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Grund zu der Erwartung, daß er die Schäftung einer breiteren Parteigrundlage vr- mSglichen werde.

Abänderung -es Mieterschutzes.

Deutscher Reichstag.

Berlin. 29 3an. Auf der Tagesordnung steht die erste Beratung eines Gesetzentwurfes zur Abänderung des Mieterschutzge- setzes. Die Borlage will die Hemmungen, die jetzt die Aufhebung des Mietverhältnisses er­schweren, in dicken Punkten beseitigen. Für Ge­schäftsräume soll die Bedingung der Zubilligung des Crsatzraumes nur in ganz besonders dringen­den Fällen beibehalten werden. Auch sonst wird dem Hauswirt die Kündigung und die Räu­mungsklage bei Zahlungsverzug des Mieters erleichtert.

Abg. Silberschmidt (Soz.j bezeichnet die Borlage als eine schwere Schädigung der Mieterintcresscn, die jetzt besonders be­denklich sei. weil die Wohnungsnot heute größer sei als im Iahre 1923. Ein so wesentlicher Abbau dcs Mieterschutzgesetzcs werde weite Volksschichten in schwerster Weise beunruhigen. Die sozialdemo­kratische Fraktion werde die Borlage ableh- n e n. Die verlange ein einheitliches soziales Mieterschuhgesetz für das ganze Reich.

Abg. Dr. Steininger (Dtschn.j. Man könne mit dem Abbau der Zwangswirtschaft nur schrittweise vorgehen. Als ein Schritt auf diesem Wege sei die Vorlage zu begrüben. Das Hindernis für die Behebung des Woh­nungsmangels sei die abnorme Höhe der Baukosten. Im Ausschuß mühten die Be­denken geprüft werden, die gegen den vorliegen­den Gesetzentwurf vorgebracht werden.

ReichSarbcitsminister Dr. Brauns wendet sich gegen einzelne Ausführungen des Abgeord­neten Silberschmidt. Die Vorlage sei in einer Zeit ausgearbeitet worden, als die Rotlage nicht so groh war wie heute. Bei den Ausschuhbera- tui.gcn werde die gegenwärtige Rotlage berück­sichtigt werden müssen. Am 1. April 1927, wenn den Ländern und Gemeinden das steuerliche Zu­schlagsrecht wiedergegeben wird, werde auch eine Revision der ganzen Wohnungswirtschaftsgeseh- gebung eintreten können.

Abg. Deythin (Dt. Vp.) begrüßt die Vor­lage als einen Anfang zum Abbau der Wvhnungszwangswirtfchaft. Die ge­genwärtige Rotlage werde nicht ohne Einfluß auf die weiteren Beratungen der Vorlage sein, aber es müsse auchdieRotlage derHaus- b e s i h e r berücksichtigt werden. Der vorliegende Gesetzentwurf sei zu begrüßen, aber auch er bedeute nur einen unzureichenden Schuh der Hausbesitzer. Im Wohnungswesen könne erst Besserung geschaffen werden durch die völlige Beseitigung der Zwangswirtschaft.

Abg. Seiffert (Völk.): Das Bürokratische System der Wohnungszwangswirtschaft habe total versagt und die Wohnungsämter sollten be­seitigt werden. Auf der andern Seite müsse aber ein Mieterschutz bestehen bleiben, der es un- müglicht macht, daß ein Mieter vom Hauswirt willkürlich aus der Wohnung gesetzt werden kann. Iedem Deutschen müsse gesetzlich der Anspruch aus eine Wohnung gewährleistet werden. Die vielen ausländischen Hausbesitzer mühten gezwungen werden, ihre Häuser zu einem gleichen Spottpreis an die Dorbesitzer zurückzu­geben, den sie in der Inflationszeit gezahlt

Abg. Tremmel (Z.) weist auf die immer noch furchtbare Wohnungsnot hin, die beson­ders die Arbeiterfamilien in verhängnisvoller Weise treffe. Gegenwärtig sei der gesetzliche Mieterschutz noch nicht zu entbehren. Die für die Hausbesitzer entstehenden Härten mühten beseitigt werden. Der vorliegende Gesetzentwurf zeige den Weg dazu, und im Ausschuß müsse daran gearbeitet werden, die Interessen der Mie­ter genügend schützen.

