Eichener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhesfen)
hl 255 vierter Blatt
wird aber immer weih bleiben. So wie wir . weihe Bettwäsche bevorzugen, sollte auch der Körper nur in weihe Wäsche gehüllt werden.
im
Nachdruck verboten.
26 Fortsetzung.
Guten und im
Künstler.
Beide oder in werden.
hessischen beschickt v. $).
schon auS den angeführten Gründen der Hygiene fast immer der weihen Wäsche den Dorzug geben. Für Feiertag« und auch einmal unter einem hellen Sommerkleid, wo die Farbe nicht stört, kann auch farbige Wäsche getragen werden. 2lehnlich steht es mit dem Nachthemd, das die reinliche Frau, das junge Mädchen nach wie vor aus weihen waschbaren Stossen von mehr oder minder seiner Qualität mit mehr oder minder feinem Auspuh an Stickereien und Spttzen wählt. Hoffentlich mit deutschen Spitzen und Stickereien, die von der ausländischen Konkurrenz sehr bedroht werden und deshalb unbedingt aus Selbstschutz vvrzuziehen sind. Es ist Pflicht der deutschen Konsumentin, die heimatlichen Erzeugnisse zu fördern und zu schützen. Der Wohlstand unserer Industrie ist auch unser Wohlstand. Die' farbige Wäsche ist in Sommertagen zwar nicht ganz zu verweisen, der Standard un'erer Wäsch«
Ausstellungen können von allen Hessen wohnenden Künstlern
Mit Recht wird auf Leib- und Harrswäsche jetzt wieder nachdrücklich Wert gelegt; dafür sorgt die Solidität der deutschen Frau, die mit wachsendem Wohlstand nur zu gern auffüllt, was Zeit und Rot läge zerstörten. HnD so wird ihr die Iubiläumswoche des Derbandes deutscher Wäschegeschäft« und Wäschehersteller vorn 1. bis 6. November sehr willkommen sein. Sie wird die Hausfrau, die Hüterin der deutschen Volksgesundheit, mahnen, wie wichtig schöne weih« Wäsche für jeden Menschen ist.
gangenen Woche. Daneben steht der Markt der Stein- und Braunkohlen-Aktien
drohliche Lage annimmt.
Bilanz der deutschen Landwirtschaft.
Will man der Tendenz des Weltwirtschaftsmanifestes nachgehen, so kommt man unwillkürlich zu einem Vergleich mit der nahezu gleichzeitig austauchenden Nachricht über die Plane zur Schaffung eines Weltgetreidetrustes
war immerhin sein Werk. Geld, Architekten, und Bausteine reichten zu so etwas nicht aus. Innere Kräfte mußten da mitgeschassen haben, zähe, starke, unerbittliche Kräfte. Woher der Unglückliche, der vor ihrem Blick wie ein geprügelter Hund zusammengezuckt war, die Kräfte wohl genommen hatte? Ob die Mutter da nicht irgendwie mitgeholfen hatte, unbewußt und unwissend, allein durch die Sonne vielleicht, die sie in Carstens Dasein trug?
Mit weiten brennenden Augen schaute Martina um sich. Doktor Morell schritt an ihrer Seite über den weißen Kies. Unbestimmt erinnerte sie sich, daß er vorher gesprochen hatte. Irgendeine Erläuterung mochte cs gewesen sein. Mit einer leeren Bemerkung hatte sie geantwortet. Nun aus einmal besann sic sich. „Wie sagten Sie doch eben, Herr Doktor?' Auf einmal interessierte sie sich für Carstens Werk.
„Das ist dos Badehaus," wiederholte Morell. Er deutete auf das Gebäude zur Rechten. „Im anderen Trakt befinden sich die Wasch- und die Koch- küchen."
„Und dort?"
(Fortsetzung folgt.)
Samstag, so. Moder 1926
Das grotze Würfelspiel
(Martina WUemar.)
Roman von Franz I a d e r Kappus.
