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ür. 126 »weites Biart Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffenf

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diutwod?, (. Jmu 1927

Die Dreibunbpolitik.

Gegenfar-c im Treib«nd mähre«d der Balkan wirren i. 3. 1913.

Äm Dr fr u ft a o R o l o f f. t Pr. <Hör der Geschichte an der Xlnizx-rltU^i frtrfK i

Der Diederausbruch be» R.il6iti!ri<ge» gegen btt Worte im Febr-.ar 1913 «chu» nnt überau« verwirrte polltische tiage. Denn unter den Ber- bürdeten rur.fctgten 'ich schwere 2h«trrrryer öeitnen imb bdfsnni baden en um nw »ebeni- fches Gebiet. Bulgarten unb Onwbeiüunb um Saloniki unb ankere Landschaften. urb endlich verlangte Rumänien. bai am 'ineae nicht teil» genommen batte, Abtretung b^laanlchen Gebietes, uw eine Kompensation für die Dergrösterung seiner Rachbarn zu erhalten.

Für bk Großmächte war es schwierig, zu allen diesen Fragen Steilung xu nehmen sie konnten aber bte Dinge nicht ltch selbst ulcriaflen. veil ihre Interessen von der 2krtidrfuna der eitwelnen Balkan floaten In verschiedener Ti'ette berührt wurden, und ein völlig« rtu'ammenbruch der lürfet auch zur Austeilung bd fletnaliatl» scher Gebiets hätt. fuhren müssen. Da aber waren saft sämtliche Mächte politisch unb wirtschaftlich beteiligt Unendliche Verhandlungen zwischen den Großmächten Wie zwischen ihnen und den Val san­ft aal en haben sich infolgedessen abge'p'clk von denen auch die große deutsche Aftenpublikaiwn nur eine gedrängte Ueberi'chi geben kann Aber es läßt sich doch eine A: ichauung von ihnen gewinnen, und von besonderer Dichtigkeit ist daß in der Behandlung der Valkonfragen die Drge ber .''rvbundmächrv wiederholt auseinander- gingen zum Schaden der Mittelmächte

Die Riederlage der Worte war von Anfang an unzweifelhaft, lie verlor nrch Adr-.anopel an Vulaar.en und ihre letzten albanischen Positionen an Griechenland und muhte den Verlust in einem inarf rieben (30. Mat, anerkennen Don Den (^x jvnMben unter den Derbündeten war in dieser .seit der brennendste der zwischen Rumänien unb Bulgarien. Rumänien In jcbric als Trete für leine bewiesene Neutralität Dorschiebung feiner Grenze in die Linie lutrafan an der Donau)Baleift (am Schwarzen Meere) wodurch Bulgarien einen Landstrich von etwa 5000 Oua- bratnlomeferrt, zum Teil von Rumänen bewohnt, aufgeben sollte Da es in Mazedonien das Die'.- fache dieses Gebietes !

Opfer nicht zu hoch, namentlich da Bulgarien bann an 'Rumänien einen Rückhalt gegen Serbien unb Griechenland erhalten hätte. Aber Bulgarien war nicht gewillt, das Opfer zu bringen und lehnte sogar ernstliche Verhandlungen darüber ab. Da Rumänien Bundes oens'^ der Mittelmächte war, konnten Deui'chland und Oesterreich-Ungarn nicht teilnahmslos hierbei bleiben.

