Nr. (26 Sechster Blatt
Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhestenf
Mittwoch, V Juni 1927
3m Vanne des Moghreb.
3on unfrrra V <?-cTut)lrdtatter nU^brud. mit Quellenangabe DctbotaU)
Laroche, tm 2U>rd 192?
TMfcrenb in Europa imt- in Qünmfo bte TMt na technttchen F^r 'chrltt tzohtrttaumelte während alte Reiche zufammenbrachm uni» mut erstanden. während bn 'Shtxllrem der Ereignis' Lotter und ÄAn«'?# ihre Ärmer verloren urt> und Dahrherten als abgetan ki de RumpeUomrarr bei ddtgddxbm» «leien. die Menschen bebet aber um gar nichts klüger ober glücklicher warben, scheinen in Marokko die 3j!>t- bunbrrte sttllgest ent-m zu haben Ein dtberr*. ein ruhevolleres L'rber. oirrtt Y et TA--.'. ;i.i.A< tn einem TtoumLmbt zu wetten da» voll von Mündern ist. Die vornehmen TI raren tarnen den Hpr:«chrill Europa« da viele unter ihnen In Paris «wesen sind, aber fte belächeln ihn. 3a. wenn ihnen Europa ge!.-hrt hätte, die Lepra -u hetten, der Liebe ihre Dornen ku nehmen, ober das Geheimnis des Ienteits zu lösen, dann würden Ne tt.ch dem Wehe- aber
AUah sei nicht hn Hasten Europas Denn man den vires) hört, um tue '
eine gläubige Menge lorrmflt so (Ingen im Moghreb die 36um# und die Blumen Heben, golbene Bügel tragen Talismane bn Schnabel und mächtige Time heilen armen Sttaven ,u unermeßlichem Reichtum.
Denn ein Abendländer das $>au* eines reichen Mauren betritt, so glaubt er sich ins Märchen versetzt. Äaian daß man sich aus weichen seidenen Missen niedergesent Hal so erscheinen schwarz« eflotmacn. die einem lautlos das Haupt mit Dcchlg«r.!chen txmehen. dann reichen sie den, Gast au« l’ll»emrr Schale Aolenwasser und neben 'ich bescheiden tn die Irauengemächer zurück. Der Hausherr begrüßt den ^rri-.ben mit ausgesuchter Höflichkeit. jede leine Bewegungen ift von einer edlen Geschmeid.gtat. jede» Dort gewühlt und poetisch Mit vor geschriebener 3wmonic parfü- mlert er den Lee oder den Mokka, der in winzigen Lassen gereicht wird, und spricht über Dinge, die das Herz erheben sollen. 3ft man im Hause vertrauter geworden. Io werden dem ®afte M • mit Liebesgedichten und Heldenlegenden gtgetat. deren Veiten von persischen Künstlern mit Bildern verziert worden Und. und die als Schatz ausbewahrt werden. Der lag eines vor- nehmen Mauren i^erläust recht regelmäßig. Den Morgen verbringt er tm vlumenae'chmückten Patio, der keinen Einblick von der 6traße gewährt Zur Stunde des Gebetes begibt er lich In die Moschee, nach Mulc., .«bru* oh« weilt dort In stiller Sammlung eine halbe Stunde, begibt sich dann lanqlam nach Hause, wo chn die Frauen beim Frühstück bedienen und ihm seidene Riffen für die vielt a zurechtlegen. Denn er erwacht. schmeicheln weiche (yitarrmflänge sein Ohr. dann aus einen Dink. reicht Ihm ein Sklave den Koran oder Schriften von aradifchen Deismu Denn die Abendfchutien fallen, wird ihm sein weißes Maultier an sllber- und gvldverzierstem • brt und er reitet hinaus *
Küntgsgrübern der Mtriniden, oder er ergreift den zierlichen Käfig. In dem ein Kanarienvogel sitzt, und geht mit Ihm zu Fuß langsam in die n- und Palmenhaine vor der Stadt und lauscht dem Gesänge des Vogel» bis hie feier- liche Stunde des Gebet« au »gerufen wird. 3n der Rächt schließen sich hinter Ihm die Türen des Harem
