Wirtschaft.
Börse und Geldmarkt.
Die außerordentlich günstigen, teilweise sogar übertrieben günstig anmutenden Situationsberichte vom deutschen Kohlen- und Eisenmarkt, sowie die Nachricht, daß das Zustandekommen des internationalen Stahl-Abkommens dicht bevorstehe, haben zu einer Unterbrechung der Sommerruhe an der Börse geführt. Die Vermutung, daß es^sich hier wieder einmal um die Vorbereitung des Marktes für die Einführung der Vereinigten Stahlwerke- Aktien handelt, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Falls dies zutreffen sollte, so hat die Campagne vollen Erfolg gehabt, da im Laufe weniger Tage Montanaktien eine Steigerung um 10 bis 20 Prozent zu verzeichnen hatten, wobei eine Beteiligung des großen Publikums in größerem Umfange erst in den allerletzten Tagen zu bemerken war. Diese Bewegung übte auch aus die anderen Märkte ihre Einwirkung aus, so daß man von einer allgemeinen Sommerhausse, wenigstens soweit es die am Terminmarkt gehandelten Werte anbelangt, sprechen kann. Angesichts des weniger klaren Communiques über die letzte Aufsichtsrats-Sihung der I. G 5arben=3n= dustrie wollen die Gerüche über weitere Ausdehnungspläne dieser Gesellschaft nicht verstummen. So spricht man neuerdings von einem Uebernang der Rositzer Braunkohle n - werW auf die Riebeck'ichen Montanwerte. Auch dem Dementi der Deutschen E r d ö ! - A. - G. in bezug auf die Verhandlungen mit der 3. G. Färben-Industrie wird wenig Glauben geschenkt. Sicher scheint soviel zu sein, daß in Kürze die 3. G. Farben-3ndustrie eine Kapitalerhöhung vornehmen wird und diese wenigstens größtenteils zum Werksausbau benutzen wird. Es muß daher auch ein Bezugsrecht der Aktionäre hierbei zu erwarten sein. Auch aut Bankaktien, die nach der letzten Hausse zeitweise recht still lagen, hat sich neuerdings diese Bewegung übertragen. Es scheint sich hiesr eine gewisse Rivalität einzelner Großbanken in bezug auf den Börsenkurs bemerkbar zu machen. 3edenfalls liegen Anzeichen dafür vor, daß diese Bewegung von den Banken selbst stark unterstützt wird. Bei Deutsche Dank-Aktien insbesondere regt die Mitteilung an, daß die seinerzeit nach Amerika verkauften 40 Mill. Rm.- Aktien nunmehr im 3nlande placiert werden sollen. Man sieht hierin die Abkehr von dem Gedanken, für die Aktien einen Auslandsmarkt zu schaffen und somit das Vertrauen der Dankleitung zur Stabilität des deutschen Kapital- Marktes. Der Kassamarkt vermag immer noch von der Hausse-Stimmung an den Terminmärkten zu profitieren und die Diskrepanz zwischen der Bewertung der am Terminmarkt gehandelten Aktien und der anderen wird immer augenfälliger. Cs dürfte schließlich auch im 3 ..eresse der Großbanken liegen, wenn sie die anlagesuchende Kundschaft in größerem Maße auf diese Tatsache Hinweisen. Es hat den Anschein, als wenn der Ultimo wieder außerordentlich leicht überwunden werden sollte. Die Rotisrungen am Markt für tägliches Geld haben zwar ein wenig angezogen, tägliches Geld bleibt aber bisher immer noch reichlich angeboten, was angesichts der Geldzuflüsse aus dem Auslande infolge der dort placierten Anleihen nur zu begreiflich ist. Lediglich am Privatdiskontmarkt zeigt sich neuerdings etwas mehr Nachfrage, was zu einer Heraufsetzung deS P r i v a t d i s k o n t- s a tz e s für kurze Sichten um 0,25 Prozent geführt hat. Diese stärkere Nachfrage dürfte mit dem in die ersten Augusttage fallenden Zahlungs- ' termin auf die Reichsbahn-Vorzugsaktien im Zusammenhang stehen. Des weiteren fällt in den August eine erneute 3nanspruchnahme des deutschen Kapitalmarktes durch die Auflegung der zweiten Tranche der Reichspost-Anleihe. Augen
scheinlich läßt man diese zwette Tranche der ersten so schnell folgen, um im Herbst freie Hand für die kommende große Reichsanleihe zu haben.
