Ausgabe 
31.3.1926
 
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des Hausbesitzes und die ständigen Erhöhungen der Sondersteuern irom bebauten Grundbesitz. Ganz besonders wurde dagegen Verwahrung eingelegt, daß das Hess. Ministerium die im Reichsgesetz für hypothekenfreie und gering be­lastete Häuser vorgesehenen Vergünstigungen fast ganz beseitigt hat. Stadtv. Keifer- Offenbach sprach über die Bodenreform. Lehrer S ch e p p° Mainz behandelte in umfassender Weise das Pro­blem des Realkredits im Sinne des neuen Real­kreditinstituts des Zentraloerbandes, während Z i e g l e r - Darmstadt das dritte Referat über die Ginkommensteuererklürung hielt. Eine ergie­bige Aussprache folgte jeweils den Referaten, in der Wünsche und Beschwerden 6er Vereins- Vertreter vorgebracht wurden. Als Tagungsort des nächsten Verbandstages wurde Bingen bestimmt.

30 Jahre Friedberger Geschichts-und Aitertumsverein.

sf. Friedberg. 30. März. Der Fried­berger Geschichts- und Altertums­verein blickt am 1. April auf ein dreißigjäh­riges B e.st e h e n zurück. Der damalige Direktor der AugufÄnerschule Dr. G o l d m a n n war der Gründer des Vereins. Von vielen Seiten konnte man damals die Meinung hören, daß es zur Gründung eines solchen Vereins zu spät sei, da die meisten und wertvollsten Kunstschätze durch Unverstand und Teil- nahmlosigkeil verschleudert wurden und jetzt eine hervorragende Zierde auswärtiger Musen bildeten. Doch der Erfolg hat gezeigt, daß es zum Guten nie zu spät ist, und 'das stattliche Museum und das reich­haltige Archiv geben einen Beweis dafür, daß immer noch Schätze genug vorhanden sind, wenn auch vieles unwiederbringlich verloren ist. Wenn auch das Fried­berger Museum nicht mit den großstädtischen Samm­lungen in Wettbewerb treten will, so birgt es in seinem Bestände doch manches Stück, um das es be­neidet werden kann, vor allem aber bietet es eine unerschöpfliche Quelle für die Heimatkunde und Volksbildung. Es wird seinem Zweck noch besser nachkommen können, wenn der leidige Platzmangel beseitigt sein wird und ihm noch größere Räume zugewiesen werden können. Reben den Nachfolgern Goldmanns, Direktor Loebell und Professor Helmke, haben sich besonders die jetzigen Vor­sitzenden, die Profesioren Dr. Blecher und Dreher hervorragende Verdienste um den Verein erworben und in zäher und unermüdlicher Strbeit Museum und Archiv ausgebaut. Ein weiterer Be­weis ihrer verdienstvollen Tätigkeit ist die Heraus­gabe der Friedberger Geschichtsblätkcr, von denen jetzt sieben stattliche Bände vorliegen, die eine große Anzahl wertvoller Beiträge zur Heimatkunde ent­halten.

sf. Friedberg, 30. März. Das älteste und be­deutendste der hiesigen Bankinstitute, die Bank f ü r Handel, Gewerbe und L a n d w i r t s ch a f t (früher Vorschuß- und Kreditverein) hielt gestern abend seine diesjährige Hauptversammlung ad. Aus dem Bericht'konnte man ersehen, daß sich die Entwicklung der Bank in erfreulicher Aufwärts­bewegung befindet: der Umsatz hat sich von 8 Mil­lionen auf 12 Millionen gehoben, die Spareinlagen haben eine Zunahme von 86 000 Mark erfahren, der Reingewinn beträgt 18 929 Mark. Die vorgeschla­gene Dividende von 15 Prozent wurde von der Ver­sammlung genehmigt. Die von Verbandsrcoisor Schröder' aus Kassel vorgenommene Revision hat zu keinen Anständen Anlaß gegeben.

