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Nr. 205 Erstes Blatt
176. Jahrgang
Dienstag, 3t August 1026
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Die Militärkontrolle.
Berlin, 31. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die dem Reichskanzler nahestehende „Germania" tritt in einem Artikel Behauptungen entgegen, dah in den letzten drei Entwafsnungsnoten der Dotschafterkonserenz neue „unerhörte Forderungen" erhoben worden seien. Deutschland habe so radikal enttoaffnet, dah für „unerhörte neue Forderungen" überhaupt kein Raum mehr wäre. Was jetzt noch übrig sei, worüber man jetzt noch verhandelte und Roten wechsele, das seien nichts als Bagatellen, verglichen mit der Riesenarbeit, die bereits bewältigt ist. Die definitive Beseitigung der MilrtärkontrollkomMissionen sei für Deutschland von schlechthin überragender Bedeutung und man sei zuständigen Ortes entschlossen, daraus die nötigen Konsequenzen zu ziehen und bis an die äußerste Grenze des Möglichen in Dagatellfragen Konzessionen zu machen. Das deutsche Bolk erwarte, dah die gegnerischen Mächte, wenn das kleine restliche Pensum der Kontrollkommissionen vollends erledigt sein werde, alsdann auch endlich sich zu dem politischen Entschluh der Rückberufung dieser Kommissionen ausrasfen werden. Frankreich schicke sich an, demnächst wieder Militärattaches nach Deutschland zu entsenden. Diele mit diplomatischem Charakter ausgestatteten Persönlichkeiten würden in eine völlig unmögliche Situation geraten, wenn sie in Deutschland eintreffen sollten, solange die Kontrollkommissionen noch dort sind. Die deutsche Diplomatie habe mit Recht es abgelehnt, die Abberufung der Kontrollkommissionen zur Borbedingung des Eintritts in den Völkerbund zu machen. Auf der anderen Seite dürfe die deutsche Regierung die Gewihheit haben, dah das ganze deutsche Volk hinter ihr stehen werde, wenn sie nach erfolgtem Eintritt die endgültige Abschaffung dieser Reliquie der Kriegsepoche fordert.
Frankreichs „Sicherheit" Der „Temps" zu Deutschlands Eintritt i» den Völkerbund.
Pari s, 31. Aug. (Sil.) Der „Semps" bespricht die Rückwirkungen des deutschen Eintritts auf die öffentliche Meinung in Deutschland und erklärt, dah die Frage des deutschen Eintritts nunmehr vollständig geregelt und der Pessimismus, der in deutschen Berichten an den Sag gelegt werde, nicht am Platze sei. Das Blatt erwartet indessen keine Wunder von der Befestigung des Friedens durch die Aufnahme Deutschlands, und erklärt, es handele sich um ein Experiment, das man machen
Ein Beleidigungsprozeh
öes Reichsbankpräsidenten.
Berlin, 30. Aug. (WTB) Unter ungeheurem Andrang der „Reichsbankgläubiger" begann heute vormittag die Verhandlung gegen den Vorsitzenden des .Reichsbankgläubigerverbandes" Roll. -.Vor Beginn der Verhandlung verlangten Hunderte von Mitgliedern der Auswertungsverbände Einlaß in den Sitzungssaal. Die Polizeibeamten waren machtlos und im Ru war der Saal überfüllt von Schreienden, Sobenden, sich untereinander um einen Sitzplatz prügelnden Menschen. Erst nach kurzem Kampf konnte man die Eingangstür verschließen. Roll wird zur Last gelegt, er habe in Werbeversammlungen u. a. geäußert: Dr. Schacht ist kein Betrüger, sondern ein Schwindler. Der Angeklagte erklärte, er habe in den Dersammmlungen ausgeführt, Dr. Schacht werde seit Monaten von einem bekannten Schriftsteller als „Junker der deutschen Volkswirtschaft" bezeichnet. Er habe ferner gesagM die Reichsbank sei eine Filiale des internationalen Kapitals. RoN gab auch zu, geäußert zu haben, die Reichsbank habe ihre Mitglieder betrogen. Den Ausdruck „Dr. Schacht ist kein Betrüger, sondern ein Schwindler" bestritt der Angeklagte.
