hoben, fei Rebell gewesen gegen eine katholische Majestät. Die römische Krone deutscher Ration war zwar schon verrostet, als der alle Hritz noch Gefreiter Wan Wenn es den Herrschaften in den Kram paßt, machen sich die airgeblich Fortschrittlichsten gern zu Schildhallern der „Reaktion". Der kecke Preuße. der Ueberlehtech zerschlug, verrotete gordische Knoten zerhieb und neue Epochen anbahnte, würde wahrscheinlich längst den republikanischen Heiligenschein besitzen, wenn er eben als Sohn eines Gevatter Handschuhmachers zur Welt gekommen wäre. Es gibt freilich auch einen Punkt, an dem auch die Lartusferie nicht mehr komisch wirkt. Ein innerlich gesundes Volk würde sich von dem Klebestoff der neuen Fride- ricus-Marke keine belegte Zunge holen. Daß auch ernstzunehmende, staatsbürgerlich brauchbare und wertvolle Kreise auf die Propaganda des neu- fridericianischen Mißvergnügens hineingefallen sind, gibt zu denken. Hebet solche Dinge wird aber in Deutschland viel zu viel unmaßgebliche Stimmungsmakulatur auf Spruchbänder geschrieben. Warum müssen sich Gesinnungen immer zum Kasperle-Theater erniedrigen? Äst es denn wirklich notwendig, das) jeder große deutsche Mensch hundertprozentig dem Programm entspricht, das sich irgendein Vollsgenosse einhämmern ließ? Die Bayern schlugen mehr rhetonsch als aus wirklichem Wollen ihren ersten Ludwig als Anwärter auf eine Briefmarke vor. Wer auch nur ein bißchen versöhnlich und volklich denkt, würde an dem Bildnis dieses herrlichen Träumers gewiß k ei neu Anstoß nehmen. Wäre es etwa ein Tlnglück, wenn im kommenden Grohdeutschland etwa Maria Theresia von Verkehrswegen zwanzig Pfennig kosten würde, obzwar Friedrich nur einen Groschen gilt? Man muß eben schon als parteipolitische Eule durch demokratische Finsternis flattern, um große Menschen abzulehnen, weil sie ihr Parteibuch vergaßen. Fridericccs würde gewiß nichts von seinem Glanze ein- bühen, wenn man ihm auf dem eingeschriebenen Paketchen in freundlicher Gemeinschaft mit Maria Theresia, der tapferen deutschen Frau, zusammensähe. Bor hundertfünszig Jahren erlaubten sich jedenfalls begeisterte Moselaner Yen unspießbürgerlichen Rufi Vivat bonus, vivat niagnus, vivat Fridcriciis rex, vivat ac Theresia! Wenn wir in diesem Geiste deutsche Politik trieben, so würde nicht nur Herr Siingl mehr Glück haben, sondern wir alle"
Besonderes Interesse verdient noch fol= gende Aeußerung des Blattes der gemäßigten Sozialdemokratie in Sachen „De r Volks- ftaat" zum Streit nm die Fridericusmarke:
Es fragt sich .... ob dis Art, wie jetzt gegen die Verwendung des Friedrich'Kopfes protestiert wird, sehr zweckmäßig ist. Wenn man dem Volk empfiehlt, statt einer Zehnpfennigmarke in Zukunft zwei Fünfpfennigmarken zu kleben, jo entbehrt das immerhin nicht ganz der Komik. Die Schwierigkeit liegt darin, daß, wie jeder Republikaner anerkennen muß, Friedrich eben doch ein bedeutender Mensch, einer der größten Deutschen gewesen ist. Wenn man gegen den Gebrauch des Bildnisses eines der größten Deutschen zu Felde zieht, so läßt es sich nicht vermeiden, daß man sich in eine recht peinliche Lage bringt. Die Gefahr besteht nämlich, daß man in diesem Falle die Rolle des Kläffers spielt, der den Mond anbellt und in Verdacht gerät, ein Feind von „Köpfen" überhaupt zu sein. Es gibt sicher viele Leute, die, indem sie diese Rolle spielen, nichts dabei finden: sie ist ihnen vielleicht geradezu naturgemäß. Ihr Glück liegt eben darin, den Mond avbellen und „Köpfe" nicht leiden zu können.
