Ausgabe 
30.12.1926
 
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m. 305 Dritter Blatt

Eichener Anzeiger (Seneral-AnZeiger für GdrrlMn) Donnerstag, 50. Dezember (92t>

Das rote Aschenbrödel."

DaH itenf Grzi eh ungsftf stein hn modernen

Rußland.

Don unterem n.-Verichterstatrer.

Dochbruck, auch mit Quellenangabe, verboten ) MoSkau, Dc^mber 1926

Man muh der Dow;er»Regierung recht geben, sie hat eine gründliche Reform des Lchul- wriens In Ruhland unterenmmcn und yim Teil durchgefübrt Zur Zavenzeit waren nahezu 90 Prozent der russischen Bevölkerung Analphabeten. Die Voir "etregierung hat die Aufgabe der Volks- bildung sehr ernst ausgesohl und schritt mit den energischsten Mitteln an die Eröffnung von neuen Schulen in allen Bezirken RuhlandS. Aus dem Lande wurden besondere .Stationen für die Li- auidierung Des Analphabetentums" errichtet Die Zahl der Analphabeten ist schon jetzt gegen die Vorkriegszeit start jurücZgegangen und die Dow- tetregierung hofft, das; eS in zehn Jahren in Russland keinen einzigen Analvhabeter mehr geben wird.

DaS alles ist überaus lobenswert und stellt einen groben Fortschritt dar. Leider wird aber von der Regierung eine noch strengere Schul' »ensue. olS es zur ZarenKsit gab. natürlich in kommunistischem Sinne. eintz?führl. 5\t Kult Lenins durchzieht jedes Dc^allach. So werden r Q? im Rechnen mit Vorliebe Exempel von der Art deS folgenden beigebracht. .Lenin ist dann und dann geboren und dann und dann gestorben, wie lange hat er gelebt?" Die Rechme rempel sind überhaupt alle un Sinne kommunistischer Propaganda verfahk, so z. B.ein Pope erhält für einen Gottesdienst 2 Rubel, wenn von 1300 Leuten, die eine Messe bestellen, jeder dieses Geld für die arbeitslosen Kommunisten Europas opfern würde, wieviel ÄomnnmiTter könnten dann eine Unterstützung bekommen, falls jeder 15 Rubel erhielte?" Da die Geschichte gleichfalls im marxistischen Sinne zurecht-^emocht ist, so darf man sich nicht darüber Wundern, daß ernst ein Junge b* Lehrer fragte, ob die Ritter des Mittelalters nicht auch Marxisten gewesen seien, da sie die Schwachen und Unterdrückten in Schub genommen haben.

DaS Prinzip der Erziehung ist überhaupt von Grund auf ein ganz anderes geworden, als W früher war, da der BegriffAutorität" in Rußland nicht mehr besteht. Dem Äinbe wird alleS erlaubt, und nichts verboten Cs darf seinen Haturtrieben ruhig folgen.