3m weiteren Verlaufe der Verhandlung erklärte Reichsbankpräsident Dr. Schacht, der Zweck seines Auftretens gegen die Auswertungsverbände sei gewesen, den Unfug zu beseitigen, dah den armen Leuten, die durch die Inflation ihr Geld verloren hätten, weiteres Geld aus der Sasche gezogen würde, indem man sie in Massenversammlungen locke, wo sie eine Mari Eintritt zu bezahlen hatten, ohne daß sie etwas davon hätten. Er habe schon damals gesagt, dah diese Aufwertungsbestrebungen der Verbände fast an Volksbetrug grenzten. Der Angeklagte wurde zu 7 50 Mark Geldstrafe verurteilt. Reichsbankpräft- dent Dr. Schacht wurde die Berechtigung zuge- sprochen, das Urteil auf Kosten des Angeklagten im „Berliner Lokalanzeiger", „Berliner Sägeblatt" und „Vorwärts" zu veröffentlichen. In der Urteilsbegründung wird ausgeführt, dah die Aeuherungen Rolls über den Reichsbankpräsidenten durchaus beleidigend waren unö über die Wahrung berechtigter Interessen weit hinauSgehen. Das Gericht hat den Eindruck, als ob der Angeklagte sich an Dr. Schacht persönlich reiben wollte. Beim Strafmaß ging das Gericht davon aus, dah der Angeklagte in einer begreiflichen Aufregung und in dem Bestreben gehandelt habe, für die Massen möglichst t>iei herauszuholen. Srohalledem habe die Schwere der Beleidigungen nicht ausgereicht, einen nicht vorbestraften Mann ins Gefängnis zu bringen. Der Vertreter der Staatsanwalt hatte einen Monat Gefängnis beantragt.
die Frage der Ratzsitze vor der Audienlominiffion.
Genf, 30. Aug. (SU.) Die Studienkommis- sion des Völkerbundes, die im Mai tagte, versammelte sich diesmal in der umfangreichen Glasveranda des Völkerbundpalais. 3n der Mitte des hufeisenförmigen Sisches hatte der Vorsitzende, der Schweizer Bundesrat Motta, Platz genommen. Rechts und links von ihm sahen die Vertreter der anderen Staaten. Brasilien fehlt. Es sind daher diesmal nur vierzehn Staaten vertreten und zwar Deutschland durch Botschafter v. Hösch, Argentinien durch den Gesandten Cantilo, Belgien durch den Gesandten Broüquire, China durch den Gesandten Sschu, England durch Lord Robert Cecil, Spanien durch den Gesandten Palacios, Frankreich durch Frv- mageot, Italien durch den Senator Scia- loja, Japan durch den Gesandten Sato, Polen durch den Gesandten im Völkerbund Sokal, Schweden durch den Unterstaatssekretär Sjoeborg, die Sschechoslowakei durch den Gesandten Riverka und Uruguay durch Guani. Links von dem Vorsitzenden hatte Generalsekretär Sir Eric Drummond, rechts von dem Vorsitzenden der Direktor der politischen Abteilung des Völkerbundes Manteux Platz genommen.
Die ersten zehn Minuten der Sitzung sind vertraulich. Dann wird die Oeffentlichkeit zu- gelassen. Dem Publikum ist diesmal der Eintritt verwehrt, die Presse hat sich Dagegen sehr zahlreich eingefunden. In seiner Begrühungsan- sprache schilderte der Vorsitzende Motta die Ereignisse seit der Maitagung der Studienkommission und bedauerte lebhaft
das Fehlen Brasiliens,
das, wie Motta sich ausdrückte, aus den allgemein bekannten Gründen die Teilnahme an den Sitzungen der Kommission abgelehnt habe. Er wies auf die kurze Zeit hin, die der Kommission für ihre Arbeiten bis zum Zusammentritt des Völlerbundsrates am 1. September geblieben sei, und ermahnte die Mitglieder zu schneller und sachlicher Arbeit. Da die Studienkommission auf spanischen Antrag erneut zusammengetreten sei, bitte er den spanischen Vertreter zu der Frage der ständigen Ratssitze sich äußern zu wollen.
