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Die Siebener Hochschulgesellschaft.

Kürzlich ging durch die Zeitungen ein Bericht über das deutsche Auslandinstitut in Stuttgart, in dem ausgesüdrt wurde, welche wertvollen Auskünfte durch Auswandererberatung das Institut in den verflossenen Jahren geleistet, welche schweren Wun­den der wirtschaftliche Niedergang neuerdings dem Auslandinstitut aber geschlagen hat.Zahlreiche zu- gesagte Beiträge und Stiftungen sind ausgeblieben. Weite Kreise müssen helfen, um durch die Zahl der 'Beiträge zu ersetzen, was in hohen Summen jetzt nicht emgehen kann."

In der gleichen Lage wie das Auslandinstitut in Stuttgart befindet sich dieGießener Hochschulgesell- schaft^, dieGesellschaft von Freunden und Förde­rern der Universität Gießen".

Die Berechtigung, die Notwendigkeit des Be­stehens der in schwerer Zeit gegründeten Gesellschaft ist in Wörbeschriften, in Zeitungsartikeln und in der Gründungsschrift dargelegt.

In einer Zuschrift an Die Gesellschaft hat der Herr Staatspräsident Ulrich die Bedeutung der Hochschul- gesellschast für das Fortleben der Landesunioersitöt mit folgenden Worten zum Ausdruck gebracht:

Die Gießener Hochschulgesellschaft ist ein Produkt ihrer Zeit und damit ihre Gründung für die Landesunioersitöt als Notwendigkeit fest- gestellt. Ich kann nur roünfdjen, daß es ihrer Hilfe gelingen möge, das Interesse aller Freunde und Förderer der Landesuniversität derart zu wecken und zu erhalten, daß sie den steigenden Ansprüchen der Wissenschaft gerecht werden und vollauf genügen kann."

Hat die Gießener Hochschulgesellschast auch heute noch ihre Berechtigung? Aber sicher, mehr denn je! Der Staat bewilligt den Hochschulen, was er kann. Aber seins zur Verfügung stehenden Mittel sind beschränkt. Eine Provinz, Rheinhessen, ist besetzte» Gebiet, das dem Staate keine Erträge bringt, die anderen beiden Provinzen können die Bedürfnisse nicht in voller Höhe aufbringen.

Unsere Wirtschaft einschließlich de» Verkehr» ist nicht mehr frei. Frei sind nur noch unsere Geistes- güter, und die müssen wir uns frei erhalten: sie be­deuten unser Nationalvermögen, an dem wir keinen Abtrag erleiden dürfen. Wir muffen auf dem geistigen Gebiete unseren Ruf, unsere Führerstellung bewahren, damit wir tüchtigen, gründlich geschulten Nachwuchs in allen Zweigen unseres Geisteslebens auch im Wirtschaftsleben haben, damit unser geistiges Kapital Zinsen trägt. Sonst werden wir von dem kapitalkräftigsten Lande, von Nordamerika überflügelt. Viele Millionen stehen dort der wissen« schaftlichen Forschung zur Verfügung. Diele wissen- schaftlichc Arbeiten können auch ohne größere Geld­mittel nicht zu einem ersprießlichen Ende geführt werden.

