Hften zur Thtarbeit herangezogen werden müh. len. Slngeblich wurden sie sich um jeden politischen Kredit bringen, roenn sie mu den Deutschnanonalen zusammen m eine Regierung hineingingen. Was eine Partei, deren Mandatsbesland von 23 auf 1 ^urückgegangen ist, noch großartig einzubüßen hol. ist nicht recht ersichtlich. Di« meiste Schuld an dem sächsischen Chaos tragen aber die bürgerlichen Parteien selbst. Richt weniger als sechs Gruppen sind rechts von den Altsozialisten zu finden, die sich schon vor der Wahl zu einem gemeinsamen Borgehen nicht zu entschließen vermoch- ten, so daß eine stark« Lröftezersplitterung einsehte, und die auch heut« untereinander noch immer nicht ins Reine kommen können. Ob sie nun endlich einmal klug werden und bei den unzweifelhaft bevor- stehenden Neuwahlen sich zu einer geschlossenen Front zusammenfinden? Wir glauben nicht rechi daran, so daß wohl letzten Endes Sachsen einer neuen Aera Zeigner ausgeliefert werden wird, eben weil das sächsische Bürgertum — im Reich ist es i i**t viel besser — sich der Vorteile geeinter Kraft i cht bewußt zu werden vermag.
Die Weihnachlsbeihilfe in Mecklenburg.
S ch w e r i n, 33. Dez. (WTD.) 3n der heutigen Sondersitzung des Landtages, in der die Rechtsparteien Widerspruch dagegen erhoben, daß die WcihnachtSbeihilfe für die Beamten ufto. von der Regierung und der Linksmehrheit des Haupt- ausschusses ander« geregelt worden sei. als es vom Reich auS für die Reichsbeamten geschah, wurde ein Antrag der Deutschen Volks- Partei zur Abstimmung gebracht, welcher die Regierung ersucht, eine WnhnachtLbeihilse den Beamten, Angestellten und Arbeitern e n t s p r e - che>nd der Deichsregelung zu gewähren. Dieser Antrag wurde mit 23 gegen 20 Stimmen abgelehnt. Gegen den Antrag stimmten mit den Sozialdemokraten und Kommunisten die Demokraten und die Wirtschaftspartei. Für den Antrag stimmten außer dem Antragsteller die Deutschnationalen und die Völkischen. Darauf wurde der Beschluß des HauptauSschusseS. der der bereits verteilten Weihnachtsbeihilfe entspricht, mit 25 gegen 24 Stimmen angenommen.
zum Wilden Mann G
n. ist gebohren
zu Buchenaw im den Ilten April.
1635, 1688, Jahr froh-
den 28ten Dezember seines alters 53 8 Mon. 17 Tag. Welchem Gott eine l'che Auferstehung verleyhen wolle.
Ich gehe cu die Herberg zu. Allwo ich finde gute Ruh. 3d), der ich mannen Gast Ha hm in die Heroerg ein '.Inb ließ nach Standsgebuhr denselben wohl trachören. Hud) wann es ihm beliebt. )u seiner Ruhe führen, ttrnnt selbsten nur ein Gast
Jn meiner Herberg seyn. Ich mußt viel Llngemach Und Müh allhier ausstehen. Run aber hat mich Gott Davon gespannet auS Und in die Stolze Ruh Versetzt in seynem Haus. Indem er durch den Tod. Mich hieß zum Leben gehen."
Uh ui n Ao. tarb e hier Ao.
Sin« tiefe Wahrheit ruht in dieser alten, ergreifenden Grabinschrift, eine Wahrheit, die wir niemals besser verstehen als beim Jahreswechsel. Wir sind auf der Erde nichts als Gäste und Fremdlinge, rasch rinnen unsere Jahre dahin, wir werden alt. ehe wir es uns versehen. Gewiß ein jeder Mensch erlebt hier gute Tage. Golt gibt ihm gesegnete Felder, fruchtbare Erntejahre. Erfolge in Beruf und Arbeit. Gott läßt keinen ohne Freude sein, jeder Mensch ist einmal jung, er sieht den blühenden Frühling, den Sommer mit gelben Erntefeldern, fruchtbeladenen Obst- bäumen. den bunlfarbigen Herbst, den Winter, da das Schneefeld sich auSbreitet und die Sonne sich rotglühend in den Fensterscheiben spiegelt. WaS in Dichtung. Kunst. Musik und Wissenschaft Großes und Edles durch die Seele der Hervorragendsten gezogen ist. richtet Tausende auf. Das Beste, das wir finden, ist die Liebe, die entere un3 entgegenbringen. Wem ein Ehegatte oder eine Ehegattin am Altar tiefbewegt die Hand gereicht hat. wer einmal in tiefen Sorgen begraben war und fühlte, wie sich die Arme eines guten Kindes um ihn schlangen, wer den Segen der Heimat und der Freundschaft erfahren bat. der kann mit dem Psatmist sprechen: ..Das os ist mir gefallen, auf das lieblichste mir ist
2lu$ der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 31. Dezember 1926.