Für den Mohammedaner liegt die ganze Deisheit des Deltalls im Koran Das nicht Im Koran Ift. Ift Tüufchuna Aber der maurifche Deisc glaubt deshalb nicht, daß schon alles, was im Koran geschrieben ist, g-beutet und ergründet worden Ist. dem Kommentansten und dem .Fr-rfcher eröffnen sich neue Horizonte, die das bisher offenbar Gewordene erneitern und vervollständigen Meint doch auch Emerson, daß zrckünftige Geschlechter in kommenden Jahrtausenden beim Lustauchen neuer Gedanken und Empfindungs- arten entdecken würden, das, alles das schon bei Plato zu finden gewesen sei und daß nur unser «trübtet Blick es nicht zu erfassen vermochte. Die Gesetzgebung, hie Moral, die sozialen Bezichun- gen. das wissen und das Studium, alles wurzelt bn Koran, und so. wie es vor Jahrhunderten
war. so ist es auch noch heute Seit den Leite« von Eordova und Cranaba har flch im äußeren Tempo des Lebens wenig geändert
Selbstverständlich steh' auch das öertruM der Maurischen Dttsen«chaft die MnitxTftiät von Feg. ün Banne des tm*. Die Studenten müssen werugstens 10 bis 12 Jahre in den Dar begännen der xatraotna lernen he fw für vurdzg de- «unben werden den .3dchaza". d. h den Dvlior- ftld. zu rrballrrr der ihnen zwar trne Aeichtümer. aber rtr hohes Lnfehen im T'un re;ch ver- lecht Beben der Ernests des Koran, den fie auswendig kennen müi'en. studieren ' i Rechts- lehre Logik. Metaphyfck usw.. sofern dtac Fächer auf den Koran Be>ug haben, auch 21ebuin, Gr- Ichichte unb Aftronomu wird ihnen gelebt: auch in die Lehre von Talismanen in bei Einfluß der Engel und Geister müssen he sich vertiefen und Meister tn mugi'chen Künsten wrften Derm die Magie Ist tn Marokfo eine Drfser (chaft. d,e mit Ernst gepflegt wird
Jedoch fein Dillen soll dem Gläubigen als reiner Broterwerb dienen, auch lein materielle» 3iri bar« das Studium bo-. Hu len. nan •- irde darin eine Entweihung der D."e-.'a)a«! rblufm und die TratHtim der -lnioerstttät besudeln Die x • xn pflegen trotz ihres . Ein
flusses unb trotz der hohen Achtung, dte fte bei hoch unb niebng genießen, sehr um zu sein, sie werben burch Ctun-nbun au» den K rchrngütem erhallen und die Stuben'en sind oh au« Dmosen angetokien. die fte auf den Bahren einsammeln Das StuderUenleben tn Fez hat keine Aehnllch- kett mit dem auf >-i. ivpaifchcn unb amerikanttchen Universitäten, es gibt feinen Sport, lebte Kneipen unb keine hübschen Kellnerinnen Aber in TBc- coklo ebenso wie tn der Heimat, schlagt den jungen Leuten ein junges Herz In her Brust. 3n den geweihten Hallen der Untoerhtäi suchen sie mit vorbildlichem Emst nach Deishet: außerhalb bilden sie eine luftige Boheme die zu allerlei Streichen und Abenteuer i neigt. 3n her. bunf- leren Aächten. wenn Bein h<! er Mondschein He verraten kann, schleichen sie über die flachen Dächer und verschwinden, Ichnfuchtig von einer der Ha- remsdamen ertoarlet. während her Nausherr schlaft, in einem der Häuser. Es sind Geschichten au» lau- |enb und einer '.acht, die sich hier wiederhol.n mb die dem Orient geläufig find