Endlos erschien Martina die Zeit zwischen einem Pavillon und dem nächsten. Auf einmal sprühte Carsten vor Lebendigkeit. Kaum hatte Doktor Kretzschmar eine Erklärung gegeben, fügte Carsten eine weitere hinzu. In der Abteilung für Lungenkranke legte er das komplizierte Ventilationssystem ausführlich dar. „In dieser Beziehung stehen wir hinter dem Virchow-Krankenhaus nicht zurück. Auch hier wird die frische Luft aus besonderen Schächten angesogen und die verbrauchte Luft über den Bodenraum ins Freie geleitet/ Sein Antlitz strahlte. Triumphierend liefen seine Augen im Kreise. Kurz fiel sein Blick auf Martina. Sofort veränderte sich der Ausdruck seiner Mienen. Plötzlich flehte da et- roas. Plötzlich war da alles nur eine einzige Bitte. Stumm und wie geschlagen bewegte sich Carsten von dieser Minute an unter den andern.
Martina spürte, wie ihr Herz sich zusommenzoy. Auf einmal tat der Mensch ihr leid. Klar wie nie sah sie in die letzte Tiefe dieses Lebens. Verborgene Zusammenhänge erschlossen sich, scheinbare Widerspräche lösten sich. Aus dunkler, qualvoller, seelenmarternder Not geschah, was der Mann tat — im Bösen. Denn'das da rundum: das
Ernst Wilemar hatte sich im Hintergrund gehalten.
„Endlich müßt auch ihr Carsten kennenlernen", sagte er leise zu Julie und Martina. Als letzter murmelte er seine Glückwünsche. Im selben Atemzuge stellte er vor: „Herr Carsten — meine Frau, meine Tochter Martina. Lily ist leider verhindert."
„Sehr erfreut."
Alles stieg die Treppen zur Direktionskanzlei hinauf. Ein kleiner Imbiß war vorbereitet. Damen und Herren öffneten die Pelze und Winterröcke. Rasch löste der schwere Krankenwein die Zungen. Alle Ehre machten die delikaten Brötchen der Küche. Man griff zu und plauderte.
Martina saß abseits.
Doktor Morell ging auf sie zu und nannte seinen Namen.
„Ein Glas Wein, Hnädiges Fräulein?" Mit feinen klaren grauen Augen blickte er sie an.
„Danke, Herr Doktor/'
Nur eine Sekunde stutzte Morell. Gleich darauf lächelte er: „Hoffentlich kommen wir nie wieder in die Lage, von diesem Wein zu trinken. Das ist das Beste, was wir einander wünschen können."
Martina nickte und näherte sich einer Gruppe. Dort führte der alte Grumbach das Wort. Die Wangen gerötet, schilderte er die Schwierigkeiten, die zu überwinden waren. Zum Glück hatte er zwei erstklassige Spezialisten an seiner Seite. „Zwei halbe Kinder noch: aber gerieben und im Umgang mit den Behörden vertraut — nicht zu sagen!" Die Damen lachten. Auch Julie Wilemar zeigte die blendenden Zähne.
Würde das ewig dauern? fragte sich Martina. Ihr Blut kochte. Bohrende Scham fraß in ihr. Wie recht hatte Lily getan, daß sie eine Besprechung mit Findeisen vorschützte! Und Lily war ahnungslos. Oder stellte sie sich nur so? Vielleicht wußte sie ebensoviel wie Martina. Vielleicht hatte sie die Ausrede nur gebraucht, um diesem schmachvollen Zusammentreffen zu entgehen? Lily war klug, Lily war weitblickend.
Im Nachbarzimmer improvisierte Kretzschmar eine launige Rede. Dann steckte er den Kopf durch die offene Tür und lud auch hier zur Besichtigung ein.
Langsam und stockend ging es durch die Korridore und die Treppen hinab.
