Ausgabe 
31.7.1926
 
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Wirtschaft.

Börse und Geldmarkt.

Die außerordentlich günstigen, teilweise sogar übertrieben günstig anmutenden Situationsbe­richte vom deutschen Kohlen- und Eisenmarkt, sowie die Nachricht, daß das Zustandekommen des internationalen Stahl-Abkommens dicht bevorstehe, haben zu einer Unterbrechung der Sommerruhe an der Börse geführt. Die Vermutung, daß es^sich hier wieder einmal um die Vorbereitung des Marktes für die Einführung der Vereinigten Stahlwerke- Aktien handelt, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Falls dies zutreffen sollte, so hat die Campagne vollen Erfolg gehabt, da im Laufe weniger Tage Montanaktien eine Steigerung um 10 bis 20 Prozent zu verzeichnen hatten, wobei eine Beteiligung des großen Publikums in größe­rem Umfange erst in den allerletzten Tagen zu bemerken war. Diese Bewegung übte auch aus die anderen Märkte ihre Einwirkung aus, so daß man von einer allgemeinen Sommerhausse, wenig­stens soweit es die am Terminmarkt gehandel­ten Werte anbelangt, sprechen kann. Angesichts des weniger klaren Communiques über die letzte Aufsichtsrats-Sihung der I. G 5arben=3n= dustrie wollen die Gerüche über weitere Aus­dehnungspläne dieser Gesellschaft nicht verstum­men. So spricht man neuerdings von einem Uebernang der Rositzer Braunkohle n - werW auf die Riebeck'ichen Montan­werte. Auch dem Dementi der Deutschen E r d ö ! - A. - G. in bezug auf die Verhandlun­gen mit der 3. G. Färben-Industrie wird wenig Glauben geschenkt. Sicher scheint soviel zu sein, daß in Kürze die 3. G. Farben-3ndustrie eine Kapitalerhöhung vornehmen wird und diese wenigstens größtenteils zum Werksausbau benutzen wird. Es muß daher auch ein Bezugs­recht der Aktionäre hierbei zu erwarten sein. Auch aut Bankaktien, die nach der letzten Hausse zeitweise recht still lagen, hat sich neuerdings diese Bewegung übertragen. Es scheint sich hiesr eine gewisse Rivalität einzelner Großbanken in bezug auf den Börsenkurs bemerkbar zu machen. 3edenfalls liegen Anzeichen dafür vor, daß diese Bewegung von den Banken selbst stark unter­stützt wird. Bei Deutsche Dank-Aktien insbesondere regt die Mitteilung an, daß die seinerzeit nach Amerika verkauften 40 Mill. Rm.- Aktien nunmehr im 3nlande placiert werden sollen. Man sieht hierin die Abkehr von dem Gedanken, für die Aktien einen Auslandsmarkt zu schaffen und somit das Vertrauen der Dank­leitung zur Stabilität des deutschen Kapital- Marktes. Der Kassamarkt vermag immer noch von der Hausse-Stimmung an den Terminmärkten zu profitieren und die Diskrepanz zwischen der Bewertung der am Terminmarkt gehandelten Aktien und der anderen wird immer augenfälli­ger. Cs dürfte schließlich auch im 3 ..eresse der Großbanken liegen, wenn sie die anlagesuchende Kundschaft in größerem Maße auf diese Tat­sache Hinweisen. Es hat den Anschein, als wenn der Ultimo wieder außerordentlich leicht über­wunden werden sollte. Die Rotisrungen am Markt für tägliches Geld haben zwar ein wenig angezogen, tägliches Geld bleibt aber bisher immer noch reichlich angeboten, was angesichts der Geldzuflüsse aus dem Auslande infolge der dort placierten Anleihen nur zu begreiflich ist. Lediglich am Privatdiskontmarkt zeigt sich neuer­dings etwas mehr Nachfrage, was zu einer Heraufsetzung deS P r i v a t d i s k o n t- s a tz e s für kurze Sichten um 0,25 Prozent ge­führt hat. Diese stärkere Nachfrage dürfte mit dem in die ersten Augusttage fallenden Zahlungs- ' termin auf die Reichsbahn-Vorzugsaktien im Zu­sammenhang stehen. Des weiteren fällt in den August eine erneute 3nanspruchnahme des deut­schen Kapitalmarktes durch die Auflegung der zweiten Tranche der Reichspost-Anleihe. Augen­

scheinlich läßt man diese zwette Tranche der ersten so schnell folgen, um im Herbst freie Hand für die kommende große Reichsanleihe zu haben.

