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Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)

Nr. 76 Zweites Blatt

3n kastilischen Kleinstädten.

Don unserem v. O-8t.-Berichterstatter.

(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Madrid, März.

Mit den letzten Häusern Madrids hört die Ver­bindung mit der großen Welt, mit dem Modernen, mit dem Luxus der Zeit auf. Gelb und staubig, baumlos und sonnendurchleuchtet breitet sich die sta- stilische Hochebene aus. Einzelne Gehöfte liegen am Wegrande, Ventas, in denen die Maultiertreiber den blutroten feurigen Landwein trinken und dazu mit rotem Pfeffer und Safran gespickte Würste ver­zehren. Bald kommt ein großes Dorf, das das Aus­sehen eines versteinerten Städtchens hat, das in seiner Vergessenheit darauf wartet, bis irgendein gütiger Zufall es mit dem Leben Madrids ver­binden wird. Prioatautos auf dem Wege ins Ge­birge oder zu den Landgütern der Reichen gleiten durch die holprigen Straßen, manchmal bildet ein einziger abgeplatteter Steinblock, der von der einen Hausreihe zur anderen hinübergelegt ist, das Pflaster. Aus den Fenstern niedriger Steinkasten grüßen frische Blumen, neugierige Frauen schauen dem entschwindenden Auto nach, das aus einer an­deren Welt kam und wieder im Unbekannten ver­schwindet.

Der einzige Wasserlauf, der die Hochebene durchschneidet, ist der Manzanares. Es wäre ein Euphemismus, ihn Fluß zu nennen, selbst die Be­zeichnung Bach ist eine Schmeichelei, obwohl er sich an den Stellen, wo er Wasser führt, recht stattlich ausnimmt, ja, es wird sogar behauptet, daß es einem Unglücklichen gelungen sei, in ihm Selbst­mord zu begehen und sich zu ertränken, aber das dürfte auf die Ruhmredigkeit der Zeitungen zurück- zusühren fein, die den Madrider Fluß, der in so vielen Liedern besungen wird, nicht verunglimpft sehen wollen. Meistens ist der Manzanares trocken, oder er besteht aus Tümpeln, die sich aneinander reihen, über die aber stolze steinerne Brücken ge­worfen sind, die dem Flußbett ein besseres Ansehen geben.

Fgencarral, Colmenares, Miraflores sind kleine kastilische Städtchen, die Madrid vorgelagert sind, die kaum jemand besucht, weil sie dem Fremden nichts zu bieten haben. Es gibt keine Museen zu be­wundern, keine historischen Monumente, nichts als die nüchterne kastilische Klcinstadtidylle, die doch dem suchenden Auge so manche Schönheit enthüllt. Es ist dort wie zu Urgroßmutters Zeiten, der Zeiger der Zeitenuhr ist stehen geblieben, man lebt und denkt in den Formen der Vergangenheit. In allen spanischen Kreisen ist die höfische Art früherer Jahrhunderte nicht ausgestorben, sie fällt besonders in der Kleinstadt in die Augen. Es gibt dort einen über Standesunterschiede hiewegreichenden, oft beim Eseltreiber, beim Bauer, beim kleinen Angestellten, bei der Verkäuferin anzutreffenden inneren und äußeren Adel der Form, der eine Zierde des spani­schen Volkes ist. Der Spanier gibt im allgemeinen der Form vor dem Sinn den Vorzug. Er liebt die Form des Umganges und der Darstellung, er ver­äußerlicht. Er hält sich frei von Spannungen un- ausgewirkter Energien. Die Höflichkeit des Wesens ist ihm eine notwendige Lebensbedinaung. Er stellt dem Besucher Haus und Hof zur Verfügung, er bietet ihm fein Eigentum an; er bezeichnet sich als ergebener Diener ufro. Es gibt Hunderte von Flos­keln, die man nicht wörtlich nehmen soll, weil sie an sich nichts bedeuten, sie sind nur der äußere Ausdruck für, bie Freundlichkeit der Begrüßung. Wenn nun oer Fremde eine der Ventas im Dorf oder im Städtchen betritt, so ist er sicher, höflich empfangen zu werden. Jeder Arbeiter, jeder Maul­tiertreiber ist ein Caballero, würdig in feiner Be­scheidenheit, aber auch Höflichkeit fordernd, die ihm nie versagt wird. Wenn es kein Kasino gibt, so versammeln sich die Honorationen, los Principales, d. h. der Alcalde, der Priester, der Doktor u. a. m. im Hinterzimmer der Apotheke, treiben Kirchturms­politik oder reden über Frauen, die der Sitte gemäß nicht an den Versammlungen der Männer teilneh- men, die zu Hause sitzen, Hausarbeiten verrichten und dabei ihren Zungen freien Lauf lassen.

