Nr. 126 Mst.r Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Vberhefsen)
nimiDOd), (. juiu (92Z
Die GiegenerDermögens- rechnung 1927
Der W&brAbe Hau»halts-Vrr:a«chlLfi Vüx 1027 28 w rd wohl bra mr*len BZubütgern r.rw Heberte kbung betratet bobrn. t.e in brr hatten Cirg<n:r.j <r 'fern b-rgrjnB : ft
WührenL Ne !r e^*rcd)nnng für bo» anw Äau^olt»|dbr Ldb ael 5 030 0(1 14 2H! gcgrr.- Iber 4 120 707 71 1KL im Thor, obre beläuM, die etnornou frier also ecUnt> ir. Lahmen der £au»bdü»ertoe .irrang bletbl. rr-r.H die Vee»ögen*r«chn»»g «.ne 3M: er
dm 0 321 439SO 2H! g< imübtr i 367 555 2E! ■ Vorjahr,. auf und ist bam.t fo gtewlrg fpruagfra^ in die Höhe geschnellt daß man da» trt« Erstaunen - Lur^ertrewohl t*r* Rehen kann. D el«» Zr.x ai'cn der Btrmbgcn*- tMnmg tnnert> a.' Mart '.361 es gerecht en gt erlchernen och wir bi dem Aechnur»«r<le bei unirrer kr.tüchen Be»
krocheuna des neuen Voranschlages zuerst uniert 3bewm«mfeti »utoenben
Vehr bebauer. ch tl es da zu»Lck> i leültrl* len zu otfiPen. das» wir In dem neuen W rllchall»- |alr den testen Ar gleich »Rock mit 300 000 Mk zur Dedung der VedOrfwP« mit in Anspruch nehmen müllen DU Ueber1chu''c aus Irubercn Jahren werden banrU, wie die Stadtverwaltung tn ihren Er lÄutenmgrn «uni Voranschlag ausdrücklich her- vvehedt erschL-pf« fr.n Ob es gut und r.chr.g Dar, den Haushallsous., anziehung aller Arierven herdrizufühve». erscheint uns zweifelhaft W r hätten es lieber gesehen. wenn man eine Bqgelung getrvf- fte hätte br. der auch weiterhin ein fi- «ngkellet Aückhal, m Höhr von etwa zwei ♦rtitdn des nunmehr mjriefcten Kelte» des AirAgteichstocks verblieben wäre. Die völlige 2ui- zehruna aller Arierven wirb sich, so fürchten wir, schon beim nächstjährigen Voranlchlag lehr empfindlich bemerkbar machen. Veirachlei man bte Lusgadenlette der Dermdaensrechnuna Im eingeinen. io muh man sagen, bah hier nur Dinge vorgesehen sind, über deren Dtingllchkrit bei uns Ml Zweifel besteht. Zur Beschaffung von Schulraum für die Volks» und Fortbildungsschulen ist ein erber Teilbetrag von 1 Tlillton Mark eingesetzt worden. Wer unser» Schuluntet- *e kennt, lai n gar nicht
M darüber lein, dah diese Summe unter allen UmUflnbm bewilligt werden muh veil 1896 ist auf Mdem Gelieie nichts Durchgreifendes mehr achchehen, mttllerweile ist die Einwohnerzahl un- lem Stabt von 22 932 im Jahre 189c aut 34 310
nach dem Stand vom 31. Januar 1927 an gewachsen und damit hat sich auch die Zahl der Kinder vergrbhert. Wer wollle angesichts Meter Sachlage und Im Hinblick auf die ossenkundigen harten Mängel In den *djuluntctfün<tcn ernstlich behaupten, daß mit dem Lchulhausbau unter Würdigung der Fwonzlage noch gewartet werben könne? Die Abhilfe dieses Schulnotstandes hat vUimehr schon allzu lange, schon seit «tner ganzen Leihe von Jahren au? sich warten lassen. Wenn leit unter ■ ün Vergleich zur Vorkriegszeit — weit schwierigeren WiNschaiisverhültnlssen diesem »Mm wdorbcrnl» entsprochen werden muh, m wir uns darüber klar sein, dah wir hier
