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34 Fortietzung

'Nachdruck verboten

völkerung Darmstadts. Samstags (30. Juli.) ist grobe Eröffnungsfeier vor dem Landesmuseum, Sonntags Festzug, Vereinslvettkäinpie usw. Die EinKelwettkämpfe verteilen sich aus Samstag, Sonntag, Montag und evtl. Dienstag. Montags findet vor dem Landesmuseum die Siegerehrung statt.

«auf der er stand, durch. Lerch stürzte ab und zog sich eine schwere Verletzung des Oberschenkels zu.

)( Ruppertsburg, 28. Sept. Das gün­stige Herbstwetter förderte seither die Feldarbei­ten so, daß das Kartosfelausmachen so­weit beendet ist. im Vergleich zu vorigen Jahren drei Wochen früher. Wenn auch Schwarzbeinig­keit und andere Kartoffelkrankheiten den Ertrag gemindert haben, so darf doch mit einer guten Mittelernte gerechnet werden. Geklagt wird von verschiedenen Landwirten über geringen Er­trag derOdenwälder Vlauen", einer mittel­frühen Sorte. Die Drusch ergeb nisse dür­fen bei Roggen und Hafer als sehr gut bezeichnet werden. Bei Weizen jedoch ist die Minderung des Körnerertrags durch Rost und andere Einwirkungen aus 30 bis 40 Prozent in Ansatz zu bringen, ein Schaden, der aber durch die vermehrte Gebundzahl etwas ausgeglichen wird. Bei der G e m e i n d e o b st v e r st e i g e - t u n g wurden insgesamt 650 Mk. gelöst, ein äu- ßerst geringer Erlös im Vergleich zum Vorjahre, in dem die Einnahme auS Obst über 2000 Mk. betrug. Der Zentner Aepfel kostete am Vauin 5 bis 9 Mk. Billig waren die Zwetschen, wohl deshalb, weil zur Musbereitung genug Birnen vorhanden sind. Roch immer, seit März d. 3.. ruht der Betrieb der chemischen Fabrik Friedrichshütte zum Schaden der Bevölke­rung von Ruppertsburg und Umgegend. Vier Beamte und Angestellte des Werkes wurden ent­lassen.

SiTcid Alsfeld.

-er. Homberg a. d. O h m, 28. Sept. Rach- dem das hiesige Finanzamt innen um­geb a u t und seinem Zwecke entsprechend anders eingerichtet worden ist, s.edelte jetzt die Finanz- kasse, die bisher -in einem besonderen Gebäude untergebracht war, dorthin über. Von jetzt ab werden nicht nur sämtliche Geschäfte in Steuer­sachen im neuen Lokal erledigt, sondern auch die Zahltage finden in diesem Gebäude statt. Die neue Einrichtung dient der 'Bequemlichkeit des Publikums im ganzen Bezirk. 3n dem Finanzamt bleibt eine Wohnung für einen Beamten be­stehen, während der Vorsteher eine besondere Dienstwohnung innehat. Forltrat Bär scheidet in diesen Tagen von hior und siedelt nach Treis a. d. L d a. über, wo er im Ruhestand zu leben gedenkt.

ck. W e t t s a a s e n, 28. Sept. Die Walz- arbeiten auf der Strotze Rupperten- rodMücke werden voraussichtlich in etwa drei Wochen beendet fein. Bis dahin wird der gesamte Autoverkehr zwischen Grünbcrg und Alsfeld noch durch unseren Ort geleitet. Don dem regen Verkehr der Autos hat unserem Ort allein das Postauto Mück eäl l r i ch st e i n am besten gefallen, da es eine gute Verkehrs­verbindung schuf. Der Gemeinderat hat nun be­schlossen. bei der Postbehörde dahin vorstellig zu werden, das Postauto MückeUlrich­stein auch künftig von Mücke über M e r l a uW ettsaasen verkehren zu lassen, um hierdurch für unseren Ort und das bcnach- barte Dörfchen Kirschgarten eine günstige Verbindung zu erlangen. Hoffentlich hat dieser Schritt Erfolg.

Kreis Lauterbach.

8 Sandlofs, 28. Sept. Seit einigen Tagen hatte sich ein älteres Mädchen aus unserem Ort entfernt, das gestern in der Rähe von Q u e ck als Leiche aus der Fulda gezogen wurde. Das Mädchen erfreute sich des besten Rufest war outzerordentlich fleitzig und arbeitsfam. Es ist nicht ausgeschlossen, daß hier ein Verbre­chen vorliegt.