. OO Nieder-Florstadt.M. März. Die Un­sitte, in den Dorf st raßen Uebungsfahrten lauf Motorrädern zu machen, greift immer mehr um sich. Es beteiligen sich daran nicht nur K Jugendliche, sondern auch Männer gesetzten^ Alters fahren unsicher und sthwankend durch die Straßen $ und sind besonders Sonntags eine Gefahr für Spaziergänger. Die Eingriffe der Polizei haben bis jetzt wenig geholfen. So ist es nicht ver­wunderlich, daß ein Unglück vorkommen kann. Hier fuhr ein junger Mann in scharfem Tempo eine Frau an und kam zu Fall. Die Frau mußte sich in ärztliche Behandlung begeben, und auch der Fahrer trug leichte Verletzungen davon. Da er nicht im Besitze eines Führerscheins ist, wird der Unfall für ihn erhebliche Folgen haben.

B. R o d h e i m v. d. H ö h e , 30. März. Am 1. April sieht Lehrer Anton Alles auf eine 25jährige Tätigkeit in unserer Gemeinde zurück. Lehrer Alles, der von Kirch-Göns hierher versetzt wurde, hat sich durch seine treue und vor­bildliche Berufsarbeit die allgemeine Anerkennung in der Gemeinde gesichert. Auch hat er sich als Rech­ner der Spar- und Leihkasie Rodheim, als Organist, als Leiter der Gesangsabteilung des evangelischen Frauenoereins und als zeitweiliger Dirigent des Männergesangvereins in selbstloser Weise in den Dienst der ganzen Gemeinde gestellt. Dem Dank der Schüler gaben die zur Entlassung kommenden Kon­firmanden Ausdruck, als sie am letzten Schultage ihrem Lehrer eine aus Blumen und einigen Ge­schenken bestehende Ueberraschung bereiteten.

Kreis Büdingen.

nd. Nidda, 29. März. Heute wurde hier Leh­rer i. R. Emil Kayser zur ewigen Ruhe bestattet. Eine sehr große Anzahl Bewohner unserer Stadt und von Ober-Mockstadt sowie viele Lehrer gaben ihm das letzte Geleite, lieber 43 Jahre hat der Verstorbene im Schuldienste gewirkt, davon 38 Jahre in seinem Geburtsort Ober-Mockstadt. Wäh­rend seiner ganzen Dienstzeit zeichnete er sich durch außerordentliche Gewissenhaftigkeit aus. Seine Ver­dienste wurden am Grabe durch Pfarrer Laut von hier gewürdigt. Der Vorsitzende des Bezirks-Lehrer­vereins Nidda, Lehrer Ganz von Ober-Widders- Heim, rief dem treuen Dereinsmitgliede herzliche Ab- jchiedsworte nach. Die Gemeinde Ober-Mockstadt ließ durch chren Bürgermeister den hochverehrten Lehrer am Grabe ehren. Lehrer Jung von Ober- Mockstadt sprach im Namen des Schulvorstandes und Pfarrer Bock von dort als Kirchenvertreter. Im Auftrage der ehemaligen Schüler und Schüle­rinnen aus Ober-Mockstadt sprach Sparkasiegehilfe M e u b.

bs. Ilnter-Widdersheim, 30. März. Auf die hiesige erledigte Schul st eile ha­ben sich zehn Bewerber gemeldet. Der in gemeinsamer Sitzung tagende Orts- und Schul­vorstand konnte sich nicht dazu entschließen, be­sondere Wünsche oder Bedenken geltend zu ma­chen. sondern überläßt die Entscheidung der Kreisschulbehörde. Ausdrücklich toirb vor allen Dingen ein tüchtiger Lehrer gewünscht.

kh. L e i d h e ck e n, 30. März. Dieser Tage wurden die (Bemeinbebtenfte für unseren Ort neu ver­geben. Es wurden an Gehalt pro Jahr festgesetzt: Schulläuten und Säubern 250 Mk., Kanalreinigung 15 Mk., Reinigen der öffentlichen Plätze und Durch­fahrten 53 Mk., Schweinehüten 250 Mk. und für Reinigung und Einölen der Feuerspritze 30 Mk.

