Ausgabe 
30.11.1926
 
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Nr. 28» Drittes Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderheffen)

Dienstag, 30. November 1926

Der schwarze Ordnungsstaat.

Don unserem römischen ki-Korrespondenten.

Rom. Ende Rooember.

Die Freude ist von Italien gewichen. Es gibt keine gröbere Beleidigung, als die Italiener ein Milchen von Mandolinenspielern zu nennen, und wer D'Amrunzios Gesammelte Wette im Äopfe hat, erinnert sich vielleicht noch, wie der Uebermensch schon damals, als es galt, me Ration in den Krieg zu treiben, in seinen Brand­reden die schimpfliche Tatsache brandmarkte, day Italien vornehmlich das Ziel von Hochzeits- Pärchen sei. Solche Zustände haben fortan auf' zu hören. Der Faszistische Staat hat den Ehr- geiz, ein Ordnungsstaat erster Klasse, ern Polrzei- staat zu sein, es soll nach Kasernen und Arbeits­häusern riechen, nicht nach Orangen und Mandel­blüten. Rur Hunde und Fremde gehen in der Sonne, sagt ein altes italienisches Sprichwort, die modernen bespötteln die sentimentalen Reisen­den, die das Blau von Eapri schöner finden als einen schwarzen Fasziktenwimpel. Gestern konnte man in Pariser Meldungen lesen, die Spannung zwischen Italien und Frankreich habe ihren höchsten Grad erreicht, nur Dummköpfe könne die scheinbare äußere Ruhe täuschen. Und x- ; Beweis für die ausgekochte Feindseligkeit der lateinischen Schwester, für ihren triefenden Hah. für ihr« schamlose Gier, Italien herunter­zumachen, wurde berichtet, eine französische Zei­tung habe ein Bild der jüngsten italienischen Königstochter, der wunderschönen Prinzessin Maria veröffentlicht und darunter geschrieben: .Die kleine Prinzessin mit den Märchenaugen, so schön, daß es die Augen einer, andalusischen Zigeunerin sein könnten...

Dos war, nach italienischer Auffassung, eine Beleidigung des italienischen Königshauses, der »Idiot" von einem Redakteur, dieser »hima- üijagroße Riesenesel" darf von Glück sagen, nicht von etwas südlicheren Eltern geboren worden zu sein. Sonst hätte ihn ba& Revolutionstribunal gepackt. Ich kenne ihn nicht, aber ich habe gelegentlich jene herrlichen Augen gesehen und weih, vor einem Dichtertribunal würde jener andalusische Vergleich nicht als eine Beleidigung, sondern als eine Huldigung erschienen sein. »Mag sein", fügt der Ankläger selber hinzu, »da» wir überempfinttich find und immer schwarz sehen."

Mag fein, ja. Schwarz i st die Lo­sung Jedermann hat nicht nur daS schwarze Hemd zu trogen oder mindestens zu verehren, sondern auch die schwarze Drille. Die furchtbaren Rovembergesetze machen das auch dem Außenstehenden leicht. Riemand darf mehr dem Rächsten trauen, den Faszisten selber ist zur Vorschrift gemacht, sich gegenseitig zu überwachen. Da alle drei Attentäter, mit Tllrsnahme also nur der Miß Dibson, das schwarze Hemd ge­tragen haben sollen, ist Mißtrauen geboten. Die Freimaurer, so warnt Turati, der mächtige Generalsekretär, versuchen sich in die faszistischen Reihen einzuschleichen Außerdem wurde bei allen schwarzen Legionen eine Geheimpolizei geschaffen, die gesamte ttaktenische Grenze ist mit Schwarz- Hemden beseht worden, denen Mussolini eigene Verantwortlichkeit, autonome Kommandos und eine feste Dienstzeit verlieh. Aus jeden, der an einer unerlaubten Stelle das Land verlassen oder betreten will, wird sofort geschossen. Pässe werden nur noch in Ausnahmefällen, nach ein­gehender Prüfung der Persönlichkeit, ausgestellt. Tod und Zuchthaus bedrohen schon die Weiter­gabe von mißliebigen Gerüchten.

