Ausgabe 
29.11.1926
 
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Alle Wege in Rom...

Don Gustav W. E b L r l e i n.

Alle Wege in Rom führen zur Hölle.

Der Weg zur Hölle ist mit Straßenkreuzungen gepflastert, aus denen sich die guten Vorsätze des Crdenpllgers in greuliche Flüche verwandeln, ilcbcigenä, wer hat hier schon einen Menschen pilgern sehen? Das Fluchen muß im Springen besorgt Werbern Wenn es einen Gott des Ver- kehrS gibt, wird er beide Augen zudrücken.

Die Straßenkreuzung besteht in der Haupt­sache aus der Dia Tritone und der D a Due Macelli. Offenbar handelt es sich um symbolische Namen. Die Txitonen sind bekanntlich zumDrüllen da und due macelli, das heißt entweder zwei Schlachthäuser oder doppeltes Gemetzel. 3a, so heißt es. Die italienische Sprache ist sehr bilderreich.

3n das Schlachthäusergemetzel münden noch andere Strome, Wege, Treppen und Saumpfade ein, so daß es schon besser wäre, von einer Kreuzspinne oder einem Tausendfüßler zu sprechen, der durch irgendeinen Anfall seine Be° megungsinstrumente durcheinandergebracht hat. 6in Derkehrsfluh stürzt von der Höhe der Via Sist ina herunter, eine Springflut steigt von der Tiefe des Korso herauf. 3n Liesen Tagen wurde dec Zu­sammenprall derart heftig, daß der Gouverneur die Straßenbahnen, die zu Mussolini hinunter» fuhren, kurzerhand verbot. Dafür hat man, um auch den Sterblichen gerecht zu werden, eine Lramschleife geschaffen und sie mit dem Helden­mut. der die neue Generation auszeichnet, in jene Straße verlegt, die so breit ist, daß zur Not zwei Tramwagen nebeneinander vorbeilaufen können, wenn dabei die Fußgänger zu ornamen­talen Reliefs an die Wand gedrückt werden. Auch wurden Inseln in die Brandung hineingebaut, und sogar ein Verkehrspolizist ist da. Rar daß halt niemand auf ihn merkt. Das ist alles römisches Recht.

sie das Gegenteil bon Sparsamkeit zur Folge gehabt haben. Diese Anträge seien übrigens nur auf die Massen berechnet gewesen, denn die 'Antragsteller hätten ja für die Durchführung .e ne Verantwortung zu tragen gehabt. Der Redner nahm dann weiter Stellung gegen das WortEeschüstsaussicht" über Hessen und mqchte dabei den Rechtsparteien in indirekter Form Landesverrat" zum Vorwur'. Die Regierungs- loalition habe nach Möglichteit dem Verlangen nach Steuersenkung entsprochen: Hessen habe übri­gens noch nicht die höchsten Steuern im Reiche. Es sei wohl zu hoffen, daß im nächsten 3ahrc weitere Erleichterungen gewährt werden könnten. Wenn vom Reiche geholfen werde, könne 1927 wohl auch ein Haushalt ohne Fehlbetrag erzielt werden. Das Zentrum trage die Verantwortung für die bisherige Politik der Regierungsparteien, dabei auch für die Finanzwirtschaft mit, und dementsprechend verhalte es sich gegenüber dem Volksentscheid am 5. Dezember. Es lehne den Volksentscheid ab. Der Vortrag fand die leb­hafte Zustimmung der Dersammlu ig. Anschließend fand noch eine kurze Aussprache statt.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

CO Klein-Linden, 28. Nov. Am heutigen Sonntag, 1.Advept, hielt Pfarrer Ackermann Hierselbst seine Abschiedspredigt. Er verläßt uns in diesen Tagen, um eine Pfarrstelle in Nor d- heim im Ried anzutreten. Rund fünf Jahre hat er die hiesige Pfarrassistentenstelle versehen. Der Weggang des beliebten Seelsorgers wird allgemein bedauert. Dies zeigte auch der starke Besuch des heu­tigen Gottesdienstes. Der P o s a u n e n ch o r und der Kirchengesangoerein, beide unter Lei­tung von Herrn Germer, verschönten die Feier durch ihre Mitwirkung.

