Nr. 506 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)Zreitag, 3l. vezember (026
Unfentimentale Politik.
Don Dr. Paul Rohrbach.
Weihnachten ist ein Fest deS Gemüts, aber Polltck ble bt eine gemütlvse Sache. Don englischer Seite ist mir di« folgende Anregung auf den Weihnachtslifch geflogen, mit dem Zweck, darüber zu diskutieren:
..Die Hofinung aller vernünftigen Leute in England und in den Dominions ist. nachdem nun das siebente Jahr feit dem Friedensschi uh zu Ende gegangen ist. boh die Erinnerung an den Krieg aufhören möge, die Gefühle der Rationen zu bestimmen. und jedeS Dolk vor allen Dingen im Interesse des allgemeinen Wiederaufbaus handeln möge. Deutschland hat für seinen eigenen Wiederaufbau in wenigen Jahren so viel geleistet. dah es das Erstaunen der Welt damit erregt hat. Riemand hätte vor sieben Jahren geglaubt, dah Deutschland so schnell einen solchen Grad von Prestige wiedererlongen würde — ein Prestige, das sich vor allen Dingen auf eine wiederhergestellte Währung, auf einen vollkommenen Sieg der sozialen und ökonomischen Ordnung über olle inneren Gefahren und auf großartige wissenschaftliche Erfolge, deren Wirkungen noch unabsehbar sind, stützen kann. Der erfinderische Geist und die organisatorische Kraft der Deutschen sind unzerstörbar. Es war wahnsinnig, zu glauben, es fei möglich, Deutschland durch schwere Friedensbedingungen gefesselt am Doden au halten.
Richts ist natürlicher, als dah Deutschland, indem es fühlt, dah seine Kräfte wieder wachsen, auch Wünscht, eine bedeutende Stellung in der Weltpolitik wiederzugewinnen. Dabei handelt es sich erstens um moralische Faktoren, wie die Dc- freiung von der Besatzung des Rheinlandes, deren Wirkung auf dos deutsche Gefühl sicher noch stärker ist, als auf die deutschen materiellen Interessen, und zweitens um realpölitische, wie Dündnisse, Kolonien und internationaler Ein- flüQ. Man darf vielleicht von den Deutschen erwarten. daß sie es nicht Übelnehmen, wenn man ihnen die Wahrheit sagt. Die Wahrheit aber scheint uns zu sein, daß England die einzige Macht ist. durch d.e Deutschland wirklich wertvolle Zugeständnisse erhalten kann.
Wir setzen dabei voraus, dah die deutsche öffentliche Meinung einsicht, wie unmöglich es für England ist. sich um irgendeiner Sache willen in eine grundsätzl che Gegnerschaft au dem französischen Doll zu begeben. Frankreich aber ist reif zu einer Derständigung mit Deutschland. Die deutsche öffentliche Meinung sollte sich darin nicht durch die Ausschreitungen eine militärischen Kaste beirren lassen, deren Handlungen keinen Zusammenhang mit dem französischen Äational- empfinden haben.
Wir wiederholen daher unsere Frage: Don welcher Seite, wenn nicht von der englischen, könnte Deutschland eine tatsächliche und dauernde, nicht durch die Ausschreitungen einer militärischen der Stabilität gegründete Mitarbeit für seine Bestrebungen erwarten, die sich berechtigterweise auf die W.ederherstellung seiner internationalen Position richten und die wir loyal anzuerkennen bereit sind?"
Das ist eine ehrliche englische Stimme, ohne Zweifel. So ehrlich, wie die Stimme eines jeden, der bestimmten Tatsachen inS Auge sehen muh und um dieser Tatsachen willen, indem er es dem andern überläht, die eigenen Interessen dabei zu Rate zu ziehen, seine Dorschläge macht. Der Engländer weih, dah Sentimentalität unter Umstanden ein gutes politisches Instrument ist. aber seine Politik ist wenig von Gefichlen bestimmt. Ein einziges Mar war es anders, als der Kelte Lloyd George England regierte. Damals. im Kriege, wurde ein aufgepeitschtes Hah- gefühl maßgebend für die englische politische Handlungsweise — und dafür hat England jetzt schwer zu zahlen. Es ist aber allmählich zu seinem allen politischen Tatsachensinn zurück- gelehrt. und feine Schwenkung in China zeigt, bah es imstande ist. die Zähne Ausammenzubelhen und selbst sehr harten Tatsachen Rechnung zu tragen. Die englische Kapitulation vor der Kuomintang-Regierung ist so gut wie vollzogen, und sie ist so gründlich wie nur möglich. Auch eine Frucht der wahnsinnigen Politik Englands im Weltkriege!