In der faszistischen Presse war zu lesen, das Schuhgeseh unterscheide sich nicht von seinem Vorläufer, dem republikanischen Schuhgeseh, das Deutschland einführte, alsodie demvtrattschste Republik der Welt". Der Unterschied ist nun aber doch der, daß man in Deutschland einige Monate Gefängnis, in Italien lange Jahre Zucht­haus diktiert erhält. Wirksamer erscheint die Be­rufung der Faszisten auf die T o d e s st r a f e in anderen Ländern. Was wäre geschehen, so fragen sie, wenn in einem Jahre vier Attentate auf Ebert die öffentliche Meinung erregt hätten? Enden nicht auch anderswo politische Mörder auf dem Schafott? Ist es nicht lediglich ein Privileg der roten Internationale, solche Leute im Gegen­teil zu hohen Aemlern zu berufen, tote z. D. jenen Mann, der den Minister Stürkh erschoß? Kann man es dem Faszismus verdenken, wenn er durch abschreckende Gesetze einen Schuhgürtel um seinen Duce ziehen will?

IXnb doch haben 49 Senatoren die Einführung der Todesstrafe abgelehnt. Warum? Weil> kriegsrechtmähige Justiz zu Friedenszeiten ab- schreckt. Man muh sich nur die Ausührungs- artifel ansehen, die einem Urteil des Sonder­gerichts auf dem Fuße folgen. Morgen soll der König das Schuhgeseh unterzeichnen, am 2?. Ao- vember wird cs im Amtsblatt veröffentlicht wer­den bann tdmi am 28. schon ein Mensch an die Wand gestellt werden. Die Hinrichtung er­folgt. wie die Tribuna ausführl, nach dem Militärstrafgeseh, durch Erschießen, und nur in Ausnahmeällen öffentlich. Das Tribunal ist zu- fammengeseht aus einem Präsidenten und fünf faszistischen Offizieren, die Mussolini persönlich auswählt.Sowie das Urteil unterschrieben ist so die Artikel 5Z1 und 573 wird der An­geklagte unter Trommelwirbel und Trompeten­stoß vor das Tribunal geführt zur Verlesung des Spruches Im Falle der Verurteilung zum Tode wird daS Urteil von der noch unter Waffen stehenden Truppe ausgeführt."

Wer ist noch sicher davor, daß einige .Zeu­gen" ^ergeben und einen persönlichen Kind an- llagen. ein Gerücht weitergegeben zu haben? Manchmal erfährt man von dem Umlauf solcher Gerüchte, die mit Zuchthaus bis zu fünfzehn Jahren oder noch schwerer bestraft werden, erst durch amtliche Mitteilungen. Wie etwa die heu­tige:Es werden tenbenüofe .Gerüchte über einen zwangsläufigen Umtausch be/t bei Danken depo­nierten Guthaben in Stückel der neuen Anleihe herumgeboten. Die Behörden haben den Auf­trag, gegen die Verbreiter, dieser absolut un­begründeten Gerüchte vorzrtzehen. und zwar mit den schwersten und sofortigen Strafen, welche die neuen Polizei- und Sfchutzgesehe erlauben."

Aach einneuesPolft zeigesetzit r.ä.n- !ich herausgekommen Es überwacht den Dürger bis ins Ehebett. Kinderbefchränkung. die Propa­ganda für Malthusianismus jeder Art wird ebenso bestraft wie, verdicnlttlicherweise, die Der­brettung von Schmutz in D^ort und Bild. Aus der Unzahl von Verboten f fci nur noch die Vor­schrift über die Taufnamen hervorgehoben. Um-

WllM dkü VMMM SWW.

3m Stadtverordneten-Sitzungssaale zu Eiehen fand gestern vormittag eine Versamm­lung zur Gründung des Decke hrsbun- des Oberhessen statt, zu der die Provin- zialbirettivn Oberhessen, die Kreisämter unserer Provinz, die Stadtrerwaltungen, Dcrkehrsvereine. Hantelstammern, Handwerkskammer, Badever­waltungen. der D. H. C. usw. ihre Vertreter zahl­reich ent-anbt hatten. Die Verhandlungen leitete der Vorsitzende des am 21. August zur Vor­bereitung dieser Gründung eingesetzten Organi- sationsausschusses, Beigeordneter Dr. H a m m Giehen.