n. Großen-Linden, 27. Nov. 3m Schaumschen Saale dahier wurde das kirch­liche F e st s p i e lLuther" von Dr. Her - rig aufgeführt. Die Nachmittagsvorstellung für Kinder war gut besucht, da auch aus Hörnsheim und Lützellinden Schulkinder erschienen waren. Die für Erwachsene vorgesehene Abendvorstel­lung hätte besser besucht fein können.

lsi Lollar, 27. Nov. Dec Kassenraum des Gemeinderechners und der Sit­zungssaal des Gemeinderats waren bisher in räumlicher Hinsicht sehr unzureichend. Durch Freimachung einer Wohnung im Ge­meindehaus ist es nunmehr möglich geworden, der Gemeindete sse ein weiteres Zimmer zur Ver­fügung zu stellen und zwei andere Zimmer zur Erweiterung des Sitzungssaales zu verwenden. Auf diese Weise konnte den dringendsten Dedürf- itifjen Rechnung getragen werden.

zr Daubringen, 28. Nov. Gestern -und heute fand im GasthausZum blauen Hecht" die 3. Kreis-Kaninchen- und Geflügel- ausstellung des Kreisverbandes Gießen statt, die reichlich beschickt war. Die Preisverteilung hatte folgendes Ergebnis: 1. Abteilung, K a - ninchen- Hasen, Siegerehrenpreis 3channes Merle, Alsfeld. Belgische Riesen, Ehren­preis, Wilh. Opper, Daubringen; Georg Glitsch, AlSseld. 3. Preis Georg Weicker, Leusel. Weiße Riesen, Ehrenpreis Karl Hermann, Alt-Hatten- borf; 1. Preis G. Schellhaas, Gießen; 3. Preis G. Schellhaas, Gießen; Karl Fleischer, Gießen. Deutsche Widder, 2. Preis Karl Reih, Stockhausen; 3. Preis Karl Reitz, Stockhausen. Groß-Silber, Ehrenpreise Otto Aff, Stan­genrod; Wilh. Georg, Stangenrod. 1. Preis Karl Bock. Stangenrod. Klein-Silber (schwarz). Ehrenpreise Wilh. Opper. Saubringen; Harig, Gießen. 1. Preis Otto Steih, Gießen. 3. Preis Heinr. Wagenbach, Daubringen; Ludw. Klingelhöf er, Daubringen; Wilh. Opper, Dau­bringen; Georg Schellhaas, Gießen. Klein- Silber (gelb), 2. Preiö Karl Opper, Dau­bringen. Blaue Wiener, Siegerehrenvreis 3oh. Merle, Als selb. Ehrenpreis 3oh. Merle, Lllsseld. 1. Preis Gg. Schellhaas, Gießen; 3oh. Merle, Alsfeld. 2. Preis Karl Heunobel, Stan­genrod. 3. Preis Gg. Schellhaas, Gießen; 3ph. I Merle, Alsteld; Karl Heunobel. Stangenrod. . Weiße Wiener, Ehrenpreis Karl Kirchner, 5" Gießen. 2. Preis derselbe. 3. Preis derselbe. Havanna, 2. Preis 3ohannes Appel. Gießen. '-Häsen-Kaninchen, 3. Preis Wilh. Wal­ther 11., Daubringen. Marburger Feh. Ehrenpreis R Glagow, Gießen. 2. Preis Karl Melius, Gießen. Schwarzloh. Ehrenvreis Ludwig Kreiling, Gießen. 2. Preis Ludwig Krei­ling, Gießen. Hermelin, Ehrenpreis Fritz Mahr, Daubringen. Für 3 u n g t i e r e in den benannten Rassen erhielten Ebreittnteife August

