Ausgabe 
31.8.1926
 
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heil einen entsprechenden Beschluß faßt. In allen Fallen kann die Zahl der so wiederwählbaren Rats­mitglieder ein Drittel der Gesamtzahl der nichtstän­digen Ratsmitglieder nicht überschreiten.

3. Die Zahl der nichtständigen Ratsmitglieder wird auf neun erhöht. Für die äleber- gangszeit sollen am Ende der beiden ersten Jahre durch Los die drei nichtständigen Rats- Mitglieder bestimmt werden, deren Mandat ab- läuft. Bei der Wahl 1926 werden neun Mit­glieder gewählt, wovon ein Drittel als wieder wählbar bezeichnet werden kann. Durch diese Abänderungen wird somit der frü­here Artikel 3 über das Recht der Völkerbunds­versammlung auf jederzeitige Abberufung der nichtständigen Ratmitglieder fallen gelassen, wäh­rend der jetzige Artikel 2 die Bestimmungen über die Wiederwählbarkeit neu regelt und insbe- sorrdere die Möglichkeit vorsieht, daß die Wieder­wählbarkeit sofort bei der Wahl sestgestellt wird. Artikel 4 schließlich überläßt dem Lose die Ent­scheidung über die nach einem beziehungsweise zwei Jahren ausscheidenden nichtständigen RatS- Mitglieder, während nach dem urspr-ünglichen Vorschlag die bevorstehende Döllerbundsversamm- lung für die ^lebergangszeit drei nichtständige Ratsmitglieder für ein Jahr, drei für zwei Jahre und drei für drei Jahre hätte wählen sollen.

Wie Havas meldet, war der erste Eindruck dieser Vorschläge auf die Versammlung günstig gewesen. Man wußte der französischen Regierung Dank für den Versuch, durch geeignete Bestim- inungen, die von einigen für den Rat kandidieren­den Staaten geäußerten Befürchtungen zu zer­streuen. Die Erörterung der französischen Vor­schläge hat gezeigt, daß die juristische Technik und die Politik oft schwer miteinander zu vereinbaren sind. Der kritischeHang gewisser Mit­glieder des Ausschusses betätigt sich auf Kosten der Vorschläge Fromageots. Zn politischer Hinsicht könne die merkwürdige Feststellung ge­macht werden, daß die meiste und schärfste Kritik gegenüber dem abgeänderten Entwurf hauptsäch­lich von Ländern wie Italien, Belgien und Schweiz käme, während die Bereitschaft Frank­reichs, Englands und Deutschlands, ihn zu ver­teidigen. deutlich hervortrete. Allerdings, so heißt es in der Auslassung weiter, ist zu be­merken, daß die Beratungen von Anfang bis zu Ende ausschließlich technischen Charakter hatten.

Englands Instruktionen für Genf

Kein Aufrollen der Tangerfraqe.

Genf, 31. Ang. (£11.) Wie der Genfer Vertreter der Telegraphen-Union von maßge­bender englischer Seite erfährt, ist die englische Delegation für die Studienlommission mit g e - n du fe st gelegten Instruktionen nach Gens gekommen. Diese Instruktionen besagen, daß sich die englische Delegation mit allen ihr zu Gebote steheirden Machtmitteln für Deutsch­lands Eintritt in den Völkerbund einsehen und alle diejenigen Bestrebungen be­kämpfen wird, die dagegen gerichtet sind. Die englische Delegation hat weiterhin die strikte Weisung, über die Tangerfrage in Genf unter keinen Umständen zu verhandeln, da das Tangerprvblem mit dem Völkerbunde in feinem Zusammenhang steht. Sollte wider Er­warten die spanische Regierung aus der Ab- / lehnung ihrer Forderung auf einen ständigen ' Ratsitz die Konsequenz ihres Austrittes aus , dem Völkerbunde ziehen, so könne die britische Regierung davon nur mit Bedauern Kenntnis . nehmen.

Chamberlain zur Tangerfrage.