Der Evangelische Bund in Hessen wird vom 6. bis 8. November in Darmstadt seine diesjährige Hauptversammlung halten, die anläßlich des 400jährigen hessischen Reformationsjubiläums besonders eindrucksvoll gestaltet werden sott. Das Festprogramm sieht für den Haupttag, 7. November, Festgottes- dienste in allen Kirchen mit namhaften auswärtigen Predigern vor. Für den Nachmittag sind ver- schiedene Volksversammlungen geplant, in denen sprechen werden zu dem Thema: „Die hessische Reformation eine Tat 1. des Glaubens (Die Bedeutung für die Religion und Kultur unseres Landes), der Vorsitzende der hessischen Hauptversammlung, Pfarrer Dr. W a i tz, Darmstadt, 2,«. der Liebe (Die Bedeutung für die soziale Entwicklung, der Prälat der hessischen Landeskirche D. Dr. Diehl, 3. der Hoffnung (Ditz Bedeutung für Erziehung und Jugend). Studiendirektor F a h r e n h o r st, Berlin. Während abends eine Begrüß ungsyersammlung in der „Vereinigten Gesellschaft" stattfindet, kommt am gleichen Abend für Auswärtige ein neues
Erinnerung an Flandern.
Von Anna V a l e t o n - H o o s.
Flundern hat in unfern Gedanken so viele Jahre eine große Rolle gespielt. So viele Taufende sind dort gewesen in Kampf und Rot. Tlnd vielleicht nur gaiy wenige haben sehen können, wie schön das Land ist. Wiesen, Wasser, Gebüsch, ein paar große breite Bäume und fern am Horizont eine schnurgerade Pappelalles. D«s klingt fast nüchtern und ist in Wirklichkeit so un- >ausfprechlich lieblich, wie ein Kind sich das Paradies dcnlt. Denn das Grün der Wiesen ist leuchtend, wie in südlichen Ländern, und gelbe Butterblumen und rosa Kuckucksnelken funkeln darin in unerhörter Farbenpracht. Eine einsame Hirtenflöte klingt aus dem Gebüsch, die Bäume stehen feierlich in schwerer dunkler Pracht, die Bäche sind bedeckt mit Wasserrosen und umsäumt von silbrig schimmernden Weiden.
Die Menschen, die da wohnen, auf dem Lande fern von den großen Städten, sind wie diese Vatur: einfach und anziehend wie Kinder. Sie sprechen eine Sprache, die nirgends gedruckt wird, die deshalb lebendig ist, wie kaum eins andere. Gewiß, es ist niederländisch, aber jedes Dorf hat seinen besonderen Dialekt, und kein Dauer versteht das richtige Holländisch. Die flämischen Dichter schreiben nicht holländisch. Jeder formt sich aus feinem Heimatdialekt die Sprache, die es rhm am besten ermöglicht, das auszu-- fprechen, was in ihm lebt. (Meistens tzine überschwengliche Liebe zu seinem schönen Lande.) Dadurch wirken sie so ursprünglich, wie das kaum <m einer anderen Sprache möglich ist. Diese Tlr-> sprünglichkeit ist sogar noch in Aebersetzungen spürbar, vor allem in Übersetzungen ins Deutsche. Ein Deutscher, der sich in diese Sprache vertieft, kann unendliche Anregung daraus schöpfen, denn er steigt hinunter zu dem Dorn, aus dem auch untere Sprache kommt.
Lind wie die Sprache ftnd uns ja auch die Menschen nah verwandt. Äur, ebenso wie die
Luther.Schauspiel der Dichters Alfred Graf: „Der Prophet" zur Aufführung. Zu der Darmstädter Studentenschaft spricht am Sonntagoormittgg Pfarrer Haun aus Bonn in der großen Aula der Technischen Hochschule über das Thema: „Wir wollen Hüter sein." Hie Festordnung steht für den Montag neben den üblichen Abgeordneten- und Mitgliederversammlungen eine akademische Feier in hex Otto-Berendt-Halle der Technischen Hochschule vor, in der Geheimer Hosrat Professor Dr. Berger, der bekannte Hochschullehrer, einen Vortrag über „Reformation und Kultur" holten wird.
Aus der Provinzialhauptftadt.
Gießen, den 29. Oktober 1926.
‘Bäume der geschichtlichen Erinnerung in (Sieben.
