Ausgabe 
31.8.1926
 
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Nr. 203 Zweites Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberheilen)

Etappen im Wiederaufbau der Weltwirtschaft.

Bon Sir Josiah Stomp, Gouverneur der London School of Econonucs. K. D. E.. Mit­glied Dcs Dawes-Ausfchnsses, London.

In unseren bisherigen Bemühungen um einen Wiederaufbau der Wcltloirtschaft können toir beim Ueberblick von hoher Warte aus drei verschiedene Phasen beobachten. Die erste Phase ist diejenige der Erkenntnis, bah etwas Grund­legendes geschehen müsse, um den gegcntoärtigen unerträglichen Zustand aus der Welt zu schas­sen, die zweite ist diejenige des Planenlwurscs, d. I). die Dorbereitung des praktischen Schrittes, und die dritte ist diejenige des Abwartens, der Ernte. Ohne Zweifel ist die dritte Phase öic schwierigste und gefährlichste. Die Reihenfolge dieser Entwicklungsphasen ist notwendig.

Es ist auherordentlich wertvoll, dah jedem Problem des Wiederaufbaues einer stark er­schütterten nationalen oder internationalen Wirt­schaft eine möglichst weitgehende Crkemrtnis vor- hcrgehen sollte, dah ein Zustand besteht, der sich nicht aus sich selbst heraus bessern kann. Es ist ferner notwendig, dah sich allmählich eine gemein,amp auf den Punkt der Behebung dieser Mißwirtschaft eingestellte Diskussion entwickelt und dah die ganze Frage von möglichst vielen Seiten aus beleuchtet wird. Als Abschluß entsteht dann die Erkenntnis, dah selbst nicht die allgemeine Diskussion und der Vorschlag von allerhand wirtschaftlichen Maßnahmen oder politischen Kunstgriffen ausreicht, um zum Ziele zu kommen, sondern dah sich eine Gruppe von Wirtschaftlern aus aller Welt zusammensehen muh. um einen bestimmten Plan zu entwerfen.

Das.bringt uns zu der zweiten Phase, dem Wiederauf bau plan. Hierbei muh man sich vor allem davor hüten, das Thema zu weit zu stellen und etwa alle wirtschaftlichen Belange. Rassen- poobleme. politischen Fragen usw. in das Pro­gramm einzubeziehen. Ohne bah den wirtschaft­lichen und psychologischen Tatsachen irgendwie Zwang angetan wird, muh ein Plan zu entwerfen versucht werden, der die Möglichkeit der Durch­führung bei geringster Kraftanstrengung und ge­ringster Störung der Allgemeinwirtschast bietet und der einer Diskussion vor der Oeffentlichkeit stand hält.

Die dritte Phase ist. wie gesagt, die schwerste von allen. Sie ist die Erwartung der Ernte. Der Dawesplan stellt meiner Meinung nach das weltwirtschaftliche Wiederaufbauproblem im An- sang der dritten Phase dar. Wir hatten die Aeberzeuguug. dah irgend etwas getan werden müsse und dah ein Treibenlassen der Weltwirt­schaft zur Anarchie und zur Vernichtung unserer bisherigen Kultur führen würde, schon längst gewonnen. 3m Jahre 1923 begann die Erkennt­nis feste Form anzunehmen. Die zweite Phase seifte ein, als Owen Poung sich hinfehte und allerhand Gedanken von sich gab, die zu grohan- gelegtcn und nach entsprechender Diskussion zu wertvollen Leitsätzen formuliert wurden. 5Hc dritte Phase, in der wir uns jetzt befinden, die Erntezeit, verlangt vor ollem Geduld und wieder Geduld Das kommt daher, dah. wenn man ein bestimmtes System ins Leben gerufen hat. es nie sofort in der gewünschten Weise zu funktionieren beginnt, sondern dah sich meist dann erst die Schwierigkeiten zeigen. Bei der Lösung der ver­schiedenartigen wirtschaftlichen Probleme, denen wir heute gegenüberstehen, haben wir eben die Wahl zwischen ganz verschiedenen Wegen: es ist daher auch recht schwierig, die richtige Wahl zu treffen. Mit unserem Gefühle schwingen unsere Ansichten über die Wahl unserer Mahnahmen. Haben wir aber einmal die Wohl getroffen, so wäre es völlig verkehrt, die Schwierigkeit des eingeschlagenen Weges immer wieder ans Licht zu ziehen und die Vorteile der übrigen Wege