der Ausfuhrländer. Wie dieser Weltgetreidetrast nach Ursprung und Zusammensetzung nicht seinen Rückhalt an der Produktion der Ileberschuß- lünder hat, sondern eigentlcch lediglich eine bei geschlossener Durchführung wirklich geniale Vertrustung des Weltgetreidehandels auf Kosten der Prvdtczenlen rn den Lleberfchuhgeb.elen und der Konsumenten in den Zufchußgebieten darftellt also das eigentliche Produkt onsprobiem auS> «Haltet. so macht auch das Wirlschastsmanifest den Eindruck, als ob die Regelung der Handels» und Verkehrs frei he it nicht auch eure Produkt io ns politische Seite hätte. Soweit der rein finanzielle und händlerische Gesichtspunkt m Betracht kommt, ist an dem Manifest nichts auszusetzen; und bet richtiger Auslegung muß man auch vom Standpunkte der volkswirtschaftlichen Produktion die Forderung nach Beseitigung ber <mS dem Versailler Vertrag hervorgegangenen übertriebenen Handels- und Verkchrsbeschränkunzen nur billigen. Immerhin ist di« Betonung dieses Pro- duktionsges.chtSpunkteS besonders wichtig, schon weil feststebt, daß einige der deutschen älnterzeich- ner ausdrücklich erklärt haben, daß sie mit dem Manifest nichts gegen « nrn vernünftigen Schutz der Produktion, iirSbesondere der Agrarprv- d u k t i o n ei nwenden wollen.
Gerade tckenn man sich jetzt nach dem Dor- llegen der Ernteergebnisse die Bilanz der gegenwärtigen Lage der deutschen Landwirtschaft an« sieht, leuchtet die Selbstverständlichkeit dieser Voraussetzungen für das We.twirtfchaftSmanlfest ein. Das Jahr 1926 mußte die vorläufige Klärung der Agrarkrise bringen. Ist dieses Jahr auch infolge der außerordentlichen ilngv.nft der Witterung e n.germaßen anormal getoefen, so ist die Klärung doch bis zu einem gewissen sehr wesentlichen Grade erfolgt. Die Einnahmen der deutschen Landwirtschast werden bestimmt nicht größer sein als 1925. Man wird im Gegenteil sogar einen Abschlag machen müssen. Der Menge nach ist zum Beispiel in G e t r c i d e, dem Hauptsaktor der landwirtschaftlichen Bilanz, nur rund 75 Proz. des Ernteergebnisses des Vorjahres erreicht worden. Der Eigenbedarf der Landwirtschaft an Saatgut. Selbstverzehr, Futtergetreide usw. ist naturgemäß zur Fortführung der Betriebe so gut wie unverändert. Die tatsächlich höheren Preise für Getreide verteilen sich glso auf eine sehr viel kleinere Menge, als es lediglich nach dem ®c- samtrückgang der Ernte unter Außerachtlassung des Eigenverbrauchs der Fall toävc. Dazu kommt aber, daß auch die Qualität des Getre.des in diesem Jahre viel schlechter ist als im Vorjahre und in normalen Jahren, so daß nur 75 bis 80 Prozent des (Setre des wirklich als Brotgetreide, als marktfähige Ware anzusprcchen sind. Dec .Landwirt wird also bei dem Verkauf eines Teiles seiner Ernte vor die Notwendigkeit gestellt sein, sich recht erhebliche Abschläge von den Börsen- Notierungen wegen Qualitätsmangel gefallen zu lassen. Da auch di« Kartoffelernte wesentlich schlechter als im Vorjahre ist, und in einigen 11 eberschuß gebieten sogar als ausgesprochene Mißernte bezeichnet werden muh, der zugleich c/.n» liche Qualitätsmängel wie beim Getreide an- hasten, während auch hier der Eigenverbrauch sich kaum geändert hat. ist eS verständlich, daß die Gesamteinnahmeri der Landwirtschaft aus der diesjährigen Ernte trotz der höheren Preise den finarrziellen Ertrag des Vorjahres kaum erreichen. Die Viehproduktion ist sich bei kaum veränderten ! Preisen nahezu gle'ch geblieben.
Mode und Wasche
Don Elsa Herzog.