Die Diener Regierung trat von Anfang an hinter Bulgarien. Matzgebri d war für sie nach den Ausführungen de« frrafen Berchtold, des Leiters der auswärtigen Politik, das Verhältnis zu Serbien. Alle Bttnuhungen, Serbien au gc- gewinnen. seien fehl geschlagen, sagte er. es sei der unversöhnliche Feind der Donaumonarchie, also Dürfe es keinen erheblichen Machtzuwachs er­halten. Genau dasselbe Interesse habe Bulgarien, es formt ebenfalls die frntstehung eines serbi­schen Grvtzreichs nicht wünschen. Ferner sei es notwendig. Bulgarien zu unterstützen, veil diese Politik den Slaven in Oesterr.-ich-Ungarn will­kommen fei unb zugleich dem PanNawiSmuS auf der Balkanhalbinfel einen schweren Schlag flu­ffige; ein hon den Mittelmächten vernachlässigte« Bulgarien werde dagegen im Saget des Pan­slawismus unb bei Rust land Hilfe suchen. Da Bulgarien die stärkste Thlltärmd.ot am Balkan sei. lohne es sich, es an den Dreibund heran«u- ziehen. fr« gelte allo. Bulgarien gegen Serbien wie gegen Griochenland zu miterftunen unb zwi­schen ihm unb Rumänien eine B<r Bändigung zu suchen Die Kräftigung Bulgariens steht auch mit dem Ziel die Pforte zu erhalten, im frinvang:

Die Siedlungsjront im deutschen Osten.

Bo« Dr. Paul Rohrbach

Vor fünfzig Ja hoc» hatten wir n Deru'ch- land eine (tcburter.ufler rxi über 40 au* jedes Taufend der BeobLrung. Gegenwärtig be;rägt sie nur noch 20. d h fic V* an brr an­gekommen unter bte ' < nicht mehr finke! bart, wenn auf btt Dauer keine Abnahme brr Holks- zahl eintreten soll. Das ist die eine Tatsache btt uns bedenklich much<n muh sobald imr an- langrr.. unsere nat.o iale dnlunft zu überlegen. Die andere Tatfache ist d.e. bah w-.r l.mr. ch imstande find, untere östlichen Gebiete argen bm Uebrrbrud und die starke Berm. kr.3 ber TJrr.- schen tm benachbarten polnischen Gebiet zu halten.

3n Treupen. zu dem bte deutsche Ost grenze ganz gefror ist bte durch'chnUtlich. Volksbuch»e runb 125 auf den Cuabtc'.idomrter. Ostpreuhm aber hat nur 5». Pom men 59. bte fietne Reit- provinz ®rw'x;f 42 und Braiidenburg ohne Berkin 63 Menschen aul der Flächeneinheit also nur etn Drittel bis die 5>ilhc des Durch» schnlits' Roch viel ungünstiger find die Wahlen in den Bez'.rken. wo der Grvtzgrui >brt>tz ausge­sprochen überwiegt Der ostprei fch .str.ts Rei- denburg hat knapp A4 erreich', also 'ast den deutschen Länderrekord von TtcdXnt ^rg-Ctrel n (32). Die Greife Iohanntsburg. Deutsch-Krone. Rummelsburg überbieten diesen noch mit 2° im Durchschnitt. Grimmen Demmin Angcrmfinde komme., trotz ihres fruchtbaren Boden»- nur auf 40 bis b0. Gs aibt Grosigüterbezirke im Osten, wo die 3afrlen vis auf 12. in einzelnen Fällen bis auf 4 finken, soviel wie in den ödesten Moor- gebieten von Rordschottland!

Die aber steht es n Polen? Dort ist zu­nächst die Geburtenziffer 42 auf das.i'cnb, doppelt 1 o hoch wie in Deutschland So­gleich nach der Abtretung sand - ftrom aus dem sogenannten Svongrefrt»; len in das früher deutsche Gebiet statt. Die amtliche polnische Statistik gibt für Posen unb Pommeretten iDest- pveutzcn' 98 pro Quadratkilometer an. für bte Wojewodschaft Lodz 118. für Galizien Q5. Der polnische Durchschnitt ist mit Ausnahme ber weihrussischen Teile, reichlich ICO. verhüll sich also »um deutschen Ostgebiet wie 2. 1

