Nr. 75 Erster Blatt
17b. Jahrgang
Dienstag, 30. März 1926
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SUD
Die Beisetzung Zehrenbachs.
Freiburg, 29. März. (TU.) Heute nachmittag erfolgte m der feierlich geschmückten Freiburger Friedhofskapelle die Einsegnung der Leiche Konstantin Fehrenbachs. 3m Vorhof, vor dem Eingangs zum Friedhof, hatten zahlreiche Vereine mit umflorten Fahnen Aufstellung genommen. Der Sarg, der inmitten der Kapelle stand, war mit einem großen Fliederstrauh geschmückt. Um 2.30 Uhr erschien Reichskanzler Dr. Luther, Reichswehrminister Dr. Gehler, Reichsjustizminister Dr. Marr, Reichsarbeitsminister Dr. Brauns, 6er ehemalige Reichskanzler Dr. Wirth, der ehemalige preußische Ministerpräsident Siegerwald, Reichstagspräsident Lobe und Abgeordnete aller Parteien des Reichstages. 3n der Trauerversammlung, die etwa 300 Personen umfaßte, bemerkte man auch sehr viele Geistliche, darunter auch Vertreter der evangelischen Kirche. Wenige Minuten nach 2.30 Uhr erschien Erzbischof Dr. Fritz in großem Ornat in Begleitung von mehreren Geistlichen und mehreren Chorknaben. Ein Quartett des städtischen Orchesters leitete den feierlichen Akt mit Schuberts „Der Tod und das Mädchen" ein, worauf der Erzbischof die feierliche Einsegnung vornahm. 3m Anschluß daran widmete der Erzbischof dem Entschlafenen einige Gedenkworte, in denen er dessen Pflichttreue rühmte. Vor allem trauere an der Bahre Konstantin Fehrenbachs die katholische Kirche, für die er in seinem ganzen Leben wirkte und die seiner in dankbarer Liebe stets gedenken wird. Rach dem Erzbischof ergriff
namens der Zentrnmspartei Reichs- minifter Marx.
das Wort, der noch einmal das Wirken des Verstorbenen für die Partei und in der Reichstags- fraltion würdigte. Dabei erinnerte er an einzelne charakteristische Züge aus Fehrenbachs parlamentarischem Leben, besonders an dessen Rede anläßlich der Vorgänge in Zabern. Ich glaube, sogen zu können: Rach niemals durch- tosten die Räume des Reichstages solche Beifallsstürme, als damals, als Fehrenbach unter allseitigem Beifall den Gedanken der Gerechtigkeit und der Freiheit des Bürgerstandes zum Ausdruck brachte. Don dem Augenblick an war der Rame Fehrenbach in den Glanz derOeffent- lidtfeit getreten. Bald erkannte man in ihm einen der ersten unter den Volksvertretern, und man zeichnete ihn mit den höchsten Ehrenstetten aus, die das deutsche Volk zu vergeben hat. 3n den Tagen schwerster Bedrängnis und entsetzlicher Gefahren für das deutsche Volk und das deutsche Vaterland stand er wie ein Fels im Meer, umbraust von dielen Gefahren. Wo seine machtvolle Persönlichkeit war, da hatte der Reichstag die Sicherheit: Wo Fehrenbach steht, da ist das Recht, da ist die Wahrheit! Da ist die Freiheit! Wenn ich dem Wirken dieses allseitig verehrten Mannes ein Wort nachrufen soll, so kann es nur dos Wort fein: Dixi justitiam et odi inquitatem (ich habe die Gerechtigkeit geliebt und alles Unrecht gehaßt!) Das hat er in die Tat umgeseht als vielgesuchter Rechtsanwalt und Verteidiger, als scharfsinniger Jurist, der stets nicht nur nach dem Vorteil oder Rachteil handelte, sondern stets nur nach den Grundsätzen unwandelbaren Rechts und christlicher Erkenntnis, und der die Würde des Anwalts so hoch hielt, daß er auch, als er ausgestattet war mit der höchsten Würde der Volksvertretung, dennoch von dem Präsidentenstuhl herunterstieg und die Toga des Verteidigers anzog. Ramens der Reichsregierung nahm dann
Reichskanzler Dr. Luther.
