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Ur. 149 Erster Blatt

176. Jahrgang

Dienstag, 29. Juni 1926

Erscheint täglich, außer Sonntags und Feiertag».

Beilagen:

Gießener FamilienblLtter Heimat im Bild Die Scholle.

«oaats Vezvgrprei»:

2 Reichsmark und 20 Reichspfennig für Träger, lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern Infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsfe: Schriftleitung 112, Der« lag und Geschäftsstelle 51. Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Siesten.

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Kranfturt am Main 11686.

GichenerAnzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

vnlck lmd Verlag: vrühl'lche Univerfitäir-Vuch- und Stetn&ruderei R. Lange in Gießen. Schnstleitung und Geschäftrftelle: Zchulstrahe 7.

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspfennig: für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20°,, mehr.

Chefredakteur:

Dr. Friedr. Will). Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Will). Lange: für Feuilleton Dr. H.Thyriot: für den übrigen Teil Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil Hans Füstel. sämtlich in Gießen.

Unveränderte Lage im englischen Bergbau.

London, 28. 3uni. (Sil.) Die Lage im englischen CBergbautonfliTt hat sich in den letzten Tagen nicht geändert. Das Waffen st ill ft andsangebot des Sekre­tärs der ' Dergarbeitergewerkschaft Cook hat zwar viel Beachtung gefunden, aber in Kreisen der Grubenbesitzer ist man der Ansicht, bah es sich nur um ein Manöver handelt, um einen Frontwechsel zu verbergen.

Wie die Blätter berichten, sieht das neue Gesetz eine Arbeitszeit von acht Ar- beitsstunden außer der für die Gin- und Ausfahrt gebrauchten Zeit vor. Der Bollzugs­ausschuh der Bergarbeiter wird am Dienstag in London zukammentreten, um sich mit der durch die neuen Bergwerlsgesetze geschaffenen Lage zu befassen. Die Wiederholung der von dem Innen- mlnifher während des Generalstreiks gegebenen Versicherung, dah alle Arbeitswilligen von der Regierung geschützt würden, ist von! dem Sekretär der Bergarbeitergewerkschaften, Cook, mit der Drohung beantwortet worden, daß der Vollzugsausschuß die Frage der A b - lehnung von Aotstandsarbeiten in den Bergwerken erörtern wird. Die australischen Gewerkschaften sind telegraphisch um sofortige ilebersendung von Geld zur Unter­stützung der Bergarbeiter gebeten worden.

Die Drohung des Sekretärs des Dergarbeiterverbandes, dah der Doll- zugsausschus! des Verbandes heute die Zurück­ziehung der mit der Instandhaltung derDergwerke beschäftigten Sicherheits­leute erwägen werde, wird nicht sehr ernst ge­nommen, zumal der für diese Frage nach Ansicht der Gewerkschaftsführer zuständige Verband der Dergmaschinenführcr f. Zt. beschlossen hat, die notwend«en Arbeiten auszuführen. Durch eine Untersuchung bec Vereinigung zum Schuhe von Kindern wurde festgestellt, dah in allen Teilen des Landes für die Kinder der Bergleute gesorgt wird.

Bei den Beratungen der Hauptversammlung der Angestellten der Sozialversicherungsinstitute in Wien wurde mitgeteilt, dah ein von Sekre­tär Cook unterzeichnetes Schreiben der eng­lischen Dergarbeiterorganisation cingelaufen sei, worin es u. a. heihe: Wir appel­lieren an die Gewerkschaften der gan­zen Welt, uns ihre Hilfe zu erteilen. Ich bin überzeugt, dah dieser Aufruf nicht vergeblich sein wird, denn u n s e r K a m p f ist auch der Kampf der Arbeiter aller anderer Länder. Ich ersuche dringend um finanzielle Al n - terstühung. Entsprechend dem Anträge des Zentralvorstandes beschloh die Tagung, der eng­lischen Dergarbeiterorganisation eine finanzielle Unterstützung zukv mmen zu lassen.

Die Achtstundenvorlage im Unterhaus.

Erbitterter Widerstand der Arbeiterpartei.