Der Schmerz und die Sorge Englands war erstens die schlechte Lage des Weltmarktes. die sich in der verheerenden englischen Arbeitslosig
keit ausspricht, zweitens Sowjetruhlanb. Auch in den bemerkenswerten Artikeln, die unmittelbar nach der Rückkehr der Minister aus Genf im Londoner .Observer" und in der .Times" erschienen und in denen ausdrücklich gesagt war. Stresemann, Chamberlain und Briand hätten miteinander in Gens über dasselbe Thema gesprochen, ist das unausgesprochene Ziel die Abziehung Deutschlands von Ruhland. Für unS wiederholt sich gewissermaßen die Lage, die schon in den Jahren 1899 bis 1901 bestand: England bot unS daS Bündnis, verlangte aber dafür Deckung gegen die russische Gefahr in Asien. T^h damals ein Fehler mit der Bülowschen Annahme gemacht wurde, jede Bindung gegenüber England sei überflüssig, weil England und Rußland doch nie zueinander kommen würden, haben wir 1914 nut zu deutlich gemerkt. Heute ist die Situation insofern für unS günstiger, als England nicht, wie damals, uns den Rücken kehren und feine Dersicherung bei Japan und bei der Triple-Entente nehmen kann. Fürs erste hat es gegen Sowjetruhland keine andere Möglichkeit der Versicherung, als bei Deutschland.
Fürs erste. Sine zweite Chance daneben hat England immer noch, wenn sie auch unbestimmt ist und erst in einer ungewissen Zukunft liegt Das ist die Chance einer Selbstauslösung ober eines Zusammenbruchs der Bolschewisten infolge ihrer Lcistungsunsähigkeit
in der Wirtschaft. Darauf die Rechnung zu gründen, ist aber für England eine fragliche und vielleicht gefährliche Sache.
Der englilcye Plan geht im stillen noch viel weiter. Es ist klar, daß weder die russische Industrie noch die russische Landwirtschaft ohne sehr große Kredite von außen regeneriert werden kann. Solche Kredite wird die Sowjetregie- runa von Keiner Seite erhalten, weil jedermann weiß, wozu ein großer Teil 1>cS Geldes dienen wird. (Sn wiedcrhergestellteS bürgerliches Rußland aber ist kreditfähig. Ihm können Milliarden geliehen werden, und von dielen Milliarden würde zweifellos eine starke Belebung der Weltwirtschaft ausgehen. Auch Deutschland könnte seinen Anteil daran haben. und namentlich wäre niemand so wie wir imstande, die notwendigen menschlichen Hilfskräfte für den Wiederaufbau Rußlands herzugeben. Damit rechnet auch England.
Der rufsische Druck auf England ist zur Zeit ein Aktc'vum für die dcutfchePolitlt Soll Deutschland aus dies Aktivum verzichten, so muß es ein anderes, besseres, dafür erhalten. Zu glauben, daß eS dabei mit einer Einladung an Belgien und Portugal, einen Teil ihrer afrikanischen Kolonien an Deutschland zu verpachten, getan wäre, sowie mit einer Unterstützung in der Rheinlandfrage, die von selber einer Lösung Im deutschen Sinne entgegenreift, wäre gar zu naiv. Indes — Diskussionen find ja abgabenfrei
Der amerikanische Oetkönig.
I. D. Rockefellers Weg zum Erfolg.
Die außerordentlich glanzvolle Karriere dieses reichsten Mannes der Welt ist eine typisch amerikanische. In Europa hätte sie wahrschein- sich schon nach wenigen Ansanasjahren hinter Schloß und Riegel geendet. Das Doraussetzungs- unb Rücksichtslose, bas in ber amerikanischen Wirtschaftsgeschichte zum eisernen Bestaub gehört. ist in Europa in biefem Ausmaß ganz unmöglich. John Rockefeller. ber sich in 60 Jahren aus ben ärmlichsten Verhältnissen zum reichsten Mann ber Welt heraufgearbeitet hat, gehört zu ben Patriarchen in ber amerikanischen Großfinanz, benn er steht heute, geistig noch überaus regsam, im 86. Lebensjahre.
