Ausgabe 
30.12.1926
 
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Dies zu wissen, ist von einiger Wichtigkeit, weil cs sich andererseits herumgcsprochen hat, daß eins von den Tingeltangelkarnickeln immer­hin dabei gewesen sein muhte. . . kein Wort mehr: es wäre unbillig, vom Referenten zu ver­langen. dah er die finsteren Zusammenhänge dieser hinterwäldlerischen Begebenheit noch weiter entschleiere.

Wen es nach mehr gelüstet, der lasse sich im Theater freundlich die wirren Fäden avsein- anderklauben. Da waltet Rudolf Goll als Ober­koch in der Teufelsküche milde seines Amtes und serviert mit feinschmeckerischen Gebärden die ganze Pastete nach Jägerart und auf drei Schüsseln.

Die fünf betrübten Lohgerber, die den samt Löffeln und Blume davongeschwommenen Kar- nickclfcllen angstschlotternd nachschauen, heißen Goll, Volck, Kurz hoff. Weh rl und Gehre und sind eine rechte Augenweide. Auch auf ihren wehrhaften Ehehälften (Marcks. Bau­mann, van Malten Jüngling. Oldint) ruht das Auge mit Wohlgefallen: insbesondere sind die Toiletten dieser Damen ungemein be­achtenswert. Roch wäre des Pärchens Scherer- Eisig zu gedenken und des Reisenden Herrn Eule, den Paul Lenau spielte.

Es wurde diel geklatscht. Dr. Th.

Mil der Neujahrspost durch Urwald und Schneewüsten.

Der Briefträger ist zu Reujahr eine be­sonders wichtige Erscheinung, denn er ist der Bote, der unzählige Glückwünsche, die aus allen Teilen der Welt über den ganzen Erdball flie­gen und langersehnte Rachrichten aus der Ferne bringen. Ist der Beruf des Postbo!cn auch bei uns in dieser Zeit sehr anstrengend, so bringt er doch wenigstens keine aufregenden Abenteuer und Gefahren mit sich. In anderen Ländern ist das anders. Hier hat die Reujahrspost ihre eigene Romantik, von der der weit herum- gelommene Forschungsreisende Oberstleutnant Etherton in einer englischen Zeitschrift plaudert. ..Im indischen älrwald," schreibt er,trägt der Briefbote seinen Postsack an einem Stab über der Schulter: an dem Swck sind Glöckchen be- sestigt, so dah man schon von weitem her das Klingeln hört. Als ich vor einiger Zeit um

Neujahr herum in den Dschungeln des nördlichen Indien an einem Rachmittag in einem Daum sah und auf Tiger wartete, hörte ich plötzlich ein leises Rascheln im Flußbett hinter mir und sah einen Panther in geduckter Angrisfsstellung an den Bäumen hinschleichen. Zu gleicher Zeit vernahm ich ein leises Klingeln, und die Sach­lage wurde mir klar. Der Postkuli kam da- her mit der Reujahrspost, ohne eine Ahnung von der Gefahr, die ihm drohte. Da ich wußte, dah es in wenigen Augenblicken um das Leben des Mannes geschehen sein muhte, so schoh ich sofort und ret et- chn. In den furchtbaren Tälern und Schluchten des Himalaja sind die »Postläufer" den schwersten Gefahren ausgesetzt. Tage hindurch sind sie auf ihrem Weg von La- winen und Schneestürzen bedroht, und ein fal­scher Tritt beim Springen von Fels zu Fels bereitet ihnen einen eisigen Tod im reißenden Dergstrom. Einmal zu Reujahr blieb die Post an einem Ort aus, der zu den nördlichsten Vorposten Indiens gehört. Man flüsterte sich zu dah der Träger unter einer riesigen La­wine die das Tal versperrte, begraben sei. Die Wahrheit aber kam erst fünf Monate später mit Sommeranfang an den Tag, als die Schnee­schmelze di? Tragödie enthüllte. Der Briefträger lag begr unter der Lawine, und seine rechte Hand l i noch den dicken Postsack, der alle die Glück, u.-fche pnd Neuigkeiten barg. In die­sen wilden und wüsten Gebieten ist der Post­bote auch sehr leicht räuberischen Ansällen aus­gesetzt und es bedarf der strengsten Maßnah­men. um die Postwege zu sichern. Ein mittel- osiattscher Herrscher meiner Bekanntschaft griff einmal zu einem drastischen Mittel, um den ewigen Posträubereien ein Ende zu machen, die auf einer bestimmten Route vor kamen. Er ließ den Gouverneur des Bezirks festnehmen, auf der Höh- des Pfades, von wo der ganze Weg zu sehen ist. eine hohe Stange mit einem eisernen Käsig errichten uno den Gouverneur darein setzen. Der Beamte sollte auf diese Weise gehörig aufpassen lernen und dafür sorgen, dah die Post nicht nur zu Neujahr, sondern zu jeder Iahreszeit richtig ankäme. Im fernen Norden von Kanada und Alasta geht die Post aus Hundeschlitten durch Schneewüsten, und es ist ein furchtbarer Kampf mit Dunkelheit, Kälte und Hunger, den die Briefträger bestehen müssen.