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 29. Ian. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags setzte heute seine Bera­tungen bei Kapitel 5 (Draunkvhlenberg- werk und Kraftwerk Ludwigshoffnung, Kraftwerk Wölfers heim usw.s fort. Es wur­den viele Fragen an die Regierung gerichtet, u. a. auch über den Anschluß an das Weserwerk, ferner über das Verhältnis der Werke zu Pro­vinz und Staat. Eine Vorstellung der Bergar­beiter (Wirtschaftsbeihilfe) wurde für erledigt erklärt. Die Einkaufs stelle wurde von der Regierung für begründet erachtet, weil die Preise für die Kolonialwaren dort beträchtlich höher sind als in Friedberg: die Regierung leistet aber keinen Zuschuh zu der Ginkaufsstelle. Don verschiedenen Seiten wurde gefordert, dah die Erträge der Werke höher werden mühten: die Regierung erklärte dazu, das werde der Fall fein, wenn das Kraftwerk mit neuen M a s ch i n e n a u s g e st a t t e t ist. Abg. Kindt beantragte, den Erneuerungsstock beim Kraft­werk Wölfersheim um 176 390 Mark zu kürzen und den Betrag der Summe zuzufügen, die an die Hauptstaatskasse abgetiefert werden soll. Die Re­gierung hatte hierfür 120 000 Mark vorgesehen. Für den Erneuerungsfonds werden also nur noch 100 000 Mark übrig bleiben. Der Antrag wurde abgelehnt. Ein Antrag Dr. Leucht- gens will: a) vom Braunkohlenbergwerk Lud- wigshosfnung 100 000 Mark als Gewinn an die Staatskasse abüefem (die Regierung hat nichts eingestellt): b) ferner als Gewinn aus dem Wöl­fersheimer Kraftwerk 200 000 Mark einstellen. Bei der Abstimmung wird der erste Teil des Antrags mit 6 gegen 6 Stimmen abgelehnt und der zweite Teil mit 7 gegen 6 Stimmen ange­nommen. Die Minderheit behielt sich vor, die Anträge dem Plenum erneut zu stellen. Das Kapitel wurde hierauf genehmigt.

Preußischer Landtag.

Berlin, 29. Ian. Der Landtag setzte die allgemeine Besprechung des Haushalts für 1926 fort. Der kommunistische Abg. Pieck wies auf die täglich wachsende Zahl der Arbeitslosen hin, die jetzt schon über 5 Millionen betrage. Hierbei tarn es zu lebhaften Auseinander» fetzungen zwischen den Kommunisten und den Sozialdemokraten. Ein kommunistischer Abqeord- neter zog sich einen Ordnungsruf des Präsiden­ten Barthels zu. weil er mit einer Broschüre nach den Sozialdemokraten gewor­fen hatte. Der demokratische Abg. Falk be­tonte, dah endlich mit der großen Vermal»

tungsreform Ernst gemacht werden müsse, um zur Beseitigung des staatlichen Haushalts­defizits beizutragen. Finanzminster Dr. Hoep- ker-Aschoff erklärte, dah die Gesundung der Finanzen, die nach der Inflationszeit herbei­geführt worden sei, in einem gewissen Um- ange auf Kosten der Wirtschaft her­beigeführt worden sei. Aber das sei wohl auch notwendig gewesen. So könne aber auch der Staat etwas für die Wirtschaft tun und bie Steuerlasten einschränken. Natürlich könne es nicht 'Aufgabe des Staates fein, der Bankier der Wirtschaft zu sein.

Die Reichsfinanzverwaltung.