Am nächsten Sonntag soll in der Südgnlgge, in unmittelbarer Nähe der Johanneskirche, eine Linde zur Erinnerung an die Gin - führung der Reformation in Hessen vor 400 Jahren gepflanzt werden. Die Anregung hierzu geht von der evangelischen Kirchengemeinde aus, die auch die Feier veranstaltet. Dieser Baum der Erinnerung an eine wichtige geschichtliche Begebenheit wird jedoch in Gießen nicht der einzige in seiner Art fein; wir wissen vier Bgume zp verzeichnen, die schon in früheren Zeiten hier zum Gedächtnis von Tatsachen, die für das deutsche Geistesleben wichtig sind, gepflanzt worden sind.
Als man in Deutschland im Jahre 1817 die dritte Säkularfeier der Reformation beging, fanden auch in Gießen, obwohl die Stadt damals noch klein und unbedeutend war, eindrucksvolle Veranstaltungen statt. Außer den gottesdienstlichen Feiern veranstaltete man am 31. Oktober einen Festzug, der sich am Aathause aufstellte und nach dem Äahrungsberge bewegte. Im Zuge gingen die Schulkinder, die festlich mit Grün geschmückt waren, die Mädchen trugen grüne Sträuße, die Knaben hatten Grünes an ihren Mühen oder, wie man damals in unserer Gegend sagte, an ihren Kappen befestigt. Oberhalb des Alten Friedhofes auf der Höhe des Aahrungsherges wurde eine Eiche gepflanzt, die heute noch steht und grünt. Die Kinder wurden dort mit Brezeln beschenkt.
An sie reihte sich in geringer Entfernung, in südwestlicher Richtung, im Jahre 1859 eine Schillereiche. Bekanntlich wurde der 100. Geburtstag Schillers in Deutschland und auch im Auslande, wo nur Deutsche wohnten, mit großer Begeisterung gefeiert. In Gießen veranstaltete man Vorträge und Konzerte. Der Gießener Turnverein war es, der am Abend des 9. Ro- vember einen Fackelzug veranstaltete, der mit einem Freudenfeuer und mit der Pflanzung der Schillereiche endete. Eine Stimme aus diesem Jahre sagt, man habe eine Eiche gepflanzt, „welche den künftigen Generationen zur Erinnerung dienen, und an dem Tag, wenn er einstmals witzderkehrt, mahnen soll, damit auch sie festhalten an dem Geist der Aufklärung und Feste feiern in Einigkeit und Brüderlichkeit". Leider scheinen die Einigkeit und Brüderlichkeit damals in Gießen nicht allzu stark gewesen zu fein; denn die Schneiderzunft war starrköpfig und erklärte, bei der Schillerfeier nicht mitzumachen. Vergebens hielt man der Zunft vor, daß es gerade Schneider gewesen seien, die Schiller im Jahre 1805 zu Grabe getragen hatten.
Große Zurüstungen traf man im Herbste des Jahres 1883 in Gießen, um den 400. Geburtstag Martin Luthers zu feiern, eindrucksvoll war die Feier selbst. Bei dem Festakt in der Stadtlirche hielt der berühmte Theologe Adolf Ha mack, der damals hwr Prosefsor war, die Festrede. Am 10. Rövember, einem Samstag, bewegte sich nachmittags 2.30 älhr -in großer Festzug von Oswaldsggrten nach dem Ludwigs- Platze. Turner, Schützen, die Feuerwehr und der Kriegerverein schritten in diesem Zuge einher. Die Turner hatten es sich nicht nehmen lassen, die Linde, die gepflanzt werden sollte, an ihren Bestimmungsort zu bringen, sie lag auf einem festlich geschmückten Wagen, auf dem weißgekleidete Festjungfrauen saßen. Turner umgaben den Wagen und geleiteten ihn. Der damalige erste evangelische Pfarrer Dr. Rau- mann hielt auf dem Ludwigsplatze die Festrede, in der er sinnvolle Beziehungen zwischen Luther, feinem Fortlehen in der deutschen Ration und der deutschen Linde herstellte. Bei dieser Lutherfeier machte man den Vorschlag, eine zweite Kirche zu bauen, sie sollte, so hieß es damals,
Sprache, mehr mit unfern Vorvätern verwandt, als mit uns, wis yrir jetzt find. Hie wirken wie Menschen aus dem 18. Jahrhundert. Man wird dort in ein Märchen versetzt, und Dornröschen scheint Wahrheit geworden zu fein. Dieses Stücks chen Land, mitten in Europa, hat Jahrhunderte verschlafen.
