Ausgabe 
31.5.1926
 
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März wie im Verlause der Verhandlungen des > Prümngsausschusses den grundsätzlichen Stand­

punkt eingenommen habe und die höheren Inter­essen des Völkerbundes Im Auge gehabt habe.

Was die von Brasilien in dec Frage der Zu­teilung ständiger Rats sitze eingenom-- imene Haltung betreffe, so bleibe sie unver­ändert. Es stehe dem Präsidenten der brasiliani­schen Republik allein zu, diese Haltung zu ändern. Die ständige Vertretung Brasiliens beun Völkec- bundsrat, der Botschafter Mello Franco, habe indessen vom Präsidenten der Republik keine neue Anweisung erhalten, die es ihm gestatten werde, irgendeine Aenderung in der in dieser Angelegenheit eingenommenen Hal­tung herbrizuführen.

Der Havasvertreter fügt diesen Äußerungen hinzu, daß Graf Bernstorfs in Abrede gestellt habe, irgendeine Besprechung mit Mello Franco gehabt zu haben.

schrieben habe. Er habe nichts dagegen, wenn man ihn zum Präsidenten wählen wolle. Er werde andererseits aber auch anderen an­ständigen Kandidaturen zustimmen. Eine Kandi­datur der alten S taats verbr e ch er werde er aber nicht dulden. Er wünsch: auch die Auslösung der Kammer nicht, er wünsche nur eine längere Vertagung. Er habe genug Kraft, die er zum Wohle seines Vaterlandes opfern könne. Er wolle sie jedoch nicht für einen neuen Bürgerkrieg verschwenden. Seine Kraft im Lande sei jetzt viel größer als die der Staats­verbrecher. die Polen ganz zugrunde gerichtet hätten. Wie man hört, werden sämtliche 22 deutsche Abgeordnete im Sejm ihre Stimme für Pilsudski abgeöen. Pilsudski selbst hat einem Journalisten erklärt, daß an­gesichts her gegenwärtigen politischen Lage jeder Einfluß des Sejm bei der Reubildung eines Ka- binetkes fernbleiben müsse.

Was wird mit Add el Krim?

Paris, 29. Mai. (WB.) Wie die Havas- agentur berichtet, besprachen die Blätter die Lage QI bi) el K r ims. Sie vertreten die An­sicht, es wäre unsinnig, wenn man Abd el Krim anders als einen I n s u r g e n t e n und B a n- ditenführcr behandeln würde. Die Zeitung ^Debat" erklärt, man dürfe zwar keine Rache- gefühle Hervorrufen, aber man dürfe auch nicht das internationale Recht für Abd el Krim in Anspruch nehmen, daS für die Hor­den der Rifleute absolut unanwend­bar sei. Rach weiteren Meldungen geht in Marokko das Gerücht um, daß die spanische Regierung einen Antrag auf Ausliefe­rung Abd el Krims gestellt habe. Diese Meldung wird in Paris zur Zeit weder demen­tiert noch bestätigt, doch stellen die meisten Blätter übereinstimmend fest, daß, wenn ein spanischer Auslieferungsantrag gestellt wird, ihm u n m ö g- lich Folge geleistet werden könne.

In Taza hat die offizielle aleber­gäbe Abd el Krims an den Sultan von Marokko stattgefunden. Abd el Krim wird zunächst in Fez interniert. Rach der Unter» werfung der Beni Sevual, einer der maß­gebendsten Stämme im Risgebiet, ist nunmehr die gesamte französische Zone in Ma­rokko außer Kampftätigkeit. Entgegen anders lautenden Meldungen werden amtlicher- feite die gesamten Verluste der franzö­sischen Truppen an Toten in der Zeit vom 15. April 1925 bis 25. Mai 1926 mit rund 1500 bekanntgegeben.

Abd el Krims Briefwechsel.

Paris, 29. Mai. (TU.) Abd el Krim hat den französischen Behörden einen großen Teil seines Briefwechsels ausgeliefert, dessen Durchsicht noch nicht beendet ist.