Sonbon, 30.August. (WTB.) In der heutigen * Unterhaussitzung erklärte der Staatssekretär des . Aeußern Sir Austen Chamberlain: Die Re­gierung hat die spanische Tangernote beantwortet und erklärt, sie könne einer Einverleibung Tangers in die spanische Zone nicht zustimmen, sei jedoch bereit, gemeinsam mit der französischen und spanischen Regierung die Bedingungen zu er­örtern, unter denen die Zustimmung der Mächte, die bisher die Tangerkonvention nicht angenommen haben, erreicht werden kann. Bei einer solchen Er- örterung würde es der spanischen Regierung frei- stehen, ihre Ansichten unter gebührender Beachtung der bestehenden Verträge und Vereinbarungen dar- zulegen. Seiner Meinung nach sei die Tagung der Völkerbundsversammlung nicht ein geeigneter Platz für eine solche Erörterung. Zweckmäßigerweise würde auch eine Erörterung unter den von ihnen bezeichn^en Mächten eine Doroerbandlung für Er­örterung»! mit anderen Mächten fein.

Spaniens Forderungen.

Eine offiziöse Erklärung: Kein Völker­bundsmandat, sondern Einverleibnng

Tangers.

San S e b a st i a n , 20. August. (Wolff.) Der Minister des Auswärtigen veröffentlicht folgende offiziöse Roke: Die spanische Regierung hält es für nötiq, um die öffentliche Meinung der Welt in die Lage' zu setzen. Die Gerechtigkeit und Richtigkeit dec Gründe ihrer Forderung zu beurteilen, Die Bedeu­tung und Tragweite dieser Forderung genauer zu bestimmen. Spanien ist der Meinung, daß die end­gültige Lösung der langerfrage darin bestünde, diese vtadt und ihre Umgebung der spanischen Protektoratszone in Ma­rokko e i n z u v e r l e i b e n , mit der sie eng ver­bunden ist, und ohne die sie alle Elemente des Eigenlebens entbehrt. Diese Einverleibung, falls sie von allen Nationen gutgeheißen wäre, die die Tangersatzungen unterzeichneten, oder die dazu ein­geladen würden, sollte selbstverständlich auf folgen­den Grundlagen erfolgen: Verbot, den Platz zu befestigen oder ihn zu einer Flotten- oder Luftbasis auszubauen, Gewährung der Handels­freiheit, Schaffung einer Verwaltung und Ge­richtsordnung, die die gleiche für alle wäre. Die spanische Regierung hat niemals die Anregung ausgesprochen, daß der Völkerbund, der nach ihrer Meinung, wie übrigens nach derjenigen aller direkt interessierten Regierungen, dem ganzen Pro­blem fernsteht, ihr ein Mandat erteilen sollte auf der falschen Voraussetzung, daß Spanien um dieses Mandat ersuchte. Die Schlußfolgerungen sind infolgedessen durchaus unzutreffend. Der Zusam­menhang, der nach spanischer Meinung zwischen der Tangerfrage und Spaniens Stellung im Völker­bund existiert, beruht nicht auf dem Gedanken eines vom Äölkerbund erteilten Mandates. Er wurde vielmehr durch den Umstand bedingt, daß eine neue Prüfung des Tangerproblems in bem Augenblick vorgenommen würbe, wo Spanien um bas Opfer gebeten mürbe, trotz der Nichterfüllung

seiner rechtmäßigen Forderung auf einen perma­nenten Ratsfitz im Völkerbund zu bleiben.

Die Ansicht Primo de Riveras.

London. 31. Aug. (TU.) British United Preß veröffentlicht heute ein Interview ihres Madrider Korrespondenten mit General Primo de Rivera, in dessen Verlauf der General u. a. folgendes ausführte: Wenn Spanien nur e'ine Vorzugsstellung in der Verwaltung von Tanger gegeben werde, so werde er diese Lösung des Problems ab lehn en, denn die internationale Verwaltung des Gebiets sei un­berechtigt und unzureichend. Spanien wurde in­dessen mit einer besonderen ArtvonPro- tettorat zufrieden sein, falls die Großmächte ihre Zustimmung geben würden. Er bestritt, daß die Einverleibung des Gebiets In das spanische Protektorat irgendeine Wirkung auf das Gleich­gewicht der Mächte am Mittelmeer haben werde. Gr stritt ferner ab, daß irgendeine Uebereinstim- niung oder eine besondere Abrede zwischen Italien und Spanien in dieser Angelegenheit bestände. Die spanische Regierung wünsche die Angelegen­heit in vollem Tageslicht zu behandeln.

