Ausgabe 
1.2.1927
 
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toa8 ich bin, daS werde ich auch bleiben, und nie­mand hat ein Recht, bis zum Beweis des Ge- genteils an dieser meiner aufrichtigen Gesinnung zu zweifeln. Ich habe im Lande Baden keine dern sie in den Rahmen unserer Gesamtwirt- fiskalische Finanzpolitik gerieben, son- schaft, unserer sozialen und kulturellen Entwick­lung gestellt. DaS wird auch in Zukunft nicht anders sein. Dr. Köhler wird sich heube abend 9,10 Uhr nach Berlin begeben, um mor­gen früh sein Amt zu übernehmen.

Der neue Innenminister.

Dr. Walter von KeudeU, den die deutsch­nationale Fraktion nach der Ablehnung Graess für den Posten des Reichsinnenministers vor­geschlagen hat und der auch die Billigung des Reichspräsidenten fand, ist ein Sohn der Mark. Er ist 1884 geboren, studierte nach praktischer landwirtschaftlicher Betätigung in Königsberg, München und Halle Jurisprudenz, wurde 1908 Referendar, 1913 Regierungsassessor, als Re­serverittmeister hat er den Feldzug mitgemacht, bis er 1916 zum Landrat des Kreises Königs- berg in der Reumark ernannt wurde. Don 1918 bis 1923 war er Dcichhauptmann des Oderbruchs. Er ist Ri!t rgutsbesiher aus Hohenlübb.chow in der Reumark. Mitglied des ständigen Ausschusses des Reichsforstwirtschaft irats und seit 1923 Ehrendoktor der Forstwissenschaften der Forst- aiademie Eberswalde.

Einigung in Paris?

Bor der Entscheidung der Botschasterkonscrcnz.

Paris, 31. Ian. (WTB.) General v. P a - welsz und Geheimrat Forster haben heute nachmittag von 5 Ahr bis abends 8 Ahr mit dem interalliierten militärischen Komitee unter Vorsitz des Marschalls Foch verhandelt. Die Verhandlungen hoben zu einer Klärung der Situation geführt. Wie die Agentur Havas berichtet, wird das Interalliierde militärische Ko­mitee morgen vormittag um 9 Uhr nochmals zu einer Sitzung zusammentretrn. Am 11 Ahr wird die Botschafterkonserenz gleichfalls zusammentreten, um ihre Entscheidung über die beiden letzten Punkte des Entwaffnungsproblems zu treffen. Der diplomatische Vertreter der Agen­tur HavaS glaubt sagen zu können, das; die Ver­handlungen sich so gestaltet hätten, das; sie zu einer Einigung führen würden, so daß die Botschafterkonferenz morgen in der Sitzung fest­stellen könne, daß Deutschland seine Entwaff­nungsverpflichtungen erfüllt habe.

Das Reichskabinett zu den Pariser Verhandlungen.

Berlin, 31. Jan. (111.) Dav Reichskabi - nett trat unter Vorsitz des Reichskanzlers zu einer Sitzung zusammen, in welcher im Hinblick auf die noch heute zu treffenden Entscheidungen der Vol- fchafterkonferen; die Arage der Pariser Verhandlun­gen über die Ostsesiungen beraten wurde. Das Kabinett genehmigte auf Grund der Vorträge der beteiligten beiden Ressortminister die an General von Pawelszzu richtende I n st r u k t i o n. Die neu­ernannten Minister, welche die Geschäfte noch nicht übernommen hatten, nahmen an der Sitzung nicht t e i l. vei dem Beschluß des Reichskablnetts handelt es sich nicht um die Annahme von Vorschlägen der französischen Regierung, sondern um ole Stel­lungnahme 3 u dem Ergebnis der in der letzten Woche in Paris geführten Verhandlun- g e n, die sich durch beiderseitige Vorschläge und Ge­genvorschläge zu einem ganz bestimmten Entwurf einer Regelung verdichtet hatten. Diese Regelung stellt weder ein Diktat noch ein Ultima- t u m dar, sondern bedeutet einen vergleich, bei dem die deutschen Interessen im wesentlichen cnlspre- chend der Regelung in der Sriegsgerälefrage ge­wahrt sind.