Die Folge dieses Verfrällnisles ist. dah ber Menschenmangel auf ber deutschen Seite zwangs­läufig ausgeglichen wird durch den Men'cken- rudfrtum auf der polnischen. Berlin mit seiner Geburtenziffer von 9.4 aus das Tausend ver­schlingt so viel wie den Geburtenübertchuh von ganz Oftpreutzen. Pommern und Brandenburg, Der aus dem flachen Lande heute noch bis auf 27 rnm Taufend anfteigt. Damit konnte sich d.e Reichshauptstadt gerade auf ihver heutigen Höhe von 4 Millionen frinwohnern halten. Sie wächst aber «ortdauernd, und anderen .

tun es auch Di e Kosten trägt das Land, unb btt Abwanderung vom Lande zur Stadt ist dort am stärksten, wo der Großgrundbesitz über­

wiegt Der verstorbene Oberpräftdent ?. Schwerin in Frankfurt a O der 3aier des t eMunaü- gedankens zur Ret'ung unterer Ostgebiete, hat gesagt

.Bei der toe-, irren Tendenz zur Berm.nde- ' rer.a der Bevölkerur^ in den Gutebeztrken Tiefs - wir tn den Gebieten mit vorherrsch, ndem Grrhgrunbbrtitz vor dem truur gen Bilde der Entvölkerung des Laubes"

3m 3obre 1925 waren in Deutschland über 130 000 ausländische Arbeiter meist Polen für bte

bte Industrie Die wirkliche Gesamtzahl ist schwer au schätzen, aber fle ist vermutlich vtti art'her da lehr viele Polen, um in D.mtfchlanb Arbeit zu suchen, oho.- Päffe. wx man sagt . über d.e gr ?.e renne" kommen fr« mögen gut 400 WO auslän­dische Arbeiter tn Deutschland fein, und bade; gingen in den letzten Jahren mehr als 100 C00 e

ten. nach Kanada. nachBratillen. Arger.tm en ufw.

Rich« nur Oftpreutzen und Pommern, fonbern auch die Regierungsbezirke Frankfurt a O Pots­dam. Merteburg. Magdeburg Liegnitz sind voll von polnischen Wanderarbeitern. In der Mark Brandenburg gibt es Güter tr? nur noch die Herrschaft deup<v. die ganze Arbeuerschaft pol­nisch iftf Dor dem Ämge waren die pclni'ctxm TB a aber arbeit er verpflichtet nicht früher als im März zu kommen und nicht später als im De- Eber wieder nach Haufe zu gehen Die Setz- stmachung in den landwirtschaftlichen Ge- en des Reichs «nicht im Industriegebiet) trat verboten Heute wird diete Vorschrift teils stillschweigend, teils unter dem Druck dep polni­schen Drohung, andernfalls mit Deutschen-Aus­weisungen vorzugehen, aufjer acht gelassen. Wan schätzt, dast schon über Id) 000 Polen bei uns im Osten fetzhaft geworden sind. Ihre Zahl wird steigen, durch Zuwanderung und durch ihre starke natürliche Dermefrrung. und eines Tages werden

niedertchlefische Bezirke als .polnisches Land" für sich reklamieren

Dagegen gibt es nur ein Mittel' deutsche Siedlung im Osten! Land genug dafür ist vorhanden Ter östliche O>.'otzgrunk>vesin ist teils verpslichtet. teils willig. Boden herzugeven. Ginen siedlungswilligen Uebcrfdtufi von Bauernsöhnen haben wir in ganz Süd- unb Westdeutschland Zu einem erheblichen Teil find das Leute, die gar keine oder nur eine geringe Staatsbeihilfe brau­chen. W! der ländlichen Siedlung av1 Sigrnbesitz steigen auch wieder die ff^burtenfreubigfeit und die .stinder-^dl. ticbcln nf>r r L n [ r n1n lautet der Titel einer Flugschrift des Deutschen Ostbundes tvon Hermann Pifchke, M. d. 0.). die in ihrem Titel unsere Frage im Äem trifft unb die wir unfern Leiern empfehlen.

