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Grundlage der Kultur handele. Wenn der De- danke, so schloß Dr. Schacht, heute zunächst auf Europa beschränkt bleibe, so diene er deswegen doch nicht weniger den großen allgemeinen Zielen, die die Menschheit über wirtschaftftche Wohlfahrt zu geistigem und sittlichem Fort­schritt weiterführen. 3n diesem Geiste begrüße ich auch die Paneuropa-Bewegung und Wunsche ihr gedeih.iche Arbeit. Aach dem Reichsbank­präsidenten Dr. Schacht sprach der deutschnatio­nale Abg. Prof. Dr. Hoetzsch, der ferne Ge­danken mit der Anerkennung der Grundstimmung der paneuropäischen Bewegung zu vereinen wußte. Eine Grundfrage für ihn sei vor allem die Frage des Schutzes der Minderher- t e n. Diesen Bemerkungen schloß sich auch der Bollsparteiler Mittelmann an.

Um die Stabilisierung dessranzösischenFransten.

Paris. 29. Okt. (LU.) Wie in französischen finanzpolitischen Kreisen verlautet, gibt man sich der Hoffnung hin, eine Stabilisierung des fran­zösischen Franken im Verhältnis von 165 Franken zu eineni englischen Pfund ohne auswärtige Anleihe durchführen zu können. Mit dieser Ab­sicht der französischen Regierung wird die ab­lehnende Haltung in der Frage der Verwendung der deutschen Eisenbahnobligätionen erklärt, da man glaubt, daß durch den noch vorhandenen Devisenfonds der Morgananleihe und durch die fortgesetzten Devisenkäufe der französischen Re­gierung innerhalb der letzten Wochen ein aus­reichender Fonds vorhanden sei, um bei einer Stabilisierung des französischen Franken gegen die Angriffe der internationalen Speku­lation sich schützen zu können. Unter dem Eindruck der gegenwärtigen Erholung des französischen Franken hat sich der letzte Widerstand gegen die Regierung in der Finanzkommiflion der Kammer verflüchtigt. Die Regierung hat gegenüber den Versuchen, ibr Schwierigkeiten zu schaffen, zweifel­los die Oberhand behalten. Selbst die größten Schreier sind still geworden. Aus den parlanrentarischen Kreisen hort man keine Ein­wände gegen die Taktik Poincarös, sich möglichst lange volle Handlungsfreiheit zu sichern und daher die Einberufung des Parlaments nach Möglichkeit hinauszuschieben.

erlitt Verletzungen an der Hand.

Acmilientragödie.

3n Holzdorf im Deg.-Bez. Halle a. S. entlud sich auf einer Treibjagd das Gewehr des dortigen Amtsvorstehers, als dieser stolperte. Der Schuh traf zwei Schulknaben. Der eine wurde so verletzt, daß er bald darauf st a r b, der

Aus aller Welt.

LucknersVaterland ' in Ncuyork.

Reichskanzler Luther in Argentinien.

Buenos Aires, 29. Ott. (WB.) Der ehemalige Reichskanzler Dr. Luther wurde beim Betreten Argentiniens von der Regierung als Da st des Landes amtlich emp­fangen. Auf dem Bahnhof von Buenos Aires wurde er im Ramen der argentinischen Regie­rung vom Protokollches sowie vom deutschen Ge­sandten offiziell begrüßt. Auf einem Festessen im Deutschen Klub, an dem die Minister, zahlreiche Diplomaten und hervorragende Vertreter der argentinischen Wirtschaft teilnahmen, hießen der deutsche Gesandte und der argentinische Außen­minister Dr. Luther aufs herzlichste willkommen. Dr Luther erwiderte in improvisierter spani­scher Rede, die mit lebhaftem Beifall aufge- nommcn wurde. Dom Präsidenten de Al- vear wurde der Kanzler im Beisein des Ge­sandten Gneist in Sonderaudienz empfangen. Spa­ter wurde im Beisein des Reichskanzlers und des argentinischen Präsidenten der Reubau der Danco Aleman-Transatlantic, einer Filiale der Deutschen icberseeischen Bank in Berlin emge- weiht. Die Dank wird am 2. Rovrniber für den Verkehr geöffnet.