um wenigstens einmal im Iahr den Siedlungen im ewigen Vis Kunde von der Außenwelt zu bringen.

Flug übers Heilige Land.

Die größte Flugunternehmung, die bisher von dem englischen Luftdienst eingerichtet worden ist, ist der neue Luftweg von Kairo nach Indien, der von der britischen Flugpost jetzt regelmäßig zurückgelegt wird. Dieser Flug, der von Kairo bis Karachi in Indien geht, führt auch über das heilige Land. Ein englischer Flieger schildert die interessante Reise. Der Weg von Kairo nach Bagdad folgt zunächst etwa 100 Kilo­meter dem Süßwasserlanal KairoPort Said und kreuzt dann eine Strecke Sandwüste bis Kantara am Suezkanal. Dann geht es weiter an der Küste von Palästina entlang bis nach Jeru­salem und von dort über das Nordende des Toten MeereS durch die arabische Wüste, an derem anderen Ende Bagdad liegt. »Der Anblick des Toten MeereS von der Luft aus ist ebenso eigenartig wie nieder drückend. Wie ein riesiger Tmtenteich liegt der See da, umrahmt von düsteren Felsen. Hier und dort heben sich graue Salzstreifen von der Oberfläche des dunklen Wassers ab, aber nicht eine Spur von Pflanzen ist zu sehen. Der Ivrdarrfluh, der in da-i Nord­ende des Toten Meeres strömt, erscheint alS ein erstaunlich schmales grünliches Band. An beiden Ufern des Flusses sind enge Streifen fruchtbaren Landes, aber das ganze umliegende Gebiet ist den größten Teil des Iahres eine von Hügeln durchzrgene Wüste. Die .Luftlöcher", die sich zahlreich über der Wüste finden, sind genau erforscht und werden daher dem Flieger nicht gefährlich, bereiten aber dem Passagier recht unangenehme Eindrücke. Wenn Bagdad er­reicht ist. folgen die Flugzeuge dem Lauf des Tigris bis nach Basra. An den -Ufern dieses großen Flusses bringen die dunkelgrünen Flächen Der großen Dattelhaine eine Aowcchselung in die (Sintönigfeit der Wüste. Der Weg folgt dann der östlichen Küste des Persischen Golfs an den Petroleumguellen von Abadan vorbei über Handra Abbas, das für den heihesten Fleck der Erde gilt, und endet in Karachi.

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Weihnachts­feier

am2.IanuarlS27 naebm. ab 4 llfir, im Hole! Prinz Garl. Alle fiflineia)cn nebit Angehörigen emarlen wir be- ftimmt.

Aul die am 15.1. 1927 iialmndendr ordentliche General«

Versammlung machen wir beult schon aufinevlmm-

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iwat, abüü. d Uhr- nettotnmluitg im Pereinklokal Wraen wttW Mtz \ Janiiiit

Nr. 305 Zweiter Blatt

Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhesfen)

Donnerstag, 30. Dezember 1926

Außenpolitische Umschau.

Don Professor Dr. Otto H o e h s ch. M. d. R.

Der Staatsstreich in L i t a u e n in der Nacht vom 16. zum 17. Dezember beleuchtete grell, wie Aicher im Grund doch trotz Locarno unbToI.cn bund und aller Vertrage bie Lage IN Ellc) a

Im Iuni hatten in Mauen Wahlen s-att- aesunden die eine Linksmehrhett und eine -mls- regierunfl brachten. Die Opposttwn dagegen in Verbindung mit der schlechte wrrtschalfchen Lage und der Unzufrredenhert der Armee sowie <^wisse faszistisch- Bewegungen haben zu dem Umsturz g-iührt. der aber das Parlament nicht btfS hat. Man sieht wohl eme OsilzrerS- reoolution, aber man sieht nicht eenen ©ittator unb die Männer, die als Staatspräsident und Ministerpräsident an die Spitze dieses Staates getreten sind, sind bekannte alte Namen des litauischen Parlamentarismus.