Die vorbereitende Versammlung vom 21. August hatte dem Organisationsaus­schuh den Auftrag erteilt, die Grundlage des angestrebten Bundes, den Entwurf der Satzun­gen, auszuarbeiten und der Gründungsversamm- lung zur Genehmigung vorzulegen. Der Organi* sationsausschuh hat in eingehenden Beratungen dieser Aufgabe entsprochen. Ueber diese Arbeiten berichtete der Vorsryende. Beigeordneter Dr. Hamm, zunächst kurz, sodann brachte er den Satzungsentwurf des Ausschusses zur Teratimg. Die Durchprüfung erfolgte para­graphenweise. Hier und da nahm die Versamm­lung einige Abänderungen an dem Ausschuh- Entwurf vor, im übrigen fanb er Volk Zustim­mung.

Schließlich wurden die Satzungen in der Ge­samtheit genehmigt und damit die Gründung des verkehrsbundcs Oberheffen als vollzogen feflgeftellt.

Anschließend beschäftigte man sich in sorg­fältiger Weise mit der Zusammensetzung des Vorstandes, wobei man sich bemühte, allen Gegenden der Provinz und den Städten sowohl als auch dem Lande weitgehendst Rech- nung zu tragen. Rach gründlicher Beratung be­schloß man folgende

Zusammensetzung des Bundesvorstandes:

Beigeordneter Dr. Hamm- Gießen, Bür­germeister Dr. D ö l s i n g» Alsfeld, Redakteur Blumschein - Gießen, Bürgermeister Dr. 6 et) b- Friedberg, Bürgermeister Dr. Kayser- Bad-Jauheim. Oberregierungsrat Dr. H e h» Gießen, Beigeordneter P l o ch - Butzbach, Kauf­mann D i e h m - Lauterbach, Geh. Iustizrat Roe m Held - Ridda, Bürgermeister Menge!- Dchotten, Bürgermeister H i l d n e r - Büdingen, Bürgermeister Dr. R iepo t h-Schlitz: diese Herren gehörten sämtlich dem Organisationsaus­schuß zur Ausarbeitung des Satzungsentwurfs an; weiter wurden in den Dorstartt) gewählt 'Bürgermeister Volker- Lich, Bürgermeister Wa l z- Lauterbach, Kurdirektor Heutzen- r ö d e r - Bad Selters, je ein Vertreter der Han­delskammer Friedberg-Düdingen-Schotten, (die Handelskammer Gießen-Alsfeld-Lauterbach hat in Kaufmann D i e h m - Lauterbach ihren Ver­treter), der Handwerkskammer und des Gesamt- V. H. E.; diese Vertreter sollen in Kürze nam­haft gemacht werden.

Dieser 18 Köpfe starke Gesamtvvr- stan d wird aus feiner Mitte den Bundes- Vorsitzenden und den engeren, ge­schält s f ü h r e n de n Vorstand Wählern Der gesamte Vorstand ist jewetls auf die Dauer von drei Jahren gewählt, erstmalig bis zum 31. De­zember 1929.

Der Beitritt des Verkehrsbundes Oberheffen 3nm hessischen verkehrsoerband in Darmstadt wurde im Anschluß an die Dorstandswahl ein­stimmig gutgeheißen. Der Vorstand wird die wetteren Schritte unternehmen, lieber die Frage, ob der Derkehrsbund Oberheffen auch dem Bund Deutscher Derkehrsvereine und der Reichszentrale für Deutsche DerkehrStoerbung beitreten wird, soll der Gefamtvorstand entscheiden, der in Kürze zu» fammeiUrekn wird.

Damit war die Tagesordnung in gut zwei­stündiger flotter Deratungsarbett erledigt.

Einige bemerkenswerte Einzelheiten über den Bund

dürften hier von besonderem Interesse sein. In der BundeSsatzung wird u. a. bestimmt:

Der Derkehrsbund Oberhessen hat seinen Sitz in Gießen.

Aufgabe des Bundes ist, an der Gestaltung und Verbesserung des gesamten Verkehrswesens mitzu-

wirken, für die Freindenverkebrswerbung zugunsten j£r Provinz Oberhessen zu arbetten und der wirt­schaftlichen Erschließung des Provinzgebietes im Rahmen der Bundesbefugnisse förderlich zu fein.