dU Rechnung für frühere Versäumnisse bezahlen. Zu diesem Lite! möchten wir, au» Gründen kpnachllcher Schönheit, der Stadtverwaltung empfehlen. m der Neberschrist . Erbauung gemetn- heitlicher DeMubc" das Wortungetüm _ge- metnbritlich durch da» bessere Wort .städtischer' zu erletKn. Dah im neuen Voranschlag wiederum erhebliche Mittel <1 622 030 Ml.) für die Errichtung von Wohnungsbauten vorgesehen sind, t| gut lubeiben. Auch mit der Siegelung kann man einverstanden sein, dah au» bieten Mitteln 1 2! Lum Mk lur Gewährung txm Vaudarlehen an Privatbauherren. Bau- genossenschasten ufw gegeben wird, während 800000 Mk lur iJr...4 t..i g von stadteigenen Wohnungsbauten ‘Tkrtocn'-umj 'inden sollen. Für die Erbauung und Beubeftiaungvon Strahen ist I Million Marl in Den Voranschlag ringelest Wir linden, dah Mder (3täte an,ab aemessen an den allerdr.iiaendften Or- forbemipen des Strahenbaues. noch au gering tfL Wenn man sich die Durchlchnittskosten für einen ÄUcmeter Asphaltieiung P'lafterung ober Sftauflierung mit 60 000*30.. b«tr. 103000 Mk.. bzw. 80 000 Mark vergegenwäitigi. so muh man lagen, dah mit vieler einen Million durchaus
kein, großen Sprünge gnsachß werben können. Luch tu dieser wirb leider m den
früheren Versäurnni sen noch ein «ehr erheblicher Teil weiter beheben bleibe» sehr turn Lach- teil der Visiten kart, usleter Stakt Wir wolle» - da nacht zu erwarten i®t dah die S.ak-.><-rorch- nete» über den Verwarrur.gsoorich!og hi-aus- gehee. werben — D-enifltieni fr; “er. T es t-er Verwaltung mbgltch lew wird -m nächst- »ähngen Voranschlag für diele» Titel ausrer- Lende Bitte'. bereuzustelle» denn auch hier gilt es voe kern t» frühere» Vahren Veri-mte» lehr viel wieder gut zu machen Mit Vesnedi- gung kann man TetteUen. bah lür die Um- Wellung de» Ltrahenreinigung». betrieb» und der Müllabfuhr aul mrbeme Orunbiagc bte vetteren erforderlichen Mittel vorgesehen sind S» ist I» der lat hohe Zett dah den alten, hygienisch auberrrdentlich oedenklichen Zuhänden ^ldm. glich'; rin Ende
gemach« wird Die bedeuten dir en Summe»
der hier -m einzelnen noch nicht regttzrier- ten Mehraufwendungen IN der Bermbgens- rechnung betreffen d».e Finanzierung des Wvh- nungsbauprograrnm» 1927 aus Kar-.talm.neln m*J 1 360 350 Mk und die Lusgieichsontte» an die Betriebsrechnung zur Deckung des Fehl- betraae» :n Höhe von 750 000 2Ef Zieht man aus dieser Betrachtung der Lusgabenheigerung nach dem Voranschlag bas Schlußergeonis. so muh man anerkennen, dah in dem Entwurf der Verwaltung tatsächlich nur bte alletbr.ng- lichhen Aufgaben Berücksichtigung gefunden haben. So schwer den Stadtverordneten auch die ng werden mag '
nicht umhin können, dem Doranschlagsantrag der Verwaltung hinsichtlich der Dermögensrechnung ohne Abstriche ^uiufttmroen. Den Stadtverordnete» mag habet die Tatsache zur Seite heben, dah He febt die unweigerliche Pflicht Haden, nun endlich zum guten Teil das r.at)\ubolen. was früher aus den verschiedensten Gründen versäumt wurde, und dah eine wettere Verzögerung der Orhillung d eser Ausgaben einfach unmöglich th.