Starkenburg.

* Darmstadt, 28. Sept. Hier tagte der Kreisausschutz des 9. (M i t 1 el r h e i n-) Kreises der Deutschen Turnerschaft zusammen mit verschiedenen Darmstädter Turner- Organisationen zur Vorbereitung des 2 7. Mn- telrheinischen Kreisturnfestes 1927 das in Darmstadt abgehalten werden soll. Mit älnterstützimg von Stadt und Staat wird der Exerzierplatz, der in der Rähe des Haupt­bahnhofs liegt, zum Turn- und Festplah herge­richtet. Der Platz wurde besichtigt und für ge­eignet befunden. Hauptfesttag wird Sonntag, der 31. 3uli, werden. 3n Aussicht genommen Nrw zwei Festtage für die Schulen und die De-

Sturm in Schmalebeck

Roman von Sophie Kloerss. Copyright 1926 by 2lug. Scherl G. m. b. £>., Berlin.

Rheinhessen.

WSR. Mainz, 28. Sept- Zwei Motorrad­fahrer aus Höchst machten am Sonntag eine Fahrt an den Rhein. Auf der Rückfahrt kol­lidierte der vorderste Fahrer in der Rähe von Heidesheim mit einem angetrunkenen Radfahrer, der ohne Licht fuhr, und kam dadurch so unglücklich zu Boden, datz er sich die Zähne einschlug und eine schwere Gehirn­erschütterung davontrug. Sein kurz dahin­ter fahrender Freund kam durch das Unglück ebenfalls ins Stürzen, wobei er zwar selbst heil davvnkam, dagegen die mitfahreirde Dame einen komplizierten Becken­bruch erlitt. Der verunglückte Motorfahrcr wurde ins Mainzer Krankenhaus eingelicfert.

WSN. Bingen, 28. Sept. Zwischen Bingen und Niederheimbach wurden gestern zwei Frauen und ein junges Mädchen aus Bin- iien von einem Auto, das im Zickzackkurs und in chnellstem Tempo dahinfegte, überfahren. Alle rei Damen erlitten schwere Verletzungen. Das Auto fuhr, ohne sich um seine Opfer zu beküm­mern, in rasendem Tempo weiter und konnte un­erkannt entkommen.

Worms, 28. Sept. (WSR.) Heute nach­mittag ereignete sich hier in der Judengasse eine schwere B lu 1 t a 1, die ein Menschen­leben forderte. Mit einem hier zu Besuch weilenden jungen Mann namens Kretz aus Darmstadt geriet der 25 Jahre alle Arbeiter Karl Biegi in einen Wortwechsel, in dessen Verlauf Biegi seinen Gegner mit einem Re­volver niederschotz. Kretz stürzte schwer getroffen zu Boden und war sofort tot. Der Mörder wurde von der Polizei fest genom­men. Die gerichtliche Untersuchung der Mord­tat ist eingeleitet.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

XX Wetzlar, 28. Sept. Die Zeppelin- Eck en er-Spende brachte für den Umfang des Kreises Wetzlar eine Gesamteinnahme von 3680,44 Mk., die sich auf die einzelnen Bür» germeistere.en wie folgt verteilen: Atzbach-Launs- bach 317,75 Mk., Braun'els 483,24 Mk.. Ehrings­hausen 305,01 Mk., Grohrechtenbach 467,95 Mk Hohensolms 285,70 Mk., Schwalbach 222.80 Mk.' Ulm 282,90 Mk. und die Stadt Wetzlar 1315,09 Mark.

XX 2lus der Bürgermeisterei Atz - bach-Launsbach, 28. Sept. In der ver­einigten Bürgermeisterei wurden für die Zeppe» lin-Cckener-Spende insgesamt 317,75 Mk. gesammelt. Diese Summe verteilt sich auf die Meinen O r t s ch a f t e n wie folgt: Atzbach 45,25 Mark, Dorlar 52 Mk., Dutenhofen 34,30 Mk. Garbenheim 32 Mk., Kinzenbach 35,40 M,._ Krof­dorf 11 Mk., Gleiberg 19 Mk., Vetzberg 9,90 Mk. Odenhausen 11 Mk.. Salzböden 22,50 Mk. und Wißmar 45,40 Mk.

ehung sich wegen Verzi^..........

teilet erübrigte. Es wäre auch vom volkswirt­schaftlichen Standpunkte aus unverantwortlich ge­wesen, wenn den Anträgen von Klein-Linden und Grotzen-Linden, die dem damals herrschenden und im Laufe der Zeit wieder abgeflauten,Land­hunger" entsprangen, stattgegeben worden wäre. Der Wert des Waldes läßt sich zahlenmähig kaum berechnen; er liefert der Gemeinde alljähr­lich eine gute Einnahme. Er birgt autzerdem eine Sand und Tongrube, die an eine Firma aus Wetzlar zur Ausbeutung verpachtet ist.