das Wort. „Wir stehen an der Bahre eines Mannes", so führte der Kanzler aus, „dessen Leben der Arbeit und dem Vaterland gehörte und dessen ganzes Sein und Trachten dem Wohl des deutschen Volkes dienstbar war. Mit seiner Familie, der ich hier nochmals namens der deutschen Regierung das herzliche Beileid ausspreche, trauern nicht nut- feine politischen Freunde, sondern es trauert das ganze deutsche Volk, weit wir in dem Toten einen unserer Besten und Treue st en verlieren. Wir stehen am Grabe des letzten deutschen Reichstagspräsidenten des alten Deutschen Reiches, am Grabe des Präsidenten der Rationalversammlung. Sein Leben war charakterisiert durch sein Streben, auszugleichen und dadurch hat er gerade im parlamentarischen Leben zu wirken vermocht. Wie hat er gelitten, als er die Bürde des Reichskanzleramtes trug und als es ihm nicht vergönnt war, die Erleichterungen für das deutsche Volk zu erwirken, die er so heiß ersehnte. Dennoch ist er nicht verzagt und hat seine ganze Kraft in den Dienst des Volkes gestellt. Gerade in der letzten Zeit, als politische Schwierigkeiten auftraten, haben wir es ihm zu verdanken gehabt, daß wir einen Ausweg sanoen. Er war einer der eifrigsten Vertreter des Gedankens der Vokksgemeln- schäft, und ihm war der Gedanke nicht leere Phrase, sondern Herzenssache. Richt nur seine Parteifreunde, auch die Reichsregierung wird ihn schmerzlich entbehren. Run ruht er wieder in seinem badischen Heimatboden. Gott gebe ihm Frieden.
Rach dem Reichskanzler sprach der badische Staatspräsident Trunk im Rainen der badischen Regierung. Landtagspräsident Dr. Baumgärtner legte für den badischen Landtag einen prächtigen Lorbeerkranz mit dem badischen Staatswappen am Sarge des einstigen Präsidenten der Zweiten Kammer des badischen Landtages nieder. Als letzter sprach Reichstagspräsident L ö b e. Auch er rühmte des Der-
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NiederlageBriands. - Abstriche an denKriegskrediten für Syrien und Marokko.
Paris, 29. März. (WTB.) Die Kammer hat heute die Diskussion über das zu bewilligende Budgetzwölftel begonnen. Ein Abgeordneter der Opposition verlangt vom Kriegsminister Aufklärung über die für Marokko und Syrien bestimmten Kredite. Kriegsminister Paiuleve erklärte, daß für Marokko 49 330 270 Franken und für Syrien 23 496 000 Franken angeforbert würden. Ein kommunistischer Abgeordneter ruft dazwischen: „Cs lebe Locarno! Cs lebe der Friede!" Painleve erklärte, daß er alles tun werde, um den Friedensschluß zu beschleunigen. Aber um einen gerechten und dauerhaften Frieden herzustellen, feien zwei Parteien notwendig. Der Abg. Desjardins verlangt hierauf vom Kriegsminister Aufklärung darüber, wieviel Truppen in Syrien und Marokko stünden. Painleve verweigerte dicse Auskunft, worauf Desjardins fortfährt, die Kampagne in Syrien scharf zu kritisieren, vor allem die Tätigkeit des ehemaligen Oberkommissars General S a r r a i l. Painlevö erklärt, daß die Kredite für Marokko feit 3anuar zurückgegangen seien.
Der unabhängige Sozialist Abg. Baron verlangt eine Herabsetzung der für Syrien und Marokko bestimmten Kredite um 10 Millionen, um gegen den Feldzug in Syrien und Marokko zu pro- kftieren.