Weicker, Leusel; Heinrich Kraushaar, Daubrin­gen: Wilhelm Opper, Daubringen; 3ohannes Nikolai, Gießen. 1. Preise Wilhelm Opper, Dau­bringen: R. Glagow, Gießern 2. Preis Wilhelm Walther 12., Daubringen; Wilhelm Fuchs, Dau­bringen. 3. Preis Karl Reitz, Stockhausen; Karl Fleischer. Gießen; Freiherr v. Rotsmamp Dotzen- rod. Meerschweinchen, 3. Preis Emil Wal­ther, Daubringen. Produkte aus Kaninchenzucht, wie Damenlragen. Vorlagen, Pelzgarnitur, Bett­vorlagen, sowie ein Fellspanner wurden eben­falls prämiiert und fanden lobende Anerkennun­gen. 2. Abteilung. Geflü g ei, Siegerehren­preis Wilhelm Frey. Badcmburg. Gelbe Ita­liener 2. Preis W. Freh, Dodenburg. 3. Preis Heinrich Walther 5., Saubringen; Wilh. Freh, Badenburg. Houdan-Hühner. Ehrenpreis Karl Reitz, Stockhausen. Rebhuhn farbige 31 a l i e n c r, 3. Preis Ludwig Klingelhofer, Daubringen. Hamburger Silberlack, Ehrcnpreis un> 2. Preis Heinrich Schäfer, Dau­bringen. japanische Seiden h äh ne, Ehrenpreis Adolf Lind, Stangenrod. L a n g» schan Zwerge. 2. Preis derselbe. Schwarze Zwerg-W handotten, Ehrenpreis und 3. Preis Heinrich, Hofmann, Daubringen. Mille -Fleur-Zwerge, 1. Preis Karl Reih, Stockhausen. Tauben, Ehrenpreis Lud­wig Schäfer in weißen Brieftauben, blau ge­hämmert. 2. Preis, weiße Brieftauben - La- molten, Wilhelm Geißler, Daubringen. Wasser­geflügel. Rehfarbige 3ndische Lauf­enten, 2. und 3. Preis Heinrich Fuchs, Dau­bringen. Die Ausstellung wies einen recht zahlreichen Besuch auf. Die den Ausstellern zu­gesprochenen Preise waren meist Gegenstände des täglichen Bedarfs und fanden allgemein Anllang. Eine kleine Verlosung schloß sich an.

z. Allendorf a. d. Lda., 27. Nov. Der Sohn des Müller.' Frey, Heinrich Frey, aus der Magermühle, geriet beim Schmieren des Mühlwerkes in ein K a mm r a d, das ihn am Ae rm e l erfaßte. Außer einigen Haut­schurfungen wurde ihm der Arm gebrochen. Nur dem älmstande, daß seine Mutter anwesend war und sofort das Mühlwerk aEl­fte 111 e, hatte er es zu danken, daß größeres älnheil verhütet wurde.

hn. Rüddingshausen, 27. Nov. Dieser Tage kam der K o ch k u r s u s, der hier von Frl. M u t s ch e e r abgehalten wurde, zum Ab­schluß. Er wurde besucht von 14 fortbildungs­schulpflichtigen Mädchen und sechs anderen frei­willigen Teilnehmerinnen. Am letzten Tage waren Eltern und Schulvorstand zu Kaffee und Kuchen in der Wirtschaft Lang eingeladen. Dabei wurde der Leiterin von feiten der Gemeinde und des Schulvorstandes dpr Dank ausgesprochen. Der­selbe sechswöchige Kursus findet nun in Wei­er s h e i n statt.

d) Rüddingshausen, 27. Roo. Unsere zur defiiiitipen Besetzung ausgeschriebene Lehrer­ste l l c. um die sich nahezu zehn Lehrkräfte be­worben hatten, wurde dem Schuloerwalter Becker (Allertshausen) übertragen. Schulverwalter Hech­ler, der mit der Veriehung der durch den Weg­gang des Lehrers Lotz freigewordenen Lehrerstelle betraut war, wurde nach Allertshausen versetzt. Un­sere Gemeinde sieht Herrn Hechler, der sich großer Beliebtheit erfreute, ungern scheiden.