Wie steht es nun mit den Mitteln der Hochschul- gesellschaft? In den ersten Jahren ihres Bestehens konnte sie mit laufenden Beiträgen und besonder» mit größeren einmaligen UeberroeHungen na­mentlich aus Industriekreisen etn ansehnliche» Kapital bilden, das aber leider ein Opfer der In­flation geworden ist. Der Grundstock ist also hin. Wie e» heute mit der Industrie im allgemeinen steht, ist bekannt: von der Seite find eben ketne großen Einnahmen zu erwarten. Es bleiben also In der Hauptsache die Einkünfte aus den Mitglieds­beiträgen. Wenn man den 600 Mitgliedern der Gießener Hochschulgesellschalt die Mitgliederzahlen der Gesellschaften von Marburg mit fast 3000, von Hannover mit 6000 und gar von Kiel mit fast 9000 gegenüberstellt, so ist da» Ergebnis für Gießen be­schämend. In Zeiten der größten Not ist auch immer in Deutschland die größte Opferdereitschaft gewesen. Deshalb muß feder, der die LudwigsunioerfitSt be­sucht hat, jeder, der einen Sohn ober eine Tochter auf die Universität schickt, jeder, dem die Erhaltung und die Freiheit unserer Kulturgüter, die an der Ludwigsuniversität gepflegt und gefördert werden, am Herzen liegt, das kleine Opfer barbringen und Mitglied der Gießener Hochfchulaesellschaft werden, zumal die ordentliche Mitgliedschaft schon mit 10 SIL, die außerordentliche mit 6 Mk. erworben werden kann. Anmeldungen und Einzahlungen find zu richten an die Mitteldeutsche Ereditbank, Filiale Gießen, Konto der Gießener Hochschulgesellschast.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

s. Kl«in-Linden, 30. Jan. Der am 24. d. MtS. bereits gegründete Handwerk« r- und Gewerbe-Verein, Klein-Linden voll­endete als Fortsetzung seine Tagung am Mitt­woch im Gasthaus zur Deutschen Eiche. Don ca. 50 am Orte ansässigen Handwerkern und Ge­werbetreibenden zeichneten sich sofort 32 in die Mitgliederliste ein. Zweck und Ziel deS Vereins ist die Förderung des Handwerks, Gewerbe-, der Industrie. deS Handels unZ) des Verkebrs. Zum Vorsitzenden wurde Heinrich Bechtold. zu des­sen Stellvertreter Ludwig Viehmann 2 ge­wählt. Nachdem der Zweck und die Satzungen des Vereins eingehend behandelt waren, faßte die Versammlung einstimmig nachstehende Reso­lutionen: 1. Es wird an die Gemeinde­vertretung ein Appell gerichtet, daß die z, Zt. geltenden Steuern das Höchstmaß der Leistungsfähigkeit längst überschritten hätten und demzufolge für die Zukunft die Finanzpolitik da­nach einzustellen fei; 2. wurde an die Post- di r e k t i o n das Ersuchen gerichtet, die P o st - b e st e l l u n g auch auch an Sonn- und Feier­tagen auszufuhren und neben der Vachmittags- beförberung bet Post zum mindesten den Brief- fdften an der Post-Agentur morgens zu leeren und den Inhalt weiterzubefördern. Nachdem der s. Vorsitzende Herr Bechtold, seinen Dank für das harmonische Zusammenarbeiten in der ersten Sitzung ausgesprochen hatte, wurden weitere Punkte auf die weitere Sitzung vertagt.

* Heuchelheim, 29. Jan. Am Mittwoch fand in der Wirtschaft Friedrich Rinn eine Per- sainmluna deS hiesigen GewerbevereinS statt, zu der Synoikus Röhr vom HandwerkSamt Gießen erschienen war. Gr sprach über den zur Zeit beim Aeichswirtschastsrat vorliegenden Gsetz e n t w u r s betr. den Preisabbau, wo­bei et die nachteiligen Auswirkungen dieser Maß­nahme auf das Handwerk treffend hervorhob. Weiter gab der Redner noch über allgemeine Fragen sehr interessante Aufklärungen, die in der heutigen Zeit für den Handwerksstand nur zur Forderung dienen können.

Staufenberg, 29. Jan. Die hiesige Gemeindejaad hat der seitherige Pächter, Kommerzienrat Ludwig Scheer- Höchst a. M., auf weitere 9 Jahre gepachtet. Pachtprcis jähr­lich 1700 Mk. DaS Jagdgebiet umfaßt 240 Hektar

Wald und rb. 450 Hektar Acker- und Wirft n- lanb. Kommerzienrat Scheer verhandelt zur Zeit noch mit der Gemeinde Mainzlar, um die Pachtzsit der dort von ihm erworbenem Jagd von 6 auf 9 Jahre unter entsprechender Erhöhung des Pachtpreises zu verlängern.

