Ausgabe 
1.2.1927
 
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Dienstag, 1. Zebruar 1927

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für ©berljefien)

Nr. 26 Zweites Blatt

Jeitungsschau

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uftrag, mit links die blanke Lilie,

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manche der in den letzten Programmreden eröffneten.

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absolut nicht- verstehen. DaS Zentrum hat ein bißchen die demokratische Gemeinschaft verraten und deckt die stra:egi!che Bewegung des Lieber - laufens durch ein überzeugungstreues Papier. Lind nur der eine Vraei schien einem Reichs­kanzler unerträglich, der nun einmal daS pas- sende Modell für ein GemäldeDie vergewal­tigte Tugend" ist."

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ist da- eine harte Anforderung an die Uneigen­nützigkeit einer Partei, die schon fast an Brüs­kierung grenzt. Ruch die Bestimmung der neuen Minister durch den Stimmzettel der Fraktion, wie sie bei den Deutschnationalen erfolgt ist, entspricht nicht dem Geiste der Derfassung und beeinträchtigt die gesetzliche Befugnis des Reichs­präsidenten und des von ihm betrauten zum Reichskanzler auSerschenen DerhandlungsleiterS. Auch hier verstimmte wieder das einteilige Dor­gehen der Zentrumspartei und der Deutschnatio­nalen und die fehlende, gebotene Rücklicht auf die dritte Partei, die Deutsche BolkSpartei, bei deren offenem Einspruch doch das yanze Gebäude zusammengebrochen wäre. Das sind Unerfreu­lichkeiten, die wohl noch ausgeglichen werden, die man aber lieber von Anfang an vermieden hätte. Die Deutsche Dolkspartei kann über sie hinweg- gehen. da vom Reichspräsidenten in den ehrend­sten Worten an ihren stets durch die Tat be­wiesenen Opfersinn und ihre tradivnelle Unter­ordnung der Partei unter die Sache des Vater­landes appelliert wurde. Man darf auch sicher sein, daß durch den Einfluß beä Reichspräsi­denten noch einige Unstimmigkeiten verbessert werden. Gegenüber der großen Bedeutung des ganzen Wandels in unfern Regierungsverhält­nissen. die wirklich eine Wendung in der deutschen Politik bedeuten können, sind solche Vorkommnisse nicht von entscheidender Bedeutung. Immerhin sollten sich Zentrum und Deutsch- nationale von Anfang an ge'agt fein lassen, daß die Deutsche BolkSpartei nicht daran denkt, ihre Selbstlosigkeit und Sachlichkeit zu übertreiben, und daß zu einem aussichtsreichen Wirken des neuen Kabinetts einmütiges und loyales Zusam­menarbeiten gehört. Die Deutsche Dolkspartei ist bereit, auf dem Boden des aufgestellten Pro­gramms mitzuarbeiten, aber sie ist auch bereit, wenn dieser Boden zugunsten einseitiger kon­fessioneller Bestrebungen verlassen würde, oder das Kabinett der drei Parteien sich praktisch zu einem Regierungsbündnis von zwei Parteien entwickeln sollte, die gebotenen Folgerungen zu ziehen.

Heren Leistungen einen entschiedenen Fortschritt gemacht und eine stärkere Ausdruckskraft erlangt.

Wenig herzlich find die Begrüßungsworte, die die® er m a ni a, das Berliner Z ntrumsorgan. an die neuen Verbünd'len richtet. Das Blatt schreibt:Die Rechtskoolition ist also da. Rasch sind die Tage der Silverbergschen Rede ver­flogen, als fast das ganze politisch denkende Deutschland von der Rotwendigkeit eines Zu­sammengehens der Arbeitgeber mit den Arbeitern in Wirtschaft und Politik erfüllt war. Die neue Koalition eine Dernunftehe zu nennen, wäre kaum eine treffende Bezeichnung. Schließlich ist jede Koalition eine Dernunftehe. Aber auch bei einer Dernunftehe pflegt eine Reigung wärmerer oder kühlerer Temperatur mitzuspielen. 3m vor­liegenden Fall indessen ging, wie bekannt, die Reigung des Zentrums in anderer Richtung. Kühl bis ans Herz hinan stehen wir der neuen Verbindung gegenüber Rennen wir sie eine Rot- gemeinschaft.--Es ist das erstemal feit dem