t ©rünberg, 27. Nov. Der Gemeinde- r a t genehmigte in seiner jüngsten Sitzung der Deutschen Petroleumverkaufsgesellschaft auf Wieder­ruf die Errichtung einer Tankanlage beim Ho­tel Hirsch. Die A u s ä st u n g von etwa 2 0 0 starken Eichen im Stadtwalde wurde dem Karl Buß von hier für 1,90 Mk. je Stück übertragen. Den Berkaus des eichenen Stamm­holzes aus der vorjährigen Fällung im Stadt­wald soll der Bürgermeister vornehmen. Die N e u f e st s e tz u n g der Miete in dem ft ä b 11= s che n Wohnhaus wurde der Wohnungskom­mission überwiesen, da mehrere Gemeinderäte der Ansicht sind, daß die Miete den gegenwärtigen Ver­hältnissen entsprechend zu hoch ist. Neben der Miele tragen die Wohnungsinhaber die Kosten für die Instandhaltung der Wohnung, ferner sind sie jetzt vertragsmäßig zur Zahlung sämtlicher Steuern ver­pflichtet. Um über die Verwendungsmöglichkeit des großen Geländes an der Bahnhof­straße für Bauzwecke oder andere Ausgaben Klarheit zu erzielen, werden einstweilen Anträge auf Genehmigung von Bauplätzen an dieser Stelle nicht mehr berücksichtigt.

L i ch 27. Nov. Unsere Stadtverwaltung hat seit einigen Monaten ihr besonderes Augeümerk auf die städtische Wasserversorgung ge­rietet. Zur Zeit sind eine Reihe von Verbesse­rungen geplant, die zweifellos von der Bevöl­kerung sehr vegrüßt werden. Zunächst bedarf das Quellschutzgebiet einer Erweiterung

Die Wogen prallen an die üblichen inter­nationalen Molenblöcke an: Banken, Zeitungs­und Agenturenpaläste. Vielleicht werden sie mit der Zeit als Verkehrshindernisse versenkt, unter die Erde verlegt. Es gibt ja in Rom Phantasten, die von einer ilntcrtunnelung, von liebet Führun­gen und derartigen Ausgeburten einer verrückten Technik träumen. Bisher hat es aber d.e Haupt- fradt noch nicht zu einer Untergrundbahn ge­bracht. ES gibt sonderbare antidiluvialmoderne Käuze, die so etwas vermissen, dabei aber Goethes italienische Reife in der Tasche haben und nicht umhin können, einen Blick in den mit Recht so beliebten, ewigblauen römischen Himmel zu werfen. Besagte Blicke bleiben dann in dem Drahtnetz hangen, hinter das die Fremdenattraktiott ge­sperrt wurde. Vergittertes Blau! Ha, der Titel ist gefunden, ich werde den Roman dazu schreiben.

Wie gesagt, alle Straßen in Rom münden unfehlbar in diesen Knotenpunkt ein. Was nun, wohin mit dem irrsinnigen Strudel? Lange Zeit stand dem Abfluß der Hügel des Quirina! ent­gegen, aber eines Tages bohrte man einen Kanal hindurch. Amtlich heißt er Gqlleria oder Tunnel. Die Römer sagen 3nserno.

Das 3nferno besteht aus einem langen Darm, der das auf der Straßenkreuzung sich immer neu gebärende Gewühl in sich hineinsaugt mit un­widerstehlicher Gewalt. Lust- und Lichtschächte wurden beim Dau vergessen, den Bogenlampen tränen unaufhörlich die Augen. Die Füllung der Höllentube besteht aus einem etwas unappetit­lichen Brei, einem gepreßten Gehäck von Staub- schwaden, Auspuffgasen, zerfaserten Lichtsäden. dumpfer Hemmungslosigkeit, gestoppter Raserei, entgleisten und zerstückelten Schallwellen, 3rrlich- tem, Flecken, Tcopfwassern, Mmag-rietönen und -düften, unbekannten Chemikalien und anderen undefinierbaren Dingen lärmender, stickiger, zer- nervender Art.