* Londorf, 29. Jan. Bei der gestrigen Holzversteigerung im F. eiherrlich von Vordeck zu Rabenauschra Revier wurden folgende Preise erzielt: Vuchenscheit 10,80 Mk. Eichenscheit 5,80 Mk.. Buchenknüppel 8,20 Mk., Sichenlnüppel 5,45 Mk.. Fichtenknüppel 5 Mk., Buchenreisig 155 Mk., Buchenstöcke 5,25 Mk. je Rm.

: Allertshausen, 29. Jan. Unser rund 330 Einwohner zählendes Dörfchen leibet, tote viele andere Orte, ebenfalls unter de> Woh­nungsnot. Doch ist in den letzten Jahren dieser Rot ga z energisch entgegengesteuert durch eine rege Bautätigkeit, indem eine ganze Anzahl Reu. bzw. Anbauten fertiggestellt wur­den. So sind in den RachkriegSjahren allein fünf stattliche neue Häuser entstanden, darunter einige zweistöckig und recht geräumig. Eines davon, ein altes Holzhaus, stand ehemals gegenüber dem Schulhaus, wurde aber verkauft und von dem Käufer hoch auf dem Berg, hinter der neuen Kirche, wieder aufgestellt. Der alle Besitzer er­baute sich ein neuzeitliches geräumiges Stein­haus. Gegenwärtig sind zwei weitere recht statt­liche Bauten in Angriff genommen, die bis zum nächsten Herbst bezogen werden können. Am Mittwoch nau,mittag trugen wir unseren ver­storbenen Lehrer Konrad Kloos zu Grabe. Fast die gesamte Einwohnerschaft und viele seiner Freunde und Kollegen aus den Rachbarortschaf­ten gaben ihm das letzte Geleite. 42 Jahre wirkte Lehrer Kloos in unserer Gemeinde, und der weitaus größte Teil der Einwohner waren seine Schüler. Pfarrer Hofmann von Lon­dorf legte feiner Grabrede den Tert zugrunde: Psalm 16 Vers 6:Das Los ist mir ge­fallen aufs Liebliche, mir ist ein schön Erbteil geworden." Er schilderte den Verstorbenen als fürsorglichen Familienvater, als tüchtigen Lehrer, der unter schwierigsten Verhältnissen fein Amt treu und gewissenhaft versah, und als Mensch, jederzeit bereit, alt und jung mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Bürgermeister Rein­hard legte im Rainen der Gemeinde einen Kranz nieder, dabei in warmen Worten der großen Verdienste deS Verstorbenen gedenkend. Der Männergesangverein Liederkranz sang ein Grablied und widmete durch seinen Vor­sitzenden R a d> t i g a 11 dem Toten einen Kranz, Für den Dezirkslehrerverein Londorf sprach Leh­rer H ö ch st von Odenhausen einen ehrenden Rachruf und legte ebenfalls einen Kranz nieder. Auch die Schullinder widmeten ihrem ehemali­gen Lehrer einen Kranz und fangen ein Grab- lied. Lehrer Kloos stammte aus Oppenrod, war in Friedberg im Jahre 1880 abgegangen und wirkte vorübergehend in Zahmen, Kreis Lauterbach, und feit 1882 in Allertshausen. Im Sommer 1924 trat er infolge des Abbaues in den Ruhestand.

t Grün berg, 29. Jan. Heute vormittag stürzte sich ein 13fähriger Junge, der bei einem hiesigen Bürger als Pflegekind war, aus dem Fenster. Da die Tat nicht gleich bemerkt wurde, blieb der Verletzte etwa eine Viertelstunde (tepen, bis ihm Hilfe zu teil wurde. Die ile&er- führung deS Knaben in die Klinik nach Gießen erfolgte sofort. Da der Junge nach seiner Aeuße- nmg nicht mehr bei dem Bürger bleiben wollte, führte er diese Tat aus.