Einen höchst interessanten und lehrreichen Einblick in die Psyche deS modernen russischen Kindes unter dem neuen Erziehungssystem bietet das soeben in einer Moskauer Zeitschrift ver­öffentlichte Tagebuch eines 12jährigen Schülers, auS dem wir einige besonders charaktsristischL Schilderungen feiner Eindrücke hier wiedergcben Der (hinge beschreibt z. D. eine Amdervorstell unq n bei SchuleDer Vorhang ging auf und die Vorstellung begann; Priester aller Länder zank­ten sich auf der Bühne, wessen Gott besser sei, afa plötzlich ein Arbeiter mit einem Besen er» 'chien und alle wegjagte Außerdem drehte sich auf der Buhne ein Bourgeois umher. Er spielte am heften und wirkte sehr komisch, besonders dadurch, Daß feine Unterhofen aus feinen Hosen hervor zuckten Er zog sie jedesmal hoch und dabei dröhnte der Saal vor Lachen. Außerdem habe ich ein anderes Stück gesehen. Es hieß .Das Rote Aschenbrödel". Es waren zwei Schwestern, DourgeoiS-Mädchen. die dritte Schwester war aber eine Wäscherin. Die Bour­geois-Mädchen gehen zum Ball, das Aschen- brödel bleibt allein zu Haufe und muh das Ge­schirr abwaschen. Plötzlich erscheint ein Bursche im roten Hemd und liest ihr eine Proklamation vor. Das Aschenbrödel zieht sich ein Kleid ihrer Schwester an und geht gleichfalls zum Ball, wo ein Prinz sie belästigt. Cs beißt, der Prinz will sie heiraten, aber da erschrint derselbe Agitator und erklärt, dah die Revolution ausgebrochen sei und verprügelt den Prinzen. Der Prinz rettet hch in den Zuschauerraum, Der Rote rennt ihm nach, während die Ballgäste die Internationale fingen. sSo was gibt es natürlich nicht, aber waS kann man von einem Kinderthsater ver­langen?) Es wurde so gut gespielt, dah ich Lust hatte, selbst zur Bühne zu gehen. Unb doch

OerFrosch mit -erMaske

Roman von Edgar Dalloce.

28. Sortfeßung. ülachdruck verböten.

Jetzt will ich Ihnen etwas erzählen, EU", sagte Lola.Sie hoben niemanden gefangen, und Sie werden niemals jemanden fangen. Sie hoben Ihren plattfüfeigen Lockvogel Balder mit Hoon in eine Aelle gesperrt, um einen Iriiyph zu erleben. Aber Sie worden nichts erleben als große, große Hn onnehmtichkeiten."

3u anderen Zeiten würde sich Kordon über die Wirluno dieser Offenbarung auf Elk höchlichst amü­siert haben, denn das Kinn des unglückliche» Detek­tivs fiel herab und starrte hilflos über feine Gläser hinweg nach Lola.

Hogn wird nicht gestehen", fuhr sie fort .Denn brr Arm des Frosches würde ihn errelchen. so mir er Mills und Litnow erreicht har und Sie erreichen wird, wenn der Frosch Sie besten überhaupt für wert Höll. So, jetzt können Sie mich arretieren, wenn Sie wolle». Sie haben durch das Diktophon olles mitangehört, was ich Non Bennnett erzählt habe. Warum arretieren Sie mich nichi um mir den Prozeß zu machen?"

Der gebemütigte Elk wußte wohl, daß er feinen 'uldbcweis hatte, um Sie anfiagen zu können. Und Lola wußte, daß er dies wußte.

.Glauben Sie, mir so zu entkommeiH Bastano?"

Kordon harte gesprochen, md sie blitzte chn zornig an.

Es steht ein: Fräulein vor meinem Romen", fauchte sie ihn an.

..Früher oder ipäter werden Sie nur eine Num­mer lein", jagte Dick ruhig.Sie und Ihresgleichen leben verantwortungslos und in Freuden dahin. Vielleicht, weil ich nicht fompc/ent genug bin, viel­leicht, well ich kein Glück habe. Aber eines Tages werden wir Sie erreichen, entweder ich oder mein Nachfolger. Sie könne» in dem Kampf mit dem Gesetz nicht gewinnen, heim das Gesetz ist ewig und beständig.'