Neue Gewalttaten in Oberschlesien.

Berlin, 31. Jan. (TA.) Wie die Abend- blätter aus Kattowih melden, wurde eine von den freien deutschen Gewerkschaften in Rebenberg bei Bielschowih am Sonntag einberusene Berg- arbeiterversammlung von einer etwa 40 Wann starken Bande von Mitgliedern des aufständischen Verbandes des polnischen Zentral­verbandes sowie der polnischen Sozialistischen Partei gesprengt. Dabei wurden der deutsche sozialistische Sejmabgeordnete Kowoll und eine Anzahl Versammlungsteilnehmer in der schwer' ft en Weise mißhandelt. Der Gewerkschafts­sekretär Rihmann konnte sich nur durch einen Sprung aus dem Fenster retten.

Dar Ergebnis der thüringischen Landtagswahlen.

Weimar, 31. Ian. (TA.) Das Ergebnis der gestrigen Wahlen gibt bereits Veranlassung, zu den verschiedenartigsten Kombinationen über dis Gestaltung der zukünftigen Landesregierung. Voraussichtlich wird der neue Landtag Mitte Februar zu seiner ersten Sitzung zufammentreten. Man hört verschiedentlich die Befürchtung, daß der neue thüringische Landtag ähnliche Schwierigkeiten haben werde, eine trag« fähige Regierung zu finden, wie der neue 1 ächsische Landtag. Am geläufigsten ist zur Stunde die Kombination, die im Zusammen­gehen von Deutscher Volkspartei, Wirtschaftspartei und Sozialdemo- -k r a t i c eine Mehrheitsregierung sieht, wogegen allerdings eingewendet wird, daß die Volks­partei angesichls ihvtzr bisherigen Blockpolitik kaum für ein solches Heraustreten aus der Ein­heitsliste zu haben fein wurde. Eine zweite Ver­sion besagt, das; die bisherige Regierung der Rechten eine Fortsetzung erfahren könnte, wobei sie natürlich wiederum mit der Anter- stühung entweder der Sparer und Demokraten oder der Vöiküchen und Rationalsozialisten rech­nen mühte. AlS kaum wahrscheinlich wird be­trachtet, daß die Demokraten etwa durch Zu- fammengel en mit Sozialdemokraten und Rom- munisten eine ausgesprochen? Linksre­gt e ru n g ermöglichen fßnnten. Es lehlt bereits heute nicht an Stimmen, die von der Rot- toenbigteit einet Auflösung des eben ge­wählten Landtages sprechen

China protestiert.

Ta«» Konsularkorps von Schanghai gegen die britischen Truppenlandungen.

London 31. Ian. (WTB.) Der chinesische Minister des Auswärtigen, W i l l i n g t o n Koo, hat an den englischen Gesandten in Peking eine Rote gerichtet, in der es u. a. heißt,

die chinesische Regierung halte die Entsendung britischer Inippen ohne ihre Einwilligung für eine außerordentliche Maßnahme, die mit den Satzungen des Völkerbundes nicht in E in k lan g zu bringen fei. Die chinesische Regierung betrachte sich füt etwa durch die Anwesenheit fremder Truppen in China her- vorgerusene Zwischenfälle nicht verantwortlich. Diese Rote hat In der englischen Oefsenttich- teit groszes Aufsehen erregt. Der diplomatische Berichterstatter der .Morning Post" schreibt: Dem Protest, den der chinesifche Minister des Aeußern Wellington Koo namens der Petingrr Regierung gegen die Landung britischer Truppen in Schanghai erhoben hat, sind gleiche Pro­teste seitens verschiedener chinesischer Behörden, Gesellschaften und Organisationen in Schanghai gefolgt. Diese Proteste haben anscheinend das auswärtige diplomatische Korps in eine ziemlich eigenartige Lage gebracht. Japan ist ganz und gar nicht einverstanden mit der britischen Denkschrift und der britischen Po- litik im allgemeinen. Die anderen interessierten Mächte nehmen zwar die darin niedergelegten Prinzipien an, sind aber gejentoärtm nicht bereit, der englischen Politik in allen ihren Einzelheiten zuzustimmen. Alle Mächte erachteten ihre Vertreter als bei der protestierenden Re­gierung beglaubigt. Eine weitere Komplikation entsteht durch die Tatsache, daß die Fremden- Riederlassung in Schanghai international ist und daß somit alle Machte in gleicher Weise dafür verantwortlich sind. Infolge der Proteste d?r Chinesen in Schanghai werden es die ausländischen Konsuln vielleicht technisch not­wendig finden, eine sorgfältig formulierte Er­klärung abzugeben, die besagt, daß sie mit Großbritanniens Aktion nichts zu tun haben. Dailtz Telearaph" meldet: Der von einer amerikanischen Rachrichten-Agentur. verbreitete Bericht, daß das Konsular-Korps in Schanghai es a b q e I e f) n t habe, die Landuna von Trup­pen in der internationalen Riederlassung zu ge­statten, wird von irgendwelcher anderer Seite nicht bestätigt.

