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mit dem Ausdruck tief empfundenen Dankes an die Presse der Westmark, des besetzten und nicht mehr besetzten Gebietes für ihr mannhaftes und erfolgreiches Wirken im Sinne deutscher Einheit und Hntrennbarkeit.

Zu dem Vertragswert der Reichs­arbeitsgemeinschaft der deutschen P r e ss e nahm Dr. Simon (Frankfurt a. M.) das Wort. Er schilderte den Werdegang der langwierigen Verhandlungen, die der Verein mit der Oraanisation der Redakteure zu führen hatte, skizzierte des nähe- ren den Inhalt und die grundsätzliche Bedeutung des Vertragswerkes und stattete den Verlegern, die in der schwierigen Vorarbeit, die zu dem Abschluß des Vertragswertes zu leisten war, jahrelang an vorderster Stell gestanden haben, den Dank der ge­samten Verlegerschaft ab.

Zur allgemeinen Lage der deutschen Zeitungen sprach der Vorsitzende Kommerzien­rat K r u m b h a a r. Er schilderte die außerordent­liche Verschlechterung der wirtschaftlichen Verhält­nisse, wie sie sich für die Verlcgerschaft im ver­gangenen Jahre erheblich fühlbar gemacht hat. In eingehender Weise behandelte er die Frage des gegenwärtigen Konjunkturtiefstandes, der für die Zeitungen auch für die nächste Zukunft keine gün­stige wirtschaftliche Aussicht bietet. Die Verleger­schaft müsse, so führte der Redner aus, begreifen, daß Deutschland noch sehr schweren, harten und entbehrungsreichen Jahren entgegensehen müsse, und daß es darum notwendig fei, genau zu rechnen und streng zu sparen.

Der Erste Stellvertretende Vorsitzende des Ver­eins, Professor Julius Ferdinand W o l l f (Dres­den), behandelte in einem Referat die dringenden Probleme des Presserechts, insbesondere die Frage der Verantwortlichkeit. Die juristische Ver­antwortlichkit ist, so führte er aus, bekanntlich seit 1874 im Reichspressegesetz festgelegt. Inzwischen haben sich jedoch soviel Unzulänglichkeiten dieses veralteten Presserechts ergeben, daß eine Reform unbedingt notwendig wird. Den größten Teil den Ausführungen Prof. Wollfs nahm die Frage der mo­ralischen Verantwortlichkeit des Verlegers und die nur prcfsegefetzlich bindende Verantwortlichkeit des Herausgeberseiner Zeitung ein. Professor Wollf schloß mit dem Satz, daß auch die Selbstzensur, das ungeschriebene Preisegesetz, nach dem sich die Presse richten müsse, dringend der Reform bedürfe, und daß im Zeitungswesen die Achtung vor der Per­sönlichkeit insbesondere auch verdienter Staatsmän­ner in jeder Hinsicht viel strenger gehandhabt wer­den müsse, als es in der Gegenwart in vielen Fällen geschehe. (Lebhafter Beifall.)

Dr. y. c. Lensing - Dortmund unterstrich die Ausführungen Prof. Wollfs und betonte, daß der Verein Deutscher Zeitungsverleger in dem lebten Jahre geradezu Vorbildliches für die Presse geleistet habe. 'Die Mitglieder des Vereins hätten darum die Pflicht, die Arbeit des Vereins tatkräftig zu unterstützen. Kölle» gialität, wahre Einheit und gegenseitige Achtung seien dazu die wichtigsten Mittel. Den Aus­führungen folgte lebhaftester Beifall aus der Versammlung.

Heber die P apierf rage referierte Dr. Garbe, Berlin. Der Redner berichtete ausführ­lich über die zurückliegende Zeit der Zwangswirt- fchast und die gegenwärtige Lage auf dem Pa­piermarkt. Er schilderte den außerordentlich gro­ßen Papierüberfluh in Deutschland und die eigen­artige Tatsache, daß der deutsche Papierpreis weit über dem Weltmarktpapierpreis liegt. Dieser Zustand sei in der fast völligen Kartellierung der deutschen Papierfabrikation begründet, deren Rachteil für das deutsche Zeitungswesen von Dr. Garbe im einzelnen an Beispielen belegt wurde. Eine rege Diskussion schloß sich an die mit gro­ßem Beifall aufgenommenen Ausführungen an.