London, 28. Juni. (WTB.) Schon bei Be­ginn der zweiten Beratung der Vorlage über den Achtstundentag im Bergbau waren Anzeichen für den erbittert ften Wider­stand zu bemerken, den die Arbeiterpartei dagegen zu leisten gedenkt. Der Arbeitsminister Steel Maitland, der häufig durch Gelächter und iro­nische Zurufe der Arbeiterpartei unterbrochen wurde, führte aus, daß es sich nicht um eine dauernde Maßnahme handele, daß die Bergleute nicht gezwungen werden sollten, eine Stunde länger zu arbeiten, sondern daß ihnen dies nur freistehe, und daß der Regierung infolge der unnachgiebigen Haltung der Führer der Bergleute gar kein anderer Weg offen bliebe. Er wandte sich weiter gegen die Behauptung, daß ein allgemeiner Angriff aus Arbeitszeit und Löhne geplant sei. Die Vorlage werde die Wirkung haben, die Kohlenoersorgung um zwei Shilling pro Tonne zu verbilligen. Die Regierung habe sich van der Erwägung leiten lassen, zu tun, was für das Land, die Industrie ' und die Bergleute am besten sei. Walsh (Arbeiterp.) sagte, die Regierung habe ihre frühere Zusage, zu dem Bericht der Kohlenkommission zu stehen, nicht ge­halten. Bei Annahme des Gesetzes würden die Arbeiter länger zu arbeiten haben, als die irgendeines anderen großen europäischen Kohlen­gebietes. Sir John Simon (Liberal) wies dar- auf hin, daß die Bergleute selbst eher einer Lohnoerminderung, als einer Ver­längerung der Arbeitszeit zu stimmen wollten, und daß cs daher nur natürlich sei, wenn sie eine Maßnahme mir offenem Mißtrauen be- trachteten, die den Wünschen der Zechenbesitzer ent­spreche. Im weiteren Verlauf der Debatte ergingen sich verschiedene Arbeitervertreter , i n ä u ß e r st heftigen Angriffen gegen die Regierung.

Dierussische Brennessei".

London, 29. Juni. (WTB.-Funkspruch.) Der Minister des Innern bezeichnete in einer Rede das Der halten der Bussen als im Höch st en Grade unfreundlich. Keine an­dere zivilisierte Station würde so gehandelt haben. Man müsse noch einige Monate zu der Regierung Vertrauen haben und es ihr überlassen, mit der russischen Brennessel" fertig zu wer­den, wie sie mit derBrennessel" des General st reikes fertig geworden sei.

Laillaux an der Arbeit.

Um die Ratifizierung des Washingtoner Abkommens.