Die Uotdarmee gegen siankau.

Bor einer neuen Wendung im Bürgerkrieg.

Peking. 31. Ian (Reuter.) Die letzten Maßnahmen der nördlichen Heerführer deuten auf eine baldige größere Offensive hin, die H a n f a u zum Z ele hat. Große mand­schurische Streitkräfte bewegen sich von Tschili nach Honan, wo sie von Marschall Wupeifu ausgenommen werden, der sich bisher ihrem Ein­marsch in fe n Gebiet widersetzt hat. Wupeifu hat eine Botschaft an Tfchangtsolin gerichtet, worin er erklärt, daß er die Zuchtlosigkeit In seinen Reihen unterdrückt habe und jetzt bereit sei, Hankau anzugreifen. Tschangtsolin hat als Antwort Tschanghsuenliang nach Tschang- tschau gesandt, um mit Marschall Wupeifu zu­sammenzuwirken. Meldungen aus Schan- tung besagen, daß in der ganzen Provinz für die Streitkräfte Tschangtsungtschangs Rekruten ausgehoben werden und eine Kriegsvorbe­reitung im großen Maßstabe erfolge. Inzwischen begeben sich große nationalistische Truppenkon­gente von Itschang und anderen Flußpunkten nach Hankau.

Der General-Inspektor

der chinesischen Jolle entlassen.

Peking. 1. Febr. (WTB. Funkspruch.) Die Regierung hat den General-Inspektor der chine­sischen Zölle, den Engländer Sir Francis A g - len in Verfolg der Meinungsverschiedenheiten über die Erhebung der neuen Zollzuschläge ent­lassen. Aglen hatte sich auf den Standpunkt gestellt, daß die ihm unterstehende Zollorgani­sation nur d i e von den Verträgen zu- gelassenen Abgaben erheben könne. Die Regierung hatte demgegenüber daraus bingewie- sen, daß die Zollzuschläge auf der Wa­shingtoner Konferenz von den Machten einstim­mig genehmigt wurden und daß Aglen a l s Beauftragter der chinesischen Re­gierung deren Anordnungen ausführen müsse.

Stus aller Welt.

Das Bitaminrätsel gelöst'?'

Berlin, 1. Jcbr. (DIB. Funkspruch.) Rach einer Meldung derVossischen 3tg. aus Göllingen machte der llnioersitälsprafessor Windaus gestern davon Mitteilung, daß Ihm die Feststellung gelungen fei, daß das Pro vitamin identisch mit dem djcmi- schen Stoff Ergosterin sei. Durch Bestrahlung mit ultraviolettem Licht erstehe aus dem Ergosterin das Vitamin. Es sei ihm gelungen, eine rachitisch infizierte Ratte mit Ergosterin In drei Wochen völlig zu heilen. Das Ergosterin könne jedem Rah- rungsmitlel zugeseht werden, wodurch vita­minarme Rahrungsmittel volle Rährkrast gewinnen.

Ein Mord in 450 Meter Diese.