Die Mitgliedschaft können erwerben: jeder deutsche Reichsbürger, ferner die öffentlichen Körper­schaften insbesondere die Provinz», Kreis-, Stadt- und Gemeindeoerwallungen, die Industrie- und Handelskammern, die Handwerkskammer, die Land- wirtschaftskammer, die Verkehrsoereine, der Vogelsberger Höhenclub, der Taunusklub, die Or- ganifationen des Gaftwingewcrbcs und der 3n> duftrie. Die Anmeldung hat schriftlich zu erfolgen oder in einer Mitgliederversammlung durch mund- liche Erklärung.

Einzelpersonen genießen die persönliche Mit­gliedschaft. Körperschaften treten als solche dem Dun de bei. Jedes Mitglied hat eine Stimme. Mehr» stimmenrecht ist ausgeschlossen.

Der Mitgliederbeitrag beträgt je Einzelperson 5 Mk. jährlich; er ist im voraus zahlbar. Der Bei­trag für Gemeinden beträgt mindestens 1 Pf. pro Kopf der Einwohnerschaft nach dem Stand der letz­ten Volkszählung, für Provinzen und Kreise min­destens */io Pf. pro Kopf der Bevölkerung, eben­falls nach dem Stand der letzten Volkszählung. Sonstige Körperschaften zahlen einen Mitglieder­beitrag von mindestens 20 Mk. pro Jahr.

Organe des Bundes sind die Mitgliederver­sammlungen und der Gesamtvorstand. Der Gesamt» Vorstand vertritt den Bund nach innen und außen. Er besteht aus 18 Personen, die von der Mit» gliederversammlung auf die Dauer von 3 Jahren gewählt werden. Er wählt aus seiner Mitte den ge- schästsführenden Vorstand, der 5 Personen umfaßt, bestehend aus dem 1. und 2. Vorsitzenden, dem Schriftführer, dem Rechner und einem Beisitzer.

Das Geschäftsjahr ist das Kalenderjahr. Das erste Geschäftsjahr läuft vom Zeitpunkt der Grün­dung bis zum 31. Dezember 1927.

Alljährlich findet eine ordentliche Mitgliederver- fammlung statt, in der Bericht zu erstatten ist über das verflossene Geschäftsjahr, über den Stand der Bundesfinanzen, und in der der neue Haushalts» plan zur Genehmigung vorzulegen ist. In dieser Versammlung ist dem Gesamtoorstand bei ordnungs­mäßigem Befund der Geschäfte Entlastung zu er» teilen.

Die ordentliche Mitgliederversammlung muh spätestens Ende Februar nach Ablauf jedes Ge­schäftsjahres stattfinden.

Außerordentliche Mitgliederversammlungen wer­den vom Gesamtvorstand unter Angabe der Tages­ordnung einberufen.

Ein Nachwort.

Wir blicken mit besonderer Genugtuung auf bas nun vollendete Gründungswerk, und wir geben dem jungen Bunde gerne unsere besten Wünsch« füi ein ersprießliches Wirken im Dienste der vbechelstschen Prvvinzgesamtheit mit auf den Weg. Durch einen Aussatz desGießener Anzeigers in Ar. 171 vom 24. Juli b. Is. wurde bekanntlich die Anregung zu dieser Bun­desgründung gegeben, und in einer Rundfrage an die oberhesstschen Stadtbürgermeister (abge- druckt imGießener Anzeiger" Ar. 177 vom 31. Juki) wurde festgestellt, daß unsere An­regung überall starke Sympathie ge­funden und den Willen zur Tat ausgelöst hatte. In Besprechungen eines Mitglieds unserer Redaktion mit Herrn Provinzialdireltor Graes, Oberbürgermeister Keller und Beigeordneten Dr. Hamm- Gießen ergab sich rasch die Tat­sache, daß diese Verwaltungsstellen gern bereit waren, der Gründung dieses als außerordentlich wichtig erkannten Bundes fordernd und weg­bereitend beizustehen. Dieser wertvollen Hilfe wobei auch der technische Apparat der Gießener Stadtverwaltung von Oberbürgermeister Kel­ler in weitgehendster, anerlennenetoerter Weise zur Verfügung gestellt wurde, und dem sehr be­reitwilligen und tatfrohen M twirken aller beam­teten und nichtbeamteten Interessenten in der Provinz ist das Gelingen des verheißungs- vollenWerkes zu danken. Der Verkehrsbund Oberhessen findet ein großes, aber auch dank­bares Arbeitsfeld vor. Er wird viel Gutes für unsere Provinz leisten können, wenn stets und überall eine starke, weit ausgreifende Mitglied­schaft in ihm zum Wohle der Allgemeinheit vereinigt ist!