DerOuotibien glaubt zu wissen, einige Briefe erbrächten den Rachweis, daß Olbd el Krim zu seinem Widerstand vor allem durch italienische Persönlichkeiten verleitet worden sei, die sich als Vertreter der Regierung in Rom ausgegeben hätten. Rach einer anderen Mitteilung sollen die Papiere außer deut­schen Ra men (1) die von Amerikanern, Eng­ländern unb zahlreichen Franzosen aufweisen.

DerAvenir" macht die Andeutung, daß in einigen der Schreiben an Olbd el Krim eine, befristete Intervention von einer sehr hohen Persönlichkeit einer Frankreich benachbarten Ra­tion angäündigt worden sei.

In einer Unterredung mit dem Vertreter desMatin" in Targuist erklärte Abd el ' Krim auf die Frage, weshalb er die französi­schen Friedensvvrschläge nicht angenommen habe, er habe sich nicht ergeben können, ohne vorher noch weiter gekämpft zu haben. Auf eine weitere Frage nach dem Schicksal der Ausländer, die sich in seinem Hauptquartier befanden, entgeg­nete der Rifführer, sie seien nach Tanger ge­flüchtet.

Steegs Ausruf an die Rifstämme.

Paris, 29. Mai. (WTD.) Wie Havas aus Taunat berichtet, hat Generalresident .Steeg einen Aufruf an die Stämme erlassen, in dem er sie auffordert, sich den Fran­zosen ohne Hintergedanken zu unter­werfen und die Uebel wieder gut zu machen, die sie verursacht hätten. Die Stämme könnten versichert fein, daß man für den Frieden und ihr Wohlergehen unter Olchtung ihrer Sitten unb Gebräuche sorgen werde.

Die englische Kohlenkrisis

London, 31. Mai. (WTB.-Funkspruch.) Alle Blätter weisen daraus hin, daß heute abend das Ultimatum der Regierung abläuft, wonach die in Aussicht gestellte Subvention f ü r d i e K o h - lenindustrie von 3 Millionen Pfund Sterling zurückgezogen wird.Daily Exepreß>' verlangt, die Regierung solle unverzüglich auf gesetz­geberischem Wege Vorkehrung treffen, um die A r - beitsbedingungen in der Bergwerks- i nbuftrie in der notwendigen Weife abzuän­dern. Der parlamentarische Korrespondent des Daily Telegraph" sagt, daß morgen beim Zusam­mentritt des Unterhauses über die Kohlenfrage eine eingehende Aussprache stattfinden dürfte. Es ist hier der endgültige Eindruck, daß die Absicht der Bergleute, bis zum Ende zu kämpfen, nicht mehr viele Tage aufrechterhallen werde. Die wachsende Neigung dec Bergleute, in den Kohlenbezirken eine AusdehnungderArbeitszeitzu erwägen, wäre als sehr bedeutungsvoll betrachtet.

In maßgebenden Kreisen finden die Vor­schläge des arbeitervarteilichen Par­lamentsmitgliedes Warley für eine Lö­sung der Kohlenfrage viel Beachtung. Sie unter­scheiden sich zwar von dem von Baldwin am 14. Mai den Bergarbeitern und OrubenbefiQern überreichten Plane sehr stark, enthalten aber die fol­genden wichtigen Punkte:

1. Sofortige Reduzierung der Löhne, 2. Verkürzte zeitlich begrenzte Subventionszahlung und 3. Zwang, falls sich die Grubenbesitzer und Gru­benarbeiter üoer die endgültige Festsetzung dec Löhne nicht einige« können.

Line Erklärung pilsudskis.

Warschau, 30. Mai. (TU.) Pilsudski erklärte heute, er mache sich über die Revo­lution keine Gewissensbisse. Er habe nur das getan, was sein Gewissen ihm vorge-

Bevorstehende Amnestierung der ungarischen AankenMfcher.