Bulgarien habe nach bei Grwerbung Adrta- nopel» leine Forderung mehr an den Sultan unb könne sogar ein Bündnis mit ihm sch liehen. Sein anderer Rivale, Griechenland, dagegen werde sich tu die konservative Politik des Dreibundes nicht etnffigen Gs werde, da über ebne Million Griechen noch tm türkischen Gebiet wohnten, durch die panhellenische TktDequng stets zn einer anti» türkischen Politik gezwungen sein

Dieser ^Ausfaffuna trat die deutsche Regie­rung tn wesentlichen Punkten nicht bet Zunächst sie es nicht für ausgeschlossen, durch ge­schickte Behandlung Serbiens bte Beziehungen erträglich zu gestalten, aber abgesehen davon setzte sie viel weniger Hoffnungen auf Bulgarien Allerdings ift Bulgarien der stärkste Faktor auf der Ballanhalbinsel. sagte Staatssekretär von Iagow. unb in diesem Dewuhtseiii wird e«. wenn es aus diesem Kriege mit groher Verstärkung hervor geht, darnach trachten, eine vorwaltende

Stellung vor seinen Rachbam zu gewinnen, aber sich nicht dem Dreibund anschliehen. Detm bisher bat es dazu nvch keine Reiaung gezeigt; die jahrelangen Bemühungen Oesterreichs sind ver­geblich gewesen, nach wie vor dominiert der russische Ginflust tn Sofia Schon aus diesem Grunde farm dem Dreibunde eine bulgarische Bormacht auf der Balkanhalbtnset nicht will­kommen fern, und überdies hx-rhen sich die andern Staaten gegen ein übermächtiges Bulgarien zu- sammenschliessen, womit dem Dreibund ebenfalls nicht gebient ist Der Drei düng ntust daher nach einem unaefähven Gleichgewicht zwischen Bulgarien und Serbien streben, im rumänisch-bi'Igartfchen Streit aber Rumänien unterstützen Sine Be­günstigung Bulgariens würde Rumänien ver­stimmen. ohne Bulgarien zu gewinnen, eine Bun­des genoffenschaft zwischen beiden in Anlehnung an den Dreibund ist bei der Gesinnung der Bul­garen vollends ausgeschlossen. Ö8 wäre aber un-

po. ' ich 'jgte Iagow wiederholt »ne Bismarck br. ähnlichen Gelegenheiten einen fächeren Bun- besgeno'sen für ene unsichere Kxuhini,.*beftn..ng autflugebm. Damit würde man nur Ruhland in die Hände arbeiten, das schon lange bemüht sei. Rumänien aus de Drebunte herauszuilehen. Unb. sagte Iagrw we.vi auch die RuB.cht auf Gnechenland. einen kui't.gei Bund »sgenof i en. verbietet, für Bulgarien Parte >u nehmen Iu- nächst ,tz es für Dreibund am vvrte.lhafte'ien. wenn das umstnttene Sa'.ontki an Gnechenland fällti Griechenland wird es brn fremden Handel ollen halten. Bulgarien wird wirtschaftlich 'chuic: gke.ten machen und seine Bsbsutnng als Tranfitplatz vermindern Bor allem ist bvch- nnchng. Griechenland zu gewinnen, tnctl dadurch die maritime Pofinvn des Dreibundes im öft- lichen Minelnieer verstärkt und den Inrerrllen der Mittrtn.ächte In Äldnalten geb.ciu w.rd 3n der Seite Dreibundes w rd Gr.echenland die Pvlink aul Srhaltuna der Türke unter­stützen. an der Seite des Dreiverbandes dagegen den entgegengesetzten Bestrebungen anheimfallen. Im Gegenfätz zu Bulgarien ift aber m Griechen­land eine starke Reigung sich an den Dr<- i-tmb anzuschliesten^ vorhanden