Die Carmenlegende hat der Welt eine falsche Vorstellung von der spanischen Frau gelehrt. Die Spanierin ist anders, als man sich gemeinhin in Europa vorzustellen pflegt. Man denkt dort unwill­kürlich an eine rassige Frau mit kochendem Blut, womöglich mit einem Dolch im Strumpfband und mit tausend Abenteuern im Kopf. Nur in einem hat das Ausland recht, die Spanierin ist schön, sie ist aber im allgemeinen allen Abenteuern abgeneigt, oft kleinbürgerlich und beeinflußt von Hunderttau-

Das Wesen des Osterfestes

Von 3ba Altmann, Bronn.

Der christlichen Welt verkündet der Klang der Osterglocken die Auferstehung, das heißt, die Rückkehr aus dem Totenreiche des Herrn, und Heilands, der um der sündigen Menschheit willen, in Qual und Erniederung bitteren Tod erleiden muhte, damit durch seine Gnade die Welt erlöst würde. In Dank gegenüber dem wiedererstandenen, menschgeborenen Gotte, der sich selbst als Sühneopser dargebracht hat, feiert die Christenheit ihr Osterfest.

Cs feiern dieses Fest indessen auch Millio­nen Richtchristen, und es ward gefeiert, lange bevor eine christliche Kirche entstanden war. Der deutsche Harne Ostern erinnert uns sogleich an Ostara, bei manchen deutschen Stämmen auch Eostra genannt. Sie ist die Schwester Donars, des Gottes, der mit feinem gewaltigen Hammer die Cisriefen niederschmettert, Büche, Flüsse und Ströme von des Winters Eisesbanden befreit. Beide Geschwister sind die Kinder Allvater Wodans oder Odins, der Berkörperung der aus Himmelshöhen niedergehenden Segenskräfte, Sonne, Wolkenmeer, Winde, und der Mutter Erde, die unter mancherlei Hainen dankbare Verehrung genießt, als Erda, Hertha, Gerda, auch Frigga und Rerthus. Unter diesen Hamen war sie bei einigen Stämmen selbst Verkörperung des Frühlings.

Donar oder Thor ist der erste Vorkämpfer der licht- und freudenreichen Jahreszeit. E' sendet den Gewitterregen hernieder, der das Erd­reich zur Fruchtbarkeit vorbereitet. Sein roter Hart, seine flammenden blauen Augen beuten auf den Blitz hin, sein dröhnend nieberfaufenber Hammer, sein mit Böcken bespannter, rumpeln­der Wagen und der Harne Donar zeigen ihn als die dichterische Gestaltung des Donners. Der grüne Donnerstag ist sein Festtag, der Tag bei germanischen Frühlingsgewittergottes, ber feinet holden Schwester Ostara (Eostra) den Wer bereitet. Ostara ist die dichterische Verkörperung

send Vorurteilen. Sie hat anscheinend kein Ver­langen nach Freiheit und fügt sich willig den Vor­schriften des Vaters, des Mannes, des Beicht­vaters und der Duena. Sie fürchtet sich vor dem Tratsch der Basen und übt keine Kritik am Her­gebrachten. Wenn der Spanier der Großstädte schon nicht daran denkt, sein Leben nach ausländischem Muster einzurichtcn, so ist das in den Kleinstädten noch viel weniger der Fall; man behandelt zwar den Ausländer chevaleresk und freundlich, aber man hält ihn für extravagant und seltsam und ahmt seine Sitten keineswegs nach.