Kreis Schotten.

o Laubach, 30. März. Die Brennholz- Versteigerung, die in den st ä d t i s ch e n Waldungen stattsand, brachte bedeutend höhere Preise, als diejenigen des gräflichen Forftamts. Der Raummeter Buchenscheiter' kam durchschnittlich auf 15 bis 17 Mk.: Rm. Duchenknüppel auf 11 bis 13 Mark; Rm. Reiserknüppel auf 6 bis 7 Mk.: Reisig 4 bis 6 Mk. Besonders hoch waren die Preise des dritten Tages. Der Zweigverein Laubach des Vogelsberger H ö h e n k l u b s hielt unter dem Vorsitz von Obersekretär Elbe imSolmser Hof" seine Hauptversammlung ab. Er hat auch im verflösienen Jahr eine eifrige Wandertätig­keit entwickelt. Der neue Wanderplan wurde end­gültig festgelegt. Die erste Wanderung findet am 11. April in das liebliche Seen toi statt; den Ab­schluß dieses Tages wird eine gesellige Vereinigung imSolmser Hof" bilden. Beschlossen wurde die Anschaffung neuer Bänke. Jn^Gemeinschaft mit der Stadtverwaltung soll im Sommer ein Blumenwettbewerb für die Ausschmückung der Vorgärten und der Fenster veranstaltet werden. Der alte Vorstand, der sich wieder trefflich bewährt hat, wurde für das neue Vereinsjahr wiedergewählt.

)( Ruppertsburg, 30. März. Dieser Tage sanden dahier zwei Grund stücksverpach- t u n q e n statt, bei denen je nach Güte und Lage die Parzellen bezahlt wurden: für einen Morgen Ackerland von 33 bis 52,50 Mk., für einen Morgen Wiesen 21 bis 57,50 Mark. Zur Zeit hat unsere Gemeinde 16 A r b e i t e r, die die Erwerbs­los e n u n t e r st ü tz u n g beziehen, 10 weitere Ar­beitslose sind angeniclbet. Letztere waren seither in der chemischen Fabrik Friedrichshütte beschäftigt, die seit einer Woche ihren Betrieb bis auf weiteres ein­gestellt hat. Leider sah sich die Fabrik, die als Roh­stoff Buchenholz verarbeitet, zu dieser Maßnahme gezwungen, da die Holzpreise gegenüber den Kohlen« vreisen 'um nahezu 100 Prozent zu hoch sind. Zur Beschäftigung der Erwerbslosen hat der Gemeinderat beschlossen, zwei Feldwege, die bei schlechter Witterung nicht zu passieren sind, teilweise zu chaussieren. Andere Arbeiter finden bei der Her­stellung eines neuen Waldweges und bei den U m - b a u a'r b e i t e n an unserer Nebenbahn Gillin­gen Ruppertsburg Arbeit.

(-) Köddingen. 30. März. Unser erster Lehrer Bechtold wird uns mit Beginn des neuen Schuljahres verlassen, um eine Stelle in seiner Heimat Eckartsborn anzutreten. Der Männergesangverein verliert in dem Scheidenden seinen rührigen und verdienstvollen Dirigenten. Ihm zu Ehren wurde eine trefflich verlaufene Abschiedsfeier veranstaltet. Unsere Schule wird mit Beginn des neuen Schuljahres einklassig.

Kreis Alsfeld.

* Mücke, 30. März. Zu unferem Bericht in Nr. 73 über das Bibelheim Flensunger H o f wird uns von diesem mitgeteilt, daß die U m - bauarbeiten noch nicht ihrer Vollendung ent­gegengehen. Es konnte bisher an dem nicht ein- gestürzten Teil des Saalbaues nur die nötigste Wie­derherstellungsarbeit getan werden. An dem eigent­lichen eaaalbau sind erst nur die Fundamente aus= geschachtet. Wegen Geldmangels mußte die Aufbau­arbeit einstweilen eingestellt werden. Für eine be­schränkte Anzahl Gäste wird ober auch in diesem Sommer Raum sein.

-er. Homberg a. d. Ohm, 30. März. In der letzten Zeit war es' sehr fraglich geworden, ob un­ser Finanzamt hier verbleiben, oder nach 2(15- seld oder Grünberg zugeteilt werden würde. Den eifrigen Bemühungen unseres Bürgermeisters, der alles unternahm, um dieses wichtige Amt in unserer Stadt zu erhalten, ist es nunmehr gelungen, in einem Empfang beim Finanz Minister die bindende Zusage zu bekommen, daß das Finanz­amt im Hinblick auf die abgelegene Lage unseres Städtchens hier verbleiben wird. Diese Klä­rung wird hier und in der Umgegend allgemein be­grüßt.

Homberg a. d. Ohm, 30. März. Wie man hört, will die Firma G e b r. Himmels- bach ihren Sägewerksbetrieb in Neu­haus in einigen Wochen wieder eröffnen. Zur Zeit werden dringende Reparaturarbeiten ausge­führt.