Ruch mit Italien stimmte Deutschiaid nicht durchweg zusammen Hier handelte e» sich vor» wtegend um Griechenland Gs Hane die ä,r. 'chen Italien war einverstanden unter der Beb.liguiig. dast Griechenland in Südalban.en feine Rn'rruche beschränke Deutschland wünschte dagegen, dast die Pforte die Inseln zurückerfr.elt«- und wenn da» nicht möglich war. dah Griechenland toentg- ftens die unmittelbar vor den Dardanellen ge­legenen und deshalb der Türkei unentbehrlichen Heinen Gilande zurfickgebe und auf den übr j<n keine mil'tärifchen Anlagen zu treffen verspreche. Aus diesen Rerhällniflcn erwuchs 1»a'.rV' eine neue Schwierigkeit für die deutsche Politil 'ie suchte sowohl Griechenland wie die Pfort« m engen Beziehungen zum Dreibunde zu halten, es galt alfo eine Derständigung in ber Infel- frage zwischen beiden zu finden. In d--r Tat ft das fchltestlich gelungen. Italien trat allmäh­lich aus die Seite Deutschlands, well es die Wich­tigkeit Griechenlands erkannte, und zwischrti Athen und Konstantinopel wurde nach langen Verhandlungen freilich - senes Kompromist ah- gtfiNollen.

Diese Gcaensätze zogen «ich durch alle Ver­handlungen des Jahres 1913 hindurch Tie Difserenzen zwilchen Berlin unb 'SMen blieben auch keineswegs verborgen, aber Ni auch der Dreiverband keine einheitliche Politik vertolgte. namentlich Ruhland für Bulg irl.n Frankl f ir Griechenland eintrat so folgten daraus giftfreie unmittelbare Rachteile nicht. Der Stau >punk» Deutschlands wurde durch bte Oreianiffe gerecht- cnigt In der Tat verdieMen die > >

geringes Vertrauen, die "Regierung des Jarcn Ferdinand suchte in der Hoffnung auf russische ungeachtet aller österveichischen unb deut­schen Mahnungen zum Gntgegenkommen nur eine ScheinverHandlung mit Rumänien zu führen, um es zur ReutnaliÄt bestimmen, während he mit Serben unb Griechen abvechne Als diese Politik an der Festigkeit Rumäniens scheiterte, war die bulgarische Regi«ung verblendet genug, allen drei Staaten gegenüber auf ihrem Dillen zu beharren, obgleich auch die Pforte feinen Iweisei llest. bei einem stampfe unter den christ­lichen Balkanftaaten sogleich wieder nach Adria- nnhei zu greifen. Oesterreich suchte trotzdem feint Beschützervolle fortzusetzen. Als bte ersten 3u- sammenftfthe zwischen den ehemaligen Verbün­deten bereits begonnen hatten und Rumänien feine Armee mobilisierte (Onbe 3iati). forderte Graf Berchtold Deutschland möge Rumänien ar Herabsetzung seiner Ansprüche an Dulgarten, wo­möglich zu seiner Unterstützung bestimmen, aber Iagow lehnte ab. Bulgarien habe durch feint Hinterhältigkeit den stömg starol gezwungen, das von ihm beoTifpruchte Gebiet gewaltsam in Besitz zu nehmen .in dem Balkanchaos ift für

Schuhmacher und Poet...

Qkm Dr. Hans Lhhrivt.