Der spanische Gesandte Palacios
betonte, daß Spanien diese Forderung im Interesse der Vollversammlung und des Rates erhoben habe. Sic sei auch im Hin- bllck auf die Beschlüsse der außerordentlichen Vollversammlung vom März geboten. Palacios wies auf die Stimmungen und Wechselfälle in der letzten außerordentlichen Vollversammlung vom März hin und erklärte, dah sie nur deswegen ohne schweren Zwischenfall abgeschlossen werden konnte, weil der Prüfungsausschuß geschaffen wurde. Er betonte, daß die außerordentliche Dölkerbundsversammlung damals auseinandergehen muhte, ohne die Frage geregelt zu haben, wegen der sie einberufen worden war, und verlas dann verschiedene Erklärungen aus der Schlußsitzung Der außerordentlichen DölkerbunDs- versammlung, aus Denen Der Wille Der Versammlung hervorgeht, Die Frage Der Rats- umbilDung vor Der orDcntlichen Tagung Der Vollversammlung zu regeln. In Dem Bericht über Die erste Tagung des Prüfungsausschusses sei aber ausdrücklich gesagt, daß Der Prüfungsausschuß seine Ausgaben noch nicht erfüllt habe. Palacios wies schließlich Darauf hin, Daß er sich im Mai den Erklärungen des PräsiDenten Motta, wonach Der spanische Anspruch auf einen ständigen Ratssih später entschieden werden solle, nur unter Der Voraussetzung gefügt habe, Dah Spanien in Der zweiten Tagung
müsse, um Frankreich für eine Verhinderung Der Verföhnungspolitik nicht verantwortlich machen zu können. Um so mehr müsse man Darüber wachen. Daß Deutschland nicht versuche, seine Lage und seinen Einfluß zum Zwecke Der Vernichtung Der Friedensvertrüge zu mißbrauchen. Die Sprache gewisser deutscher Blätter sei bereits in dieser Hinsicht fehr beunruhigend. Deutschland erwarte offenbar als Folge seines Eintritts die Räumung Der RheinlanDe. Man müsse sich aber in Berlin klar sein, Daß Diese Frage toeDer in Genf, noch anDcrswo aufgeworfen werden könne, denn weder der Völkerbundspakt noch die Locarno-Verträge könnten die Sicherheit Frankreichs durch Die RheinlanDsb Setzung ersehen. Die VerhanD- lungen, auf Die DeutschlanD angespielt habe, bezögen sich ausfchließlich auf eine Herabsetzung Der Truppenstärke. Weder vor noch nach Dein Eintritt Deutschlands in den Völkerbund könne eine Beendigung Der Besetzung ins Auge gefaßt werDen.
Negisrungskrifis in Oesterreich
Wien, 30. Slug. (TU.) Morgen wird sich die Nationalversammlung mit dem soziali stischen Antrag befassen, die Regierung R a m e k unter Anklage zu stellen, weil sie ohne parlamentarische 'Ermächtigung 630 Millionen für die Sanierung der Zentralbank der deutschen Sparkassen verauslagt hatte. Der Anklageantrag der Sozialdemokratie wird sicherlich abgelehnt werden. Aber trotzdem ist die Stellung des Kabinetts infolge verschiedener Mißgriffe in der letzten Zeit derart erschüttert, daß man den Rücktritt des Ministeriums für unvermeidlich erachtet.
des Prüfungsausschusses Gelegenheit zur Vertretung seiner Forderungen gegeben werden solle, und gab dann schließlich Die Erklärung ab, daß Spanien auf Der EntfcheiDung über seinen Anspruch im Laufe Der zweiten Tagung beharre. Er richte Daher Die Bitte unD Die Aufforderung an Die Studienkornmission, Die Frage Des ständi- gen spanischen Sitzes zur Debatte zu stellen unD sich hierzu unzweiDeutig äußern zu wollen.