Weltkrieg und seitdem Deutschland parlamen­tarisch regiert wird, daß wir eine Reichsregie­rung mit den Deutschnationalen unter einem Zen­trumskanzler haben. Als Luther seine Regierung mit deutschnationoler Beteiligung bildete, ver­blieb Brauns nur sozusagen als Horchposten des Zentrums im Kabinett. Abgesehen von den Fra­gen der Verfassung und der Außenpolitik ist die Kluft zwischen Zentrum und einer verständigen sozialdenkenden konservativen Partei nicht un­überbrückbar. Aus Reden von Stegerwald und anderen christlichen Gewerkschaftlern konnte man öfters herausklingen hören, daß das Zentrum in mancher Hinsicht von der Deutschen Volkspartei und den Demokraten durch einen weiteren Ab­stand getrennt fei, als von den konservativen Deutschnationalen und den Sozialdemokraten. Die Treue gegen die Tradition nimmt auch der radikalsteLinls-Zentrumsmann" den Deutsch­nationalen nicht übel. Was aber in den Herzen von Hunderttausenden von Zentrumsanhängern einen Wall gegen eine Verbindung mit den Deutschnationalen aufrichtet, ist deren stets ab­lehnendes Verhalten gegen die sozialdemokra- tische Partei, die nun einmal einen erheblichen Teil des arbeitenden Dolles unseres Vaterlandes umschließt. Don Marxismus ist bei der heutigen Sozialdemokratie keine Rede mehr, und die Er-

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Chinesische Generalstabs-Astrologen.

Für die Astrologen, die früher bei der Heer- führung im Reich der Mitte eine so große Rolle spielten, ist jetzt eine schlechte Zeit angebrochen. Sie haben sich nämlich bei dem wechselnden Kriegsglück der letzten Jahre allzu oft blamiert, und trotz derglücklichen Tage, die sie aus­wählten, trotz der vorher verkündeten Siege sind die Generale oft geschlagen worden. Die chine­sische Strategie ist durch Jahrhunderte von den Generalstabspropheten beeinflußt worden, und kein Heerführer der alten Zeit verzichtete darauf, einen besonders angesehenen Astrologen mit ins Feld zu nehmen, geradeso wie Wallenstein ohne seinen Seni nicht in den Krieg zog. Der Astro­loge hatte bei den Beratungen des General­stabs nicht nur eine wichtige, sondern die aus­schlaggebende Stimme. Wenn er den Zeitpunkt zum Angriff für unheilvoll erklärte, so konnten die lichtvollsten Ausführungen der Strategen, die das Gegenteil bewiesen, nicht durchdringen. Zweifellos wurde die Art der Kriegführung im Reich der Mitte dadurch sehr vereinfacht, denn die Generale brauchten sich nicht mehr selbst die Köpfe zu zerbrechen, sondern konnten sich auf ihre Astrologen verlassen, und wenn sie geschlagen wurden, dann konnten sie den größeren Teil der Schuld den unheilvollen Sternen zuwälzen. Aber allmählich hat der Geist der westlichen Kriegsführung, der von den Südarmeen bei der Organisierung der Heere durchgeführt wurde, das Ansehen der Propheten, deren Spruch sich die Generale der Rordarmeen unterwarfen, schwer erschüttert. Troy der bestimmtesten Dorhersagun- gen der Astrologen siiO die Generale der Rord- hecre immer wieder geschlagen worden, und die also reingelegten Heerführer entluden die Schale ihres Zorns übet ihre Generalstabspropheten,

(Ein hessischer Schatzfund aus der Bronzezeit.