reichert haben: Johann Gerhard, Friedrich Schleiermacher, Richard Rothe. Fhnen zur Seite müßten schreiten die Männer, die dem deutschen Volke seine Srbauungsbücher gegeben haben: Johann Arndt, Christian S:river, der Frank­furter Pfarrer Johann Friedrich Starck. Die Erneuerer der evangelischen Frömmigkeit, Phi­lipp 3akob Spener und Rikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf, dürften nicht fehlen, und müßte gezeigt werden, wie August Hermann Francke seine Anstalt in Halle baut, wie Heinrich Pestalozzi inmitten armer, verlassener Kinder sitzt, wie Theodor Fliedner Diakonissen in die Welt sendet.

Das Gemälde, wie ich es mir denke, dürfte jedoch keineswegs bloß die Großen darstellen, die in der deutschen Geschichte genannt werden, ich sehe noch viele andere Gestalten auf diesem Zukunftsbilde. Da weilt eine Landgemeinde in ihrem alten Kirchlein, ernste Steinbilder grüßen von den Wänden, um das Gotteshaus stehen Linden, ihre Zweige schlagen, wenn der Wind weht, gegen die Fenster. Die Gemeindeglieder falten, die arbeitgewohnten Hände über ihren Gesangbüchern und hören dem Prediger zu, der ihnen von der freien Gnade sagt, die Gott den Menschen durch seinen Sohn zugetvendet hat. Beim Lichte einer Kerze sitzt ein Greis über seiner Bibel, darunter stehen die Worte:Alles Ding währt seine Zeit, Gottes Lieb in Ewig­keit." 3n einem fremden Seehafen harrt eine deutsche Auswandererfamilie in Kummer und Heimweh aus die Abfahrt des Schiffes, aber die Seelen der Bekümmerten werden frei und froh, als die Mutter ihnen vorsagt:Der Wol­ken, Luft und Winden, gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann." 3n einer Großstadt geht im Abenddunkel eine Diakonissin durch die Straßen, sie steigt ausgetretene Stufen hinauf, um eine arme, kranke Frau zu pflegen. Durch das Ge­strüpp des afrikanischen Urwaldes wandert ein Missionar, um in einem Regerdorfe Gottes Wort zu verkünden und die Seelen der Schwarzen von der unheimlichen Geisterfurcht zu befreien.

Das ganze Gemälde würde so in Form und Farbe ein Lob des Gottes sein, der durch Martin Luther die Deutschen vor 400 Fahren zu der Quelle ihrer Kraft, zum Evangelium, geführt hat. Vielleicht findet sich in kommenden Tagen der deutsche Mann, der den evangelischen Chri­sten dieses Bild schenkt. -H- D.

Neuer Rekord

für einen Flug ohne Zwischenlandung.

Die beiden französischen Fliegerosfiziere, die vorgestern m Le Dourget aufgestiegen waren, sind gestern in D j a s k in Persien am Golf von Oman gelandet. Sie haben 5 5 0 0 Kilometer ohne Zwischenlandung zurückgelegt und damit den bisherigen Rekord von 5170 Kilometer für einen Flug ohne Zwischenlandung geschlagen.

Brand einer Kaserne im besetzte Gebiete.

In Landau entstand infolge Explosion eines Sauerstoffapparates in der mit französischen Trup­pen belegten Kaserne des ehemaligen 5. Artillerie- Regiments in der Kantine ein Brand. Die Kan­tine, die in einem etwa 70 Meter langen Holz­schuppen untergebracht war, wurde mit allen ihren Vorräten ein Raub der Flammen. Die tn der Baracke noch untergebrachten französischen Sol­daten konnten sich im letzten Augenblicke noch retten.