Herr D i e r i ch s, Bochum, gab sodann einen ausführlichen Heberblick über den gegenwärtigen Zu st and des Anzeigenwesens und die Arbeit, die der Verein Deutscher Zeitungsver­leger im vergangenen Geschäftsjahr zur Bereini­gung der gegenwärtigen Zustände im Anzeigen- wesen geleistet hat.

Jin Mittelpunkt der Beratungen stand ein Refe­rat des Geheimen Hofrats Prof. Dr. Alfred Weber (Heidelberg) über die Heranbildung des verlegerischen und journalisti- s ch e n Nachwuchses. Prof. Weber zeichnete ein großzügiges Bild von dem enormen Einfluß der modernen Presse in der Gegenwart und erklärte, die Presse sei eins der wesentlichsten Momente der Charakterbildung des deutschen Volkes. Sie befinde sich augenblicklich in Deutschland auf einem hohen Stande'ihres Einflusses. Es gelte, diese außerordent­liche Position des deutschen Zeitungswesens auszu­nutzen. Die Universität Heidelberg habe darum die Idee führender Verleger, 'an der Heidelberger Uni­versität ein Institut für die Heranbildung des ver- legerischen und journalistischen Nachwuchses einzu­richten, mit größter Freude ausgenommen. Prof. Weber schilderte im einzelnen die Absichten, die die Universität bei Errichtung dieses Instituts leiteten. Die Ausführungen Prof. Webers fanden den un­geteilten Beifall der Versammlung.

Dr. I ä n e ck e - Hannover bat bann die Der- leoerschaft um Hnterstühung des bekannten Auf­rufes zur Erhaltung des Kölner Domes als eines rationalen Kulturgutes des deutschen Volkes.

Als Ort der nächsten Hauptver­sammlung wurde auf Einladung der Stadt Dresden und des Vereins der Sächsischen Zet- tungsverleger einstimmig Dresden gewählt. Dort wird im Jahre 1927 im Rahmen der Jah­res schau Deutscher Arbeit die AusstellungDas Papier und die Kulturgüter, die mit dem Papier zusammenhängen" zu sehen fein und dabei auch eine Deutsche Zeitungsausstellung. Die der Ver­sammlung vorgeschlagenen Satzungsände­rungen wurden ebenfalls einstimmig angenom­men. Die aus dem Vorstand ausscheidenden Vorstandsmitglieder wurden sämtlich wiedergewählt.

Reichsminister des Auswärtigen Dr. Strefe­rn ann richtete an den Verein deutscher Zeitungs Verleger folgende Worte:Der außenpolitische Kampf Deutschlands ist in feiner tiefsten Bedeutung ein Kampf um die deut­sche Kultur, um ihr Weiterbestehen und ihre Geltung in der Welt. Wie die deutsche Außen­politik nicht für den Westen oder den Osten optieren kann und will, so darf auch die deutsche Kultur nicht wählen zwischen westlicher Zivili­sation und dm neuen, alles Bestehende revo­lutionierenden Ideen des Ostens; auch wenn diese häufig in bestechendem Gewände auf tret en; sie muß vielmehr beiden gegenüber ihre Selbständig­keit bewahren, um das hohe Gut der deutschen Seele in eine glücklichere Zukunft zu retten. Der deutsche Geist hat der Welt auf allen Gebieten so viel gegeben, daß die Derunglinrp- jungen, big Ä» Kriege auch gegen die deutsche

Kultur erhoben worden sind, nur ihre Hrheber, nicht Deutschland belasten. Cs ist von diesen De° chimpfungen allmählich still geworden. Langsam vird der deutschen Kunst und Wissen- chaft wieder die ihr gebührende Stellung in der Welt eingeräumt. Mehr als je ist es deshalb heute notwendig, daß das geistige Deutschland an sich selbst und feine Sendung glaubt, und daß ein einiges Reich die heilige Flamme des Deutschtums hütet, damit sie über Länder und Meere allen Deutschen und allen Freunden deutschen Wesens leuchten möge. Die deutsche Presse ist berufen, bei dieser Aufgabe führend mitzuwirken.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 28. Juni, 2 Uhr nachm. Auf der Ta­gesordnung steht die erste Beratuna des Gesetzent­wurfes, dgrch den das Reichsgesetz über d i e Schutzpolizei der Länder vom 17.Juli 1922 aufgehoben werden soll. Das jetzt aufzuhebende Ge- etz sah die zwölfjährige Verpflichtung der Polizisten vor, in ähnlicher Weise, wie es bei der Reichswehr geschieht. Die alliierten Mächte haben diese An- tellungsart beanstandet, und auch die Reichsregie- ung hält eine Neuregelung für zweckmäßig. Danach ollen in Zukunft die Polizeiwachtmeister grund- ätzlich, nachdem sie sich bewährt haben, die lebens­längliche Anstellung im Polizeidienst finden.