Jahreswechsel.
In die Ostseite der Kapelle aus dem Alten Gießener Friedhof ist ein Grabdenkmal ein- aefügt, das sowohl durch seine bildliche Dav- stellung als auch durch seine Inschrift moderne Grabdenkmäler weit überragt. Ooen erblickt man IesuS mit der KreuzeSfohne. somit soll hier die Auferstehung Jesu von den Toten dargestelll werden. Darunter 'st eine Herberge abgebildet, auf die ein Wanderer mit dem Felleisen zu- f(breitet, vor der Herberge liegt der Wirt tot aus einem Schrägen, zur Seite ist «in Engel au erblicken, oben ist ein Totenschädel bargefteut, links und rechts stehen Totengerippe mit der Sanduhr, darunter befindet sich folgerte Inschrift:
..Barthold Tioin, gitoefem*r Gasthalter
ein schön Erbteil geworden". Aber die Tage, da totr gleich dem Gießener Gasthalter Darchold 5V7n.lt>,d Ungemach" ausstthei. müssen, find zahlreuhrc. Gegen das Unglück iit kein Menich fax liiert, es tritt na* einem Wort der Bibel wie ein gewappneter Mann über seine Schmecke. Qxmn er nicht entfernt daran denk: es kommt in einem Ausmaße, das er auch in seinen bangsten Träumen nicht für möglich gehalten hätte. Dagegen hilft weder Angst noch Sorge, kein« noch so große Vorsicht, am allerwenigsten ®elö und Gut. Ehre und Gesundheit. Vergangenes Leid, das die Seele fort und fort verwundet, Leid das in der Zukunft auf ihn wartet, kann nur der ertragen, der da weiß, daß fein Leben und sein Schicksal in der Hand Gottes ruhen. deS Gottes, nach dessen Willen dem. der mit ihm verbunden ist. a'ckeS zum besten dienen muß. Gegen die Sorge un'' gegen die Anast. die in der S.lvesternacht c > werden, helfen keine abergläubischen Gebr aa;e — in der Gegenwart sind die Menschen abergläubischer als je in einem vorausgegangenen Zeitalter —, hier hilft nur das demütige Gott- netttauen, das da sagt: Weine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft. Denn er ist mein Hort,
meine Hilfe, mein Schutz, daß mich kein Fall
stürzen wird, wie groß er ist. Wer diese Ruhe
in sich trägt, der verrichtet in Treue fein Tage
werk. der nützt gewissenhaft die ihm gegebene Seit au-, bet trachtet nicht darnach, durch große eistungen die Augen der Welt auf sich zu lenken, sondern bemüht sich, den anderen, mit deren Wege sich die seinigen kreuzen, etwa- Liebe au erweisen.