Der Abg. Baron bedauert, daß, als er in Syrien gewesen sei, um nach Petroleumquellen zu suchen, er nicht von dem Oberkommissariat unterstützt wurde. Er fordert, daß alle kolonialen Expeditionen eingestellt werden, insbesondere aber die in Syrien. Man möge Syrien Mussolini schenken. Kriegsminister Painlevö erwiderte, weil man so bald wie möglich in Syrien den Frieden Herstellen wolle, könne man nicht darauf eingehen, daß die Kredite. die für die Aktion notwendig seien, vermindert würden. Frankreich habe gerechte Vorschläge in Marokko und Syrien gemacht, sie seien aber ab gelernt worden. Der Waffen' stillstand fei morgen und der Frieden in einigen Tagen möglich. Aber man dürfe nichts gegen diese Möglichkeiten unternehmen. Man werde den Widerstand verlängern, wenn man den Eindruck erwecke, daß Frankreich entmutigt sei.
Ministerpräsident Brians unterstützt die Ausführungen des Kriegsministers und erklärt, in Syrien und in Marokko unternehme Frankreich keinen Krieg, durch den es ein Vorteil erzielen wolle. Frankreich sei angegriffen toorben und habe Pflichten zu erfüllen. Spanien und Frankreich seien zu loyalen und offenen Friedensverhandlungen bereit. Der Friede würde deshalb leicht zu erzielen fein, weil die Rifleute ganz genau wüßten, daß Frankreich keine Eroberungsabsichten, ja nicht einmal ihre Autonomie antasten wolle. Wenn die Ris- leute bisher darauf nicht eingegangen feien, so deshalb, weit sie sich immer noch mit trügerischen Hoffnungen nähren. Wenn die Rifleute einen Waffenstillstand auf der ganzen "Front und nicht, wie sie es bisher versucht hätten, auf einen schmalen Teil Vorschlägen würden, wäre 'Frankreich bereit, sie anzuhören, ebenso Verhandlungen für einen dauerhaften Frieden zu eröffnen.
Was Syrien betreffe, so übe Frankreich sein Mandat aus. Drei Stämme von vieren hätten bereits die Vorschläge des Oberkommissars angenommen. Rur der Stamm der Djebet Druse habe sich bisher geweigert.
Man habe übrigens die Drusen wissen lassen, daß an dem Tage, an dem sie darauf verzichten
würden, französische Soldaten zu ermorden, Frankreich bereit sei, mit ihnen auf der Grundlage einer weitgehenden Autonomie zu verhandeln. Bon einem verlassen Marokkos und Syriens dagegen könne nicht die Rede sein.
Der kommunistische Abg. B e r t h o u fragt Briand, ob er bereit sei, dem Parlament und dadurch der Welt und Abd el Krim die Friedensbedingungen mitzuteilen? Briand umgeht geschickt diese Frage, und auf die Frage des gleichen Abgeordneten, ob sich die Friedensbedingungen etwa seit Juli v. I. geändert hätten, erklärt Briand: „Nur insofern, als wir nicht wollen, daß wir nach drei Monaten wieder von neuenm beginnen müssen", worauf der Abg. Berthon erklärt, wenn die Bedingungen sich geändert haben sollten, müßte er annehmen, daß die von gewissen spanischen Zeitungen gebrachten Nachrichten, nach denen Frankreich nicht mehr freie Hand habe, einen Frieden zu schließen, auf Grund der von Painlevs formulierten Bedingungen richtig seien.
Nach der Rede Briands hatte der Abg. Baron seinen Antrag auf Streichung von 10 Millionen im Kapitel für Syrien und Marokko dahin geändert, daß hier eine Million gestrichen werden sollte. Dieser Antrag wurde mit der Stimmenzahl von 268 gegen 265 angenommen.
Die französische Krisis.