Weder von Warschau noch von Moskau auS ist dieser Staatsstreich verbreitet oder ge­stützt worden. Moskau hatte vollends kerne Ver- antaflunfl d-zu. ja eben mU t>«: realerung am 27. September den bekannten Ver- traa aeschlosien hatte. Und wenn auch m Kowno eine Richtung für polnisch-litauische Vereinigung vorhanden ist. so sicht es nicht so aus, als wenn gerade diese den Staatsstreich durchgesuhrt hätte So bedeutet er wohl keinen Kurswechsel der äußeren Politik, in der Litauen Wilnas wegen nun einmal gegen Polen eingestellt ist und in der eS entsprechend seine Anlehnmig an Rußland suchen muß. Das würde -fid) von selbst dahin ergänzen, daß es eine Verbindung mit Deutschland sände. Aber wenn es auch im Augenblick so ist. der unerwartete Umschlag hat gezeigt, wie toeilig konsolidiert die Verhältnisse in einem solchen Staate sind, und schließlich kann ähnliches auch in Lettland, das heute ein Links- labinett hat, auch in Estland und sogar auch in Finnland, wo eine rechtssozialistische Regierung am Ruder ist, passieren. In einigen dieser Rand­staaten wenigstens sind die Verhältnisse doch den litauischen einigermaßen ähnlich. Die Ge­fahr aber liegt ja überhaupt in der Erschüt­terung, in der Unsicherheit, die von dem pol­nischen Ehrgeiz ausgenuht werden könnte. Ruß- land ist heute schlechterdings nicht in der Lage, kriegerische Abenteuer zu versuchen. Polen ist es an sich auch nicht, um so mehr als ja heute ein Staat, der den Frieden stört, die Stimmung der ganzen Welt gegen sich hätte. Wer die Lage in Polen, mit den herausziehen­den Kämpfen zwischen Pilsudski und Dmowski und den bekannten finanziellen Schwierigleiten kann sehr Wohl dazu führen, dah das Ventil nach außen geöffnet wird.

Kowno. Warschau. Bukarest, Belgrad sind Zentren der Unruhe, allerdings von verschiedener Stärke, und der Unsicherheit für den Frieden Europas. Und das wirkt weiter durch die be­kannte italienisch-französische Feindseligkeit. Im­mer stärker wird die Spannung an der fran­zösischen Südostgrenze: das ist ein Faktor in der europäischen Politik, und immer mehr ein Ge­genstand der Sorge für Frankreich, das sich seiner Schwäche dabei voll bewußt ist.

Mit unleugbarer Festigkeit hat Poincarü seinen Sanierungsplan bisher durchgeführt: die tatsächliche Stabilisierung, das Gleichgewicht im Budget, das für 1927 in wenig über 30 Sitzungen jetzt bereits ferttggestellt worden ist. Nun siebt alS Aufgaben des neuen Iahres vor ihm die formelle Stabilisierung, für die Voraussetzung die Schuldenbereinigung mit Nordamerika ist. Poincare hat im wesentlichen den Sachverstän­digenplan befolgt, den er vorher bekämpft hat. Darauf indes kommt es nicht an, sondern auf die Ersolge. die zwar keineswegs gesichert, aber doch erkennbar sind und Dorläufig vorliegen. Voraussetzung aber dafür ist. daß das ganze Sanierungswerk so gelingt, daß der europäische Frieden ungestört bleibt. Nur darum konnte die Genfer Sitzung so ausgehen, wie sie aus- gegangen ist, mit den Zugeständnissen Frank­reichs in der Kontroll- und Investigationsfrage. Darum ist, was sich im Osten zusammenbrauen kann und waS Im Südosten zwischen Iugoslawien

und Italien, zwischen Italien und Frankreich vor sich geht, ein Gegenstand der Sorge in Paris.

Man regt sich dabei dort auf. daß Deutsch­land mit Italien einen Schiedsvertrag ab» schließe und daß sogar daran gedacht wird. Sttesemann und Mussolini toürben irgendwie i usammenkommen. .Heber den Schiedsvertrag ist ange verhandelt worden. Daß er gerade jetzt ertig wird, ist ein Zufall. Daß er abgc- schlossen wird, obwohl sein Inhalt nichts De- onderes bietet, ist aber natürlich ein Beweis guter Beziehungen beider Länder, und darüber reuen wir uns.