TU. Berlin, 29. Ian. Die Präsidenten sämtlicher Landesfinanzämter sind im Reichsfinanzministerium zu wichtigen Beratungen, besonders über die Organisation des Buch- und Betriebsführungsdienstes zusammengekommen. Reichsfinanzminister Dr. Reinhold wies in seiner Begrüßungsansprache auf die Verdienste und die schwierige Aufgabe der Beamtenschaft der Reichsfinanzverwaltung hin. Der Minister erklärte, dah bei der Lage des Reiches den ein­zelnen schwere Steuer la stennicht er­spart werden könnten, daß jedoch die Belastung des einzelnen Steuerzahlers so stark wie möglich eingeschränkt und vor allem in der Heber« gangszeit Härten, die wirtschaftlich un­tragbar sein würden, in einzelnen Fallen gemildert werden mühten.

Ein neuer Fememordprozetz.

B e r l i n, 30. Ian. (SAL) Dor dem Schwur­gericht des Landgerichts 3 in Moabit wird Mon- tag unter der BezeichnungGegen Schier­baum und Genossen" ein neuer Feme- mordprozeß beginnen, dessen Gegenstand die von Angehörigen der sogenannten schwarzen Reichs- toefjr in Döberiy beruhten Morde bilden. Rach den Ermittlungen der Berliner Kriminal­polizei soll im Iahre 1923 auf dem Truppen­übungsplatz Döberitz ein Schütze Pannier auf Befehl des Führers der sogennten schwarzen Formation in der Rahe des Franzerbusches hin­terrücks mit Eisen st angen erschlagen und in einem Birkenwäldchen verscharrt worden sein. Die Anklage nimmt an, daß in der schwar­zen Reichswehr eine besondere Femeorga­nisation bestand, deren Führer in der Haupt­sache der schon in ähnlichen Fallen genannte, Oberleutnant Schulz war. Don dieser Organi­sation sollen alle Angehörigen der schwarzen Reichwehr, die im Verdacht der Spitzel standen, mi t Wissen der Vorgesetzten ermor­det worden sein. An der Ausführung der Morde soll in erster ßinie ein Feldwebel Klapproth beteiligt gewesen fein. Außer dem Fall Pärnuer werden den 14 Angeklagten, noch zahlreiche weitere Fememorde zur Last gelegt. Mehrere Angeklagte sind der Anstiftung, Be­günstigung und Mitwisserschaft beschuldigt.

Das englisch-italienische Schuldenabkommen.

London, 29. Ianuar 1926.

Die Fundierung der Italien is ch e n Schuld an Großbritannien zu für Italien äu­ßerst günstigen Bedingungen ist ein Ereignis von überragender Bedeutung, dessen Tragweite erst an Hand der künftigen polittschen Entwicklungen voll ausgemessen 'werden kann. Rein finanziell bedeutet das Fundierungsabkommen einen gro­hen italienischen Erfolg, der von briti­scher Seite nur damit gerechtfertigt werden kann, dah sofortige, wenn auch geringere Iahreszahlun- gen Italiens vom britischen Schatzamt zur Ent­lastung seines Budgets dringend benötigt werden und etwaigen höheren künftigen Zahlungen vor­zuziehen sind. Wirtschaftlich wird auf englischer Seite von dem finanziellen Zugeständnis an Ita­lien eine Förderung des britischen Auhenhandels nach Italien und damit der britischen Industrie erhofft. Am wichtigsten ist jedoch die politische Seite der Regelung, auf die hier auch offen der Hauptton gelegt wird.

Welches sind die politischen Vorteile, die die britische Regierung bewegen konnten, Italien fi­nanziell so außerordentlich weit entgegenzukom­men? Zunächst wird, allgemein gesprochen, in der Tatsache der Fundierung der italienischen Schuld an Großbritannien ein merklicher Fortschritt in der Stabilisierung der europäischen Lage gesehen, die das Hauptziel der britischen Außenpolitik ist. Von noch größerer Bedeutung ist jedoch für die britische Regierung die dadurch hergestellte Festigung der englisch-ita­lienischen Beziehungen. Von dem finan­ziellen Erfolg der italienischen Kommission wird eine Konsolidierung der Stellung Mussolinis erwartet, die auf seine künftige Haltung in Fragen, die beide Länder inter­essieren, nicht ohne Einwirkung fein kann. Diese Fragen gruppieren sich vor allem um das Mit­te 1 rn e e r.