(Einberufung

despanischen Cortes.

Paris, 31. Aug. (WTB. Funkfpruch.) Matin" meldet aus San Sebastian, wo sich der spanische Hof gegenwärtig aufhält, man be­schäftige sich lebhaft mit der Frage der bal­digen Einberufung der Cortes (Kam­mern), besonders wegen des Gesundheitszustandes des Kronprinzen, der eine Reuregelung der Thronsolg e notwendig mache. (Der 1907 ge­borene Infant Alfonso, Fürst von Asturien, ist an der Erbkrankheit des spanischen Königs­hauses, der £uberfulofe, schwer erkrankt.) Durch eine Revision der Wahlliste würde man Reu­wahlen vorbereiten, aber Primo de Rivera habe die Art der Abstimmung und die Befugnisse dieser Versammlung noch nicht festgesetzt. Die politischen Parteien glaubten ihren Mitgliedern Wahlenthaltung empfehlen zu sollen und haben zu diesem Zweck gemeinsame Besprechungen über die Grundzüge einer u. U. zu erlassenden Kund­gebung abgehalten. Der Konflikt zwischen den Artillerieoffizieren und Primo de Rivera dauert noch an.

Italiens Tangerpotttik.

Rom, 31. Aug. Im heutigen Ministerrat führte Mussolini aus, daß der zwischen Italien und Spanien abgeschlossene Freunds«Haftsvertrag einen Friedensfaktor darstelle. Falls zur Lösung des Tangerproblems eine internationale Kon­ferenz einberufen werde, habe Italien als Mtt- telmeer-Grohmacht und Unterzeichner der Al° geciras-Akte das Recht zur Mitwirkung bereits beansprucht. Das Tangerproblem stehe mit der Genfer Ratssihsrage in keinem Zusammenhang. Ferner sagte Mussolini, die Delegierten Italiens auf der bevorstehenden Völkerbundsversammlung hätten die nötige Handlungsfreiheit, um zu un- vorhergesehenen Situationen Stellung nehmen zu können.

Kleine politische Nachrichten.

Zur Vermeidung weiterer Streitigkeiten über das Reichsehrenmal wird jetzt darauf hin- gearbertet, eine Körperschaft von sechs oder acht Künstlern zu bilden, die von sich aus zu entschei­den hat, w o das Ehrenmal errichtet werden soll. Diesem Spruch hätten sich dann alle £eite zu fügen. Es besteht begründete Aussicht, daß eine Verständigung auf dieser Grundlage zwi­schen allen beteiligten Verbanden und Parteien erfolgt.

Der Hauptvvrstand der Rheinischen Bauernvereine hat den Austritt aus der Vereinigung der deutschen Bauernvereine be­schlossen, um den OBep frei zu machen zu einer beabsichtigten einheitlichen B a n k o r g a n i sa- tion der rheinischen Landwirtschaft unter der rheinischen Landwirtschaftskammer.

Die Aufwertun^sorganisationen Deutschlands haben in Erfurt getagt, um zu dem Zurückweisungsbeschluß des Reichsinnen­ministers Dom 18. August 1926 Stellung zu nehmen. Infolge der ablehnenden Stellungnahme von Regierung und Reichstag, besonders in der Aufwertungsfrage, haben sich die Organisationen zu einer einheitlichen Organisation zusammen­geschlossen.

Aus aller Wett.

Vierkötters Kanalrekord.