Eine Durchsuchung meiner Wohnung kann ich Ihnen nicht verwehren, aber eine Predigt brauche ich mir nicht bieten zu lassen", sagte sie verächllich. ».Und wenn die Herren zu Ende sind, so möchte ich

Ä<ntbe ich bah es im Kino tntcreffunter fein mub, da man im Kino nicht 50 Denfen braucht der Vorstellung singe» die Kleinen an zu tanzen. Ich ging sofort zur Oberlehrerin und faßte JbrWilsen Sie denn nicht. Genossin, daß Tänze verboten find?" Die Oberlehrer.» tooUte aE*r nichts von meinen Rede» wissen." Weiter heißt es im Tagebuch: .Die lustig muh es bei,. Den Kohlabenden sein!" (Unter Stojilaficnben" werd?» GebeimVersammlungen Der Schuler Schülerinnen bezeichnet, br >encn oft genug die wüsteste» Orgien gefeiert worden., ..Heule haben die Kleinem in Der Rekrealüms- vause wieder getanzt. Dir aber fange , die Mädels an Den Beinen, so dah sie umfallcn müssen. ®in furchtbares Geheul fing an, di. Ober­lehrerin stürmte herein u:tt> fragte, rvarmn wir gegen die Tänze find. Weil das Tanze» keine ideologische (!i Bedeutung bat. sagte mein Ka­merad. Die Tänze enthalten nichts Wissenschaft­liches und regen die Tanzenden mir erotisch auf. Mein Kamerad Palkin lief) mich schwöre», daß ich mich nicht verplappern werde, und sagte mit, daß heute um neun ein Kob!abend ftattfinDen wird. Es ist schon halb neun, ich will gleich geben, dem Papachen habe ich gesagt, dah ich in den Kientopp gebe und hohe ihn tüchtig tmaepuniM." Rach dem geheimnisvollen Kobiabend schreib: der Schüler folgende? nieder .Heber die Kobk^ abenbe darf man nicht Piel schreibe», sonst hätte ich eine Menge darüber getagt Gs ist aber ein snrchtbaeS Geheimnis. Dori habe ich die Lina gesehen und war darüber feor erstaunt."

Bemerkenswert ist der Eindruck, de» auf den Svwjetschüler Shakespeares Hamlet hrnter- lassen hat , Heute hat der Lehrer ein Buck mitgebracht und uns alle im Klassenzimmer vcr- iammelt. Ihr wolllel. sagte er, ein Theaterstück spielen und das ist ein guter Gedanke Da wir kerne guten modernen Stücke haben, so schlage ich vor. eine Tragödie des berühmten Dicklers Shakespeare zu spielen. Sie heiß: Hamlet imb enthält auf den ersten Blick gar keine revolutio­

när« Tendenz. Aber das scheint nur fv 3n Wirklichkeit enthält fic einen ungeheuren inneren sozialen Protest. Da sing er an, das Stück vor- julden. Gr liest sehr gut und es hört sich ganz angenehm an, obwohl im Stück ungeheuer viel Quatfch vvrkvmmt Das fann man natürlich ver­zeihen, da das Sttick vor 500 3abrr» geschrieben ist und Shakespeare es für eine Königin und nickt für das Proletariat geschaffen hat. 3ck will gleich alle feine Fehler aufaeiebnen. Zuerst er* ichrint ein Geist, bietet Geist erzählt dem Harntet, daß er der Deist seines Beters sei und daß man ihn vergiftet habe. Hier 'ehe ick zweimal den größten Blödsinn, erstens gibt es gav keine Deister, aber tocmi schon einer erscheinen würde, hätte ich ihn an Stelle von Hamlet tüchtig ver­hauen. anstatt mit ihm lange zu auaOdtcn. zwei­tens erzählt der Geist, man hätte ihm Giß ins Ohr gegossen, während er schlief, ich habe niemals gehört, daß man auf diese Weife einen Menschen vergiften Tarn. Vielleicht war es vor 500 3abrvn doch möglich. Biel schlimmer ist der Blödsinn Shakespeares in folgender Sache: Hamlet ver­stellt sich, als wäre ec verrückt. Dieser Verrückte organisiert eine Vorstellung, m bei gezeigt wird wie man feinen Vater vergiftet hat. Run glaube ick. daß man in der alten Zeit einem Verrückten niemals erlaubt hätte, c*ne Vorstellung zu organi­sieren, sondern hätte ihn sofort in ein 3trcn- haus gesteckt. Hamlet macht allerlei Haven, setzt sich auf den Boden, anstatt auf dem Stuhl zu fitzen und unterbricht die 'Vorstellung mit aller­lei Dummem Gerede! Trotzdem war die Mehr­zahl der Kameraden für die Aufführung diefes Stückes."