zu beleuchten. Wir haben einen Weg gewählt mit vollem Bewuhtsein. dah er gewisse Rach» teile besitze, und wir wissen auch, daß andere Wege gewisse Vorteile zeigen. Mit einem dauerirden Abwiegen der Dor- und Aachteile berauben wir uns des Vorteils der energischen Durchführung. Diese Durchführung des Systems ist meistens recht langweilig, kostspielig und sür dir Begründer ost recht peinvoll.

Es stellen sich dann nämlich auch die oft langwierigen Stadien des Mißtrauens und der Zweiselsucht ein. genährt meistens von solchen Persönlichkeiten, denen nichts angenehmer ist. als irgendeinen Gegenstand zu beobachten, um nachzusehen, ob er wirklichnach Vorschrift" gedeiht. Hier wäre zu prüfen, welche von diesen Zweifeln berechtigt sind.

Untersuchen wir doch den Dawesplan einmal ohne Voreingenommenheit I 3ch hasse jene Art von krankhafter Beobachtung, die sich in einer ständigen Zweifelsucht und in einem Heraus- finden von allerhand Fehlern bemerkbar macht. Da der Dawesplan, wie dies von Anfang an festgestellt wurde. Zeit zu seiner Durchführung gebraucht, so gewähren wir ihm ruhig noch etwas Zeit. Denken wir aber nicht ständig daran, ob nicht ein anderer Weg besser gewesen wäre. Wir müssen uns davor hüten, ständig zu kritisieren und ihn. der einer zarten Pflanze gleicht, ständig aus dem Erdreich zu ziehen, um die Wurzeln

das richtige Mittel zur Behebung wirtschast- licher Ucbel ist, sondern daß sie noch weitere Hilfe nötig haben, so hätten wir schon viel er­reicht. Bis für die Aolwendigkeit wirtschaftlicher Denkungsweise tatsächlich größere Erkeimtnis be­steht. formen wir noch nicht aus wirklichen Erfolg rechnen. Man fühlt, daß Frankreich gegen ein sehr schwieriges Problem ankämpst. indem es in seinem Staatshaushalt Ausgaben und Einnah­men ins Gleichgewicht zu bringen sucht. Die Ausbalancierung eines Budgets ist nämlich viel leichter auf einer stabilen Währungsgrundlage, als auf einer Währungsgrundlage, die sich dauernd verändert. Frankreich hat auch leider weder die politische noch die verwaltungstech­nische Organisation, um dieses Problem zu lösen, und auch seine Steuerzahler sind alles andere als enthusiastisch in der Unterstützung der Regierung. 3ch glaube. Frankreich braucht noch viel Zeit und Geduld zur Lösung seiner Probleme und eine gründliche Reorganisation seiner politischen und administrativen Einrichtungen, bevor es daran denken kann, dem wahren Wiederaufbauproblem wirklich energisch zu Leibe zu gehen. Hat es aber einmal einen Weg gewählt und setzt die dritte Phase der Ernte ein, so wird auch Frankreich große Geduld notwendig haben, weil die Stabili­sierung seines Geldwesens doch nicht ohne Rück­schläge vor sich gehen kann und weil die Lösung der Frage, was mit den früheren Spargeldern

Nicht witde NeStame! Me Jettungsameise belebt das Geschäft!

zu betrachten. Soweit der Dawesplan. Andere weltwirtschaftliche Probleme sind in anderen Phasen.

Wemi wir uirs Frankreich betrachten und bei ihm das Wiederaufbauproblem in seinen drei Phasen studieren, so erscheint es uns beinahe, als ob Frankreich noch nicht einmal die erste Phase, nämlich diejenige des Erkennens, daß irgend etwas geschehen müsse, erreicht habe. Vor­läufig hat man noch nicht einmal das Gefühl, daß ein so delikates Problem wie das des wirt­schaftlichen Aufbaues nun und nimmer durch ein aus den verschiedensten Richtungen zusammen­gesetztes Parlament und ein stets wechselndes Ministerium gelöst werden kann. Wenn wir daher, ohne die Franzosen mutlos zu machen, sie davon überzeugen können, daß Politik nicht

geschehen soll, dort ebenso schwierig ist, wie in allen anderen Ländern, die eine Inflation er­lebten.