Funde auS der Bronzezeit sind in Hessen, namentlich im Gebiete des Unterlaufet des MainS sehr selten; darum verdient ein solcher Fund, der in der Rahe von Offenbach gemacht wurde, besondere Beachtung. Bei Daumrodungs­arbeiten im Offenbacher Walde stießen, wie der Offenbacher Geologe Julius Renck in der Zeit­schrift für VorgeschichteMannus" (18. Bd., Heft 4) mitteilt, im vergangenen Sommer einige Waldarbeiter beim Ausheben eines Daum- strunkes auf fünf unmittelbar nebeneinanderlie­gende Bronzegegenstände, nämlich zwei Lappen­beile, eine Lanzenspitze, einen Bronzehammer und einen Dronzemeißel. Don den Beilen wird gesagt, daß sie von typischer, oft wiederkehrender Form sind, während die Lanzenfpitze ein schoneS feines Ringornament aufweist, und zwar jeweils zwei näher zusammengerückte Ringe, dann wie­der zwei weiter voneinander entfernte.Weit seltenere Formen als diese erwähnten stellen die beiden anderen dort gefundenen Gegenstände dar, der Hammer und der Meißel. Der Hammer ist von kurz gedrungener Gestalt, zeigt deutliche Metallumschlagsspuren unten an der De- nutzungspartie (Aufschlagstelle». An der Leffnung weist er einen doppelten flachen Wulst auf, so­wie auf den beiden Breitseiten je ein Winkel­ornament, je zwei sich umschließende Winkel. Der Meißel ist ein zylindrisch rundlicher Spitz- meißel mit nicht vier, sondern bloß zwei Zu- spihungsslächen. Trotz eingehender Rachsuchung in der;eien und auch der weiteren Umgebung dieser Fundstelle ließ sich nichts weiteres vor­finden. 3n der Rähe befinden sich auch kleine Hügelgräber. Diese sind erst in weiter Ferne zu finden, allerdings da'elbst auch an mehreren Stellen im Walde in teils größerer Anhäufung. In wie weil dieser Schatzfund, der seither, ab­gesehen von einem kürzlich bei Obertshausen bei Offenbach a. M. gefundenen, wenig gut erhaltenen

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Vereine

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gegenstand ist sein wächsernes Herz.----

Man behauptet, die hohe katholische Geistlich­keit habe den Bund zwischen dem Zentrum und den Deulfchnationa en gestiftet und gesegnet, wie sie einst die Dolche der Guisen für die Bartholomäusnacht Wechte, undRom bewaff­nete den Mörder" nicht, wie bei Schiller, gegen die königliche Elisabeth, sondern gegen die Geistessreiheil, die Schule und die protestan­tische Kultur. Obgleich da« alles entrüstet geleug­net worden ist, rechnet selbstverständlich daS Zentrum für die Preisgabe derVolksgemein­schaft" auf einen nicht zu knappen Lohn. Das Herz dcs Herrn Marx mag wächsern sein, aber der Magen der Kirche ist groß. Weil bei den deutschna.iona en Geistesfreunden Verständnis für die römischen Interessen zu finden ist, schlich Herr Marx diesmal nach rechts. Dies ist der liebliche Gedanke, der daS Haupt der blanken Linie hin und her bewegt. Kinder, welch' ein KabinettI Wenn es einen Charakter hat, dann doch nur den einer Gesellschaft auf Gegenseitigkeit, wobei die Gegenseitigkeit in der gcccnfeitigen Täuschung und llcbcrDortellung besteht. Die Deutschnatio­nalen bezahlen Ministersitze mit ihren heilig­sten Prinzipien, v er Portefeuilles mit der Ho- henzollern leone, beugen sich, um durch die Tür der Macht zu gelangen, vor der schwarzrot­goldenen Fahne und hoffen, gleichzeitig ihre Wähler und ihre Mitregierer ß int erd Licht füh­ren zu können. Wunderhübsch war es, tote fie im Fraktior.szimmer bis zuletzt, homerischen Hel­den vergleichbar, um die Beute sich balgten. Hergt dem Lindeiner, Graes dem Wallraf dasPorte- feuille aus den Händen riß, und wie sie durch die groteske Idee, den Sieger in einer Ab- ftimmung zu küren, aufs neue bewiesen, daß