Paris, 28. März.
Die innerpolitische Lage in Frankreich kann als verworrener denn je bezeichnet werden. Die Steuervläne des neuen Ministeriums Briand sind die Ursache einer Krise, die bereits droht, die Einigkeit der Radikalen Partei auf eine außerordentlich schwere Belastungsprobe zu stellen. Die Radikale Partei ist aber, nachdem die Sozialisten in einer öffentlichen Kundgebung erklärt Haden, daß sie sich als völlig unabhängig gegenüber dem Ministerium Briand betrauten, die Hauptstütze des Kabinetts Briand, wenn es daran festhält, als linksstehendes Ministerium angesehen zu werden.
Der Grund für diese Lage ist in den Steuer- planen des neuen Finanzministers Raoul P e ■ ret zu suchen, der sich nicht in große Unkosten gestürzt und in der Hauptsache den Plan seines Vorgängers übernommen hat, den die Mehrheit der Regierungsparteien bereits zweimal ablehnte, weil er als verkehrsfeindkich bezeichnet werden müsse. Der Finanzausschuß der Kammer, dessen Aufgabe keine beneidenswerte ist, trat nunmehr am Freitag in die Erörterung der Steuerpläne ein und muß unter dem ungeheuren moralischen Druck eine Entscheidung treffen, daß sein Nein unter Umständen den unmittelbaren Sturz des Ministe- r i u m 5 zur Folge haben kann. Um dies zu verhindern, spricht man von Kompromissen. Man muß aber die Frage stellen, ob hierzu noch Zeit vorhan- den ist, und namentlich der Finanzminister wird auf diese Frage alsbald eine Antwort erteilen müssen, von der das Weitere abhängt.
Es ist wohl möglich, daß selbst bei einer Niederlage im Finanzausschuß Briand beschließt, sein Schicksal nochmals im Plenum der Stummer zu versuchen. Aber auch hier sind die Aussichten nicht sehr groß, denn wenn der Finanzminister auf der Umsatzsteuer bestehen sollte, würde er jedenfalls mit dem Widerstand eines Teils der Radikalen rechnen und Briand nach rechts die Stimmen suchen müssen, die er hierdurch links bei den Radikalen verlieren wird. Er würde bann bis in die Reihen der Partei Marin geraten, und diese macht seit einigen Tagen kein Hehl daraus, daß sie ihm diese
ftor Denen Treue gegenüber dem deutschen Volk und seine Ritterlichkeit gegenüber feinen Gegnern. 3m Ramen des Reichstagspräsidiums legte der Präsident des Reichstages an dem Sarg einen Kranz nieder, zugleich auch im Ramen der Demokratischen Partei, der Deutschen Volkspartei, der Deutschnationalen Voltspartei, der Sozialdemokraten und der Völkischen. Rach kurzen Ansprachen der Vertreter der Stadt Freiburg, der Universität, des Landtages, der katholischen Studentenschaft und von Vertretern von Vereinen schloß die Feier.
Die Trauerfeier am Grabe.
Dann wurden die sterblichen Ueberreste Fehrenbachs nach der F a m i l i e n ft ä 11 e geleitet. Trotz des strömenden Regens, der in der vierten Nachmittagsstunde eingesetzt hatte, war die Schar der Trauergäste überaus groß. Der Zug bewegte sich, an der Spitze die Feuerwehrkapelle und der Freiburger Männergesangverein, in feierlichem Schritt zum Grabe. Vor dem Sarg ging Erzbischof D r. Fritz mit der gesamten Geistlichkeit. Hinter dem Sarg folgten die nächsten Angehörigen mit dem Reichskanzler Dr. Luther, den Reichsministern, den Mitgliedern des Reichstages sowie die anderen Trauergäste. Nach einem Trauerchoral nahm am Grab der Erzbischof die Einsegnung vor. Das Hän- delsche Largo geleitete den Sarg in die Gruft.