' Eine Anleihe der Stadt Heidelberg. Zwei Dankgruppen, davon eine unter Führung der Süddeutschen Diskonto-Gesellschaft, Filiale Heidelberg, und die andere unter Führung der Deutschen Effekten- und Wechselbank in Frankfurt a. M. haben von der Stadt Heidelberg vorbehaltlich der ministerielten Genehmigung fünf Millionen 7proz. Teilschuldverschreibungen übernommen, die demnächst zum freihändigen Verkauf kommen werden.
* Auslandanleihe der Stinnes» Kohlengruppe? Die Stinnes-Liquidation ist nach der „K. V. Z." insofern zum Stillstand gekommen, alS die jetzt noch vorhandenen Werte zum Teil nicht oder nur unter dem wirklichen Wert verkäuflich sind, zum anderen ein Verkauf von der Firma Stinnes nicht beabsichtigt wird, solange nicht eine unbedingte Notwendigkeit vorliegt. Zu diesen letzten Werten gehören außer dem Kohlenhandelsgeschäft vor allen Dingen die Stinnes-Zechen in Essen und der Mülheimer Bergwerksverein in Mülheim, an dem die Familie Stinnes mit mehr als der Hälfte des Kapitals beteiligt ist. Von dem Plan der Gründung einer Kohlenhcmdels-A.-G^ in die der Kohlenhandel der Firma Hugo Stinnes, die Stin- nes-Zechen und der Mülheimer Bergwerksverein hineingenommen werden sollten, hört man nichts mehr. Es scheint, als ob die Bankengruppe, die immer noch eine Forderung von etwa 80 Millionen Reichsmark an die Stinnesmasfe haben soll und sich an her zu gründenden Kohlenhandelsgesellschast zu beteiligen beabsichtigte, keinen Wert mehr auf diese Lösung liegt. Andererseits scheint die Firma Hugo Stinnes versuchen zu wollen, die Bankschuld in der Weise abzulösen, daß die sich unter Verpfändung ihrer Anteile an den Stinnes-Zechen, dem Mülheimer Bergwerksverein usw. einige größere ausländische Kredite zu verschaffen sucht, mit deren Hilfe sie sich wieder freie Hand gegenüber den Banken verschaffen würde. Wie verlautet, sind in letzter Zeit ernstliche Verhandlungen mit einer englischen Gruppe geführt worden. Ob und inwieweit eine Lösung nach dieser Richtung bevorsteht, steht noch nicht fest.
Franlfurrer Abendbörse.
Frankfurt a. M., 30. 3uli. Die Abendbörse zeichnete sich durch eine weitere Aufwärtsbewegung aus. Das für alle Gebiete lebhafte Geschäft bevorzugte erneut Montanaktien, die gegenüber den erhöhten Nachbörsekurfen wieder 2 bis 3 Prozent fester lagen. Auch Farbenwerte waren um 3.5 Prozent gesteigert. 3m allgemeinen betrugen die Kursbesserungen 1 bis 2 Prozent. Die Dörse schloß die Woche in fester und lebhafter Stimmung. Deutsche Anleihen: 5proz. Reichsanleihe 0.502'., Schutzgebietsanleihen 5.51, ZVeproz. Reichsanleihe 0.465, 4proz. Württemberger (36/42) 30. Ausländische Renten: Ungarische Goldrente 19, Administrationstürken 11.87, 5proz. Silbermexilaner 22.25, 3proz. dto. 2.25. Bankaktien: Adca 118, Barmer Bankverein 120, Bayerische Hypothekenbank 133.5, Commerzbank 137.75 m, Darmstädter Dank 187.5 m, Deutsche Bank 170.5 m, Diskontogesellschaft 158 m, Dresdner Dank 139.87 m, Deutsche Hypothekenbank 111.5, Metallbank 125.5, Mitteldeutsche Cre- ditbank 127.5, Reichsbank 159.12, Süddeutscher