Sein Tater besaß in Richsorb. im Staate Reuyork, eine Heine Farm, und Jung-Rocke- feller lernte früh Axt und Spaten gebrauchen. Glücklicherweise war ber Dater verstänbig genug, nicht barauf zu bestehen, aus seinem Sohn mit aller Gewalt einen Lanbwirt zu machen, als bie kausmännischen Fähigkeiten unb Reigungen JohnS sich sichtbar zu entwickeln begannen. Er schickte ihn vielmehr nach Clevelanb auf die Handelsschule, und nach Absolvierung derselben machte sich John auf bie Suche nach einer Lehrstelle. Wochenlang lief er, so berichtet er in seinen Memoiren, Straße auf, Straße ab, ohne vor den Augen ber vielen Geschäftsleute, bie er biefer» Halo besuchte, Gnabc zu finben. Keiner wollte ihn einstellen. Cnblich gelang es ihm, In einem kleinen Geschäft in ber Aähe bes Hafens (Cleveland liegt an einem der größten amerikanischen Binnenseen, dem Eris«) eine Anstellung als Lehrling zu finden. Heber das Gehalt wurde bei der Anstellung kein Wort verloren. Durch unermüdlichen Fleiß gelang es aber schließlich Rockefeller, bas Wohlwollen seines Prinzipals zu erwerben, unb überglücklich war er. als sich bieses Wohlwollen einige Monate später auch in klingende Münze umsehte. Er erhielt ein ihm damals geradezu fürstlich bünkendes Gehalt von ein paar Dollar bie Woche, bie er nicht ausgab, sondern nach Möglichkeit sparte. Drei Jahre blieb er in diesem kleinen Geschäft und hatte sich durch konsequenten Derzicht auf jeden Lebensgenuß in diesen drei Jahren trotz seines nur kümmerlichen Einkommens runb 1000 Dollar gespart. Er war jetzt 19 Jahre all, und die ersten Pläne, die alle auf eine Selbständigmachung abzielten, begannen in feinem ruhelos grübelnden Gehirn festere Form anzunehmen. Er lag sozusagen beständig auf der Lauer nach kommerziellen Mög- liebfeiten. Sein Gehirn war ganz eigenartig konstruiert. Es gab für ihn keine Ablenkung, keine Freuden außerhalb ded Geschäftes. Er war fest
entschlossen, jede Chance, wo und wann sie sich immer bieten sollte, sofort zu benützen.
Da kam ihm ber Zufall zu Hilfe. Ein anderer junger Geschäftsmann wollte sich in Clevelanb selbständig machen und suchte einen Partner mit einer Kapitaleinlage von 2000 Dollar. Rockefeller erblickte hierin die Gelegenheit, sich selbständig zu machen, und bewog1 seinen Dater, ihm fein Erbteil, bas einmal 1000 Dollar betragen sollte, sofort auszuzahlen. Jetzt verfügte er über 2000 Dollar, tat sich mit bem jungen Kaufmann namens Clark, zusammen, unb beibe eröffneten ein Kommissionsgeschäft unter der Firma Clark & Rockefeller. mit bem stolzen Kapital von ganzen 4000 Dollar. Das Geschäft kam gut voran. Die beiden Inhaber, bie zunächst alles allein machten, hanbelten so ziemlich mit allem, was ihnen vor bie Finger kam unb Gewinn verhieß. Ab 1860 begannen sie sich vornehmlich dem Petroleumhanbel zu widmen, nachdem ein Jahr vorher die ersten großen Bohrungen im Staate Pennsylvania erfolgt waren. Anfangs ging das Petroleumgeschäft ausgezeichnet. Die neuerungsfüchtigen Amerikaner taten alles, um dieses neue Leuchtöl in großen Massen zu verbreiten und ben Konsum zu vergrößern. Die Gewinne, die Rockefeller zuflossen. waren in den Jahren 1860 biß 1865 immerhin schon recht beträchtlich, so bah er bamal« über ein kleines Vermögen von 20 000 bis 30 000 Dollar verfügen konnte. Schließlich war aber bas zunächst so lebhafte Petroleumgeschäft wieder stark abgeflaut, well einerseits bie Produktion zu einer ausgesprochenen Ueberprobuktion geworden war, unb anbererseits, weil baß ®rböl so schlecht raffiniert würbe, bah es mitunter bireft gefahrvoll für ben Gebrauch war unb ber Konsum infolgebeffen stark zurückging. Die Schwierigkeiten bet Erbölinbustrie wurden dadurch von Tag zu Tag größer unb Zusammenbrüche großer Firmen waren an bet Tagesordnung.