Der deutsche Meisterschwimmer Vierkot­ter durchschwamm den Kanal in 12 Stunden 42 Minuten und hat damit sämtliche Re­korde gebrochen. Der Versuch Vierkötters kam vollkommen überraschend. Um 1/21 Uhr hatte man ihn drei englische Meilen von der Küste entfernt gesichtet. Er befand sich in guter Ver­fassung und näherte sich unter günstigen Wetter­verhältnissen schnell der englischen Küste. Vier- fötter wurde von der schnell herbeigeeilten Men- | lchenmenge begeistert empfangen. Er ist der erste deutsch Schwimmer, der den Kanal be­zwang. Vierkötter ist Montag früh um 1 Uhr 35 Min. vom Kap Gris Rez abgeschwommen und betrat um 2 Uhr 10 Min. nachmittags die englische Küste in der Rähe von Dover. Die Rekordzeit von 12 Stunden 42 Minuten bleibt fast um zwei Stunden hinter der von Gertrud Eberle gebrauchten Zeit von

14 Stunden 30 Minuten, die schon als phänomenal bezeichnet wurde, zurück. Die Luft über dem Kanal war den ganzen heißen Tag über so unsichtig, daß man von Dover ans nicht sehen konnte, welche Fortschritte Dierkötter machte. Die erste bestimmte Kunde von dem Erfolge des deutschen Schwimmers bestand in dem Sirenensignal des französischen Schleppers Gurope", der ihn begleitete. Die ersten Personen, die Vierkötter bei der Landung an der eng­lischen Küste begrüßten, waren Mannschaften der Batterie von Langdon. Vierkötter ruhte sich zu­nächst am Strande aus und wurde dann von einigen Soldaten in das kleine Boot gebracht, das ihn begleitet hatte und ihn zum Schlepper Gurope" hinüberführte, auf dem er sofort wie­der nach Frankreich zurückkehrte. In Calais brachten ihm Vertreter der städtischen Behörden Glückwünsche und eine Blumenspende dar. Vier­kötter wurde im Hause eines Sportfreundes in Anwesenheit zahlreicher Sportsleute bewirtet und begab sich sodann im Automobil nach Sangatte, wo er Wohnung genommen hat.

Gertrud Ederle kabelte an Vierkötter die herzlichsten Glückwünsche zu seinem neuen Welt­rekord und forderte ihn zu einem Wettkampf im nächstenIahre heraus, wobei sie den Welt­rekord für ihr Geschlecht und ihr Heimatland zurück­erobern will.

Die Ostafien-Cxpeditiou der Lufthansa in Peking.

Die Ostafienexpedition der Deutschen Luft­hansa ist Montagnachmittag in Peking gelandet. Die 10 000 Kilometer lange Strecke von der deut­schen bis zur chinesischen Hauptstadt wurde in zehn Tagesetappen zurückgelegt. Auf Grund der vorliegenden Ergebnisse dürste die Reisezeit im Rahmen eines regelmäßigen Luft­verkehrs künftig fünf Tage gegenüber öer heu­tigen Eisenbahnfahrzeit von 17 Tagen betragen, wobei zu berücksichtigen ist, daß Rachtf lüge eine weitere wesentliche Verkürzung bringen wür­den. Der Empfang in Peking gestaltete sich zu einer eindrucksvollen Kundgebung. Der Einladung der Lufthansa waren viele führende Persönlich­keiten gefolgt und eine nach Tausenden zählende Menschenmenge harrte der Ankunft der deutschen Flugzeuge. Die Besatzung wurde hier und auf allen anderen Stationen ihres Weges aus das herzlichste begrüßt. Der deutsche Gesandte gibt heute abend zu Ehren der Deutschen Lusthansa ein Gssen.

Schwere Schiffskatastrophe bei Kronstadt.