Das wären Die typischen Fragmente aus diesem Tagebuch, bellen Veröffentlichung aller­dings gro'>e» Aufsehen in her pädagogische» Pvesse Rußlands erregt hat sie geben a;xr ein so vollkommenes Bild berIdeologie" des fowjetrufsiscken Durchschnittsschülers. daß weitere Kommentare wohl,, überflüssig erickeinen

Der Weg zum Erfolg.

n.

August Thyssen, der erste deutsche Trustmann.

Am Ostersonntag 1926 starb August Thysjen, Deutschlands größter Industrieller, im Alter von säst 85 Jahren an den Folgen einer Augenopero- tion.

Als Kocher dc bronce, als Patriarch des üeut- Ichen Großunternehmeriums, ragt die Gestalt des tüten Thyssen über den kaufmännischen Durchschnitt hoch empor. Er war seinerzeit her erste, her das amerikanische Iruftformat m der deutschen Unten nefjmerprajne bewußt anroanblc und damit in der Kvnzentratwnsbeweguno der Vorkriegszeit ziel- und richtunggebend wirkte. In den letzten Jahren ist es um den Trustkönig, der zurückgezogen auf feinem prunkvollen Schloß Landsberg bei Kettwig an ber Ruhr lebte, redjt still geworden. Seine Aktivität, die bis zum Kriegsschluß noch so lebendig war. mußte ber schwindenden Lebenskraft ebenfalls ihren Trib-it zollen, imb jein Name wurde in den letzten Jahren von den großen Jnflationskomete», deren Aufzah- lung sich hier wohl erübrigt, vollständig überstrahlt. Erst jetzt, nachdem die trüben Wasser der Inflation sich verlaufen haben, und ber Blick wieder wirklich solide und gut fundierte.Unternehmen von den viel­leicht großzügig, aber rasch und flüchtig hingewor­fenen unicrscheiden kann, taucht ber Name dieses ersten beutichen Trustmannes allergrößten Formats wieder langsam aus ber zeitweiligen Vergessenheit cuf.

Der Lebensweg dieses Mannes, der durch unge­heuren Fleiß zu einem ungeheuren Vermögen ge­langt ist, ist überaus interessant und typisch.' Auch hier ist von Zufollsersolgen keine Spur. Alle Ge­folge sind in jahrzehntelanger harter Arbeit, die von Entsagungen auf jeden öebenspenufj begleitet mar, errungen worden. August Thyssen gehörte zweifel­los zu den fleißigste» Arbeitern ber deutschen Groß inbuftrie. Er (ft zeitlebens ein einfacher Mann ge­blieben: für monbane Bilbung und luxuriöses Se­hen hatte er nichts übrig. Diese absolut "konsequente Einstellung führte schon vor dem Kriege zu schweren Konflikten mit einem seiner Söhne, ber das vätcr

Sie bitten, mir noch ein wenig Schlaf zu gönnen, damit ich morgen nicht allzu häßlich aufwache."

Das ist das einzige, was Sie niemals be­fürchten muffen", sagte her galante Elk, und Lola lachte.

Sie sind kein schlechter Mensch, Elk", sagte sie. Sie sind zwar ein schlechter Detektiv, aber Sic haben ein goldenes Herz."

.LDenn das wahr wäre, so würde ich nicht wagen, allein in Ihrer Gesellschaft zu bleiben'" war Elks Antwort, als er rücklings und unter iT'crb?ir gungen zur Tür hinausging.

XIX.