(=) Windhausen. 30. März. Rach Been­digung des Holzmachens sind auch in unserer Gemeinde Rotstandsarbeiten eingerichtet worden. Die Erwerbslosen werden mit Steine­klopfen und der Ausbesserung der Feldwege be­schäftigt.

Kreis Lauterbach.

WSR. Schlitz. 30. März. In Gegenwart der staatlichen und städtischen Behörden wurde hier das Schützer Heimatmuseum er­öffnet. Das Museum enthält Urkunden und Denkmale, darunter Oelbilder, Stiche. Waffen. Möbel und Geräte. Auch eine prähistorische, eine gewerbliche und eine Schul» und Kirchen- abteilung sind deem Museum angegliedert, das einen Lleberblick über die reiche und bewegte Ge­schichte des Schlitzer Landes gibt.

Starkenburg.

* Darmstadt. 30. März. Die Gemeinde­vertretung von M i ch e l st a d t i. O. hat be­schlossen. den vor vier Jahren herbeigeführten Ausbau der Realschule zur Ober­realschule rückgängig zu machen.

WSR. Heppenheim, 30. März. Auf Grund der Wahllisten für die Reichspräsidenten- wähl hat hier am Sonntag eine probeweis e Abstimmung über das Gemein debe» stimmungsrecht statt gefunden. Es stimmten 3797 männliche und weibliche Gemein dem i tglied er gegen das Gemeindebestimmungsrecht und nur 283 dafür. Die Wahlbeteiligung betrug 92 Proz.

Rheinhessen.

WSR. Worms, 30. März. Zu der D l u t- tat auf dem hiesigen Marktplatz wird noch berichtet, daß eine fremde Dame die Frau des Getöteten nach dem Preise eines Salatkopfes ge­fragt habe. Hierbei sei Theis herangetreten und habe gesagt, von der Frau Bauer könne man nichts kaufen, da sie zu teuer sei. Im Verlaufe der nun folgenden Auseinandersetzung soll Theis auf die Frau Bauer eingedrungen und sie bet der Kehle gefaßt haben. Auf die Hilferufe seiner Frau sei der in der Rähe weilende Ehemann her­beigekommen, um seiner Frau zu helfen. Theis habe sich sofort gegen Dauer gewandt und dem­selben mehrere Messer st iche in Hals und D r u st beigebracht, die eine Schlagader durchschnitten haben, so daß der Tod bald dar­auf infolge Verblutung cingetreten ist. Theis wurde verhaftet. Hervorzuheben ist noch, daß

der Vater des Täters von den Franzosen auf dem Rhein wegen Schmuggelns erschossen wurde, da er auf Anruf nicht hielt.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

XX Krofdorf, 30. März. In der vereinig­ten Kirchengemeinde Krofdorf-Kinzenbach wurden insgesamt 4 8 Kinder eingesegnet, und zwar in Kinzenbach 11 und in Krofdorf-Gleiberg 37 Konfirmanden.

ch. L ü tz e 11 i n b e n , 30. März. In unserem Dorfe zählte man in diesen Jahre 21 Konfir­manden, und zwar 9 Knaben und 12 Mädchen. Im vorigen Jahre wurden 20 Knaben und 14 Mäd­chen konfirmiert.

Kreis Biedenkopf.

[U Fellingshausen, 30. März. Unserer Gemeinde ist ein schönes Öftergefdjenf xuteil geworden. Der Tatkraft des Bürgermeisters W e - b e r ist es gelungen, unter schwierigsten Verhält­nissen den Bauder Wasserleitung zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Die Hausan­schlüsse sind nun alle gemacht, so daß sich jede Fa­milie der Wohltaten einer guten und bequemen Wasserversorgung erfreuen kann.

Dillkreis.

bl. Dillenburg, 30. März. Dein allseittgen Interesse Rechnung tragend, wird der Kreis eine neue Wanderbibliothek leihweise von der Regierung erwerben, um die Bevölkerung in reichem Maße mit gutem Stofs aufzuwarten.

bl. Herborn, 30. März. In Wenderoth zerstörte ein Großfeuer das Anwesen des Land­wirts Wolff außer dem Wohnhaus. Gerätschaften, sowie Heu- und Strohvorräte wurden ein Raub der Flammen. Der Schaden ist bettächtlich.