Tödlicher Jagdunfall.

Aus der provinzialhauptstadt.

Gießen, den 30. Okwber 1926

Reformalionsfest.

ons der Genter Patrizier 3odokus Dydt um das 3ahr 1424 dem Maler Hubert van Kvck den Auftrag gab, für die Davokirche em Altarbild zu malen, da dachten Kunstkr und Auftraggeber zunächst nur an erne Darstellung htr Erlösung die den Christen durch den Tod Cbrisft zuteft'geworden ist. Demzufolge heißt das Diw auch Die Anbetung des makellosen Lam­mes"- in Wahrheit stellt das weltberühmte Kunst-

JLu mebr dar, es schildert in prangender ^btrfMLe oon OMoIten.

in mgtmeto geixinfenrm^t Sonn den xna Geben und die Geschichte der katholischen

Da kmct Wama. die Sötte-, mutter, in innigem ®d>et, auf, Gott Vater rm priesterlichen Ornate er­scheint, Engel stimmen ihm zu Ehren ein Lied an. andere halten Harfen und Teigen m den Händen. Der Heilige Geist schch-bt in Gestalt einer Taube vom Himmel hernieder. Fn Prie stergewändern, Blumen in den Händen tragend, erscheinen die Heiligen. Apostel Papste, Dischofe und Priester schreiten in feierlichem Fuge heran Aus einer Felsenkluft kommen Einfädler und Pilger. Auf der anderen Seite, gleichfalls aus einer Felsenkluft heraustretend, erscheinen die Streiter Christi und die gerechten Richter. Eine herrliche Landschaft tut sich dem Beschauer auf, Blumen blühen auf einer Wiese, auf der im Vordergründe der Brunnen deS LehenS zu sehen ist. Fm Mittelpunkte des ganzen Gemäldes aber ist der Altar errichtet, auf dem das makellose Lamm steht, umgeben von betenden Engeln.

Wenn ein moderner Künstler ein Werk schaffen wollte, das in ähnlicher Weise kxrs Wesen der evangelischen Kirche schildert, so mußte sein Gemälde ohne Zweifel anders aussehen. Die Landschaft, in die er seine Gestalten htnein- stellen würde, müßte ein deutsche Landschaft [ein; das Frankenland, Thüringens Waldberge, überragt von der Wartburg, eine Elblandschaft, wie sie bei Wittenberg zu finden ist, tarnen in Betracht. Fn der Mitte müßte Martin Luther stehen, etwa, wie er im Kloster zu Erfurt um einen gnädigen Gott ringt, oder wie er auf dem Reichstage zu Worms vor Kaiser und Reich sagt:Fch kann nicht anders, Gott helfe mir, Amen!", oder wie er, die Bibel in der Hand, seinen Deutschen verkündet:Einer ist euer Meister, Christi, ihr aber seid alle Brüder". Zur Seite wären ihn anzuceihen Philipp Me- lanchthon, der gelehrte und besonnene Kenner der Bibel und der christlichen Glaubenslehre und Fohan.nes Buzenhagen, der Mann der kirch­lichen Organis tie.i. Wo Hubert van Eyck die Priester hinges lllt hat, da müßten die frommen deutschen Fürsten, die der Reformation die Wege geebnet haben, stehen: die sächsischen Kur­fürsten Friedrich der Weise, Fohann der Be­ständige, Fohann Friedrich und der hessische Landgraf Philipp der Großmütige. 3n langem Zuge würden di? Dichter der evangelischen Kirchc heranschreiten: Paul Gerhardt, der den ganzen Fammer des Dreißigjährigen Krieges erlebt, der Arzt Paul Flemming, der nach Persien zieht, der bedächtige Leipziger Professor Christ Fürchtegott Gellert, der durch die Briefe, die er schreibt. Tausenden ein Seelsorger ist, der nieder­deutsche Dichter Matthias Claudius, der das innige Abendlied anstimmt- ..Der Mond ist auf­gegangen." An sie müßten sich die Männer der Wissenschaft anreihen, die durch ihre tiefen ®e< danken das Leben der evangelischen Kirche be-

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delphia zu segeln.