± Weickartshain, 27. Jan. Auch in unserem Dörfchen besteht, wie in den übrigen Ge­meinden, die segensreiche Einrichtung der Schul- s p a r f a s s e. Wenn wir nach noch nicht ein­jährigem Bestehen ihre Ergebnisse feststcllen, kom­men wir zu der erfreulichen Tatsache, daß sich schon die ansehnliche Summe von 1 2 5 0 Mart angesammelt hat. eine Leistung, auf die die -weiklassige Schule mit etwa 50 Sparern stolz sein kann.

2) Lich, 20. Jan. Aus der jüngsten Sitzung deS neuen Stadtvorstandes ist folgendes zu berichten: Seitens der in der letzten Sitzung gebildeten Finanzkvmmission waren Vorschläge für die Bildung der übrigen Kommissionen gemacht worden. Grundsätzlich sollte bei den Wahlen der Kommissionen und Deputationen in der Weise verfahren werden, daß entsprechend der berufsständigen Zusammensetzung des Stabt- vorstandeS jeder Kommission ein Landwirt, ein Gewerbetreibender, ein Beamter und ein Ar­beiter angehören solle. Trotzdem kam es zu mancherlei Auseinandersetzungen, so daß die Wahl über eine ganze Stunde in Anspruch nahm und schließlich der Vorschlag der Finanz­kvmmission unverändert angenommen wurde. Längere Debatten entstanden bei der Wahl der Wohnungsdeputation und deS städtischen Wohl­fahrtsausschusses. Zwei Herren, die für die Wohnungsdeputation vorgeschlagen waren, woll­ten nicht mitmachen. Da ihre Fraktionskollegen aber auch keine Lust hatten, sich bei den undank­baren Geschäften deS Wohnungsamtes die Finger 9U verbrennen, wurden die beiden Herren trotz chres Widerspruches gewählt. Zur Wahl des städtischen Wohlfahrtsausschusses beantragte die sozialdemokratische Fraktion, die Geistlichen, die seit Menfchengedenken in dieser Körperschaft ver­treten sind, auszuschalten. Der Antrag sand die Unterstützung des Brauereibesitzers Heinrich Heller IV. und des Bauernbundes, wurde aber in der folgenden Abstimmung bei Stimmengleich­heit abgelehnt. Der Ablehnung verfiel auch ein weiterer von sozialdemokratischer Seite gestellter Antrag, in den städtischen Wohlfahrtsausschuß nur GemeinderatSmitglieder zu wählen. Die Wahl -um Schulvorstand und zu den übrigen Kom­missionen verlief etwas ruhiger. Sodann wurden verschiedene Baugesuche erledigt und eine Anzahl Unterstützungsgesuche auswärtiger ge­meinnütziger Vereine ohne besondere Debatte ab* gelehnt. Die israelitische Religions­gemeinde dahier hat sich mit einer Eingabe an den Gtadtvorstand gewandt und auSgesührt, sie hätte für ihre Kinder einen Religionslehrer engagiert, der jedoch infolge Fehlens einer ge­eigneten Wohnung seinen Dienst bis beute noch nicht hätte antreten können. Die Beschaffung blefer Wohnung sei ihnen damals von dem Bürgermeister versprochen worden. Da sie dem engagierten Lehrer pro Monat 100 Mark Ge­halt zahlen müßten, machten sie die Stadt für den entstandenen Verlust, der sich jetzt auf 500 Mark beziffere, haftbar. Der Bürgermeister stellte entschieden in Abrede, eine Zusage für das Vorhandensein einer Wohnung gemacht zu haben. Auf Grund der vorgetragenen Sachlage sah sich der Stabtvorstand veranlaßt, den gestellten An­trag abzulehnen. Der Bürgermeister brachte so­