Das bißchen moderne französische Kultur, Das eingebrunge» ist, liegt nur lose auf her Oberfläche. Jin Laden und im Restaurant spricht man französisch, vielleicht auch beim Kaffeeklatsch, aber nicht bei einem ernsthaften Geschäft und nicht bei einer Liebeserklärung. Wan beschäftigt sich unglaublich viel mit Politik, aber so, wio Kinder Politik spielen: Äeberfchweng- liche 5re.itf>e an verbotenen Umzügen und Der- sammlnngsn mit bombastischen Reden und eine groteske Uneinigkeit. Soviel Flamen, soviel Parteien und Parteichen, und kein Mensch kommt aus die Jpae, daß man sich doch, vor allen Dingen zusammenschlishen müßte gegen die französisch gesinnte Hälfte der Bevölkerung. Als Flämisch-Reden und der flämischen Bewegung Angehören während der deutschen Besetzung im Kriege plötzlich erlaubt, unter Umständen sogar vorteilhaft war, da machte es vielen einfach keinen Spaß mehr. — Man hat den Flamen oft vvr- geworfen. daß sie falsch seien. Das ist ein Irrtum. Sie lügen bewußt bestimmt nicht mehr, als andere Menschen auch. Aber sie sind phantastisch wie Kinder und nehmen das Leben nicht ernst. Das mag mit ihrer politischen Ohnmacht zu- sammenhängen. Jedenfalls, wenn sie eine Verabredung oder ein Versprechen nicht hallen, so wollen sie damit ganz und gar nicht etwa betrügen. Sie nehmen nur nichts wichtig genug, um immer rechtzeitig daran zu denken.
Andererseits hat der Mittelstand in Flandern mehr kulturelle Interessen, als in jedem andern Land. (Der Mittelstand, also nicht die Leute mit viel Geld.) Eine Ausstellung von zeitgenössischen, flämischen Malern in Gent ist innerhalb 14 Tagen ausverkauft! Und es sind oft sehr problematische und sehr moderne Bilder.
Aher fast jeder gebildete Mensch matt in seinen Mußestunden ein bißchcn und weih deshalb, was malen heißt, und versteht die Sprache des Pinsels. Oder er dichtet. Das gehört einfach zum guten Ton. Und c$ gibt ihm ein unendlich feines Verständnis und eine große Liebe für die nationale Dichtung seiner Z^il. Richt patriotische Dichtung, die wird sofort auf Parteizugehörigkeit hin untersucht. Rein, Roman und Lyrik, die oft fein und zart und nervös, oft derb und von einer naiven Sinnlichkeit erfüllt sind, wie man sie kaum noch sonst irgendwo in der Welt findet.
Washington im neuen Licht.
George Washington, der „Vater Amerikas", ist jo etwas wie der Rationalheilige der Vereinigten Staaten, und die amerikanischen Geschichtsschreiber haben sich bisher sorgfältig gehütet, die ideale Fleckenlosigkeit, in der sein Bild den Amerikanern erscheint, nur im geringsten anzutasten. Jetzt aber trift ein ..Bilderstürmer" auf, der dem Halbgott sehr menschliche und sogar allzu menschliche Eigenschaften nachweifen will. Selten hat ein Buch in den Vereurigten Staaten so ungeheures Aufsehen erregt wie der erste Band des „Lebens von George Washington" von Rupert Hughes, der jetzt erschienen ist. Die Darstellung behandelt die ersten 30 Jahre in Washingtons Leben. Der Verfasser hat die Tagebücher des großen Mannes eingeheird benutzt und weist aus ihnen nach, daß Washington durchaus nicht der Idealist war, als den man ihn bisher schilderte, foubern ein tüchtiger Geschäftsmann. ein Mann von Welt, nicht der „leidenschaftslose, kalte, stets selbstbeherrschte Schweiger", sondern ein „Mensch, der lieben konnte und liebte". Wir erfahren, was allerdings den in Amerika geläufigen Anschauungen sehr widerspricht. daß der junge Washington nicht regelmäßig in die Kirche ging, daß er Geschäfte mit Bier und Rum machte und bei feiner Wahl zum Abgeordneten die Stimmen der Wähler durch reiche Alloholfpenden zu erringen suchte.