Da sich die ctubenten auf der Universität m den Künsten der Magie üben, denn Allah hat gesaot. daß er der Meister über alle» verborgen« ist. so flehen sie aud» unter dem Einfluß mächtiger Schutz griff er. Den Menschen am geneigtesten sind Gabriel. Azrail, Michael and Jsrotil Aber auch die dösen und die guten Hin» und irren lasten sich beschwören Bnelt el Äebur ist der Djln, der sich In der Gestalt eine» Freunde» in die Hauser einfchleicht und !ie Personen, die ihm ungastlich begegn«n. verschleppt und sie züchtigt, oder die base Fee Masia. bte sich in den Brunnen versteckt und do» Doster verzau- bett am schlimmsten aber ist dir unsichtbar« Tabo. die au» Bosheit jede» Unlemehmen schlecht enden n ist. wer aber den richtigen Talisman zu bereiten versteht, brr farm st«h nie Dstn» dienstbar machen, tt» giot aber auch manische Formeln und Talismane, um eine kranke Seele zu Hellen ober eine geliebte Person zu schützen. Der ernste Magier aber gibt sich wenig mit Zauberkünsten und Beschwörungen ab. er bringt tief tn die Geheimnifle des U ebersinnlichen ein, schaut Dinge In Sphären, die dem gewöhnlichen Sterblichen oerboraen bleiben, und ift Herr über die guten und bösen weift er und Einflüsse.
Auch in Aeul eriichkcitcn liegt ein seltsamer Amber. In den Garten sind Bosen, Jasmin. 9rie, Narzissen und andere Blumen anscheinend ohne sede Ordnung burcheinandergepstanzt, und doch liegt gerade in dieser Unordnung eine ganz besondere Kunst. Der Duft der Blumen fall sich zum zartesten aller Dohlgerüche vereinen, zu einem Parfüm, wie e» dos Abendland niemals erfunden hat. Die Roh- nen die zwischen den Blum«: - teppichen iprubcln. sind besonder» abgestimmt unb geordnet. |o büß jcN leinen eigenen
ton hat. die sich zu einem säuselnden, surrenden Akkord u<rbinben, ein weiche» Singen, da» vom Düsten der Blumen begleitet wird, und da» den Träumer auf seinem Fluge in» Feenland begleitet. Diele (Barten im Dar Ehamai von Fez liegen vor Palästen, die gleichzeitig mit der Alhomvra in Granada erbaut wurden und die Ihr im Stile ähneln.
Denn wohnen vornehme (falb» ober reiche Kaufleute r-trrn P.arir».-m bi« Wüste durchkreuzen ur.d deren Nome« am Tschad unb bei den Tuareg mit Ehrfurcht genannt wird. Es g-bt Palöst«. in denen vieibe:«h:-e Frauen lebe». tel«be. die den SAr bungst-ne4 erha.ten haben und eine bebeuter.be Mit- gift bewahren durticn Sie si-d ioweir e» bi« Stu« erlaubt unabbar.e unb «mrtengeii Gäste, bi« ost bereu sii! alle». ..»» sie besitzen und ihr Leben :hnee zu Füßen zu legen Manwe sind tängennnm Cr..r"'3nrr. Heisrer tote fl«raftc. ober nirmal» Sofotten tm europä,1 *<n Sinne. Berühmt sind Me Tänzen-neI des Scherst Dche'er 5laciri el Äanber tn 3fL Fattrno ^hanz^ und Leila Ne auch vor dem Fremden unoerschleiert erscheinen, ober ihm Autrli! a«währen wenn der €d>enf e» geftottet. Wahren- ein kleines Orchester bie teilIam monotonen unb
oir in ein kopier-u Becken, m dem Kohl»« alüher Hn-bra unb ca’ron. unb wenn die b.iitenben Rauchwolken auHtcaen reglnnen die bre Frauen ihren betörenden lockenber 'ani. der .n vielem dem an bolustschen Tor.c -> ähnelt. Die schöne Khavza Hot ben Rus der gefährlichsten Frau ron Fez Bor ihrer Tür bat stcb rin Student cm» V*be<lummer den Dolch in» Herz gefloßen manche reiche Herren haben sich ihreswegm ruiniert, und andere sind bereit. e» wieder zu tun. 3n den «chworzen Augen, bie tief wie Brunnen erscheinen schlummen fein luftige» Lächeln, sie sind wie ein flb,'.t.;r.b der Seelen verschlingt Auch die Lippen der Tanket inen lochen nicht, fte Ichmiegen sich ernst und ergeben, graziös unb rolCii- um den fremden, besten Sinn« vom Weinen brr (Bembros, vorn Klappern der fupfemrn Kastagnetten von den gefchineidigm Frouenförpern. t on den parfümierten Rauchwoifen und vom Mond- licht m den duften den Gärten eingelullt werde.