Das der männlich-aufrechten, kämpferischen Gestalt des deutschen Ritters Ellrich von Hutten zeitlebens vertagt gebneben ift und fürder bleiben Wirb als gesammelter, sinnvoll-lebendiger Aus­druck feines Jahrhunderts zu gelten - ist unter seinen Zeitgenossen nächst Luther vielleicht nur einem beschleden gewesen: dein Rürnbera.schen Schuhnuich« unb Poeten Hans Sachs Hutten bat ein Qtnfamer unb S nzelner bleiben mfiffen. ihn hatte sein Sch.ckkal als späten Schöfrling einer adeligen Blüte in ein fremdes Jahrhundert wurzellos binetngetenll Ritterzeit lag dahinten, war begraben, versunken, vergessen zumeist (amt seiner zlerlichen, höfisch gel'flegtcn Kulturine neue Gpoche war brausend hermngedrochen. unb Lolumdus. Gutenberg. Berthold Schwarz hatten ibe wuchtig die Tore aufgestosten. hatten mh ihren Entdeckungen unselig, h -ll'ringe-.O und glfick- verheistenb zugleich die Brücken w schlagen be­gonnen und die Dege gewiesen, nie aus mittel­alterlicher frage in eine grobe und noch kaum be­griffene 3uhmft führen sollten

Aus der Rittertzeit wuchs das bürgert.che Jahrhundert, das frrbe der Höfe, der .dürften unb Lehnsberren fiel an die Städte, die Bürger unb Äaufieute, Ratsherren und Handwerker. Alle stultureelldenzen wurden gestürzt unb ver- gellen. neue waren mit Mauern. Türmen. Gie­beln und Gassen, mit stirchen unb Märkten unb

Mellen breiter, behäbiger, dauernder als jene etfxiut worden unb regierten blühend, wachsend und schassend auf gediegenem Boden, bereit für die Zukunft, die Stunde. . Urtier ihnen eine ber schönsten, bald mächtigsten und statt- Nchstcn ist Nürnberg gewesen.

Dort wurde am 5. Rovember 1454 dem ehr­samen Schneider Jörg Sachs unb feiner Frau Christine, in der Äotoiffe. unweit von Sankt Lorenz, ein Büblein geboten, dis den Barnen Hans erhielt. Von seiner Kindheit .st nicht viel mehr bekannt als dah er nnt sieben Jahren in die Latemichule kam. um m der Rhetorik. Dialektik unb Mullk unterwiesen zu werden, zwei Iahte später tn ein hitziges rteber fid unb 15C9 zu einem Schuster In tr.e Lehre ge­geben wurde Rebenfrer aber hatte den Buben der Leineweber 'Armfrort Rumienbed in der Meistersinger holbsel.ge Kunst emgeführi 1511 schnürte ber junge Ge'ell fein Bündel unb machte sich auf die grobe süddeutsche Dandertchaft. bie ihn über Regensburg. Pal'au. Salzburg Mün-

chen und Dürtbura später bis nach Frankfurt. ÄHn unb Aachen sfihrte. so dah er schon früh rin auf Stück des Heiligen römischen Reiches zu s<chen bekam. Ob er tn Gngland. tn Frank­reich unb Rom gewesen ist. darf bezweifelt toerben. 1516 kehrt er heim, macht fein Meister­stück. gründet auch eine Singschule tmb heiratet nach drei Jahren die tugenblame Jungfrau 5tura- mit ber er über 40 Jahre lckllchster. finbergrtegneter Ghe lebte. Rock bleibt er anfangs beim Leisten, aber die Singer« bat ihn nimmer losgdasfen. und in späteoen Jahren hat er auch bie Werkstatt ganz zugemacht. Rur kurze Zeit hindurch ist er »Dichtens und Schreibens verdrossen" gewesen, das war. als ihm 1560 feine Hebe Frau durch den Tod ge­nommen wurde, frr ist aber nicht lange einsam unb traurig geblieben, in fernem gesunden und zukunft-sicheren Oedensgesühl heiratet der 66jäh­rige zum andern Mal. nimmt sich die blutjunge Barbara Harfcherin mitfaml ihren sechs Ämbem ins Haus unb lebt auch mit ihr glücklich bis an fein Gnde 82 Iahte alt. hat er am 19 Januar 1576 die fröhlichen Rügen für immer geschloßen.