Die Eröffnung

der Deutschen üraftsahrzeugausstellung 1926.

Fn den Berliner Ausstellungshallen am Kaiserdamm wurde die Deutsche Automobil- und Motorradausstellung in Anwesenheit des Reichs­verkehrsministers, des österreichischen Ge- sandten Dr. Frank und des Berliner Ober- bürgermeisters Do eröffnet. Auf die Be­grüßungsansprache des Direktors Schippert er­widerte R e i ch s v e r k e h r s m i n i st e r D r. Kröhne in einer Ansprache, in der er u. a. aussührte: Das Bild, das sich heute vor uns entrollen wird, wird uns zeigen, aus wie gutem Wege die Kraftfahrzeugindustrie sich befindet, die völlige Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt wieder zu erreichen. Auf diesem Wege kann sie mit Erfolg aber nur weitergehen, wenn sie die Unterstützung der All­gemeinheit ftndet, daher die Mahnung, daß bei aller Achtung vor den Leistungen des Aus­landes, bei aller Kritik an dem inländischen Er- zeugnis der deutsche Fahrer an das Steuer eines nur deuts chen Wagens gehört.

Die Amundsenexpedition In Amerika bestohlen.

Amundsens Expedition ist in Amerika uner­hört bestohlen worden. Bor einiger Zeit wurden von dort nach Rorwegen 2 0 0 Kisten mit der Ausrüstung der Expedition auf den Weg gebracht. Beim Oeffnen der Kisten stellte sich heraus, daß sie zum größten Teil nichts als Stroh und Papier enthielten. Reben wertvollen Instrumenten fehlte das gesamte wis­senschaftliche Material über den Aufenthalt der Expedition im Polargebiet. Es steht fest, daß die Diebstähle in Amerika ausgeführt worden sind, doch steht man vor einem Rätsel, wie diese Ausplüirderung überhaupt möglich ge­wesen ist, da.die Verpackung und Verschiffung unter strengster Kontrolle ausgeführt sein soll.

die über das Pvlarmeer geleitet werden soll. Die Delegierten der Reichskonferenz gerieten am gestrigen Freitag ferner mit der Admiralität über Fragen, die mit der Marinelertung zu­sammen hängen.

Die englische Kriegspropaganda

London. 29. Okt. (TU.) Der MarguiS von Tavistoc, der Sohn und Erbe des Herzogs von Bedford, machte in einer großen Versamm- lung in Birmingham interessante Mitteilungen über die englische Kriegspropaganda. Er führte aus daß während des Kriegs Rachrichten ver­breitet worden seien, die alle frei erfunden und lediglich zu Propagandazwecken gemacht worden seien. So sollte während des Krieges in Deutschland angeblich eine Medaille zur Verherr­lichung der Versenkung derCulitania" geprägt worden sein. 3n Wirklichkeit sei diese Medaille aber in England für Propaganda­zwecke hergestellt worden. Londvn'.r Zei­tungen hätten eine Photographie veröffent­licht, die eine Menschenmenge darstellte, die dieses Ereignis bejubelte. Diese Photographie sei aber im Fahre 1912 gemacht worden. Der Mar­quis gab noch eine Reihe anderer Beispiele, um die Kriegspropaganda in England an den Pran­ger zu stellen.

Aussichtsreiche Verhandlungen im englischen Bergbaukonflikt.