Draußen ist schweigende, blaue Nacht. Die Franzosen unb die Europäer, die In die Hauptstadt des Ä.oghreb ringednrngen sind und sich ile Herren iuhlen. erschemen als Eindringlinge. 1012 erhob sich Fe; ;<gen die ungläubigen Fremden 3 Tage und Näline wurden die 9i.-mi? m den Gasten der Stadt gtjai.t und ermordet, die Frauen oerjommellen sich mH den Dächern und begleiteten do» Blut vermeßen mit jauchzenden yu-yu Nujen, fopar die ernsten Schrtslgelehrten, die sich sonst gar nicht um di« Außenwelt kümmern, traten vor ihre Türen und lachten, aber der Blutrousch verging, und heute ift tiefer Frieden Und dennoch! Der Maure will sich seine lbin heilige Dell nicht durch Europa ent weihen losten. Und wenn irgendwo, fei e» in Syrien oder im Sudan, sich die Jünger Mohammeds gegen die christlichen Verdränger erheben, so schleifen noch alter bitte auch die vornehmen In Fez ihre krummen Säbel und Mester, um sie. wenn die Aeilen e» erlauben, dem Unterdrücker in die Gurgel zu flößen, herzig, unb dis Mauren haben, feit sie aus Granada oeitriebee. zu warten und zu hoffen gelernt.
Sozialpolitische Schatten.
Eine Buchbesprechung.
Einer der größten Ducherfolge dieses Jahres ift die TI eine Schrift des Danziger (Sßinngtn Erwin Liek .Der Arzt unb feine Senk'u ng". Gedanken eines Ketzers (Verlag 15. F. Lehmann, München. 292.) — (Vßren Erfolg verdient fle ausnahm »werfe einmal nicht einer sensationslüsternen Aufmachung unb einer marktschreierischer Propaganda, sondern einem kühnen Mut zur Dahrbeit. den der Verfasser auf jeder Seite seines Buches vpn neuem beweist Eine Besprechung des Buches wäre in einer Tageszeitung vielleicht fehl am Ort. wenn es nicht neben den Berufssragcn des Arztes auch ein Kapitel enthielte mit der lleberschrii; .2 erzte und sozialeVersicherungen. Allein um dieses Kapitels willen gehört da» Buch ui bie Hand eines jeden sogenannten Wirt- schastssührerr. sei er Arbeitgeber oder Arbeitnehmer. Aber noch viel mehr in die Hand aller derer, die verantworMch damft betraut snrd. unsere Gesetze zu machen. S« ift hier nicht der Baum, d i c Seite dieses groben FvagenkomptepeS zu behandeln, die sich mit beui Verhältnis von Arzt unb Kasten einerseits, Arzi und Versicherten andererseits ivlchäftigt Aber do» Dichftgfte in diesem Kapital ist das. wo» Liek über die Dirkungen des VerstcherungswesenS auf
Bc'.fe giere und Brlls-rnll aus'uhn. Er schreibt . ES« Kru leru^icherung führ: nicht nur zu kc r^crticher Verweichlichung, 'onbrm auch zu moral.'cher EmaNu- ' S» <inb allenthalben neue Schtchier der Bevtzilerung ml* S rualenlaften beglückt, j- B B«unter- und Minei'randslaste». Da» «eher wirf Harrr.l.-'e Leute. d»<- ruhig ihrer Tättgkell na 4gingen hyo ihren Lebensabend verbrachten ohne viel auf dir ßemer. Garden Ne» Lebens unb des Allern» ,u achten überlaufen nun den Arzr. denn fle lind ja '.x-rsicheri. fte