Dodenkredit 137.5, Oesterreichische Kreditaktien 7.2. Schiffahrtsaktien: Hapag 153.75, Nordd. Lloyd 149.37 m. Dergwerksaktien: Bochum 145.1, Buderus 94.9, Deutsch-Luxemburg 149 m, Gelsenkirchen 170.5 m, Ilse Bergbau 139 m, Klöckner- Werke 119.62 m, Mannesmann 132.5 m, Mansfeld 114.5 m, Oberbedarf 71.5 m, Phönix 118.75 m, Rheinische Braunkohlen 174.75 m, Rheinstahl 142.75 m, Riebeck Montan 147.75 m, Laurahütte 58.5. Industrieaktien: Adlerwerke Kleyer 80.5, AEG. 143.5 in, Aschaffenburger Zellstoff 112.5, Bergmann 134 m, Zement Heidelberg 110 m,
Daimler 88 m, Deutsche Eisen 59.75, Deutsche Erdöl 144.75 m, Scheideanstalt 142 m, Elektrisch Licht und Kraft 114.5 m, Farbenindustrie 257 m, Frankfurter Maschinen 76, Goldschmidt 94, Holzmann 85.5, Holzverkohlung 48.75, Lahmeyer 124.5, Metallgesellschaft 136 m, Rütgerswerke 11 m, Schuckert 127.5 m, Siemens u. Halske 171.5 m, Wahß u. Freytag 105, Zellstoff Waldhof 158.5, Badischer Zucker 81.25, Frankenthalzucker 68.37, Heilbronn 81.5, Offsteinzucker 103, Stuttgartzucker 82.5, Salzwerk Heilbronn 107, Knorr 115, Iunghans 87, Felten 132, Nachbörse: Thüringer Elektrizität 85, Metallbau! 126.
93öcfentnrfe.
<Ohne Gewahr.)
Frankfurt a.M.
Berlin
Datum:
Frankfurter Getreidebörse.
Frankfurt a. M., 30. Juli. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 32 (nominell), Roggen (inl.) 22 bis 22,25, Hafer (ausl.) 21,25 bis 23, Mais (gelb) 18,25 bis 18,50, Weizenmehl (inl., Spezial 0) 42,75 bis 43,75, Roggenmehl 31,50 bis 32, Weizenkleie 9,25, Roggenkleie 11. — Tendenz: Fest.
5% Deutsche Rcichsanlethe . 4% Deutsche Reichsaulciye . 37s% Deutsche Ncichsanlethe 3% Deutsche RcichSanleihe . Deutsche Svarprämicnanleihe «°/o PreuHische KonsolS . . . 4% Hessen ... 3>/9% Hessen 3% Heuen ......
Deulichc Wertb. Dollar-Anl. dto. Doll -Schah-Anweisng.*) 4e/0 Zolltürkeu 5°/e Goldmcnkaner ... . Berliner Handelsgesellschaft Lommeis- und Pttoat-Bank Dcumst. und Ncuionalbank . Deutsche Bank Deutsche Bercinsbank . . . . Disconlo Commandit . . , Metaltlian!...........
Mitteldeutsche Kreditbank . . Oestecreichische Lreditanstalt Westbank ....... .
Bochumer Gatz ......
Buderus ........... Taro . . Deutsch-Lurernbura Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau Kaliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln Laurahütte ........ Oberbedars . . . Phonir Bergbau ......
Rheinstahl . . . , Riebeck Montan ....... Tellus Bergbau........ Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . . . Theramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann......
Anglo-Com.-Guano Chemische Mayer Alapin . . I. G Farbenindustrie, A.-G. Goldschmidt..........
Holzverkohlung RiitgerSwcrkc . . ..... Scheideanstalt.........
Alla- ClektrtzttätS-Gesellschasl Bergmann . . Mainkrastwerke .....
Schuckert .......
Siemens Ät HalSK Adlerwcrke Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Heyligenstaedt.....
Meguin . . , Motorenwerke Mannheim Frankfutter ArmatuttN . . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgesclvchaft Frankfurt. Pet. Union A.-G.....