Im Walde von Ellham

Als sie zur Polizeidircktion zuriükfuhren, war Elk noch immer m tiefes Sinnen versunken JEs ist die größte Unannehmlichkeit für uns, daß die Frösche keine ungesetzliche Verbindung sind', sagte Dick.Es wird am Ende noch nötig fein, den Mi­nisterpräsidenten um die Proklamierung der Ge­sellschaft zu bitten.

Vielleicht rft der auch ein Frosch!" sagte Elk. hoffnungslos düster. ..Lachen Sie mich nicht aus* Hauptmann Gordon. ich sage es Ihnen, es stecken hohe Tiere dahinter. Ich ränge schon an, jeden zu verdächtigen."

D^lleicht beginnen Sie gleich bei mir?" sagte Gordon in seiner befreiten Saune.

Das habe ich schon längst getan", war die frei­mütige Antwort. .,11 nb dann ist mir auch noch eingefallen, daß ich als kleiner Junge Nachtwand­ler war. Vielleicht führe ich ein Doppelleben und bin bei Tag Detektiv und bei Nacht ein Frosch das kann man nie wißen! Denn es ist mir ganz klar, daß em Genie unter Den Fröschen jein muff', fuhr er mit unbewußter Unbescheidenheit fori

.Lola Dassono?" vermutete Dick.

Nein, sie fann nicht organisieren. Sie hat eine Truppe geführt, als fic neunzehn Jahre all war. und die ging an schlechter Organisation zugrunde. Ich glaube, daß man. um die Frösche zu fuhren, ganz der gleichen Art der Intelligenz bebarf, wie 3. B. 31ZT Führung einer Lank. Maitland märe ber Mann! Ich habe den Kreis um ihn noch enger gezogen, nachdem ich mit Johnson über chn ge­sprochen habe. Johnson <agt daß er noch nie dos Bankbuch des Allen gesehen hat und obgleich er

als er

Aber sie brauchten John Bennett nicht erft aus dem Schlafe *

chlore ju wecken. Elk wurde angerufen nnb binauüah, gewahrte er den geheimnisvollen Monn, ber aus bem Fenster lehnte.

"Das führt Sic hieher, Herr Inspektor/" fragte er gebämprt, als ob er ferne Tochter nickt wecken wolle.

fein Privatfckreiär ist, kann er über feine Trans­aktionen nichts aussagen, als daß er Realitäten kauft unb verkauft. Das Geld, das der Alte privat verdient, wird auch nicht in den Bankbüchern ge­bucht unb Jahrston war geradezu überrascht, als ich meinte, daß Maitland überhaupt seine Geschäfte außerhalb der Führung Der Gesellschaft mache. Ich möchte Sie aber fetzt etwas anderes fragen, Haupt mann Gordon. Möchten Sie sich nicht gerne ein für allsmol davon überzeugen, daß Fräulein Bennett nichts mit alldem zu tun hat?"

Sie glauben doch nicht wirklich, daß das der Fall fein konnte?" fragte Dick, her dos Entsetzen 'von neuem überkam.

Ich bin bereit olles von allen zu glauben!" sagte (Elf.Die Straße liegt jetzt leer vor uns. wir könntev in einer Stunde in Horsham fein. Ich für meine Person weiß |a ganz gewiß daß es nicht Fräulein Bennetts Stimme war, aber denken oic nur daran, daß wir für die Leute do oben Be­richte zu schreiben haben (Dte Leute ba oben" war Elks unveränberlicher Name für seine höchsten vor- gefetztens und Da würde es böse aussehe», wenn wir einfach sagen wollten, daß mir Fräulein Den- netts Stimme im Radio gehört haben, und es nicht einmal ber Muhe wen fanden, herauszube- kommen. wo fic zu dieser Zeit in Wirklichkeit ge­wesen ist."

teic haben recht", sagte Lick gedankenvoll. Und Elk lehnte sich aus dem Wagen nnb gab dem Füh­rer die neue Fahrtrichtung an.