Am Sonntag ereignete sich im Richt­hofen-Schacht in Gleschewald bei Kattowitz ein geheimnisvolles Verbrechen. Mittags gegen 1 Ahr bemerkte ein Streckenwärter in der Tiefe von etwa 450 Meter unter Sage zwei unbe­kannte maskierte Männer, die auf bis­her nicht erklärte Weis? in das Bergwerk ein- gebrungen waren. Als sie sich ausweisen sollten, zogen sie ihre Revolver und sperrten unter Dro­hungen sechs Bergleute in zwei Kammern ein, die sie mit mehreren zentnerschweren Klumpen ver­barrikadierten. Ein alarmierter Oberwächter wurde bei der Verfolgung von den Räubern auf einer Sole in 450 Meter Tiefe erschossen. Die Sätet konnten bis jetzt nicht festgenommen werden, doch sind die Zugänge zum Schacht poli- ' zeiiich gesperrt, so das; die Verbrecher kaum entkommen dürften. Ob ein Dynamitanschlag oder ein anderes Verbrechen geplant war, konnte bis zum Augenblick noch nicht festgestellt toerben

Die Mordaffäre Rosen.

Ein Zuchthäusler Jahn, der sich im ötraf- gesängnis Wohlau befindet, gab vor der Kri­minalpolizei in Breslau zu, gerne infam mit einem flewissen Strauß, der auch bereits verhaftet ist, ciner^cit den Breslauer Aniversitatsprofesfor Rosen sowie dessen Hausmeister ermordet

zu haben. Die Tat soll angeblich auf 21 n ft i f - ten Der Hausdame Reumann geschehen fein, deren Verhaftung bevorsteht. Da die Braut des einen Festgenommenen ebenfalls verdächtig ist, wurde sie gleichfalls verhaftet. Die Anstifterin wollte verhindern, daß der Professor ein zu ihren Gunsten niedergeschriebenes Testa­ment ändere.

(Büterfdjiebungen während des Ruhrkampfes.

In Düsieldorf begann der Prozeß gegen 36 frühere Regieangestellte, die angeflaal sind, auf dem Derendorfer Güterbahnhof, teilweise g e - meinfam mit den auf dem Bahnhof tätigen französischen Offizieren und Beamten, riesige Mengen von Gütern, schätt Aungsroeife 5000 Waggons, verschoben au haben. Der Hauptangeklagte ist der frühere deutsche Eisenbahner Karl Wilhelm Koch, der seinerzeit zum Chef der Hilfskräfte ernannt wurde, und die in den Schuppen lagernden Güter den deutschen Eigentümern wieder zustellen sollte. Große Mengen waren unanbringiich und mußten versteigert wer­den. Der französische Bahnhosskommanoant, Haupt­mann Giraud, sowie zwei weitere französische Offiziere vereinbarten mit Koch, daß er bei den Dersteigerungen als einziger Bieter auf» treten sollte. Koch verkaufte die Güter an zahlreiche Hehler in Düsseldorf und München-Gladbach. Der Bahnhofskommandant beteiligte sich an dem ge­winnbringenden Geschäft mit 4000 Franken. Den Offizieren gegenüber erwies sich Koch erkennt- l i ch. Ilm die Schiebungen zu verdecken, reichten die Offiziere gefälschte Protokolle üoer die Dersteigerungen ein, in denen außer Koch noch viele andere Dieter ansgeführt waren.

Exploflonsunglück.

In Zweedorf (Mecklenburg) explodierte bet Aufräumungsarbeiten auf einem früheren Lager­platz der Inhalt einer Kiste, als diese geöffnet werden sollte. Zwei Arbeiter wurden so schwer verletzt, daß sie bald daraus ver­starb e n. Der Leiter der Arbeiten und ein Be­amter wurden leichter verletzt.

Bei lebendigem Leibe verbrannt.

In Genow, Kreis Regenwalde in Pom­mern, erlitt die 18 Iahre alte Tochter eines Ar­beiters beim Herausziehen der Back­ofenglut einen Krämpfeanfall und stürzte in das Feuer. Sie verbrannte bei lebendigem Leibe.

Grippeferien in Braunschweig.