Die Vorlage wird ohne Aussprache dem Rechtsausschuh überwiesen.

Es folgen die Beratungen des volkswirt­schaftlichen und des sozialpolitischen Ausschusses über die Anträge, die von ver° chiedenen Parteien zur produktiven Erwerbs­losenfürsorge gestellt waren. Der Sozial­politische Ausschuß hat die Anträge durch An­nahme einer Entschließung erledigt, in der er betont, daß an Stelle der Erwerbslosen-Hnter- stühungen eine großzügige Arbeitsbeschaffung treten muß. Die Regierung wird ersucht, durch Bereitstellung der nötigen Mittel die Durch­führung des Programms zu sichern, das der Volkswirtschaftliche Ausschuß für die Arbeits­beschaffung aufgestellt hat. Dazu sollen ge­hören: Straßenbau und Straßenerneuerung, Kul­tivierung von Oedland und Moorgelände, Schiff­barmachung deutscher Flüsse und Kanäle, Fluß- und Kanalregulierung zur Gewinnung von Kul­turboden und zur Verhütung von Hochwasser, Anlage zur Gewinnung von Wasserkräften, Wohnungsbau, Elektrifizierung der Eisenbahnen usw. Die Reichsregierung wird ferner ersucht, zu prüfen, ob die Schwierigkeiten beim Ruh- landkredit nicht behoben werden können, darauf­hin zu toitien, bei den Reparationsleistungen auf die Gewinnung langfristiger Sachlieferungen, zu untersuchen, inwieweit der große Heberfluh von Tagesgeld, der zum großen Teil zu reinen Spekulationszwecken im In- und Auslande ver­wendet wird, der produktiven Wirtschaft Deutsch­lands zugeführt werden kann.

Die Kommunisten beantragen die Bereit­stellung weiterer 300 Millionen zur produktiven Erwerbslosensiirsorge, die in der Hauptsache zu Kanalbauten und zu Arbeiten zur Verringerung der Hochwassergefahr verwendet werden sollen. In einem weiteren kommunistischen Antrag wird die Erhöhung der Sätze der Erwerbslosenunter- stühung um 50 Prozent, Erhöhung der Kurz­arbeiterunterstützung, Fortfall der Karenzzeit und die Zahlung für die ganze Dauer der Erwerbs­losigkeit gefordert.

Reichsarbeitsminister Dr. Brauns: Ich begrüße die Gelegenheit, mich über das große Problem der Arbeitslosigkeit vor der Oeffent- lichkeit auszusprechen. Die Reichsregierung bringt dieser Frage natürlich das größte Interesse ent­gegen. In den Ausschußvephandlungen hat sich eine weitgehende Hebereinstimmung zwischen Reichstag und Reichsregierung gezeigt. Im Februar dieses Jahres erreichte die Erwerbs­losigkeit ihren Höhepunkt mit zwei Millionen Erwerbslosen. Diese Zahl sank bis zum Mai auf 1 742 000. Die Zahl der Kurzarbeiter ist etwa gleich hoch wie die der Vollerwerbslosen. Die Abnahme der Erwerbslosenzahl vom Winter zum Frühjahr um 300 000 Mann kann in der jetzi­gen kritischen Zeit nicht als befriedigend ange­sehen werden. Die Zahlenbewegung unter den Erwerbslosen ist größer als man allgemein an­nimmt. Von 473 000 Erwerbslosen am 15. No- Dember 1925 waren am 15. Mai 1928 nur noch 186 000 Hnterstühungsempfänger. Bei anderen Vergleichen ist das Ergebnis noch günstiger. Dar­aus ergibt sich, daß die Hnterstühung der Er­werbslosen im allgemeinen die Aufnahme der Arbeit nicht verhindert hat. Andererseits ist der chronische Charakter der jetzigen Arbeitslosigkeit nicht zu verkennen.

