Siebener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhessen)
Hi. 279 Zweites Matt
artigen Burgen, den
w.e Eisenstadl und Rust, den herUra.tigen Badern, wie Sauerbrunn und Tatzmannsdorf, sind dazu berufen. in den deutschen Reiseverkehr einbezogen zu werden. Roch kennt der Durgenländer den Reichsdeutschen so
gu* wie gar nicht. Das muh bald anders wer- ten im gegenseitigen Interesse: denn der Reichsdeutsche wrrd ebcnsoviele Werte mitnehmen, wie er Lurch seinen Besuch bei den auf Grenzwacht stehenden Durgenländern zu schaffen in der Lage ist.
durchgesührt sind, dazu berufen sein, das Le- bensmittelminus. an dem die deutsch-österreichische Wirtschaft krankt, zu decken: denn seine Fruchtbarleit ist sehr groß. Schon heute ist das Burgenland der Gemüsegarten Wiens und jährlich werden Tausende von Waggons mit Gemüse und Obst aus dem Burgenland verschickt. Sobald die Bauern erst mehr Land haben und dies in intensiver Bestellung be
arbeiten, kann das Burgenland das gesamte Brotgetreide, das heute noch eingeführt werten muh. für Innerösterreich zur Verfügung stellen. Seine glückliche Lage direkt vor den Toren Wiens zwingt jedoch auch zu anderer Betätigung. Der Reusiedlersee ist dazu tcrufcn, eine einzige große Badeanstalt für Wien zu werden. In dem Augenblick, in dem eine gute Schnellbahnverbindung und verschiedene grohe Badeanstalten gebaut werden, könnten die Seeuser täglich für viele Zehntausend« ideale Erholungspläte abgeben.
Hm aber das Burgenland gegen die magyarische Propaganda noch besser zu feien, muh versucht werden, es auch in seelischer Beziehung den Mutterlande näher zu bringen. Die liebliche Miltelgebirgslandschast mit ihren groh- artigen Burgen, den gemütlichen Weinstädten, wie Eisenstadt und Rust, den heilkräftigen Bä-
Gute Ratschläge aus Amerika.
Henry Ford macht in seinem neuen Werk „Das grohe Heute und das gröbere Morgen" (Verlag Paul List. Leipzig) die hübsch klingende Bemerkung: „Militaristen sind unfähig, Frieden zu bringen. Sic.find Spezialisten der rohen Kraft, wie die Pazifisten Spezialisten der Sentimentalität sind". — Ford ist lein Pazifist: denn, wenn einer Amerika an- greifen sollte, dann wehe ihm! Ford hat als Organisator fabelhafte Erfolge errungen. Wer hätte es ftüher für möglich gehalten, dah eine Fabrik zehntausend Automobile produzieren könne. Dor die en zehntausend Tag für Tag aus den Fordschen Werkstätten herausfahrenden Automobilen und den diese Automobile repräsentierende Dollars erstirbt neun Zehntel der Menschheit in staunender Bewunderung. Wer das kann, der kann noch viel, viel mehr! Ford hat eine Reihe vernünftiger Geschäftsprinzipien gefunden und eine Organisation der Fabrik- arbeit, die Epoche machen wird. Er hat auher- tcm die nicht ganz neue Entdeckung frisch lackiert, dah Ehrlichkeit ein gutes Geschäft s p r i n z i p ist. dah man seinen Arbeitern anständige Lebensbedingungen schaffen muh. um mit ihnen gute Waren zu erzeugen. Der Umstand, dah sehr viele Arbeiter das nicht begriffen haben, ändert nichts daran, dah in Deutschland beispielsweise jedes alte grohe Geschäft, wcnn es aus sich hält, niemals anders verfahren ist und niemals anders verfahren wird, wie Henry Ford in Detroit und seinen hundert anderen Fabriken.
Dieser reine Geschäftsmann, dieser unzweifelhafte Ebrcnmann und dieser ausgezeichnete und erfolgreiche Ausklügler praktischer Fabrikationsmethoden ist der sicherlich ganz falscher Ansicht, dah die ganze Welt mit ihren Rationen, von denen iete einzelne mit schweren Imponderabilien aus Vergangenheit und Gegenwart belastet ist, nur nach den Vernunstgesehen der Fordschen Fabriken umgemodelt werden muh, um zu einem irdischen Paradies zu werden. Stolz verkündet Ford: „Wohlstand kann zu den natürlichen Daseinsbedingungen gemacht werden. Das ist bewiesen worden. Die Vereinigten Staaten haben diesen Beweis geführt."