Das Iahr schließt mit einer Entspannung zwischen Deutschland und Italien, nachdem es am Ansang eine Spannung gebracht hatte. Was ür eine Gefahr liegt darin für Frankreich, vor­ausgesetzt, daß dieses wirklich den europäischen Frieden und die Verständigung mit Deutschland Will. Aber will es ihn denn im Ernst? Ist es nicht ein Schlag ins Gesicht für alle, die darüber nachdenken, wenn ausgerechnet in dem Augen­blick, da der deutsche Außenminister in Hamburg eine so gemäßigte, die europäische Gefamtverstän-

Verhältnissen Rechnung tragen, wie sie sind. Diese aber stellen auch für Frankreich eine Zwangslage dar. und diese verkennen, wie es mit diesem Urteil wieder einmal geschah. daS heißt nur eine europäische Verständigung aufhalten, die Frankreich mindestens ebenso nötig braucht wie das übrige Europa und die alle Staaten im Hinblick auf den Osten und Südosten bitter notwendig hätten!

DieToten desIahres!926

Januar: 4.: Margherita, Königin-Mutter von Italien. 7.: Paul (T a f | i r e r , Berliner Her- leger. 12.: Geh. Rat Ludwig Pohle, Leipziger Rationalölonom. 13.: Generalleutnant Keim, Gründer des Deutschen Wehroereins. 15.: En­rico lofelli, italienischer Komponist. 23.: Kardinal Mercier, Erzbischof von Mecheln, Pri­mas von Belgien. 28.: Kato, japanischer Mi­nisterpräsident.

Februar: 2.: Freiherr v. W i ßaeck^r, frühe­rer württembergijcher Ministerpräsident: S u ch o m linom, früherer russischer Kriegsminister. 5.:

Der Künstlerkalender für 1927

gelangt am ZI. Dezember und an den folgenden Tag:n kostenlos zur Ausgabe. Auch alle neu hinzuttetenden Bezieher haben An­spruch daraus; sie bestellen deshalb den Gießener Anre ger für Zanuar1S27 zweckmäßig sofort bei der Geschäftsstelle oder den Trägerinnen, auswärts bei den örtlichen Vertriebsstellen. Der

Gießener Anzeiger

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ist die größte, am weitesten verbrciiete Tageszeitung Sberhesiens und -es benachbarten Lahngebieies. Auch im neuen Zaöre will er fein und bleiben die Zeitung der Zamilie, das große Heimatblatt.

bigung in den Vordergrund rückende Rede hätt, daS französische Kriegsgericht in Landau dieses Urteil fällt?!

Es ist durchaus nicht richtig, zu sagen, daß eben der Einfluß der französischen Generäle noch so groß sei. Die französische Politik der letzten Iahre hat gar manchmal gezeigt, daß, wenn sie will, sie gar Wohl in der Lage ist. das Militär zu bändigen. Also ist dann ein Spruch wie dieser, der natürlich kein Rechts­spruch. sondern ein politisches Urteil ist. nur geeignet, überall Zweifel wachzurufen, ob die französische Politik ernstlich Befriedung will. Will sie sie nicht ernstlich, so fragt man sich aber, was sie in ihrer außenpolitischen Iso­lierung und in der schwierigen Finanzlage, in der sie sich befindet, denn eigentlich ernstlich will.

Die französische Politik, insonderheit die Außenpolitik, zeigt Eigenschaften, die für einen Staat durchaus vorteilhaft und nützlich sind: Zähigkeit und Biegsamkeit. Ziel- bewußtheit und Geschicklichkeit. Aber auch die beste Politik dieser Art muß den

Profesior Gustav E b e r l e i n , Berliner Bildhauer. 8.: Prof. Wolf Graf B a u d i s s i n. 10.: Wil­helm Kubnert, Berliner Tiermaler. 13.: Gra Crailsyeim, früherer bayerischer Ministerprä­sident; Kardinal Dalbor, Erzbischof von Gneien, Primas von Polen. 20.: Geh. Rat Georg Fried­rich Knapp, Nationalökonom; Profesior James Israel, Berliner Ehirurg.