Der Morgen hämmerte >chon. als das Auto die DeriaSencn Straßen von Hvrshom durchraste und dann langsamer Moytrec Hous entlang fuhr. Das Landl-aus jeigte fein Lebenszeichen. 2>rr Vorhänge waren hcrabgeloffen, nirgends brannte Licht

Dick zögerte, als Elk die Hand auf die Türklinke legte.Ich möchte die Lsotc nicht gerne aufmtrft'»", gritanb er.2>cr alte Bennett würde wahrscheinlich glauben, daß wir schlechte Nachrichten über fernen enbn bringen."

liehe Vermögen durch einen üppigen Lebenswandel um große Summen gekürzt hat Wenn auch August Thyssen ein self-made-rnan war, so hotte er doch, im Gegensatz etwa zu Ford, eine wenn auch nur be­scheidene Ansangsbasis, die ihm von feinen Eltern geschaffen wurde, denn fein Vater wor Direktor eines Walzwerkes in Eschwciler bei Aachen und machte später ein kleines Bankgeschäft auf, um fick yanz ^manzoeschaften, für btc er eine besondere Vorliebe hegte, zu widmen. Dort wurde auch Augusi Thnsicn 1842 geboren. Bon Anfang an zog es ihn mit aller Macht xu Industrie und Technik. Er be juchte die Technische Hochschule in Karlsruhe, machte als junger Rekrut den Feldzug 1M6 mit und trat dann in das Werk feines Sktters als Eleve ein. Lange hielt er es jedoch in Dem väterlichen Betriebe wicht aus. Sein ganzes Sinnen unb Trachten mar darauf gerichtet, wie er sich selbständig mache» könnte. Nach langem Drängen erreichte er es, daß ihm sein Vater ein paar tausend Taler lieh, mit benen er, zusammen mit einem gewissen Tossoul, die Firma Thyssen, loffoiM & Co. in Duisburg grün bete. Es mar ein kleines Walzwerk, dos 60 Arbei ter beschäftigte und über ein Kapital von 8000 Talern verfügte. Trvtzbem die Firma bei ber da­mals herrschenden guten Eisenkonfunktur sich in erfreulicher Weise entwickelte, fand es ber jungt damals 28jährige Thyssen doch schon nach erwn d«i Jahren für geraten, sich van feinem Sozius, mit bem er bvch mdjt so recht zusammen»rbrilen konnte, zu trennen.

_ Die Firma wurde liquidiert unb mit beni be­trächtlichen Ueberschuh, der chm verblieb, gründete Thysien^l87l, allo im Alter von 29 Jahren, die Finna Thysjen & Co., Kommanditgesellschaft, an der auch sein Vater beteiligt mar. Diese Gesellschaft wurde ber eigentliche Ausgangspunkt feines jetzi­gen riesigen Konzerns. Ursprünglich betrieb die Finna nur ein Dalzwerl, aber unablässig mar Thyssen bestrebt schon damals fein kleines Werk Zu einem Unüierfalbctriebc ausjugeftalten. Inter esiant ist, daß er bei der Konzentration nicht etwa beifpielsmcifc vom Rohprodukt aüm^lich zum Fer­