Optimismus nicht. Man verweist vielmehr mit besonderem Nachdruck auf die immer neuen Ratio- nalisierungsmaßnahmen der deutschen Wirtschaft durch die horizontalen Zusammenschlüsse, und behauptet, daß in dieser Hinsicht noch Ereignisie de- Vorständen, von denen bisher öffentlich nichts be- kannl fei. Mit Vermutungen ist die Börfenphantasie dabei durchaus nicht spärlich an der Hand. Wenn auch manches von den Erwartungen der Spekulation schon auf den ersten Blick als ctwas reichlich grob und unroahrfcheinlich erscheint, so rinden doch entgegenstehende oder gar dementierende Erklärungen der beteiligten Unternehmungen nur wenig Glauben. Sofern die Vorstände der Gesellschaften über die ungläubige Aufnahme ihrer Mitteilungen klagen, jo kann ihnen auf der anderen Seite aller- dings nicht der Vorwurf erspart bleiben, daß sie die Oesfentlichkeit von ihren schwebenden Transaktionen erst unterrichten, wenn durch andere Quellen bereits soviel Positives durchsickerte, daß um offizielle Verlautbarungen nicht mehr herum- zukommen ist. Die Schweigsamkeit geht sogar so- weit, noch fünf Minuten vor der Herausgabe detaillierter Fusionsvorschläge an die Aktionäre offizielle Dementis durch die Tagespreise au schicken, wie dies kürzlich in dem Falle der Verschmelzung zweier bisher miteinander prozessierender, inzwischen aber wohl einig gewordener deutscher Groß reebereien geschah. Auch die I. G. Farbenindustrie hält mit ihren Plänen solange hinter dem Berg, bis die Auswertung unklarer Gerüchte durch die Spekulation ungemein vorgeschritten ist. Wer die Börsenberichte der Tageszeitungen lieft, wird daraus ersehen haben, daß es in der nun schon monatelangen Hausseperiode üblich war, Kurssteigerungen in besonderen Papieren einfach mit angeblichen größeren Aufkäufen des Farben-Trusts zu begründen. Wenn die Börse also den verwaltungsseitigen Erklärungen nicht die ihnen grundsätzlich zukommende Beachtung schenkt, so hängt dies auch mit der Politik von Gesellschaften zusammen, die leider praktisch bewirkt, daß ihre Auslassungen von der Oesfentlichkeit nicht ernst gewertet werden. Im Augenblick kann man an der Berliner Börse mit Bestimmtheit hören, daß Im Bankgewerbe, das kursmäßig von den unter feiner Regie zustande- gekommenen Transaktionen bereits profitiert, noch große U e b e r r a f d) u n g e n zu erwarten feien, die in der Richtung von Großbank-Fufio- n e n und höheren Dividendenzahlungen, angeblich auch besonderen, für die Aktionäre vorgesehenen Vergütungen liegen sollen. Welchen Auftrieb diese Gerüchte den Bankkursen geben, ersieht man bei einem Blick auf den Kurszettel allein der ver-
Wan behauptet, die Wäsche sei unmodern, deutsche Frauen trügen keine Wäsche mehr. Das wird die deutsch« Frau kaum auf sich sitzen lassen, denn der Stolz jeder deutschen Frau ist und bleibt ihr Wäscheschrank. Dieser ist allerdings anders zusammengesetzt' als der unterer Mutter und Großmütter, aber mit Recht wird noch heute auf einen gesunden Bestand des Wäscheschrankes gesehen. Hängt doch ein TeU der Gesundheit von der Reinlichkeit und und damit vom häufigen Wechsel der Wasche ab.
Zunächst wird daher der Lerbwasch« in allen ordentlichen Haushalten Beachtung geschenkt. Weiße Wäsch« hat sich erfahrungsgemäß aU die praktischste und gesündeste erwie,en. Aus zwei Gründen. Der «ine liegt in der Haltbarkeit der guten Wäschestoffe, die nachgewiesenermaßen ein mindestens sünszigmaliges Waschen iedes Wäschestückes aushalten, und der andere in der SDgiene öet axifwn W-Ich- toeilfie getobt. «Iso keimfrei gemacht werden kann. Die Körperpflege des Menschen besteht vor allem in größter Reinlichkeit. Der frisch gewaschene Körper suhlt sich nur in sauberer Wäsche wohl, deshalb wird der Mensch, der viel badet und duscht, ganz von selbst auf saubere Wäsche achten, denn nie- mand wirb es entfallen, nach einem reinigenden Bad« wieder unsauber« Wäsche anzulegen. Die Wäsche ist somit eine Schutzhülle des gesunden Körpers, eine Isolierschicht zwischen Körper und Oberkleidung. , _ ,
Das Anschaffen eines Kleidungsstückes ist heute für die meisten weit schwerer als früher, deshalb ist die Pflege unterer Kleidungsstücke «uch wichtiger als in wirtschaftlich besseren Zeilen. Jeder Einkauf ist heute aber auch eine Kapitalseinlage, will überlegt fein. Er ist Ver- Irauensfache. Und darum sollte man bei al.en Einkäufen die Spezialgeschäfte mit fachmännifcher Beratung aufsuchen. Die Webtechnik und Ausrüstung unserer modernen Stofs« ist heute fo kompliziert, daß sehr große Erfahrung dazu gehört, um die einzelnen Stoffe in ihrer Zusammensetzung zu erkennen. Denn nickt immer hat man eÄ nur mit Wolle, Baumwolle oder Leinen zu hm. Es gibt in allen Stoffen gute und schlechte Qualitäten. Wohl muß man den Preis eines neu zu erstehenden Kleidungsstückes mit seinem Budget in Einklang bringen, andererseits aber sollte man sich lieber weniger anschafsen, das wenige aber in bester Qualität. Denn gerade wer sparen nutz, wird bald selbst herausfinden, dast das Beste immer das Billigste ist.