Die Reichsregierung hat ungeordnet, daß die Kurzarbeiterfürsorge bis zum Herbst bestehen bleibt. Die unbesteuerten Erwerbslosen sollen be­vorzugt in Beschäftigung gebracht werden und Rotstandsarbeiten erhalten. Die Gemeinden sollen zur vermehrten Fürsorge für die unbe­steuerten Erwerbslosen veranlaßt werden. Vor 1929 ist mit einer Beseitigung der Arbeitslosigkeit nicht zu rechnen. Die produktive Erwerbslosenfürsorge will die Reichs­regierung in jeder Weise fördern. Die dazu er­forderlichen Mittel sollen zum großen Teil durch Anleihen aufgebracht werden. In erster Linie sollen die noch nicht fertigen Teile des Mittel­landkanals gebaut werden. Weitere Aufgaben sind der Dau des Stauwerkes in Ottmachau, die Kanalisierung des unteren Mains, des Neckars und die Verbindung von Rhein, Main und Donau. Andere Arbeitsgelegenheit bietet die Kul­tivierung von Oedland. In dieser Richtung liegen die beabiichtigten Maßnahmen der Regierung zur Förderung des Schlüsselgewerbes, besonders der Landwirtschaft, der Eisenindustrie und des Baugewerbes. Die Reichs reg ieruna erwartet be­stimmt, daß sich die Wohnungsbautätigkeit in nächster Zeit wesentlich heben wird. Sie stellt den Ländern dazu einen weiteren Kredit zur Ver­fügung unter der Voraussetzung, daß die Länder ihn zwischen Oktober und Januar zurückzahlen, wenn die Erträge der Hauszinssteuer eingegangen sind. Die Regierung ersucht erneut und dringend die Gemeinden, in eigener Regie noch in diesem Jahre die Behelfswohnungen zu beschaffen für solche Mieter, die die Wohnungen räumen müssen. Im Herbst soll ein einheitliches Wohnungsbau­programm für die nächsten drei Jahre aufgestellt werden. (Beifall.) Das ist die unerläßliche Vor- aussehung für einen Abbau der Wohnungs- zwangswirtschast.

Der Minister tritt zum Schluß für eine straffe Organisation der Arbeitsbeschaffung auf dem Ge­biete des Straßen- und Wegebaues und bei der Reichsbahngefellschaft, sowie bei dem kommenden Ausbau des Hansakanals ein. (Lebh. Beifall.)

Abg. Schütz (Kom.) tritt für die kommuni- tischen Anträge ein und bezeichnet die Aus- chuhentschließung sowie das Regierungspro­gramm als unzureichend.

Abg. Rädel (Kom.) bezeichnet es als aus­geschlossen, daß mit dem Regierungsprogramm das Arbeitslosenproblem gelöst werden könnte.

Damft schließt die Aussprache. Die Ausschuh- entschliehung wird gegen die Stimmen der Kom­munisten angenommen.

Der kommunistische Antrag, der für die Cr- werbslosenfürsorge die Bereitstellung weiterer 300 Millionen verlangt, wird dem Haushaltsaus­chuß überwiesen, ein weiterer kommunistischer Antrag wird abgelehnt.

Die sozialdemokratische Entschließung über die Gemeindeanleihen für die produktive Erwerbs- Icfenfürforge wird dem Haushaltsausschuß über­wiesen.

Cs folgt die 2. Beratung des Antrags Dr. Frick (Völk.) auf Aufhebung des De­etzes zum Schuhe der Republik. Der Rechtsausschuß hat Den Antrag abgelehnt und beantragt, das Republikschuhgeseh in der Weise zu ändern, daß die Zuchthausstrafen Wegfällen und daß die Ausweisung bestrafter Ausländer nicht vorgenommen wird.

Abg. Dr. Frick (Völk.) verlangt die Strei­chung der Bestimmungen aus dem Gesetz, die das Verbot bestimmter politischer Verbände zulassen.