Mär;: 5.: Otto Ernst, Schriftsteller. 9.: Prof. Karl Reifferscheid, Göttinger Gynäko­loge. 19.: Fr. Brodersen, Kammersänger. 21.: Luise, Königin-Mutter von Dänemark. 26.: Dr. Konstantin F e h r e n b a ch, ehem. deutscher Reichskanzler.

April: 3.: Iesuitenpater Heinrich Pesch, deut­scher Nationalökonom. 4.: August T h n s se n , rheinischer Großindustrieller. 5.: Prof. Adolf Wach, Leipziger Strafrechtslehrer. 6.: Prof. Franz Klein, ehem. österreichischer Iustizminister. 7.: August Sperl, Schriftsteller. 11.: Vize­admiral Merten, Pascha, Verteidiger der Dar- danellen: Geheimrat Benno Orenstein, Berliner Großindustrieller. 15.: Hermann Stern,

Frankfurter Journalist. 17.: Julius Pera- thoner, Altbürgermeister von Bozen. 19.: Prof. Richard von der Borght, früherer Präsi­dent des Statistischen Reichsamts. 22.: Geh. Rat Adolf Arndt. Marburger Jurist. 25.: Ellen Key, schwedische Schriftstellerin; Li, ehern. Kaiser von Korea. 30.: Pros. Rausenberger. Kon- trukteur der 42er Mörser; Richard Weivkirch - ner, ehern. Durgcrmerster von Wien.

THai: 3.: Dr. Maximilian Pfeiffer, dxutscher Gesandter in Wien; Napoleon Vikwr Bona- parke, fran-esi'chcr Prinz. 6 : Geh Rat Franz v. Soxhlet, Münchener Ehemiker. 14.: Fürst Christian zu Hohen lo he - Oehringen, Her- zog von Ujeft, schlesischer Magnat. 16.: M o - 6 a m m e b VI.. ehern. Sultan der Türkei. 17.: Geh. Rat Wilhelm K a u J m a n n , Berliner Vvl- kerrechtslehrer. 22.: Geh. Rat Friedrich Kluge, Freiburger Germanist. 23.: Geh. Rat Karl Holl, Leipziger Theologe. 25.: Simon Peteljura, Ko- akenheimann.

Juni: 3.: Rudolf Oefer, erster Generaldirek­tor der Deutschen Reichsbahn. 10.: Freiherr Kon­rad v. W a n g e n h e i m , Führer der deutschen Landwirtschaft. 12.: Prof. Jul. H a t s ch e k. Pöt­tinger Staatsrechtsiehrer. 19.: Olga. Köniain- Mutter von Griechenland. 21.: Geh. Rat Robert v. P i l ot y , Münchener Staatsrechtsiehrer: Prof. Richard Sternfeld, Berliner Historiker. 22.: Geh. Rat Eduard Rosenthal, Jenaer Jurist.

Juli: 2. Emil CouL, französischer Psychologe. 5. Geh. Rat Wiedfeldt, ehern, deutscher Bot­schafter in Washington. 16.: Paul Wild. Kepp * (er, Bischof von Rottenburg. 20.: Felix Dser - shinski, russischer Volkskommissar, früherer Chef der Tscheka. 29.: Mathilde Rathenau, Mut­ter Walter Rathenaus.

August: 15.: Ludwig Spiegel, Staatkwissen- schastler und Rektor der deutschen Universität In Prag. 23.: Charles William Eliot, Präsident der Havard-Univerfität; Rudolf Dalentino, amerikanischer Filmschauspieler. 29.: Pros. Ju­lius Kaftan, ehem. Vizepräsident des Eoangeli- schen Kirchenrats.

September: 4.: Gras Arthur o. Rex, früherer deutscher Botschafter in Peking und Tokio. 6.: Kom.-Rat Louis Röchling, saarländischer Groß- industrieller. 8.: Geh. Rat Franz Muncker, Münchener Literarhistoriker. 9.: Pros. Sem- harh SchaedeI, Hamburger Romanist. 15.: Geh. Rat Rudolf E u ck e n, Philosoph. 16.: Prof. Alfred v. B a r y , Münchener Kammersänger. 18.: Geh. Rat Gustav Roethe, Berliner Germa- nift 21.: Richard Fischer, sozialdemokrati­scher Reichstagsabgeordneter. 24.: Geh. Rat Karl Franz, Berliner Gynäkologe. 30.: Emst Dyckerhoff, rheinischer Großindustrieller.