Auch Rockefeller litt natürlich empfinblich unter biefer schweren Depression. Et versuchte alles, um sein Geschäft wieder hoch zu bringen, aber er mußte bald angesichts der schwierigen Situation seine Ohnmacht als einzelner einsehen. Er war nahe daran, gu verzweifeln, als ihm bie Erfindung eines schottischen Bergmannes bekannt wurde, durch die eine bessere Reinigung des Erdöls ermöglicht werben sollte. Jetzt zeigte Rockefeller zum erstenmal, wie er sofort jede Chance in seinen Bann zu zwingen verstand. Sofort machte er den schottischen Arbeiter zu feinem Teilhaber unb erbaute noch 1865 unter Hinzuziehung noch weiterer Kapitalien bie Standard Oil Works in ber Rähe von Cleve-
Der künftige Kalender.
Von Franz Reumann.
Was bu ererbt von deinen Vätern hast. Erwirb es, um es zu besitzen!
Daß unfer Kalender trotz seiner Vollkommenheit hinsichtlich ferner Anpassung an ben Laus der Erbe um die Sonne verbesserungsbedürftig ist, wirb von niemand bestritten, auch nicht — wie gleich vorweg bemerkt sein mag — von der Kirche. Es ist namentlich bie Beweglichkeit des Osterfestes, bie in vielen Beziehungen störenb in bie bürgerliche Zeiteinteilung eingreis t. bann aber bie ungleiche Länge ber Monate unb bamit auch ber Umstand, bah ein bestimmter Kalendertag in jedem Jahre auj einen anderen Wochentag fällt. Wie bekannt ist. beschäftigt sich ber Völkerbund in einer besonderen* Gruppe — auf deutsch nennt man so etwas ..Kommission" — mit ber Verbesserung des Kalenders. unb es ist zu wünschen, bah seine Arbeiten halb zu einem Ergebnis führen.
Zur Zeit stehen eigentlich nur noch zwei Vorschläge zur Erörterung, nänllich bie Einteilung bes Jahres in 13 Monate unb 28 Tage = 4 volle Wochen, unb bie Einteilung bes Jahres in 4 gleiche Vierteljahre mit je zwei Monaten zu 30 unb einem zu 31 Tagen = 91 Tage = 13 volle Wochen Die Einteilung des Jahres in 13 Monate hat ben Vorteil, baß jeder Monat ausnahmslos mit einem Sonntag beginnt, so baß also auch ber 8., 15. unb 22. jebes Monats Sonntage sind. Bei der Einteilung des Jahres in 4 gleiche Vierteljahre ist nur in jedem ersten Vierteljahrsmonat, also im Januar, April, Juli und Oitober der 1., 8.. 15., 22. und 29. em Sonntag, während diese Daten — wenn ber Monat mit 31 Tagen in die Mitte jedes Vierteljahrs gesetzt wird — im Februar Mai. August und Rovember Dienstage, im März, Juni. September und Dezember aber' Freitage sind. Aber bas kann man sich schließlich auch noch merken: Der Monatserste kann bann eben nur noch auf Sonntag — in jedem ersten Vierteljahrsmonat —. auf Diens
tag — in jedem zweiten Vierteljahrsmonat — oder auf Freitag — in jedem dritten Diertel- jahrsmonat — fallen, und derselbe Wochentag wie am 1. ist natürlich auch am 8.. 15., 22. unb 29-. wonach man sich bann bie anderen Wochentage leicht ausrechnen kann.