Schmalebeck hatte viel zu bereden. Man fand kein Ende Verlobungen und Hochzeit und der tote König und die Aussichten der Herzogtümer und die veroammten Briefe, von denen schon wieder einer beim Postmeister gelandet war, die guten g^oleb^cr mürben nicht fertig mit reden, und als der Wh.stklub bei Herrn Nilius tagte, wurde überhaupt nicht Whist gespielt, sie hatten zu viel zu besprechen. 0

Zu besprechen, denn klatschen tat der Whist- klub nie.

Pastor Nottmann hatte leider Herrn Nilius aus- gelacht mit seiner Idee, Lydia Moorwood habe die Briefe geschrieben. Er jedenfalls werde sie nicht dar. über interpellieren, und Herr Nilius war etwas be­leidigt von ihm gegangen. Nur den einen Trost Jjatte er, daß Jessen sich ganz zu seiner Ansicht be­kehrte und mit ihm über neue Mittel ratschlagte wie dem Uebel beizukommen sei.

Ilse stand wieder auf, ging herum im Hause, tat rhc Tagewerk, ließ sich aber wenig bei andern sehen, und Glückwünsche wurden noch nicht angenommen' Hanse hatte solche bestimmte ruhige Art, sie als vcr° fr übt abzulchnen, daß auch die Neugierigsten davor verstummten.

_l_ Lützellinden, 28. Sept. Unsere Ge­meinde besitzt in der Gemarkung Grotzen- Linden einen über 100 Morgen groben Wald, den sogenanntenMarkwald", der von der hes- ischen Forstbehorde (Forstamt Schiffenberg, Metzen) verwaltet wird. 3n der Rachkriegszeit waren, besonders von Klein-Linden aus, (Be­gebungen im Gange, denMarkwald" abzu­holzen und das gewonnene Land an Einwohner von Klein-Linden und Grotzen-Linden zu Sied­lungszwecken abzugeben. Es haben seinerzeit wie­derholt Verhandlungen zwischen den beteiligten behördlichen Stellen stattgesunden, deren 5ort= setzung sich wegen Verzichtleistung der Qlntrag-

Zweifelnd und doch sehr erleichtert blieb Io. Hannes Jessen zurück. Er konnte die schwere Unter­redung mit Helene einstweilen aufschieben. Denn, je mehr er darüber nachdachte, um so wahr cheinlicher schien es ihm, daß Lydia Moorwood in ihrer Sitten- strenge versucht hatte, auf diese Weise erzieherisch auf die Schmalebccker einzuwirken. Und wenn, wie es gewesen---und wenn durch sie Riekchen zum

Gluck gelangt war ach, bann war er nur zu bereit, sie zu entschuldigen.

Er richtete sich ordentlich auf und ging in die- stube und holte das versäumte Frühstück nach, denn das gatte ihm gar nicht schmecken wollen. Drei -tage mindestens hatte er Zeit, ehe eine Entscheidung zu erwarten war.

I Der Postmeister allerdings berichtete: Richtig I mußte es fein, denn zweimal in der Woche kämen Briefe aus Hamburg, und wer würde zweimal wöchentlich schreiben, wenn nicht ein Bräutigam, wo doch das Porto vier Schilling kostete? Ja, das sahen die Schmalebecker alle ein.--Draußen in

der großen Welt begannen die Welten zu brausen.

Immer schlimmer lauteten die Nachrichten aus Kopenhagen, immer sicherer wurde es, daß Däne­mark nicht daran dachte, Schleswig einmal an den Deutschen Bund abzutreten, wenn auch für Holstein die Zuknuft noch hoffnungsvoller schien. Aber wer dachte daran, die schleswigschen Brüder im Stich zu lassen!Up ewig ungebeeh.