Aus der Straßenkreuzung vor dem 3nferno findet der Fremde die im Vädeker nicht ver­zeichneten. aber um so schmerzhafter vorhandenen kleinen Apenninen: das Pflaster wird dauernd

durch Ankauf von verschiedenen Grundstücken, die an der Kreisstraße AlbachLich liegen. Die Ver­handlungen sind soweit gediehen, daß ein gütliches Uebereintommen erzielt wurde und der Besitzwechsel danach in Kürze zu erwarten steht. Da es sich um wertvolles Gelände handelt, wurde ein Kaufpreis von 2,50 Mk. je Quadratmeter zugestanden. Die Stücke werden nunmehr von der Stadt in eigne Be­nutzung genommen und als W i e s e angelegt, da­mit eine Düngung derselben infolge der Nähe des Quellengebietes unterbleibt. Außerdem wird eine neue Entleerungsleitung für die Quell- iammer gebaut, die eine bessere Reinigung der Sammelschächte ermöglicht. Wenn dadurch für die Stadt eine Aufwendung von etwa 7000 Mk. entsteht, so muß man doch sagen, daß der Stadtoorstand sich hier feiner Verantwortung der Allgemeinheit aegen- über voll bewußt war und alles tut und auch grö­ßere Geldmittel nicht scheut, um die Trinkwasser­versorgung der Stadt stets auf der Höhe zu hatten und durchaus einwandfreies Trinkwaffer der Be­völkerung zu liefern. Die Mieten für d i e Notwohnungen in der Butzbacher Straße wurden vorn Stadtoorstand mit monatlich 6 Mk. je Wohnung festgesetzt. Die hiesigen Erwerbs­losen erhalten für geleistete Pflichtarbeit in Zu­kunft besondere Zuschläge, wie sie von dem Ver- waltungsausschuß beim öffentlichen Arbeitsnach­weis für das nördliche Oberhessen in Vorschlag ge­bracht worden sind.

Kreis Friedberg.

sf. Friedberg, 27. Nov. 3m Rahmen der vom Volksbildungsverein Deranftalteten Vorträge sprach der Direktor der lleberlanö- zentrale für Oberhessen von Stadler über die Stromversorgung Bayerns, das Walchensee- kraftwerk und die Kraftwerke Mittlere 3sar". Der Redner gab eine durch zahlreiche ausge­zeichnete Lichtbilder unterstützte Darstellung dieser beiden großen Werke, die in der Lage sind, ganz Bayern mit Licht und Kraft zu beliefern.

Kreis BüDingen.

L Büdingen, 27. Nov. Die für Anfang Dezember festgelegte Wanderung des Schul- k i n o s muhte von der Lehrlichtbildstelle abgesagt und in den Januar 1 927 verlegt werden, da die bestellten Filme vorerst an Lichtspielhäuser, die solche dauernd beziehen, abgegeben werden.

Krcrs Schotten.

! Schotten, 27. Nov. Aus dem Ge­meinderat. Die Hundesteuer für 1927 wurde, wie früher, auf 10 Mk. für jeden Hund festgesetzt. Eine längere Aussprache erforder­ten die fest einiger Zeit zwischen den beteiligten Gemeinden geführten Behandlungen über die Einrichtung einer Autolinie zwischen den Gemeinden Ulfa, Eichelsdorf. Schotten, Dq- bertshausen, Rodheim, Langd, Hungen, Nidda. Am vorigen Samstag hatte in Äidda eine Ver­sammlung der erwäh.tten Gemeinden getqgt, die Satzungen waren beraten und angenommen wor­den. Die Gemeinderäte der genannten Orte soll­ten zur Satzung des zu gründmden Zweckverban­des ihre Zustimmung geben. Montags darauf traten ohne Wissen der übrigen Gemeinden die Orte Ulfa und Nidda zusamme: und gründe­ten ihren eignen Verband. Das eigenartige Vorgehen wurde kritisiert unZ> beschlossen, an dem alten Proj ekt SchottenUlfa Hungen unbedingt fe st zuhalten und mit den übrigen Gemeinden weiter in Verbindung zu bleiben. Dies ist geschehen, die übrigen Ge­meinden bleiben ihren alten Abmachungen treu; die Autolinie SchottenUlfaN dda wird damit gesichert sein und kann hoffentlich bald in Betrieb genommen werden. Heute n'chmittag wurde in der Turnhalle eine lokale Geflügel- und Kaninchenzuchtausstellung, die unter dem Protektorat des Kreisdlrektors Geh. Reg.-Rat B o e ck m a n u steht, eröffnet. Eine prachtvolle Sammlung schönster, rein­rassiger Hühner, Hähne, Tauben. Trut­hähne, Enten u. dgl. war ausgestellt und wurde mit wertvollen Preisen au5g?8ei<i)tiet. Eine reich­haltige Tombola war mit Der Ausstellung ver­bunden, die sehr besucht wurde.