Die deutsche Hausfrau kann fich jetzt wieder der Ergänzung ihrer Wäschebestän de zuwenden. Das zehnjährige Jubiläum b«S Verbandes deutscher Wäschegeschäfte und Wäfchehersteiler gibt zu- dem Gelegenheit, fich eingehend mit guter Quali- tätSwäsche zu beschäftigen. Aus diesem Anlaß fvll in einer
Iubttaumswoch« vom 1. bi« 8. November in allen Wäschespezialgeschäften und Kaufhäusern beste Wäsche gezeigt werden, beste Stoffe von der Faser bis zur Fertigstellung. Das Publikum soll selbst erkennen, was man ihm bietet, damit es sich künftig fein eigenes Urteil bilden kann. Allerdings hat di« Mode einen großen Einfluß auch auf die Wäsche, di« ilnter- lleidung. Viele Wäschestücke früherer Tage sind ganz verfchwunden, wie beispielsweise ein Teil der Unterröcke, namentlich die Anstandsröcke, mit Ausnahme der beliebten Prinzeßröcke, die gleichzeitig das Unterkleid vieler Kleider bllden. Der Körper der modernen Frau ist weniger belastet als früher. Das einzwängende Korfett ist gefallen, unsere Jugend trägt es, wenn irgend möglich, nicht mehr. Die reifere Frau hilft fich mit weichen Hüfthaltern und Gummikorsetts. Die beliebteste Kleidung ist deshalb die Hemdhose oder das Taghemd, allerdings ohne jeden Aermel, nur mit Achselspange. Und darüber ein Schlüpfer. (Aus Wolle, Satin, Trikot, Kunstseide, Seide. Im Sommer wird statt des Schlüpfers oft auch ein weißes Beinkleid getragen, falls man die Hemdhose nicht vorzieht. Reben der weißen Wäsche hat man in den letzten Zeiten viel farbige gezeigt, aber ein guter Geschmack wird
Wirtschaft.
Börse und Geldmarkt.
An der Berliner Börse sind nach wie vor diejenigen Spezialaktien Trumpf, an denen sich die Haussespekulation nun schon seit Wochen begeistert. Die vielen Hinweise auf die Abhängigkeit der Börse von der Entwicklung des Geldmarktes, die eine besondere Bekräftigung durch den Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht erfahren haben, konnten die Hausfeftimmung bisher nicht im geringsten beeinträchtigen. Die während der letzten Tage vorübergehend etwas erfolgreichen Vorstöße der Baissespekulation sind immer wieder durch um so zugkräftigere Haussen abgelöst worden, die zunächst lediglich Spezialwerte umfaßten, sich dann aber schnell in die Breite ausdehnten und Kurssteigerungen auf der ganzen Linie brachten. Bei vielen der hieran beteiligten Papiere kann nunmehr mit Sicherheit gesagt werden, daß die heutigen Kurse die R e n t a b i l i t ä t 5 b a f i s entschieden übersteigen. Da s kümmert aber die Spekulation in ihrem bewundernswerten
Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Die Kohlenkonjunktur und die neuen Pläne zur Weiterverarbei- lang der Kohle bestimmen an diesem Markt die Tendenz. Eine besondere 21 n: gung erhielt der Ver- lehr naturgemäß auch durch die bevorstehende Wiederaufnahme der deutsch-englischen Wirtschafts- besprechungen, woraus man auf eine Fortsetzung der Verständigungsarbeit zwischen beiden Industriegruppen schließt und insbesondere Abmachungen in der Eisen-, Kohlen- und Farbenindustrie in den Bereich der Möglichkeiten zieht. Die kurz vor dem Ultimo in Schwung gekommene Hausse hat aber namentlich auch durch die bereitwillige Prolongation der Ultimo-Engagements seitens der Großbanken und die in London und Neunork bisher nicht erfolgte Diskontänderung eine Ankurbelung erfahren.