Oktober: 3.: Graf Wolf B a u d i s s i n (Freiherr v. Schlicht), Schriftsteller. 5.: Augustinus R o sentreter, Bischof von Kulm. 7.. Geh. Ral Emil K r a e p e l i n, Münchener Psnchialer 1 Geh. Rat Berthold Litzmann, Literarhistori'cr. 16. Friederike, Prinzessin von Hannover, Tochter des letzten Königs von Hannover. 1K. Graf A d e l m a n n von Adelmannsfeiden, Regie rungspräfident von Köln. Annemarie v. N a t hu­st u s , Schriftstellerin. 21.: Graf Felix v. Mer o e l b t, Regierungspräsident a. D., deutschnatio­naler Reichstagsabgeordneter. 29.: Prof. Harry Breßlau, Historiker; Gustav Faber, deuttcher Zeitungsoerleger. 80.: Robert D I ß m a n n, Vor­sitzender des Deutschen Metallarbeiterverbandes, so- zialdemokrattscher Reichstagsabgeordneter.

November: 4.: Dr. Max Martersteig, Kölner Theaterintendant. 10.: Josef Schwarz Ber­liner Kammersänger. 14.: Geh. Rat Wilhelm Braune, berühmter Germanist. 17.: Paul Lensch, deutscher Qoumafift. 24.: Krassin, Sowjetbotschafter in London. 29.: Geh. Rat P a n n w i tz , Mitbegründer des Zentralkomitees zur Errichtung von Lungenheilstätten.

Dezember: 5.: Claude Monet, französischer Maler. 8.: Karl Klimsch, deutscher Verleger. 9.: Nicola Paschitich, jugoslawischer Minister- Präsident. 18.: Hughes Campbell Roß, engli scher Krebsforscher. 24.: Zoshihlto, Kaiser von Japan. 27.: Fritz Zubeil, sozialdemokrattscher Reichstagsabgeordneter, 29.: Rainer Maria Rilke, deutscher Dichter.

Gießener Stadttheater.

Julius Pohl:Die fünf Karnickel."

Dieses Schwänklein kurz vor Torschluß des alten Jahres ist, wie Schwänke gemeiniglich sind: vorwiegend harmlos, jedoch nicht ohne zwin­kernde Seitenblicke nach sehr verbotenen Aepfeln, auch nicht von Neuigkeiten strotzend, immerhin passabel gemacht, stellenweise lustig, mit Anstand und Bühnensinn über drei abendfüllende Akte erstreckt.

Die fünf Karnickel sind (zuerst) die äußerst anziehungskräftige »Nummer" eines sogenannten Varietös im Gasthaussaale einer kleinen Stadt: fünf Mägdlein in Hasenfellen, mit »Löffeln" und »Blume".

Die fünf Karnickel sind (zuletzt) die ehren­festen Ritter von der Skatrunde eines Markt­fleckens, welche eines bösen Sonntagsmorgens auszogen, ein männerwürdiges Abenteuer fcu bestehn: die Hasenjagd nämlich, mit der diese Zeitgenossen daS schnöde Mißtrauen ihrer streit­baren Eheweiber sozusagen einlullen wollen, ist in Wirklichkeit eine Karnickeljagd, ein Kessel­treiben auf die neckisch bepelzten fünf Insassinnen jener obgemeldeten Vergnügungsstätte. Welch ein Abenteuer!

Aber siehe: es erging den fünf bösen und lüsternen Männern so übel, wie den weiland sieben Schwaben. Denn es hatte bei diesem Handel der Beelzebub mehrfach feine schwarze Hand im Spiele. Und zwar zuerst in Gestalt eines windigen Reisenden in Schuhcreme, des Namens Eule. Dieser ruppige Nachtvogel batte den zuvor ganz unbescholtenen Skatbrüdern den Floh ins Ohr gesetzt und mit Hilfe zweier artiger Bildlein ihnen (mit Verlaub) das Maul gewässert nach den jagdbaren Nagetieren.

Wie das so geht: die Iägerpartie geriet bös daneben. Es ereignet :n sich unterwegs schreckliche Dinge. Z. B. brach, unweit der Iagdgründe, in einem Gasthofe ein kleiner Stubenbrand aus, die- toeü jemand leichtsinnigerweise einen brennen­den Glimmstengel fortgeworfcn hatte. Das 5euer- chen wurde zwar gleich gelöscht, und es wäre auch sonst nicht weiter schlimm gewesen, wenn man wenigstens g.'touftt hätte, wer denn da so unvorsichtig geraucht hatte.