grettag, 29. GNober 1926
176. Jahrgang
Ur. 254 erstes Blatt
Der
litionsprefle unterdrückt, sondern
auch stet- daS
befallen zeigen, müssen aufl unseren Reiben bannt werden.
Wie vor vier 3abvat. so steht 3br bfute in Waffen. Zu Hunderttaufenden len sich Sure Bajonette nicht nur vor
der Reform unserer Gesetzgebung muh die Reform unserer Sitten kommen. Die ticbev- bleibtel deS alten Italiens müssen beseitigt toc» den. Alle, die von jener alten Ä ran tue U sich
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Bier Jahre Faszismus in Italien
Der Jahrestag dos Marsches auf Rom.
Die Politik von Thoiry.
Eine neue Besprechung Botschafter von .tzoeschs mit Drlnnd
Don unserem römischen ^-Korrespondenten. Rom. Ende Oktober.
Mobilmachungsbefehl: „Für den 28.Oktober sind alle bei der Partei und den ihr direkt unterstellten Organisationen eingeschriebenen Faszisten, außerdem alle Mitglieder der dreizehn Gewerkschaften des korporativen Staates zu mobilisieren, insgesamt also zwanzig Millionen Bürger."
Der Duce befiehlt es, sein Generalstab fertigt den Befehl aus, das Verordnungsblatt verbreitet ihn bis in den letzten Winkel Siziliens, und niemand zweifelt daran, daß die zwanzig Millionen am 23. Oktober, dem vierten Jahrestag der faszistischen Revolution, marschieren werden. .Zum crftcnmalc in der Weltgeschichte versammeln sich, gegliedert nach Rang und Ordnung ihrer wirtschastlichen Funktion, bte großen Massen aller Werktätigen einer Ration. Die neue gewerkschaftliche Gliederung tst vollendet, die Verbände sind anerkannt, die revo- lutionärste Form des F< sziSrnus ist Tatsache — die Feier dieser roDolutionären Erscheinung bezeichne den Beginn des neuen Lebens."
3n den letzten Oktobertagen wird also f a st jeder männliche Einwohner der Apen- ninenhalbinsel und der Inseln das schwarze Hemd tragen, eine Springslut von schwarzen Käppis und Fezen die Stäl tc überschwemmen, der Sturmgesang der „Giovinezza!" zu einem Orkan an- nxubfen. Es muß marschieren, wer überhaupt kann, es müssen auch Kahlköpfe und Schmerbäuche in den Iubelsang auf die Jugend einstimmen. Befehl ist Befehl und Faszismus ist Militär. Strengste Disziplinarstrafen verbieten jeden Widerstand. Man mag nun von Kadavergehorsam sprechen, von Oligarchie und rücksichtsloser Parteidoltrin. das aber laßt sich doch nicht leugnen, daß Italien, dies.'s scheinbar so saloppe Volk, binnen wenigen Jahren und gegen Hemmungen aller Art mit dem Faszismus einen monumentalen Menschenbau aufgerichtet, zu einem einzigen Riesenblock zusammengeschweißt hat, der seinesgleichen tatsächlich in der Weltgeschichte nicht hat. Was sind die roten .Arbeiterbataillone" gegen dieses Millionenheer!
Rur auf militärischer Grundlage war eine solche Organisation möglich, nur unter dem unbeugsamen Feldher rnwillen eines Mussolini. Schritt sür Schritt ging er vor. Stück um Stück riß er ab von dem. was eine „Partei" ausmacht, die Aushebung des Wahlsystems, gewissermaßen also des Söldnertums, reinigte das Rovum von den letzten Schlacken der ticberlieferung. Rie- mand kann sich jetzt mehr in die faszistische Partei einschreiben lassen, niemanb mehr Fnszist „werden". Man wird dazu geboren. Muß als „Dalilla" die Kinderarmee durchlaufen, als Halbwüchsiger den Vortrupp und wächst dann in die eigentlichen Kampfreihen hinein, in den Faszio bi Eombattimento. Bevor der feierliche Ritterschlag erfolgt, muß der Schwur abgelegt werden: „Ich schwöre, die Befehle des Duce ohne Widerspruch auszuführen und mit allen meinen Kräften und nötigenfalls mit meinem Blute der Sache der faszistischen Revolution zu dienen."