3n einer Hinsicht haben wir allerdings noch eine sehr oedauerltche za
machen- wir vermissen in dän Voranschlag die Dereuftellung von Mitteln für bi« Grbauung eines Viehhoses Für diese Smnchtung hatte sich schon im vorigen Jahre gelegentlich der öffentlichen Erörterung der weitaus gröhte Teil der ui der Kommunalpolitik tätigen ’Jkr- sonen entschieden Mittlerweile ist auch seitens der damaligen Opposition anerkannt worden, bah ein Dirhhos in chiehen lehr am Platze ist, und man bat sich infolgedessen , Ü r die Schaffung dieses Unternehmens ausgesprochen. Auf Grund d:e,cr Sachlage hätten u. ®. die erforderlichen Geldmittel in den Voranschlag rubtg mücmgeitclli werden sollen. Wie die Dinge liegen, wird man nun wobl hoffen dürfen, dah im Lause dieses Jahres für diesen Zweck noch eine Aachtrags- forberung vorgelegt werden wirb Dah im übrigen ein Siebener Viehhos auch in den Austriebsziffern seine Vegründung findet, Seht aus der nachstehenden zilsemmähigen Aus- ellung hervor.
vuftrieb auf de» Girhener viehmsrkic».
Märkte
Rindvieh
Schwein t
1900
29
16 977
10 234
1901
88
19 792
12 645
1902
41
24 412
17 239
1903
• 41
24 035
7 344
1904
38
19 321
10 745
1905
36
26 159
14 720
1906
28
27 894
8 886
1907
20
27 669
10 488
19U8
22
29 372
10 489
1909
23
32 794
8 958
1910
13
20 881
6 148
1911
Maul-
unb Klauenseuche;
, tetn Markt
1912
10
8 121
1 754
1913
16
22 088
3 894
1914
U
17 724
3 881
1923
U
5 675
982
1924
16
8 249
1694
1925
19
14 682
1803
1926
Maul-
und Klauenseuche; kein Markt
Letzter Huf trieb an den Vieh ha nbrispi ätzen Bamberg (10. Mai 1927 ) 246 €tud
Berlin (13. Mai 1927 — Viehhof» 701 „
Dinslaken (3. Mai 1927) 500 „
Dortmund (18. Mai 1927 — viehhos) 810 „ Kirchhain (17. Mai 1927) 316 „
stobienz (21.8pnl 1927 — Btehhos» 268 .
Leer (UL BUt 1927 - viebhas. 5-S6 .
Main; <M. Brnl 1927 - vtehhol) 619 .
Ottenburg (17. 1917) «1 .
O*nabrü4 (UL Stai 1927) 367 _
wchweinlurt (4 Mai 1927) 3b6 ■
Sächtersdach <23 Mälz 1927) 431 .
Wittenberge (1* Mai 19271 70ü
Siehe» (24. Mat 1927) 889
Vefonbers »»tercisa»: ist an der vergleichenden Ausstellung gegenüber de» anderen Vieh- Handelsplätzen die Tatsache dah n Dieben ?rg< nüber andere» Städten mit Viehhos tute schon d» erheblich höherer Auftrieb zu verzeichnen ist. Aus dieser Tatsache t-ari man wohl bemerkenswerte Schlustfolgerur.gen dtnsichtllch der Aentabilität eines ist'ebener Vieh- Hot es ziehe»
Die deutsche überseeische Auswanderung im )ahre 1926.
Auswanderung! Die grobe Schicksalswende Im Leben eines Mcnichen. wo er — alle Vrücken hinter sich abgebrochen - in die Ferne und Fremde strebt, um dort das Glück zu finden, das die alle Heimat zu versagen 'cheint
Do wanderten im Jahre 1922 36 527, 1923
115 416. 1924 58 328. 1925 62 823. 1926 64 985 Deutsche aus Davon entfallen aut Preubcn 29754. Vavern 9342. Sachsen 4563. Wüntemberg 4536. Vaden 4743. Thüringen 1564. Hessen 1136. Hamburg 3107. Mecklenhurg-Sck>'.">enn 341. Oldenburg 789. Vraunlchnxig 278. Anhalt 185. 'Bremen 1330. die übrigen Länder 3277.
33.7 Pro-, der Auswanderung des letzten Jahres (22 124) entfallen auf tue Industrie, etn- schlietzlich Bergbau und 'Baugetoerbe. LandwiN- schast. Gärtnerei. Tierzucht und Forstwirtschaft sind beteiligt mit 21.4 Proz. (13 283); Angehörige des H<n^ul und Verkehrs mit 17L Droz. (10673). Der ubnje Prozents atz entfällt auf Angehörige freier Berufe und solche ohne Berufsangabe.