dann den Antrag ein. der Otadtvorstand möge beschließen, daß für die Zukunft städtische F e u e r w e h r g e r ä t e zum A u 8 p u m V e n von Kellern nicht mehr zu verleihen sind. Auch anderwärts sei man zu dieser Maß­nahme geschritten, und zwar durch den Umstand, daß leicht Unreinlichkeiten. wie Sand, in die Geräte gelangen könnten, die dann die jeder« zeitige Gebrauchsfähigkeit der Geräte und somit auch die Schlagfertigkeit der Feuerwehr gefährden wurde. Der Stabtvorstand trat dem Antrag bei und beschloß gleichzeitig, der Anschaffung einer Pumpe für den genannten Zweck näher­zutreten Weiterhin gab der Bürgermeister Kenntnis von zwei Verfügungen des Kreisamtes Gießen über die Einschränkung von ß u ft« ba rlci ten und über die Festsetzung einer er« höhten Vergnügungssteuer für tarne« valistische Veranstaltungen. Der Stadtvor­stand beschloß, über die elftere Angelegenheit von Fall zu Fall zu entscheiden, und karne­valistische B-rranstaltungen in diesem Jahre überhaupt nicht zuzulassen. Infolge Beendigung der Holzhauernrbeiten im Stadttoald hat sich die Zahl der Erwerbs­losen erheblich vermehrt. Zur Zeit wer­den unterstützt 88 Vollerwerbslose mit 60 Ehe­frauen und 89 Kindern. Eine größere Zahl die­ser Erwerbslosen soll von nächster Woche an mit Rötst an dsarbeiten beschäftigt werden. Vorgesehen sind Chaussierungsarbeiten in der Amtsgerichtsstraße und der Straße am Wall. Das erforderliche Steinmaterial ist bereits ange­fahren. Durch das in dieser Woche plötzlich eingetretene Tauwetter führen Wetter und Weidgraben Hochwasser. Durch rechtzeitiges Ziehen der im Wehr der Kolnhäusermühle ein­gebauten Flutschleuse konnte diesmal ein U e b e r t r e t e n der beiden Bäche vermieden werden.

)) Lich, 29. Jan. Bei außerordentlich starker Betelligung fand heute in den Distrikten Eisen- kaute, Mönchköpfe, Schtoeinstallsheege und Eich- wald des hiesigen Stadtwaldes die zweite Brennholzversteigerung statt, die noch höhere Preise als die erste Versteigerung auf- zuweisen hatte. Es wurden geboten für Buchen» scheitholz 15 bis 20 Mk., Buchenknüppelholz 10 bis 14 Mk» Eichenknüppelholz 9 Mk., Buchen- stöcke 7,50 bis 8 Mk. und Gichenstöcke 6 Mk., alles je Raummeier. 50 Buchenwellen 12 bis 20 Mark und 50 Eichenwellen 8 Mk. Die höchsten Preise wurden da erzielt, wo die Abfuhrmöglich­keit am günstigsten war.

bs. Langsdorf, 29. Jan. In einem Rund­schreiben wandte sich das Kreisschulamt an die Gemeinden wegen Einrichtung einer Koch­gelegenheit für den obersten Jahrgang der Fortbildungsschülerinnen ab Ostern 1926. Einstimmig wurde vom hiesigen Ge­meinderat die Anschaffung e.nes Herdes und der nötigen Küchengeräte beschlossen. Jedoch war man allgemein der Ansicht, daß es praktischer und zweckdienlicher sei. wenn nicht jede Woche drei Stunden Kochunterricht stattfänden, sondern wenn ein vier- bis sechswöchentlicher Kur­sus während der Wintermonate abge­halten würde. Dann wäre es auch möglich, daß nicht mehr fortbildungsschulpflichtige Mädchen daran teilnehmen könnten.