Auf englischer Seite wird erwartet, daß das Italien bewiesene Entgegenkommen in der Cchuldenfrage eine Alnterstüyung der britischen Politik gegenüber der Türkei, in Aegypten, sowie in Tanger zur Folge haben wird. Cs wird auch nicht verheimlicht, daß bei der vor dem Zustandekommen der endgültigen Regelung ftattgefimbenen Erörterung der politischen Seite des Abkommens auch die russische Frage behandelt wurde, und daß jetzt auch in dieser Frage durch die künftige Politik Italiens Aus­sicht besteht, daß die Sowjetregierung infolge Beseitigung ihrer etwaigen Hoffnung auf Tren­nung beider Länder einer vernünftigeren Haltung gegenüber Großbritannien näher gebracht wird.

Während daher das englisch-italienische Fun­dierungsabkommen auf den ersten Blick als ein finanzieller Erfolg Italiens erscheint, kann es zugleich als ein politischer Er­folg Englands gebucht werden, dessen Früchte jedoch erst mit der Zeit auf diplomatischem Gebiet reifen und voll in Erscheinung treten werden. Zugleich darf nicht die Wirkung ver­gessen werden, die das Zustandekommen dieser Regelung auf die Fund ierung der fran- z ö s i s ch e n Schuld an Großbritannien haben wird. Es ist anzunehmen, dah bei einer künf­tigen Fundierung dieser Schuld an Großbritan­nien genau dieselben Grundsätze maßgebend sein werden, und daß etwaige finanzielle Zugeständ­nisse Englands vollauf durch polittsche und diplo­matische Gegenwerte ausgewogen werden.

Trotz der vom Organ der A r b e i t e r p a r tei am englisch-italicnitchen Fundierungsabkommen geübten scharfen Kritik ist kaum anzunehmen. dah das Abkommen von der Arbeiterpartei tm Unter­

Haus heftig bekämpft werden wird, well sich die getroffene Regelung im Rahmen der von der Labour Party verfolgten Politik bewegt, und well seine Nachteile für die britischen Ginkom­mensteuerzahler nicht unmittelbar die Wähler ber Arbeiterpartei treffen. Im Parlament wird aber die Regierung mit der Verteidigung dieses Abkommens angesichts der politischen Vorteile dieser Regelung, die sie voraussichllich anführen wird, und vor allem angesichts ihrer erdrücken­den Mehrheit leichtes Spiel haben.

Die schärfste Kritik ist wohl von Lloyd George zu erwarten, der auch das seinerzeitige Entgegenkommen Baldwins gegenüber den Ver­einigten Staaten stets angreift. Lloyd Georges Stellung freilich hat durch den Austritt Sir Alfred Monds aus der Liberalen Partei, ber hier größtes Aussehen erregt hat, einen nicht geringen Schlag erhalten. Der Uebergang Monds ins konservative Lager kann nicht ohne Einfluh auf den künftigen Parteikampf fein, da die Konservative Partei nicht nur durch Monds aner­kannte parlamentarische Fähigkeiten, sondern auch durch seine bisher der liberalen Parteikasse in weitem Maße zugeflossenen Beiträge bereichert werden wird.

Kleine politische Nachrichten.

Der Ausschmückungsausschuß des Reichstags hat beschlossen, durch Aufstellung von Schablonen in den Rischen der Kuppelhalle die Ausstel­lung von Büsten der Reichspräsi­denten praktisch auszuproben. Ferner soll ein zum Kauf angebotenes Gemälde, das Danzig in 2lbendstimmung darstellt, versuchsweise noch in einem helleren Raum des Reichstages aufgehängt werden.