' Eine Anleihe der Stadt Heidel­berg. Zwei Dankgruppen, davon eine unter Führung der Süddeutschen Diskonto-Gesellschaft, Filiale Heidelberg, und die andere unter Füh­rung der Deutschen Effekten- und Wechselbank in Frankfurt a. M. haben von der Stadt Heidel­berg vorbehaltlich der ministerielten Genehmigung fünf Millionen 7proz. Teilschuldverschreibungen übernommen, die demnächst zum freihändigen Verkauf kommen werden.

* Auslandanleihe der Stinnes» Kohlengruppe? Die Stinnes-Liquidation ist nach derK. V. Z." insofern zum Stillstand ge­kommen, alS die jetzt noch vorhandenen Werte zum Teil nicht oder nur unter dem wirklichen Wert verkäuflich sind, zum anderen ein Verkauf von der Firma Stinnes nicht beabsichtigt wird, solange nicht eine unbedingte Notwendigkeit vorliegt. Zu diesen letzten Werten gehören außer dem Kohlenhandels­geschäft vor allen Dingen die Stinnes-Zechen in Essen und der Mülheimer Bergwerksverein in Mül­heim, an dem die Familie Stinnes mit mehr als der Hälfte des Kapitals beteiligt ist. Von dem Plan der Gründung einer Kohlenhcmdels-A.-G^ in die der Kohlenhandel der Firma Hugo Stinnes, die Stin- nes-Zechen und der Mülheimer Bergwerksverein hineingenommen werden sollten, hört man nichts mehr. Es scheint, als ob die Bankengruppe, die immer noch eine Forderung von etwa 80 Millionen Reichsmark an die Stinnesmasfe haben soll und sich an her zu gründenden Kohlenhandelsgesellschast zu beteiligen beabsichtigte, keinen Wert mehr auf diese Lösung liegt. Andererseits scheint die Firma Hugo Stinnes versuchen zu wollen, die Bankschuld in der Weise abzulösen, daß die sich unter Verpfändung ihrer Anteile an den Stinnes-Zechen, dem Mül­heimer Bergwerksverein usw. einige größere aus­ländische Kredite zu verschaffen sucht, mit deren Hilfe sie sich wieder freie Hand gegenüber den Banken verschaffen würde. Wie verlautet, sind in letzter Zeit ernstliche Verhandlungen mit einer englischen Gruppe geführt worden. Ob und inwieweit eine Lösung nach dieser Richtung bevorsteht, steht noch nicht fest.

Franlfurrer Abendbörse.

Frankfurt a. M., 30. 3uli. Die Abend­börse zeichnete sich durch eine weitere Aufwärts­bewegung aus. Das für alle Gebiete lebhafte Geschäft bevorzugte erneut Montanaktien, die gegenüber den erhöhten Nachbörsekurfen wieder 2 bis 3 Prozent fester lagen. Auch Farbenwerte waren um 3.5 Prozent gesteigert. 3m allgemei­nen betrugen die Kursbesserungen 1 bis 2 Pro­zent. Die Dörse schloß die Woche in fester und lebhafter Stimmung. Deutsche Anleihen: 5proz. Reichsanleihe 0.502'., Schutzgebietsanleihen 5.51, ZVeproz. Reichsanleihe 0.465, 4proz. Württem­berger (36/42) 30. Ausländische Renten: Un­garische Goldrente 19, Administrationstürken 11.87, 5proz. Silbermexilaner 22.25, 3proz. dto. 2.25. Bankaktien: Adca 118, Barmer Bankverein 120, Bayerische Hypothekenbank 133.5, Commerz­bank 137.75 m, Darmstädter Dank 187.5 m, Deutsche Bank 170.5 m, Diskontogesellschaft 158 m, Dresdner Dank 139.87 m, Deutsche Hypotheken­bank 111.5, Metallbank 125.5, Mitteldeutsche Cre- ditbank 127.5, Reichsbank 159.12, Süddeutscher Dodenkredit 137.5, Oesterreichische Kreditaktien 7.2. Schiffahrtsaktien: Hapag 153.75, Nordd. Lloyd 149.37 m. Dergwerksaktien: Bochum 145.1, Bu­derus 94.9, Deutsch-Luxemburg 149 m, Gelsen­kirchen 170.5 m, Ilse Bergbau 139 m, Klöckner- Werke 119.62 m, Mannesmann 132.5 m, Mans­feld 114.5 m, Oberbedarf 71.5 m, Phönix 118.75 m, Rheinische Braunkohlen 174.75 m, Rheinstahl 142.75 m, Riebeck Montan 147.75 m, Laurahütte 58.5. Industrieaktien: Adlerwerke Kleyer 80.5, AEG. 143.5 in, Aschaffenburger Zellstoff 112.5, Bergmann 134 m, Zement Heidelberg 110 m,