Budapest, 30. Mai. (TU.) Die Zeitung Magyarorßeg" meldet, daß der ungarische R e i ch s v e r w e s e r zum 29. August, dem 400. Jahrestag der Schlacht bei Mohacs, in der der letzte ungarische König Ludwig II. gegen die Tür­ken unterlag, eine allgemeine A m n e st i e er­lassen werde. Diese soll sich auf alle Verbrecher be­ziehen, die Zuchthausstrafen von nicht mehr als fünf Jahren erhalten und die ihre Straftat nicht aus gemeiner Art her begangen haben. In poli­tischen Kreisen verlautet, dah in diese Amnestie auch Prinz Windischgraetz, Radossy und die an« deren imFrankenfälscherprozeß Verurteil­ten einbezogen werden sollen.

Hilfsmaßnahmen für die Landwirtschaft.

Eine Rede Haslindes.

Weimar, 29. Mai. (TU.) Anläßlich der Gesamtvorstand- und Vertreterversammlung des Reichslandbundes am 29. Mai in Weimar sprach der Reichsminister für Ernährung unb Landwirtschaft, Dr. Haslinde über die Hilfs­maßnahmen für bie Landwirtschaft. Der Minister führte u. a. aus, baß bie eingeleiteten Aktionen zum Zwecke ber Krebitregulierung unb zur Wiederherstellung der Renta­bilität mit allein Rachdruck fortgesetzt werden. Gleichwohl sei bei einer so schwierigen Krrsis eine durchgreifende Besserung von heute auf morgen nicht herbeizuführen. 3n Verbindung mit der Reichsbank seien Maßnahmen in Vor­bereitung, um zu verhindern, daß bei der kom­menden Ernte unter dem Druck ber völlig kurz­fristigen Verbindlichkeiten die Erntevorräte in einem die Aufnahmefähigkeit des Marktes über­steigendem Umfange abgestoßen würden unb sich daraus wieder verlu st bringen de Ge- treidepretfe entwickelten. Der Plan der Sicherstellung der Erntebewegungskredltr werde fo rechtzeitig fertiggestellt sein und bekannt ge­geben, daß diese Hilfsaktion sofort beginnen könne. Parallel damit laufe die Geschäftsauf­nahme der Getreibehandelsgesell- schäft. Zum Reichskommissar für biefc Gesell­schaft habe er den Ministerialdirektor im Reichs­ministerium für Ernährung unb Landwirtschaft, Dr. Beyer lein, ernannt. Der Minister wies bann darauf hin, daß es unbedingt notwendig sei, die schwer leidende Landwirtschaft gerade während der Zeit ihrer Umstellung unb ihres Wiederaufbaues gegen die Ueber­sch w e m m u n g mit Agrarprodukten aus dem Auslände zu schützen. Die drohen­den Proteustversammlungen, Forderungen ulti­mativen Charakters an die Regierung usw. müsse er mißbilligen, da sie nur dazu geeignet seien, den wirtschaftlichen Frieden zu stören unb damit dem Volksganzen zu schaden.

Hauptversammlung der deutschen Kolonialgesellschaft

Bochum, 29. Mai. (TU.) Die Hauptver­sammlung der deutschen Kolonialgesell­schaft wurde heute morgen durch den Wirkt. Geheimrat Seitz in der Verwaltungsakademie in Bochum eröffnet. In seiner Ansprache erin­nert er an die zehnjährige Wiederkehr der Seeschlacht von Skagerrak, bie einzig dastehe in der deutschen Geschichte. Ein Gruß- und Danktelegramm an den Admiral Scheer fand begeisterte Aufnahme. Präsident ©eil) streifte bann die Gründe, die Veranlassung dazu gaben, die diesjährige Hauptversammlung in Bochum abzuhalten.Wir wollen," so führte der Redner aus,unseren vielgeprüften Lands­leuten an Rhein unb Ruhr beweisen, daß wir sie nicht vergessen haben." Die verschiedenen Ursachen der heutigen Wirtschafts- not bestehen Darin, daß der gewaltige Dau der Industrie und Volkswirtschaft auf einer wirt­schaftlich zu schmalen Basis aufgebaut ist. Diese Basis muß erweitert und ergänzt werden durch wirtschaftliche Gebiete in Ueberfee.