in ungebcurH Lebenswerk wurde hinter- lassen 34 dicke Äoliobänbe hat er mit eigener Hand vvllgeschrieben, ihrer 20 sind auf uns gt- lommen Ss gibt in der ganzen deutschen und selbst tn ber Weltliteratur nicht sehr viele Au­toren. die eine ähnliche Ueberfülle an schrill­st ellerifcher Prvbuftion geschaffen haben, wie Hans Sachs. Das Gesamtregister weift ganz er­staunliche Iisfrrn auf allein 16 Bücher Spruch­gedichte gibt es 64 Komödien, 61 meist »unf­ähige Tragöd en 85 Fastnachtsspiele: 4275 Met- sterlleber tn 275 .Ibnen"; 1700 Fabeln. Ge­dichte Schwänke. Legenden und Gespräche; bte .Summa" der gesammelten Werfe bringt es m*1 6170 Stück

Aus solchen Zahlen bte doch wohl ein wenig mehr bedeuten, als ein blohes literarisches Ku­riosum. scheint sich uns auch für das innere Bild deS Rürnberget» mancherlei Beachtliches zu er­geben: was mutz dieser Mensch für Zeit ge­habt haben! Gewitz. er hat ein biblisch.es Alter erreicht, einen gesegneten Lebenskreis au-mellen können, aber dennoch ist das. was er hinterlietz, uns Rangeborenen wie das lebendige Dokument einer unwiderbringlichen, von uns aus kaum noch ui begreifentten Vergangenheit. In Magde­burg kann man etliches aus bet Otiginalhand- schrtfi des Meisters betrauten: man mutz ein- ma. den behäbig-kraus en Schnörkeln des Schrift­bildes uachgegaogen (ein, um das eben Ge­sagte gkrtchfam llnnfälng in sich gewahr zn wer­

den. Da tun sich, auf fo einem vergilbten Pa­pier. gewaltige zei'liche. geistige und hHnrrefle Abstände auf bie wir nie mehr überbrücken können

Unb wenn man den Blick von den ungefügen Ccitcm bebt und in- öeere schaut dann ist es einem, als ob man den. der da vor 400 Jahren bedachtsam und emsig schrieb, in der engen Werkstatt fitzen sähe unter der Schufterkugel, hinter bicken Folianten verschanzt, gelassen lesend, schreibend unb wieder lesend. Hans Sachs hat eine sehr gute und gar nicht Reine Bibliothek fein eigen genannt, und was er aus leinen Ge­sellenfahrten sich nicht erwandert hat. bas hat er sich zusammengclelen frrst aus feinem Werk wird ersichtlich, wie der Meister sich Schritt um Schritt den engen BlickkreiS zu einem Weltbilde von humanistischem Ausmatz weitete Auch hierin ist er sein Leben lang ein echtes Ätnb seiner Zeit geblieben; es ist saft unheimlich, zu sehen, welche ötoffmenger w>e Vieles unb Vielerlei er sich zu erschlietzen gcwutzt hat. womit er ver­traut war, was alles er in sich ausgenommen unb verarbeitet hat. frr kannte sich mit einer immerhin auch für seine Zeit erstaunlichen Ge­läufigfeit bei den Alten aus. et las griechische und römische Autoren. Opid. Livius, Plutarch dazu manchen Kirchenvater; ihm waren bie deut­schen Volksbücher bekannt, die Ritterromane und allerlei Lhrvniken unb Reifebücher er hat. im Geschmack feines Iabrhunberts unb einer literari­schen Vorliebe ber rteitgcnD'len folgcnb. die halbe Bibel in Reime gebrackt. zu Legenden verarbei­tet, in Gestalten aufs Theater gestellt, er hat endlich aus dem Boecaccw eine Fülle von An­regung und novellistischem Rohstoll übernommen, eingesuhrt unb sich mit der Verbreitung solcher Literatur um viele, bte nach ihm kamen hohe Verdienste erworben