Ich glaube, daß England seine außerordent­lichen Schwierigkeiten bisher in glänzender Weise gelöst hat. Es konnte seine Budgets allerdings unter größten Opfern zum Ausgleich bringen, es hat seine Währung stabilisiert und befindet sich nunmehr in der dritten Phase, die wir als die Phase der Ernte bezeichnen. Sie verlangt Ge­duld und immer wieder Geduld. Der Dudget- ausgleich ist erreicht, der Preisabbau wichtiger Wirtschaftsprodukte wurde in den letzten zwölf Monaten kräftig durchgeführt. Das bedeutet natürlich ein Opfer für alle industrielle Unter­nehmungen. die an diesem Abbau teilnahmen, aber besondere Opfer für solche Industriezweige,

Der verzauberte Eber.

Eine lustige Kriegsgeschichte.

Von Friedrich Freksa.

Am Offiziersstammtisch imFranziskaner" wurde am letzten Donnerstag dem Major Alz, der immer das ißt, was die Resi ihm vorletzt, ein Schweinebraten vorgesetzt, der mit seinem Fett, seiner Größe, der guten Soße und dem kräftigen Geruch einen völlig vorkriegsmäßigen Eindruck machte. Die Platte erinnert an jenes München, das nicht nur das Capua der Geister, sondern auch der Leiber war.

Wie das heute so Sitte ist, geschah das, was früher als Unfitte galt, die Herren reckten die Köpfe im Winkel aus dem Kragen heraus und beleckten mit ihren Blicken dies unwahrscheinlich herrliche Gericht.Liebes, totes Sier!" seufzte der frühere Pionierhauptmann Hoch, der als der Komiker am Tische galt.

Aus diese Worte hin ließ der Major, der rüstig wie der Menschenfresser auf den Kinder­bildern die Serviette vorgebunden und Messer und Gabel ergriffen hatte, die beiden Ehwerke sinken und begann mit schweren Stößen aus dem Zwerchfell heraus laut zu lachen. Die Orderen Mitglieder des Stammtisches zogen die Mpfe wieder ein und starrten geduckt auf die mehr oder minder gefüllten llMrzenbiergläser. Das böse Gewissen aus der Kinderstube war er­wacht.

Eie haben mich an ein Felderlebnis erinnert, Hoch." sagte der Major,das mit zu dem Er­quicklichsten gehört, was draußen geschehen ist."

Wieder fuhren die Köpfe aus den Kragen, wandten sich im Winkel und alle Münder fragten befreit:Was für ein Erlebnis war das, Herr Major?"

Der Pionierhauptmann aber bemerkte höflich:

Ich glaube, wir lassen das liebe, tote Schwein, solange es noch warm ist. dahinwandern zum Orte seiner Bestimmung, in den guten Magen unseres verehrungswürdigen Herrn Ka° mcraden!"

Hernach also!" versprach der Rlajor und schnitt seinen Braten an und führte ihn unter der Spannung seiner Tischgenossen seinem Schicksals­orte zu.

Äls nichts mehr auf feinem Teller übrig war. wischte er sich den fett gewordenen Mund, nahm noch ein Stück Semmel, um sich den Schlund auszukehren, setzte den hydraulischen Druck eines halben Glases Bier auf die bewältigte Masse, legte sich aufatmend zurück und Hub dann an:

Gewiß werden einige von Ihnen Favreulles kennen, das übrigens von unseren wackeren baye­

rischen SchnigglsFavreuhles" gesprochen wurde. Dieses Dorf war fein allzu beliebter Rastort, weil die Front, wie sie ja Wohl noch wissen, hier wie eine Rase vorsprang und wir in der militärisch interessanten Lage waren, von drei Seiten Feuer zu bekommen.

Doch im glorreichen Jahre 15 trat das noch nicht so in die Erscheinung. Die Franzosen moch­ten hoffen, die ganze Ecke abzuzwicken, darum war es ihnen nur recht, wenn möglichst viel Ma­terial und Mannschaft in die Rase hineingestopft wurde.