-.an har es glücklich durch auch in btde bisher ärztlich nicht gestbnen k'etvnaabläiflc Unruhe zu bnr.jen. treitere Bolfs'chtchten au« den Deg der Aevrafther- imb ^>v: vchondrte zu
Bringen--—“
Auch was Viel über kn. U n 1 al l ts-r4 i4>mii^ unb 3nr*u‘ iIwDedia auf C*nmb der Er- «abtung aus einer lanfli -b: jen Prart» lagt ift wenig .rfreulich Er bt .Der E.danke, den JnoaTibeit der Arbeit unb des Lebens ein lotgen- «reies 2ll»rr zu verschallen, ift menschlich gewiß schön und eines großen Kulturvolles wardig Ader auch hier hat die Umsetzung de» Ge- hinfcnO in die Dirllichkr.t durch Neu Staat die ursprüngliche Idee arg verzerrt. Dos sehen wir? Prankhaftc Verwallur.gspaläftc einen riesigen Beonuenapparor unüberlehbare Berge von Allen. Gutachten Berichten uftv. endlose Scherereien der Arbeitgeber unb der Versicherten mit Karten. Äkt^emarfen. Koni rollen unb aus der anderen Seile Naron als Erfolg dieser Jttefenonaantlation dn paar Marl .llrvalibenrcnte. zum Leben zu wenig, zum Sterben zu viel. Saß durch die Allersversicherung dcr Üparfhui bebioßt. vielfach vernichtet wird Ist eine oft gemachte Beob»
IMre es nicht klüger u flparflnn des normalen Mensche . nicht an. »ahiten die Kosten der Uebrrorgönlsatton in Gestalt bcflerct Löhne direkt an untere Arbeiter und ließen den Einzelncn wieder selbst für feinen Lebensabend fotgenf
Auch für die moralische Schädigung unseres Volke» durch die 2 rwerbeiof en Versicherung finktet Lief fcharle aber gewiß mcht immer uiiber.^pttgte Dorte wenn er schrei bl .Lohn ohroe Vdfhmg bedeutet auf die Dauer Arbeitsscheu. Unzu- frlektenheu. Vernichtung des Sparsinns." Und al» Biologe urteil’ er über untere Hvgten«- Politik geradezu vernichtend mit dein Satz .3ft e» wirklich wunfchenou'ert. daß wir jeden, auch den denkbar fchtecht Deranlagten Säugling Hochziehen? 3ft es klug, daß wir Idioten und Epileptiker in Musteoanstalten pflegen, während gesunde. arbeit »freudige Dolktzgenosten weder Obdach noch Aahrung finden? Da» toir trc.ben ist ganz b.-unifit negative Auslese. Ist Förderung der Lebens schwachen und Lebensimtüchftgen zuun- 6rosten der gut Veranlagten .,. Die heutige »iale Fürsorge ift mehr Kratcklx-itazüchtung als -fürdheit^p«lege .. (Ich habe z.B. während eines Studiensemefters viel In einem vegetarischen Spei lehn u» berf t trifft man viele V deren einilger Berus es ift, auf chve Gesundheit zu achten. Bieten fte einen irgendwie erfreulichen Anblick? Ganz gewiß nicht, es sind durch die Bank Kerle atme Mark unb Saft, die schließlich an nichts anderes mehr denken, al» an ihr liebe« Ich Da» hier die Sekte an einzelnen Personen verbricht, was in Einkinderehen btt Überängstliche Mutter dem Kinde antut. bat der moderne Staat großzügig an einem ganzen Volke versucht.. Malen Versicherun