80 Prvz (49 924) der deutschen Auswanderung wandte sich nach den Bereinigten Staaten von Vordarnerika nach Argentinien gingen 3975; nach Brasilien 33OD. nach Afrika 1S§3; nach Kw-
nada (Britisch-Aordamerika) 1245
Diese Zahlen reden eine erschütternde Sprache Dlanlose und unbesonnene Auswanderung — wie viele hat sie schon tn gröhles Glend gestürzt! Und noch wandern sortu ährend Tausende in die Fremde, ohne auch nur im geringsten darüber orientiert zu sein, was sie dort erwartet.
Der Gvangellsche Hauptverein für Deutsche Ansiedler un b Auswanderer in Witzenhausen a. b Werra, gegründet im Jahre 1897 und darum gestützt auf eine reiche Grsahrung. möchte allen Auswandc- rungs Willi gen und zur Auswanderung Gezwungenen als Berater und Führer zur Seite stehen und den einzelne» fo zu leiten versuchen» bah er brausten an den für ibn geeigneten und seinen Mitteln und Fähigkeiten entsprechenden Ort kommt Jede Beratung erfolgt kostenlos und nur im Interesse der Auswanderer.
Im Jahre 1926 wurden vom Evangelischen Hauptverein i» den verschiedensten Städten Deutichlands öl ausslärende Ü>chidild<rvonräge veranstaltet. 6298 mündliche und schrislltld« Anfragen von Auswanderungswilligen wurden erledigt. und ün schriftlichen Verkehr mit dem In- unb Auslande 13215 Ein- und Ausgänge gebucht.
Beben einem reichen Literatur-, Zeitung»- und Zeitschriftenmaterial verfügt der Evangelische Hauptverein über persönliche Beziehungen nach allen Welttellen. Seine Vertrauensmänner und Mitarbeiter im Auslande sind gern bereit, den neuankommenden deutschen Einwanderern in feder Weife mit Bat zur Seite zu stehen.
Merkblatt für Schöffen und Geschworene
Hebet die Aechte und Pflichten der Schöffe» und Geschworenen, sowie ihr Verhältnis zu den B« tu f s r l chte r n der hessisch« 3urtlvnnnfter ein Merkblatt betau »gegeben, das künftig jedem Schöffen und Geschworene», ernschliestlich bet Hilfsschölfen und Hilfsgeschwvrenen ve der Mitteilung ihrer Bt- ruhing zur Teilnahme an den Sitzungen von > den Gerichtsbehörden zugeftellt werden wird. Das | Merkblatt ist dazu bestimmt, den Laienrichtern bte |
Erfüllung ihrer Aui aade ui er eicht er» es gibt hren etuei Ueder ck über hrc A chte und P'. chte«. Im e nwlncn g.?t da» Blatt d e Voesch r'ter. befanr.t, bte die Ablehnung des Amts rechtfertige», bie Heranziehung der H llsfchö'fe» od«r H.I'sge'chworene» und die Ent.i-.dung von der Dzenstteistang regeln. -:ib weist aul die folger. une»tfchul. fiter Veriäu.nung e.ncr S.tzung
-
rer.<r oder Schöfte e ne arur. die Tattach. als Ent'chuld.gung oorichür« wird nack/ gesetzlicher Verschr.it mit Gefängnisstrafe M zu »wri Monate» bestraft, oh.-.« da > h.crdurch b e l*e» i orderen Ordnung »straten ettra ai:s.,e' chloren werden
Dodenbenuhungsertrebttug <m Deutschen Reich.