Damals wurde eine Frontbahn die gebiete­rische Forderung von vier oder fünf Divisionen. Endlich war die Bitte von der sparsamen OHL. genehmigt. Eine Eisenbahnkompagnie zog in Favreulles ein. Es waren Familienväter mit langen Bärten, gut genährte Leute, die alsbald zu schaffen anfingen, wie es nur deutsche Arbeiter zuwege bringen. Als ein Bahnhof mit mehreren Schienensträngen entstand, wurde es dem Fran­zosen doch zu dumm, er begann nun ein sehr unangenehmes, wirksames Störungsfeuer zu unterhalten. Die Männer der Eisenbahnbaukom­pagnie liefen durcheinander wie ein Haufen auf­gescheuchter Ameisen, und dann begannen sie noch ärger zu arbeiten, aber nicht für die Eisenbahn, sondern für sich selbst. Sie fuhren in den Wald, holzten die Bäume ab und mischten Zement. Ihr Hauptmann stammte aus diesem Zweig der deut­schen Industrie und sorgte dafür, daß es ein guter Zement ward, ein Eisenbeton, in den alles hineingerührt wurde, was überhaupt nur kugel- und splitterfest machen farm. Und ein Unterstand wurde gebaut von einem solchen Umfang und von einer solchen Festigkeit, daß durchreisende höhere Offiziere fragten, ob hier ein Fort entstehen solle. Es war aber nur die einfache Behausung dieser Männer, die ihr Leben liebten, die hier emporwuchs und auch bald vollendet war.

Bis dahin war noch gute Zeit gewesen, doch nun fingen die Franzosen an, Ort und Umgebung dauernd mit Feuer M belegen. Fiel nach einer Pause der erste Schuh, so sausten alle Leute der Cisenbahnfompagnie in ihren Unterstand, schnell wie die Füchse, die vor den Hunden in den Dau liefen. Doch erwiesen sie sich als ungastliche Ge­sellen. Andere Kameraden ließen sie nicht in ihren Dau hinein und wiesen sie fort mit den Worten:Geht nur dahin, wo ihr hingehört und vermiest euren eigenen Leuten die Luft!"

Das trug nicht zur Beliebtheit der Kom­pagnie bet Unsere Schniggls glaubten fest und steif daran, Favreulles würde nur darum so böse hergenommsn, weil die Eisenbahner mit ihrem Unterftanb die Franzosen ärgerten.

Hinzu kam noch, daß die Kompagnie die beste Kantine in der ganzen Umgebung besah. Sie fuhren mit ihren Dräsinen und kleinen Lokomo­tiven in das Hinterland zurück und brachten alles mit. was ein Soldatenherz begehrt. Diese Herrlichkeiten verkauften sie so gerissen, dah sie selbst herrlich und in Freuden leben konnten von den Rickeln. die sie den anderen Kameraden ab- zwackten. Aber sie hatten nun einmal den besten Schnaps, den reinsten Wein, den angenehmsten Tabak und das beste Bier. Bei ihnen habe ich das einzige Mak im Felde helles Kulmbacher getrunken. Meine Herren, unser Märzen hier in Ehren, aber über das helle Kulmbacher damals im Felde im März 1915 geht doch nichts!"

Alle Mitglieder tranken mit wehmütigen Augen ihre Gläser aus.

Aun war der Kantinenmensch dieses schnö­den Vereins, ein großer, wohlgenährter Mann, der während der heißen Zeit in der Kleidung eines Koches feinen Dienst tat. Er pflegte das Bier sorglich, bereitete ausgezeichnete Fleisch­speisen und setzte die peinlichen Wucherpreise fest. Er brachte auch eines Tages ein Läufer­schwein aus Plappeville mit. das von der ganzen Kompagnie liebevoll hochgefüttert wurde.