Conbon, 29.0rt WB. (Reutet.) Der Vermitt­lungsarbeit des Gewerkschaftskongresses ist es ge­lungen, sowohl von bet Regierung wie von ben vergarbeil-rri Zugeständnisse zu erhalten. Die inan annimmt, finb zur Zeit Besprechungen zur Herbeiführung des jtiebens im Kohlenbergbau im Gange, unb zwar auf ber Grundlage, baß zwar bie Arbeit auf Grunb von Ucbereinfommen roieber ausgenommen wirb, bie für bie einzelnen Be­zirke getrennt abgeschlossen werben, bah aber diese bezirksweisen Abmachungen einem g e - samtenglischen Rahmen eingeglie- dert werden. Rach der Besprechung mit ben Berg- arbeiterfühteru verhandelte eine Abordnung des Generalrates des Gewerkschaftskongresses mit Churchill, bet Balbwin vertrat. Infolge der Besserung ber tage im Kohlenbergbau würbe bie jeber Familie zugebilligte Menge Kohlen von einem Zentner aus einen Doppelzentner für zwei Wochen erhöht.

Die Scheldemündung.

Der holländisch-belgische Vertrag.

Amsterdam, 30. Okt. (TU.) Am Freitag begannen in der Zweiten holländischen Kammer die entscheidenden Beratungen über den hollän- disch-beloi'chen Vertrag. Die darin enthaltenen wirtschaftlichen und polnischen Zugeständnisse an Belgien würden eine bedeutende Stär­kung der belgischen Schiffahrt und Handelsmöglichkeiten und einen sehr beträchtlichen Ausfall für den Rotter- d a m e r H a f e n bedeuten. Die B:schwerden Hol- lands richten sich in erster Linie gegen die Reu- regelung der Schelde-Schiffahrt, obwohl das Ge­biet zu beiden Seiten t>ed Flusses holländisch ist, soll es einer gemischten Kommission unterstellt werden. Außerdem I>at Holland in dem Vertrag auf das Fustizrecht auf der Schelde vernichtet. Ferner gibt der Vertrag den belgischen Kriegsschiffen jeder Art das Recht, auf der Schelde zu fahren, ein Recht, welches Hol­land für sich selbst nicht sichern konnte. Ein wei­terer Stein des Anstoßes ist der beabsichtigte AntwerpenRoer deikKanal, ein neuer Wasserweg für die belgische Schiffahrt zum Rhein, der nach holländischer Ansicht keiner wirt­schaftlichen Rotwendigkeit entspricht. Antwer­pen sei als Seehafen nur mit 19 Prozent auf die Rheinschiffahrt angewiesen, während Rot­terdam sich mit 80 Prozent seiner Schiffahrt auf die Rheintransporte stütze. Eine künftige Umleitung der Rh e in schi f s a h r t über . Antwerpen müsse daher notwendigerweise eine schwere Beeinträchtigung Rot­te r d a m s zur Folge haben.

Deutschland und der Zchelde- vertrag.

Dementi Vanderveldes.

Brüssel, 29. Okt. (Belgische Telegraphen- Agentur.) Der Außenminister Vandervelde versammelte Pressevertreter bei sich, um vor ihnen gegen einen Artikel desRieuwe Rotker- ' dänische Courant' über den niederländisch-belgi­schen Vertrag Einspruch zu erheben. Fn dem Artikel wird behauptet, daß während der Be­sprechungen über Cupen-Malmedy Belgien den Deiitschen vorgeschlagen hätte, eine sehr weit- gehende Begünstigung des Antwerpe­ner Hafens unter ihre Gegenleistungen auf­zunehmen. Vandervelde erklärte, es hätte nie­mals öffentliche Besprechungen zwi­schen Deutschland und Belgien über Eupen- Malmebh gegeben. Auch wäre niemals weder offiziell noch offiziös die Frage einer Begün­stigung des Antwerpener Hafens erörtert wor­den. Selbst in den Besprechungen, die ohne Beteiligung der Regierung stattgesunden hätten, sei eine derartige Sache niemals erwähnt worden. Vandervelde fügte hinzu, er stelle dies alles ent­schieden in Abrede.