Die Wogen des Weltkrieges und der Revolution haben nicht über Spanien zusammengeschlagen. Hier steht das Leben nicht im Zeichen einer Epoche, die keine Liebe mehr kennt, nicht im Zeitalter der eman­zipierten Frau. Das patriarchalische Familiengefühl ist stark entwickelt. Der Mann ist der Herr, und er verteidigt sein Herrscherrecht, wenn nötig, mit dem Messer, die Frau bescheidct sich mit einem euro­päisierten Haremsleben. Und wie heute noch in Marakesch oder Tetuan versammeln sich die Basen und Tanten, wenn es ihre Arbeit erlaubt, um den Brunnen oder in der Tenne und reden und klagen, erzählen sich Geschichten von Heiligen und Wun­dern, sprechen von Putz und von der Nachbarin und von den möglichen Aussichten der Töchter. Hat sich endlich ein Bräutigam gemeldet, so wird er bis zum Tage der Hochzeit nie mit der Braut allein gelassen, er steht unter Aussicht, als ob er ein Verbrecher und die Tochter ein willenloses Wesen sei. Wie ein grauer Strom folgen sich Tag und Nacht im Kleinstadtleben.

Colmenares ist ein verhältnismäßig großes Städtchen vor Madrid mit kleinen hügeligen Stra­ßen und mit vielen ganz winzigen Häusern, die nur eine niedrige Tür und ein Fenster haben, manche Hütten auf dem Abhange haben nicht einmal Mannsgröße, und man wundert sich, daß der Nord­wind sie nicht schon umgeblasen hat. Einige bessere Gebäude zeigen Wappenschilder am Portale, aber die Besitzer haben sie verlassen und sind nach Ma­drid oder in eine andere Großstadt übergesiedelt. Colmenares hat auch einige Schulen, in denen, wie überall in Spanien, Knaben und Mädchen ge­trennt unterrichtet werden, aber die Schulen ge­nügen nicht für die Einwohnerzahl, und ca. 1000 kleine 'Analphabeten spielen, ohne sich durch die Schule stören zu lassen, ungehindert den ganzen Tag in den Pfützen und Tümpeln um den Brunnen, ober sie kümmern sich um die Bienenkörbe, denn Colme­nares ist berühmt durch seinen Honig. Die Männer arbeiten im Felde. Colmenares ist reich an Korn und Vieh, trotz ihrer einfachen Kleidung sieht man den Leuten den Wohlstand an.

Die Landschaft ist sonnig, ganz warme Früh­lingssonne. Dis Felder sind eingehüllt in weichen, goldenen Dunst. Die langgestreckte Straße auf ber Ebene schimmert wie Milchglas, man kann bie Scherben und Steine, bie am Wege liegen, nicht von Silber unterscheiben. Selbst bie grauen, spitzen Blätter ber Oliven haben einen golbigen Glanz angenommen, unb unter bem tiefen Blau bes Him­mels stehen bie noch kahlen Bäume mit gehobenen Aesten wie Beter da unb warten auf ben Früh- lingsfegen. Nun kommt ein anberes Stäbtchen, Miraflores, schon näher am Gebirge, besten Häuser, Hütten unb steinige Gassen einen freunblichen Ein­bruch machen. Eine kräftige, sonnenverbrannte Straßenjugenb bestaunt ben Fremben, bie Mäbchen lehnen sich aus ben niebrigen Fenstern, lächeln unb sehen, wie bas Glück aus ber Frembe, auf bas sie warten unb bas niemals kommt, roieber an ihnen vorüberzieht. In ber Posaba gibt es einen präch­tigen Lanbwein für ben borstigen Trinker, unb viele freunbliche Männer tun Bescheib. Auch Mira- slores hat eine reiche Bienenzucht. Weiter führt ber Weg nach Bustaviejo, ein kleines, blühenbes Gebirgsstäbtchen, bas als Berühmtheit einen ein­zigen Armen hat, ber mit feiner Familie in einer Höhle wohnt, in ber einst ein Einsiebler hauste. Er wirb von ber Gemeinbe unterhalten.

Die Kirchenglocken läuten zum Ave Maria. Die Frauen bekreuzigen sich, und bie Männer entblößen das Haupt. Langsam senkt sich bie Dämmerung herab unb mit ihr bie Trauer, von ber bie Menschen nicht wissen, warum sie wie ein Alpbrücken in ben leeren Nächten auf ihnen lastet. In einer 23enta vor bem weltvergessenen Gebirgsborf Dalbemanco soll ein Dämon von einem kleinen Mäbchen Besitz ergriffen haben. Anstatt nach dem Arzt haben die Eltern nach dem Priester geschickt, damit er den bösen Geist mit Weihwasser und Gebeten austreibe. Fackeln huschen um das Gebäude, das wie ein klebriger Steinhaufen am Wege emporwächst. Aus dem Innern ertönt lautes Jammern von Weibern.

des im Osten aufsteigenden Lichtes, der Morgen­röte und der lenzlichen Fruchtbarteit. In dieser ihrer Eigenschaft hat sie den Hasen als das Sinn­bild ihres Wirkens erwählt. Das Häslein der Ostara ist daher Osterhase geblieben, wie ja auch dieser Harne der germanischen Frühlingsverkörpe­rung dem Auferstehungsfeste des Lenzes ver­blieben ist, auch seitdem man es als das des gekreuzigten Erlösers begeht.