Luther- oder Martinskirche heißen, ein Ge° danke, der bekanntlich nicht zur Ausführung gekommen ist. Bei der Lutherfeier des Jahres 1883 wurden 5500 Mark für die zu erbauende Kirche gesammelt.
Endlich wurde am 1. Avril 1895 im Akademischen Forstgarten zur Feier des 80. Geburtstages Bismarcks eine zehnjährige Eiche gepflanzt, die aus dem Sachsenwalde bei Friedrichsruhe stammte und damals einen Stockdurchmesser von 4,5 Zentimeter und eine Höhe von 3,20 Meter hatte. Der bamaüge Direktor des Iorstgactens, Prosefsor Dr. Heß, hielt die Festrede. Ueber die Pflanzung dieses Baumes nahm man ein Protokoll auf, in dem es heißt: „Möge die gepflanzte Eiche, kräftig gen Erde und Himmel strebend, aus ihrem t(einen damaligen Umfange im Lauf der Jahrhunderte zu einem Riesenbaum erwachsen, gleich als Symbol der Entwicklung, die unser Bismarck selbst genommen und als Wahrzeichen seines unvergänglichen Ruhmes bis zu den fernsten Geschlechtern."
Konzert-Verein.
Man schreibt uns: Die in der vorläufigen Prygrammaufstellung für den Monai Dezember vorgesehene Kammermusik mußte auf ein früheres Datum gelegt werden und findet nunmehr als er ft es Konzert in diesem Winter am Sonntag, 31. Oktober, nachmittags 5 Uhr, in der neuen Universitätsaula statt. Das für dieses Konzert gewonnene Peischer- Quartett aus Wiesbaden musiziert zum erftenmal in Gießen, gilt aber in den rheinischen Großstädten, in Münctfen, Wien, Pari? usw. alp eine unserer namhaftesten neuen Quartettgemeinschaften. Es setzt sich zusammen aus den Herren: Pros. Josef Pei scher als 1. Geiger und Seele des Quartetts, M. Pascha (2. Violine), R. Biehn (Bratsche) und A. Eichhorn (Cello). Ueber Josef Peischers musikalischen Werdegang ist folgendes zu sagen: Schüler der Professoren Prill und Rose von der Akademie für Musik zu Wien, dann Meisterschüler von Prof. Petschni- tpff in München. Wirksamkeit als erster Konzertmeister am Lgndestheaier in Karlsruhe. Berufung durch Wilhelm Furtwängler in gleicher Eigenschaft an das Symphonieorchester in Wien, und bann unter Prof. Abendroth an das Gürzenich-Orchester in Wien. 1924 Ueberfieblung mit Otto Klemperer als 1. Konzertmeister an das Staatstheater in Wiesbaden. Gründung des Pejfcher-Quartetts. Das Programm ist ein rein klassisches. Haydns O-Pur-Quar- tett (op. 64,5), das sogenannte „Lerchenquartett" eröffnet die Vortragssolge. Das erste Thema hat zwar mit Lerchengesang nichts zu tun, doch ist der Gesang der 1. Violine von so herrlichem Ausdruck, baß man cs mit bem Tirilieren der Lerche vergleichen kann. Es folgt Mozarts OMoll-Quartett (hier schon von bem Wenbling-Quartett vorgetragen), bas zu einem ber besten unb beliebtesten ber Gattung gehört. Einen gewaltigen Schritt vorwärts in ber Quartettkomposition bildet bie Schlußnummer, Beethovens (Rassumorski-) Quartett in L-Moll (op. 59, 2) mit bem bekannten russischen Thema im Trio bes Scherzo.
** Ehe, Geburt und Lod in Hessen 1 92 5. Rach einer allgemeinen Llebersicht über die Eheschließungen, Geburten und Todesfälle in Hessen, die in den neuesten „Mitteilungen der Hessischen Zentralstelle für die Landesstatistik" veröffentlicht wird, wurden im Jahre 1925 in Hessen 10 900 Eheschließungen vollzogen (1924: 10 048); ihnen standen 419 (505) Ehescheidungen gegenüber. Die Zahl der Lebendgeborenen betrug 27 162 (27 095). Die Zahl der Todesfälle belief sich auf 15 011 (15 287), davon waren 1980 (2070) Säuglinge (Totgeborene nicht mitgerechnet). Es find dies 7,3 (7,6) aller Todesfälle. Vpn den 25 125 ehelichen Entbindungen waren 24 830 einfache Niederkünfte, 292 Zwillings gebürten, drei Drillingsgeburten. Von 2629 unehelichen Entbindungen waren 2609 einfache Riederkünfte und 20 Zwillingsgeburten. Zu diesen Geburten kamen 1925 noch 910 totgeborene Kinder.