Maingau.

WSR. Frankfurt a. M., 30. März. In der heutige n Stadtverordnetensihung wurde in die Spezialberatung des Etats einge­treten. Von den Beschlüssen ist bemerkenswert, daß der Grundvermögens st euerzu- schlag auf 200 Proz. erhöht wurde. Die Hundesteuer wurde von 30 auf 48 Mark für den ersten Hund, die Steuer für Luxus- Pferde von 300 auf 400 Mark erhöht.

Schöffengericht Gießen.

* Gießen, 29. März. Wegen mehrfacher Be­trügereien, Unterschlagung und schweren Rückfall­diebstahls wird der Hausbursche H. M. von Draisen- Göllheim aus der Untersuchungshaft zur 2fburtei= lung vorgeführt. Er ist in vollem Umfang geständig, an verschiedenen Orten Oberhessens, wo er vorüber­gehend als Hausbursche beschäftigt war, kleinere Be­träge uiuerschlagen, Fahrräder erschwindelt und ein Mvkorrad mittels Einbruchs gestohlen zu haben. Es wurde auf eine Gesamtstrafe von 2 Jahren Gefängnis erkannt.

Eine vielfach vorbestrafte Betrügerin ist eine Frau Sch. aus Gießen. Sie geht von Haus zu Haus, schwindelt den Leuten irgendetwas vor und schädigt sie durch ihre unwahren Angaben um kleinere Be­tröge von 15 Mk.: meistens bietet sie dabei auch noch Mottenpulver zum Verkauf an. Diesmal sind ihr 10 Fälle vollendeten Betrugs, darunter 3 in Tat­einheit mit Urkundenfälschung und 1 versuchter Be­trug nachgewiesen. Strafe: 1 Jahr 3 Monate Gefängnis.

Amtsgericht Gießen.

G i e ß e n , 26. März. Ein Ziegeleibesitzer aus der Umgegend hatte feine Ziegelei weiterver­pachtet. Der Pächter hatte mehrere Taufend Back­steine an einen Zimmermeister verkauft. Als dieser sie abfahren wollte, suchte ihn der Ziegeleibefitzer, der an den Pächter noch Forderungen aus dem Pacht- oertrag hatte, daran zu hindern. Er stellte zu diesem Zweck vor die Ausfahrt aus der Ziegelei einen Wa­gen quer über den Weg, während er die Ein­fahrt durch ein Lattenspalier abzusperren suchte. Der Zimmermeister suchte trotzdem mit seinem Wagen in die Ziegelei hineinzufahren, worauf sich ihm der Ziegeleivesitzer entgegenfteUte und mit einem Beil nicht nur auf die Pferde, sondern auch auf den Zimmermeister einschlug und ihn auf den Arm traf, so daß er mehrere Tage arbeitsunfähig war. Dieser erhob Privatklage gegen den Ziegeleibesitzer, die nach der Beweisaufnahme mit einem Vergleich endete. Darnach zahlt der letztere an den Zimmermeister für entgangenen Verdienst, Schmerzensgeld, Arzt- unb Apothekerkosten 120 Mk. und an die Bürger­meisterei 30 Mk. für die Kleinkinderschule. Außerdem übernimmt er sämtliche Kosten des Verfahrens ein­schließlich 30 Mk. Sonderhonorar des Vertreters des Privatklägers.

Ein Landwirt in einem benachbarten Dorfe hatte zu Neujahr eine Reihe von sog. Utzkarten mit z. T. beleidigendem Inhalt erhalten. Er verklagte dar­aufhin drei junge Leute, die jedoch bestritten, die betr. Karten geschrieben zu haben. Gerichtschemiker Prof. Dr. Popp in Frankfurt a. M. soll nun ein sachverständiges Gutachten darüber abgeben, ob die drei Angeklagten tatsächlich die Karten geschrieben haben oder nicht. Die Karten werden jedenfalls teuer 3U stehen kommen, mag der Privatklöge die Angeklagten den Prozeß gewinnen.

Gerichtsfaal.

Die Eckenheimer Zigeunerschlacht vor dem Schwurgericht.