L Dohenhausen II, 27. Nov. Der Betrieb der Postautolinie FeldkrückenMücke wurde im Sommer wegen Unrentabilität eingestellt. Darauf richteten zwei junge Leute aus Ober- bzw. Unter* Seibertenrod einen Privatautobetrieb zwischen Babenhausen u n 0 Mücke mit einem sechssitzigen geschlossen n Personenauto ein. Für diese Linie kommen die Dörfer Dodenhausen, Sellnrod, Höckersdorf, Groß-Eichen und 3lsdorf in Betracht. Das Auto Verkehrs täglich zweimal; morgens zum ersten Zug um 7 Uhr, darauf nimmt es die Reisenden, die um 9 Uhr von Gie­ßen kommen, mit, alten:>3 fährt es zu dem Zug, von der Gewalt des 'Verkehrsstromes heraus- gefpült, gleichviel, ob Asphalt, Holz, Travertin oder Granit. Strahentechniter, Erfinder vor! Mussolini wird den siegreichen Bezwinger der Höllenkreuzung feierlich zum Schwarzhemdmr'.tter schlagen, nicht leine Angst! an Ort und Stelle, sondern dort, wo man vorläufig noch ohne Lebensgefahr zwei Minuten zur Vornahme Der Zeremonie stehenbleiben kann: auf dem Kapitol.

Frankfurter Theater.

Uraufführung von Otto Zoffs Lustspiel Die zwei Abenteurer" im Frankfurter Schau­spielhaus. Vorweggenommen fei: es war ein Abend voller Unbekümmertheit, voller Ge­schmack und voll guter Laune. Zoff ist ein Könner, und seine Geisteskinder tänzeln beschwingt über die Bühne; er ist kein Dathetiker, fein Grübler oder philosophischer Weltverbesserer, aber er ist ein liebenswürdiger, geift- und humorvoller Ro­mantiker. der die Idee künstlerisch zu drnpieren weiß. Man denke an seine stimmungsvolle Be­arbeitung der EichendorsschenFreier". Diesmal behandelt er einen ähnlichen, allerdings inhalt­lich weniger ausgiebigen Lustspielstoff, den er ui der Grundidee dem englischen Dichter George Farquhar (18. Jahrhundert) entnimmt Wie Zoff selbst schreibt, fand er bei Grillparzer einige Seiten aus dem Spiel übersetzt, angeregt baute er den Stoff zu dem Lustspiel aus, indem er die Handlung durch hinzugedichtete Figuren ver­stärkte. Zwei junge Adlige, ohne Geld, ziehen als Abenteurer aus, das Glück beim Schopf zu fassen. Gott Amor nimmt sich ihrer liebevoll an. Sie logieren in einem Gasthof, dessen Wirt Hehler einer Räuberbande ist; der eine lernt eine reiche Erbin kennen, der andere eine unbefriedigte junge Frau. Am Schluß gibt es zwei Ver­lobungen, gefangene Räuber und eine Scheidung. Das tRäuberquartett ist voll zwingenden Hu­mors. Christian L a h u s e n Hal eine äußerst charakteristische, dem Stil des Spieles angepaßie, melodiöse Musik zur Handlung geschrieben, die