Schuhfabrik Herz Sichel Zellstoff Waldhof ..... Zuckerfabrik
Rurs 1 Jörie
Schluh. ftlir»
Sd)luß6 Mitlag 66r1e
29. 7.
30. 7.
29. 7.
30. 7,’
0,601
0,4975
0,50
0.50
—
—
0.455
0,4575
0,4525
0.475
0,4525
0,5225
0,46
0,52
0,52
0.52
0,26
0 27
0.28
0,2725
0,4575
0.47
9,4525
0,4625
0,46
0,45
—
•—
—
0,45
0,445
—
0,43
0.43
0,44
90,25
96
97,1
98
—
—
—
—
13.75
13.5
13.4
18,5
44,5
44,5
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43,5
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186
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187
187*
169.7-
170.9'
168,5’
170'
90,5
90.5
—-
154.7'
150,5*
154,5*
123,5
125
124,5
127
124,5*
7,35
127'
7,3
7,2
7,4
—
—
—
143-
144'
142,7-
144,6*
99,75
93,4
93
94.75
77
78,5
148,5*
58,5-
79,75*
148'
148,9*
141,1*
169,9'
169*
169.5'
169,7-
154,7*
154,7*
154.1*
154.9*
136.25
137*
135,5
137'
144,12
148
145
147,75
59
59,25
57.75
58,9
69.75'
69,75
69
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117.7*
140'
117,7'
119*
118.9*
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140,9'
147,75
147
145.9'
146,7'
70
71
149,5*
152’
149
151,7*
144,2'
148*
144'
148*
—
50
_
109,75
110
84,9
85
84,75
85,4
—
-
78
82
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-
—
256,5'
253,5*
255-
255.7'
93,9
93
94,5
94,9
50
48
—
104.5
109
10-1
109,9
140
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-
142.2*
142.2'
142.9’
141,7*
130-
133*
130*
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95,5
98
126-
125,2*
125-
125.9'
168,2*
169.5'
168.7'
169'
78,5
79.5
79,75
79
88
86,75
87,25
87,5
24.5
24
-
43
43,75
43,5
4.3.5
—
—
37
34,5
15
15
_
_
36.5
37.25
_
184,75
135.5
—
__
82
83,75
38
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85
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35
3,15
3,5
154
158
154 i
157.75
67
68,5
66 ;
67,75
78,75
81
78 !
80,75
Devisenmarkt Berlin—Frankfurt a. M.
Telegraphische Auszahlung.
29 Juli.
30. Juli.
Amtliche Notierung
Geld 1 »rief
Amtliche Notierung
Geld Brief
Smft.-Sioti Buen.-Airer Brff.-Antw Christiania. Kopenhagen Stockholm . Helstngfors. Statten. . . London. . Neunork . . Paris.... Schweiz . . Spanien . . Hapan . . . otio de Ian Wien in D- Ccft. abgest Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien . Lissabon Danzig. . . Konstantin. Athen , anada. .
Uruguay . .
168,69
1,699
10,33
91,88
111,21
112,36
10,548
13,56 20,391
4,195
9,91
81,14 s 0.645
69,31
12,418
7,405
5,872
3,04 21,425
81,60
2,335
5,69 4,198
4.135
Vc
169.01 1,703
10,37
92,12
111,49 112,54
10,588
13.60
20,443
4,205
9,95 81,34
64,33 1,984 0.647
59,45
12,458
7,425
5,892
3,05 21,475
81,80 2,345
5,71 4,208 4.145
inlnotc
166,57 1,698
10,57 91,88
111,26
112,26 10,55 13,50
20,394 4,195
10,085 81,13
64.52 1,977 0.643
59.35 12,418
7,39 5,872
5,03 21.455
81,60 2,35
4,79 4,198 4.165
n. •**•
168,99 1,702 10,61 92,12
111,54
112,54
10,59
13,54 20,446 4,205 10,125
«1.33
V
0,645
59,49
12.453 7,41
6,892
■Ä 81,80
2,36
4,81
Berlin, 30 Juli
Geld
Brief
Amerikanische Note, ..... Belgische Noten . ....... Dänische Noten ....... Englische Noten........ Französische Noten ...... Holländische Noten.....