Schon bildeten sich heimlich Verbände von Jä­gern, Studenten, jungen Bauern und Kaufleuten, die exerzierten und furaglerten, schon strömten aus ollen -teilen des Landes Gelder nach Kiel, wo sich eine provisorische Regierung bildete, dem Herzog von Augustenburg die Landestreue zu halten, und selbst in Schmalebeck kamen abends in der Post die jungen Männer zusammen, fangenSchleswig-Hol- ftein, meerumschlungen", schwuren, niemals dänisch werden zu wollen, legten Armbinden an und ge­bärdeten sich wie angehende Soldaten.

Mitten zwischen ihnen war der alte Kantor. Redete wie em Junger, hatte blanke Augen, schwur trotz seiner sechsundsechzig noch mitgehen zu wollen, wenn es zum offenen Kampf käme.

Wenn Ilse die Post aus Hamburg erhielt, war es fast nur em Bericht für den Vater über allerhand Neuigkeiten, die in der großen Stadt früherer und sicherer bekannt wurden als in dem abgelegenen Uteft. Dabei ein freundlicher Gruß für sie, bisweilen eine Kleinigkeit, die ihr Freude machen konnte, so ein paar schöne Blumenzwiebeln, eine Radierung oer alten Hamburger Nikolaikirche, die vor sechs Jahren dem großen Brand zum Opfer gefallen war einmal em zierlich geklöppeltes Taschentuch:Denn ich feierte gestern Geburtstag und wollte mir selber an diesem Tage eine kleine Freude machen. Was aber konnte mich mehr erfreuen, als wenn Sie, liebe Ilse mir schreiben werden: Das Tüchlein hat meinen Bestall.

Wie ein Wort der Liebe. Nie ein Wort von ge­meinsanier Zukunft. Es war eine Kameradschaft, bie eine Streife Wegs zusammen wandert und sich dann m Freundschaft und Einigkeit wieder trennt

Madam Eggers bewunderte ausgiebig und fand die Gelegenheit über Erwarten günstig.Ich wollt' ja Frau Pastorin nicht stören, aber wenn Frau Pastorin vielleicht meine kleine Rechnung. Ast ja man bloß, daß ich bie Sachen von Spreck- mann und Laubig bezahlen muß, bie Bänber unb Blonben. Und wo Fiete so gräfig viel Zeug ver­braucht bei der Schmiererei mit den Farben." Sie schob das zusammengefaltete Papier auf den Tisch.

Helene Jessen faltete es auseinander, unb ihr Kopf würbe noch röter.Das stimmt wohl un­möglich."

Das stimmt akrat. Unb wo ich so viel Arbeit mit gehabt hab'--nee, kann Frau Pastorin ganz

gewiß sein, bas is sehr knapp berechnet."

»Zch bringe es nachher hinüber/ murmelte bie, "ich muß es doch erst nachrechnen."

Georg kannte schon bie kleinen Schwächen der Schwiegermutter, griff zu unb Jagte:Soll ich dir aushelfen? Wir wollen ja nachher doch noch bie Möbel berechnen", blickte auf den Zettel unb bekam runbe Augen.Ader bas ist boch--. Haben Sie

das geschrieben, Mabam Eggers?"

Wer soll sonst--T Da sahen sie alle, wie

sie erschrak, nach bem Zettel griff unb ihn roieber an sich reißen wollte.Ich will bas noch mal nach­rechnen, wenn Frau Pastor und meint, bas ist zu Diel."

Stopp. Lassen Sie mir bie Rechnung mal." Zhre Hanb wurde energisch zurückgeschoben. Georg faßte in bie Tasche unb holte einen Brief heraus. Lieber Vater, Onkel sagte mir, bu wünschtest ben Brief selber zu sehen, von bem er dir gesprochen hat. Hier ist er. Und wenn bu mal bie beiben Hanb- schriften vergleichen willst--

Riekchen erkannte ihren Georg gar nicht. Er sprach so sicher, mit einemmal, ja, wenn es auf ein Ziel losging, konnte er sich zusammenfassen.

Jessen begriff sofort. Was bie Worte bes Schwie­gersohnes nur halb aussprachen, bas vollenbete Mabam Eggers' verstörtes Gesicht. Ihre Augen starrten wie verzweifelt bald ben Brief, bald bie Rechnung an, sie wollte etwas sagen, das Wort

", ihr im Munde stecken--jetzt machte sie

kehrt unb rannte aus der Tür, rannte über den Markt, sah sich nicht einmal um, vcrschwanb drüben in ihrem Häuschen.