gen werden nur zu laut unb zu häufig al» erhobene Kulturgüter gepriesen. Gewiß steht bie Fürsorge für den tarnten ober altersschwachen Mivmenschoii an der Schwelle jeder Kultur, cbertfo fieber bebewtet aber auch die übertriebene Fürsorge den Ausflan^ ein.t Kultur . Arne- r I la. Ist uns tixto Jrobnfiäe und Technik an- langt, nad) Aussag.' aller berufenen Kenner um ivinbestens »ürofzi, ><al>re iwcau» und liach menschlicher Beurteilung nicht wieder einzuhofen. Unb bod> famt man dort die Sozialversicherungen nicht. Ich habe viele aviftig hochstehende Amen- fcinrr aesprochen, alte kannten bte Gesahren der Kra nkhe> tsstvyung fte sahen sehr
wohl ein. Daß der Kampf um# Dasein in Ihrem Lande mit rückiichteloser Härte unb mit vielen, vielen Opfern geführt werde Unb trotzdem. es sei eine wünschenswerte Auslese, bie ben
Millionär ohne Geld.
Der Roman einer Wette.
von 6. Philipp».
Copyright by Augufr Stherf ® m. b. j)., Berlin
29. Fortfetzung. Nachdruck verboten.
.Lch gche mcht nut dir cfjenl E» hat keinrn Sinn. Ernst Mein« Hauswirtin hat mir gekündigt. E» ift au» mit mir. Heule fchreide ich an Malier Denn er mich will, gehe ich zu ihm zurück. Ich muß an meine Schwestern denken!'
Aber e» liegt dir doch nicht» an diesem Master»?"
„Natürlich nicht. Du n e ißt recht gut. daß du der einzige bist, den ich liedhabe unb überhaupt je lieb Haden kann. Aber e» ift umsonst. Ein Motorführer mit se«h»unddreißig Schilling Wochenlohn kann feine Frau ernähren und noch die Sorge für ihre uvei Schwestern aus sich nehmen. De»ba,b will ich dich mchi mehr sehen."
vliß fchwlcg. Sie betrachtete fein Gesicht, und ihre Äugen füllten sich mit Tränen. „Ich habe e» mir überlegt: Ich will doch mit dir eisen gehen. Dir
' > n uns an unteren
Flasche Medoc tonten, wenn du mag'i und viel- leicht werden die Mustfonten dort wieder spielen. Ich bin so mube und traurig. Und bann. Ernst, muffen wir un» Lebewohl sagen '
Sie gingen In das kleine Restaurant, und wie gewöhnlich studierte iie mit ihm zusammen die topeifetarte und wählte billige Gerichte au». Nie zuvor war st» ihm so begehrentweN erschienen. So mager sie auch geworden war. ste hatte doch nicht die Anmut ihrer Bewegungen verloren, durch die sie aussiel, trotz ihrer abgetragenen Kleider, und groben Stiesel. Eine gewiße herbe Strenge, die sonst oft an ihr gewesen, ichien heute zu fehlen. Sie febnte sich in ihrem Stuhl zurück und überließ sich dem Genuß de» Augenblicks 3b einer der M.ttiker leise zu geigen begann, lauschte sie mit daldgeichtasicnen Lidern. Ihr Kops, ja ihr ganzer Körper sch en sich lauft nach dem Klange der Mustk -u wiegen.
So faßen jie Hand in Hand fast zwei Stunden. Dann blickte Blitz auf die Uhr. .Jtomm mit bis zur Remise! In einer Viertelstunde muß ich mit meinem Autobus aussahren."