Au* BeranlaMung der Brichsregier^ng wit- im lau'<nben Jahre im Einvernehmen m.: den Landesregierungen l« allen deutschen Länder» wieder eine allgemeine Bobenbcnut- zungserhebung durchgeführt. und zwar wieder :n ahnl.cher Weise wie letztmals im Jahr« 1913. Der dieszähtigen Erhebung Ist tn'o'er» erhöhte Bedeutung deizumeisen. als he nähere» weise recht brirächlllchen Veränderungen In der Benutzung des Grand u«b Voders geben wird, -and Nimu auch über die Probuttion. i" niffa der Land- und Forstwirticha'i
Dk Erhebung erfolgt nach polit.'chen Gemeinden unb selbständigen Gutspeiirien durch die Gcmeindebehörden. Sie erstreckt sich auf die verschiedenen VenutzungsaNen der gesamten Bodenfläche. sowie auf die Waslerflächc inmrhalb der Beichsgrenzeii. Als Zeitpunkt der Erhebung ist für die Hauptarbeiten der Bobenbcnutzung unb für die Hauptnutzung des Ackerlandes die erst« Junihälste, für die Bebennutzung des Ackerlandes der Monat September angehtzt Den veränderten wirtschaftlichen Vertzaltnislen enlspreche-d ist bte neue Bodenbenutzangserhebung gegenub. t 1913 tn verschiedene insbesondere neben etner sehe eingehenden Gliederung des Getreide- und HuUensruchtbaues l«e- züglich der Ermittlung des Anl^aues von Garien- gewächfen (Gemüse» in seldmählger Bestellung, wofür namentlich auch vom volkswirtfchafiUchin Standpunkte aus rin allgemeines Bedürfnis vor lag
Dis Gelingeu dieser wichtige» Erhebung liegt im allgemeinen Interesse E» ist daher bringe»» au wünschen, buft von allen an bet Lrheoung Beteiligten bte Feststellungen fo juoerld’hg als möglich gemacht werden, um rin zatreisendes Gesamt bild von den tatfächltchen Verhältnissen zu erhalten
Die hessische Gasfernversorgung.
Zur Regelung der (Ba«ftrnper,orgnngln Hesse« haben bte flbg. f) e i n ft a b t unb Uten. (Ztr.i folgenbs Anfrage an bie Regierung Festellt ,^if Regelung ber Gassemoerlorgung wirb llr Hefsen ein« immer bringenbere Angelegenheit.
nachbem anbermärte Lchntte in dieser Be
rett» getan fhtb. E« kann nicht bem Interesse uer einzelnen Rommunrn unb Rommunaloerdänbe bienen. wenn sie einzeln in biefrr (frag# oorgtbrn Wir fragen baher an, ob bte Regierung ber.n Ist btm Landtag Vorschläge für bte Regelung ber Kaslrrn- Versorgung au unterbreiten und baori mltjuleilm, was im Lande oon einzelnen Rornm iien unb Rom- munalofrMnben bereit» geschehen tff.e
Der Hesstsche Städtetag trat am Montag erstmals tn feinem neuen Vorort Offenbach a Bl unter dem Vvrf>v des
Bürgermeisters Granzin zulammen ?,u:n Gesä-äftlSfühoer wurde Derwaltungsamtrnann H « I m st a e d t « r. Offetibach a. BL, geh Au» der Fülle des BeratungSstosles seien her- vovgehoben die Erhebung einer Semelnb«- bierfteuet unb einer allgemeinen Wertzuwachssteuer. sowie der Entwuri M ® e - meinbebeanttengelehe#. Die Tagung war zugleich ein Abschied tüt den in den tretende», auch um den Hessischen Städtriag hochverdienten Bürgermeister Dr. Kayser, Bao- Bauheim, für dessen im Plenum und In den Kommissionen vorbildlich«. nie '>ersagende Arbeitsfreude der Vorsitzende hrrilichfte Wort« der Anerkennung fand. An dem Scyluh der Veranstaltung nahm auch eine Abordnung der Stadt
Herkulanum.
Vcm Gustav W. Eberlein (Bomi Herkulanum, End» Wal
Der Vulkan war schlechter Daune. Den hohlen Swckzahn vorreckend, rauchte er krumpflg wie rin Anfänger, spuckte wie ein Matrose und zeigte sich überhaupt von seiner schlechtesten Selle. Es kochte in Ihm. Der Professor der ihn zu überwachen bat, musterte Ihn kritisch, bdtierte den Krank- dritsbericht, den Sie ja gelesen haben, und ll«d Den Blick durch »rin Observatorium wandern Das neue, das jetzt en paar hundert Bieter unter den fauligen Stockzahn, dem 1930 zerhörte» und ausgebrannten, liegt. Storni gingen wir hinunter, begrübt en Nm König hörten Mal url an unb machten uns daran auszubuddeln, was der alte Misanthrop vor einiger Zell, er war damals kcho» genau fo all und griesgrämig, und man schrieb das Jahr 79. tn den Boden getreten hatte.