Italienische Noten . . . . . ‘ Norwegische Noten...... Demsch-Oesterr., 5 ivv Kronen Rumänische Noten ...... Schwedische Noten......
Schwerer Noten.......
Spanische Noten.......
Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten.......
4,178
10,87
110,57
20,359
10,57
168,18
13.87 »1,57
59,40
111,97
81,20
64,24
12,42
5,825
111,53
20,459
10,63
169,02
13,93
92,03
59,70
112,57
81.60
64,56
12,48
5.865
Briefkasten der Redaktion.
C. G. in f). Das Finanzamt ist berechtigt, für rückständige Steuern, die auf dem Hause ruhen, die Miete zu beschlagnahmen. In diesem Falle ist der Mieter verpflichtet, die Miete an das Finanzamt zu zahlen.
Rundfunk-Programm.
Sonntag, 1. August.
8 bis 9 Ahr: Morgenfeier, veranstaltet vom Wartburgvercin. 12 bis 1 llfjr: Konzert des Hausorchesters: Franz Liszt. 3 bis 4 Mr: Stunde der Jugend. 4 bis 6 llhr: äleberttagung von Griesheim: Zither-Konzert. 6 bis 7 Llhr: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbildung : „Poesie des Sommers", Vortrag von Geh. Rat Prof. Dr. Alfred Biese. 7 Llhr: Llebertra- gung aus Zoppot: Richard-Wagner- Festspiele der Zoppoter Waldoper: Lohengrin. Anschließend bis 12 ilfyr: ^Übertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle.
Montag, 2. August.
4.30 bis 5.45 Llhr: Konzert des Hausovche- sters: Alt-Wien. 5.45 bis 6.05 Dlhr: Die Lesestunde. 6.15 bis 6.45 Llhr: „Marathon-Lauf", eine Sportskizze von Dr. Paul Laven. 6.45 bis 7.15 Llhr: Funkhochschule: „Der soziale Gedanke in der deutschen Literatur des 19. und 20. Jahrhunderts", Vortrag von Prof. Dr. Schultz. 8.15 bis 9.15 Llhr: Neuere Kammermusik. 9.15 bi4 10.15 Llhr: Wagner-Abend.
Kopfschmerz1 ..Migräne 'Neuralgie Zahnschmerz bi______• • ■«.. ■ ",
Jabr-tvtebctvübrt. 1426d
Da holte die Nandl tief, tief Atem. Dann stieß sie hervor:
„Jeßmarjandjoses! — Gibt'e denn dös a — daß der Mensch a so lügen kann!" ...
„Ha, ha, ha!" Wie konnte der Förster jetzt diabolisch lachen, daß ihm die Tränen in die Augen traten. Und die Nandl lachte mit. Es blieb ihr schließlich auch nichts anderes übrig. Dann verschwand sie in der Hütte; mit einem Gläschen Enzian in der Hand kam sie zurück.
„Da, Herr Förster! G'seg'ns Gott! Dös is für d' Nächstenlieb!"
Der Annodomini nahm den feurigen Willkomm- grüß mit sichtlichem Wohlbehagen aus Nandls zarter Hand entgegen und stürzte ihn auf einen Zug hinunter.
„Ah!" grunzte er. Herroergeltsgott tausendmal, Nandl — dös war a guats Werk!" Und nachdem er sich den Bart gewischt: „Wie steht's allweil so bei euch?"
„Dank der Nachfrag, Herr Förster — i bin z'frieden mit dem Vieh!"
„Und drunten, bei die andern — im Hof?"
„Drunten? — O mei —"
„Han? —"
„Da mag i am liebsten gar nixen sagen! Und es steht mir als Ehhalten a gar net schon an. — Abgehn tuat mir nix — und —"
Der Förster zuckte die Achseln.
„Hab di schon, Nandl! — Aber t kehr selten mefjr zu, drunten, seit —" Er zögerte scheinbar, den Gedanken auszusprechen.