(Fortsetzung folgt.)

»Weidenhausen, 28. Sept. Bei der hiesigen , Versteigerung des Gemeindeobstes : ivurden hohe Preise erzielt, was darauf zurückzu- , führen ist, datz an der Versteigerung verschiedene : Händler teilnahmen, die wegen der diesjährigen ; geringen Ernte das Obst um jeden Preis er- steigerten. Für den Zentner Aepfel wurden am "Baume 10 bis 14 Rkark bezahlt: Birnen kamen auf 4 bis 6 Mark je Zentner zu stehen. Zwetschen gibt es in diesem Jahre auch hier nur in geringem Umfange. Bei der Versteigerung des Obstes der Gemeinde Volpertshausen wurden gleiche Preise bezahlt.

L Münchholzhausen. 28. Sept. Der Fürst zu Braunfels besah in der hiesigen Gemarkung eine Landflächevon34Hektar, welche die hiesige Gemeinde käuflich er­worben hat. Zum Teil hat die Gemeinde das Land an hiesige Ortseinwohner zu Bau- und Sied- lungszwecken weiterverkauft. der übrige Teil ist zur landwirtschaftlichen Ruhung verpachtet. Der Schritt der Gemeinde, der ihr mit Rücksicht auf die Beschaffung des Kaufgeldes große Schwierig­keiten bereitete, wird von den Einwohnern, die zum größten Teilelandarm" sind, begrüßt. Bis­her war das Land von der Fürstlichen Rent- kammer verpachtet.

-t- Münchholzhausen, 28. Sept. Wie vor kurzem imGießener Airzeiger" berichtet, hatten sich die beiden hiesigen Gesang­vereine zu dem MämiergesangvereinCon­cordia" zusammengeschlossen. Rachdem diese Ber­einigung zwei Monate bestanden hat, wurde sie jetzt wieder aufgelöst, so daß nunmehr die beiden Gesangvereine in der alten Form weiterbestehen.

Kreis Biedenkopf.

k. Königsberg, 28. Sept. Beim An­schlägen von Kandeleisen stürzte der Jnstalla- tionslehrling Hermann Will aus Gießen von einem 6 Meter hohen Baugerüst ab. Der junge Mensch hatte Glück im Anglück, denn er zog sich bei dem gefährlichen Sturz nuv eine Verletzung der rechten Schulter zu.

Kreis Marburg.

][ Marburg, 28. Sept. Mit einem stim­mungsvollen Akt wurde heute in der Aula der städtischen Oberrealschule eine Ge­denktafel für die im Weltkriege gefalle­nen ehemaligen Schüler der Anstalt ent­hüllt. Die Tgfel enthält 181 Rainen, 42 von diesen jungen Leuten, die nicht wiedergekehrt, waren unmittelbar von der Schulbank aus ins Heer eingetreten.

Oberlahnkrcis.

* Riederquembach, 28. Sept. Der 26 Jahre alte Arbeiter Jakob Schuhmacher von hier wurde von dem beladenen Anhänge­wagen einesBulldogg" überfahren und so schwer verletzt, daß der Tod aus dev Stelle eintrat. Die Räder hatten dem Be­dauernswerten den Brustkorb eingedrückt.

Dillkreis.

bl. Dillenburg, 28. Sept. Am Sonntag würbe unter zahlreicher Beteiligung ber hiesigen B.reine unb ber gesamten Einwohnerschaft ein Ehrenmal für bie im Weltkriege gefallenen Söhne unserer Stabt enthüllt. Das Gebenkzeichen ist ein schlichtes, aber ansprechendes Bauwerk, bas auf bem Parabeplatz vor bem Amtsgericht feinen Platz gefunben bat. Auf Bronzeplaiten sind bie Na­men von 132 Gefallenen zum bauernben Ge­denken verewigt.

Saiger, 28. Sept. (WER.) Gestern mor­gen wurde in einem Abteil 2. Klasse des Eil- zuges KölnSiegen, der kurz vor 10 älhr in Betzdorf eintrifft, die Leiche des Direktors der Dynamitfabrik Würgendorf, Birkenfeld, gefunden. Er ist einem Schlag­anfall erlegen.