stürzlerische Vornamen, also solche politischer Art. sind ebenso untersagt tote, verdienstlicherweise abermals, jene herabsetzenden, die eine Roheit sondergleichen den unehelichen Kinder» verlieh. Kein Vater also taufe hinfür seinen Spröhling Lenin oder Liberal Wie steht es nun aber mit dem Benito? Mussolinis Vater war bekanntlich ein Anarchist und soll als solcher seinen Sohn nach einem mexikanischen Rebellenführer Benito getauft haben....

Aber die Zeiten ändern sich eben und mit ihnen die Anschauungen politischer Führer. Wehe dem. der heute die Worte toiederholen würde, die feinerzett der Avanttredatteur Mussolini gegen die Beschränkung der Presse- freihett hinausschmetterte! Ein Glück, daß es keine Opposition mehr gibt, keine nichtfaszistischen Zeitschriften, keine regimefeindlichen Bücher mehr gibt. Heber Haupt niemand mehr, der den Mund zur Krittt aufzutun wagen würde. Die ilnter- toürfigfeit hat einen derartigen Grad erreicht, daß von oben herab eine Erklärung kam. es sei nicht gesagt, bah man nur mit dem faszistischen Abzeichen dem Vaterland« bienen könne. 11 nb wenn auch vor den faszistischen Fahnen, so brauche der Hut doch nicht vor den Wimpeln der Kinder­gruppen gezogen zu werden.

An allen Ecken und Enden wird das Liktvren- bündel angebracht. Rachts leuchtet es elektrisch von den Gebäuden. Ruten und Dell Musso­lini scheint die Macht, zu der er noch auffteigen würde, geahnt zu haben, als et sich dieses Sinnbild erkor. Und wenn auch mit einer ge­wissen Bitterkeit, aber doch mit unverkennbarem Stolz stellt sein Sekretär Turati fest, die ganze Welt hasse Italien, seit drei Wochen habe sich das alte Europa gegen den faszistischen Staat erhoben, eine .erbärmliche Reaktion'. Italien aber kennt kein Zurückweichen, Mussolini keine Furcht. Die anderen sind e8, denen er feinen Wahlspruch entgegenschleudert: Oderint dum me- tuant.

Amtsgericht Gießen.

Giehen, 27. Aov. Ein Hausmeister von hier hatte den strttten Auftrag erhalten, inner­halb einer bestimmten Zeit für die gründliche Reinigung sämtlicher Gebäulichkeiten zu sorgen. 11m die chm gesetzte Frist pünktlich einhalten zu können, sprang er, als eine der Putzsrauen,krank wurde, selbst ein und half tüchtig mit. Als er eines Tages im Kessel der Waschküche Wasser zu Reinigungszwecken heiß machte, kam eine im obersten Stock des Hauses wohnende Frau zu chm und forderte chm den Schlüssel zur Wasch­küche ab. Weil er diesem Verlangen nicht sofort entsprach, geriet sie in Aufregung und schrie so laut, daß Leute und Kinder auf der Straße stehen blieben. Alle Beruhigungsversuche blieben erfolglos. Als der Hausmeister schließlich in die Waschküche ging, um dort Wasser äu holen, folgte sie chm nach und holle einen dort fte^enben Waschbock, der ihr zur Mttbenutzung überlassen worden war, heraus. Sie behauptet nun, daß der Hausmeister sie hierbeiSpitzbubenmensch" genannt, an Hals und Bluse gefaßt und hin und her geschüttrtt, chr eine Ohrfeige versetzt und sie gegen den heißen Kesselrand gestoßen habe, so daß eine blutende Verletzung am Ellenbogen entstanden sei. Der Hausmeister gibt nur zu, ihr in Aotwehr eine Ohrfeige gegeben zu haben, als sie einen in der Waschküche liegenden Prügel aufgehoben habe, um nach chm zu schlagen Im übrigen bestreitet er ganz entschieden die An­gaben der Frau. Da unbeteiligte Zeugen nicht zugegen waren und der Hausmeister von seinem Vorgesetzten ein glänzendes Zeugnis erhielt, war das Gericht der Auffassung, daß die Sache nicht genügend geklärt und ein ausreichender Beweis für die Schuld des Hausmeisters, dessen Be­hauptungen. er habe in mindestens vermeintlicher Aotwehr gehantelt, nicht widerlegt werden konn­ten nicht erbracht fei. Er imchte daher im Zweifel freigesprochen werden

Zweckverband

Wieseck - Alien-Buseck.