Das ist nicht richtig! Die Vereinigten Staaten haben diesen Beweis nicht geführt. Amerika hat die gröhte Kriminalität der Welt. Es hat eine sehr viel breitere Schicht von Bemittelten und Wohlhabenden als andere Lander. Dec ganze Reichtum Amerikas ist aber eine Folge des Krieges, auch der FordscheAufschwung wäre ohne den Krieg niemals so rasch gekommen. Das sagt jede Iahreszahl in dem
vorgetragenes Stilleben erwähnenswert, während Barthel (Gießen) mit sechs Landschaften vertreten ist, von denen wir zwei kleinere Formate („Brandenburg a. d. Werra" und ein Weidebild) notieren. S i t t m a n n bringt einen Mädchenkopf zwischen ein paar Dlumenstücken (Aquarell). Margret Kranz zeigt ebenfalls Blumenmotioe, linear betont, spitz gemalt und auf dekorative Wirkung be- dacht. Als ein interessanter Könner erweist sich z u m Winkel mit zwei phantasiebeschwingten Blättern, von denen das eine auf grotesken Humor gestellt ist, das andere (eine Graphik, die gleich hier erwähnt sei), ein sehr eigenartiges Motiv — „Sterben im Frühling" — behandelt und übrigens nicht nur äußerlich, in der Linienführung, eine reife und persönliche Art zu erkennen gibt. Mit einer groß angelegten, zart und spitzpinselig gemalten skandinavischen Landschaft führt sich D i e f f e n b a ch sehr vorteilhaft ein; in ganz ähnlichem Stil eine Kieferngruppe. Dann steht man vor einer ganzen Wand mit Aquarellen. Da ist z. B. ein elegant und draufgängerisch hinge- strichener „Pfeifenraucher" Bielmetters (den wir schon in Rauheim sahen), flotte koloristische Studienbilder von Else Luthmer, einige zarttonige Landschaften von Will und eine feine Arbeit von Ulmann („Blick auf Köln"). Weiter: vier größere Landschaften von Barnas; ein „Blick auf Friedberg" von Belte, in kräftigen frischen Farben, lebendig und wirksam. Drei sehr gute Bilder (übrigens modernster Malweise angenähert) JteUt S). F. Steinbach aus. Besonders lehrreich für die Sehweise ist unter ihnen eine Landschaft: ein wenig hart in der linearen Betonung der Umrisse, aber gesättigt in der Farbe, auf Raumgestaltung, Plastik und vollendete Gegenständlichkeit bedacht. Dortresf- lief) sind die temperamentvollen und elegant vorgetrogenen, ganz auf Farbe und Bewegung hin ge- sehenen Bilder von Scheid, etwa die Sandgrube und die Pferdegruppe. Eine ähnliche schwere und fette Malweife zeigen die drei ftarffarbigen, saftigen Landschaften von S o e t e r und ein sonnig aufgehelltes Bogelsbergmotio von Eimer, der aber weit ruhiger und minutiöser matt als jene beiden. (Sine intensive, fast schwelgerische Hingabe an den
Gefahren im Burgenland.
Don unserem Berichterstatter.
Aus 'Cem Wunde jedes deutschbewuhten Burgen'.änders schreit uns die bange Frage entgegen: Will das Deutsche Reich unS Denn wirklich an Ungarn zuruck- geben? Wcr diese vorwurfsvolle Frage zum ersten Male hört, ist wie vor den Kopf geschlagen: woher tommen die Burgenlanver zu dieser — men möchte fast sagen — hirnverbrannten Idee? Ist man aber auch nur einige Tage mit ossenen Augen durch das Land gewandert, dann merkt man die W ü h l a r b eit, die von Ungarn aus ge rieben wird. Das Haupt chlag» wort. mit tem die Magyaren jetzt arbeiten, ist: Das Deutsche Reich habe den Magyaren Der- sprock en bei der Ermöglichung des Anschlusses Oesterreichs an das Reich das Burgenland mietet an Ungarn zurückzustellen. Ungarn verpflichtet sich gleichzeitig, dem Lande eine weit- .ge^enae nationale Autonomie zu geben. Die Magyaren behaupten weiter, ihre guten Beziehungen zu Mussolini vermöchten den Duce zur Rückgabe Südtirols zu bewegen, falls Oesterreich seinerseits das Burgenland an Ungarn zurückgibt. Mit solchen und ähnlichen Er- zählunren gehen die Wagyaronen im Burgen- lan'.e auf den Srelensang auS, und da sie den besten GesellschaftSschichten angehören und als Ge stliche. Lehret, Rechtsanwälte und Aerzte mit weiten Kreisen der Bevölkerung in ständiger Berührung stehen, so wird die ganze Bevölkerung in Unruhe verseht; denn für die große Mehrzahl der Bevölkerung bedeutet Ungarn abermalige Knechtung!