Run sind aber 13 Monate mal 28 Tage ebenso wie 4 Vierteljahre mal 91 Tage nur 364 Tage, während baß gewöhnlich« Jahr bekanntlich 365, das Schaltjahr aber sogar 366 Tage hat. Dem toill man dadurch Rechnung tragen, daß man bem Reujahrstag keine Wochen- tagsbezeichnung gibt, sondern ihn einfach „Reu- jahrstag" nennt. Ebenso will man ben Schalt- tajf irgenbtoo cinschieben unb ihn ohneWvchentags- bezeichnung lassen, indem man ihn eoen als „Schalttag" bezeichnet. Vielleicht könnte man ihn vor den 1. Juli legen, also in die Mitte des Jahres, so daß bann in den Schalljahren die beiden Jcchreshälften gleich wären.
Welche von beiden Möglichkeiten die größere Aussicht hat, angenommen zu werden, ift noch nicht zu sagen. An sich wäre es sicher sehr zweckmäßig, das Jahr in 13 Monate zu 28 Tagen einzuteilen, well dann alle Monate ohne febe Ausnahme gleich lang wären unb jebes Datum in jedem Monat auf ben gleichen Wochentag fiele. Dem stcht aber entgegen, bah bie Vierteljcchrseinteilung im bürgerlichen Leben eine sehr große Rolle spielt unb daher notwendig ist. Aus diesem Grunde wird die Entscheidung doch wahrscheinlich zugunsten des Vierteljahrs zu 91 Tagen fallen, well es bet bet Einteilung des Jahres in 13 Monate untunlich ist. ben Dierteljahrsanfang mitten in einen Monat zu legen ober bas Jahr in drei Vierteljahre zu 3 unb ein Vierteljahr zu 4 Monaten einzuteilen.
Run toäre es schr schön, wenn sich ber Völkerbund etwas beeilen wollte, damit der neue Kalender schon am 1. Januar 1928 eingeführt werden könnte, weil sich kaum ein Jahr ebensogut dazu eignete, wie gerade dieses, unb zwar aus zwei Grünben: Man toill nämlich bas Osterfest auf ben 8. April festlegen, unb nun fällt Ostern 1928 zufällig gerade auf biesen
Tag. ben man also gewissermaßen bann festnageln formte. Das ist es aber nicht allein: ber 31. Dezember 1927 fällt gerabe auf einen Samstag, so baß man also bann am folgenden Tage mit dem Äeujahrstag 1928 beginnen tonnte, bem bann ber 1. Januar folgen würde. Zwar fällt auch in ben Jahren 1932 unO 1938 der 31. Dezember auf einen Samstag, so daß man mit dem neuen Kalender, ohne den alten mitten in einer Woche obzubrechen. was unzweckmäßig wäre, auch 1933 unb 1939 beginnen könnte. Aber Ostern 1933 fällt auf ben 16. April unb Ostern 1939 auf ben 9. April. Der Uebergang auf bas feste Osterfest wäre also in diesen beiden Jahren nicht so schön wie gerade im Jahre 1928.
Bei der Einteilung des Jahres in vier gleiche Vierteljahre wäre es aus bem Grunbe zweckmäßig, ben zwei ten Vierleljahrsmonat als ben mit 31 Tagen zu wählen, weil ber Januar wegen bes Reujahrstages — in Schalljahren wegen bes Schalttages auch ber Juli — 32 Tage hätte, wenn man jedem ersten Diertel- jahrsmonat bie 31 Tage zuteilt«. Man könnte natürlich auch bem dritten VierteljahrS- monat die 31 Tage geben; es erscheint aber bequemer. wenn bie zwei Monate mit 31 Tagen zum Jahresbeginn unmittelbar aufeinander folgen. ebenso im 3. Vierteljahr in Schaltjahren.
Aber das sind schließlich Rebenfragen. Di« Hauptsache ist, daß bie Schönheitsfehler, bi« unserem jetzigen Kalender archasten, recht bald beseitigt werben Der Wille dazu ist vorhanden. Lllso los! „Der Worte sind genug gewechselt. laßt mich auch endlich Taten seh n!" sagt Büchmann — ober vielmehr der Herr Direktor im Vorspiel zu Goethes „Zaust"
Joses II.unb bie beutsche Sprache.