Z B r e i t f d) e i b , 28. Sept. Unter Leitung ber Lehrerschaft fand am Sonntag nach altem Brauch auf ben naheliegenben Viehweiben bas Kinber - fe st statt. Bei allerlei heiteren Darbietungen unb Geschicklichkeitsübungen für bie Kinber nahmen bie Feierstunden einen recht befriebigenben Verlauf. Die Maul- unb Klauenseuche ist hier e r. loschen. Die Sperrmaßnahmen sinb aufgehoben.

Maingau.

WSN. Frankfurt a. M., 28. Sept. Wegen Unterschlaguntzen in Höhe von 55 000 a r t zum Nachteil einer hiesigen Versicherungs-

Nichts beunruhigte, nichts kränkte. Ja, Ilse setzte sich'" hin und stickte mit Golbperlen ein Monogramm, T. R., bas ber Empfänger in feinen Mantel heften ließ. Das war etwas ganz Neues, Riekchen machte es sofort mit Begeisterung nach, unb ihr Georg hing künftig in ber Post seinen Mantel immer so, baß man bie bräutlidje Gabe leuchten sah.

Die bummen Briefe waren anscheinenb ver­schwunden, was Pastor Jessen zu neuer Furcht ver­anlaßte. War seine Helene nun, wo sie am Zixl ihrer mütterlichen Wünsche war, boch zur Vernunft gekommen?

Sie faß jetzt bie halben Tage unb stickte Hem­den unb Bemkleiber, unb Mabam Eggers lief brei- mal in ber Woche aus unb ein unb hatte lange Konferenzen, benn sie nähte ben Putz, Spitzenkragen unb Häubchen unb Tüllbarben unb Fruhlingshüte, unb wenn sie aufgeregt heimfam, sagte sie zu Fiete: Sie sinb unklug, was sie für Gelb ausgeben. Aber für uns ist es gut, mein Fiete. Ich pass' es immer ab, baß Grützmann brühen ist, wenn ich mit ihr reden soll, dann kann sie nicht sagen: Das ist zu teuer, Madam Eggers. Sie macht denn fon Zahn­wehgesicht, aber bas seh' ich nicht."

Fiete hörte nur mit halbem Ohr zu. Seine Ge­danken waren in ben Postversammlungen. Er wollte auch mit, wenn es los ging. Nur bürste bie Mutter das nicht wissen, eh' es fo weit war.

An einem Märztage, bie Sonne meinte es schon ganz frühlingsmäßig, war Mabam Eggers mit ihrer Rechnung hinübergegangen in bas Pastorat. Es hatte sich recht nett aufgefummt. Sie war selbst etwas unsicher, wie bie Frau Pastorin sich verhalten würbe, wenn es nun bezahlen hieß, unb barum paßte sie wieder bie Gelegenheit ab, sah Georg Grützmann drüben hineingehen und wutschte eilig hinter ihm drein.

In der Wohnstube fand sie die ganze liebe Fa- mihe versammelt, denn Georg hatte Tapetenproben aus Hamburg kommen lassen für bie zukünftige gute Stube feiner Frau, unb bie Tapeten mußten von ' allen Familienmitgliebern bemunbert werbey. | Helene Jessen hatte ganz heiße Backen, sie war ! viel aufgeregter als bie Tochter. So wunberoolle Sachen. Ihr Riekchen hatte wirklich in ben gol- 1 denen Topf gegriffen. Ja, bas mußte man sagen, 5 öas Kind bekam es gut.Was sa Sie dazu, Marn i Eggers?"

gefellschast wurden am Freitag zwei 30jahriae Versicherungsbeamte aus Frankfurt bzw. Ober-Roden f e ft g e n o m m e n und ins Unter- suchungsgefängnis eingeliefert.

Kreis Fulda.

Fulda. 28 Sept. (WSR.) Rach amtlicher Mitteilung ist bts zum Montag die Zahl der Erkrankungsfälle an Paratyphus im hiesigen Bezirk auf 65 gestiegen. Die Stadt Fulda ist mtt 17 Fällen beteiligt. Die Zahl der von der Seuche betroffenen Ortschaften beträgt 23 Todesfälle sind noch nicht vorgekommen.

Kreis Hersfeld.