Rur ausnahmsweise erhalten um das Vaterland ober den Faszismus besonders verdiente Männer, die bisher außerhalb standen, die Abzeichen des Faszisten ehrenhalber. Die Ausnahmen in den Kampffaszio sind ein für allemal geschlossen. Man zählt heute 9472 solche Sturm- verbände mit 937 967 Kriegern. Dazu kommen 1185 Frauengruppen mit 53 391 Mitgliedern, die vor allem in den Sanitäts- und Verpslegungs- abteilungen tätig sind. Der Vortrupp (Avan- guardie) versügt über 211 189 in 4390 Gruppen zusammengesaßte Jugendliche: in der „Zelle", den kleinen Balilla und Piccole Italiane totm- melt es von 269 166 Schwarzhemdchen.
Die Kerntruppe der Revolution bildet natürlich die sogenannte Miliz, die aus Korbes- sion an die Opposition in das königliche Heer eingegliedert wurde, jedoch nur dem Ramen nach. In Wirklichkeit ist sie die Prätorianergarde des Duce und daraus macht auch niemand mehr ein Hehl, seit er selber wieder den Oberbefehl über seine Legionen übernommen hat. In feinem Heeresbefehl vom 9. Oktober heißt es: „Ihr versteht gewiß die Tragweite dieser Geste (der persönlichen tiebernahme)! Die Losung heißt: Gehorchen mit bedingungsloser Ergebenheit und jederzeit und überall bereit für die Verteidigung des Regimes, das heute das Vaterland ist."
Der Oberbefehlshaber der schwarzen Armee befiehlt natürlich auch über das königliche Heer, die Marine und Luftwaffe. Minister für alles, beruft er Minister des Königs in den safzistischen Großrat. Es ist keine reinliche Scheidung mehr möglich, nicht mehr zu sagen, wo die Partei auf hört und die Ration beginnt. Sicherlich wird über kurz oder lang ouch der Raine Partei verschwinden, desgleichen das Parlament abgeschasst werden. Mussolini führt heute dem ABC°Schühen die Hand und dem König das Zepter. Er greift in das intime Familienleben mit seinen Dekreten ein wie kaum jemals ein Autokrat. Fährt Italien schleht dabei? Die Behauptung drängt sich naturgemäß unserer modernen Staatsausfassung auf, doch wäre es schwer, sie zu beweisen. Freilich sind die Bäume noch niemals in Den Himmel gewachsen.
Mussolini ist sich selbstverständlich gewisser Ölaturgcfeße bewußt und nicht so dickfällig, um
nicht zu empfinden, daß sich's auf die Dauer schwer auf Bajonetten sitzen läßt. Er baute daher sein System zentripetal in dem Sinne aus. daß alle Kräfte nach dem safzistischen Mittelpunkt streben, zentrifugal aber in der Weife, baß es, ähnlich, wie man die modernsten Städte bauen will. Ring um Ring sich erweitert, tim den unverrückbaren Kern des Kampf,aszio legt ich der Gürtel der faszistischen Gewerkschasten, um diesen das Feld der sozialen Bestrebungen und so weiter, tiebcrall entstehen sadistische Heime, Theater und Kinos, Schulen, Erwachsencn- chulen. Man staunt über den preußischen Geist, noch mehr über das unverkennbare Talent für trassste Organisation, das plötzlich auö den Kindern des Südens herausbricht, tinb am meisten über den spartakanischen Willen, an Stelle der großen Gebärde und der romanischen Phrase die Tat zu sehen. So sind beispielsweise für die Kundgebungen der letzten Oktobertage die Reden untersagt worden, nur die wenigsten Führer Dürfen ein paar militärische Worte Vorbringen. Dafür sind sie mit ihrer Person haftbar dafür, daß keine Reibereien und Unfälle vorkommen, insbesondere bei den weiblichen und Kindergruppen. Was zu sagen ist, das sagt der Duce. In Rom wird er im Kolosseum sprechen, dann
Zu den Verhandlungen am Quai d'Orsay wird uns von unserem Pariser W.S.- Korrespondenlen noch folgendes ergänzend mitgeteilt:
Die D.suche, die der deutsche Botschafter in Paris Dr. v. Hoefch dem französischen Außenminister Driand abstattete, werden von der Pariser Presse allgemein als Wlederetnsetzen der deutsch-französischen Annäherungsverhandlungen bezeichnet. Gleichzeitig beeilt man sich aber, daraus hinzuweisen, daß die tinterreöungen von Hoesch-Driand nur ganz allgemeinen Charakter besaßen, und daß der Weg zu einer wirklich deutsch-französischen Verständigung, wie sie in Thoiry ins Auge gefaßt war, nur sehr, sehr lang und steinig sein könne.