Daimler 88 m, Deutsche Eisen 59.75, Deutsche Erdöl 144.75 m, Scheideanstalt 142 m, Elektrisch Licht und Kraft 114.5 m, Farbenindustrie 257 m, Frankfurter Maschinen 76, Goldschmidt 94, Holz­mann 85.5, Holzverkohlung 48.75, Lahmeyer 124.5, Metallgesellschaft 136 m, Rütgerswerke 11 m, Schuckert 127.5 m, Siemens u. Halske 171.5 m, Wahß u. Freytag 105, Zellstoff Waldhof 158.5, Badischer Zucker 81.25, Frankenthalzucker 68.37, Heilbronn 81.5, Offsteinzucker 103, Stuttgart­zucker 82.5, Salzwerk Heilbronn 107, Knorr 115, Iunghans 87, Felten 132, Nachbörse: Thüringer Elektrizität 85, Metallbau! 126.

93öcfentnrfe.

<Ohne Gewahr.)

Frankfurt a.M.

Berlin

Datum:

Frankfurter Getreidebörse.

Frankfurt a. M., 30. Juli. Es wurden notiert: Weizen (Wetterauer) 32 (nominell), Roggen (inl.) 22 bis 22,25, Hafer (ausl.) 21,25 bis 23, Mais (gelb) 18,25 bis 18,50, Weizenmehl (inl., Spezial 0) 42,75 bis 43,75, Roggenmehl 31,50 bis 32, Weizenkleie 9,25, Roggenkleie 11. Tendenz: Fest.

5% Deutsche Rcichsanlethe . 4% Deutsche Reichsaulciye . 37s% Deutsche Ncichsanlethe 3% Deutsche RcichSanleihe . Deutsche Svarprämicnanleihe «°/o PreuHische KonsolS . . . 4% Hessen ... 3>/9% Hessen 3% Heuen ......

Deulichc Wertb. Dollar-Anl. dto. Doll -Schah-Anweisng.*) 4e/0 Zolltürkeu 5°/e Goldmcnkaner ... . Berliner Handelsgesellschaft Lommeis- und Pttoat-Bank Dcumst. und Ncuionalbank . Deutsche Bank Deutsche Bercinsbank . . . . Disconlo Commandit . . , Metaltlian!...........

Mitteldeutsche Kreditbank . . Oestecreichische Lreditanstalt Westbank ....... .

Bochumer Gatz ......

Buderus ........... Taro . . Deutsch-Lurernbura Gelsenkirchener Bergwerke. . Harpener Bergbau Kaliwerke Aschersleben. . . . Kaliwerk Westeregeln Laurahütte ........ Oberbedars . . . Phonir Bergbau ......

Rheinstahl . . . , Riebeck Montan ....... Tellus Bergbau........ Hamburg-Amerika Paket. . . Norddeutscher Llovd . . . . . Theramische Werke Albin . . Zementwerk Heidelberg . . . Philipp Holzmann......

Anglo-Com.-Guano Chemische Mayer Alapin . . I. G Farbenindustrie, A.-G. Goldschmidt..........

Holzverkohlung RiitgerSwcrkc . . ..... Scheideanstalt.........

Alla- ClektrtzttätS-Gesellschasl Bergmann . . Mainkrastwerke .....

Schuckert .......

Siemens Ät HalSK Adlerwcrke Kleyer ..... Daimler Motoren. ...... Heyligenstaedt.....

Meguin . . , Motorenwerke Mannheim Frankfutter ArmatuttN . . . Konservenfabrik Braun . . . Metallgesclvchaft Frankfurt. Pet. Union A.-G.....

Schuhfabrik Herz Sichel Zellstoff Waldhof ..... Zuckerfabrik

Rurs 1 Jörie

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80,75

Devisenmarkt BerlinFrankfurt a. M.

Telegraphische Auszahlung.

29 Juli.

30. Juli.

Amtliche Notierung

Geld 1 »rief

Amtliche Notierung

Geld Brief

Smft.-Sioti Buen.-Airer Brff.-Antw Christiania. Kopenhagen Stockholm . Helstngfors. Statten. . . London. . Neunork . . Paris.... Schweiz . . Spanien . . Hapan . . . otio de Ian Wien in D- Ccft. abgest Prag .... Belgrad . . Budapest. . Bulgarien . Lissabon Danzig. . . Konstantin. Athen , anada. .