Man erkennt daran, wie ganz aus der ger­manischen Volksseele heraus die holde Gottheits­gestalt entsprossen, wie fest sie damit verwachsen war, daß in Germanien ihr Harne nicht aus­zutilgen war, obwohl Karl der Große mit seinem Schwert die Christianisierung durch alle Gaue trug. Bei den nichtgermanischen Völkern, den Honanen und Slawen, knüpft der Harne des christlichen Auferstehungsfestes an das hebräische Passah" an. In England, wohin die Angeln unb Sachsen ihre Eostra-Feier Mitnahmen, wird das Osterfest Easter genannt. Unwillkürlich steigt der Gedanke auf, daß diese liebliche Gestalt, 'n die der Menschengeist alles Glücksgefühl, allen Schönheitszauber des Frühlings hinein- legte, zum urältesten Bestände des menschlichen Dichtens überhaupt gehören mag, bei einzelnen Bölkersamilien ganz vergessen, bei andern etwas umgebildet wurde und bei einigen sich bis auf den ursprünglichen Hamen erhalten hat.

In babylonischer Keilschrift entdeckte man ein EposIstars Höllenfahrt", in dem die Göttin Istar zum Reiche des Todes hinabsteigt und dort in Gefangenschaft gehalten wird. Da wird es öde und trostlos auf der Erdenwelt, und die Liebe verschwindet aus ihr. Damit Liebe, Lust, Leben wiederkehren, gebieten die Götter die Frei­gabe der Istar, damit sie zur Erde zurück­kehren könne. An diese assyrisch-babylonische Frühlingsgottin, mit deren Verschwinden von der Erde dieser aller Zauber verloren geht, deren Wiederkehr das Alte verjüngt und neues Leben schafft, erinnert auch die griechische Persephone, die Tochter der Demeter und des Zeus (des mütterlichen Erdenschoßes und des Himmels-

Der Priester war zu spät gekommen, bas Kinb war schon an Krämpfen verschieben. Zwischen brennen- ben Wachskerzen liegt bas Mäbchen aufgebahrt, auf ber Brust ein Heiligenbilb, unb ringsherum bampfen in Kohlenbecken wohlriechenbe Kräuter, bie bie bösen Geister fernhalten sollen. Im Schlot flackert ein riesiges Feuer unb beleuchtet bas Bilb mit un- ftetem Licht, unb wirklich scheinen Gespenster durch den rauchigen Raum zu husck)en.

In ber Ferne leuchten bie elektrischen Bogen­lampen Mabribs auf. Das bunftige Lichtmeer über ber Hauptstadt ruft und lockt zurück aus dem Klem- stadtschlummer, zurück aus bem Seitab bes Lebens, aus der Weldfremdheit, zurück in den nervenauf- peitfdjenöen Strom des Gebens, ber nicht bas Geben ist, aber es vortäuscht.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

f. Klein-Linden, 30. März. Der hiesige Ziegenversicherungsverein hielt seine Hauptjahresversammlung ab. Der Ge­schäftsbericht ergab, daß von 89 Mitgliedern im abgelaufenen Rechnungsjahr 110 Ziegen versichert waren. Die Rechnungsablage wies einen Kassen- bestand von 153 Mark für das neue Jahr aus. Die Vorstandswahl ergab die Wiederwahl des alten Vorstandes; als Kassierer wurde neuge­wählt Philipp Deibel 6. Für eingegangene Ziegen wurden an 6 Mitglieder 11.7,50 Mark ausbezahlt.