Hansl war ein zutrauliches Sier. Anfangs durste es sich in den kleinen Diergarten drängen, wo es unanständig und aufdringlich Rahrung von den gutmütigen Schniggls erbettelte. All­mählich wuchs der Eber, fein Rücken strotzte von Fett, er begann sich herrisch zu gebärden, riß Richtsahnenden das Brot aus der Hand: er überfiel sogar die Seiler der Leute, die es sich nicht gerade versahen. Doch dieses Betragen Hansls sahen seine Rährväter gerne. Der Kan­tinenmensch verteidigte ihn als das wahre Feld­zeichen dieses Dereins, so dah die sonst Tiere liebenden und gutmütigen Schniggls und Schwolehs das Biest zu hassen begannen, zumal seine Rähr­väter, während sie es betasteten und streichelten, immer davon sprachen:Hans was für ein schö­nes Christkind wirst du abgeben, wenn du ge­braten auf der Weihnachtstafel stehst!"

Das wurde selbst dem dümmsten Frontham- mel zu dumm und um das Sier vor Reid und Haß zu schützen und um es auch besser zu mästen, wurde es von dem Kantinenmenschen in einen gut gesicherten Derschlag gebracht.

Oktober und Rovember brachen besonders heftige Kämpfe aus, nachts kamen ständig orts­fremde Truppen durch, die einige Stunden Rast machten und daitn noch vor Sagesanbruch in ihre Frontabschnitte abrückten. Mit diesen Männern lebte die Eisenbahnkompagnie in besonderer Fehde. Der Soldat vor der Schlacht nimmt noch

Dienstag, 31. August 1926

bei denen die andere Seite des Hauptbuches, der Einlauf, nicht einen gleichen Rückgang der Preise aufwies. Was immer man sagen mag über die Leistungsfähigkeit unserer Industrie, ich behaupte, daß das Gleichgewicht erst wieder gefunden wer­den kann, wenn die europäischen Käufer in ihrer Kaufkraft gestärkt worden sind. Sann auch wird sich erst das Hebel, das wir heute in vielen Ländern finden, nämlich die starke Beschäftigungs­losigkeit. wieder von selbst heben.

Wir leiden noch unter allerhand wirtschaft­lichen Irrlehren. Wir haben z. B. noch nicht das Problem des wirklicher Produltionsumfanges richtig erkannt. Wir müssen noch lernen, daß wir große Einnahmen nur erwarten dürfen, wenn wir auch viel produzieren. Gerade diese Lehre ist heule außerordentlich schwer, well die wirt­schaftliche Lage ihr zu widersprechen scheint. Als vorübergehende Wirtschastsprlitit ist eine der­artige Politik falsch. Es würde auch für gewisse Industriezweige nicht ratsam fein, sie zu ver­folgen. Wir können z. B. unserer Werstindustrie, die sich in sehr schwieriger Lage befindet, nicht zurufen, das Geheimnis eurer Rettung liegt in größerer Produktion. In dem gleichen Augen­blick. in dem die Werftindustrie mehr produzieren würde, würde sich eine Ueberproduktion an Schiffsraum ergeben, da die Märkte noch nicht vorhanden sind, die eine solche Ueberschmhpro- duttion aufnehmen könnten. Ich glaube aber, daß unsere Industrie mit der Zeit sich mit allen diesen Gedankengängen und Zusammenhängen vertraut machen wird und daß dies dann zu ihrem eigenen Dorteil und zum Segen der Welt­wirtschaft gereichen wird.

Die Gedankengänge, die mit dem Wieder-« aufbau der Weltwirtschaft zusammenhängen, haben eine sehr vielgestaltige Art der Betrach­tung. Die Zeit ist vorüber, in der derartige vor­wiegend wirtschaftliche Fragen durch Parlamente allein gelöst wurden ober in der die einzelnen Regierungen ober qar einzelne Diplomaten sich zum Zwecke der Lösung zusaminensehten. Man erkannte mit der Zeit, daß es nötig sei, die An­sichten der Weltautoritäten gleichsam in einem Brennpunkte zu sammeln. Heute bildet die Or­ganisation der internationalen Handelskammer, der Dölkerbund oder die kommende Weltwirt- schaftskonserenz den Wegbereiter kommerzieller Gedanken, die für den Wiederaufbau der Welt­wirtschaft von größter Sragtoeite sind.

Die Wettfilm-Industrie.

(Don unserem Pariser >X'.8.-Korrespondenten.)