> Dors-Güll. 29. Jan. Auch hier ist die Maul - und Klauenseuche seit voriger Woche amtlich festgestellt worden. Bis jetzt han­delt es sich nur um wenige Stallungen: doch ist zu befürchten, daß die Seuche sich noch weiter verbreitet. Die nötigen Sperrmaßnahmen sind getroffen.

> Grüningen, 29. Jan. Seit dem Aus­bruch der Maul- und Klauenseuche in unserem Dorfe sind nun schon vier Wochen ver­gangen, und noch ist an ein Ende der Seuche nicht zu denken. Kaum ist sie in einer Stallung erloschen, schon halt sie in einer andern ihren Einzug. Bis jetzt sind ihr schon drei Kühe zum Opfer gefallen. Man fürchtet, daß es immer­hin noch viele Wochen dauern wird, bis unser Dorf vollends davon befreit ist.

Kreis Friedberg.

---R i e de r - W 5 l l st a d t. 29. Januar, ilnfer nahezu 1400 Seelen zählendes Dorf baut nunmehr eine eigene Wasserleitung. Die Zuleitungsftrccke von der Quelle bis ins Dorf ist nahezu 4 Kilometer lang, die Ortsleitung er­fordert 1000 Meter Rohre. Der Wasserturm aus Eisenbeton soll 50 Kubikmeter Wasser fassen. Die Plane sind vom Kulturbauamt Friedberg ent­worfen.

Kreis Büdingen.

th. Lei dHeck en, 29. Jan. In der Ver­sammlung des hiesigen Kriegervereins wurde einstimmig dem Beschluß des Erbacher Verbandstages derHasfia" brtr.ffs Pflichtbezug des DerbandsblatteSHessischer- Kamerad" zu­gestimmt. Auch wurde beschlossen, nunmehr wieder einen monatlichen Beitrag zu erheben, da dies wahrend der Inflationszeit unterlaffen wurde. Der Rot der Zeit entsprechend wurde der Beitrag auf 20 Pf. pro Monat festgesetzt. Die Mitgliederzahl beläuft sich zur Zelt auf 22 Mann, darunter 2 Altveteranen von 1870/71. Leider stehen noch viele alte Soldaten, besonders Mitkämpfer aus dem Weltkriege, abseits von unserem Krieger verein. Rachem die Holz - macherarbeiten im hiesigen Walde beendet sind, beträgt die Zahl der hiesigen Erwerbs­los en wieder 25 Mann. Sie toerben an drei Tagen der Woche in der Gemeinde beschäftigt.

Kreis Schotten.

8 Vom hohen Vogelsberg. 29. Jan. Die Witterung im hohen Vogelsberg ist zur Zell außerordentlich mild. So ist die Temperatur heute. Freitag, morgens 10 Uhr, in Ulrichstein schon 7 Grad Celsius gewesen, für diese Jahreszeit immerhin bemerkenswert. Kein Wunder, daß man schon daSSpitz die Schar" hört.

§ Ulrichst ein, 29. Jan. Am Mittwoch ward hier der 2. Bethelfilm vorgeführt. Im überfüllten Saal von Groh war nachmittags eine Vorführung für Kinder: es waren fast ohne Ausnahme auswärtige. Die Kinder aus Ulrich­stein muhten abends in der Kirche an der Vor­führung für die Erwachsenen teilnehmen: die Kirche war sehr gut besucht. Der Film machte naturgemäß hier, wo sehr selten solche Veranstal­tungen möglich sind, tiefsten Eindruck. Der Heber» schuß betrug rund 150 Mk.

Kreis Alsfeld.

WSR. AlSseld, 29. Jan. Der Vieh­markt, der für den 1. Februar für Alsfeld angesetzt war, ist wegen Ausbruchs der Ma.il- rmd Klauenseuche verschoben toorben.