Tic Debatte.
Der Präsident der Studienkommission Motta schlug dann vor, zunächst nicht in die Beratung der Grundfrage der ständigen Ratssitze einzutreten, sondern die zweite Lesung des in der ersten Tagung der Studienkommission im Mai angenommenen Entwurfes zu beginnen. Der belgische Vertreter Brouqutzre erklärte sich jedoch hiermit nicht einverstanden. Eine zweite Lesung des Entwurfes sei wertlos, wenn nicht vorher die prinzipielle Frage der ständigen Rats- sitze geklärt sei. Lord Robert Cecil unterstützte den Vorschlag des Präsidenten. Der Präsident teilte noch mit, es liege ein neuer französischer Abänderungsantrag zum Artikel 2 des Entwurfes vor, der dahin gehe, die Wieder- Wählbarkeit der Ratssitze gleich bei der Wahl festzulegen unb nicht zuzulassen, daß, wie es im Wortlaut heißt, diese auch im Laufe des Mandats bei einer späteren Sitzung des Völkerbundes erfolgen kann. Hiergeyen wandte stch der Italiener Sci a l oj a. Er erklärte, diese Bestimmung stehe nicht in Uebereinftimmung mit dem 'Artikel 4 des Paktes und könne daher nur im Einvernehmen mit sämtlichen Völkerbundsmitgliedern in Kraft treten. Scialoja wies ferner darauf hin, daß durch den französischen Vorschlag verschiedene Schwierigkeiten entstehen könnten, und betonte, daß im Fall einer sofortigen Festlegung der Wieder- Wählbarkeit für den Verlauf von feqjs Jahren kein Staat seine Ablehnung für einen nichtständigen wiederwählbaren Ratssitz werde ertragen können. Eine schwierige Situation könne auch eintreten, wenn Brasilien seine Absicht ändere und wieder in den Völkerbund zurückkehren sollte. Der spanische Vertreter Palacios betonte noch einmal, daß die spanische Regierung dringend wünsche, ihren Anspruch auf einen ständigen Ratssitz in ber gegenwärtigen Session der Studienkom- Mission endgültig geklärt zu sehen. Präsident Motta eröffnete daraus die Debatte über den auf der letzten Tagung der Studienkommission bereits angenomemnen Entwurf. Der Artikel 1: „Die nichtständigen Ratsmitglieder werden für drei Jahre gewählt; sie treten ihr Amt sofort an, ein Drittel von ihnen wird jedes Jahr neu gewählt" wird ohne Debatte angenommen. Bei der Debatte über Artikel 2: „Ein austretendes Ratsmitglied kann nach drei Jahren nur wiedergewählt werden, wenn nach Ablauf des Mandats ober währenb ber Zeit feiner Dauer bie Versammlung mit Zwei- drittel-Majorität sich hierfür ausspricht. Die Zahl Der wieberwählbaren Mitglieber bars ein Drittel Der nichtständigen Sitze nicht übersteigen" erklärte Präsibent Motta, baß bie in der Diskussion aufgeworfene Frage derart schwierig wäre, daß eine Fortsetzung jetzt nicht wünschenswert erscheine.
Die Nachmitlagssttzung.
Am Rachmittag trat der fr.inzösische Delegierte Stoma g cd t für eine Erhöhung Der Zahl Der wieberwählbaren Staaten ein, Die bisher auf Drei bestimmt waren. Lord Robert Cecil schloß sich Dem französischen Vorschlag an. Scialoja widerrief sodann seine Erklärung, daß Die sofortige Bezeichnung Der Wählbarkeit mit Art. 4 der Völkerbundssahun- gen im Widerspruch stünden. Sjöborg (Schwe-
Verlängerung öes Ausnahmezustandes in England.