Die politische Situation des letzten Iahres stand unter der Politik von Locarno. Riemand weiß, wohin sie führen wird. Wir haben kaum je eine solche Unsicherheit und Kci- senlust gehabt wie jetzt. Wir Deutschen müssen in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht Den Einfluß wiedergewinnen, ber uns in bezug auf unsere Bedeutung zur Erschließung Afri­kas zukommt. Die Kolonial frage ist keine Parteifrage, sondern eine Frage an das politische und wirtschaftliche Leben. Rach der Rede des Präsibenten Seih wurde eine Sym­pathiekundgebung f ü r die Bevölke­rung der ehemals besetzten unb noch besetzten Gebiete angenommen. Zur Kolonialfrage wurde s olgcnbe Entschließung des Vorstandes angenommen:Die Hauptversammlung ersucht bie deutsche Reichsregierung, bie deutschen kolo­nialen Rechtsansprüche mit allem ber hohen Bedeutung dieser Frage gebührendem Rachdruck unb bei jeder sich bietenden Gelegen­heit zur Geltung zu bringen und ins­besondere bie Auslieferung ber alten deutschen Kolonien zu verlangen. Sollte die deutsche Reichsregierung beabsichtigen, in den Völkerbund einzutreten, so ist dies von der vorherigen Zusicherung der Rückgabe des deutschen Kolonialbesitzes abhängig zu machen.

21. Deutscher Mietertag in Köln.

Köln, 29. Mai. (WTB.) Die Beratungen des 21. ordentlichen Deut schen Mieter­tages des Bundes Deutscher Mietervereine e. G., Sih Dresden, vom 28 .bis 30. Mai 1926 wurden heute vormittag 10 älhr mit ber Bun­de s a u s s ch u ß - S l tz u n g eröffnet. Hierzu waren bie Delegierten der Länder- unb preußi­schen Provinzialverbände erschienen. DerBundes- ausschuh beschäftigte sich mit Organisations- unb Derwaltungsangelegenheiten, internen Berichten unb ben einzelnen Punkten ber Tagesordnung der verschiedenen Veranstaltungen im Rahmen der Tagung. Im Anschluß an em Referat von Baumeister S e i b l e r - Dresden wurden vom Bunbesausschuß folgenbe Leitsätze ange­nommen: .

1. Die Wohnungsverhältnisse ber minber- bemittelten und unbemittelten Volksschichten waren in Deutschland schon vor dem Kriege unbe­friedigend.

2. Die privatkapitalistische freie Wohnungswirt­schaft hatte nicht vermocht, die breiten Volksschichten zu erschwinglichen Mieten in gesundheitlich und kul­turell einwandfreien, in räumlicher Beziehung zu­länglichen Behausungen unterzubringen.

3. Eine wirkliche Lösung aus der noch immer wachsenden Wohnungsnot kann nur eine großzügige soziale Wohnungsreform bringen.

4. Die soziale Wohnungsreform bedarf jedoch nicht nur vorübergehend, sondern dauernd in starkem Ausmaße zinsloser Baugelder und Hypotheken unb kann nur auf gemeinnütziger Grundlage gedeihen.

5. Als dauernd fließende Geldquelle find dazu die Wohnungsbaumittel der Hauszinssteuer für alle Zu­kunft sicherzustellen.

6. Für die Wohnungsversorgung der breiten Be- völkerungsmassen ist der private Unternehmerbau nicht geeignet. Er ist durch den gesellschaftlichen Wohnungsbau auf gemeinnütziger Grundlage zu er­setzen.

7. Ein tätiges Eingreifen ber Mieterorgani» sationen in bie praktische Wohnungsfürsorge ist bringend erwünscht. D.e Grünbung neuer Bau­genossenschaften dient solchen Zwecken inbessen nicht.