le vom parlamentarischen System noch immer

Professor Hammann ist nicht allein durch fein langjährige« Wirken in Bensheim mit dem hessi­schen Kunftleben verbunden, sondern Schöpfungen von ihm waren, feitbem er nach München über- gesicdclt ist, hier des öfteren zu sehen. Die eigenem feiner Kunstanschauung offenbaren auch feine jetzt ausgestellten Bilder, vorwiegend Kohle» und Buntstif.Zeichnungen Eie sind sparsam In den Dusdrucksmitteln und suchen das Charakteristische einer Landschaft, eines Baumes usw. festzuhalten Es i't aber kein nüchterner RaturaliSmus. sondern das Gegenteil, eine Stimmungsmalevei. die Wider­gabe eines Raturgefühls. das manchmal sich von einer gewissen verträumten Romantik beeinflußt zeigt. Scheid hat mit Hammann höchstens das Skizzenhafte gemeinsam, wenn überhaupt ein Ver­gleich möglich ist. Er steht in einer ganz anderen Welt, mehr in der Wirklichkeit. Das Objekt seiner Darstellung ist in erster Linie das Pferd, dessen Formen und Bewegungen er meisterhaft im Bilde wicderzugeben vermag. Schcld ist ein flotter Zeichner, dessen Pferdedarstellungen aus Marokko. Zirkuspserde und elegante Reitpferde, auf den Darmstädter Ausstellungen stets ein lebhaft interefsiertes Publikum fanden Hans Dielmetter ist der jüngste unter den Künstlern; er ist noch ein Ringender, der noch nicht wie jene seinen eigenen Stil gefunden hat. Von den zahi- rc'chen Aquarellen, die auf der Ausstellung von ihm zur Schau gestellt sind, heben sich zwei Arten als charakteristischer ab: es sind seine Kinder- darstellunqen und seine Landfchaftsbilder. Auf diesen Gebieten hat der Künstler gegenüber frü-

B. Bat

Bronzebeil, der einzige Bronzefund der weiteren Umgebung Offenbachs geblieben ist, mit den Hügelgräbern der benachbarten Waldparzellen in Verbindung steht, läßt sich nicht sagen." Wie weiter mitgeteilt wird, werden die Zundstücke jetzt im Landesmuseum in Darmstadt aufbewahrt; sie gehören der jüngeren Bronzezeit an.

Weniger auf Resignation eingestellt ist Herr Georg Bernhardt von derD 0 ssischen Zei- t u n g. Seine Beurteilung der Zentrumspolitik kommt schon fast einer Kampfansage gleich, wenn er schreibt:Riemand würde es dem Zentrum verübeln, wenn es bei parlamentarischen Ab­stimmungen heute in Kultursragen mit der Rech­ten, morgen in sozialen und wirtschaftspolitischen Fragen mit der Lucken votiert. Ader der System- Wechsel bei einer dauernden Koalition wiegt doch schon schwerer, Unb daß derselbe Mann heute rechts und morgen links regieren kann, ist doch etwas, was dann nicht faßbar scheint, wenn fein genügender Grund zur persönlichen Frontände- rung vorliegt. 11 die daraus resultierende Ge­fahr einer Dertrauensminderung erstreckt sich ja nicht nur auf den Führer. Auch ein Teil der Zentrumsmitglieder selbst läuft Gefahr, Sym­pathie und Vertrauen zu verlieren. Man denkt unwillkürlich an die Führer des linken Flügels, an Dr. Wirth und den Arbeitersekretär Joos. Beide haben ebenso wie ein Teil ihrer Freunde als ein unveräußerlicher Bestandteil der deutschen Linken gegolten. Ihrer Feder ist dasManifest" entflossen, das den erneuten Beweis für ihre politische Zuversicht, im Sinne einer lircksgerich- teten Politik erbracht hat. Und nun befinden sie sich auf den Bänken der Regierungsanhänger gegenüber einer Opposition, der die altenWassen» brüder zugehören. Das mag einmal erträglich sein, aber wenn dieses Changieren des Zentrums zu einem dauernden Bestandteil der deutschen Politik werden sollte, so wird sich in Zukunft der Kampf der Linken in stärkerem Maße, als es bisher der Fall war, doch auch gegen den Bestand der Zentrumspartei richten müssen. Man hat ihr bisher eine Sonderstellung eingeräumt. Und eigentlich hat die Zentrumspartei bis zum heutigen Tage doch auch wohl eine gewisse Ver­pflichtung aus dieser Sonderstellung heraus ge­fühlt. Die Verpflichtung mindestens, nicht ohne weiteres die Führung gegen links selbsf zu über­nehmen. Wenn sie aber für die Zukunft unbe­dingte Freiheit der Cntsä-eidung auch gegen­über Links für sich in Anspruch nehmen will, wenn sie selbst nur als eine Partei unter vielen gelten will, so werden die Linkspolitiker sie künftig auch im Wahlkampf mit anderen Augen betrachten müssen."