0 Erbenhausen, 29. Jan. Dieser Tag« ir uriie unsere Gemeindejagd neu verpacht^. Ihr südlicher Bezirk (am wieder in die Hand« des früheren Pächters, Kommerzienrat Wichel- Hosen von Iserlohn, allerdings diesmal zum Preis von 765 Mark gegen früher 605 Mark. Den nördlichen Bezirk pachtete Landwirt Wilhelm Krug von hier zum Preis von 470 Mark gegen 195 Mark. Die Jagd ist an sich nicht schlecht, doch muh sich ihr Wildbestand im Verlauf der Pachtzeit bedeutend vermehren, um bet solchem Preis rentabel zu fein.

Kreis L uterbach.

A Lauterbach, 29. Jan. Aus der jüngsten Stadtvorstandssitzung ist zu berichten: Als erster Punkt der Tagesordnung gelangte die Auswer­tung der Gemeindeanleihen zur Ver­handlung. Bürgermeister Walz trug hierbei zu­nächst den derzeitigen Vermögens- und Schulden­stand der Gemeinde sowie die demnächst vorzuneh- inende Auswertung vor. Nach eingehender Aus­sprache beschloß die Versammlung, in der Aufwer- tungssrage vorerst nichts zu unternepfiien- solange die Hess. Ausführungsbestimmungen nicht erschienen sind. Sobald diese Bestimmungen bekannt^egeben werden, soll die Auswertungsfrage eine baldige, für beide Teile annehmbare Erledigung finden. Ein Gesuch des Eislausvereins um Ermäßigung bzw. Erlaß der restlichen Pacht wurde genehmigt, zumal es sich im vorliegenden Falle um einen ge­ringfügigen Betrag handelt und der Verein sich auch inzwischen bereits aufgelöst hat. Die von diesem hierfür angebotene Kriegsanleihe im Nennwert von 300 Mk. soll angenommen werden. Die Ober­postdirektion Darmstadt ist an die Stadt herange- treten mit dem Ersuchen auf Beschaffung einer vor­schriftsmäßigen Autowagenhalle. Zur Unter­stellung des P o st a u t o s der Linie Freiensteinau Lauterbach sowie eines Benzolraumes zur Auf­bewahrung von Betriebsstoffen. Der Bürgermeister gab hierbei bekannt, daß sich Herr Heinr. m u m II. bereit erklärt hat, eine Scheune als UnterfteUraum sowie sein seitheriaes Benzinlager pachtweise zur Verfügung zu stellen. Es wurde beschlossen, diese zum vereinbarten Preis zu pachten. Die Pachtzeit läuft ab 1. Januar 1926. Im weiteren Verlauf der Sitzung trug der Bürgermeister die eingelaufe­nen Beschwerden der Anwohner vom See und Ka­nalstraße über Mißstände im Kanalnetz vor. Nach allgemeiner Aussprache wurde beschlossen, das Äulturbauamt Gießen als Erbauer der Anlage in dieser Angelegenheit gutachtlich zu hören Auf Anregung des Gemeinderates Maurer wurde be­schlossen. eine Verkehrskom Mission xu bil­den. In diese Kommlssion wurden gewählt die Herren Bürgermeister Walz als Dorsitzender, die Gemeinderatsmitglieder Maurer, Kunz und 0 tte r b e i n iowie Lehrer Sarnes, Dr. Kröm- melbein und Obervermefsungssekretär Rühl. Weiter w 'rde beschlossen, der Anschaffung einer Motorfeuerspritze mit dem dazu erforder­lichen Schlauchmaterial näherzutreten bzw. eine solche zu kaufen, lieber das Snstem soll demnächst die Baukommission im Einverneymen mit der Feuer­wehr Beschluß fassen. Hierauf wurde die Wei­terverpachtung des Billsteinbruches an die Mitteldeutsche Hartsteinindustrie beschlossen. Am Schluß der Schung gab der Bürgermeister eine Verfügung des Ministeriums des Innern be­kannt, wonach Maskeraden in geschloffenen Räumen in der Zeit vom 13. Februar bis einfchl. 16. Februar 1926 statthaft find. Oeffentlidje Mas­kenbälle sind nach wie vor verboten. Das ge­samte Skinnersche Anwesen am Eichberg ging durch Kauf zum Preise von 15 000 Mark in den Besitz der Stadt Lauterbach über.