Wit haben, so prägt uns bi: Grabinschrift de« alten Gießener Bürgers ein, hier keine bleibende Statt, aber sie redet auch von bet zukünftigen, von bet ewigen Heimat. Viele rühmen sich in unserer Zeit ihres Heidentums, das von einer Fortdauer bet Seele jenseits des Grabes nichts wissen will. Das ist eine Weisheit, die nicht standhält, wenn die Freuden der Erde bahintinnen. wie die Wellen eines Baches aus den Händen eines spielenden KindeS rinnen. —
Heule vor 44 Jahren herrschte am Rhein gewaltige Rot, denn der Strom hatte infolge der sich rasch vollziehenden Schneeschmelze weithin die Ufer überflutet. Am Silvesterabend waren mehrere Männer aus Lampertheim in einem Kahn nach Hofheim gefahren, um den dortigen Einwohnern Hilfe zu bringen. In Rächt und Rebel fuhren sie über die enlose Wasser- wüste zurück, kein Stern am Himmel, nur schweres Regengewölk war sichtbar. Mit einem Male merkten die Männer, daß sie nicht mehr die Fahrttichtung kannten. Sie stießen auf eine Pappel, einen sogenannten Richtbaum. der Daum war ihnen bekannt, doch keiner wußte, aus welcher Richtung sie an den Baum gekommen waten. Am Steuer sah ein Mannheimer Schiffer, dem niemand traute. Die Gefahr war da. daß der Kahn direkt in den brausenden Strom geriet, und die Männer stritten hin und her Plötzlich vernahmen sie feierlichen Glockenton. es war das Silvestergeläute der Lampertheimer Kirche. Da rief einer: ..DaS find unsere Glocken! Spitze links herum! Her daS Steuer!" Der fremde Steuermann gab bas Steuer her. und die Männer gelangten zu ihren Behausungen. Die Glocken der Heimat hatten ihnen den Weg gezeigt. Wohl dem, dem in der Silvesternacht die Glocken den Weg zur ewigen Heimat zeigen. H. V.
LZornotizcn.
— Tageskalender für Freitag. Stadttheater: 6.30 Uhr, „Boccaccio" (Ende gegen 9.30 Uhr). — Lichtspielhaue, Bahnhofstraße: , Junges Blut". — Astotta-Lichtspiele: „Maciste auf der Hochzeitsreise".
— Tageskalender für Samstag Stadttheater: 3.30 Uhr nachmittags, Märchenspiel „Frau Holle" (Ende gegen 5.45 Uhr): abends 7.30 Uhr, „Die fünf Karnickel" (Ende 9.45 Uhr). — Amicitia: 7.30 Uhr, „Haberkasten", Abendunterhaltung. — Bauerschcr Gesangverein: 6.30 Uhr, Lie° bigshöhe, Weihnachtsfeier. — Mattneverein Gießen: 8.30 Uhr. Dereinslokal, Monatsversammlung. — Lichtspieltheater wie Freitag.
— Lageskalender für Sonntag. Stadttheater: 7 Uhr „Juarez und Maximilian" (Ende gegen 10 Uhr). — Garde-Verein: 4 Uhr nachm. Hotel „Prinz Carl" Weihnachtsfeier. — Ehemalige Leibgardisten: 8 Uhr. Vereinslokal. Versammlung. — Artillerie - Verein: 4 Uhr nachm. Dereinslokal, Familien^usammenkun't. — — Radfahrer-Verein „Germania" 8 Uhr. Hotel Kobel, Familienfeier. — V. f. B. 8 Uht. Uni- vetsitäts-Üafe, Versammlung. — Ltrderkranz: 8 Uhr. Restaurant Boller. Versammlung. - Lichtspielhaus Bahnhofstraße „An der schönen blauen Donau". — Lichtspielhaus Astoria „In Sachen Rorini".
— Aus dem Stadttheaterburcau wird uns geschrieben: Für die heutige Aufführung von „Boccaccio" ist es noch in letzter Stunde gelungen, in Frl. Elisabeth Kandt von der Frank- futter Oper eine besondere Attraktion zu gewinnen. Die vorzügliche Künstlerin, hier noch bestens in Er iimerung als wundervolle „Mignon", wird die „Fiametka" fingen; erst kürzlich hat Frl. Kandt bei Gastspielen in der Reuyorker Metropolitanoper außerordentliche Tttumphe gefeiert. Auch an dic'er Stelle fei auf den frühen Anfang (6.30 Uhr) dieser Vorstellung hinaewiesen. — „Frau Holle" zeigt unoermirrdertc Anziehungskraft; auch für Reujahr steht wieder ein volles Haus in Aussicht. Das gleiche gilt für die Abendvorstellung des Reujahrctages, die die erste Wiederholung des Schwankes „Die fünf Karnickel" bringt. Rach dem geradezu stürmischen Erfolg der Erstaufführung dieser Neuheit ist mit zahlreichen Wiederholungen des übermütigen Schwankes zu rechnen.
^ettexDoraueiagc.
Wolkig, langsames Fallen b?r Temperaturen, vorwiegend trocken, westliche Winde.
Gestrige Tagestemperaturen Marimunt 4.8 Minimum 3.7 Grab Eelsius Riebcrlchlüge: 0.2 Millimeter. Heutige Morgentemperatur 3 Grad CelfiuS.