Draußen nahm er ihren Arm. Ste zog ihn nicht zurück, fdimiegte sich im Gegenteil enger an ihn. .Liebling " sagte er. „es gibt Dinge, die ich dir nldfl erklären kann. Du glaubst, ich tei irrsinnig weil ich hort, wo du keinen Ausweg siehst, Freiheit und Gluck für un» kommen sehe. Ich misttzte. baß bu mir oertrouftl!"
Sie seufzte. „Das haft du schon so ost behauptet. Liebster Denn du Hoffnungen haben darist, solltest du sie mit mir teilen. Ich hebe solche Geheimnistuerei nicht. Ich habe dich jo so lieb, aber ick, kann nicht länger so weiter leben. Ich werde es vielleicht bitter bereuen, aber lieber mache ich mit Herrn Master» eine kleine Zeremonie durch und werde seine Frau und sorge für meine Schwestern. Und dann — will ich ouenißen. Dos vor allem möchte ich. — au»ruhen"
„Du wirst dich ousruhen Lmuen, tooiel du willst, aber nicht bei Herrn Master». Da» ich dir |eyt sage, sind feine leeren Worte: Ehe icch» Dockten um sino. werde ich in der Lage k-n. dich zu heiraten und betnen Schwestern zu heften! Hab' roa) die kleine Steile vertrauen zu mir' Aerstöre nieht dein und mein Leben!"
Sie verzog ein wenig den Mund. Zwei große Tränen glänzten in ihren Augen. ,Hch mußte, daß e» so kommen wurde, wenn ich überhaupt «roch einmal mit bir ausginge."
„Du versprichst e» mir also?"
„Ich verspreche e» dir. Eiromal noch will ich'» versticken.
Etwa fünf Dachen später wurdc Bliß, der nun die Route nach Piccadilly fuhr, plötzlich nomGeh- steig angerufen. Ein schlanker, sehr elegant gekleideter junger Mann batte sein Monokel sollen lasten und fuchtelte erregt mit dem Spazierftock in der Lust herum. „f)t- rief er. .Heda"
Blitz brachte den SuiDbu» zum Stehen Dir fahren nach Hammersmith und Bornes", sagte er höflich. „Dollen Sie emfietgen?"
J5o!' mich der Teufel!" waren bie ersten jujam- merchöngenden Worte, die Dick Hvrrertvn hervor- bracht-
Jtornmen Sie mit! Er kostet nur vier Pence sür die ganze Strecke. Ich kann meinen Onrnibu» nicht den garrzen log ßta basten lasten."
Beim Hyde Park Corner mntzlen sie lange märten, und Honerton erschien plötzlich wieder vorn. Cr hotte sich inzwischen cta>a? gefaßt. „Ernst, alter Freund, ich habe Sie schon überall gesucht."
„Wirklich?"
Honerton räusperte sich. Er schien etwa» ocr- legen. ..Stenn kann ich Sie aus ein paar Minuten unter vernünftigeren Umständen sprechen?'
„Nun. noch der Arbeit habe ich nicht viel Zeit. Sobald ich fertig bin, treffe ich mich mit meinem Madel. Habe Ich Ihnen eigentlich erzählt, daß ,ch verlobt bin?"
,Zch kann mich nicht erinnern."
..Allo, e» ist so! Meine Braut hot eine prooiso- olche ctelle al» Stenotypistin ganz in der Nähe unserer Remise. Das ift heute meine letzte Tour. Dann höbe ich vier Stunden frei, do roiro sie mich sicher abholen. Dollen Sie nicht bi» zur Enbstotlon niHabrm. wenn Sie Zeit hoben?"
Der Omnibu» fuhr weii.r und langte an jeinem Bestimmungsort an. Blitz schlug die Bein« überein- ander, und al» er sich auf seinem Sitz umwondie, sah er Honerton auf dem Pflaster warten. ..Also letzt", lud er ihn ein.