Die begreifliche Derstimmuna, die in den Reihen der Dollspartei über die Art und Weise der Regierungsbildung herrscht, bringt Heinrich Rippler in derTäglichen Rundschau" mit folgenden Sähen zum Ausdruck:Das Zu­standekommen der neuen Regierung war nicht nur langwierig, sondern auch wenig erfreulich. Wenn Herr Dr. Marx am 17. Dezember nach dem Wunsche der D. Dp. mit den Deutschnationalen verhandelt hätte, wäre uns vielleicht die Krise und das wochenlange Hin- und Herbeschiebe, für das man im Volk draußen kein Verständnis hat, erspart geblieben. Auch nach den Verhandlungen des ReichswirtschaftsministerS Dr. CurtiuS mit den Deutfchnationalen war die Einigung eigent­lich schon gegeben, und es war nicht eine För­derung sondery eine Hemmung des wirklichen ehrlichen Zusammenschlusses, wenn einige Tage durch die Verhandlungen des Zentrums mit den Deutschnotionalen der Anschein geweckt wurde, als ob nicht eine bürgerliche Mehrheit, sondern ein schwarz-blauer Block geschaffen werden sollte. Auch die Verteilung der Ministersitze ganz ohne Rücksicht auf die bisherige Stellung und die bisher geleistete Arbeit der Parteien nur nach dem Zahlen^erhältnisse war ein Schau­spiel, das man her Ö ffentlichkeit hätte ersparen können, unb das nicht zur Festigung des neuen Kabinetts beiträgt. Wenn die Deutsche Volks- Partei zum Danke dafür, daß sie von Anfang an in zieloewußter Welse selbstlos und mit sehr großen Opfern die Entwicklung in die ihr vorn StaatSinteresse gebotene Dahn gelenkt hat, von ihren drei Ministersihen einen abgeben soll, fo

Theodor Wolff verabschiedet sich im2 e r - flner Tageblatt mit folgenden finnigen Sätzen von dem alten Bundesgenossen und ehe­maligen r:publüani'chen Pras.dentschafiskandl- baten Marx: Man spricht von einem Kabi­nett her Köpfe", wenn eine Regierung sich aus hervorragende., Kapazi ä en zufammenscyt. Das Rcch'.skabinelt Herrn Marx kann man wohl -etter emKabinett der Charaktere" nennen. Wie cS mit dem Talent, den Fähigkeiten, dem politischen Scharfblick steht, ist äußerst zweifelhaft. Avec im Leben des unbestechlichen Cato, des un­beugsamen Sassius und des starren Republikaners Verrina kann man nicht so viel Charakterfestig­keit, Selbstlosigkeit, Ehrlichkeit und Ueberzeu- guugstrcue finden, wie auf dieser deutschen Mt- nifterbanf. Herr Marx, der bewährte Reichs­kanzler. n acht eS. je nach Auftrag, mit unr­und mit recht«. Gr ist wie die blanke Lilie, von der Platen gesungen hat, ein lieblicher Gedanke bewege ihr Haupt hin und her. Als das Zentrum darauf bestand, daß er dec gemein­same republikanische Kandidat in der Präsident- schal tsschlacht sein müsse, soll es Republikaner gegeben haben, denen diese Heldenehrung ein wenig übertrieben, dieser Werver nicht hin­reichend werbe.'rästig erschien. Indessen, man trö­stete sich damit, das, der Führer gut geführt werde, denn ein kluger Mitarbeiter geleitete da­mals Herrn Marx auf allen Wegen, wie der Schatten den Wann, den Chamisso schuf. Der Schatten ist inzwischen abhanden gekommen. An- he.e energische Ratgel er wiesen dem selbständigen Willen deS Herrn Marx neue Ziele und der Kanzler, der eben die republikanische Volks­gemeinschaft gepriesen hatte, legte dieses Ideal auf den schwarzblauen Block. Wir haben die an­mutige Geschick.ichke.t bewundert, mit der er sich einen republikanischen Paß für die Reise an- fertigen ließ. Nachdem er dieses Papier, diese von den Deutschnationa en öffentlich verleugneten Richtlinien", in d.e Tasche gesteckt hatte, emp­fing er a!S Kollege Herrn Hergt und hätte, ohne den plötzlichen Widerspruch entsetzter Freude, vielleicht auch stillschweigend jenen rechtsradikalen Gracs geduldet, der, in Ermangelung anderer staatsmännischer Taten, einmal als Vizepräsi­dent deS Reichstags, durch unziemliches Be­tragen gegenüber dem Reichspräsidenten Ebert bekannt geworden ist. ES kann sein, daß Herr Marx sich nur ihm auferlegten Geboten beugt, und vielleicht hat er, bevor er das Opfer brachte, in stillen Röten mit sich gekämpft. Der Opser-