Abg. Dr. Rosenfeld (Soz.) erklärt, auch eine Freunde seien von der Wirkung des Republik- chutzgesetzes nicht begeistert. Das sei aber nicht die Schuld des Gesetzes, sondern des Reichsgerichts, das ganz einseitig gegen Sozialdemokraten und Kommunisten vorgehe, aber die Völkischen be­günstige. Die Aushebung des ganzen Gesetzes könne nicht gebilligt werden, weil ein Schutz gegen die Aktionen der Rechten notwendig sei. Dem Ausschuß- antrag stimmt der Redner zu.

Bei der zweiten Abstimmung bezweifelt Abg. Kube die Beschlußfähigkeit des Hauses.

Nach einigen" Minuten füllt sich auf die üblichen Signale der Sitzungssaal, so daß das Bureau ein­stimmig die Beschlußfähigkeit feststellt.

Der völkische Antrag auf namentliche Abstirn- muna über den Ausschußantrag wird von den Deutschnationalen unterstützt. In namentlicher Ab­stimmung wird der Ausschußantrag mit 234 gegen 102 Stimmen der Deutschnationalen und Völkischen bei einer Stimmenthaltung angenommen.

Gegen 6 Uhr vertagt sich das Haus auf Diens­tag. Auf der Tagesordnung steht die zweite Be­ratung des Fürstenabfindungsgesetzes.

Kunst und Wissenschaft.

Die kommende Spielzeit am Hessischen Landestheater.

Das Landestheater kündigt für die nächste Spielzeit an Neuheiten für die Oper an:Die Gezeichneten" von Schreker; Dr. Faust" von B u s o n i undCardillac" von Hindemith. Verhandlungen über eine Ur­aufführung schweben noch. Nach der Ankündi­gung sollen die Klassiker im Rahmen des Schau­spielprogramms einen größeren Raum ein­nehmen. Außer demCgmont" wird von Goethe nochIphigenie" und der erste Teil des Faust" gebracht. Kleist wird mitPenthe­silea", Shakespeare mitMacbeth", Schil- l e r mit demTell" und Hölderlin mit dem Tod des Empedokles" vertreten sein. Erworben wurden bisher zur Uraufführung: Bert Brechts LustspielMann ist Mann", Fritz von UnruhsBonaparte". An neuen Autoren­namen werden zum ersten Mal im Spielplan erscheinen: Ernst Bittlinger und Robert Walter. DieJunge Bühne" wird vier Ur­aufführungen jüngster Dramenliteratur bringen.

8. Hauptversammlung

der Darmstädter hochfchülgesellschaft.

Die Vereinigung von Freunden der Tech­nischen Hochschule zu Darmstadt (Ernst- Ludwigs-Hochschulgesellschaft) hielt ihre 8. Haupt­versammlung unter dem Vorsitz von Ge­heimrat Professor Berndt ab, der auch den Jahresbericht erstattete. Die Vereinigung zählt zur Zeit 570 Mitglieder. Wegen der Wirtschaftsverhält­nisse sei es vielen Mitgliedern schwierig oder so­gar unmöglich gewesen, auch nur die ermäßigten Beiträge zu bezahlen. Versuche, die von der Hoch­schule nach dem Examen Abgehenden als Mit­glieder zu gewinnen, hatten so gut wie keinen Er­folg. Nach der Jahresrechnung von Prof. Finger balanzierten die Einnahmen und Ausgaben mit 117 500 Mk. Das Vermögen ist durch die Kosten für die Otto-Berndt-Halle von 41000 Mk. auf 25 000 Mark zurückgegangen. Geheimrat Prof. Berndt und Prof. Finger, die von ihren Aemtern zurücktraten, wurden zu Ehrenmitgliedern der Hochschul­gesellschaft ernannt. Prof. Berl wurde zu ihrem Vorsitzenden gewählt. Dieser hielt einen Vortrag über Kunstseide, die seit etwa 40 Jahren industriell hergestellt wird, aber eine immer größere Bedeu­tung erlangt. Gegenwärtig werden jährlich 100 Millionen Kilogramm im Werte von 1 Milliarde Mark hergestellt. Die Erzeugung von Kunstseide erfordere viel Erfahrung und sie fei eine der schwie­rigsten Industrien. Die Hoffnung sei berechtigt, daß es gelinge, aus heimischen Urprodukten eine Faser herzustellen, um damit den Bedarf an Bekleidung der deutschen Bevölkerung zu decken.

hochschulnachrichten.