Wer die französische Presse in den letzten Wochen aufmerksam verfolgt, wird sich nicht des Eindruckes verwehren können, das) man französischerseits offen ichtlich Vefchleppungspoli- t i k betreibt. Die Argumente, die zur Begründung dieser Taktik vorgebracht werden, sind mannig- Art. Man weist daraus hin. daß die finanziellen Vorschläge Deutschlands äußerst schwierig und kompliziert seien, und daß sie erst gründlich von den Sachverständigen geprüft werden müßten, was naturgemäß eine Arbeit von vielen Monaten darstelle. In dieser Beziehung darf wohl daran erinnert werden, daß ein viel schwierigeres Problem, als die Mobilisierung der deutschen Eisenbahnobligationen, das Dawes-Gutachten, von der
Regime, sondern vor daS ganze italienische Volk. Die faschistische Revolution ist in das moralische Erbgut des Volkes übergegangen und und wird Italien groß machen Der Rus, den heute Eure Massen erheben, ist unverändert» der gleiche Ruf unserer ersten Tage und unserer ersten Verbände: Für die Zukunft der faszistischen Revolution! Für die Macht des Vaterlandes! Sie seien unser!"
Mussolini an die faszistische Jugend.
R D m. 23. ort. IWB.) Anlliß ich des vierten Jahrestages des saszistischen Marsches auf Rom ist die Stadt geflaggt und die Straßen sind sehr belebt. Mehrere Tausend „Avantgardisten" (3u- gendwehr) aus Mittelitalien waren innerhalb und in der Rahe des Colosseumü versammelt, das einen prächtigen Anblick bot. RI u ssoli n t, den die Minister und die Zivil- und Militärbehörden sowie die Führer deS FasziSmyS begleiteten, kam um 11.15 tihr an und bestieg die Tribüne unter unbeschreiblichen Deisallskund- gebungen. Gr sagte u. a., er hätte für die heutige Feier das Colosseum gewählt, da dieses Baudenkmal ein Zeugnis von der tin- ft c r b l i cb t e 11 Italiens sei. Er begrüße In der Jugend das Heer von morgen. Große Ausgaben warteten auf die neuen Generationen, denn In der faszistischen Werkstatt sei Raum für alle diejenigen, die am Ansang oder Ende threü LebenSlauses stehen, für die Geistes- und für die Handarbeiter, für Soldaten, für Bauern, für alle diejenigen, die am Dau deS großen Italien mitarbeiteten, das Tag für Tag, Stein für Stein errichtet wer)«. QHuffollni ermahnte die fafzistifche 3ugaio zur Arbeit. Disziplin. Ehrlichkeit, Loyalität. Offenheit und Mut, bald würde diese Jugend jenem Heere angehören. welches bei Vittorio Deneto eine unauslöschliche Seite im Buche der Geschichte getrieben habe. Millionen Augen des Auslandebiickten auf diese Versammlung. Das neidische, eifersüchtige Ausland wolle sehen, ob wirklich ein neneö Italien entstehe, wie eS der Fa- szismuS wolle. Mussolini forderte zum Schlüsse die Avantgardisten auf. ihre Fähnlein zu heben, um die Sieger von gestern im Rainen der Sieger von morgen zu grüßen. Die Rede wurde mit endlosen Beifallskundgebungen ausgenommen. Der Duce verließ tiesbewegt das Colosseum, um | nach dem Pcckazo Chigi zurückzukehren.