Bericht über die Wetterlage auf dem Hoherodskops
vorn 31. Dezember, morgens 8 Uhr. Windrichtung Rordwest.
Windstärke: stark.
Temperatur: minus 1 Grad CelfiuS.
Höchsttemperatur in den letzten 24 Stunden: minus 1 Grad Ccllius.
Gesamtschncchöhe: 40 dis 45 Zentimeter. Beschaffenheit der Schneedecke: vereist. Spottmöglichkeit vorhanden.
” D i e deutsche Universitätgrek- toren-Konserenz findet in lieem Jahre am 7. Januar in Würzburg statt. Unsere LanbeSunivercktät wirb auf dieser Tagung burch Sc. Magnifizenz den Rektor Pros. Dr. Zwick und durch den Errckwr Prof. Dr. B ü r k e r vertreten sein.
*• Dos Weihnachtsgeschäft In Gießen hat die Erwartungen unserer Kaufmannschaft im großen und ganzen erfüllt, so baß man überall zufrieden ist. Von Anfang biS Mitte Dezember war der Geschäftsgang allerdings schleppend, selbst der Kupferne und der Silberne Sonntag gaben diesem Gesamtbild keine Aende- rung. Erst von Mitte des Monats ab setzte eine regere Kauftätigkeit ein, die allgemein zu besseren Umsätzen führte. Den Höhepunkt des Geschäfts brachten der Goldene Sonntag und die daraus- folgenden Tage. Sogar am Weihnaä tsheiligobrnd wurde noch eifrig gelaust. Der dies.ahrige Ge- schästsumsatz anläßlich deS WeihnachrsfesteS bewegte sich im allgemeinen auf der Höhe deS vorjährigen Weibnachtsgelchäites. in einzelnen Branchen wurde dieser Stand sogar etwas überschritten. Am meisten gekauft wurden Gegenstände deS täglichen Bedarfs, daneben hatte aber auch die Lurusbranche in diesem Jahre erfreulicherweise einen besseren Geschäftsgang als im Vorjahre. Unserer Geschäftswelt, deren witt- schastlicher Kampf immer noch recht schwer ist, ist dieses annehmbare Weihnachtsgeschäft nur zu gönnen.
" Schöffen beim Jugendgericht Gießen. Als Hauptschöffen jur die Sitzungen des Großen Jugendgerichts Gießen für das Jahr W27 wurden ausgelost: Ploch, Rudolf, Bei- geordneter in Butzbach, Haas, Justus, Werkmeister in Gießen, Hanauer, Wilhelm, Dermesiungsrat in Gießen, H u blitz, Otto, Kassenbeamter in Gießen, Sommer. August, Kreisobersekretär in Friedberg-Fauerbach, Weiß, Georg Jakob, Weißbinder in Watzenborn-Steinberg. Als Hilfsschös« fen für das Große Jugendgericht wurden gewählt: Stuhlschreiner Julius 5) e n k e l, Frau Helene Henneberg, geb. Fritze, Unio.-Prof. Dr. Herrn. Hirth, Geflügelhändler Wilhelm H o r m a n n , Mechaniker Jean Heines, Baufekretär Philipp Haller, alle in Gießen. — Als Haupt schössen für die Sitzungen des Kleinen Jugendgerichts für 1927 wurden durch das Los bestimmt: Heck, Robert, Oberpostsekretär, Gießen, Heimes, Marie geb. Möller, Gießen, Hirsch, Theodore geb. Ploch, Gießen, H o h m e i ,e r, Karl, Schlosser, Gießen. Klingelhöser, Georg, Anstreicher, Gr.- Linden, Peter, Heinrich VII., Reiskirchen, Rinn, August Friedrich, Schlosser, Heuchelheim, Voigt, Karl, Schreiner in Wieseck. Als Hilssschösfen für das Kleine Jugendgericht wurden gewählt: Oberbibliothekar i. R. Pros. Dr. Emil Heuser, Frau Hedwig Hey mann, geb. Schmidt, Werkmeister August Hillgardt, alle von Gießen.
• * Der Gottesdienst der israeliti- schen Religionsgemeinschaft am Sams- lagoormittag 8.30 Uhr findet mit Predigt statt. Zur Richtigstellung der gestrigen Mitteilung sei ausdrück, lich hieran erinnert.
** Rettungsbien st b e r Sanitätfc- tol 0 nne in her Silvesternacht. Die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz in Gießen wird in der kommenden Rächt für etwa vorkvmmcnde Unfälle eine DereitschaftS- wache in dem Depot der Kolonne, Sonnenstraße 2. halten.