Montag nacht streifte der auf der Fahrt von Leningrad nach Kronstadt befindliche Personen­dampferBureweslnik" bei dem Versuch, im dichten Nebel dem deutschen DampferGreyne" auszu­weichen, gegen den Hafendamm. Der Schiffsrumpf erhielt ein zwei Meter breites Leck und versank nach 15 Minuten. Die Zahl der bei dem im Seekanal bei Leningrad erfolgten Untergang des DampfersBurewestnik" ums Leben gekom­menen Personen wird auf 150 geschätzt. An Bord befanden sich 563 Fahrgäste. Rettungsdampfer brachten 285 Personen in Sicherheit. Außerdem retteten sich zahlreiche Fahrgäste selbst. Die Mehrzahl der Fahrgäste waren Kronstädter Einwohner. Dank dem Helenmut der Seeleute wurde eine Explo­sion der Dampfkessel verhütet. Die Katastrophe erfolgte im 30 Fuß tiefen Wasser un­weit des Ufers. Da eine Panik entstand, war es unmöglich, die Rettungsboote desBurewestnik" herunterzulassen. Unter den ums Leben gekomme­nen Personen befinden sich auch die Gattin und die Kinder des Kapitäns. Der Chef der politischen Ab­teilung der Kronstädter Marinestation ertrank eben­falls. Ein deutscher Dampfer schickte ein Boot ab, das Gerettete aufnahm. Bei der Rückkehr wurde es von den mit den Wellen Kämpfenden zum Kentern gebracht. Ein in dem Boot befind­licher deutscher Matrose konnte sich nur mit Mühe retten.

Einsturzkatastrophe bei Budapest.

In Kleinpest bei Budapest stürzte der Reu­bau einer Fabrikanlage ein. Unter den Trüm­mern des eingestürzten Reubaues wurden sie­ben Tote sechs Männer und eine Frau und zehn Schwerverletzte hervvrgeholt. Die Frau war Mutter von fünf Kindern und hatte erst eben die Arbeit angetreten. Die Bergungsarbei­ten sind noch im Gange. Der Baupolier wurde in Hast genommen. Der Architekt ist, als sich der Unfall ereignete, wie wahnsinnig davongelaufen und konnte bis zur Stunde noch nicht fest­genommen werden. Das Unglück wurde angeb­lich dadurch verschuldet, daß man die Stützungspfeiler einer Betonkonstruktion vorzeitig entfernte.

Reue Falle von spinaler Kinderlähmung.

Die spinale Kinderlähmung tritt jetzt auch in Thüring en auf. In Rordhausen und Um­gebung hat die Krankheit bereits drei Todes­opfer gefordert. In Rordhausen soll von der Lähmung, von der im allgemeinen nur Kinder befallen werden, auch ein 26jähriger Mann be­troffen worden sein. Der Regierungspräsident in Erfurt hat angeordnet, daß sämtliche vier Klassen der Grundschule und die Kinderheime vorläufig auf 14 Tage geschlossen werden. In der Berliner Charite sind unter dem Verdacht der Krankheit zwei Kinder aus Rauen eingeliefert worden. Es handelt sich um zwei Knaben im Alter von fünf und neun Monaten.

von einer Granate zerrissen.

Bei Nusso (Italien) sanden drei junge Bauern eine 10,5-Zentimeter-Granate. Als sie das Geschoß auf den Boden fallen ließen, explodierte es, wobei zwei der jungen Leute zerrissen wurden. Auch der Dritte erlitt tödliche Verletzungen.

Banderolenschwindel.

Montag erschien auf dem Berliner Hauptzvllamt Rorden ein Mann, der sich als Bevollmächtigter einer be­kannten Zigarettenfirma ausgab und für 29 700 Mark Steuerbanderolen verlangte. Da er den Bestellbogen, wie das Betriebsbuch der Firma vorzeigte, wurden ihm die Banderolen auch aus­gehändigt. Erst als der Mann sich entfernt hatte, stellte es sich heraus, daß sowohl die Unter­schriften, wie die Stempel des Bestellbogens und des Detriebsbuches gefälscht waren. Der Schwindler ist unerkannt entkommen.

(Ein ganzes Dorf niedergebrannl.

Von dem Dorfe Ried im Pitztal (Tirol), das aus 19 Häusern besteht, sind in der Nacht zum Sonntag 15 Häuser niedergebrannt. Die Brand­urfache ist in der Unvorsichtigkeit eines Alkoholikers zu suchen, der m i t ver­brannt ist.

Flugzeuglandung auf dem Brocken.

Auf dem Brocken, der höchsten Erhebung des Harzes, ist am Montag das erste Flug­zeug gelandet. Es handelt sich um eine Privat­maschine. Die Landung verlief bei schönem Wet­ter sehr gut.