London, 31. Aug. (SU.) In Der gestrigen wegen Der Verlängerung des Ausnahmezustandes einberufenen Unterhausfitzung ist es zu stürmischen Szenen gekommen. Innenminister Sir Johnson Hicks führte zur Begründung Der Verlängerung der Notstandsmaßnahmen u. a. aus: Rach Den Rotstandsverordnungen sind im letzten Monat nur 64 Strafverfolgungen erfolgt. Der Hauptwert Der Maßnahmen besteht in ihrer vorbeugenden Wirkung, in allen Bergwerks- Distrikten die Ordnung aufrechtzuerhalten, wo sich Unruhen ereigneten. Der Eingriff Der Polizei mit Knüppeln war mwef.neidlich, wenn sie sich einer mit Stöcken bewaffneten Menge von ein- bis zweitausend Mann gegenübersah oder mit Steinen beworfen wurde Im übrigen gibt es noch etwas Schlimmeres als Gewalt, nämlich. daß Leute Reden halten, die zu Gern a l t tä t i g t e i t en führen. Es ist Pflicht der Regierung, zwischen den Parteien zu stehen und Die Interessen des Landes als eines Ganzen wahrzunehmen. Wenn die Sicherheitsleute von Cook oder sonst jemanden herausgefordert werden, so muß ich es als Pflicht Der Regierung bezeichnen, alle möglichen Schritte zu ergreifen, die in ihrer Macht liegen, um zu verhindern, daß die Bergwerke zerstört werden, Damit Der Lebensunterhalt Der Bergarbeiter ebenfalls zerstört toirD. Es handelt sich hier um eine elementare Pflicht der Regierung. Diese Pflicht wird bis zum letzten erfüllt werden Die Rede Hicks wurde von den Bänken Der Arbeiterpartei immer unterbrochen. So Dann ergriff Macdonald das
Wort. Er führte aus: Ric in Der Gechichte ist währcnD eines Kohlenkonsliktes eine so allgemeine OrDnung beobachtet worben wie während dieses Konfliktes. Richt einen Schatten von Recht hat Daher Ioyrson Hicks, Die friedlichen Bergarbeiter Dadurch zu beleidigen, daß er Verlängerung Der Rotstandsmaßnahmen verlangt. Das Unterhaus stimmte Dann Der Verlängerung Der RotstanDs- mahnahmen auf einen weiteren Monat mit 232 gegen 91 Stimmen zu, und vertagte sich auf heute vormittag. Die Tagesordnung sicht Die allgemeine Aussprache über Die Kohlenlage vor.
Vor neuen Verhandlungen.
London, 30. August. (WTB.) Der Vollzugs* ausschuß der Bergarbeiter beschloß, eine Delt^ier- tenkonferenz für nächsten Donnerstag nach London einzuberufen. Später trat der Vollzugsausschuß ber Bergarbeiter im Unterhaus mit Dem Äollzugsuu, schuß ber Arbeiterpartei zusammen. Wie uedo.ulct, besteht Grund zu der Annuhme, baß in dieser Woche ein enbgültiger Schritt von feiten des Berg arbeiteroerbanbes unternommen werben wirb, um ben toten Punkt in ber Lage zu überroinben unb Verhandlungen zur Herbeiführung einer Regelung ber Schwierigkeiten im Kohlenbergbau zu beginnen. Der Rat ber Bergardeiternereinigung von Wölling- hamshire hat beschlossen, ben Parlamentarier Var- ley für ben Fall, baß eint Einigung in dieser Woche nicht erfolgt, zu bevollmächtigen, bi«' Erlaubnis ber Bergarbeitergewertschaft zur Abschlie- ßung von örtlichen Lohnabmachungen einzuholen. Der Rat ist ber Meinung, baß ber Streik in ben von ihm vertretenen Gebieten nicht länger fortgesetzt werben kann. Dieser Beschluß Dürfte in erster Linie auf bie Arbeitswieber- ausnahme zahlreicher Bergarbeiter im Mansfield* bezirk zurückzusühren sein.