ck. Heuchelheim, 30. März. Am Samstag­abend hielt der Turnverein Heuchelheim e. V. im kleinen Saal der Turnhalle seine dies­jährige Frühjahrs-Hauptversammlung ab. Als erste Hautverfammlung in der neuen Halle hatte sich eines sehr guten Besuches zu erfreuen. Be­schlossen wurde bie Abhaltung eines Sommer- f e ft e 5 , ferner ein Ausflug am Karfreitag. Bei bem Bericht über ben Gauturntag fanb bie Mittei­lung bes Vorsitzenben, baß bie Abhaltung bes Gau- turnfeftes 1 9 2 7 bem Turnverein Heu­chelheim übertragen worben ist, allgemeine Zu­stimmung. Das Fest soll auf bem in der Nähe der Turnhalle liegenden Sportplatz unter Hinzupachtung von anliegendem Gelände abgehalten werden. Vor­bereitende Schritte sind in dieser Richtung schon ge­tan. Die Bau- und Finanzkommission soll demnächst aufgelöst werben. Als Rechnungsprüfer würben drei Turner, Jak. Rinn, Karl G e r n a n b t und Otto Rinn gewählt. Zur Frauenturnwart würbe Tur­ner Fritz Rinn berufen. Schließlich erlebigtc man noch einige interne Angelegenheiten.

£ Wieseck, 30. Marz. An unserer Volks­schule sind nunmehr die Jahre der zurückgehen­den Schülerzahlen vorbei. Im abgelaufenen Schuljahre besuchten 402 Kinder die hiesige Volksschule. Diese Schülerzahl war in zehn Klassen untergebracht, so daß im Durchschnitt 40 Schüler oder Schülerinnen auf eine Klasse entfielen. Zur Entlassung kamen in diesem Jahre 67 Konfirmanden, dafür werden aber zu Ostern rund 120 A-B-C-Schühen aufgenommen. Diese 120 Schüler müssen in zwei Klassen untergebracht werden, im Gegensatz zu den letzten Jahren, in denen eine Klasse genügte. Da in der gegen­wärtigen Situation eine neue Lehrkraft selbst­redend nicht bewilligt wurde, müssen, um aus dem Vorhandenen die erforderliche Lehrkraft zu erhalten, zwei ältere Jahrgänge zusammen­gelegt werden. Der Zugang der 120 A-2-C- Schützen bedeutet für unsere Schule, daß bereits im neuen Schuljahr mit einer durchschnittlichen Schülerzahl von 45 bis 46 gerechnet werden muß. Da auch die kommenden Jahre ein weiteres Steigen der Schülerzahlen bringen werden, steht zu befürchten, daß sich die Verhältnisse an un­serer Schule immer mehr rückwärts entwickeln, denn die Hoffnung, bei der steigenden Schüler­zahl einen neuen Lehrer zu erhalten, dürfte für längere Zeit zu begraben sein. Dieser Zustand ist bei den gegenwärtigen Finanzschwierigkeiten des Staates zwar begreiflich, im Interesse un­seres Hachwuchses und seiner geistigen Fort­entwicklung aber bedauerlich.

Bg. Großen-Buseck, 29. März. Samstag abenb veranstaltete die Oberklasse ber hiesigen Volksschule eine Entlassungsfeier im Saale bes Gastwirts Brück. Rektor Jnberthal begrüßte bie Erschienenen, wies auf bie bas Schul­leben bewegenden Ereignisse ber letzten Zeit hin unb verlangte für bie Volksschule gleiches Maß wie für bie übrigen Betriebe bes Staates. Die Feier glie- berte sich in einen religiösen unb vaterlänbischen

lichtes, der Sonnenkraft und des befruchtenden Regens). Hades, der Beherrscher der Unterwelt, hat die liebliche Persephone in sein Reich ent­führt. Der klagenden Mutter gelingt es, einen Richterspruch zu erlangen, nach dem die Tochter die Hälfte jedes Jahres bei ihr im Lichte der Oberwelt weilen und nur ein halbes Jahr der düstere Hades sie gefangen halten darf.

Im Winter stecken das Leben der Pflanzen­welt, der keimende Same unb die fäftcbergenöen Wurzeln im dunklen Erdenschoß, im Frühling und Sommer spielen die Lebensvorgänge, die Bildung des srischgrünen Laubes, die Entfaltung der sarbenglänzenden Blüte, sich auf der Erde im strahlenden Sonnenlichte ab. Heben den lieb­lichen weiblichen Frühlingsverkörperungen schuf sich der dichtende Geist bei ben verschiedenen Völkern auch männlich jugendschöne Frühlings­gestalten, wie ben ägyptischen Horus, ben phö­nizischen Adonis, den germanischen Baldur, sie alle dionysische Gestalten, als deren jüngsten Ausläufer die vergleichende Religionswissenschaft Christus auffaßt, der gleich den meisten anderen Frühlingsgottheiten hinabsteigen mußte zur dunk­len Tiefe des Totenreiches, um dann wieder emporzukommen zur strahlenden Welt des Lichtes unb Lebens.