tigfabrikat vorfchritt ober aber vorn Fertigfabntat rückwärts zum Rohprobukt vorstieß, sondern von der Mitte, b. h. vom Walzprvdutt ober vom wg 'Halbfabrikat aus ging und von hier aus seine Brr- duktton vorsichtig, aber tnergilch, gleichmäßig nadt iiibcn Produktionsrichtungen sowohl »ach dem Rohstoff, als auch nach htm Fcrttasabrikat hin Schritt für Schritt auc-behnte. Er war Der erste, der den Begriff be» gemischten Betriebes prägte, früher konnte man m der Schwerindustrie nur reine Hütten­werke, Walzwerke, reine Zechen uim. Thyssen lab zuerst die ungcbcurcn Vorteile ein, die eine Ber einigung dieser verschiedenen Rohstoff, und Pro- buhionebafm mit sich bringen muß. Er schuf aljo dar. was wir m ber modern wtilschafttichen ftltiffi Nkntion als Denikal Trust ansprechen. Er gab ho bunt) der Konzentrationsdewegung in Deutschland eine ganz neue Richtung. Trotzdem fein Beispiel fo fort im aanzen Revier nochgeahnü wurde, vei ftnnb er e» tebodj immer, den anderen um ein paar Nasenlangen Daraus zu sein und sich zunächst em* mal die allergrößten Vorteile zu sichern. Seinern Walzwerk gliederte er Maschinensabrikcn, Handels- Organisationen an( die ohne weiteren Zwischengc winn die Ware direkt an den Konsumenten liefer­en. So schuf er die große Maschinenfabrik Thysien & Co., 2l. G. in Mülheim a. d. Ruhr, die jetzt ein Heer von 10 000 Arbeitern beschäftigt. Dann folgte Erwerb einer der größten Zechenkomplere des Re­viers, der Gewerkicha'i ..Deutscher Kaiser^, die über Die wertvollsten .Kohlenflöze des Ruhrgebiets vcr- fugt Die Gewerkschaft ..Deutscher Kaiser" würbe von ihm ans organi,atorischen Grünben bann in Zwei Firmen zerlegt, unb zwvr in die Gcwerkschalt Friedrich Thijfien, Die die Höhlendergwerke, und in die Gewerkjchaft August Thyfien, die die Hütte» werke unb die verwandten Betriebe übernahm.

Der größte Feind bet Thysicnjchen Werke war der große Erzmangri. an bem sie litten. Als der junge Thyssen hoch kam, waren kaum noch Erz­felder non Bedeutung in Deutschland zu haben. Alles war in festen Händen, unb so mußte Thyssen, wenn er nicht Gefadr taufen wollte, seine Werke ristcs Tages auf knappe Erzrationen gesetzt zu sehen, im Auslände noch Erzlagern Umschau hal­ten. Er erwarb große Erzfelder in Französisch- Lothringen, in der Normadic unb stellte einige Dor­pasten sogar in Brasilien auf. Trotz ber großen Ge- wmne unb trotzdem die Gewinne niemals ausge- schüttet, sondern stets chesnurieri wurden, waren bic Thysienschen Werke aber nicht imstande, lediglich aus ihrem Cigimkupitol diese wellumsasicndc Er pansionspolitik zu finanzieren. FremdeC' Gelb tn großem umfange muhte herangezogen werde», unb Thyssen erwies fick als ein Finanzier, der. wie man Zu sagen pflegt, mit allen Wassern gewaschen mar. eetnt Schuldenlast war zeitweise außetordenllich unb es soll Momente gegeben haben, wo von de» ganzen riesigen Werken kaum noch ein Stein dem offiziellen Eigentümer gehörte; alles war bis auf den letzten 'Nagel uerpfänbet. Bei be» Banken, brr >hn immer mit einem heiteren unb einem nassen '-Inge in ihr Chefkabinett treten sahen, mar er des wegen tm allgemeinen mehr gefürchtet als geliebt Man konnte sich dem ungeheuren Expanfivnswillen dieses Mannes, ber alles und jedes feinen Zwecke» dienstbar zu machen suchte, nur schwer entziehen Dazu kam, daß er den Banken keinen fetten Cm missionsgewinn zu verdienen gab. Die Aktienkapi­talien seiner Werke, bic immer sehr klein bemessen waren, blieben stets in feiner Hand, (fr wollte Alleinherrscher und nicht von den Stimmen in einer Generalversammlung abhängig fein