Rußland und die Genfer Abrüstungskonferenz.
Moskau, 29. März. (TU.) Das Außeu- lominissariat hat vom Vötterbund die Mittellung erhalten, daß die Abrüstungskonferenz am 18. Ma i in ® enf stattfindet. Das Völker
bundssekretariat bittet in dem Schreiben die Sowjetregierung, umgehend die Ramen der Delegierten, die zu der Konferenz kommen werden, anzugeben. Es verlautet hier, daß die kommunistische Internationale Protest gegen die Entsendung einer Delegation nach der Schwei- eingelegt hat. Tschitscherin soll aber zu Kompromissen bereit sein, da der Generalsekretär des Völkerbundes, Drummond, ihm mitgeteilt hat, er fei eventuell bereit, die Vermittlung zwischen der Sowjetregierung und der Schweiz zu übernehmen.
Der Berliner Besuch öes österreichischen Bundeskanzlers.
Berlin, 29. März. (TU.) lieber den Besuch des österreichischen Bundeskanzlers in Berlin wird folgende amtliche Mitteilung ausgegeben:
Der Besuch des österreichischen Bundeskanzlers Dr. Kämet hak In Berlin Gelegenheit zu wiederholten Besprechungen im Auswärtigen Amt gegeben. Zunächst handelt cs sich naturgemäß um die persönliche Fühlungnahme der leitenden Staatsmänner und um eine gegenseitige Orientierung, um die Beziehungen Deutschlands und Oesterreichs zu verschiedenen Staaten. Dabei wurden sowohl die allgemeine politische und wirtschaftliche, wie auch insbesondere diejenigen Fragen behandelt, an denen beide Staaten ein besonderes Interesse haben. Die Besprechungen ergaben eine volle Uebereinftimmung in der Auffassung der Ergebnisse, wie sie durch Locarno und Gens geschaffen wurden. Einen weiten Raum in den Verhandlungen nahmen die wirtschaftlichen Fragen in Anspruch, wobei auf
Stimmen zur Verfügung stellen werde, wenn er den Minister des Innern, M a 1 v y , zu opfern bereit ist.
Unter dem Eindruck dieser Lage, die begleitet wird von einem langsam fortschreitenden Sturz der Frankenwährung, machen sich, wie gesagt, Anzeichen einer Zersetzung innerhalb der Radikalen Partei geltend. In der letzten Vorstands- sitzung ist es zu einer scharfen Auseinandersetzung zwischen dem Führer des rechten Flügels Franklin Bouillon und H e r r i o t gekommen. Die Berichte darüber sind, da es sich um eine geheime Sitzung handelte, nicht ganz zuverlässig, aber immerhin weiß man bereits seit langer Zeit, daß Franklin Bouillon der Mann der Konzentration ist, Herriot dagegen auf der Politik vom 11. Mai 1924 bestehen bleiben will. Wenn es noch eines Beweises für die tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten bedurft hätte, die Rede Franklin Bouillons über die Verträge von Locarno hätte ihn erbringen müssen. Je länger die Finanzkrise andauert, um so stärker wird die Meinungsverschiedenheit innerhalb der Radikalen Partei in die Erscheinung treten und vielleicht doch noch zu jener Trennung führen, für die offenbar weder die Führer des rechten noch des linken Flügels der Partei die Verantwortung übernehmen wollen. Die Krise innerhalb der Radikalen Partei fällt übrigens zusammen mit einer nicht klar zutage tretenden Krise der Parteien, die rechts von den Radikalen und Sozialrepublikanern stehen, also der Mittelparteien, der gemäßigt en Republikaner, die immerhin schwanken zwischen der alten Anhänglichkeit an den Nationalen Block' oder seiner Rechtsnachfolgerin, der Nationalrepublikanischen Liga und einer entschlossen linksgerichteten Politik. Würden die Sozialisten eine klare, bestimmte Haltung einnehmen, bann würde diese Krise bald beseitigt sein, denn in diesem Falle wäre es den Radikalen und den Sozialrepublikanern leicht gc- macht, sich die Frage vorzulegen, ob sie in der Fiktion des Kartells der Linken noch fefthalten ober eine Verbindung mit den Mittelpartelen suchen sollen.