** Der Bestand an Kraftfahrzeugen in Hessen. Am 1. Juli 1926 gab es in Hessen 4841 Krafträder ohne Kleinkrafträder (1925: 3339), 3836 Personenkraftwagen (3090). Für den Kreis Darmstadt lauten ^ie entsprechenden Zahlen 688, 576, 2o7. für den Kreis Mainz 4§4, 727. 448, für den Kreis Worms 334, 360, 169, für den Kreis Bingen 129, 152, 93, für den Kreis Gießen 354, 354, 94.
" Wohlfahrtsbriefmarken für die „Deutsche Rot hilf«". Die schwierige wirtschaftliche Lage breiter Bevölkerungsschichten, die sich vor allem in der großen Arbeitslosigkeit kundgibt, hauptsächlich auch die immer noch fort-
bestehenden großen Dotftände im Mittelstand, sowie unter den allen Leuten und Kindern erfordern beträchtliche Mittel zur Erfüllung der Aufgaben der Wohlfahrtspflege, die bekanntlich in der „Deutschen Rothilfe" zentralisiert ist. Da unter den gegenwärtigen wirtschaftlichen Verhältnissen auf große Cinzelspenden nicht gerechnet werden kann, hat sich — wie bereits in den beiden vorangegangenen Jahren — die Reichspostverwgltung wieder bereit erklärt, zur ^luterstühung dec Rothilfe vier neue Wohlfahrtsbriefmarken auszugeben, die am 1. Dezember d. Js. in den Verkehr gelangen sollen. Die Marken haben einen Frankaturwert von 5, 10 und 20 Pfennig; sie können als amtliche Postwertzeichen zur Frankierung sämtlicher Postsendungen nach dem In- und Ausland verwendet werden. Ihr Wohltätigkeitssinn besteht darin, daß sie mit einem Aufschlag von 100 Prozent verkauft werden. Der Erlös fließt dec „Deutschen Rothilfe" zur Ergänzung der verfügbaren öffentlichen und privaten Mittel zu.
Die Postaulolinie Bietzen - Kleebachtal.
G r o ß r c ch t en b a ch, 28. Oft. Auf dem hiesigen Bürgermeisteramt fand unter dem Vorsitz Des Bürgermeisters Schneider eine Besprechung mit den Gemeindevorstehern und Bürgermeistereiverordneten der Gemeinden Niederkleen, Dornholzhausen, Hochelheim, Hörnsheim. Großrechtenbach und Lützellinden statt, in der die von der Reichsbahndirektion Frank- f u r t a. M. angeregte andere FühknnA der Kraft- p o st l i n i e Gießen — Niederkleen den Gegenstand eingehender Beratungen bildete. Wie bereits vom „Gießener Anzeiger" mitgeteilt, erstrebt die Reichsbahn mit Unterstützung der Gemeinde Großen-Linden die Auflösung ber bisherigen Linie und die Einrichtung zweier getreu nter Linien, von denen die eine von Niederkleen über Dornholzhausen. Hochelheim unb Hörnsheim nach dem Bahnhof Großen- Linden gehen, die andere von Gießen über Klein- Linden unb Lützellinden nach Großrechtenbach führen soll; bei der letzteren Linie soll es sich gewissermaßen um eine Verlängerung des schon jetzt bestehenden Pendelverkehrs Gießen—Klein-Linden handeln.