kommen bereit und allen Eventualitäten gewachsen ist. Rur das faszi- stische Regime konnte der Wehrmacht der Ration eine neue Seele und neue Werkzeuge geben. Aus dem Gebiet der wirtschastlichen und loyalen Tätigkeit der Ration leistete der Faszismus etwas ReueS und Heilendes. Die Entwicklung der öffentlichen Arbeiten ist überall großartig, aber besonders in SübitaltciK Die italienische Hande iSmarine steht an zweiter Stelle in Europa und an der vierten in der Welt. Die Pontinischen Sümpfe, die seit 2000 Jahren der Verbesserung harrten, werden bald ein gesundes, fruchtbares Land sein, das die Eisenbahn Rom—Reapel, die nächstes Jahr dem Verkehr übergeben werden soll, durchqueren wird. Die Dauern ernteten 60 Millionen Doppelzentner Korn. Die finanziellen Maßnahmen vom September find noch nicht so alt. daß eS nötig wäre, sie nochmals anzuführen. Die Lira wurde wieder hartnäckig verteidigt.
Das (Befeh aber, das die wahre Resolution bar- flcUl, Ist baejenige, bas die (öcfamtarbcltooer- träge ocr Disziplin unterwirft. Durch dieses Gesetz wurde der bcmagoqifdj-liberale Zustand bet gewerkschaftlichen Erscheinungen enbgültlg begraben.
Dreizehn Verbände umfassen Millionen von schaf- enden Arbeitern. Die Errichtung des Ministeriums sür Gewerkschaften bildet eine neue Tatsache in der Geschichte des italienifdjen Versassungslebens. Der Gewerkscljastsstaat ist die typische Schöpfung und der Stolz der faszistischen Revolution. Da die Auswanderungsländcr heute gesperrt sind, setzte das saszistifche Regime einen Ausschuß ein, der das Problem der Ansiedlung nuferer Auswanderer innerhalb der italienifchen Grenzen studiert. Großartige Arbeiten wurden in den Kolonien vollendet oder In Angriff genommen. Tausende von Schwarz- Hemden arbeiten in den Kolonien und erhöhen deren Wohlstand. 2luf dein Gebiet der auswärtigen Beziehungen entfaltete die saszistische Regierung eine unermüblidje und fruchtbare Tätigkeit. Rach der Regelung seiner Schulden mit den Vereinigten Staaten und mit England schloß Italien mit vielen Ländern zahlreiche Vereinbarungen. Die verbrecherische oder dumme, aber immer ohnmächtige Gruppe unserer noch übriggebliebenen Gegner versucht vergcvens, diese Tccksach'en in ihrer Bedeutung herabzusetzen.
Wir sind kaum über den Anfang hinaus, und es bedarf noch langet und vieler Mühen, und zahlreicher Opfer, um Italien ein vollkommen verändertes Antlitz zu geben. Rach
Ankunft des Generals DaweS in Berlin b!S zur Conboner Konferenz 1924, ein Werl von wenigen Monaten war, well nämlich alle Beteiligten daS Interesse hatten, zu einem positiven Ergebnis zu kommen. Dann wird In der Pariser Presse betont, daß neben den finanziellen auch die militärischen Sachverständigen zu Rate gezogen werden müßten, da die Räumung der Rhein lande eine Frage sei, deren Begutachtung Sache der militärischen Sachverständigen sei, also vornehmlich des Marschalls Foch, der in den Versailler Verhandlungen von 1919 in einem Gutachten den Rhein als Frankreichs Ostgrenze gefordert hatte.