CQJir wol en diese Märchen keiner Kritik unterziehen: denn wir sind fest davon überzeugt, daß weder die deutsche Regierung noch Mussolini irgendetwas mit diesen Gerüchten zu tun haben. Aber die ungarische Propaganda frißt sich langsam und zieibewuht im Burgenlande ein; sie kann dies auch schon dehalb leicht, weil die österreichische Bundesrcg rrung viel zu langmütig ist und nicht scharf durch- gre'.ft. Im Burgenland werden verschiedene christlich-soziale Führer dirrkt als Magyaren- fteunde, als Magyaronen, bezeichnet, so dah die sehr geschickt geführte sozialdemokratische Propaganda ten bürgerlichen Partein durch ihre wenigstens äußerlich bezeigte strammdeutsche Gesinnung ft ar len Abbruch tut. Da die G rohdeutschen heute im Durgenlande gar keine Rolle spielen, weil sie bei der letzten Wahl infolge taktischer Fehler keinen Kandidaten durchbrachten, so arbeiten nur die Sozialdemokraten wirksam gegen den magnarischen Einfluß. Sie können sowohl mit sozialen als auch nationalen Problemen arbeiten.
230 000 deutschen und 40 000 kroatischen Bauern stehen rund 40 (sage vierzig) magyarische Großgrundbesitzer gegenüber, die die Hälfte des Ackerlandes und einen noch größeren Prozentsatz des Waldes besitzen. Allein der Fürst Esterhazy verfügt im Burgenland über hunderttausend Hektar. Diesen Mammutgütern, die — nebenbei bemerkt — zum Teil sehr liederlich verwaltet werden, steht der Zwevg- besitz des deutschen Bauern gegenüber, der, obwohl genügend Boden vorhanden Ware für Taufende von Dauernstellen, gezwungen ist, in Massen auszuwandern. Der magyarische Groß- grundlefttzer hindert also die Entwicklung des Deutschtums in geradezu erschreckenerregender Weise, denn wenigstens 140 000 Burgenländer sind in den letzten 50 Iahren abgewandert. Die durch das ganze Dolk gehende Forderung ist: Bodenreform! Man will keine Ungerechtigkeiten wie in Estland, Polen oder in ter Tfchechei, man fordert jedoch, daß der rna- gyaris*e Magnat im Burgenland ebensoviel Boden abgeben muß wie in Ungarn. Man getraut sich aber in Wien nicht, das Bodenreform- Problem aiuufdjneiben, um die „gutnachbarlichen Beziehungen" nicht zu trüben.
Wer sich bemüht, mit der burgenländischen bodenständigen Bevölkerung in nahe Fühlung zu tommen, der wird es hundertfach erfahren, wie froh die Menschen sind, von der ungarischen Herrschaft befreit zu fein. Man Höri überall freudige Anerkennung deS bisher Geleisteten: der gediegene österreichische Beamte ist beliebt und das, was er in den kurzen Iahren geleistet hat, wird dankbar gelobt. Freilich, es gibt noch viel zu tun, insbesondere aus dem Gebiete des Straßen- und Eisenbahnbaues. Das Burgenland wird, sobald nur alle die Projekte
Weihnachtsausstellung „Künftlerhilfe 1926".