Eine längere, eingehende Aussprache führte zu dem Ergebnis, daß die Vertreter obiger Gemeinden den Vorschlag der Reichsbahn ablehn- t e n und dringend den Wunsch äußerten, daß bie nach langwierigen und schwierigen Verhandlungen in Uehercinstimnnlng mit der Reichsposl, der Stabt Gießen und der weiter beteiligten Gemeinde Klein- Linden, nach gründlicher Erwägung aller in Betracht zu ziehenden Verhältnisse, zustande gekommene Linie in ihrer jetzigen Gestaltung auch weiterhin unverändert deibehalten werden m ö gEs wurde hierbei besonders betont, daß die jetzige Linienführung, abgesehen von einigen im Fahrplan noch durchzuführenden Verbesserungen, den Verkehrsbe- dürfnfssen der K l c c b a ch t a l g o rn e i n de y und der auf ganz besonderem Gebiete liegenden Betätigung ihrer Einwohner in jeder Beziehung entspreche, unb daß mit Rücksicht hierauf die Linie unverändert bestehen bleiben müsse, wenn sie nicht der Gefahr der Unwirtschaftlichkeit und damit der E r 1 i e g u n g ausgeliefert werden solle. Die Bevölkerung des Kleebachtales, die jahrzehntelang auf jegliches öffentliches Verkehrsmittel verzichten mußte, ist sichtlich befriedigt darüber, daß sie in Gestalt des Postautos endlich ein solches hat, unb möchte jetzt nicht burch Acnderungen schon wieder der Gefahr ausgesetzt sein, dieses Verkehrsmittels in Bälde verlustig zu gehen, zumal sich die Linie in ihrer jetzigen Führung als lebensfähig erwiesen hat und ihr Fortbestehen gesichert ist. Befremden muß cs, daß sich die Gemeinde Großen-Linden den Anregungen der Reichsbahn anschließt und für die Verwirklichung der Bahnvorschläge eintritt. Es steht hier noch zu gut in Erinnerung aller derer, die bei dein Zu- stanbekommen der Linie mitgewirkt haben, daß die Gemeinde Großen-Linden von allem Anfang an nicht das gering ft e Interesse an der Autolinie hatte, keinerlei Garantiesumme für den Fall der Unwirtschaftlichkeit übernommen hat, und daß auch die Reichsbahn gegen die Berührung Großcn-Lindens als Eisenbahnstation seinerzeit ausdrücklichEinspruch erhob, so daß die K r a ftp o st l i n i c, um einen Gegensatz mit der Bahn zu vermeiden, über Großrechtenbach (Wegeabzweigung Lützellinden—Hörnsheim) u m g e l e i t c t werden mußte.
Was die Verbesserungen des jetzigen Fahrplanes anlangt, so ist darauf hinzuweisen,
Er soll auch seine Sklaven hart behandelt haben und seinen Reichtum durch Landspelulationen erworben haben, die nicht ganz einwandfrei waren. Hughes hebt hervor, daß er die Ansprüche auf Land, die alten Soldaten verliehen worden baren, von diesen kaufte, wenn sie das Recht nicht selbst ausüben konnten. A"s dem Liebesleben des großen Staatsmannes, von dem man bisher so wenig wußte wird nunmehr bekannt, daß er zärtliche Gefühle für eine Frau Sally Fairfar hegte, aber Martha Eustis wegen ihres Geldes heiratete. Hughes bezieht sich auf einen Brief, den Washington nach seiner Verlobung mit Martha Eustis qn Frau Zairfax schrieb: „Sie haben mich, liehe Frau," schreibt er, „oder vielmehr iÄ habe mich selbst zu einem ehrlichen Bekenntnis einer einfachen Tatsache gezwungen. Verkennen Sie nicht meine Absicht. Zweifeln Sie nicht daran, noch enthüllen Sie sie. Die Welt hat kein Recht, den Gegenstand meiner Liebe kennenzulernen, die ich Ihnen ans meine Weise erklärte, als ich sie zu verbergen wünschte. Ein Ding unter allen Dingen in dieser Welt wünsche ich zu wissen, und nur eine Person Ihrer Bekanntschaft kann mir Pos Rätsel lösen oder meine Absicht erraten, aber nun lebewobl bis zu glücklicheren Zeiten, wenn ich jemals solche sehen werde. Die Gegenwart ist trübe und dumpf. Ich nm6 glauben, daß Sie so glücklich find, wie Sie sagen, ich wünschte, ich wäre auch glücklich." Aus diesen Aeußerungen glaubt der neue Biograph auf eine tiefe Steigung für die Dame schließen zu können; aber Washington hat später diese Herzensangelegenheit in tiefes Dunkel gehüllt, indem er seine Briefe vernichtete. Diese neue Auffassung vom Charakter Washingtons, dem „menschliche Schwächen, Steigung zur Weltlichkeit, zu starken Getränten. Kartenspiel und Tanz" vorgeworfeic werden, bat einen Sturm der Entrüstung in den Vereinigten Staaten hervor-- gerufen und veranlaßt die Historiker, sich aufs neue mit dem Wesen des „S)aters des Vaterlandes" zu beschäftigen.