Von einigen Blättern wird überhaupt die augenblickliche Verhandlungsgrundlage (Rhein- landsräumung und Rückgabe des Saargebiets gegen bedeutende finanzielle Kompensationen) als unbrauchbar hingestellt, weil schon auS Prestigegründen (!) Frankreich niemals den Anschein erwecken dürfe, daß es zur Beseitigung der Finanzkrise deutscher Hilfe bedürfe. Frankreich werde sich selbst mit eigenen Mitteln retten, wozu allerdings in einem etwas eigentümlichen Gegensatz bte ständigen Hilferuse und Appelle an Amerika um einen Rachlaß in der Schuldensrage stehen. Ferner wird, um die in Thoiry besprochene Basis au verwirren und sabotieren, „angeregt", in die deutsch-sranzösischen Besprechungen noch andere Probleme auszunehmen. Cs wird nun plötzlich behauptet, daß die deutsch-sranzösische Verständigung nicht eine Materie sei, die diese beiden Länder allein, sondern ganz „Europa" anginge. Der Gedanke Henry de Iouvenels, daß Deutschland in der Anschlußfrage und der Ostgrenzen hinreichende Garantien geben müsse, wird auch von der ossiziösen Presse, wie dem „TempS", mit Freuden ausgenommen, um eben durch Komplizierung und Hereinbringung neuer „Momente" die Verhandlungen zu erschweren.
In der Hinterhand hat außer diesen Argumenten Herr P o i n c a r 6 sicherlich als Bleigewicht an den Füßen BriandS immer noch eine Karte, die bei der französischen Einstellung bis in die Kreise der Linken niemals ihre Wirkung verfehlt, das ist der Versailler Vertrag. Ziehen die Hinweise auf die „technische" Kompliziertheit der deutsch-französischen Verhandlungen nicht mehr, dann wird dazwischen einmal wieder der Versackter Vertrag mobil ge-
Paris, 28. Oft. (Wolfs.) wie seinerzeit be- faniitgegeben wurde, war bei der Unterredung, die vottchasler v. hoefch letzte Woche mit dem Außenminister V r i a n d hatte, vereinbart worden, daß eine weiter Vesprechung in der zweiten halste dieser Woche stattsinden sollte. Diese Vesprechung wurde heute nachmittag abgehalten. Sie dauerte fast eineinhalb Stunden. Ls wurden in ihr die gesamten Probleme der deutsch-französischen Verständigung, um die es sich bei der Besprechung von Thoiry gehandelt hatte, durchgesprochen. Ls wurde dabei der Schwierigkeiten, die die Lösung derartig schwieriger Probleme mit sich bringt, gedacht und zugleich die Möglichkeit der Verwirklichung und die Methoden, zu einer solchen Verwirklichung zu gelangen, erörtert. Ls wurde vereinbart, daß eine weitere Unterredung In der ersten hälfte der nächsten Woche stattfinden solle.
kann.
So liegt nun alles, was die Arme rührt in Italien, dem Duce zu Füßen, willentlich oder nicht. Millionen von Zwecks- und Zwangsfasziften wer- den unter den Gagliardctti und Fahnen mitmar- schieren, aber das tut der Macht des Faszismus keinen Abbruch, denn es ist dafür gesorgt, daß kein räudiges Schaf die Herde anstecken kann. Unerbittlich hausen die Säuberungsgerichte. Einmal ausgestoßen, fällt jeder der Aechtung anheim, er ist fortan ein „Feind des Vaterlandes". Mit uns oder gegen uns! Es gibt keine Wahl mehr.