den) sprach sich entschieden gegen Den französischen Antrag aus, der eine Abänderung eines bereits anerkannten Grundsatzes bedeute um) die Gleichberechtigung aller Völlcrbundsstaaten in Frage stellen würde. Scialoja ertiärte, der Antrag würde praktisch dazu führen, daß schließlich alle Staaten a l s wieder- wählbar erklärt werden könnten. F r o m a- g c o t führte aus, theoretisch könne Die diesjährige Dölkerbundsversammlung drei Staaten als wiederwählbar bezeichnen und die nächstjährige Versammlung wiederum drei Staaten. Praktisch würde das letztere nur schwierig durch- sührbar fein, de Btouquöre (Belgien) tritt- fierte Einzelheiten der von Frankreich vorge- schlageneu Lösung. Scialoja erklärte, er sei mit Rücksicht auf bie politische Seite ber Frage zu dem Zugeständnis bereit, daß in ganz besonderen Ausnah mcfällen die Wiederwählbarkeit bereits bei der ersten Wahl ausgesprochen werden könne. Guani (Uruguay) kam auf den bereits im Mai gestellten Antrag zurück, drei nichtständige Ratssitze den latein-amerikanischen Staaten zu gewähren. Der Antrag wurde auf Wunsch Mottas bis zur Erörterung der Gesamtzahl der nichtständigen Ratssitze zurückgestellt. Lord Robert Cecil bat Guani, seinen Antrag nochmals einer genauen Prüfung zu unterziehen, da cs zweifelhaft erscheine, daß der Ausschuß ihm voll entsprechen könne.
Rach längerer Aussprache über die Tragweite des französischen AbänDcrungsvorfchiages zu Artikel 2, Der sich in erster Linie auf Die Frage Der sofortigen Bezeichnung Der Wiederwahl • barteit von Ratsmitgliedern bezieht, beschloß Der Prüfungsausschuß auf Antrag Mottas unD Lord Robert Cecils, einen Unterausschuß cinzu- setzen, Der Den ursprünglichen Vorschlag Des Prüfungsausschusses vom Mai d. I. und Den fran zösischen AbänDerungsvorschlag weiterberaten unD grundsätzlich sie auch redaktionell miteinander in Einklang bringen soll. Der Unterausschuß besteht aus Scialoja (Italien), B r o u q u <■ r e < Belgien), Sokal (Polen), S j o c b o r g (Schweden), Guani (Uruguay), Cecil (England), Fromageot (Frankreich), v. Hösch (Deutsch land) und Motta (Schweiz). Der Unterausschuß wird morgen vormittag zu seiner nichtöffentlichen Sitzung zusammentreten. Die Einberufung des DoUausschusses ist noch nicht festgesetzt.
Der französische Abänderungsvorschlag.
Die Wiederwählbarkeit
der nichtständige» Ratsinitgliedcr.
Genf, 30. Aug. (Wolfs.) Nach den französischen Abänderungsvorschlägen im Studienausschuß würden für bie Zusammensetzung bes Rates nunmehr folgende Grundsätze gelten:
1. Die nichtständigen Ratsmitglieder werden für die Dauer von drei Jahren gewählt. Sie treten | o - fort nach der Wahl ihr Amt an. Jedes Jahr wird ein Drittel der Mitglieder gewählt.
2. Ein ausscheidendes Ratsmitglied kann wäh- rend der 3 Jahre nach Ablauf feines Mandats nur wiedergewählt werden a) wenn cs schon bei s e i n e r W a h l von mindestens zwei Dritteln der Abstimmenden als wiederwählbar bezeichnet wurde. Als tatsächlich wiederwählbar sollen bann bie brei Mitglieber gelten, bie in dieser Hinsicht b i c meisten Stimmen über bie Zweidrittelmehr- beit hinaus erhielten; b) wenn bei Abschluß des Mandats ober währenb der drei Jahre die Versammlung mit einer Zweibrittelmehr*