„Hervulanum eHodicodum cst“ stand auf ber silbernen Spitzhacke zu lesen, bte der König als erste» schwang. Den zweiten Schlag tat der Korn- mtslär der Provinz Eampama, ten dritten der Minister Je del« Dann ging nn Bauern und Bütteln und Schultern und Schütteln durch die Erd», wenn man ben grauen Grub ft em über Herkulanum so nennen will, mvtorllche Kraft Hob t» die Hände der Arbeiter über, bte den kurzen Spaten rinbrüdten. Schutt bröckelte ab. fTtrae Schulterkörb« hngen ihn auf. Vollwagen schafften ihn wen — da» historische Werk begann Bi®« lange, so blätterten «ich unter dem unwider- ftehllchen Druck moderner Technik die Schichten ab. tn denen bisher alle Ausgrabungsveriuch» nad> kurzem Anlauf stecken geblieben warm, rin Haus hd sich auf wie eine Türe. Zentauren brechen durch bie gemalten Säulengänge wir tun einen Schritt vorwärts und stehen aus dem Mofaik- bvden still und erschüttert, als hätten wir das Geschichtsbuch zugrichlagen. das rmt dem Jahre des Behitxnrfbn: fte# «dh’ e':
Bun beginnt jenes unsagbare Schlendern durch eine Stadt des Altertums, das fielen von Pompeji her vertraut Ist. Aber diesmal, sagt Professor M a i u r i. werden wir nicht die Dächer rinschlage« und uns den Weg zu ihren stummen Bdoognem mit Brecheisen bahnen sondern bescheiden anklopfen, wie es sich geziemt!
Vtellricht. caro profetsore — schwärme ich aus — geraten wir gleich tn rinr Bibliothek, hören tote Neues über Spikur. finden wir diesmal wirklich die Bücher des Titus LrviuS?
Und der Mann, der die soeben der Oeffent- lichkett übergebene Straf)« der Verlassenheit tn Pompeji mit Suppenlöffeln sozusagen auskrümeln lieh um ja nichts zu zerstören, lächelt mehr als eine Hoffnung. Er ist seiner Sache gewiß. Die Welt dar« sich rreb! nur Museen voll Bronzen, archäologisch« Schätze von unnennbarem Wert erwarten, sondern auch eine reichhaltige Literatur. vielleicht die letzten Aufschlüsse über die vorchristlich« Zell. Denn es ist zum Glück nicht so. wie man bisher meinte daß eint zwanzig bi» dreißig Meter hohe Lavaschichl von aruni- teuer Härle Herkulanum mederacwalzt habe, an den meiste» Stelle» füllte n.clmcbr rin? nicht sehr schnell vorrückend? vulkanische Schlammlovint die Straßen und nach und nach die Häuser aus. mehr konservierend, als zertrümmernd.
Es wird etne griechische Stadt sein, durch die wir wandelti. meint Protessor Ealza. der Leiter der Ausgrabungen m Ostia bei Born.
Bautenwucht allo erwartet uns. sondern erlesene Kultur. Herkulanum war Tuskulum unb Sommerfrische der Vornehmen und Beichen. der Künstler und Dichter.
Ob die Heutigen, die jetzt in rraubenhafte» Klumpen auf ihren bunten Häuterwürteln «itzen. Ne Baifont mit Blumen überladen haben. Ne bedecken der Berten zu de» Fenstern heraushängen und ihrem König nimmermüde au jubeln unb zuüallchen. ob das Völkchen von BtTtna unb Portici wohl fo weit benft? Ach nein, es ist wie kalisorTusch« Goldrausch über fte gekomon-.i, jetzt brauchen fte Ne Nach
barn von Pompeji nicht mehr zu beneiden, unter ihren Kellern liegt -ja die alte Wunderstadt, von der Ne Großmütter erzählten, von ber Küche auS können sie in Ne Schlag auf Schlag sich erweiternde Schatzkammer binunterschauen! Was jetzt der Boden wert ist, waS rum Fremd? kommen werden! BI an sieht Ne Gesichter förmlich strahlen In diesem denkwürdigen Commcrtag
Aus dem Schiss ertappe Ich mich dabei, tote ich den grauen Vulkanschlamm, der mtr beim Durchztoängen In Ne Taschen geraten toar. durch die Finger rieseln unZ> ins Meer gleiten lasse Ss ist Ne gleiche Sorte, die mir der Vesuv geftem in bte Hanb spuckte Mit uiiheimlucher Gela'sen- bell sieht der Alte auf uns zritarmes Ungeziefer herab. Was sind für ihn zweitausend Jahre?