WSR .H e r s f e l d, 28. Sept. Die T h p h us- epid em i e hat auch auf Hers selb Überae- griffen. D.s jetzt liegt ein Kranker schwer 0 a r,n i e d e r. Rach Erklärung von amtlicher Stelle bestehl eine Ansteckungsgefahr nicht. Gerüchte, denen zufolge auch in dem zum Preise Hersfeld gehörigen Teile des Werratales die Typhuseprdemie ausgebrochen sei, entsprechen nicht den Tatsachen. Allerdings ist dort, z. B. in Hermgen, eine starke Verunreinigung des Trink- Wassers durch allerlei totes und lebendes Gewürm festgestellt worden, das seinen' Weg durch die Leitung bis in die Häuser gefunden hat. Maß­nahmen zur Abstellung dieses unhaltbaren 3w standes smd ein geleitet worden.

Oberhessisches Schwurgericht.

Gießen, 28. Sept.

Unter bem Vorsitz bes Lanbgerichtsbirektors C r a m e r verhandelte das Schwurgericht gegen den 32jährigen Albert Helftrich von Ober-Eschbach wegen T o t s ch l a g s v e r s u ch s. Die Anklage ver­trat Staatsanwalt Dr. E ck e r t, die Verteidigung führte Rechtsanwalt L u l e y. Es waren 18 Zeugen und ein Sachverständiger geladen

Der Angeklagte, ein gelernter Metzger, lebte mit seiner grau in unglücklicher Ehe. Er warf ihr lieder­lichen ßebensmanel unb Untreue, sie ihm Faulheit und Trunksucht vor. Infolge desLotterlebens" ber Eheleute, wie ein Zeuge aus Oder-Eschbach sich ausdrückte, ging das Geschäft rasch zurück, das ur- sprunglich beträchtliche Vermögen schwand dahin. Nach Fastnacht dieses Jahres kam es, da die Frau dem Mann Gelegenheit zur Eifersucht gegeben hatte, ju schweren ehelichen Szenen; einmal lauerte er ihr mit dem Schlachtmesser auf und hätte sie fast um­gebracht. Im Mai trennte sie sich von ihm, reichte die Ehescheidungsklage ein unb zog nach Friedberg, wo sie als Büffetfräulein in einer Wirtschaft Stel- ung nahm. Er zog ihr nach, versuchte vergeblich, ie wieder an sich zu ziehen unb geriet burdi Um atigteit, Alkoholmißbrauch und Eifersucht zu der ie ihm Grund gab unb wofür er sich auf feine Art entschädigte immer mehr in einen Zustand see- Uscher Verwahrlosung. Er ging dazu über, seine Frau, auf bie er auch bei Dritten in unflätigen Aus­drucken schimpfte, mit Totschießen zu bedrohen. Einen gelabenen Revolver trug er immer bei sich. 21m Abenb bes 2. August lauerte er feiner Frau vor ber Wirtschaft, wo sie in Stellung war, auf. Als sie einen Augenblick im Vorgarten zu tun hatte, sprang er, ohne ein Wort zu reben, auf sie zu, hielt ihr ben Revolver an bie Schläfe unb brückte ab. Der Schuß hersagte, ebenso ein zweiter Schuß, ben er mitten in bas Gesicht ber Frau richtete. Jedesmal hörten bie Frau unb anbere Gäste beutlich bas Knacken ber Waffe. Darauf sprang ber Angeklagte so rasch weg, baß er von ben Gästen, bie ihn verfolgten, nicht ein­geholt werben konnte.

Der Angeklagte, ber am Tag nach ber Tat bei (einer richterlichen Vernehmung in Friebberg die Totungsabsicht zugegeben hatte, behauptete heute, er habe seine Frau nur erschrecken wollen. Aus seinem ganzen Verhalten und seinen Aeußerungen vor und nach ber Tat ging inbes bas Gegenteil hervor Er werbe heute noch mit seiner Frau abrechnen, hatte er kurz vor ber Tat geäußert, unb*unmittelbar nach­her brückte er sein Bebauern aus, baß ihm sein Vor­haben nicht gelungen fei, er werbe es aber noch ausführen, ber Revolver sei ihm nicht losgeganqen. Er war an jenem Abenb stark angetrunken unb lehr erregt, ist überhaupt nach bem Gutachten bes Kreis­arztes Mebizinalrat Dr. Walger ein erblich be­lüfteter Psychopath.

Der Staatsanwalt beantragte Verurteilung wegen vorsätzlichen Tötungsversuchs ohne lieber- legung (Totschkagsoersuchs) unter Annahme mit- bernber Umftänbe, ber Verteidiger plädierte auf Ve­rätzung.

Das Schwurgericht schloß sich ber Rechtsauffas- fung bes Staatsanwalts an unb verurteilte ben An-