Am Geldmarkt ist die Versorgung mit kurzfristigen Mitteln zu billigen Sätzen so reichlich, daß Befürchtungen für die Ultimoliquidation an der Börse kaum noch gehegt werden. Bisher hat die Liquidation tatsächlich einen normalen Verlauf genommen. Hierin liegt wohl ein entscheidendes Moment für d:e Ausdehnung der Kurssteigerungen auf die große izahl von Papieren. Hoffentlich sieht sich die Bö.,e in ihren Erwartungen aber nicht ge- täuscht, jo daß eines Tages die Lage an den Börsen die von Dr. Schacht als möglich angedeutete be-
anstrich, da ober*bort verlangte einer eine Auskunft. Alles war, wie es fein mußte: mindestens zwanzig Meter trennten die einzelnen Gebäude voneinander, reichlich zwei Quadratmeter betrug jede Fenster- flciche in den Krankenzimmern, massiv und trocken waren die Fußboden des Isolierpavillons, modern präsentierten sich die Gefriereinrichtungen in dem Leichenhaus. Nirgends war etwas auszusetzen.
Am nächsten Sonntag fand die Einweihung und Eröffnung statt.
Die kleine Kapelle hinter dem Verroaltunas- gebäube war dicht gefüllt. Mit gesenktem Haupt saß Bernhard Carsten in der ersten Reihe. Jedes Wort, das der Geistliche sprach, drang ihm ins Herz. Nur Liebe und Hilfsbereitschaft war die Welt. Man hatte Opfer gebracht, übergroße Opfer beinah«. Man war ein Mensch und wußte, was man seinen leidenden Mitmenschen schuldig war. Jesus Christus hatte das Beispiel gegeben. Seid barmherzig ... Man war barmherzig. Man gab hin, was man hatte. Und sühnte. Die schlimmsten Feinde mußten verstummen.
Nach dem Gottesdienst versammelten sich die Gäste auf dem Rondeau vor dem Hauptkrankenhaus. Alle, die zu der neuen Anstalt gehörten, standen schon da. Die beiden Direktoren, die Aerzte, die Schwestern, das Wirtschaftspersonal; niemand bis zum Kesselwärter hinab fehlte.
Uebcr Nacht war es Winter geworden. Kraftlose Sonne schien vom weißbläulichen Dezemberhimmel. Starr lagen die gefrorenen Schollen in den leeren Beeten. In Strohbündel verpackt, trauerte der trockene Springbrunnen. Fern summte und surrte das Leben.
Der Vertreter des Kultusministeriums machte es kurz. Dampf flockte von feinen Lippen, während er die wenigen, abgehackten Sätze sprach. Auch Bernhard Carsten wurde nicht weitschweifig. Alle Kraft spannte er an, um bei der Sache zu bleiben. Unruhig gingen seine Blicke von einem zum andern. Geballt war seine Linke, eckig zuckte die Rechte durch die Lust. Wie schwere Felsblöcke fielen seine Worte. Mit einem Appell an die Leiter der 2(nftalt schloß er seine Rede.
Doktor Kretzschmar erwiderte trocken und bündig.
Dann traten sie alle auf Carsten zu und schüttelten ihm die Hand.
Weihnachts-Ausstellungen Künstlerhilfe 1926.