Wunder in Reustadt.
Von Bla» Jungnickel.
3» Neustadt, im Thüringischen, too Ne Puppen Herkommen, ging gestern ein großes Wunder um.
Die Postpakete wurden dort bisher auf einen zweirädrigen Karren ausgefahren. Neustadt wird groß unb größer; nur so ein zweirädriger Karrer wächst nicht mit. Also wurde rin Postwagen unb ein Postgaul eingestellt. Für der Vormittag vorläufig. Zum Postaaul gehört auch rin Postillion. Es fand sich ein krieg«beschädigter Kavallerist. Immer na»ch «?r* ch. immer noch umtanzt txxi abenteuerlichen stolzen Erinnerungen. Gestern fuhr er los
Märchenhaft toar das Weißbiau feine Kle bung. Lange, glänzende StirieL Lackhut mü weißem Feberbusch, unb ein Posthorn, ganz übervoll von SicheTidvrff-Ltedem. Unb bie Postkutsche! Er hatte «ie mü ganzen Beraen von Feldblumen ausgeputzt Die Kullche bevte ordentlich unter dieser Blütentlui. Das toar leine Postkutsche mehr Das toar ein Hochtzeitstvagfn Nein, das toar rin Karren, der durch tau«enb Märchen humpelte. Durch Ne Speichen fpranaende Kobold». 2fcn Pferdeohr ein närrisches Geisterlein.
Unb da« in Neustadt! Wo bie barte äiriv.t fitzt, too fte f.ch plagen unb fchinben müssen, too bas Leben um ben sauren Groschen Nrumgebt. Wo kein alter Turm mehr Lchildtoache steht, too kein altes Tor mehr (narrt unb rasselt, kein greifet Brunnen tröpfelt, keine graue Brücke sich über ben Fluß baut All bas hat ja rin wilde» Feuer vor langen, langen Iahten auf- gefressen.
Unb ber Postillion fährt' Numenumnidt liebetfeüfam. märchenbetrunken. Es Ist. all ob an der Straßenecke ein Mann herumgeisterl, stehen Heibt unb versonnen vor «ich h nlächelt. E» ist wohl ber Herr von Lchwinb Dort im Schlafrock rin tounberiamer Kerl! Wie er w.nkt! Da» ist doch bet Spinweg Er rennt auf ben Postillion zu. will ihm eine Pri«e anNeten. Da. hinter der Postkutsche wieder ein Mann. Ein Dvaukvps. Im feinen Gehrock. Sk-.»enbach in der Hand Unb immer tute er .Halt! E nen Augenblick nur! Ich muh dich zeichne»!' Das ist der Ludwig Nicht er Er ist von e ner Cominer- wvlke gekommen und will fein letztes BTr.ftete stück ins Skizzenbuch he»en Dann will er toiebet tn den Himmel
Und ber Postillion fährt Lieder firi -nen unb riefeln au» dem Hori. Die Schuijugend ist verzaubert. Die Alten willen Nicht ob sie weinen oder lachen sollen. Da stehen zwei von jener Sorte, Ne das Märchen au» ihnen Tagen verjagt buben. Die nie an ein« blaue Blume geglaubt haben. Zwei Verbissene. S e stehen unb fangen an, mit ihren Schimpfwort en Ne T7jrr,m- pvstkutsche umzuschmrißen. Der Postill.on hält an unb wirft ihnen ben fälligen Auf auA dem Götz von Berlichingen mitten auf den Blunk
Heute ist der Postillion wieder auftgefabtei Keine Blumen waren da. tetn Posthorr^ied. Auch Spitz weg hat gefehlt. Der Bichter Ludwig auch. Der Herr von Schwind toar auch nicht zu sehen, Unb der Postillion faß au< bem Bock tote ein gewöhnlicher Psstkufcher. bet alle Bio- ■ate fern Gehalt empfangt unb Ui soundfoviM Jahren pensionsbevrchtigL ist.