WSN. Marburg, 28. Juni. Wie verlautet, hat Professor Dr. Klemens Schäfer in Mar­burg einen 9t u f an das Ordinariat der Physik an der Universität Breslau als Nach­folger von Geheimrat Otto Lummers ange­nommen.

Aus aller Welt.

Blutige Zusammenstöße in hohensalza.

Nach Blättermeldungen aus Warschau kam es gestern während eines Hmzuges der Sozial­demokraten in Hohensalza zu blutigen Zu­sammenstößen mit der Polizei, die den Zug auflösen wollte, weil keine Genehmigung einge­holt worden war. Mehrere Polizisten tourten von ter Menge entwaffnet. Herbeigerufene Poli­zeireserven machten von der Schußwaffe Gebrauch, töteten zwei Demonstranten und verwun­deten neun schwer. Die Polizei hatte einen Toten und sechs Verletzte. Nach einer Meldung desLokalanzeigers" sollen an dem Hmzuge auch Pilsudskische Jäger teilgenom­men haben, deren Führer gemeinsam mit vielen anderen Demonstranten verhaftet sein sollen.

Leichtes Erdbeben in Süddeutschland.

In Freiburg im Breisgau wurde ein Erd­stoß verspürt, der von einem unterirdischen Rollen begleitet war. Nach dem Kaiserstuhl

hin war die Erschütterung so stark, daß viele Leute ihre Wohnungen verliehen. Nach weiteren Meldungen soll das Erdbeben auch im Elsaß, besonders stark aber in der Schweiz ver­spürt. worden fein.

Drei neue Dammbrüche bei Wittenberge.

Der Sommerdeich bei Dannenberg ist in der letzten Nacht an drei Stellen gebrochen. Der Rück­stau von der Elbe trieb das Wasser zu einer solchen Höhe, daß gestern abend gegen 10 Uhr sämtliche Hilfsmannschaften zurückgezogen werden mußten. Die Flut riß den Damm an drei Stellen ein, so daß die Katastrophe unaufhaltbar ist. 12 000 Mor­gen sind hierdurch aufs neue überschwemmt. Gartow und Gerieben gleichen einem See. Bedroht sind fer­ner die Dörfer Nestors, Laasche und Druenkendorf. Diese Gebiete liegen im Kreise Lychow.

Braut und Bräutigam zusammen 159 Jahre alt.

In Gollnow in Pommern wurde der Renten­empfänger Hateck mit einem Fräulein Spring­stubbe getraut. Der Bräutigam ist 80 Jahre alt, die Braut steht im 79. Le­bensjahre.

Todesurteil. _

WSN. Krefeld, 28. Juni. "Illach zwei­tägiger Verhandlung verurteilte das Schwur­gericht den Schlosser Adolf Böhmer wegen Mordes, begangen an feiner von ihm ge­trennt lebenden Frau, zum Tode.

Vettervoraussage.

Bei zeitweise verstärkter Luftbewegung wolkig mit Aufheiterung, etwas wärmer, durchweg trocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 20,9, Minimum 9,0 Grad Celsius. Heutige Morgen­temperatur: 12,7 Grad Celsius.

Ein Hochdruckgebiet verlagert sich mit feinem - Schwerpunkt mehr und mehr nach Mitteleuropa und hat weitere Aufbesserung der Wetterlage bedingt, so daß ganz Deutschland heute morgen rcgenfrei ist. An seiner Südtoestseite tritt zwar erneuter Duckfall ein, jedoch ist damit für unseren Bezirk noch keine stärkere Wetteränderung bedingt.

Aus der provinzialhauptstM.

Gießen, den 29. Juni 1926.

Bon der Landes-Universität.

Der ordentliche Professor für englisch« Philo­logie an unserer Hniversität, Dr. Wilhelm Horn, hat den an ihn ergangenen Ruf als Ordinarius an die Hniversität Breslau zum 1. Oktober 1926 angenommen. (Prof. Dr. Horn, der von 1894 bis 1898 in Gießen studierte, habilitierte sich 1901 für englische Philologie an der Philosophischen Fakultät der Hniversität Gie­ßen. Bon 1902 bis 1908 war er als planmäßiger außerordentlicher Professor hier tätig, seit 1908 wirkt er hier als Ordinarius.)