Unter dem Eindruck dieser innerpolitisck)en Schwierigkeiten sind die außenpolitischen Ereignisse im Lause des Berichts stark in den Hintergrund getreten. Weder die Erörterungen über die Locarnopolitik im Deutschen Reichstag noch die Diskussion im englischen Unterhaus hat daher den Widerhall gefunden, den sie unter normalen Verhältnissen hätten beanspruchen können.
Neue Steuern bewilligt.
Paris, 29. März. (WTB.) Der Finanzausschuß der Kammer hat heute vormittag die Erhöhung der Umsatzsteuer auf2Proz. für alle Verlause des Großhandels und des Halbgroßhandels mit 15 gegen 10 Stimmen bei drei Enthaltungen angenommen. Der Finanzausschuß nahm dann von einem Briese des Finanz- ministers Kenntnis, in dem Finanzminister Peret eine Anzahl neuer indirekter Steuern, u. a. eine Stempelsteuer aus geschäftliche Transaktionen, eine erhöhte Steuer beim Verlauf von Immobilien und von Geschäftsfirmen sowie von Warenlagern, ferner eine Transportstener für Wein und Mineralwasser vorschlägt. Diese inbireften Steuern sollen in den restlichen neun Monaten des Jahres einen Ertrag von 660 Millionen Franken bringen. Der Finanzausschuß hat sich grundsätzlich mit dem Plane der neuen Stempelsteuer einverstanden erklärt, ebenso mit den vorgeschlagenen indirekten Steuern. Das Kammerplenum nahm heute die Vorlage des provisorischen Zwölftels für den Monat April mit 420 gegen 131 Stimmen an.
beiden Seifen der Wille zum Ausdruck kam. den wirtschaftlichen Interessen beider Länder in besonderer Berücksichtigung der augenblicklichen Rotlage, soweit wie möglich Rechnung zu tragen. Insbesondere wurde vereinbart, nach Ostern Verhandlungen über einen Zusatzvertrag z u m Handelsvertrag aufzunehmen. Bei dem Charakter der Besprechungen tarnen sonstige Entschließungen oder Beschlüsse irgendwelcher Art nicht in Frage.
Bundeskanzler Ramel entging heute nachmittag die Vertreter der Presse in der österreichischen Gesandtschaft, wobei er in einem interessanten Vortrag auf Oesterreichs Leidensweg zu sprechen kam und auf Oesterreichs Aufbauarbeit. Er dankte Öen Brüdern im Deutschen Reich „für die Anteilnahme. Die sie uns gewidmet, und für die Hilfe, Die sie uns mehr als einmal gewährt haben" und führte Dann weiter aus: Wir stehen heute ganz anders da als noch vor zwei Jahren, wenn wir auch noch ziemlich weit von einem wirklich befriedigenden Zustand sind. Durch eine zähe und energisch geführte handelspolitische Kampagne ist es uns gelungen, eine stattliche Anzahl von Handelsverträgen, darunter auch schon einige richtige Tarifverträge, abzuschließen. Gerade jetzt stehen wir in einem wichtigen Abschnitt der handelspolitischen Attion. Wir führen nach allen Richtungen Verhandlungen, um die bisherigen Verträge zu ergänzen und zu verbessern, und es erfüllt mich mit Genugtuung, fest stellen zu können, daß auch bei unseren Verhandlungen mit DeutschIand stets das richtige Verhältnis und das richtige Gefühl gewaltet haben. Trotz der unsäglich schweren Lebensbedingungen haben Industrie und Landwirtschaft in den letzten Jahren ungeahnte Fortschritte gemacht. ;