* • Geschäftsjubiläu m. Am morgigen 1 Januar kann der Bäckermeister Ludwig Krone n b c r q Löwengasse 23. auf das 50jährige Bestehen seines Geschäf es zurückbllcken.
* * Gin Siebzigjähriger. Am 1. Januar wird der Gastwitt Jean Arnold, Zum Schipka- paß", 70 Ihre alt. Er sühn noch in voller körperlicher und geistiger Frische seine ausgedehnte Restauration verfönlich.
• * Sektionsbefund. Gestern nachmittag nahm der Gerichtsar-t Medizinalrat Dr. Waltz e r in Gegenwart her Gerichtsbehörden die Sektion der Leiche des auf so tragische Weise ums Leben fdämmeren ®ärt’*e:clDefirJeT5 Edua«^ Rieger vor. Der Befund ergab: EeHirnblutung an der Außenseite deS GehirnS zwischen Der harten und weichen Hirnhaut am Hinterhaupt und an der rechten Schläfe, bi? den alsbaldigen Tod des Mannes herbri'ührte. Mit diesem Er-- gebnis wird der ärztliche Befund, den Dr. med. Wolf unmi.telbar nach dem Vorfall seststellte. in vollem Umfang bestätigt; zugleich werden damit auch die in der Stabt herumschattrrenden Erzählungen über ei-cn Schate'bruch des bebau- ernswe.-'en Mcn ei als grund.os wide.legt. De. in diese Ai.äre verwickelte Obergrenadier Linden wurde vorgestern von der Kaserne in das Landgerichtsgefängnis über ührt, gestern abend aber fieber auf fre'.en Fuß gesetzt
* • Die Kurzschrift ist seit Jahrzehnten ein unentbehrliches Hilfsmittel für jeden schreibenden
Beruf Durch di« Einführuna der deutschen Ein- heitskurzschttsl ist sie aber rift $u der Betzeurung gelangt, di« ihr gebührt. In den Genuß der Vorteile tritt jedoch nur derjenige, der di« Kurzschrift gründlich erlernt und sich eine yewist, Fertigkeit in ihrem Gebrauch ju eigen macht. Gelegenheit dazu, io schreibt man »Ns, ist jedem geboten durch den Besuch der am Donnerstag, 6. Januar, in der Goethe- schule — neben Hol«! schütz in der Westanlage — unter sachkundiger Leitung beginnenden Anfänger- und Fottdildungslehrgänge, die der Babelsberger- dem Damenverem „(Babelsberger' ausschreidi. Man beachte die heutige Anzeige.
" Die Ortskrankenkasse Gießen- Stadt gibt im heutigen Anzeigenteil bekannt, daß die rückständigen Beiträge für die Zeit vom S. November bis 5. Dezember noch bis zum 11. Januar ohne weitere Kosten bezahlt werden können.
• • D i e Einlösung der Iheaterabon- n e m e n t s muh am kommenden Montagnackmit- tag erfolgen. (Siehe heutige Bekanntmachung.)
• E i n S i s« n b e t o n k u r s u » ist für die näch- ften läge im hiesigen Gewerbehaus beabsichtigt. Im heutigen Anzeigenteil wird zur Anmeldung bei Dr. B ü n n i n g » (Gewerbehaus) aufgeforbert.
• • Der Hauptgewinn der Frankfurter Lotterie „Haus der Jugend". Der Hauptgewinn der Wohlfabrtsloitett« ..Haus der Jugend" im Betrage van 30 000 Mark Hel auf die Nummer 207 206. Die Prämie von 1Ö 000 Mark fiel auf einen Gewinn im Wette von 10 Mark mit der Nummer 876 168.
' Richtigstellung. Zu unserem WSR.« Bericht aus Offenbach a. M. (in ber Ausgabe vom Dienstag) über Ausschreitungen eine« angeblich beurlaubten Nervenkranken gelegentlich einer Schlägerei teilt uns die Hessische Heilstätte für Rervenkranke in Gießen mit. daß eS sich, entgegen jenem Bericht, bei dem Vorfall nickt um einen Patienten ber Rervenheilstätte Gießen handelt, sondern um einen Insassen eines anderen Gießener Krankenhauses. Die von der Rervenheilstätte Dießen auf Weihnachten mit Zustimmung der Landesversicherungsanstalten und Ortskrankenkasse beurlaubten Patienten kehrten ordnungsgemäß wieder und liehen sich der- artige Ausschreitungen nicht zu Schulden kommen.