Die in den beiden letzten Jahren so erfolgreiche Weihnachtsausstellung wird auch in diesem Jahre im Kunstoerein in D a r m st a d t, Rheintor, statlsinden. Die (Anlieferung dorthin soll zwi- scheu dem 20. und 25. November erfolgen. Die Ausstellung wird Sonntag, 5. Dezember, eröffnet, Sonntag, 9. Januar, geschlossen werden. Es sind kunst- und kunstgewerbliche Werke jeder Art in kleinem Umfang und Format zugelassen, alle versehen mit Titel, Anschrift, Preisangabe. Die Ju- rierung erfolgt durch die Neue Hessische Arbeitsgemeinschaft.
In ähnlicher Weise wird für Oberhessen eine Weihnachtsausstellung in Gießen im Oberhesslschen Kun st verein stattsin- den. Die (Anlieferung dorthin soll an die Expedition des „Gießener Anzeigers", Schulstraße 7, gerichtet werden, und zwar zwischen 10. und 20. November. Die Eröffnung ist am 28. November, Schluß am 2. Januar. Die Jurierung erfolgt durch Mitglieder der Neuen Arbeitsgemeinschaft und Gießener
Wenn trotzdem die deutsche Agrarkrise sich nicht verschärft hat, und wenn man trotzdem hoffen darf, daß das Jahr 1927 nach dem kritischen Herbst dieses Jahres eine Wendung zum Besseren bringen kann, wenn die Wirtschaftspolitik des Staates dem nicht entgegenarbeitet, so ist bas neben der entscheidenden Selbsthilfe der Landwirtfchaft der ersten Wirkung des Z o 11 t a r i f e s vom vorigen Jahre und einer allgemeinen Entlastung der Landwirtschaft zu verdanken. Die von der Rentenbank geführte Kreditpolitik der Landwirtschaft hat die Frucht getragen, daß die Zinfenlast sich gegenüber 1925 erheblich verringert hat; die Verschuldung der Landwirtschaft war ja nicht wegen der absoluten Hohe der Schuld fo untragbar, sondern wegen der Hohe der laufenden Zinsen. Trotzdem stehen mir im Augenblick vor außerordentlichen Kredit- s ch w i e r i g t e 11 e n , die sich aber nicht auf die
„Schade." Heddenhausen wandte sich zur Seite. ,Hch konnte da vielleicht ein Wort mitreden. Die Berliner Taxiunternehmer unterhalten gemeinschaft- lich eine Fahrschule. Vier bis fünf Wochen dauert der Kursus, kaum nennenswert sind die Kosten. Zufällig kenne ich den Leiter der Schule. Glatt ließe sich das machen." Noch weiter beugte er sich zu Martina. „Nun — wollen mir zugreifen?" fragte er warm und aufmunternd. Ganz verwandelt war er plötzlich.
„Sie sind sehr liebenswürdig, Herr Hedden- hausen."
„Jedenfalls denken Sie darüber nach, Fräulein Wilemar. Sie wißen, wo ich zu erreichen bin."
„Ich danke Ihnen, Herr Heddenhausen."
Der Wagen stand..
Während Hedenhausen Geld hervorholte, musterte Martina den vermutlichen Doktor der Philosophie. Er hatte wirklich einen Knick in der Mütze. Sein Gesicht sah intelligent aus. Frisch blickten die Augen durch die Hornbrille. Durchaus zufrieden schaute er in die Welt.
Mit einem kurzen Händedruck verabschiedete sich Heddenhausen.
Noch eine ganze Weile stand Martina auf demselben Fleck. Erst als das dunkelgrüne Auto um die Ecke gebogen war, drehte sie den Kopf wieder zurück und ging ihres Weges.
XXII.
Der alte Baurat Grumbach hatte feine Sache ■gut gemacht.
Zum letzten Male traten die Organe der Baupolizei und die Vertreter der anderen Behörden 'hren Rundgang an. Wie eine winzige Stadt lag das „Krankenhaus Landsberger Allee" inmitten feiner steinernen Umfriedung. Blitzblank standen die Pavillons da, außen und innen zur Eröffnung bereit Alles entsprach den Vorschriften. Immer wieder nickten die Herren befriedigt. Da oder dort rollte pro forma ein Meßband ab, da oder dort M)abte ein Fingernagel prüfend an dem Wand
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