Am gestrigen Sonntagvormittag wurde die diesjährige Weihnachisausstellung im Turmhaus am Brandplatz der Oeffentlichkeit übergeben. Die Ausstellung „Künstlerhilfe 1926" wurde ins Leben gerufen vom Landesamt für das Bildungswesen und wird veranstaltet durch die Neue Hessische Arbeitsgemeinschaft für bildende Kunst in Darmstadt und den Oberhessischen Äunftoerein. Dor einem zahl- reich erschienenen Publikum ergriff zunächst der Borsitzende des Kunstoereins. Landgerichtsdirektor Bücking, das Wort, um die Erschienenen willkommen zu heißen. Hierauf hielt Ministerialdirektor Urstadt eine kurze Ansprache, in der er darauf hinroies, daß die zu eröffnende Ausstellung die fünfte der .Hünstterhilfe" und die zweite in Gießen veranstaltete fei; man habe im vorigen Jahre ein gutes Ergebnis zu verzeichnen gehabt, und es stehe zu hoffen, daß in diesem Winter, wo die Beteiligung erfreulicherweise noch stärker fei, als im Borjahre, auch der Erfolg und bas materielle (Ergebnis im Interesse der notteidenden Künstlerfchaft nichts zu wünschen übrig lassen werden. Die Ansprache klang aus in Worte des Dankes an alle, die sich in den Dienst der Sache gestellt haben, insbesondere den Oberhessischen Kunstverein und die Herren Landgerichtsdirektor Bücking, Lange und B u r g, sowie die Damen, die sich zur Mitarbeit bereit erklärt haben.
Die Ausstellung, auf der nur Werke hessischer Künstler vertreten sind, umfaßt Malerei, Graphik, Plastik und Kunstgewerbe. Wenn wir mit der Malerei (Aquarell und Del) herkömmlicher Weise beginnen, so finden wir etwa an der vorderen Schmalwand H u I h mit einem stimmungsvollen Interieur der Innsbrucker Hofkirche, Will mit einem inter- esianten Einblick in die Wiesecker Töpferei, auch einem Rosenstilleben, P r e e t o r i u s, der in München lebt, mit einer großzügigen Landschaft in schweren deckenden Farben. Don Manz wäre ein sauber
sonst überaus interessant geschriebenen Werke. Es wäre eine Schande für eine tüchtige Ratwn, wenn sie eine in dieser Form nie wederkehrrnde Ce.egcnheit. zu Glanz und Reichtum zu gelangen, nicht alügenu^t hätte. Sie Bereinigten Staaten haben etwas über 110 Millionen Einwohner und können mit ihren natürlichen Hilfsmitteln leicht 500 Millionen ernähren. Die Lage Amerikas und Europas ist aber nicht zu vergleichen. In europäischen Derhältnis cn, wirlscha.tsqeographi- schen und politischen wäre Herr For) niemals zu te.n geworden, was er in Amerika werden konnte. Es ist ganz sicher, daß in unzähligen europäischen Großbetrieben mehr Intelligenz und Genialität steck? als in dem Mammutbetrieb Henry Fords. Es ist sicher, daß Europa einiges von Amerika lernen kann und soll, aber zweifellos hat Amerika von Europa mehr gekrnt und wird voraussichtlich in Zukunft noch v ei lernen müssen, wenn es seine überragende Stellung behaupten will. L.
Der preußische Haushaltsplan für 1927.
Der preußische Haushaltsplan für 1927 ist jetzt dem Staatsrat Augcgar.g?iL Er balanciert in Einnahmen und Ausgaben mit 3 473 438 309 Mark. Ql umgaben und Einnahmen sind gegenüber 1926 um 113,4 Millionen Mark herabgesetzt worden. Die Senkung der Ausgaben hat im wesentlichen dadurch ermöglicht werden können, daß die Ausgaben für die produktive Crwerbslosensür sorge, die im Haushalt für 1926 auf 65 Millionen veran'chlagt waren, künftig aus Anleihemitteln bestritten werden sollen und demgemäß im neuen Haus hall nicht mehr veranschlagt worden sind. Des weiteren ist von einer Veranschlagung für die unterstützende Erwerbslosenfürsorge, für die im vorjährigen Haushalt 100 Millionen eingesetzt waren, mit Rücksicht auf das demnächst in Kraft tretende Arbeitsversicherungs- gesetz abgesehen worden. Der sich hiernach für 1927 ergebenden Verbesserung von 165 Mill. Mk. stehen Verschlechterungen von 51,6 Mill. Mk. gegenüber, die sich aus Mehrzuschüssen bei den Hoheitsverwaltungen, aus der Erhöhung des Rot- Zuschlages der Beamten und der Verstärkung des DauunterhaltungssondS aller Verwaltungen ergeben. Es verbleibt also eine Verbesserung um 113,4 Millionen. Auf der Einnahmeseite ergibt sich eine Verschlechterung von 142,1 Millionen, der eine Verbesserung bei den Anteilen an den Reichsüberweisungssteuern gegenübersteht. Del der Ausstellung des Haushaltsplans ist vorausgesetzt worden, dah entgegen den Absichten des Reichs- finanaministers die gesetzgebenden Körperschaften sich den zwingenden Bedürfnissen der Länder nicht verschliefen und einer Verlängerung der älmsatzsteuergarantie zustimmen. Die durch die Kürzung der Einnahmen bedingte Kürzung des Ausgabenbedarfs hat es notwendig gemacht, letzteren auf das unbedingt nottoenbige Maß einzuschränken.