„Nichts ist gegen mich zu machen!" rief Mus- solini in Perugia aus, als er nach seiner Vorlesung über die Seemacht des alten Roms vor die Menge trat, „nichts gegen euch! Keine Kraft der Welt kann mich von meinem Weg abbringen. Ich suche den Kamps, ich meide die Hindernisse nicht, jeder Widerstand macht mich härter, zäher, unerbittlicher, entschlossener. Ich habe die Aufgabe übernommen, das italienische Volk zur moralischen und materiellen Größe zu führen. Bin ich deswegen ein Tyrann? Kann man von Tyrannei sprechen, wo eine Million Kampffaszisten, drei Millionen Mitglieder faszisti- cher Wirtschaftsverbände und zwanzig Millionen, die so oder so vom Staate abhängen, den Richtlinien der Regierung folgen? Wenn cs je eine Demokratie gegeben hat, s o ist dies die wahre Demokratie. Richt jene feige, die immer Angst gehabt hat und besonders dann, wenn ihr ein bißchen Mut gekommen ist. hier ist bas Geheimnis unserer unwiderstehlichen Kraft!"
Macht, Macht, Macht. Unter diesem Zeichen versteht der Faszismus die moderne Demokratie, jede Schwäche scheint ihm Verrat. Wir schreiben das vierte Jahr des Rommarsches und von Jahr zu Jahr wird das große Volksexperiment interessanter. Wie es auch ausgehe, der Erfolg oder Nichterfolg muß in gewaltigen Formen erfolgen. Entweder zerkrachen die zwanzig Millionen, die heute marschieren, oder sie schlagen auch in anderen Staaten die bisherige Ordnung durch die Macht ihres Beispiels in Trümmer.
Eine Botschaft des Duce.
Rom, 28. Oft. (Wolff.) Bei den Feiern, die in ganz Italien aus Anlaß des Jahrestages der faszistischen Revolution stattfanden, verlasen die Mitglieder der Regierung und die faszistischen Behörden folgende Botschaft Mussolinis: „SchwarzhemdenI Die Feier des vierten Jahres- tages des Marsches auf Rom erfolgt zu einer Zeit, in der das Regime dank seiner Stärke im Innern und seinem Ansehen in der Welt eine mächtige Stellung einnimmt. Das Regime ist fest wie ein Berg aus Granit. In den heutigen Zeiten verläuft das Leben des einzelnen und der Völker zu rasch. Aber es ist iwtwendig, heute einen kurzen Halt zu machen, wie während der Etappe eines noch langen Marsches, um sich die innerhalb eines einzigen IahreS geleistete Arbeit ins Gedächtnis zurückzurufen. Ich beftätige ohne jegliche Rhetorik, daß die Fülle dieser Arbeit ungeheuer ist. Das Regime entfaltete auf allen Gebieten eine belebende Täckgkeit. Dee nationale Wirksamkeit des Regimes in der Politik verwirklichte in wenigen Monaten in Gesehen einige Grundforderungen unserer Doktrin. Ich erinnere an
die Schaffung des Gouvernements Rom, das der Hauptstadt endlich jenen Vorrang einräumte, der ihr von historischem und nationalem Gesichtspunkte aus zukam. „Ich übertreibe nicht, wenn ich sage, daß heute die Gesamtheit der Wehrmacht der Ration voll-
Siebener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
vnick und Verlag: vrühl'sche Universilütt-Vuch- und rieindruckerei «.Lange in Gießen. Schrifiieilung und Geschäftsstelle: Schulstraße 7.
bas Zeitungswc en überhaupt eingeschränkt unb vor allem bie saszi tische Provinzpresse bezimiert. Es gibt nur einen Willen, wozu also Erörterungen in Druckerschwärze? Ein Verordnungsblatt kam heraus, bas Foglio b’Drbini, bas alles Nötige bringt, in knappster folbatifrijer Form, manchmal aber in einem Ton gehalten, der einem weniger selbstbewußten Europäer auf bie Nerven gehen
nimmt er die große Parade in Bologna ab.
Handeln, nicht schwätzen! Folgerichtig wurde nicht nur die Opposilionspres'