[. Grebenhain, 29. Jan. Die der hie­sige Gemeinde zustehende Jagd, bestehend aus 2700 Morgen Feld und 2000 Morgen Wald, wurde auf wertere 6 Jahre verpachtet: Pächter ist Johannes Weiß- Frankfurt a. M. Die jährliche Pachtpreis beträgt 965 Mark.

Starkenburg.

WSR. Darmstadt, 29. Jan. In der ver­flossenen Woche toaren in Stadt und KreiS Darmstadt 5889 Erwerbslose vorhanden, von denen 5000 Llnterstützungsempfänger waren. Die Zahl der Zuschlagsempfänger betrug 7762.

* Darmstadt, 29. Jan. Der Hessen- fliegerverein für Luftfahrt hielt dieser Tage seine Jahreshauptversammlung ab. Der Geschäfts- und Kassenbericht wurde ge­nehmigt. Bei der Reutoahl des Vorstands- wurde Bürgermeister Müller zum Vorsitzenden toiedergewählt, zweiter Vorsitzender wurde Bank­direktor Lutz, dritter Vorsitzender Gcheimrat Prof. Gutermuth von der Technischen Hoch­schule. Für das neue Geschäftsjahr ist ein Lehr- k u r f u s über Modellflugzeugbau mit darauf­folgendem Wettbewerb in Aussicht genom­men. Ebenso soll dem Bau eines Segel­flugzeuges nähergetreten werden. Im Mai wird oer Südtoestdcutfche Rundflug Darmstadt berühren, wobei der Verein die örtliche Orga- nifation zu übernehmen hat. Wenn die wirtschaft­lichen Verhältnisse es erlauben, ist weiter im Laufe des Sommers in Aussicht genommen, einen Freiballon- sowie Fallschirmabspringer-Wettbe- werb zu organifteren Daneben beabsichtigt der Verein, an den verschiedensten Orten außerhalb Darmstadts Flugveranstaltungen zu Unternehmern In (Birte nau wurde dieser Tage dis Leiche einer Frau ausgegraben, die im Weinheimer Kranlenhause angeblich an einem Rierenleiden gestorben war. Die gerichtsärztliche Antersuchung bestätigte den Verdacht, daß dis Frau einem verbotenen Eingriff zum Opfer ge­fallen ist. In Verbindung mit dieser Angelegen­heit stehen in Birkenau mehrere Verhaf­tungen bevor.

WSR. Offenbach. 29. Jan. Rach einer Mitteilung deS städtischen Statistischen Amtes hat in der letzten Woche die Arbeitslosigkeit in erschreckendem Maße zugenommen. Am 22. Januar waren in Stadt undKreis Offen­bach 15 704 Arbeitsuchende gegen 14196 in der Vorwoche vorhanden, von denen 13 655 Erwerbs- losenunterstützung bezogen. Hauptsächlich betrof­fen sind die ungelernten Arbeiter, das Metall­gewerbe, die Portefeuiller und das Baugewerbe, während nur 17 Hausangestellte Stellung suchen.

WSR. Groß-Gerau, 29. Jan. In daS hiesige A m t s g e r i ch t s g e f ä n g n is sind we­gen Vergehens gegen § 208 des Strafgesetzbuches sechs Frauen aus Bischofsheim eingeiiefect worden.

WSR. Bensheim. 29. Jan. 3n der Su- lerfchen Papierfabrik hat fich gestern vormittag ein schauerlicher Llnglückssall ereignet. Beim Versuch, das abgerissene Papier an der großen Papiermaschine wieder in Gang zu brin­gen. geriet der Arbeiter Deichert mit den Händen in die Trockenwal-en. wodurch