* Der westdeutsche Nord-Südverkehr.
Im Sitzungssaale der I n d u st r i e - undHan» delskammer in Darmstadt fand dieser Tage eine Berkehrskonferenz statt, an der Vertreter von 22 Handelskammern teilnahmen (Hessen, Baden und Nheinprovinz). Die Beratungen galten dem Ausbau der Verbindungen im west- deutschen Nord-Südverkehr. Zunächst wurde eine Denkschrift der Handelskammer Darmstadt beraten. Die Versammlung stimmte darin überein, daß die erstmals 1926 nur in der Zeit vom 1. Juli bis 15. September gefahrenen beschleunigten Personenzüge Krefeld—Stuttgart—Freibury ab Sommer 1927 ganzjährig gefahren werden müssen. Eine klarere Führung der genannten Züge, sowie der beschleunigten Personenzüge 850'849 Dortmund — Frankfurt — Würzburg — München er» scheint dringend geboten. Die Denkschrift schlägt vor, die Dortmund—Münchener Züge zwiskyen Köln und Frankfurt ganz linksrheinisch zu führen, die Krefeld- Süddeutschland-Züae dafür zwischen Köln und Wiesbaden rechtsrheinisch. Die bisyer rein örtlichen Züge beschleunigten Personenzüge 884'883 Wies- baden — Mainz — Worms — Ludwigshafen — Mannheim, die im Sommer 1926 in Wiesbaden keine Anschlüße von und an den beschleunigten Personenzug 848/847 hatten, sollen in die neue Ster»
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Farbeneindruck bringt Bilder zustande, wie den „Kleinen runden See" von Ulmann, der übrigens sorgsam in der Gliederung und ganz trocken gemalt ist. Stegmayer hat ein großflächiges, ruhiges Stilleben „Geranien"; koloristisch aparter noch die „Begonien". Scheid ist abermals zu nennen mit einer ausgezeichneten „Viehweide"; das Bild könnte von einem Altmeister dieses Vorwurfs, etwa von Zügel, Herkommen. Ferner Manz und Veite mit sehr begabten Stilleben, Fries, von dem wir kürzlich bereits ausführlicher berichteten, mit einer Anzahl oberhessischer Motive. Eine sehr feine Arbeit ist bas „Stilleben mit Violine" von K r a e m e r. Die nüchterne Gegenständlichkeit letzten Stils wird hier in einer ungemein gepflegten, ausgewogenen Farbengebung zugleich gemildert und verfeinert. Ein stimmungsvolles Städtebild (Wetzlar) von Großhaus und das „Treibhaus^' von Bornemann sollten nicht übersehen werden. Eines besonderen Hinweises bedürfen die in einer Bitrine vereinigten hübschen Miniaturen (wohl größtenteils Kopien) von Becker-Emmerling, die an eine liebenswürdige, heute ziemlich ausge- ftorbene Kunstgattung wieder anknüpfen.