Frankfurt a. M., 30. März. < WSR.) . feiner heutigen letzten Sitzung beschäftigte sn das Schwurgericht mit der Zigeuner schlacht in E ck enh e im im vergangenen Ro- nember, in der der 27jährige Artist, Musiker und I Pferdehändler Kinophas Schmidt, ein Zigeu­ner, feinen Stammesgenossen, den verheirateten Zigeuner Winter st ein, erstochen hatte. Der Angeklagte, der als gewalttätig bekannt und wegen derartiger Delikte auch schon zweimal vor­bestraft war, wurde wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgang zu zwei Jahren vier Monaten Gefängnis verurteilt. Das Ge­richt nahm an, daß der Angeklagte durch den Getöteten gereizt worden sei.

Aus dem Amtsverkündigungsblatt.

* * Das Amtsverkündigungsblatt R r. 2 6 vom 30. März enthält: Maul- und Klauenseuche in Grüningen, Röthges. Rüddings- hausen und Lang-Göns. Feldbereinigung Lindenstruth. Geographische Lehrwanderung. Dienftnachrichten.

Eisenbahner-Proteft- Versammlung.

. Am Montagnachmittag hatten sich Eisenbahnbedienstete in großer Zahl im Katho­lischen Vereinshaus eingefunden, um gegen die Maßnahmen der Reichsbahn-Gesellschaft Stellung zu nehmen. Der Vorsitzende Benner von der Ortsgruppe Gießen des Cinheitsverbandes der Eisenbahner Deutschlands betonte in seiner Be­grüßungsansprache, daß es gelte, Stellung zu nehmen gegen alles, was die Eisenbahner seih letzter Zeit über sich hätten ergehen lassen müssen, und gegen das, was jetzt wieder wie ein Da­moklesschwert über ihrem Haupte schwebe.

Der Redner des Tages, Eifenbahnsekretär Gebe aus Frankfurt, sprach in einstündigem Vortrag über das Thema: ..Lohnklagen und Reichsbahngesellschaft; die großen Gefahren für Beamte und Arbeiter durch weitere Entrechtung, Stillegung von Eisenbahn-Werk­stätten und Organifationsfragen." Zunächst schilderte der Redner eingehend bett gekannten Lohnstreit zwischen den Eisenbahngewerkschaften und der Verwaltung, ferner wies er hin auf die vielfachen Klagen über rigorosen Abbau durch Dienstentlassung bzw. Rückverseyung von Beamten in das Arbeiterverhältnis, wobei diesen Leuten das Pensionsrecht verloren gehe. Hinsichtlich der Schließung von Werkstätten betonte der Vortra­gende, durch diese Maßnahmen werde gar nichts gespart. Die schadhaften Maschinen würden der Privatindustrie zur Reparatur übergeben, wo­durch diese sich verteuerten. Dabei gingen wert­volle Maschinen und Apparate in den Werkstätten zu Grunde bzw. seien wertlos geworden. Die Eisenbahnbediensteten müßten sich zu straffer Or­ganisation zusammenschließen und sich mit festem Willen und mit aller Kraft durchzusehen suchen. Dem Drucke müsse der Gegendruck folgen.

Rach lebhaftem Beifall der zahlreichen Zu­hörer kam der Vorsitzende Benner nochmals auf die Schließung der W e r k st ä 11 e Gießen zu sprechen und betonte, daß die Or­ganisation in dieser Sache alles versucht habet Die Bahnbediensteten mühten gegen die Wirt­schaftspolitik der Reichsbahn protestieren, welche die Zahl der Erwerbslosen vermehre und der Verelendung Vorschub leiste. Rach dem Schluß­wort des Hauptredners Gebe fand folgende Entschließung einstimmige Annahme:

Die am 29. März im Katholischen Vereinshaus zu Gießen zu Hunderten versammelten Eisenbahner, Beamten und Arbeiter erheben schärfsten Protest gegen die Lohn-, Gehalts- und Personalpolitik der Reichsbahn-Gesellschaft.

1. Die Versammlung verurteilt auf das schärfste die Nichtdurchfühnmg des Schiedsspruches. Verbind- lich erklärte Schiedssprüche find nach deutschem Ta- rifrecht und der Schlichtungsordnung Zwangsver­träge und demgemäß von allen Tarifparteien zu re­spektieren.