der kurz vor 7 Uhr in Mücke nach Gießen ab­geht und nimmt dann die Reise.lben mit, die mit dem Arbeiterzug kurz nach 1 L Uhr kommen. Diese Autoverbindung erfreut sich einer starken 3nanspruchnahme, so daß die Besitzer wohl auf ihre Rechnung kommen. Der. Fahrpreis ist ver­hältnismäßig niedrig, er beträgt 10 Pfennig für den Kilometer. Die beteiligten Gemeinden! leisten einen entsprechenden Zuschuß. Die Post wird von Dem Privatauto noch nicht befördert, doch dürfte dies wohl nur eine Frage der Zeck sein, falls sich die Postverwaltung nicht ent­schließen sollte, auf dieser Strecke wieder de» Betrieb aufzunehmen.

Gedern, 27. Nov. Als Seltenheit für die jetzige Jahreszeit darf die Tatsache gebucht werden, daß hier in diesen Tagen mit ihrer überaus milden Witterung ein lebender Maikäfer gefunden wurde und reife Erdbeeren sowie Erd­beerblüten gepflückt werden konnten.

)( Ruppertsburg. 27. Nov. Nachdem im vorigen Jahre drei französische Kriegsgefan­gene auf unserem Friedhof ausgegraben wurden, erfolgte jetzt die Ausgrabung der Leiche eines belgischen Soldaten, um auf einem Nationalfriedhofe seiner Heimat beigesetzt zu werden. Wenn man sah. in wie wenig pietät­voller Weise diese Arbeit vorgenommen wurde, so sagte man sich, es wäre doch viel vernünftiger gewesen, den Gefangenen in einem gut gepflegten Grabe auf deutschem Friedhöfe ruhen zu lassen und die Kosten zu sparen. Von den noch hier be­grabenen fremden Kriegern sind drei Russen und einer 3taliener. Auch die Uebersührung des letzteren in seine Heimat ist für die nächste Zeit in Aussicht^ gestellt. 3m hieägen-GrDeindesaal sand eine Fe.cr sta t, die der Kriegsgräber- fürfprge gewidmet war. Pfarrer D. Fritsch leitete die Versammlung. Männergelangverein und Posaunenchor trugen zur Verschönerung des Abends bei. 3m Mittelpunkt der Feier stand die Vorführung von Lichtbildern durch den Ver­trauensmann Der htefteen Ortsgruppe des Volls- bundes für Kriegsgräbersürw-ge. Die 83 zum größten Teil schönen Bilder führten die sehr zahlreichen Besucher im Geiste auf Friedhöfe und Begräbnisstätten dec verschiedenen Kriegs­schauplätze, und zeigten, welch gewaltige Arbeit die Kriegsgräberfürsorgc leistet. Nach ernster Er­mahnung des Leiters, der Gefallenen stets treu äu gedenken und den Vollsbund kräftig zu unter­stützen, wurde die Feier mit dem Gesang des Deutschlandliedes gelchlo'sen.

® Aus d e m hohen Vogelsberg, 27. Nov. In den Orten Sichenhausen. Kaulstoß und Burk­hards wütet sei längerer Zeit die Maul- und Klauenseuche. In dem letzigenannten Orte sind in vergangener Woche allein 3 0 Stück 3 u n a viel) eingeganqen, dazu eine Anzahl älter? r Tiere. Die staatlichen Entschädigungen, dse in Höhe von vier Fünsteln des Taxwertes bei Vjehoerlust durch die Maul- und Klauenseuche ge­zahlt werden, erweijen sich als ebenso notwendig wie segensreich für die Betroffenen.

Kreis Alsfeld.

WSN. Alsfeld, 28. Nov. Im benachbarten Ruhlkirchen wollte der Bäckermeister Selzer abends jn seinem Viehstall nach dem Rechten sehen. Dabei stürzte er in der Dunkelheit über ein Stück Holz und zog sich dadurch so schwere Ver­letzungen zu, daß er nach qualvollem Leiden am anderen Tage oerstarb.