Es ist unser und ber uns Derb unb et en Donaumonarchie Begängnis gewesen, baß bas Deutschtum seine Führerstellung verloren batte, unb bah bie Regierung untätig zusah, wenn ihr politisch unb militärisch zuverlässigstes, ihr wittjchastlich unb kul-
bes Januarheftes von Bel» ings Monatsheften aus»
schmückten Aufsatz
Hagen 8rKlas _ ,
einoiwersetzt, mehr bem Verstand als bem Herzen.
land. Hier wurde das Erdöl nach der neuen Methode bie sich glänzend bewährte, raffiniert, unb Rockes ellerS Geschäft nahm «inen ungeheuren Aufschwung. Große Mittel flössen ihm nunmehr zu, bie er sofort wieder dazu verwandt«, um eine äußerst intensiv« Expansionspolitik zu treiben. In ber gesamten amerikanischen Erdölindustrie wurde bald seine fest zupackende Hand sichtbar. Eine große Raffinerie nach ber anderen gelangte unter feinen Einfluß.
Die Methoden, die er bei seiner Macht» ertocitcrung anwandte, waren nicht gerade rücksichtsvoll zu nennen Er ging vielmehr mit den brutalsten Mitteln vor, und eS kam ihm gar nicht darauf an. einem Unternehmen, baß sich ganz unb gar nicht fügen wollte, ohne Rücksicht daraus, waS aus den Arbeitern und Aktionären wurde, baß Lebenslicht auszublasen Die großen Gewinne seiner Gesellschaft verwandte er zum großen Teil dazu, um leitende Persönlich?:iten bei Babnlinien, bie für den Transport des Erdöls wichtig waren, zu bestechen. Er ließ sich bann Sonderrabatt bewilligen, unb auf diese Weise Jielang eß ihm, sein Erdöl so billig befördern zu assen, daß die Konkurrenten, die natürlich die offiziellen, also viel höheren Tarife bezahlen mußten gar nicht gegen ihn aufkommen konnten. Aber bamit begnügte er sich durchaus noch nicht, sondern er ging sogar aggressiv vor unb erreichte, teilweise durch Bestechungen unb teilweise durch Drohungen, bei verschiedenen Bahngesellschaften, daß sie ihre Petrol.umtarife stark erhöhten ober überhaupt die Beförderung von Erdöl bestimmter Unternehmungen ablehnt?». Die davon betroffenen Werke waren natürlich in den meisten Fallen einfach erledigt unb mußten sich schließlich unb endlich Rockefellers Faust beugen.
Jahrelang arbeitete Rockefellers Bestechungssystem in ticsstem Dunkel. Man merkte bie Wirk- famkeit bieses Systems nur an der raschen Ausbreitung ber Machtsphäre Rockefellers. lieber bie Methoben selbst gelangte jedoch eine ganze Zeitlang so gut wie gar nichts in die Oefsentlicv- keit. Er ging sogar so weit, diese wirtschaftliche Tscheka, wie man sie wohl nennen kann, in einer Spezialgesellschaft, bie eigens für biefen Zweck gegründet wurde, zu konzentrieren. ES ist bie später zu so trauriger Berühmtheit gelangte South Jmprovement Company, bie mit einem Kapital von 2 Millionen Dollar arbeitete unb eben die Ausgabe hatte, bie Feldzüge Rockefellers, bie sich häusig zu finanziellen Raubzügen auswuchsen, gegen Eisenbahngesellschosten unb Erdölunternehmungen aller Art zu finanzieren Rockefeller steuerte nun zielbeöußt unb durch keine Sentiments behindert, auf s-nn großes Ziel zu. daß in ber monopolistischen Beherrschung des Erdölmarktes gipfelte. Die überaus große Vorsicht aber, nut ber Rockefeller bei all feiner forcierten Expansionspolitik not- fling, erhellt aus ber Tatsache, bah er jaljre- ang nicht zu bewegen war, in die eigentliche Produktion selbst vorzustoßen. Er begnügte sich vielmehr stets bamit, bie Weiterverarbeitung und die Transportwege unter sein« Botmäßigkeit zu bringen. Die- war taktisch beispiellos llug unb geschickt, benn auf diese Weise konnte er ja tatsächlich. da ben Erdölunternehmungen bann keinerlei von ihm unabhängige Beförderungsmittel zur Verfügung standen, den Markt souverän beherrschen Die Produktion selbst war. wenigstens in ben ersten Jahren, als man sich über bie geologische Struktur ber Erböl fafjren» ben Schichten noch nicht so ganz klar war. ein ungeheuer risikoreiches Unternehmen Milltonen von Dollar würben verpulvert, ober, in biefem Falle richtiger gesagt, verbohrt, ehe es gelang, wirklich produktive Quellen zu erschließen. Dieses risikoreiche Geschäft überließ Rockefeller wohlweislich anberen Leuten, bie dabei ihr Vermögen verloren. Erst wenn ein bestimmtes Gebiet finbig geworben war, brachte eß Rockefeller burch seine oben beschriebene Strangulations- methobe unter seine Herrschaft.