bie auf gewaltsame Weise inS Jenseits befördert tourben. Es ist also heute keine so leichte und angenehme Stellung mehr, chinesischer Heercs- astrolog zu fein. Aber ba sich alte Ueberliefr- rungen nicht so schnell ausrotten lassen, so gibt eS immer noch einige konservative Generale, bie auf bie Prophezeiungen ihrer Astrologen schwören. Ein englischer Berichterstatter in China erzählt von einem solchen Beispiel auS der letzten Zeit. Der Gouverneur her Schantung-Provinz, General Chang Taung-chang, sammelt jetzt ein Heer, mit dem er gegen die Kanton-Regierung kämpf»., teilt Da bie Rekrutierung nur sehr langsam vor sich ginn, so ließ er am 3. De­zember ben gelehrten Astrologen Wang Vi-Yuan zu sich kommen unb sagte zu ihm:Finde mir einen glücklichen Tag auS, an dem ich mit der Aushebung her Truppen beginnen kann." Wang Pi-yuan versank In tiefe« Dachsinnen und be­fragte bie Himmelskörper, währenb der General­stab feierlich auf daS Ergebnis wartete. Spät in der Rächt erklärte her Astrolog:Der 4. De­zember ist ein glücklicher Tag." DaS war aber dem General zu früh.Forsche weiter," drängte er, und Wang befragte wiederum die Sterne. Ich finbe, baß her 7. ebenfalls ein glücklicher Tag fein wirb," erklärte er schließlich. Damit war General Chang zufrieden und ordnete nun an, baß bie Truppen am 7. Dezember zusammen­gezogen werden sollten. Wenige Tage später begann er seinen Vormarsch nach dem Gäben. Cr glaubt noch fest an ben Zauber her Heeres- aftrologen, denn er hat sich in früheren Kriegen lange Zeit von einem blinden Seher, Tsui Hsui- shih, beraten lassen, her ein hochgeehrtes und ständige- Mitglied seines Generalstabs war. Auch Marschall Sun Chuan-fang, der gegen die Kan­ton-Regierung kämpfte, vertraut auf bas Wort her Astrologen. Aus der Höhe seiner Erfolge ließ er einen Wahrsager auf sein Kanonenboot kommen unb befragt« Ujn nach der Zukunft. Der Weise prophezeite ihm Unglücf, worüber brr Marschall sehr bestürzt war. Die Prophezeiung ging auch In Erfüllung, aber Ungläubige schreiben bie Rieberlagen Suns wohl mit größerem Recht ber schlechten Verpflegung unb bem Mangel an Disziplin bei seinen Truppen zu, als bem Ein­fluß bet Sterne.

Kunstausstellung in der Darmstädter llunsthalle.

Dieser Tage wurde In der Darmstädter Kunst- Halle am Rheintor eine Ausstellung der Maler Professor H a m m a n n - München, Karl Scheid- Darmstadt unb HanS Vielmetter- Darmstadt eröffnet. Bisher war eS üblich, zu bem Sröff- nungsakt ein zahlreiches Publckum zu laben; man bat diesmal bavon abgesehen, auch tourben keine Ansprachen gehalten. Fehlten biese Aeußerlich- keiten, so bietet bie Ausstellung boch mehr an