Das fremde Kapital zog er lediglich durch Gclbaufnahmen bei den Danken, Privolkapitalten. ja sogdr kirchlichen Organisationen usw., also tuiy nnb gut. wo er cs nur immer ftnben konnte, heran. ?n den letzten Jahren finanzierte er feine großen lochringijchenNeubanten gemeint ist das Riesen­werk Hagcndingcn vornehmlich durch Äü«> gäbe großer Obligationsanleihen. Das Aktienkapi­tal von Hagendingen betrug nur eine Million Reicysmnrk, während der Substanzmerl auf elma dreißig bis vierzig Millionen Mark geschätzt vmrdc. Trotz der riesigen Schuldentast, bic Thyifen jeitrocifc auf sich nehmen mußte, nm seine Llniernehmcribeen in die Wirklichkeit umzusetze». Heck er eigertttich niemalsschief" gelegen.

öefbft in den Zeiten schlechter Konjuuktm. hat et vusgezeichnet jonaliert und durch perjonli.'he, be rnhrgend^ Emrnirkungen auf die einzelnen Gläubi­ger alle Schwierigkeiten stets vermeiden können. De- janders bestaunt wurde m Wirtschastskreiseii sein un

.Nichts befonbercs," fföfterte Elk hinou'.Wir hoben heute nacht eine Rabivbatschaft aufgefangen unb uns war. ab wäre es bic Stimme Ihrer grau lein Tochter gemefen."

John Bennett run.jrite die Stirn, unb Dick schh daß er an ber Wohrhe'tt dieser Erklärung zweifelte

..Auch ich habe bic Stimme vernommen. Herr Bennett." bestätigte er.Wir haben einer zieml.ck wichtigen Nachricht wegen zugehört und bie Um flänbe machen es uns zur bringenben Notwenbig feit, zu wissen, ob Fräulein Bennett gesprochen hat.'

Das ist eine merkwurbige Geschichte," sagte Bennett kopffchüttelnb.3d) werbe herunterkomme» imb Sie emloffen."

Er öffnete, in einen alten Schlafrock gekleidet die Türe und führte sie in bas dunkle Wohnzimmer Ich werde Ella wecke» nnb sie wird wohl imstande fein, Ihnen^ zu beweisen, daß sie um zehn Uhr ün Bette war." Er ging aus dem Zimmer, nachdem e> die Vorhänge zurückgezogen hotte, um bas Tages fidjt einzutasien. Unb Dick wartete mit einem freu­digen Vorgefühl aus Ellas Erscheinen. Er war nur ,}u froh gewesen, eine Ausrebe für seinen neuer Iid)en Besuch in Horsham zu hoben. Die Tage, bk Zwischen jebem Wiedersehen mit Ella tagen, schic nen sich ihm zu Ewigkeiten zu dehne».

Sie hörten Bennett die Stiegen hinoufgehen aber sogleich kam er wieder unb Entsetzen lag auf seinen Zügen.

.Ich kann bas nicht verstehen,' murmelte er Ella ist nicht in ihrem Zimmer. Sie hat wohl fn ihrem Bett geschlafen, aber sie hat sich a'ugenschem Uch roieber angezogen unb ist fortgegangen."

(flf kratzte sich das Kinn und vermied es. Dick onzufehea.Fräulein Ella macht n»ohl gemäjnlirfi einen Morgenspoziergang?"

John Bennett schüttelte den Kopf.Sie hat es sonst nie getan. Merkwürdig genug, daß ich sie rächt fortgeben gehört habe, den» ich fyibe heute nacht sehr wenig gefchlasen. Entschuldigen Sic mich eenen Augenblick, meine Herren."

Er ging hinaus unb kam rn ei» paar Minuten angekleidet roieber. Es war fetzt schon ganz hell obgleich die oonne noch nicht aufgegangen roai John Bennett schien nicht weniger beunruhige ole Dick es roar, in befien Hirn lausend zweifelnde und enttchuldigende Gebanten sich kreuzten

(Forffetzung folgt)

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