. Hierauf übermittelten die fremden Hochschulen und Akademien ihre Glückwünsche, der Rektor der Aniversität Leipzig, Geh. Rat Pros. D. 6 i b e r, für die deutschen Aniversitäten, der Rektor der T ch- nischen Hochschule in München, Geh. Rat Prof. D. Zenneck für die deutschen technischen Hochschulen imö Bergakademien, Geheimrat Fischer- Leipzig für die deutschen Akademien, Staatsmini- fter Dr. D. Schmitt-O tt für die Aotgemein» schäft der deutschen Wissenschaft und für die Kaiser-Wilhelm-Gefellschaft, der Rektor der Ani- versttät Prag, Geh. Rat Prof. D. Rauchberg, für die Aniversitäten Prag und Brünn, Geheimrat M o l l i s ch - Wien für die Aniversitäten Innsbruck, Wien und Graz und der Rektor der Aniversität Bern, Prof. Dr. M a h n c für die Universitäten Bern, Basel und Zürich. Aach einem kurzen Schlußwort des Rektors begaben sich die Ehrengäste und die Dozentenschaft dann in feierlichem Zuge zu einem Imbiß tn die Ani- versitätsaula.
DieUebergabederneueuInsüLute und Klimfen.
Kurz nach 4.30 Ahr nachmittags erfolgte die feierliche Einweihung des neuen Jubiläum-Kunst- instituts in der Biegenstraße. Geheimrat Dr. Häuser sprach als Präsident des Aniversitäts- bundes, der Stifterin des Baues, allen denen, die dazu beigetragen haben, daß der Bau errichtet werden konnte, fernen Dank aus. Er schloß mit dem Wunsche, daß das neue Kun st institut eine Stätte tiefgründiger Wissenschaft und fruchtbringender Beiehrung wer! en möge, zugleich aber auch eine Stätte geistiger Erholung und Erbauung. Kultusminister Dr. Becker dankte darauf den unermüdlichen Förderern des Baues, vor allem aber dem Schöpfer des Baues. Baurat Lütcke, der im Verein mit seinen Mitarbeitern in dem kurzen Zeitraum von 15 Monaten das gewaltige Bauwerk geschaffen hat. Zum Schluß übergab er dem Kurator die Schlüssel zu dem Bau. Im Anschluß an die Aebergabe fand unter sachkundiger Führung eine eingehende Besichtigung des neuen Instituts statt. Kurz darauf wurden auch die neuerbaute Kinderklinik am Firmaneh-Platz, ein Geschenk der Familie Horst, und die Ohrenklinik, ei-e Spende des preußischen Staates, feierlich ihrer Bestimmung übergeben.
Eine studentische Feier fand bann am Spätnachmittag in der Univerfttäts- kirche statt, bei der Privatdozent Dr. Hans Gerber den Festvortrag über das Thema „Die Idee der Universität als wissenschaftliche Gemeinde" hielt. । Seine Ausführungen gipfelten in folgenden Sätzen: Kommilitonen nennen wir uns; nun wissen wir, wie wir dies meinen: Mitstreiter im Kampfe der Geister, der sich nicht aussprechen läßt, aber tief erfassen. Kommilitonen, lassen Sie uns wahr« machen im neuen Jahrhundert der Philipps-Universität, daß wir allesamt Kampfgenossen sind, die Studenten wie die Professoren. Lassen Sie uns den Kampf führen, den Kampf des Geistes gegen den Ungeist, der Tiefe gegen die Oberfläche, der Zuversicht und Entschlossenheit gegen den Zweifel und die Verzagtheit, aber auch der Demut gegen d i e H o f f a h r t. — Für die Bürgerschaft Marburgs und die Damen der Gäste wurde in den Stadtsälen unter der Leituny des Universttätsmufikdirektors Dr. Stephani ein Symphoniekonzett des Kaffeker Staatsorchesters gegeben.
Nach Beendigung der Nachmittagsfsierlichkeiten trafen sich abends 8 Uhr die Ehrengäste, die Professoren und die Bertreter der Studentenschaft in der Feflhalle zu einem Festessen. Der Jvbi-