Uruguay . .

168,69

1,699

10,33

91,88

111,21

112,36

10,548

13,56 20,391

4,195

9,91

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69,31

12,418

7,405

5,872

3,04 21,425

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2,335

5,69 4,198

4.135

Vc

169.01 1,703

10,37

92,12

111,49 112,54

10,588

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20,443

4,205

9,95 81,34

64,33 1,984 0.647

59,45

12,458

7,425

5,892

3,05 21,475

81,80 2,345

5,71 4,208 4.145

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166,57 1,698

10,57 91,88

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112,26 10,55 13,50

20,394 4,195

10,085 81,13

64.52 1,977 0.643

59.35 12,418

7,39 5,872

5,03 21.455

81,60 2,35

4,79 4,198 4.165

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168,99 1,702 10,61 92,12

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12.453 7,41

6,892

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2,36

4,81

Berlin, 30 Juli

Geld

Brief

Amerikanische Note, ..... Belgische Noten . ....... Dänische Noten ....... Englische Noten........ Französische Noten ...... Holländische Noten.....

Italienische Noten . . . . . Norwegische Noten...... Demsch-Oesterr., 5 ivv Kronen Rumänische Noten ...... Schwedische Noten......

Schwerer Noten.......

Spanische Noten.......

Tschechoslowakische Noten .. Ungarische Noten.......

4,178

10,87

110,57

20,359

10,57

168,18

13.87 »1,57

59,40

111,97

81,20

64,24

12,42

5,825

111,53

20,459

10,63

169,02

13,93

92,03

59,70

112,57

81.60

64,56

12,48

5.865

Briefkasten der Redaktion.

C. G. in f). Das Finanzamt ist berechtigt, für rückständige Steuern, die auf dem Hause ruhen, die Miete zu beschlagnahmen. In diesem Falle ist der Mieter verpflichtet, die Miete an das Finanzamt zu zahlen.

Rundfunk-Programm.

Sonntag, 1. August.

8 bis 9 Ahr: Morgenfeier, veranstaltet vom Wartburgvercin. 12 bis 1 llfjr: Konzert des Hausorchesters: Franz Liszt. 3 bis 4 Mr: Stunde der Jugend. 4 bis 6 llhr: äleberttagung von Griesheim: Zither-Konzert. 6 bis 7 Llhr: Stunde des Rhein-Mainischen Verbandes für Volksbil­dung :Poesie des Sommers", Vortrag von Geh. Rat Prof. Dr. Alfred Biese. 7 Llhr: Llebertra- gung aus Zoppot: Richard-Wagner- Festspiele der Zoppoter Waldoper: Lohengrin. Anschließend bis 12 ilfyr: ^Übertragung von Berlin: Tanzmusik der Berliner Funkkapelle.

Montag, 2. August.

4.30 bis 5.45 Llhr: Konzert des Hausovche- sters: Alt-Wien. 5.45 bis 6.05 Dlhr: Die Lese­stunde. 6.15 bis 6.45 Llhr:Marathon-Lauf", eine Sportskizze von Dr. Paul Laven. 6.45 bis 7.15 Llhr: Funkhochschule:Der soziale Gedanke in der deutschen Literatur des 19. und 20. Jahr­hunderts", Vortrag von Prof. Dr. Schultz. 8.15 bis 9.15 Llhr: Neuere Kammermusik. 9.15 bi4 10.15 Llhr: Wagner-Abend.

Kopfschmerz1 ..Migräne 'Neuralgie Zahnschmerz bi______«.. ",

Jabr-tvtebctvübrt. 1426d

Da holte die Nandl tief, tief Atem. Dann stieß sie hervor:

Jeßmarjandjoses! Gibt'e denn dös a daß der Mensch a so lügen kann!" ...

Ha, ha, ha!" Wie konnte der Förster jetzt dia­bolisch lachen, daß ihm die Tränen in die Augen traten. Und die Nandl lachte mit. Es blieb ihr schließlich auch nichts anderes übrig. Dann ver­schwand sie in der Hütte; mit einem Gläschen En­zian in der Hand kam sie zurück.

Da, Herr Förster! G'seg'ns Gott! Dös is für d' Nächstenlieb!"