8. Richt bie Grünbung neuer Organisationen, sondern eine Zusammenfassung ber bestehenden ist geboten.

9. Alle am DoltSwohnungsbau interessierten Organisationen ber Mieter, Sicbler, Baugenosfen- schaftler, Kleingärtner, Kriegsbeschädigten, Kin­derreichen. Bobenreformer unb im besonderen Maße sämtliche Gewerkschaften der Arbeiter, An­gestellten unb Beamten sollten sich unter einem Dach, am zweckmäßigsten in der Rechtsform ber G. m. b. H. zu gemeinsamer praktischer Wohnungs­fürsorge zusammenfinben.

Tagung des Reichsverbandes der Deutschen Presse.

Düsseldorf, 29. Mai. (WB.) In An­wesenheit zahlreicher Vertreter sämtlicher Landes- verbänbe wurde heute im Ständehaus zu Düssel­dorf ber diesjährige Verbandstag des Reichsverbandes der deutschen Presse vom ersten Vorfttzenden, Chefredakteur Daecker, eröffnet, der sich über das im letzten Iahre geschaffene Versicherungswert unb die Arbeitsgemeinschaft aussprach unb sodann hervorhob, daß der diesjährigen Tagung eine befonbere Bedeutung dadurch zukomme, dah sie eine Satzungsänderung vornehmen solle, die den Verband auf eine neue Grundlage stelle. Chefredakteur Kayser- Elberfeld be­grüßte die Versammlung im Rainen des Reichs­verbandes der Deutschen Presse und des Bezirks- Vereins Düsseldor,. Darauf erstattete ber ge- schäftssührLnde Vorsitzende, Richter-Berlin den Jahresbericht, der ein günstiges Bild von der Entwicklung des Reichsverbqndes im vergan­genen Iahre gab. Den Kassenbericht erstattete Redakteur Meßner- Berlin. Aus der De­batte über den Geschäftsbericht ist hervorzuheben, daß das Syndikat der französischen Iournalisten an den Reichsverband herangetreten sei, um bie Iournalistenverbände zusammenzuschliehen.

Hindenburgs Glückwünsche an Marienburg.

Marienburg, 30. Mai. (Tül.) Auf ber Tagung des deutschen Ostbunbes fanb im Anschluß an den Festakt im großen Remter ein Festmahl auf ber Marienburg statt. Während des Mahles wurde ein mit großem Beifall aufgenommenes Telegramm des Reichspräsidenten verlesen, das fol­genden Wortlaut hat:Zur heutigen 650-Iahr- feier der Stadt Marienburg unb zugleich zum Iubiläum bes 575jährigen Bestehens ber Schützengilde sende ich freundliche Grüße mit Ausdruck meines herzlichen Gedenkens. Möge die ber Erinnerung gewidmete Feier bie Herzen ber Deutschen im Osten unseres Vaterlandes mit neuem Vertrauen auf die Zukunft unb mit dem Geist ber Einigkeit erfüllen, ber uns allen nottut." Ein Festkonzert im Remter beS Ordensschlosfes und sportliche Darbietungen be- endeten die Jubiläumsfeier.

Kleine politische Nachrichten.

Zu Ehren des aus dem Amt geschiedenen Reichskanzlers a. D. Dr. Luther gab Reichspräsident v. Hindenburg ein Ab - schiedsessen, zu dem die Mitglieder des Reichskabinetts sowie in Vertretung des Reichstaas­präsidenten Dr. Bell erschienen waren. Der Reichs- präfibent sprach Dr. Luther mit herzlichen Worten seine besten Wünsche für die Zukunft aus.

Der deutsche Botschafter v. H o e s ch und der belgische Botschafter in Paris haben heute das Ab­kommen über den Luftverkehr zwischen dem Deutschen Reich unb Belgien unterzeichnet.

Kunst und Wissenschaft.