Der auswärt ige Ausschuß des Reichs­tages ist zu einer Sitzung auf Mittwoch. 3 Febr. einberufen worden. In dieser Sitzung wird Reichs- auhenminister Dr. Stresemann die in seiner Rede am Donnerstag angekündigten näheren AM- teilungen über die Rückwirkungen von ßoeamo machen.

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Die Rheinlandkommission hat eine weitere Anzahl schon vor mehreren Iahren ausgesproche­ner Ausweisungsbefehle zurückge­nommen. Al. a. haben die Rückkehrerlaubnis erhalten: Oberbürgermeister Dr. Gläffing Gymnasialdirektor Dr. Maurer, der Geschäfts­führer der Deutschnationalen Partei Weppen, Polizeipräsident Krause, Polizeidirektor Dr. Thon und Polizeirat Streibelein, sämt­lich früher in Wiesbaden, ferner Buchdrucker ei- besitzer ßattreuter in Rier stein, Oberbürger­meister Dr. I a n k e und Beigeordneter Dr. H o g, beide früher In Höchst.

Nach Einholung ber Fahne vom Kommandan- turgebäube hat ber letzte französische Posten die Stabt Siegburg verlassen.

Am Freitagabend ging ber erste Transport der für bas Ruhrgebiet bestimmten Beamten ber Ber­liner Schutzpolizei ab. Der Transport, ber für Düsseldorf bestimmt ist, bestand aus zwei Bereitschaften in Stärke von 180 bis 190 Mann und deren Führern. Als nächste Stadt wird wahr­scheinlich Köln in Frage kommen. Am Nachmittag hatte eine kurze Abschiedsfeier stattgefunden, bei der Minister Severing eine Ansprache hielt.

Der amerikanische (Senat hat die Vorlage bewilligt, die 50 000 Dollar für die Vertretung der Vereinigten Staaten auf der vorbereitenden Abrüstungskonferenz'in Genf vorfieht. Da das Repräsentantenhaus bereits am 18. Ian. der Vorlage zugestimmt hatte, hat die Teilnahme Amerikas an den Genfer Verhandlungen somit die nötige Bewilligung der gesetzgebenden Kör­perschaften.

Rach einer Meldung aus Riga hat die Sowjetregierung den Metropoliten Pe­ter, den Rachfolger des Patriarchen Tichon, ins Gefängnis geworfen mit der Be­schuldigung, dah er antibolschewistische Propa­ganda treibe.

Kunst und Wissenschaft.

Der Reichskanzler aus der Corinth-Ausstellung.

Berlin, 29. Ian. (SU) Reichskanzler Dr. Luther hielt heute mittag bei Eröffnung der Abstellung von Gemälden von Lovis Corinth in der Rationalgalerie eine Ansprache, in der er einleitend darauf hinwies, daß die Kultur im Deutschen Reiche in der Hauptsache Ange­legenheit der Lander sei, daß das Reich sich aber auch dafür interessiere. Der Kanzler führte u. a. werter aus: So sehr gerade in Zeiten, wie den heuttgen, das Politische und Wirtschaftliche im Vordergrund steht, so wollen wir doch nicht ver­gessen, das sich das eigentlich Menschliche vielleicht besonders stark in den Dingen der Kultur auswirkt und daß wir uns ein Leben unseres Volkes, ja ein Leben der Mensch­heit ohne scharfe innere Verhältnisse zu Kunst und Kultur überhaupt nicht zu denken vermögen. Das ist schließlich auch der Titel, unter dem ich als deutscher Reichskanzler diese Ausstellung von ganzem Herzen begrüßen darf, alseinenAus- druck gemeinsamen deutschen kultu­rellen Wollens, wie es auch bei anberen Gelegenheiten in der preußischen Rationalgalerie immer versucht und verwirklicht worden ist. Sicher­lich gerade die Kunst ist eine der stärksten Brücken von Volk zu Volk. Durch das Leben von Lovis C o r i n t h ist ein schwerer Bruch gegangen. Er hat das Schicksal einer schweren Krankheit erfahren, die manchen anderen zur Strecke gebracht hätte. Er aber hat bie Kraft wiedergefunden, er hat aus anderer Grund­lage unter ganzer Einsetzung seiner Person weiter- geschaffen und wir wissen, daß auch nach den Iahren seines gesundheitlichen Zusammenbruches Meisterwerke aus seiner Hand entstanden sind. Diese prachtvolle Einstellung zum Leben, diese Bejahung zum Leben, auch dann, wenn Hindernisse eintreten, muß uns für das deutsche Volk ein Vorbild sein. Wir tragen eines schweren Krieges Last. Durch das Leben des deutschen Volkes ist auch ein schwerer Bruch ge­gangen. Darum dürfen wir aber keinen Augen­blick verzagen, sondern wir müssen, wie Lovis Corinth es tat, die Kräfte unser er S eele, alles was uns geblieben ist, zusammenfas - s e n, um zu arbeiten und zu schaffen und alles für uns selbst und die Welt darzustellen, was wir