Der Annodomini nahm den feurigen Willkomm- grüß mit sichtlichem Wohlbehagen aus Nandls zarter Hand entgegen und stürzte ihn auf einen Zug hinunter.

Ah!" grunzte er. Herroergeltsgott tausendmal, Nandl dös war a guats Werk!" Und nachdem er sich den Bart gewischt:Wie steht's allweil so bei euch?"

Dank der Nachfrag, Herr Förster i bin z'frieden mit dem Vieh!"

Und drunten, bei die andern im Hof?"

Drunten? O mei"

Han?"

Da mag i am liebsten gar nixen sagen! Und es steht mir als Ehhalten a gar net schon an. Abgehn tuat mir nix und"

Der Förster zuckte die Achseln.

Hab di schon, Nandl! Aber t kehr selten mefjr zu, drunten, seit" Er zögerte scheinbar, den Gedanken auszusprechen.

Seit der Toni, den Hof hat, gel! Ja, mei, Herr Förster so geht's mir selber al Wenn net der Bauer allweil no selber fest beim Zeug wär' längst hätt' i mein Bündel zarnmpackt! Aber so bleib i halt dem Bauer z'lieb! Und überhaupls, Herr Förster, kommen S' grab ge­legen, denn heut werd der Bauer abtragen kommen i wart schon draus."

Der Annodomini hob interessiert den Kopf.

Was du net sagst?!"

Die Nandl machte ein wichtiges Gesicht.

Freili der Bauer halt's halt no, wie sich's g'hört und schaut selber nach! Is mir a viel lieber" Sie brach ihre Rede ab. Vom Walde heraus scholl ein gellender Juhschrei.

(Fortsetzung folgt.)

Die Krummhölzer.

Roman aus den bayerischen Bergen.

Von Michael Wagner.

19 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Zu dieser glockenhellen Morgenstunde war die Nandl eben damit beschäftigt, auf der Bank vor der Hüitentür ihr zinnenes Milchgeschirr zu reinigen. Sie hatte einen hochroten Kopf und rieb und fum­melte mit wilder Leidenschaftlichkeit an dem armen Gesäß herum. Dazu schimpfte sie in einem Atem. Sie schimpfte eigentlich immer.

Nessas! Jessas! Bloß wissen möcht i, was i mit dir no anfang! Dös soll mir bloß a Mensch sogen können Han?! Gel woaßt's selber net? So red halt!"

Springgiftig war die Nandl. Vor ihr aber stand, klein und verhutzelt, in tiefer Zerknirschung der alte dorete Gori.

He!" donnerte es ungeduldig aus Nandls Munde.

Han?" gab Gori zurück und blinzelte wie eine Henne mit schräg gehaltenem Kopf die Nandl un­schuldig an.Han?' Hast ebbet was g'sagt?"

Da setzte die Nandl das Zinngesäß mit Wucht neben sich auf die Bank, erhob sich zu all ihrer stotilichen Größe, stemmte die robusten Hände in die Hüften und bann schallte ihre Wachtmeister- ftimme auf bas sündige Haupt des vorsichtig zurück- wssichenben armen Gori hernieder:

"So! Was i g'sagt hab hast g'sagt! So! Was i g'sagt hab?! Daß i wissen möcht, jroeng was daß du drunten allweil dem Bauern oorhwoiselt hast, du möchst zu mir auf d' Alm jo viel gern, weil i die oanzige bin, die wo daß du in der Sprach no verstehst Han?! Hast's g'sagt oder net'?!"

, es für geraten zu schweigen und

lediglich m stummer Zerknirschung mit dem Kopfe zu wackeln.

"^o! Also und hab i net g'sagt in ®ott s Nam i will a guats Werk verrichten und di mitnehmen?! Und zum Dank dafür machst jetzt alles hint und vorn verkehrt!"

Wie eine Walküre stand die Schwerreiter-Nandl vor dem Gon. Hilflos blinzelte er zu der Schreck­lichen hinauftOberfieverstanb ! O, du mein Gott

die Nandl, wenn die einmal loslegte--Aber

verdattert war er doch und ein ganz klein wenig schlechtes Gewissen hatte er auch. Endlich, nach öfterem verlegenen Schlucken, druckte er heraus:

's gfdjeitere werd fein i schaug zum Vieh hinteri! Woll!"

Darauf noch ein furchtsamer Blick, dann machte der Gori kehrt und stapfte davon.

Solches disziplinwidriges Gehaben schien der Nandl etwas ganz Neues zu sein. Sie war einfach paff. Mit wogender Bavariabrust, hochrotem Kopf und einem zu donnerndem Befehl schon weit ge­öffnetem Munde stand sie da spracylos. Stumm. Entwaffnet.