Die Medizinische Fakultät unserer Lantes- Hniversität hat den Geh. Regierungsrat Dr. med. vet. h. c. Erwin Wehrle in Berlin zum Dok­tor der Medizin ehrenhalber promoviert. Die Veterinärmedizinische Fakultät der Landes-Hni- versität promovierte den Geh. Regierungsrat Professor Dr. med. Ludwig Haendel in Berlin ehrenhalber zum Doktor der Tierheil­kunde. '

Nach der Ueberficht der Studierenden wird unsere Universität im ©ommerfemefter 1926 insge­samt von 15 4 3 Studierenden besucht, gegen 1332 im vorigen Semester. In der Zahl der Studie­renden sind 80 Studentinnen enthalten. Nack) der Staatsangehörigkeit geordnet sind 735 Hessen, 439 Preußen, 30 Bayern, 17 Sachsen, 6 Württemberger, 21 Badenser, 8 Thüringer, 2 Oldenburger, 3 An­halter, 3 Braunschweiger, 6 Hamburger, 3 Bremer, 5 Danziger, 6 Bulgaren, 2 Chinesen, 1 Engländer, 1 Estländer, 5 Finnländer, 1 Jugoslawe, 15 Leiten, 3 Litauer, 2 Memeler, 1 Norweger, 2 Oesterreicher, 8 Polen, 16 Rumänen, 1 Russe, 2 Schweizer, 4 Un­garn, 1 Tscheche, 7 Türken, 1 Amerikaner. Es stu­dieren 35 Theologie, 319 Rechtswissenschaft, 158 Medizin, 110 Veterinärmedizin, 189 Philologie, 66 Mathematik, 65 Naturwissenschaften, 85 Chemie, 20 Pharmazie, 77 Forstwissenschaft, 112 Landwirtschaft, 121 Staatswissenschaften.

Die Miete in Hessen.

Das Hessische ©efamtminiftcrium gibt bekannt: Die gesetzliche Miete wird bis auf weiteres auf 100 Prozent der Friedensmiete festgesetzt. Hierin befindet sich ein Zuschlag für laufende Instandsetzungs­kosten von 15 Proz. ter Friedensmiete.

Gleichzeitig werten die durch die Bekannt­machung des Gesamtministeriums vom 24. März 1925 festgesetzten gewerblichen Zuschläge für Räume mit einer Friedensmiete von 601 bis 1800 Rm. einschließlich von 10 v. H. auf 5 v. H. und für Räume mit einer Friedensmiete von über 1800 Rm. von 15 v. H. auf 10 v. H. herabgesetzt.

Berufsberatung undLehrstellen- vermiltlung.

Nach einer am 1. Juli in Kraft tretenden Verordnung des hessischen Ministers für Arbeit und Wirtschaft sind bei den öffentlichen Arbeits­nachweisen Darmstadt. Offenbach, Mainz, Worms und Gießen besondere Abteilungen der Berufsberatung einzurichten. Die Berufs­beratung und Lehrstellenvermittelung hat sich auf alle Kreise von Personen zu erstrecken, ins­besondere auch auf diejenigen Jugendlichen, die aus anderen Gebieten von Jugendämtern und Fürsorgebehörden betreut werden. Die K o ft e n der Berufsberatung und Lehrstellenvermittelung sind Kosten der öffentlichen Arbeits­nachweise. Heber die Mitwirkung ter Schulen bei der Berufsberatung und Lehrstellenvermitie- lung trifft der Staatspräsident (Landesamt für das Dildungswesen) im Einvernehmen mit dem Minister für Arbeit und Wirtschaft besondere Anordnungen.

Gießener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter Pfd. 1.60 bis 1.80 Mk., Matte 35 bis 40 Pf., Käse 10 Stück 60 bis 80 Pf., Wirsing Pfd. 25 bis 35 Pf., gelbe Rüben Päckchen 20 Pf., rote Rüben Pfd. 25 Pf., Römischkohl 15 bis 20 Pf.. Dohnen 60 Pf., Spargel 60 Pf., Erbsen 40 bis 50 Pf., Mischgemüse 15 Pf- Tomat en 60 bis 120 Pf.. Zwiebeln 20 bis 25 Pf- Rhabarber 30 Pf.. Pilze (Pfifferling) 40 Pf- Kartoffeln (neue) 13 vis 15 Pf.. Kartoffeln (alte) 5 Pf., Kirschen 40 bis 60 Pf., Heidelbeeren