Frankfurter IHufiffeff.

Für die zwei Festkonzerte, die unter ber Leitung Kapellmeister Scherchens am 9. unb 11. 3uni hier stattfinben werden, sind hervor­ragende Solisten verpflichtet worden. In der konzertmäßigen Aufführung ber ersten Oper Ca- valieris (La rappresentazione di anima e di corpo) am 9. Ium wirken mit Frau b<6 Bonte-Straßburg (Mezzosopran), bie Herren Antoni Kohmann (Tenor) unb Arthur Holt (Bariton) sowie das Kammerorchester bes Frank­

furter Tonkünstlerbundes unter Führung von A. R ebn er unb ber a-cappella--Chor 1923. Ferner sink) gewonnen worden Fxau Alice Colers (Cembalo) und Günther Ramin (Orgel). Am zweiten Abenb ist bie Besetzung in dem sin­fonischen PsalmKönig David" von Honegger folgendermaßen: Sprecher: Karl Ebert (Ber­lin) und Thessa Klinkhammer (Frankfurt): Sopran: Klara Wirh-Wyß (Bern): Alt Frau d e Bont e: Tenor: Antoni Ko h m ann: Chöre: a-cappella-Chor 1923, Mitglieder des Cäcilien- und Rühlschen Gesangvereins, Frankfurter Lie­berkranz. sowie Schülerinnen der Schillerschule: Orchester: das Symphonie-Orchester des Frank­furter Orrchestervereins unter Führung von An­ton Witek. In demMagniftcat" von Ko» 'm inff i singt die Sopranpartie Clara Wirh-Wyß. die Solobratsche spielt Ottmar Ger st er.

Hermann Stehr über die Dichterakademie.

In einer Unterrebung mit einem Vertreter derVoss. Zeitg." über bie Grünbung der Aka­demie der Dichtkunst erklärte ber Schriftsteller Hermann Stehr u. a.: Ohne mich über die Wirkungsmöglichkeit eines berartigen Gremiums Täuschungen hinzugeben, begrüße ich seine Be­rufung als den weithin sichtbaren Ausdruck da­für. baß ber Staat gewillt ist, ber Dichtkunst dieselbe Stellung einzuräumenwie anderen Kunstformen. In dieser in der Haupksckche reprä­sentativen Aufgabe der Akademie sehe ich ihren größten Wert. Stehr erklärte weiter, daß er die Form der Berufung durch den Minister ohne vorherige Befragung der für würdig Ge­haltenen für bie einzig mögliche halte. Seine Berufung abzulehnen, fühle er sich nicht be­rechtigt.

Die größte Freilichtbühne Deutschlands.

Die Stadt Ren stabt wird mit der Eröff­nung des Raturtheaters bie größte Frei­lichtbühne Deutschlanbs erhalten. Die Bühne ist in einem früheren Steinbruch, ein­gerichtet, der planiert wurde, so daß ein Zu- schauerraum geschaffen worden ist, der 10 000 Personen faßt. Die wildzerklüfteten Wände des Steinbruches bilden die natürlichen hohen Ku­lissen dieses Aaturtheaters und sind für die zur Aufführung vorgesehenen Parabel-Spiele gut ge­eignet. Drei Bogenlampen mit je 2000 Kerzen­stärke spenden bie künstliche Beleuchtung. Die Alustik ber Raturöühne ist sehr gut. Rach allen Seiten hin ist das gesprochene Wort in natür­lichem Wort deutlich hörbar. Eine natürliche Orchestermuschel ist am Bergrand vorhanden. Das Raturtheater ist in mühevoller Arbeit von den Brüdern vom Herz-Iesu-Kloster erbaut. Als erstes Parabelspiel kommtDer verlorene Sohn" von Erich Eckert mit über 300 Mit- wirkenden mit Chor unb Orchester zur Auffüh­rung.

Aus aAsr Welt,

verheerender Zyklon in Birma.