R-.emanbem wird aber auch, gerade an- «sichts der riesigen Schaffensfülle des Meisters Hans Sachs, eine andere Sette seine- Bildes verborgen bleiben; man wird, wenn man die bunte Vielfalt zu durchdrinaen unternimmt, bald empllnden. wie treffenb unb glücklich die volks­tümliche T. amfjn; gewählt hat. die po.t. Schuh­macher und Poeten Ipr .cht. Die Hans Sachs von früher Jugend bis ins hohe Alter hinein nach Geist unb Deien cm echtes und nie verdor­benes Äinb seiner bürgerlichem Umwelt geblieben ist. fv hat er auch als Schaffender gleichsam das Schurzfell nicht abgetan und ist tm tiefsten Grunde stets ein Handwerker geblieben; ein geschickter, lleihiger ehrbarer, bttiwret Handwerker, eine Ztertze der Zunft imb feiner Vaterstadt, bte

anfangs durch ihn vielleicht berühmter gewesen ist, att durch bte Dürer und Vischer unb Kraft und Stotz. Aber eine Künstlernatur ist er tm Innersten nie gewesen Dazu war er zu unpro­blematisch und dem nüchternen Leben zugeboren; er hat nie, wie Dürer es mutzte, mit dem Derk gerungen in bitteren Stunden, gekämpft um die Gestattung und gelitten untenr. Zweifel an sich selbst frr konnte schveiben und er schrieb, (cidjt, gefällig, mit natürlicher Formbegabung mO rr-.e Hemmungen. Da« er nicht konnte. Netz er links hegen, oder tappte grob unb behäbig btan rbd, ohne datz es ihm unb den andern Vit ver­schlug Für die Tragödie fehlte ihm Gefühl. Sftm unb Ärafl. Diele«, was er unter diesem Romen hinterlietz. zwingt uns freute kaum ein Lächeln ab. oder ein Achselzucken ob Io blut­rünstiger QHorita: fr« kam ihm auch nicht darauf an. denselben Stoss tn mehrere Formen zu gtetzen, ihn über diesen ober jenen Leisten »u schlagen; wie denn überhaupt, zumal denn Drama seine Stücke leicht, flüssig, ohne scharfe Abgrenzungen durch äftfrettsche Gesetze, ineinander ufxrjrt>cn; Schwank. Fastnachtsspiel Romödie und Tragödie

. . gefällige Arbeiten schlichtbürgerlichen Schaf­fens. eines emsigen, ge'chafi-^*ni. von Aufregung, lieber schwang und Leibenschafteii unbefchwerten Gewerbeflettzes Selbst die Satire bet Han« Sach« hat ncht« von ber grimmigen Verbissen­heit mancher seiner Zeitgenossen; und auch das stimmt zu Sachfen« Bilde wenn man so oft m seinen Schriften einen warnend ober mahnend er- f?obene.i eigesmger gewichtig und nachdrücklich die Moral, guten Rat und frei Harne Ruhcntten» düng begletten zu sehen vermeint Und endlich noch bte«; von ber seiner Zett eigenen Lehr- bafngfeü, die eine Fülle längst vergessenen bi» oakttschen Schrifttum« hc nmrgebracht hat. war Han« Sach- io wen^g frei, to t von dem starren unb ausgetüftelten Regeltorten, von den mancher­lei Redmefftreten unb dem staubigen Tabula­turenkram der von Bolz tmb Rrstnplüt begon­nenen Meistersingereu

Frei ist er aber und frier muh man wieder zum frohen Lobe de« Pegnihschusters das Dort führen fast ganz vom Dchmur. unb Unflat fernes .knotigen, kotigen unb zotigen" Jahrhundert« da« die berüchtigte Figur des Grvbianus geschaffen hat; toenia berührt warb er auch tn seinem literarischen Schaffen von bei unheimlichen unb oft fo unfruchtbaren Streitsucht unb Hänbelbereitschaft der Reformationszett. die eine kaum wieder erreichte Flut von Polemiken, Pamphleten unb anansfslufugen Fluablätterp entstehen ltetz. Dohl aper frat er etn schönere^