2. 2luf das allerentschiedenste verwahrt fick die Versammlung gegen das Bestreben der Reichsbahn- Gesellschaft, die Regelung der Gehaltsfrage der un­teren und mittleren Beamtengruppen von der Reichs­besoldungsordnung zu trennen. Die Versammlung erkennt, das dies der erste Schritt auf dem Wege zur Beseitigung des Berufsbeamtentums bei der Reichsbahn bedeutet, und erhebt deshalb den schärf­sten Protest hiergegen.

3. Die Versammlung nimmt Slnlaß, den nie auf- hörenden, rücksichtslosen Abbau von Arbeitern und Beamten scharf zu verurteilen. Seit langem hat der in bezeichnender Weise aeführte Abbau zur uner­hörten Vermehrung der Arbeits- und Dienstleistun­gen. sowie zur Verlängerung der Dienst- und 2(r- beitszeit geführt. Dienstschichten bis zu 26 Stunden im Betriebsdienst sind keine Seltenheiten mehr. Die Versammlung erklärt, daß unter solchen Umständen das Personal für Unfälle und Eisenbahnunglücke nicht verantwortlich gemacht werden kann. Kein Mensch ist gegen Erschlaffung und Uebermübung bei solch langen Dienstschichten gefeit. Vermehrte Be­triebsunfälle und Eisenbahnunglücke muffen unab­wendbar die Folge von solcher Personalpolitik fein.

4. Mit Empörung wendet sich die Versammlung gegen die Maßnahme der Reichsbahn-Gesellschaft, die G i e ß e n e r W c r k st ä 11 e stillzulegen. 'Beamte und Arbeiter, welche eine Reihe von Jahren, ja Jahrzehnte Jm Dienste der Eisenbahn treu ihre Pflicht und Schuldigkeit getan haben, urplötzlich auf die Straße zu setzen, kann nur von einer vollkom­men herzlosen Betriebsverwaltung erwartet werden. Die Versammlung fordert, daß sich alle dazu be­rufenen Instanzen noch einmal der Sache anneh­men, damit die Stillegung der hiesigen Werkstätte zum mindestens über die Zeit der ungeheuren Wirt- schaftsnot hinaus verschoben wird.

Hunderten um Hunderten die Möglichkeit des Schaffens zu nehmen, ist nach Ansicht der Versamm­lung nicht das Mittel, um der Krise zu begegnen, nur Steigerung des Massenkonsums durch Beschäftigung und entsprechende Bezahlung der Arbeit suchenden Masten kann allein die Wirtschaft beleben."

Thealerzüge.

Ermäßigte Fahr- und Theaterkarte«.

RDV. Die Reichsbahn ist bestrebt, durch Einrichtung von Sonderzügen zu er­mäßigtem Fahrpreis den Bewohnern klei­nerer Städte oder des Landes Gelegenheit zum B e f tt ch guter Theater der Städte zu bieten. So hat z. B. die Reichsbahndirektion Essen zum Besuch des Stadttheaters in Duis­burg aus den nördlichen Teilen ihres 'Bezirks, den Städten Bocholt, Wesel, Dinslaken, Ham­born einer, sogenannten Kultur-Sonder­zug erstmalig am Sonntag, 21. März, ver­kehren lassen. Die Benutzung dieses Zuges war durch Vj Fahrpreisermäßigung und ^Prozent Ermäßigung auf Theater- 11 en erleichtert. Rund 1500 Theater- rten wurden zugleich mit den Fahrkarten gegeben. Da die Veranstaltung am Rieder­rhein großen Anklang gefunden hat, ist beab­sichtigt, im kommenden Monat wieder einen Kulturzug nach Duisburg verkehren zu lassen.

Rundfunk-Programm

-es Frankfurter Senders.

(Aus der »Radio-Amschau".)

Donnerstag, 1. April:

4.205.45 Uhr: Konzert des Housorchesters: Joseph Haydn. 5.456.10 Uhr: Die Lesestunde: Aus ten .Briefen aus der französischen Revolution" von Mf de la Bretonne. 6.156.45 Uhr: Die Bücher- sunde. 6.457.15 Uhr: Italienischer Sprachunter- ncht. 7.1o7.45 Uhr: Stunde des Südwestdeutschen ^adioklubs: Dr. P. Lertes: Das Problem der lieber fragung von Sprache und Musik vom Standpunkt isr Hochfrequenztechnik. 8.30 Uhr:Faust". Eine iraaöbi«> Goethe. 1. Teil.