Mit raschen Schritten schien sich Rockefeller nun seinem Enbziel zu nähern 18Z0 erfolgte bie erste Umbildung einiger Raffinerien unter Rockefellers Leitung zur Stanbard Oil Company of Ohio mit dem relativ geringen Kapital von nur einer Million Dollar. Die übrigen Raffinerien wurden dieser Gesellschaft in Form eines Preis- und Probuktionskartells angeschlossen. Dce großen Mittel, über die Rockefeller nun verfügt«, ermöglichten ihm. dem Erdöl ganz neuartig« Transportwege zu schaffen Er errichtete bie
allgemeines Deutschtum und österreichische» Staatsinteresse in Widerspruch geriet, hat er sich bestimmter für dieses erklärt als früher die Mutter. Seine Korrespondenz führt er gleich Ihr nur französisch. Aber das Verlangen nach der Rückkehr des Elsaß zu Deutschland, das einst ihr Herz so sehr bewegt, ist ihm, scheint es, nicht gekommen, und wenn Mario Theresia von ihren Freunden nichts Lieberes zu sagen weih, als dah sie gute deutsche Männer gewesen, so werden wir bei- ihm derlei Herzensworte vergebens suchen. Aber er verstand wiederum deutsches Geistesleben anders und besser als Friedrich und die Mutter, schalt nicht auf die deutsche Spracl-e wie der König, sondern erbaute ihr, was der Mutter nicht hatte einfaUen wollen, ein Haus zu ihrer Pflege. Er hatte vollen Sinn für die stolz aufftei- gcnde deutsche Musik, Mozart wußte sich gewiß, daß „der Kaiser an ihn glaube". Er wollte in Wien eine deutsche Theaterschule gründen, die besten Köpfe aus Deutschland dort oeretnigen. Gewiß hat er damit nicht Ernst 'gemacht und einen Schwarm recht bescheidener, wenn nicht armseliger Literaten um sich herum gewähren lassen. Es war ihm nun einmal Schuld und Schicksal, daß, roor er begann, sich unter feinen Händen zum Gegenspiel verkehrte. Indem er das Reich mit stürmendem Eifer deutsch machen wollte, hat er nur dessen nichtdeutsche Farben grell hervorgetrieben.
turell tätigstes Volk von Tschechen und Magyaren bedrängt wurde. Die Schuld an diesen Zustände« lag wett zurück, und wir dürfen noch heute klagen, daß Josef II. die behutsame und erfolgreiche Ger- manisatton^^, Moria Theresi« eingeleitet hatte, älläuellrig^ '^-Jwtaefcöt und dadurch zum Scheitern'geMchr Hw- E> nliefj ein Edikt, nach dem jeder Beamte mnerholb drei Jahren deutsch sprechen müsse. Se'Ust m den ungarischen Reichstag Dürfe feiner fomnien, der es nicht verstünde. Es sei die Unioerfotipradje des Reiches, dos er als deutscher Kaiser beherrsche. Diese deutscheste Tot Josefs entsprang, wb Pros. Dr. Heinrich Kretschmayr In einem mit vielen bisher unbekannten Bildern ge-