Aus der Fülle von graphischen Arbeiten soll etwa das Folgende notiert werden. Mit Federzeichnungen sind Manz und Stephan (der vielleicht an Ubbelohde geschult ist) zu verzeichnen. Studien in ganz weicher Bleistiftmanier bringt zum W i n- k e l, den wir schon anderweitig nannten. Recht gute Kohleporträts, u. a. Bildnisse der Lagerlöf und des bekannten schwedischen Erzbischofs Nachan Söder- blom, zeigt 6 t u m p p , Worms. Eine lebhaft in Schwarzweißflächen kontrastierende Landschaft „Erntezeit" (Radierung) bringt Metten. Mit guten Freilichtmotiven begegnet men weiterhin Panitz, Seck-Carton und Pfaff. Graziösem Figurenspiel folgen zwei Blätter von Deith- Fritzel; zierliche Scherenschnitte gibt L. M. Hardt, einen ftarkftächigen Holzschnitt „Der Geiger" zeigt Großhaus. Religiöse Motive bevorzugt der Graphiker D. Greiner; eine Kreuzigung und „Der Kreuzträger" blieben uns besonders im Gedächtnis.
Montag, 29. November (926
bindung cinbezogen werden derart, daß der für Stuttgart bestimmte Teil des Zuges ob Wiesbaden über Mainz — Worms — Ludwigshafen — Mann- beim nach Heidelberg befördert wird. Auf diese Weise erhall die Strecke Mainz — Worms — Lud- wigshasen eine neue durchgehende Verbindung vom Niederrhein nach Süddeutschland. Um das bisher vom durchgehenden Rheinoerkehr abgeschlossene nördliche Württemberg mit Heilbronn, ferner den badischen Elsenzgau und das hessische Wimpfen an den Durchgangsverkehr anzuschliehen, sieht die Denkschrift die Führung des Stuttgarter 3uguils ab Heidelberg über Sinzheim — Wimpfen — Jagst- seid — Heilbronn nach Stuttgart sowie zurück vor. Der an zweiter Stelle erörterte, ebenfalls von der Industrie- und Handelskammer Darmstadt in Form einer Denkschrift vorgelegte Plan geht bahin, die von der Reichsbahnoerwallung zugesapte neue Verbindung mit O-Zügen 1. bis 3. Klasse Nordbsyern— Frankfurt und Darmstadt—Mainz—Wiesbaden in der Richtung einer Fortsetzung nach dem linken und dem rechten Niederrhein auszubauen. Die oerfam- mellen Industrie- und Handelskammern waren übereinstimmend der Auffassung, daß eine Fortführung der neuen Norddayern-Derbindt^ig nach dem Jliebcr- rhein unbedingt geboten erscheint, hierbei sollen durch Zusammenschluß der neuen Züge mit den bestehenden Zügen D 85 und D 185 aus der Schweiz und Baden bzw. vom Bodensee und aus Württemberg in Darmstadt, sowie in umgekehrter Richtung durch einen Zusammenschluß mit D 86 und D 186 neue durchgehende Verbindungen mit dem wesllichen und mittleren Süddeutschland geschaffen werden, so daß im Ergebnis neue breitlaffigc Schnellzugsver» binbungen zwischen Rheinland.Westfalen einerseits und erstens Nordbayem, zweitens Baden und der Schweiz und drittens Württemberg und dem Bo- dcnsee entstehen. Besonders bedeutungsvoll bei dieser Neuregelung ist, dah Neuleitungen der Reichs- bahn gegenüber den Zugleistungen des Sommer- fahrplans 1926 und den bereits zugefagten Mehrleistungen nicht entstehen. Es steht zu hoffen, daß die maßgebenden Stellen der Reichsbahn, denen die Denkschriften und die Befchlüsfe zur Kenntnis gebracht worden sind, den dringenden und wohlde- gründeten Wünschen so zahlreicher berufener Wirt- Idjaftsoertretungen die Erfüllung nicht versagen werden.
Zentrum und Volksentscheid.