So starrte sie dem abziehenden Gori nach. Jetzt blieb der arme Sünder stehen, und Nandl sah, wie er mit zitterigen Händen seine Pfeife aus dem Janker zog und zum Munde führte. Da hob die Nandl, wiedererwacht, drohend den herkulischen Arm.

Goriii! Goriü!"

Der Gori aber schnellte nicht zu Tode erschrocken herum, wie 's die Nandl etwa erwartet haben mochte, sondern neigte bloß das greife Haupt ein klein wenig auf die Seite und blinzelte so halb und halb über die Achsel zur Nandl zurück. So quasi: Hab' ich jetzt was gehört oder nicht?

Soll i heut an Schmarrn aufkochen oder Kasspatzen?!!" trompetete die Nandl darauf mit Mimik und Stimmaufwand, als schleuderte sie dem Gvri den gräßlichsten Fluch nach.

Und nun geschah ein Seltsames: Flugs machte der Gori kehrt und rief feixend der Nandl zu, so laut als er es nur aus seinem alten, vertrockneten Brustkasten herausbrachte:

Woll! Woll! An Schmarrn, Nanderl! Gel und fei guat aufschmalzen!"

Jetzt drohte die Nandl wirklich mit der Faust, aber mit einem breiten, gutmütigen Lachen im Gesicht:

So! An Schmarrn! Du alter Schlankl du! Gel, dös hast g'hört?!"

Da lachte der Gori, bis ihn der Pfeifenrauch in der Kehle kitzelte, und er es zur Strafe mit feinem Stockhusten zu tun bekam.

UnbHa, ha, ha!" lachte noch jemand mit, aus freier Brust ein dröhnendes Lachen! Aber da gab es der Nandl einen Riß! Herrgott! Erschrocken

».-------------- |||rn- n iiiimmmkuihhh,^iiiimiiim

schaute sie sich um: Da stand rechter Hand, halb hinterm Eck der Almhütte, der Herr Förster Do­minikus Sanktjohanser unb lachte lachte Sogar sein Dackel schien zu lachen ...

O mei, Nanbl! Bald wär' i jetzt vor Lachen derstickt mit euch zwoa!" rief er ihr zu, als er sich entdeckt sah.

Ja was is denn net dös! Der Herr Förster! Wo kommen S' nur bloß her?"

Der Annodomini schien heute einen ganz her­vorragend manierlichenHumor" zu haben: wenig­stens blitzten seine listigen Fuchsaugen höchst ver­dächtig, und die roten Eisenbahnsignalnase glänzte wunderschön purpurn. Er nahm die Büchse von der Schulter, hing sie an einen Holzpfosten, verstaute den Rucksack und ließ sich gemächlich auf die Bank nieder, während es sich der Dackel darunter bequem machte.

Wo i herkomm, moanst, Nandl?" begann er jetzt augenzwinkernd.Ja, meine Liebe, da his! I hab nämlich in der großen Diensthütten drenten übernacht, verstehst?"

Die Nandl nickte zwar, machte aber sehr große Augen.

Diese Diensthütte befand sich nämlich auf der anderen Seite des Bergstocks, gut fünf Wegstunden entfernt.

La, und denk dir bloß, Nandl wie i so in aller Herrgottsfrüh vor der Hütten nach'm Wetter specht, hör i was schreien. Jessas! Jessas! Und no etlichs dazua, was i aber net verstanden hab. Ver­stehst?"

Die Nandl hörte bloß atemlos zu.

Nandl, i sag dir mir hat's einen Kapitalrih geben! G'wiß is wahr! Dös is d' Nandl, hab i g'sagt leckt, baß ihr gar was passiert is! Sakra! Unb mein' Waldl pfeifen Büx packen unb ab= schieben war oans! Ja, und jetzt bin i da frag net, wie i grennt bin! G'wiß is wahr! Scheint's war's aber umsonst, meine Angst, Han? Macht nix, Nandl froh bin i doch, daß nix passiert is!"

Die Nandl stand starr.

Und der Annodomini schaute chr so grund- scheinheilig unschuldig ins Gesicht, wie nur er es fertig brachte.

Gel, Nandl da verschlagt's dir d' Red? Dös is halt a Nächstenlieb! Und doch sagst all­weil d' Jager taugen allzamm nix!"

Mökz. tteizkraff, akbewähzil

F öauler, billig, allbz&hrf-*

Brfkeffe