Frau Sonne hat ben winterlichen Tiefstanb überwunben. Mit ihren golbroten Strahlenreisern weckt sie bie Schläfer unb treibt sie früh aus ben Betten. Die Kleinen toanbern hinaus, um ihre jungen zartbegrünten Kätzchenreifer herbei­zuholen unb bamit bie Alten, bie Eltern unb* sonstige Erwachsene aus bem Schlafe zu Wecken; symbolisch vollzieht so die Jugend das Aus­treiben des griesgrämlichen Winters durch den jungfrischen Frühling. Schmackostern heißen sie es, weil die Alten nun der sie austreibenden Jugend etwas Schmackhaftes, Ostereier ober Ostergebäck, als Lösegeld verabfolgen müssen.

In dem Frohgefühl, das in allen Menschen­herzen erwacht, wenn ein neuer Lenz seinen Einzug hält, drückt sich der innige Zusammenhang des Menschen mit ber Allnatur aus. Wie in

Mittwoch, 31. Mrz 1926

Teil unb in einen solchen heiter unterhaltender Na­tur. Die Kinder hatten sich mit viel Fleiß unb Eifer ihrer manchmal nicht leichten Aufgabe hingegeben unb ernteten reichen Beifall. Zum Schlüsse dankte der Rektor den Schulvorstandsmitgliedern und dem Posaunenchor für die Mitwirkung. Etwa 5 0 Schulrekruten werden zu Ostern in die Schule ausgenommen. Pfarrer Kalb Henn sprach dem Geiler und den Kindern den Dank der Erschienenen aus. Kurz nach Ostern wird mit der Kanali­sation derBeure r S kraße begonnen werden. Der Saaten st and in der hiesigen Gemarkung ist im allgemeinen befriedigend, doch wurde stellenweise infolge Feuchtigkeit eine zweite Aussaat mit teommerfrudjt notwendig. Gestern abend sand im vollbesetzten Gotteshause eine Passivus- feier des Mädchenchores statt, der das SingspielTabea" in klangvoll schöner Weise zu Gehör brachte. Die Einübung und Geltung der Gie» der und Gedichte erfolgte durch Frl. Kalbhenn. Der Posannenchor trug eine Reihe von Motetten für die Passionszeit vor. Zum ersten Male brannten während der Veranstaltung die neuen zum Teil gestifteten Gompen, die in Form von Kerzen sich dem altertümlichen Raume einfach unb schön an» passen.

z. A11 e n d o r f a. b. Gba., 30. März. Am Sonn­tag fuhr zwischen hier und Londorf c i y, A u t o in den Straßengraben. DerVvrderbau des Wa­gens wurde dabei so stark beschädigt, daß der verun­glückte Kraftwagen durch ein Lastauto abge­schleppt werden mußte. Die Insassen kamen mit dem Schrecken davon. Der hiesige Jung- franen-Verein veranstaltete einen gut besuch­ten Eltern-Abend, bei dem unter der ver­dienstvollen Leitung von Lehrer Strack den Be­suchern durch zeitgemäße Theaterstücke und Dekla­mationen ein genußreiches Beisammensein geboten wurde. Mit der Frühjahrsbestellung ist in unserer Gemarkung bereits begonnen worben. Das F r ü h o b st weist starken Knospenansatz auf, dem auch die letzten kalten Nächte keinen Schaden zugefügt haben.