Die nationalistischeLiberia" sieht bie Haupt­schwierigkeit einer zweckmäßigen Entwicklung der deutsch-französischen Annäherungspolitik in ber österreichischen Anschluß frage und meint, daß es nicht darauf ankäme, für welche deutsche Gegenleistungen Frankreich bereit ,ein könnte, bas Rheinland früher zu räumen, sondern daß in erster Linie bie Rückwirkungen einer derartigen Räumung a u f die mit Frankreich befreundeten Länder berücksichtigt werben müßten. So würbe man berzeik am Quai d'Orsay, wo man bie Notwendigkeit einer Aussprache mit dem italienischen Diktator empfing, feststellen können, baß Mussolini beunruhigt sei über bas deutsch-österreichische Anschlußproblem Wenn die Franzosen aus Mainz abzögen, so werde Frankreich keinerlei Mittel mehr besitzen, um den Anschluß Oesterreichs an Deutschland zu verhindern. Frankreich habe also bie Unzufriedenheit Italiens herausgefordert, bas sich darüber beklagen würde, übergangen worden zu sein. Wenn Frankreich aber andererseits vor ber Räumung des Rhein­länder von Deutschland eine Garantie gegen denAnschluß verlange, so würde diese Garantie eine trügerische sein, denn der Anschluß nähere sich seiner Verwirklichung auf unsichtbare Weise fast täglich. Die öster­reichische Anschlußfrage bleibe ein Stein des An­stoßes der gegenwärtigen politischen Lage.

England und der Streit um Wilna

London, 30. Okt. (WTD. Funkspruch.) Der diplomatische Berichterstatter desDaily Tele­graph" führt aus: Falls einige Mitglieder der Dotschasterkonferenz versuchen sollten, im Zu­sammenhang mit dem kürzlichen Vertrag zwischen der Sowjet-Regierung und der litauischen Re­gierung die Frage des Statuts von Wilna vor der Botschafterkonferenz aufzuwer­fen, so fei man in britischen Kreisen der An­sicht, daß nichts inopportuner sein könnte. Die britische Regierung könne sich keiner Verur­teilung Litauens, wie dies von Polen und an­deren gewünscht werde, anschließen. Wenn ir­gend bei einer späteren Regelung Memel an Stelle Danzigs der Hauptzugang Polens zur Ostsee werden sollte, so wurde die Rückerstattung Wilnas an Li­tauen eine notwendige Bedingung für seine Zustimmung zu einer solchen Politik sein.

Thoiry und Osteuropa.

Frankreich wünscht für seine Ver­bündeten zu sorgen.

Paris, 30. Okt. (TU.) DerTemps", besten gute Beziehungen zu Berthelot bekannt find, unter­streicht in (einem Leitartikel am Freitag erneut die Tatsache, baß bie in Thoiry begonnene Politik Der Verständigung auf erneute Schwierigkeiten.gestoßen ist Die ersten deutschen Vorschläge, bie eine Mobi­lisierung deutscher Eisenbahnobligationen vorge- sehen hatten, seien vom gutenS i II en Ame­rikas abhängig, bas jedoch "st nach dem Aus- qang ber Wahlen oerhanblungsfahig sei. Jedoch brauche das nicht bedenklich zu stimmen, da ec selbst im. Rahmen des derzeitigen Gebankenaustuu- ches nicht an Unterredungsstoff fehle. Hierbei muffe vor allem an die Rückwirku n g e n ei ner dor- zeitigen Räumung ber Rheinlanbe ge­bucht werden. Denn diese Rückwirkungen, so meint der Temps", betreffen nicht allein bie Sicherheit Frankreichs, sondern auch die durch die Fncdens- oerträge in Mittel- und Osteuropa geschaf­fene Lage. Indem Frankreich auf bie Besetzung des Rheinlandes verzichte, gebe Frankreich ein mächtiges Pressionsmittel aus der Hand, durch daß es die deut­schen Manöver gegen Polen ober die deutschen Machenschaften in der Anschlußfrage verhindern könne. Wenn bie Politik der Annäherung keine ernsthaften Garantien für den Frieden Gesamt­europas bringen, bann entspreche sie sticht dem Zweck, zu dem sie begonnen sei, unb sei em schlech­tes Geschäft für Frankreich. Dabei sei es verständ­lich, wenn man in offiziellen Kreisen heute Dis­kretion über bas Ergebnis ber Begegnung Bnand- Hoesch bewahre, denn burch Erweckung übertriebe­ner Hoffnungen würde man die allergrößte Gcsahr für die Politik von Thoiry selbst schaffen.