£ Die Aufnahme des erweiterten Be­triebs auf der Autolinie Wicseck Gie­ßen nachAlten-Buseck, die bekanntlich zu der Gründung eines Zwecks erbau des zwischen den beiden Gemeinden führte, ist nun in greifbare Nähe gerürft. Wie in der letzten Sitzung des Derbandsaus- schustes vom Vorsitzenden Benner- Wieseck mitge- teilt wurde, besteht die Ringlichkeit, den Betrieb nach den recht langwierigen Verhandlungen am Man­ta g , d e rn 6. Dezember, aufzunehmen. Mit dieser Tatsache ist dann für die zahlreichen in Gießen beschästigien Einwohner Alten°Dusecks einem Zustand ein Ende gemocht, der auf die Dauer nicht haltbar war. Aber auch für die üvrigen Bewohner Alten-Busecks, die das Finanzamt, die Gerichte, Spc» zialärzte usw. in Gießen aussuchen müssen, bedeutet die Schaffung dieses Verkehrsmittels eine große Er­leichterung und Zeitersparnis. Nach dem langen Warten wird die Inbetriebnahme des Autoverkehrs von der Alten-Busecker Einwohnerschaft auf das lebhafteste begrüßt, ist ihnen nun doch die Möglich­keit gegeben, auch die städtischen Einrichtungen'Gie­ßens, wie Theater, höhere Schulen usw., in weit höherem Maße auszunutzen wie seither, was infolge des weiten Wegs und der ganz ungenügenden Ver­bindung von Bahnhof Rödgen aus fast unmög­lich war.

Die Fahrpreise sollen sich nach den gesoßten Beschlüssen wie folgt gestalten: Einzelfahrten von Alten-Buseck nach Wieseck 30 Pf., von Alten Buseck nach Stadttheater oder Oswaldsgarten 50 Pf., nach dem Bahnhof 60 Pf. Fahrschein- hefte werden nur in einer Preislage verausgabt, sie berechtigen zur Fahrt bis noch dem Bahnhos und kosten (12 Fahrten) 5,50 Mk. Fahrl-n bis zur Lud­wigsburg bei Wieseck (Bedarfshaltestelle) koste» 20 Pf. Wochenkarten kosten bis noch dem Walltor 2,50 Mk., nach dem Bahnhof Gießen 3 Mk., nach Wieseck 1,50 Mk. Von Wieseck ab wurde der Fahrpreis nach der Ludwigsburg auf ebenfalls 20 Pf- festgesetzt, von Gießen ab beträgt er, gleich- gültig von welcher Haltestelle aus, noch der Ludwigs­burg 50 Pf. Bei dieser Gelegenheit wurde für die Strecke Wieseck Stadttheater oder Wie - seck Oswaldsgarten ein neuer Tarif geschaffen. Statt seither 35 Pf. wurde der Fahrpreis nach diesen beiden Haltestellen auf 30 Pf. herabge­setzt. Alle übrigen Fahrpreise auf der bereits be­stehenden Linie WieseckGießen bleiben unver­ändert.

Am Fahrplan wurden noch einige Aenderun- gen gewünscht; seine Veröffentlichung erfolgt noch Fertigstellung rechtzeitig. Festgelegt wurde noch, daß Wochenkarten für Alten-Busecker Fahrgäste nur in Alten -Buseck im Vorverkauf erhältlich sind.