Angesichts der schwankenden Wechselkurse in einigen Ländern ist es nicht ganz leicht, eine vergleichende statistische Darstellung zu geben über die Entwicklung, die die Filmindustrie in den einzelnen Ländern in den letzten Jahren ge­nommen hat. Mehrere internationale Export- Zeitschriften haben trotzdem versucht, diese Ent­wicklung zifternmähig darzustetten und sind dabei zu überaus interessanten Ergebnissen gekommen. Wir entnehmen diesen Darstellungen folgende Angaben:

Das gesamte Kapital, das in der internatio­nalen Filmindustrie investiert ist. schwankt von 1921 bis heute zwischen 2 und 3,5 Milliarden Dollar. In den Dereinigten Staaten, von Amerika nimmt die Filmindustrie be­reits den 3. Rang unter sämtlichen Industrien des Landes ein. Die größte Industrie in Amerika ist die Konserven Industrie mit 2,2 Milliarden Dollar investiertem Kapital. Es folgt die Auto- mobil Industrie mit 1,7 Milliarden Dollar und unmittelbar danach die Filmindustrie mit 1,5 Milliarden Dollar. Es bestehen gegenwärtig in den Dereinigten Staaten von Amerika rund 250 Filmgesellschaften, von denen 25 zu großen Trusts zusammengeschlossen sind. Diese zahlen jährlich ihren 50 000 Angestellten 75 Millionen Dollar Gehalt. Die Einnahmen der amerikanischen Kinos

einmal alles Gute mit, was er kriegen kann und zahlt nicht gern. Und Zahlen" schrieb der Kan­tinenmensch groß.

So ein Sturmhaufen kam auch eines Abends im November in Favreulles an. In der Kantine gab es einen Heidenkrach, denn die Schniggls wollten sich nicht übers Ohr hauen kaffen. Fcldpolizei mußte einfchrciten. Endlich wurde die Ruhe wieder her­gestellt. Die Eisenbahnkompagnie zog sich grollend in ihren Unterstand zurück.

Am Morgen nach diesem Vorfall machte ich in der Frühe einen dienstlichen Ritt, der mich an der Kantine vorbeiführte, ich schrie hinein, man solle mir ein Kirschwasser geben, der Kantinenmensch kam verschlafen heraus, reichte mir Glas und Flasche und begab sich zu dem Kosen, in dem er den Eber mästete. Er beugte sich über die Planken und sprang dann hoch, wie ein Fisch, der die Angel spürt. Dann stieß er einen Schrei aus, wie ich ihn nie zuvor gehört habe. So jammert eine Asfen- mutter, der ihr Junges geraubt wird. Am Eckpfahl rüttelte er und schrie:Verzaubert! Verzaubert! der Hans ist verzaubert!" Auf sein Gezeter kamen einige Leute aus dem Unterstand heraus, die mit offenen Mäulern und entsetzten Augen in den Kosen starrten, als wäre darin das fürchterlichste Unglück geschehen.Verzaubert!" schrie der Koch noch immer, undverzaubert!" schrien ihm die Leute nach.

Einige Chevauleger kamen herzu. Aks sie in den Kosen schauten, sprangen sie empor, schlugen sich vor Freude aus die Schenkel und begannen bann laut und herzlich zu lachen über den Jammer der andern.

Ich winkte mir einen der Reiter heran und fragte:Was ist da vorgefallen?"

Der Mann stand stramm, konnte aber ein Ge­lächter kaum unterdrücken. Er kaute die Worte: Herr Major, melde gehorsamst, der Eber Hans von der Baukompagnie ist in einen Hund ver­zaubert!"

Ich ritt näher an den Kosen und erblickte darin einen häßlichen, mageren, großen, braunen, räu­digen Hund, dem die Zunge blaurot aus dem Maule heraushing. Immer mehr Mannschaften drängten herzu. Es fielen die Worte:Ist das euer Weihnachtshund? Wollt ihr den mageren Köter als Festbraten fressen? Ach geh, das ist ein Suppenhund!"

Ich ritt weiter, um den Leuten mein Lachen nicht zu zeigen. Mein Zwerchfell wurde so ge­schüttelt, daß ich fast vorn Gaul fiel. Aus der Ferne noch hörte ich die Wotte, die die Schniggls und Schwolehs zur Kompagnie herüberriefen:Hundtt freffer!"

Und den Namen hat der Verein behalten. _______________________ !