Wegen zahlreicher Grlppeerkranlungen unter Lehrern und Schülern mußten das Wilhelm Gymna- sium und die Wilhelm Rabe-Schule in Braunschweig ges chlossen werden. Die Erkrankungen sind nur leichter Natur.

Eine Ehrung für Gustav Adar.

Der deutsche Generalkonsul in Gens, Asch» mann, hat als Vertreter des deutschen Ge­sandten Müller am Montag im Rainen des Reichspräsidenten dem Präsidenten des Internationalen Roten Kreuz-Komitees, Gustav A d o r, als Zeichen des Dankes für dessen hervorragende Beteiligung am schweize­rischen Hilfswert zugunsten notleidender Deut­scher ein Glasgemälde von Prof. Pech­stein in Berlin überreicht. Das Kunstwerk stellt eine Frauenfigur dar, welche die Schweiz sym- bolifiert.

5djr.ee in Italien.

Aus ganz Italien werden überall starke Schneefälle gemeldet, die vor dem Vor- appenin ll/t Meter Höhe erreicht haben. An den Telegraphen- und Selephonleitungen wurden große Schäden angerichtet. Im Gebiete von Ra­venna sind große Aeberschwemmungen eingetreten, die einen Schaden von Millionen ver­ursacht haben. Mailand hatte letzte Rächt drei Grad unter Rull.

Wettervoraussage.

Zunächst weiterer Semperaturf all tdoch nur vereinzelt bis zum Gefrierpunkt) und wolkig, später zunehmende Trübung,' Milderung und Riederschlagsneigung.

Gestrige Sagestemperaturen: Maximum 5,6 Grad CelsiuS, Minimum 2,4 Grad CelsiuS. Rie­derschläge 3,6 Millimeter. Heutige Morgentem­peratur 3.1 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhaupistadt.

Gießen, den 1j Februar 1927.

Die Jagd im Februar.

Der Winter hat bis jetzt einen Verlauf ge-' nommen, der eine nachhaltige Winterfütterung, wenigstens in den tieferen Lagen, noch nicht not­wendig gemadjt hat. Wenig Schnee und Frost, aber viel Feuchtigkeit hat er gebracht. Das An­halten dieser Witterung kann unter Amständen unangenehme Folgen zeigen. Der erste Hafensah. von dem das ganze Hasenjahr stark abhängl. ist von Rässe und Kälte bedroht. Auch die Raub­zeugjagd leidet unter dem Mangel deS Spur- schnecs, ebenso wie das Einkreisen der Sauen dadurch unmöglich gemacht wird.

Mit Ausnahme des RotwildeS hat in Hessen nunmehr alles Ruhwild Schonzeit. Anser edelstes Wild hat in Hessen ja überhaupt keine Schonzeit. Eine Ausnahme macht daS Kahlwdld, dessen Schußzeit mit dem 31. Januar endigt. Rur dem hegenden Weidmann, nicht dem Gesetzgeber, ist eS zu banken, wenn Jäger und Raturfreund sich in einzelnen Seilen unserer engeren Heimat noch an dem Bilde deS edlen Hirsches erfreuen dürfen. Auch in Preußen beginnt die Schonzeit für weibliches Rotwild mit dem 1. Februar, wäh­rend der Hirsch noch einen Monat Schußzeit hat. Starke Hirsche sondern sich ab und werfen als erste ihr Geweih ab.

Rehwild steht In Sprüngen zusammen. Gute Böcke haben bereits stark geschoben und ver­heißen dem Heger der Mühe Lohn. Bei Schnee und Gis muß noch gefüttert werden.

Schwarzwild wird bei jeder Reuen ein­gekreist und bejagt.

Bel dem Hasen ist die Rammelzelt In vollem Gang. War das Wetter vorher mild, so seht die Häsin an Feldrainen und anderen ge­schützten Orten.