Bis 3ur Fertigstellung des neuen Büssingwagens wird seitens der liefernden Firma ein Ersatzwagen gestellt. Der Unterbau des neuen Wogens wird in Braunschweia gebaut, der Oberbau, über den noch eine Besprechung wegen der zweckmäßigsten Anord­nung der Türen und Sitzplätze stattsindet, wird in einem Karosseriewerk in Mainz hergestellt. Vor dem Aufbau wird in Mainz der Unterbau abgenommen. Im Gegensatz zu den beiden vorhandenen Sechsrad» wagen wird der neue Wagen nur 2 Achsen haben und etwa 40 Personen fassen. Im Motorbau wurden die neuesten Erfahrungen und Berbesserun- gen zunutze gemacht, der Wagen wird ferner mit Kunze-Knorr-Luftdruckbremse und mit Warmluft­heizung versehen, so daß nicht nur hinsichtlich her Sicherheit der Fahrgäste, sondern auch auf angeneh- mes Fahren Rücksichten genommen sind.

Aulo-Iweckverdand Stollen-Hungen

OO Schotten, 28. Roo. Die erste Probefahrt des neugegründeten Zweckverbandes Schotten-Hungen tourte heute unternom­men. Ein stattlicher 22er Sih er-Wagen in den blau-Weißen Schvttener Stadtfarben traf nach­mittags gegen 2 Hfrr, von Hungen kommend, hier ein. 35 Personen die Gemeinderäte der be- telligten Gemeinten Hungen. Langd. Rodheim. Rabertshausen hatten darin Platz gefunden. Der Wogen hatte die Probefahrt glän - zend bestanden. Er ist innen und outen gut ausgestattet, mit allen neuzeitlichen Erforder­nissen (Heizung, elettrische Beleuchtung, Plan für Gepäck u. dergl.) verletzen. Einige Herren von Schotten unternahmen zur toeiteren Probe eine Fahrt nach EschenrodWingershausen und zurück, die hier vorhandenen sehr starken Stei­gungen tourten spielend genommen.

Im Rathaussaal tourten die auswärtigen Gäste vom Bürgermeister ter Stadl be­grüßt. In bet Krone fanb darnach unter Leitung bes Kreisdirektors eine nähere Aussprache statt. Auch ter ©emeinterat der Stadt Schotten war anwesend. Geh.-Rat Doeckmann begrüßte die Bürgermeister und Gemeinteräte ter be­teiligten Gemeinten und schilderte die Dorper- handlungen. Bürgermeister Menget gab einen UeterMid über bie rechtliche und finanzielle Seite des neuen Verbandes, über Satzung, Fahrplan u. dgl. Die aufgestellte Sakung fand die all­gemeine Billigung, auch die Werteilung tes ein- zuschliehenten Betriebsvermögens, tes Stimm­rechts, tes Anteils am Gewinn und Verlust fand Zustimmung. Das Auto wird in Schotten statio­niert, die Stadt hat sich bereit erklärt, die Halls kostenlos zu stellen. Der Fahrplan ist in der Weise gedacht, daß das Auto morgens gegen 7 Ahr bie Schüler und Mitreisenten von Ulfa abhvll und diese an den Zug nach Eichelsdorf (ab 7,19) bringt. Das Auto wird alsdann von Eichelsdorf über Ulfa, Rabertshausen, Rodheim, Langs nach Hungen fahren und dort die Züge die gegen 9 Uhr nach allen Richtungen gehen erreichen. Es fährt dann zurück nach Bahnhof Eichelsdors zum Anschluß an den Zug nach Schotten gegen 10 Uhr. Roch Eintreffen teS Mtttagszuges i/e2 Uhr in Eichelsdorf fährt der Wagen wieder über Ulfa und die genanntere Orte nach Hungen und hat dort Anschluß an die verschiedenen gegen 3 Uhr abgehenden Züge. Aach Eintreffen ter Abendzüge fährt das Auto um 8 Uhr wieder die Strecke über Ulfa zurück. E.ne gute Verbindung ist damit zwischen den De- tedigten geschaffen und allen Interessen ter Ge­meinden gedient. D e Versammlung billigte diese Fahrpläne. Bürgermeister Fendt- Hungere sprach den Dank der Gäste für die herzlich? 2uxf- nahme aus und versicherte, daß die beteiligtere Gemeinten, besonders auch die Stadt Hungen, in Treue zu dem von Scholten ausgehenden! Projekt stehe. Die Versammlung billigte allgemein den Vorschlag, daß man auch nochmals der Ge-