„Seit der Toni, den Hof hat, gel! — Ja, mei, Herr Förster — so geht's mir selber al — Wenn net der Bauer allweil no selber fest beim Zeug wär' — längst hätt' i mein Bündel zarnmpackt! Aber so bleib i halt — dem Bauer z'lieb! Und überhaupls, Herr Förster, kommen S' grab gelegen, denn heut werd der Bauer abtragen kommen — i wart schon draus."
Der Annodomini hob interessiert den Kopf.
„Was du net sagst?!"
Die Nandl machte ein wichtiges Gesicht.
„Freili — der Bauer halt's halt no, wie sich's g'hört und schaut selber nach! Is mir a viel lieber —" Sie brach ihre Rede ab. Vom Walde heraus scholl ein gellender Juhschrei.
(Fortsetzung folgt.)
Die Krummhölzer.
Roman aus den bayerischen Bergen.
Von Michael Wagner.
19 Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Zu dieser glockenhellen Morgenstunde war die Nandl eben damit beschäftigt, auf der Bank vor der Hüitentür ihr zinnenes Milchgeschirr zu reinigen. Sie hatte einen hochroten Kopf und rieb und fummelte mit wilder Leidenschaftlichkeit an dem armen Gesäß herum. Dazu schimpfte sie in einem Atem. Sie schimpfte eigentlich immer.
„Nessas! Jessas! Bloß wissen möcht i, was i mit dir no anfang! Dös soll mir bloß a Mensch sogen können — Han?! Gel — woaßt's selber net? — So red halt!"
Springgiftig war die Nandl. Vor ihr aber stand, klein und verhutzelt, in tiefer Zerknirschung — der alte dorete Gori.
„He!" donnerte es ungeduldig aus Nandls Munde.
„Han?" gab Gori zurück und blinzelte wie eine Henne mit schräg gehaltenem Kopf die Nandl unschuldig an. „Han?' — Hast ebbet was g'sagt?"
Da setzte die Nandl das Zinngesäß mit Wucht neben sich auf die Bank, erhob sich zu all ihrer stotilichen Größe, stemmte die robusten Hände in die Hüften — und bann schallte ihre Wachtmeister- ftimme auf bas sündige Haupt des vorsichtig zurück- wssichenben armen Gori hernieder:
"So! — Was i g'sagt hab — hast g'sagt! — So! — Was i g'sagt hab?! — Daß i wissen möcht, jroeng was daß du drunten allweil dem Bauern oorhwoiselt hast, du möchst zu mir auf d' Alm jo viel gern, weil i die oanzige bin, die wo daß du in der Sprach no verstehst — Han?! Hast's g'sagt oder net'?!"
, es für geraten zu schweigen und
lediglich m stummer Zerknirschung mit dem Kopfe zu wackeln.
"^o! — Also — und hab i net g'sagt — in ®ott s Nam — i will a guats Werk verrichten und di mitnehmen?! Und zum Dank dafür machst jetzt alles hint und vorn verkehrt!"
Wie eine Walküre stand die Schwerreiter-Nandl vor dem Gon. Hilflos blinzelte er zu der Schrecklichen hinauftOberfieverstanb ! O, du mein Gott
— die Nandl, wenn die einmal loslegte--Aber
verdattert war er doch und ein ganz klein wenig schlechtes Gewissen hatte er auch. Endlich, nach öfterem verlegenen Schlucken, druckte er heraus:
„— 's g’fdjeitere werd fein — i schaug zum Vieh hinteri! Woll!"
Darauf noch ein furchtsamer Blick, dann machte der Gori kehrt und stapfte davon.
Solches disziplinwidriges Gehaben schien der Nandl etwas ganz Neues zu sein. Sie war einfach paff. Mit wogender Bavariabrust, hochrotem Kopf und einem zu donnerndem Befehl schon weit geöffnetem Munde stand sie da — spracylos. Stumm. Entwaffnet.
So starrte sie dem abziehenden Gori nach. Jetzt blieb der arme Sünder stehen, und Nandl sah, wie er mit zitterigen Händen seine Pfeife aus dem Janker zog und zum Munde führte. Da hob die Nandl, wiedererwacht, drohend den herkulischen Arm.
„Goriii! — Gor—i—ü!"