L Ober-Ohmen, 28. Nov. Nach 14täg. Arbeit ist nun die Reparatur der hie­sigen Orgel beendet. An Freitagabrad« ver­sammelte sich der Kirchenvorstand, um dl« OrgcE zu übernehmen. Zunächst wurde das neue elek­trische Geblase besichtigt. Ein 1/2 ?8.-Motvr treibt die Wmdmaschine an, die Den neuen Blas- balg mit Luft füllt, von wo diese Dann in das Werk strömt. Das Gebläse arbeitet saft geräusch­los. Wahrend seither ein kräftiger Mann seine Arbeit hatte, um den Dlasbalg in Tätigkeit zu versetzen, genügt nun ein H?beldruck des Orga­nisten. um das Gebläse in Tätigkeit zu versetzen. Orgelbauer Behringer, i. Fa. Förster und Nikolaus-Lich, führte dann sämtliche Re- g i st e r, die alle gründlich nachgesehen und ge­stimmt worden waren, einzeln und zusammen vor. Auch das zweite Manual, das seither un­brauchbar war, kann nun wieder benutzt werden. Don den 25 Registern, Die d.e Orgel früher hatte, wurpen in vergangenen 3ähren schon zehn ent­fernt, so daß noch 15 Register vorhanden sind. Der hiesige Organist, Lehrer Sommerlad. spielte sodann einige Orgelkompvsitionen und Choräle vor, wobei man ersah, daß die Orgel jetzt wieder ein vollwertiges 3nstrumsnt Dac- sleltt, das imstande ist, d'.e weiten Räume unseres Gotteshauses mit fein'"* Akkorden zu

mywiwwq.

auch Die Drehungen de. ^>uhne nebenbei klang­voll begleitet. Richar> Weicherts glänienDe Regie befeuerte die Darstellung, voll künstleri­scher 3ntensität schuf er ein entstickend schwung­volles Spiel von Liebest und Räuber-Romantik. Seine Darsteller waren (in reizenden Kostümen) lebhaft bei der Sache. Titelrollen: B i b e r 11 und Ode mar; ein Kabinettstück Daneggers nervöser Räuberanfänger. 3m übrigen Stim­mung, beste S.immung; die Bühnenbilder Sie­verts: lustig gaukelnde Einfälle eines Künstler­hirns. Das Publikum ließ bereits im Anfang Beifall auf offene Szene prasseln, der immer lauter in den Abend hinein wuchs. Der Kom­ponist L a h u s e n, der Dichter Z 0 f s und sein Kollege von der Regie, Richard Weichert, mußten wiederholt vor die Rampe. Diesmal war das Publikum im Recht, es nahm ein reiz­voll künstlerisches Lustspiel dankbar auf. Ferner ist des R e i n h a r d t - G a st s p i e l s in Frankfurt kurz zu gedenken. Reinhardt schickt sein Ensemble auf Reisen, und die Provinz hat hohen künstlerischen Genuß davon. 3m Sommer hat die Reinhardtsche3edermann"-3nszenierung vor dem Dom von Salzburg Triumphe gefeiert. Der Winter sieht die gleiche Darstellung und Inszenie­rung über die Bühnen der Provinzstädte gehen, und der künstlerische Triumph von Salzburg ist dem Werk treu geblieben. Die Bühne dcs Neuen Theaters begrenzt die'es Mysterien­spiel Hofmannsthals räumlich ein wenia und drückt es in hie Enge, wenn man sich des weilen Salzburger Res denzp'ahes erini.ett: auch das hoheitsvoll im Hintergrund aufstcigende Dom- pvrlal fehlt; aber vielleicht gerade deshalb wirkt das Spiel, die Darstellung, gänzlich auf den zu unerhörten Leistungen empocreißenten Regie­willen Reinhardts gestellt, vertieft und be­seelter. Moissi ist auch diesmal der w3eZ)er­mann", und es ist vielleicht die einzige Rolle, bei der seine Kantaten weniger störend ins Ge­wicht fallen. Das Gastspiel wird imLebenden Leichnam" seine Fortsetzung finden. L. W.