barzustellen imstande sind. Das Leben des ein­zelnen Menschen vergeht, das Volk aber bleibt, daS Volk bleibt dauernd und dauernd bleibt die deutsche Kunst.

Funde aus der Steinzeit.

In i>en Höhlen des Hexentales im Schwarzwald, die der Dolksmund die Teufelskü- chen nennt, hat Dr. Zetz vom Geologischen In- ftitut der Universität Freiburg Wohnstätten des Diluvialmenfchen gesunden, die vor 25 bis 30 000 Iahren bewohnt wurden. Die in der bis jetzt erforschten Kulturschicht gefunde­nen Knochenreste stammen aus der eiszeitlichen Fauna. Die gefundenen Feuersteinwerkzeuge ge­hen in die Taufende.

Schafft Musierbibliotheken!"

lautet ein Preisausschreiben, das der Verlag Philipp Reclam jun. in Leipzig erläßt. Darin toerben alle Freunde guter Bücher aufge­fordert, aus ihrem eigenen Interesfenlveife her­aus eine Art Ideal-Bibliothek aus Reclam- Banden zusammenzustellen, bereu ^Auswahl kei­neswegs Don zu hoher literarischer Warte aus getroffen, aber in sich geschlossen, für den Lebenskreis ihres Urhebers kennzeichnend und überzeugend fein soll. Als Preise sind ganze Bibliotheken und eine große Anzahl von Ein­zelwerken nach eigener Wahl ausgesetzt. Es han­delt sich also gewissermaßen darum, einen idealen Wunschzettel aufzustellen. Alles Rähere über das eigenartige Preisausschreiben finden unsere Leser in dem soeben erschienen Heft 1 des neuen (13.) Jahrgangs des »Bücherfreund", Blätter für die Freunde von Reclams Aniver- sal-Diblivthel.

Hochschulnachrichten.

Der Reichskanzler an die akademische Jugend.

Berlin, 30. Ian. ($11.) Reichskanzler Dr. Luther hatte es in später Abendstunde möglich gemacht, zu seinen akademischen Bundes- r übern, die in der Philharmonie beim Reichs­kommers des Akademischen Turnbundes versammelt waren, auf kurze Zeit zu kommen. Mit lebhaftem Beifall begrüßt, erhob er sich so­fort zu einer kurzen Ansprache. Trotz allem, was wir zu tragen haben, so sagte er, müssen wir äußerlich und innerlich doch ein starkes und frohes Bekennen zum Leben ha­ben. Ie mehr und länger mich das Schicksal dazu ausgesucht hat, immer wieder an verschie­denen leitenden Stellen zu stehen, umsomehr bin ich davon durchdrungen, daß unser alter Turngedanke ein wesentliches, unwegdenk- bareS Stück unseres Bollslebens geworden ist. An euch, junge Akademiker, möchte ich mich wenden, auf euch kommt es an. Wir dürfen in unfertn Leben nie die Geduld ver­lieren. Wir muffen uns gegenwärtig halten, daß Der Schicksalsweg, der uns vorgeschrieben ist, voll Mühfale ist und nur langsam vor­wärts führen kann. Wir müssen unsere Un­geduld bändigen und ihr Jungen die deutschen Gedanken, die wir Alten für richtig halten, toeitjert ragen und f 5 r der n im Sinne des Akademischen TurnbundeS.