Der Exchange Telegraph meldet aus Ran­goon (Birma), bah ein furchtbarer Zy­klon am 22. Mai über die Arakanküste bahin- fegte unb ungeheuren Schaden an« richtete. Die Arkanküste begrenzt ben norböstlichen Teil bes britischen Hauptkom- misfariats Birma (Hinterindien) vom Bengalischen Meerbusen her. Eine Flutwelle verursachte ein gewaltiges Steigen ber Flüsse, überschwemmte bas Land unb zerstörte alle Dörfer bis zu 50 Meilen Entfernung vom Meere. Ein offizieller Bericht besagt, bah 1 200 Personen ge­tötet würben, boch seien bie Zahlen noch un- vollstänbig. Zahllose Menschen würben vbbach» los. Sämtliches Vieh in ben betroffenen Bezirken wurde getötet. Alle Telcphonverbinbungen mit Birma sind gestört.

Ausschreitungen in Schanghai.

Die Befürchtung, daß anläßlich des Iahres- tages der Tumulte in Schanghai vom Iahre 1925 neue Unruhen entstehen würden, hat sich bestätigt. Einzelne Ausländer sind vom Pöbel überfallen und geschlagen worben. Die Volksmenge hat auch mit Steinen Angriffe auf bie Straßenbahnen gemacht. Die Polizei war völlig Herr der Lage. Im Laufe des Rachmit­tags wurden einige Verhaftungen vorgenommen. Es sind auf beiden Seiten keine Schüsse gefallen.

Malaria in Moskau.

In Moskau sind zahlreiche Malaria-Fälle zu verzeichnen. Das Kommissariat für Gesundheitswesen hat festgestellt, daß in den letzten drei Wochen 200 Fälle zu verzeichnen waren.

Brand einer Petroleumquelle.

Aus Bukarest wirb gemeldet: In Ceptura (Provinz Prahora) ist eine der Steaua Romana gehörende Petroleumquelle mit einem Tageser­trag von hundert Waggon Petroleum infolge Blitzschlages in Brand geraten. Es sind alle Vorkehrungen getroffen worden, um ein Uebergreifen des Brandes auf das übrige Petro­leumgebiet mit seiner großen ErdolerzeugunA zu verhindern.

Sechs Personen ertrunken.

Aus Duisburg wird gemeldet: Ein mit 15 Personen besetztes Ruderboot des Marine- vereins Hamborn geriet am Sonntagnachmittag auf dem Rhein unter einen Schleppzug. Das Boot kenterte und sämtliche Insassen stürz­ten ins Wasser. Den Rettungsarbeiten der Mannschaft des Schleppzuges gelang es, neun Personen zu retten, während die übrigen sechs, unter denen sich zwei Damen befanden, er­tranken.

Vie ägyptische Augenkrankheit.

Die ägyptische A u g e n k r a n k h e i t, bie im letzten Iahre in ber Pfalz, insbesondere in Haßloch, sehr stark gewütet hatte, ist neuerdings wieder aufgetaucht unb zwar in ben Orten Winn­weiler unb Landstuhl. Es wurden entsprechende Dor kehr ungsmaß nahmen getroffen, um ein wei­teres ülmsichgreifen der Krankheit zu verhindern. Ein Rcichswehrsoldat von Franzosen angeschossen.

Wie die Blätter aus Worms erfahren, ist dort ein Reichswehrsolbat der Stuttgarter Garnison, ber ohne bie von ber Besahungs- behörde vorgeschriebene Einreiseerlaubnis ins be­setzte Gebiet nach Worms gefahren war, von ben Franzosen verhaftet worben. Als er sich der Verhaftung burch bie Flucht zu entziehen ver­suchte, würbe er durch einen Schuh erheblich verletzt.

Wettervoraussage.

Roch immer unbeständig unb einzelne Regen­schauer, etwas kühler.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 19,1, Minimum 12,2 Grab Celsius. Riederschläge: 2,5 Millimeter. Heutige MorgenLemperatur: 17,1 Grad Celsius.