Der Gori aber schnellte nicht zu Tode erschrocken herum, wie 's die Nandl etwa erwartet haben mochte, sondern neigte bloß das greife Haupt ein klein wenig auf die Seite und blinzelte so halb und halb über die Achsel zur Nandl zurück. So quasi: Hab' ich jetzt was gehört oder nicht?
Soll i heut an Schmarrn aufkochen oder Kasspatzen?!!" trompetete die Nandl darauf mit Mimik und Stimmaufwand, als schleuderte sie dem Gvri den gräßlichsten Fluch nach.
Und nun geschah ein Seltsames: Flugs machte der Gori kehrt und rief feixend der Nandl zu, so laut als er es nur aus seinem alten, vertrockneten Brustkasten herausbrachte:
„Woll! Woll! An Schmarrn, Nanderl! Gel — und fei guat aufschmalzen!"
Jetzt drohte die Nandl wirklich mit der Faust, aber mit einem breiten, gutmütigen Lachen im Gesicht:
„So! — An Schmarrn! Du alter Schlankl du! — Gel, dös hast g'hört?!"
Da lachte der Gori, bis ihn der Pfeifenrauch in der Kehle kitzelte, und er es zur Strafe mit feinem Stockhusten zu tun bekam.
Unb „Ha, ha, ha!" lachte noch jemand mit, aus freier Brust ein dröhnendes Lachen! Aber da gab es der Nandl einen Riß! — Herrgott! Erschrocken
■».■■■-------------- |||rn- n iiiimmmkuihhh,^ ■iiiimiiim—■
schaute sie sich um: Da stand rechter Hand, halb hinterm Eck der Almhütte, der Herr Förster Dominikus Sanktjohanser unb lachte — lachte — Sogar sein Dackel schien zu lachen ...
„O mei, Nanbl! Bald wär' i jetzt vor Lachen derstickt mit euch zwoa!" rief er ihr zu, als er sich entdeckt sah.
„Ja — was is denn net dös! Der Herr Förster! Wo kommen S' nur bloß her?"
Der Annodomini schien heute einen ganz hervorragend manierlichen „Humor" zu haben: wenigstens blitzten seine listigen Fuchsaugen höchst verdächtig, und die roten Eisenbahnsignalnase glänzte wunderschön purpurn. Er nahm die Büchse von der Schulter, hing sie an einen Holzpfosten, verstaute den Rucksack und ließ sich gemächlich auf die Bank nieder, während es sich der Dackel darunter bequem machte.
„Wo i herkomm, moanst, Nandl?" begann er jetzt augenzwinkernd. „Ja, meine Liebe, da his! I hab nämlich in der großen Diensthütten drenten übernacht, verstehst?"
Die Nandl nickte zwar, machte aber sehr große Augen.
Diese Diensthütte befand sich nämlich auf der anderen Seite des Bergstocks, gut fünf Wegstunden entfernt.
„La, und denk dir bloß, Nandl — wie i so in aller Herrgottsfrüh vor der Hütten nach'm Wetter specht, hör i was schreien. Jessas! Jessas! Und no etlichs dazua, was i aber net verstanden hab. Verstehst?"
Die Nandl hörte bloß atemlos zu.
„Nandl, i sag dir — mir hat's einen Kapitalrih geben! G'wiß is wahr! Dös is d' Nandl, hab i g'sagt leckt, baß ihr gar was passiert is! Sakra! Unb mein' Waldl pfeifen — Büx packen unb ab= schieben war oans! Ja, und jetzt bin i da — frag net, wie i g’rennt bin! G'wiß is wahr! — Scheint's war's aber umsonst, meine Angst, Han? Macht nix, Nandl — froh bin i doch, daß nix passiert is!"
Die Nandl stand starr.
Und der Annodomini schaute chr so grund- scheinheilig unschuldig ins Gesicht, wie nur er es fertig brachte.
„Gel, Nandl — da verschlagt's dir d' Red? Dös is halt a Nächstenlieb! — Und doch sagst allweil — d' Jager taugen allzamm nix!"
Mökz. tteizkraff, akbewähzil
F” öauler, billig, allbz&hrf-*
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