Arn Samstagabend hielt die G ehener Ortsgruppe der Zentrumspartei im kleinen Saale des Katholischen Drreinshauses eine öffentliche Wählerdersammlung ab, die von Parteiangehörigen und Anhäng-rn der hessischen KoalitivnSpartften derhäitnickmä'ig g t besucht war. Landtagsabgeordneter ötubienrat Heinstadt-Denshim legte in etwa zweistündiger Rede die Stellung des Zentrums zu den großen polttischen Fragen Hessens, um die es beim Volksentscheid am 5. Dezember geht. dar. Er forderte einleitend mehr Sachlichkeit im ^Politischen Kampfe, BftseitÄassen alles persönlich Verletzenden und Herabwürdig mden. In diesem Kampfe habe aber bisher leider nicht immer die Sache obenan gestanden. Sodann verteidigte er do Poliik der Weimarer Koalition im hessischen Landtag. Er bestritt die Richtigkeit der Behauptung der Rechtsparteien, dah die Mehrheit des hessischen Volkes hinter ihnen stehe, und betonte, das Zentrum lehne eineit sog. Dürgerblock ab. der die Sozialdemokratie von der Mitbestimmung über die Landesgeschicke auSschallen wolle. Da die Rechtsparteien bei der letzten hessischen Regierungsbildung nicht in die Regierung hätten kom- nten können, wären von ihnen andere W.ge eingeschlagen worden, um die politische Mach! zu erreichen — denn darum gehe es jetzt in W rklich- keit —, und so sei man schließlich zu dem jetzigen Volksentscheid gelangt. Der Redner führte dann in breit angelegter Weise seine Gründe für die Ablehnung des Volksentscheids an, die aus den Parlamentsreden der Vertreter der Regierungskoalition und aus d.n Presie- AuSlassungen des Finanzmunsters Henrich schon hinreichend bekannt sind. Eine Mißwirtschaft in den Staatsfinanzen habe nicht stattgefunden, die wesentlich erweiterten Ausgaben des Staates erforderten natürlich auch höhere Aufwendungen, im übrigen seien die Besetzung des größten Teile- des Landes und die Folgen des Rhein- und Ruhrkrieges für die Lage der hessischen Finanzen bis heute sehr unheilvoll gewesen. Mit den Sparanträgen der Opposition habe man nichts anfangen können, da sie undurchführbar gewesen seien: zum Tell würben
Eine große Anzahl von Mappenwerken vervoll- ständigen bas Gesamtbild der gehängten Arbeiten; es ist natürlich aus räumlichen Gründen nicht angängig, hier des näheren auf diese Fülle einzugehen. Doch fei .auf einiges ausdrücklich aufmerksam gemacht, das beim Durchblättern nicht übersehen werden sollte. Etwa die Linoleumschnitte von Fries, figürliche Studienblätter graphischer Art von Goebel, eine Folge von teilweise recht feinen Aquarellen, Farbenholzschnitten und Radierungen von A. von 9 o e b e n, bie Graphik von Steinbach mit einem bemerkenswerten Bildniskopf, bie rassigen Kolorit- unb Bewegungsftubien von Scheib, saubere Feberzeichnungen von Stephan, bie minia- turhaften Farbenrabierungen von v. L a b i g e s ; sehr hübsche Entwürfe enthalten auch bie beiden Mappen von zum Winkel und die Bildnisse von Stumpp; ein eigenartiger Geist spricht aus den Bibelillustrationen unb vor allem aus ben phantastischen Totentanzfiguren bet „SUrmes auf dem Fried- Hof" von G r e t n e t.
Die Plastik ist nur mit zwei Entwürfen von K ö b b i n g (ben „Kartofselbuddlern" unb einem ex- perimentierenbem Figurentorfo), sowie brei Stücken von Berte vertreten.
Außerbem finbet man in ber Ausstellung eine Anzahl kunstgewerblicher Arbeiten, a. B- bie Wiesecker Töpfereien von Keßler uno allerlei nützliche ©ebrautfjsgegenftänbe nach Entwürfen von Schenck unb Tuch, als ba ftnb Leucktcr unb Eierbecher, Schreibmappen unb Damentäschchen. —
Die Ausstellung ist bis zum 2. Januar 1927 an folgenben Tagen allgemein zugänglich: Sonntag, Montag, Mittwoch, Freitag 11 bis 1 Uhr, außerdem Sonntag 3 bis 6 und Mittwoch 3 bis 7 Uhr. Auch an dieser Stelle sei nochmals auf die mit der Ausstellung verbundene Lotterie, sowie auf die Verkäuflichkeit aller ausgestellten Arbeiten ausdrücklich hingewiesen. Es ist herzlich zu wünschen, daß Lotterie und Verkauf (zu ongemeffenen, teilweise sehr wohlfeilen Preisen) den gewünschten Erfolg haben. Wer etwas erwerben kann, wird sich selber unb dem ausfteüenben Künstler eine rechte Weihnachts- freube bereiten. —y—