Wettervoraussage.

Rach Gewitterstörungen etwas kühler, doch wieder aufklarend und Barometer-Anstieg.

An der Westseite des kontinentalen Hoch­druckgebietes, an dem wir liegen und das ost­wärts zurückweicht, ist durch Ginströmen von öst­lichen Winden starker Temperaturanstieg erfolgt. Da jedoch in der mittleren Rordsee ein $eiltief liegt, so ist vorübergehend mit Zuströmen von kühlerer Lust zu rechnen.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 22,8 Grad Celsius. Minimum 9,2 Grad Celsius. Heu­tige Mvrgentemperatur: 15,5 Grad Celsius.

Aus der provmMlhauptstadt.

Gießen, den 31. August 1926.

Reformationsfeier in Gießen.

Bekanntlich werden in diesem Jahre vier­hundert Jahre verflossen sein, seitdem die alt­hessischen Gebietsteile das evangelische Bekennt­nis angenommen haben. Rachdem im Sommer des Jahres 1526 auf dem Reichstag zu Speyer den evangelisch gesinnten Fürsten und sonstigen Reichsständen das Re«Ht zugeteilt worden war. in ihren Gebietsteilen zu reformieren, berief Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen die Synode zu Homberg an der Efze, die am Samstag nach dem Gattustag, dem 21. Oktober, zusammentrat und über die Organisation der evangelischen Kirche in Hessen Beschlüsse faßte. Das Landeskirchenamt hat angeordnet, daß die Erinnernngsfeier an die Einfüh­rung der Reformation in Hessen mit dem Reformationsfest dieses Jahres, das am Sonntag, dem 31. Oktober, gefeiert wird, ver­bunden werden soll. Trotzdem gedenkt die evan­gelische Kirchengemeinde Gießen am 21. Oktober, einem Donnerstag, eine blondere -Rslürmations- feier zu begehen, die abends 8 Tlhr in der Io- hannesiirche stattfinden sott. Geh. Kirchenrat Pros. D. Dr. Krüger hat in freundlicher Weise feine Bereitschaft' erklärt, den Festvortrag zu halten. Der Vortrag sott von Orgelspiel, Chor- und Gemeindegesang umrahmt werden. Mitte September wird unter dem TitelEvangelische Bewegung und Reformation im Gebiet der heu­tigen Hessen-Darmstäbtischen Lande" eine Schrift des Prälaten D. Dr. Diehl- Darmstadt er­scheinen, die sicherlich allseitiges Interesse er­regen wird.

Steuerfälligkeiten im September

Im Monat September werden folgende Steuern fällig:

5. September: Steuerabzug vom Arbeits­lohn (Lohnsteuer) für die Zeit Dom 21. bis 31. 8. einschl. der für die Zeit Dom 1. bis 10. 3. bzw. 11. bis 20. 8. einbehaltenen, noch nicht abgeführ­ten (Beträge ohne Rücksicht auf deren Höhe:

10. September: LlmsatzsteuerDoraus^ah- lung der Monatszahler, 3/4 Prozent der Umsätze für August 1926 unter gleicher Abgabe der Vor­anmeldungen:

15. September: Steuerabzug Dom Ar­beitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit Dom 1. bis 10. 9., sofern der Gesamtbetrag mehr wie 100 RM. beträgt;

25. September: Steuerabzug Dom Ar­beitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 11. bis 20. 9., sofern der ©efamtbetrag für genannte Zeit oder mit dem für die Zeit vom 1. bis 10. 9. einbehaltenen und noch nicht abgesührten Betrag zusammen mehr als 100 RM. beträgt.