Der Fasan bedarf auch weiter noch der Fütterung, sei eS auch nur, um, ihn an bas Revier zu fesseln. Es wäre sehr erwünscht, wenn sich mehr und mehr die Iogdpächter entschließen würden, Fasanen wieder auszusehen. Diele Re­viere. die früher reich an Fasanen waren, kennen ihn heute nicht mehr. Kriegsjahre und Infla­tion haben die Bestände, denen nicht mehr die notwendige Hege zuteil wurde vernichtet. Dabei ist der Fasan ein Wild, das nicht nur durch die Wcidmannssreude seiner Jagd, sondern auch wirtschaftlich die Kosten vei entspre­

chender Hege reichlich lohnt. Im Interesse eines nachhaltigen CrsclgeS allerdings läge es. wenn nicht hier und da vereinzelte Beständer aus- sehten, sondern mehrere Angreifer sich zusammen­täten. Das müßte nur bald geschehen.

Rebhühner sind zunächst noch in Ketten zusammen, beginnen aber Ende des MonatS sich zu paaren.

Gegen Ende deS Februar kommen auch meist die ersten Schnepfen zur Strecke. Dis durch die Anregung des verstorbenen Äommergienrale^ Hlckler gemachten Beobachtungen lassen eS wahrscheinlich erscheinen, daß die'e »Ersten" meist Lagerschnepfen find, die wohl bei uns auch Mir Brut geschritten wären. Die ersten Zugfchncpsen dürsten erst im März kommen. Rach den Be­obachtungen und Meldungen, die der Gesellschaft für Iagdkunde zur Verfügung standen, mehrt sich die Zahl der Schnepfenbruten bei uns überhaupt Für die Ente beginnt in Hessen mit dem 1. Februar die Schonzeit. In Preußen darf sie dagegen noch bis zum l.März ausschließlich ge­schossen werden.

Der Zug der Gänse nach Rorden bietet auch bei uns gelegentlich die Möglichkeit zu seltenem Weidmannsheil.

Der Februar sollte vor allem dem Raubzeug gewidmet sein. Der Dachs, der in Preußen Schonzeit hat. ist in Hessen nVchbis zum 15. Februar schuß bar. Die Dächsin wirft im Laufe des Monats 35 Junge.

Der Fuchs ist in der Ranzzeit. Er wird nun vor allem mit dem scharfen Srdhunde im Bau gejagt. Auch ist er öfters als sonst draußen anzutreffen.

Reben diesem größeren Raubzeug wird dem kleineren, vor allem dem Hermelin-Wiesel viel zu wenig Beachtung geschenkt. Durch die Art seines Aufenthaltes in Steinhaufen, Erd» löchern. Hecken u. ä. entzieht eS sich leicht der Beobachtung und wird übersehen. Erst der shste- matlsche Fang mit besonderen Wieselfallen zeigt, welck)e Mengen die es schlimmen FeindeS unseres Riederwilds viele Reviere bergen.

Ganz besondere Aufmerksamkeit aber ver­dienen die Krähen. Das. waS zu ihrer Kurz- Haltung im allgemeinen geschieht, ist völlig un­zureichend. Wenn Gift fönst nicht zu den Waffen des Weidmannes geböten sollte, so ist es hier angebracht. Selbstverständlich ist dabei sachge- mähe Anwendung mit allen dabei vorgeschrie­benen Sicherheitsmaßnahmen. Aus anderen Teilen des Reiches kommen bereits die Rachrichten über gemeinsame Arbeit der zuständigen Behörden und der Rrvierinhaber zu Bekämpfung deS schwarzen Gesindels. Auch die Krähenhütte mit dem natürlichen oder künstlichen Uhu verspricht natürlich Erfolg, aber doch nicht in dem ge­wünschten Maße. Was der Weidmann hier ver­säumt. zahlt er in Iunghausen und Fasanen- und Hühnergelegen, die den groben Schnäbeln der Schwarzen zum Opfer fallen.

Der Februar ist kein Monat, der große Strecken verheißt. Aber das darf für den Iäger kein Grund fein, deswegen zu Hause zu bleiben. Will er Freude an feinem Revier haben und ein Schützer seines Wildes sein, so muß es ihn jetzt gerade so hinauSsiehen als ob eS gälte, den roten Dock auf die Decke zu legen oder einen bunten Erpel oder einen Galgen voll Hühner nach Hause zu bringen. HubertuS.