Reuyork, 30. Okt. (WTB.-Funkspruch.) Die Ankunft berVaterland" erregte hier großes Inter- esse. Graf Luckner teilte mit, Admiral Klumkett habe zu ihm gesagt:Sie sind ein Seemann nach meinem Sinn", unb ihm versprochen, bieVaterland" zu be­suchen und Luckner in amerikanischen Marinekreisen einzuführen. Luckner erhielt Einladung von zahl­reichen Vereinigungen unb Großinbustriellen. Wäh- renb ber Ueberfahrt traf folgender Funkjpruch ein: Herzliche Grüße unb glückliche Fahrt wünscht ber Vaterland", v. Hindenbur g." Luckner erzählte, gewisse amerikanische Kreise wollten bieVaterland" auf mehrere Monate für eine wissenschaftliche Er- pebition chartern. Die Kapitäne einiger Schiffe, die Luckner während des Krieges versenkt hat, sprachen bei Luckner vor, um ihn zu begrü­ßen. Luckner gedenkt mit seinem schiff zwei Mo­nate in Reuyork zu bleiben unb bann nach Phila-

Paneuropa.

Berlin, 29. Okt. Beim Reichstagspräsiden­ten L ö b e versammelten sich gestern abend zahl­reiche Gäste, Die zu einer Diskussion des Pro­blems Paneuropa geladen waren. Reichstags­präsident Löbe hielt eine Ansprache, in der er hervorhob, daß nicht nur Mitglieder der pan- «uropäischen Union, sondern Vertreter aller Parteirichtungen und politischen Anschau­ungen erschienen seien. Für ihn selbst sei sein Besuch in Amerika zum entscheidenden An­stoß geworden, an der paneuropäischen Bewe­gung mitzuwirken, denn die Beobachtungen des Hauptzentrums der Weltwirtschaft habe ihm ge­zeigt, wie die Kräfte Europas durch politifche und nationale Zersplitterung gefährdet werden.

Reichsbankpräsident Dr. Schacht ergrif darauf das Wort zu einer längeren Rede. Richt «IS Mitglied der paneuropäifchen Bewegung, Jonbem als Außenstehender, bekunde er jeinc Sympathie mit dem Grundgedanken der Paneuropabewegung. Auf keinem Gebiete fei die Annäherung so wesentlich, wie in der Wirt­schaft, da es sich hier um die materielle

Die Familie des ungarischen Barons P o d - m a n i c z k y wurde in den verflossenen 6 Wochen von einer Reihe schwerer Schicksalsschläge heimge­sucht. Vor iechs Wochen wurden dem Baron Zwil­linge geboren, die bald nach der Geburt st a r - ben. Infolge dieses Schicksalsschlags verfiel der Baron in eine schwere Krankheit, die ihn genau zwei Wochen nach dem Tode seiner Kinder hinweg­raffte. Die Witwe kehrte in ihren Heimatort zu ihrem Bruder zurück. Dieser starb 14 Tage nach dem Tode des Barons plötzlich an einer Gehirn- blutung. Die junge Frau, bie nunmehr zu ihrem älteren Bruder zog, wurde von Schwermut befallen und vergiftete sich genau zwei Wochen nach dem Tobe ihres jüngeren Bruders an dessen Grabe.

(Ein eigenartiger Unglückssall.

Fn Wurzbach in Thüringen riß unter der Schneelast der Leitungsdraht der elek­trischen Hochspannung unb traf eine 68jährige Frau, die auf der Stelle getötet wurde.