Die Tkmsatzsteuer kann bis einschl. 17. Sep­tember ohne Zuschläge, z. Z. halbmonatlich 3/t Prozent, entrichtet werden.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kostete auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 190 bis 200 Pfennig, Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 100, Wirsing 10 bis 15, Weißkraut 5 bis 10, Rotkraut 15, gelbe Rüben 10 bis 15, rote Rüben 8 bis 10, Spinat 25, Römischkohl 5 bis 10, Bohnen (grüne) 12 bis 18, Bohnen (gelbe) 20 bis 25, Tlnterkohl- rabi 6, Erbsen 35 bis 40, Tomaten 20, Zwiebeln 10 bis 15, Meerrettich 80, Kartoffeln 4 bis 5, Falläpsel 8 bis 10, Frühäpfel 15 bis 25, Birnen 10 bis 25, Zwetschen 20 bis 30, Mirabellen 25 bis 40, Preiselbeeren 60, junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 120; das Stück: Eier 13 bis 14, Blumenkohl 50 bis 120, Salat 5 bis 10, Salatgurken 10 bis 40, Einmachgurken 2 bis 4, CndiDien 5 bis 15, Oberkohlrabi 5 bis 10, Rettich 10 bis 20, Sellerie 10 bis 40 Pf.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Stadttheater: 8 älhr, Gastspiel des Bad-Rau­heimer Kurtheaters,O diese Bubiköpfe!" Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Straße des Vergessens". Astvria-Lichtspiele:Die Jagd nach den Dokumenten".

L.ÜI. Don der Lande s°ül ni Derfität Gießen. Die Philosophische Fakultät unserer Landes-Tlniversität hat den Lehrer an der Kunst­akademie Dresden, Professor Ludwig von Hof­mann, ehrenhalber zum Doktor promovieö. Ludwig von Hofmann, der am 17. August 65 Jahre alt wurde, ist ein geborener Hesse; er stammt aus Darmstadt. Sein Vater, Karl von Hofmann, war hessischer Staatsminister und hatte 1870 an den Verhandlungen zum Anschluß! Hessens an das Deutsche Reich teilgenommen; als Minister hat er eine Reihe von Reformen im inneren Verwaltungsdienst durchgeführt, spa­ter war er Staatssekretär in Glsaß-Lothringen. Durch seine Mutter ist Ludwig von Hofmann verwandt mit der Gelehrtenfamilie Kekule. Ein Bruder seines Vaters war der Maler Heinrich Hofmann, der ebenfalls als Professor an der Dresdener Akademie wirkte und dessen Unterricht Ludwig von Hofmann zuerst genoffen hat. Wei­tere Stationen seiner Lehrjahre waren Karlsruhe. Paris, Berlin und Rom. Bevor Ludwig von Hofmann nach Dresden kam, wirkte er einig« Jahre in Weimar. Er ist Mitglied hessischer Künstlervereinigungen, und fast alljährlich sind Gemälde von ihm auf den Kunstausstellungen der Landeshauptstadt zu sehen.

** Der Oberbibliothekar Professor D r. Emil H e u f e r in Gießen ist auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten mit Wirkung vom 1. August d. I. ab in den dauern­den Ruhestand getreten. Professor Dr. Heuser, geboren am 3. April 1861 zu Remscheid, wurde im Dezember 1885 als Hilfsarbeiter bei der hiesigen Universitätsbibliothek angestellt lind im Juli 1889 zum Kustos ernannt; im August 1904 erhielt er den Titel Oberbibliothekar, und am 25. November 1917 wurde er zum Professor ernannt. Am 1. Juli 1924 trat er in den einstweiligen Ruhestand.

** Polizeioberassiste n t Karl S o m- merkorn, geboren am 14. Mai 1861 zu Lon­dorf. tritt mit Wirkung vom 1. September d. I. auf Grund des Gesetzes über die Altersgrenze der Staatsbeamten in den wohlverdienten Ruhe­stand. Rachdem Herr Sommerkorn in den Jahren 1880 bis 1883 seiner Militärpflicht beim ehe­maligen 2. Großh. Hess. Inf.-Regt. 116 hier Genüge geleistet hatte, trat er am 24. August 1888 als Hilfsschuhmann beim Polizeiamt hier ein und wurde am 1. Februar 1894 daselbst zum Schutzmann ernannt. Bis zum 1. Oktober 1923. wo er zum Polizeioberassistenten ernannt wurde, hat er den schweren, aufopfernden Dienst eine-