•• Eine Prole st Versammlung des Hessischen Beamtenbundev ist auf kam- menben Sonntag vormittag nach Darmstadt in den Saal des „Perkeo" einberufen worden. Die Kundgebung soll sich gegen den Beschluß des Hessischen Landtags über die Weihnachtsbeihilfe, d. h. gegen die Versagung dieser Beihilfe an die Gruppen 7 vis 12 richten. Die hessischen Ministerien und der Landtag sind zu der Versammlung eingeladen, wobei ihnen Redefreiheit zugesagt ist.
Kunst und Wissenschaft.
Der Bremer Schauspielpreis.
Der vom Goethebund-Vremen in Verbindung mit dem Bremer Schauspielhaus im April d. 3. ausgeschriebene Schauspielpreis ist am 29. Dezember verteilt worden. Eingereicht waren 1080 Bühnenwerke. Das Preisgericht kam zu der Veberzeugung, daß keinem ber eingereichten Stüde ber volle Preis zuerkannt werden rönne. Statt dessen sind von der verfügbaren Summe zwei Preise von je 1000 Ml. verteilt worden, und zwar für die beiden Einakter ..Saul“ und „AlkestiS" von Alexander Lernet-Holenia- Klagenfurth und für „Dornenweg, dramatische Svenen aus ber russischen Revolution" an H L e- toabtn-Berlin Ferner sind brei Prelle zu le 500 Mk. verteilt worden, für die Komödie „Quinteß" an Peter Baum, für bas Drama „Toni" an Gina KauS und für bas Kammer- spiel „Das Land im Rücken“ an Herbert S ch e s f- l e r. — Unter den Preisrichtern befand fick auch der Literarhistoriker unserer Unioerfilät, Prof. Dr. Victor.
Gerichtssaal.
WSR. Frankfurt a. M.. 30. ’SJey Dor dem Schöffengericht hatte sich heute ein Berufs- einbrecher. bet Schlößer Paul Arndt, zu verantworten ber stets „alleine arbeitet". Seine Spezialität sind Einsteigebieb- stähle. So wurde er kürzlich in Gießen wegen verfchi.dener Einbrüche in Bad - Rau - heim zu liebeneinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt. Der Angeklagte ist ein hartgesottener Sünder. Rur was ihm unbedingt nach- gewiefen werden kann, gibt er zu. im übrigen bestreitet er hartnäckig. AuS der Menge der bcigezoc,enen Dorstrafeak.en yeht hervor, daß er sich nie zu einem Geständnis bequemte. Seine Einwendungen wurden fast immer widerlegt. Io daß man ihm. wie der Vorsitzende mehrfach betonte, kein Wort glauben kann. In einem Falle toarteiq;^ r"- Parterrezimmer eingestlegen, das eine Post^. jo;n c. Er stahl a.lcS, was
Wert hatte. 6t. ftSa^r f chs Monate diltterte daS Gericht dem rückfälligen T-eb zu, ber die Tat bestritt^ durch die Beweisaufnahme aber als überführt betrachtet wurde. In einem weiteren Falle riß er einen Grabstein auf dem Dockenheimer Friedhof von einem Grab und fetzte ihn feinem Vater auf das Grad. Linen Rosen Hochstamm entwendete er von ciaem andern Grab und pflanzte ihn auf bad gleiche Grab. Der Zweck ber Hebung war. von f:t-.en Verwandten Geld für bie Anschaffung zu bekommen, was ihm auch gelungen ist. Auch hter verlegte sich bet Angeklagte hartnäckig aufs Leugnen, trotzdem er glatt über- sührt wurde. Für dtt.se Fälle verurteilt« ihn daS Gericht wegen Grabschändung und Diebstahls in jlcei Fällen zu einem Jahr und neun Monaten Zuchthaus, so daß et also insgesamt noch etwa neun Jahre Zuchthaus ab'ubrummen hat.
Bekanntmachung
Die Einiö'unq ber Theaterabonne- inenlä hat am Montag, dem 3 Januar 1927, in der von 3 — 6 Uhr nachmittags u erfolgen. 1O863B
Gttßen, den 30. Dezember 1926.
Der Oberbürgermeister.
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