Ein neuer Darmstädter Ehrendoktor.

Rektor und Senat der Technischen Hoch­schule in Darmstadt haben dem Geheimen Dau- rat Dr. Hermann Görtz in Siemensstadt bei Berlin in Anerkennung seiner Verdienste um die Elektrotechnik und insbesondere um bie Forderung ber deutschen Elektrotechnik und Wis­senschaft im Ausland?, bie Würbe eines Dr. ing. ehrenhalber verliehen.

Ein Lehrstuhl

für Deutsch an der Universität Amsterdam.

Amsterdam, 27. Jan. (WTB.-Funkspruch.) Der Magistrat hat der Stadtverordnetenversamm­lung einen Antrag der Kuratoren der Amsterdamer Universität zugehen lassen, der Niederländisch-deut-- scben Vereinigung, die Errichtung eines besonderen Lehrstuhles für U n t e r r i ch t i n d e r d e u t s ch e n Sprache und Literatur an der Amsterdamer Universität zu bewilligen. Der Magistrat befürwor­tet? den Antrag.

Aus aller Wett.

Vier Kinder ertrunken.

Ein Knecht, der bei Freyung in Riederbayern Gis abfubr, sand in einem Dach vier er­trunkene Kinder im Alter von 3^ bis 5 Iahren auf, die wahrscheinlich auf dem Eise ge­spielt hatten und eingebrochen waren.

3m Eise der Ostsee.

Rach Mitteilung der Leuchtschiffstation Kokskaer befindet sich der DampferUndine , der seit über einen Monat im Eise blockiert ist, in sehr kritischer Lage. Es besteht die Gefahr, bah bie Schiffswande unter dem Druck ber sie umschließenden Eismassen brechen. Der estnische Derkehrsminister hat bie Entsen­dung von Eisbrechern genehmigt, falls russische Hilfe nicht zu erlangen fein sollte.

Die Kälte in den Vereinigten Staaten.

Der strenge Frost in den Vereinigten Staaten hält weiter an. In Neuyork werden 17 Grad Kälte gemessen. Heber das ganze Land braust ein O r k a n mit einer Geschwindigkeit von 80 Meilen in der Stunde. In Duluth (Minnesota) sank das Thermo­meter auf mehr als 34 Grad unter Null. Die Niagarafälle sind auf der den Vereinigten Staaten zugekchrten Seite vollkommen vereist.

Erfroren.

Erfroren ausgesunden wurde in der Rähc von Meschenbach bei Koburg der 68 Iahre alte Rentner Karl Dehler. Der Mann wurde vorige Woche vom Schneesturm überrascht und suchte unter einem Weidenbaume Schutz. Dabei scheint er eingcschlasen und erfroren zu sein. Die Schneeschmelze hat die seither verschneite Leiche

Wettervoraussage.

Wolkig, nachts Temperaturen um Rull, tags­über milde, meist trocken.

Mit Ausnahme des äußersten Ostens gingen in ganz Deutschland gestern leichte Regenfälle nieder, während die Temperaturen nachts um den Gefrierpunkt lagen und tags leicht anstiegen. Unter dem Einfluß des inzwischen in unserem Bezirke erfolgten Druckanstieges steht zunächst geringe Aufbesserung bevor.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 8, Minimum 2 Grad Celsius. Riederschläge: 2,4 Millimeter Heutige Morgentemperatur: 2,9 Grad Celsius.

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