* Lang-Göns, 30. März. Hier fand eine Versammlung ber Handwerker unb Gewerbetreibenben von Lang - Göns statt, in ber Shnbikus Röhr von ber Handwerkskammer-Rebenst eile, Sih Gießen, in eingehenden Darlegungen über die Auswirkung der verschiedenen Steuerarten auf das Hand­werk und Gewerbe referierte. Er wies insbe­sondere auf die Notwendigkeit einer Buchführung in steuerlichem Interesse auch für die kleinsten Betriebe hin. Diese ermögliche es, auch die von den Steuerbehörden geforderten Erklärungen recht­zeitig und den tatsächlichen Verhältnissen ent­sprechend abzugeben unb eine evtl, zu hohe Steuereinichähung durch die Finanzämter zu ver­meiden. In ber jetzigen außerordentlich schwie­rigen wirtschaftlichen Lage des Handwerks und Gewerbes sei es mehr denn je erforderlich, daß diese Berufe sich zur Wahrung ihrer Inter­essen zusammenschließen, um in gemeinsamer Ar­beit an der Behebung der wirtschaftlichen Hot- lage mitzuwirken. Die Versammlung beschloß einstimmig die sofortige Gründung eines Handwerker- unb Gewerbe­verein Lang-Göns, dem bie Erschienenen alsbald beitraten.

bs. S t e i n h e i m, 30. März. Vielfachen Wünschen entsprechend, fand eine Wiederholung der allgemeinen Schulfeier statt. Außer einem Vortrage über moderne Erziehungsfragen durch Lehrer B e p p l e r wurden noch Gedichtvorträge, Kinder- unb gemeinsame Gesänge zu Gehör ge­bracht. Desonbers tiefen Einbruck machte ein von den Fortbildungsschülerinnen formvollendet wiedergegebenes Theaterstück, das von Lehrer Bersch eingeübt worden war. Es wurde all­gemein gewünscht, öfter solche Elternabende ein­zurichten.

Kreis Friedberg.

Hausbesitzer-DelegierLenrag in Friedberg.

Friedberg, 29. März. Der Landes­verband derHess. Hausbesitzer-Ver­eine hielt am Samstag seine Delegierten- i a g u n g in Friedberg ab. Rach einem ausführ­lichen Bericht des Verbandsvorsihenden. Land- tagsabgeordneten H a u r y - Darmstadt, über bie Ereignisse und bie Tätigkeit des Verbandes seit der letzten Tagung fand eine lebhafte Aus­sprache statt. In der Hauptsache drehte sich die Diskussion um die ruinöse steuerliche Belastung

Baum und Strauch bie Säfte steigen, in ber Tierwelt junges Leben geboren wirb, so durch- pulst auch bewußt ober unbewußt ben Menschen bas Allzusammenhangsgefühl bes Heuwerbens, bie weltumspannenbe Osterstimmung, ber ur- ewige Sinn des unvergänglichen, weil ewig sich erncucrnben Lebens.

Ohrring-Moden.

Die Zeit ist noch gar nicht so lange her, als das Tragen von Ohrringen fürbarbarisch" galt. Man empfand es als einenRückfall in primi­tive Instinkte", wenn sich die Frauen ihre Ohr­läppchen durchbohren ließen, um bann mon­ströse Gehänge herunterbaumeln zu lassen. Wer heute noch eine solche Ansicht äußern wollte, würbe für hoffnungslos altmodisch gelten. Ohr­ringe gehören heute unbedingt zur großen Toi­lette, und die Damen begnügen sich nicht nur mit kleinen Ringen ober einzelnen Perlen, sondern sie tragen große Gehänge, an denen kostbare Juwelen baumeln. Dabei hängt es freilich von der Frisur ab, ob die Ohrringe bis auf die Schultern herunterfallen, oder ob man sich nur große runde Perlen in die Ohren steckt, die bann nicht minder auffallend sind. Der schmerzhaften Operation des Durchstechens ber Ohrläppchen braucht sich bie Dame von heute aber nicht mehr zu unterziehen. Die Geschicklichkeit ber Juweliere sorgt für eine ganze Reihe von Vorrichtungen, burd) bie bie Ohrgehänge fast unsichtbar befestigt werden, ohne daß sie durch ein Loch hindurch- gesteckt werden müssen. Die Ohrring-Mode un­serer Tage kehrt zu jenen auffälligen Formen zurück, wie sie besonders im Orient gepflegt wurden. Das weibliche Geschlecht hat ja zu allen Zeiten für einen Schmuck des Ohres gesorgt, und schon in altäghptischen Gräbern sind köst­liche Ohrgehänge gefunden worben, die man heute meisterhaft nachzuahmen versteht. In ber Bibel spielt der Ohrring eine große Rolle unb ebenso in ben Moden des klassischen Griechen­lands. Die moderne Dame braucht sich daher dieserbarbarischen" Mode nicht zu fchämen«