Anmerkung: Durch Verordnung des Hess. Ministeriums Ist die Schußzeit für Enten für das Iahr 1927 auf Wunsch der rheinhessischen Jäger mit Rücksicht auf die dort entstehenden Anzuiräglichketten infolge der verschiedenen Schußzeiten auf der Hess. bzw. preuh. Rhelnteite auf den Monat Februar ausgedehnt worden.

Bornotizen.

Sageskalender für Dienstag. Stadttheater: Ahr. ..Dover Calais". (Ende

93/< Ahr.) Verein vertr. Elsaß-Lothringer: 8/4 Ahr. Hotel Köhler. Monotsverfammlung. Lich'spielhaus, Bahnhofstraße:Schatz, mach Kasse". Palast-Lichtspiele: .Dornröschen". Astoria-Lichtsplele:Den Ali".

** Die Bautätigkeit In Gießen war im Jahre 1926 recht rege. An Wohnungsht/sbauten wurden fertiggeflellt und bezogen: 54 Gebäude mit 148 Wohnungen, im Rohbau fcrtlggefteUt wurden 27 Wohnhäuser mit 65 Wohnungen, ferner wurden 9 gewerbliche Bauten vollendet und in Benutzung genommen, sowie 4 im Rohbau fertiggeflellt. Diese Arbeiten kamen dem heimischen Baugewerbe und dem Arbeitsmarkt sehr zustatten. Für das Jahr 1927 sind bis jetzt in Aussicht genommen: 15 Wohn Hausbauten mit 29 Wohnungen und 5 gewerbliche Bauten. Man darf wohl annehmen, daß auch diese Zahlen noch eine wesentliche Erhöhung erfahren werden, u. a. durch die Inangriffnahme des ftäbtl- scheu Wohnungsbauprogramms, so daß man vor aussichtlich auch im laufenden Iahre eine unter den obwaltenden Umständen befriedigende Bautätigkeit wird verzeichnen können.

Die Anmeldung der Abcschützen hat am Montag und Dienstag nächster Woche zu er folgen, und zwar am Montag für die Knaben, am Dienstag für die Mädchen. Die in Betracht kommen­den Eltern mögen die heutige Bekanntmachung des Stadlschulamtes beachten.

* Pers 0 nalie. Auf Grund des Alters- grenzegesetzes wurde der Lehrer Im einstweiligen Ruhestand Jakob Braunewellzu Wieseck In den dauernden Ruhestand versetzt.

* Oberhessischer Kun st verein. Ss sei nochmals auf die Bekanntmachung im An­zeigenteil der heutigen Rümmer hingewiesen, wo­nach die aus der LotterieKünstlerhtlfe 1926" nach Gießen und Amgegenb entfallenen Ge­winne während der Äusstellungszeiten: Sonn- tags, MontagS, Mittwochs. Freitags von 11 bis 1 Ahr, Mittwochs auch von 3 bis 5 Ahr, im Ausstellungsraum Surmhaus am Brcknbplatz gegen Abgabe der Lose bis 13. Februar i> Emp­fang genommen werden können. Die Ausstel­lung, welche insbesondere Aquarelle elsässi­scher Künstler, G 0 b e l i n S aus der Kunstwerk- statte von Professor W a ch - Düsieldorf sowie Modelle und Zeichnungen oleses Künstlers zu feinem Entwurf für ein Reichsehrenmal aus der Sotcnlnfcl bei Lorch am Rhein enthält, bleibt b s 13. Februar geöffnet. Die Preise der Gobelins sind von dem Künstler erheblich herabgesetzt worden.

** Der Verein für Sterbeunter- stühuna. gegründet 1889, hielt am Sonntag im Postkeller seine G meralversammlung. Rach dem Geschäfts- und Kassenbericht sind dem Verein im Dcrgongenen Iahre 120 Mitglieder bei getreten, ausgeschieden durch Tod 34, ausgetreten 8. so daß am Schlüsse deS Iahres der Kasie 1781 Mit­glieder angchörten. Don den Verstorbenen ge­hörten 9 Mitglieder der Kasse seit deren Grün-

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