sahrung hat gezeigt, baß diese Partei in ber Praxis um so weniger antireligiös wird, je mehr fie politisch mit dem Zentrum gUfammcngeßt. Die These, daß nur gegen die Sozialdemokratie regiert werden könne, ist und bleibt für daS Zentrum unakzeptabel. Wir bebauten, daß dies im Zentrums-Manifest nicht ausdrücklich fett- gestellt ift Unser Gefühl für die Genllnchaft des ganzen Volles, unser soziale- Gewissen, unser Horror vor einer Spaltung deS Volkes in B <gcr unb Arbeiter, bäumt sich gegen eine solche These auf. Wir wollen beShaib nichts wissen von einem Abschieb von ben Linksparteien. Wir bl.Iden bernokratisch und wir bleiben sozial. Dir wollen auch in Preußen in der bisherigm Koalition verbleiben. Run sogar erst recht. DaS war ja ein Hauptargument für die RechtSwendung im R:ich, daß man sagte: in Preußen und in so und so vielen anderen Ländern bleiben d>e Linksparteien doch am Ruder. Doppelt notwendig, daß sich jetzt dort nichts ändert. Sozialdemokraten, De­mokraten und Zentrum, die sog. Weimarer Par­teien, haben in der schwersten, trübsten Stunde deutscher Geschichte gegen die Opposition von Deutscher Volkspartei unb Deutfchnationalen ben Bestanb des Reichs und die soziale Ordnung gerettet. Solche Erinnerung verblaßt nicht. Rur unter Zwang und nicht ohne Wehmut marschieren wir vorübergehend getrennt Wege. Die neue Koalition wird man dereinst nach ihren Früch­ten bcuttcUen. Die Erfahrung lehrt, daß Mi'ch- blut in der Regel die Untug ?nbri beider an­gestammten Rassen erbt. Richt der reine Apfel heilt den faulen, der kranke verbreitet die Fäul­nis unter den unverdorbenen. Möge e3 in der neuen Reichsregierung anders gehen. Mögen die Deutschnationalen die nunmehr anerkannten ver­fassungsrechtlichen und außenpolitischen Drunb- sätze mit ber UcberzeugungStreue beS Zentrums beobachten. Dem einen oder anderen ihrer Koa- litiDnSgenoffcn aber könnte eS nicht schaden, wenn er sich etwaö vom robusten Machtinstinkt seines neuen Partners ancignete.

Im deutschnationalen ,T a g deS Herrn Huggcnberg findet Schulze-Pfälzer folgenden Hymnus für Marx, den wandelbaren ZentrumS- felbherrn:Es gab natürlich allenthalben ver­dutzte Gesichter, als Herr Marx ben Oberbefehl über bie neue Front übernahm. Aber bie Fähig­keiten eines Strategen finb ja deshalb nicht ge­ringer, weil er schon anbere Armeen geführt hat. Marx ist ein nüchterner Kopf mit vielseitigster politischer Erfahrung. Darum vielleicht boch zur Uebettoinbung ber Anfangs- unb auch bet spä­teren Alltagsschwierigkeiten geeignet Seine häu­figen Mißerfolge erkläven sich wohl gerabe ba- durch, Kiß er keinen richtigen Instinkt für bie Auswahl ber brauchbaren Mannschaft hat. Auch feine Ausflüchte bei ber jetzigen Ministerernen- nung finb wenig erbaulich. Verraten nicht ben klugen Entschluß. Roch hat er das Wetterwendige nicht übertounben. Wenn bieser zu so vielen Gestaden verschlaget« Obysseus, bieser neudeutfche PolytropoS, bemuxf) ben heimatlichen Hafen sänbe, so würbe unsere Politik vielleicht von mancher Unruhe befreit. Die bösen linksbemokrattschen Winbe haben ihm oft das Segel zerfetzt, wenn er auf fie vertraute. Seit er aber weiß, baß aus blefer Ecke nur noch ber offene Wiberstand bläst, wirb er vorsichtiger manövrieren. ES mag ihm heute noch etwas wiber ben gewohnten inneren Strich gehen, auf ben letzten Hochsitzen ber Demokratie als Gegner zu gelten. Aber all­mählich wirb er barüber froh fein; benn dies« Sippen hätten ihm unter neutraler Flagge toeit übler mitgespielt. Wenn die ehemaligen Ver- bünbeten tosen unb toben, dürfte der Landgraf Marx eher hart werden, als wenn fie ihn listig loden. Darum, kalt Blut, Herr Marx! Wenn Sie sich vor sentimentalen Rückfällen hüten, werden Sie auch andere davor bewahren!"

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