Honerton stützte seine mit tadellosen Handschuhen bckleidete Hand auf eine reine Stelle an brr vor verseile de» Omn-tuflt» und lehnte sich vertraulich vor. „flöten Sie, lieber Blitz Seit ich Sie bamals am Strand verlosten habe, ist mir Ihr Schick,ol nicht aus dem Sinn gegangen. Ich habe die 0k- fchichle bann mit ein paar allen Freunden besprochen unb ihnen den . orjcßlag gemach: unb ferner bat sich ou»geschtosten. Do -st zum piel Fredy Lancaster, der doch noch nie viel gehabt hat. unb den wir immer |o aepönleli haben, weil «r so fnickrrig war. Er hat da» Geld hingelegt, noch eh« wir ihm bie ganze Sache erzählen formten, unb wir batten d e größte Mud« die Mädel» bevor, abzu- ballen, auch mitzutun."
„Um was handelt es sich eigentlich?"
„Einfach um folgende»: Einig, von Ihren ftühe- ren Bekannten wollen Ihnen gemeintem ein Diner geben — da» Datum können Sie selbst beftim- men —, und am Schluß werden sie Ihnen einen steinen Scheck überreichen — der nicht zu verachten stt, da» kann ich Ihnen schon jetzt versichern —. bann: Sie nach Amerika gehen formen oder wohin Ste wallen, onö von neuem beginnen, oder auch
ßter unter un», wenn Ihnen da» lieber ist. Aus jeden Fall, wie Lancaster betonte, ist e» nur eine gtrte<;<- Gegenleistung für all die Gastfreundschaft und wüte, bte Sie vielen VON un» erwiesen hoben, al» wir in der Patsche faßen, unb um — hm — Ihnen zu betodfen — hm — unb fo weiter."
Blitz blickte starr oor sich hin auf die belebte -trotze. Und plötzlich schienen olle Fahrzeuge durch- einanderzusohren, unb die Gesichter der vorüber- flehenden verschwomi.il n. Honerton zündele um- ländlich eine Zigarette an und trat ein wenig zurück, um Feuer zu bekommen. ,.No — oller Freund?" fragte er.
.Lch kann nicht viel logen — da» alle» kornmt mir so überraschend! Stellen Sie allen mitteilen, doh ich die Einladung mst großer Freude an nehme, und wenn es nicht zu fr ul) ist, mochte ich arm, baß da» Dln<r am - unAehnten Dezemix r Ifatfflnbet."
..Das ift nett! cuflen wir um acht Uhr abend» im Restaurant Milon Dir werden bas venezianische 3immer reservieren losten. — Wenn e» Ihnen nidiu usmacht, lieber Freund, so verabschiede ich mich setzt. Sie sind ja daran gewohnt: aoer Io ein Omnibus erldjütkrt mich schrecklich E» steht eine Droschke da für di« Rückteh-r. Brrgesi«n Sic nicht: Benezianifcher Saal im Milan um acht Uhr am neun',ehnien Dezember! Und nebenbei bemerkt: Die ist » mit der jungen Dame?"
„Mein Model, jo — darf ich sie mitbnngen?"
Aber natürlich! Bir werden euch Heiden ein, bütedft Feier veranstalten. Auf Biedersehen!"
Bliß war an diesem Abend unaewohnftch still, al» er mit Frances in da» steine Gasthaus ging.
„Das ift los?" fragte sie beforgt.
„Ich batte heute eine merkwürdige Heber- rajchung. Einige von den Leuten, mit denen ich 6e» •rrunbft war, al» e» mir noch gut ging, wollen un» ein Diner geben und eine Ablchiedsfeiec, France». Sie hab n eine gan, ansthnliche Summe ^jammen- gebracht. Bas sagst du dazu?^
,,Du willst ron hier fort?"
„Vielleicht ist er das ‘3#fte.e
Sie blick:r nochdenstich vor sich hin. Ihr, Augen hatten einen weichen Glanz.
„Du brtifit an deine Stßexfkm, nicht wahr, vielleicht reicht es, um Ruch te.sonqunurnchr nehmen zu la*fm unb Elfte nach ben» 3üben zu schicken."
^Fortsetzung folgt)