Laillaux, Frankreichs neuer Finanzminister, hat sich mit Energie an die Arbeit gemacht, um nach seinen Plänen die Stabilisierung des Fran­ken vorzubereiten, woran bisher alle seine Vor­gänger gescheitert sind. Die erste nach außen in Erscheinung tretende Tal war die Enthebung des Gouverneurs der Dank von Frankreich von seinem Posten, die, wenn auch offiziell ver­sichert wird, dah die Goldreserven der Dank nicht angegriffen werden sollen, doch immerhin andeutet, dah Caillaux die weitgehende Auto­nomie des Zentralnoteninstitutes abzubauen und die Dank in sein Sanierungsprogramm einzu« spannen gedenkt. Die Maßnahme bereitet dar­auf vor, daß Caillaux vor einer neuen Inflation nicht zurückfchreckt, zumal er ja auch vor der Uebernahme des Finanzministerpostens schon darauf hingewiesen hat, dah er mit Rücksicht auf die Höhe der Inlandschuld eine Stabilisierung bei dem jetzigen Stand des Franken für unzweck- mähig und unmöglich hält. Er zeigte damit nur, dah er aus der Inflation in Deutschland etwas gelernt hat. Caillaux ist sich jetzt auch darüber klar, dah dies nicht olme schwierige innere: Kämpfe abgehen wird, da nicht abzusehen ist, welche Wirkungen die neuen Erschütterungen der Finanzen auf den Dauer, den Winzer und das Reine Dürgertum ausüben wird, die bisher noch nicht ernsthaft von den Schwankungen der Va­luta ergriffen worden sind. Auf alle Fälle hat sich Caillaux den als sehr energisch bekannten General Guillaumat mit ins Kabinett genommen, der nicht nur dazu da sein wird, die Reorgani­sation des Heeres durchzuführen. Caillaux denkt sicher weiter. Er wird Guillaumat sicher die Unterdrückung der Streiks und ähnliche Folgen der Weiterentwicklung der Krise zugedacht haben. Weiter hat sich Caillaux auf den Standpunkt des Sanierungskomitees gestellt, der darin be­steht, dah zur Grundlage der Sanierung die Ratifizierung des Washingtoner Schuldenabkom­mens gemacht werden soll. Caillaux ist aber selbst, wie die Mehrheit des Parlaments, der Auffassung, dah das Derenger-Abkommen für Frankreich tragbar ist und Aussicht auf Rati­fizierung hat, wenn es einige Abänderungen er­fährt. Es wird deshalb schon in den nächsten Tagen eine neue Delegation unter Führung Dokanowskis nach Washington fahren, um mit der Regierung zu verhandeln. Caillaux begnügt sich nicht mit dem Versprechen, dah sofort nach der Ratifizierung amerikanische Anleihen nach Frankreich fliehen, er will die schriftliche Zu­sicherung haben, dah Frankreich diese Anleihen sofort nach der Ratifizierung zur Stabilisierung bekommt. Wie weit sich Amerika daraus einläht, bleibt abzuwarten. Disher sind die amerikani­schen Finanzleute sehr zurückhaltend gewesen und haben alle französischen Verbuche, Anleihen zu erhalten, abgelehnt. Es ist deshalb fraglich, ob sie sich schon vor der Stabilisierung zur Hergabe von Geldern entschliehen werden. Allerdings wird Caillaux auch gar nicht daran denken, diese Kredite jetzt schon zu verwenden. Er wird sie erst nötig haben, wenn er den Augenblick für die Stabilisierung für gekommen hält. Wohl aber wird es Caillaux mit der schriftlichen Zu­sicherung von Anleihen leichter fallen, die Rati­fizierung des Schuldenabkommens durchzusehen. Und das wird vorläufig die Hauptsache sein.

Vor der französischen Regierungserklärung.

Paris, 23. Juni. (TU.) Fast alle Morgen­blätter bringen Betrachtungen über den Inhalt der bevorstehenden Regierungser­klärung. Rach demEcho de Paris" wird die Erklärung weit über die üblichen Grenzen hinausgehen und den Charakter einer Kundgebung an das Land tragen. Sie wird sich auf zwei Grundsätzen aufbauen: Autorität und Beruhigung. Die Re­gierung verlangt vom Parlament die Vollmach­ten, die sie zur Bewältigung der Schwie­rigkeiten braucht und will dem Sparerpu­blikum jede Besorgnis nehmen, indem sie eine Beschränkung der Abgaben von Wert­papieren und der Sähe der Einkommen­steuer in Aussicht stellt. Zur Stabilisierung wird die Regierungserklärung wahrscheinlich Kredite der Vereinigten Staaten für unumgänglich halten und daher auf der Ratifizierung des Schuldenab­kommens bestehen. Die Ratifizierung des Ab­kommens mit Amerika wird jedoch erst nach dem Abschluß eines Abkommens mit England möglich sein. Die Verhandlungen mit London müssen in ihrem ganzen Umfang neu ausgenommen werden, lieber die Entsen­dung Dokanowskis nach Washington liegen noch feine bestimmten Angaben vor. Rach dem Petit P a r i f i e n wurde gestern in den spä­ten Llbendstunden erflärt, das Gerücht beruhe nicht auf Wahrheit. Ein offizielles Dementi wurde aber nicht ausgegeben. Die Dlätter glau­ben deshalb, die Reise Dokanowskis werde mindestens ernsthaft in Erwägung gezogen. Do- kanvwskis Aufgabe werde zunächst darin be­stehen, zu verhindern, daß die französischen Schul- fcenobhgationen in den Verkehr gebracht werden.

Das Kabinett ist heute nachmittag 5 Uhr zu einer Sitzung zusammengetreten, in deren Ver­lauf der Text der Regierungserklä­rung festgelegt wurde. Der Text wird morgen in einem Ministerrat unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik einer letzten Prüfung unterzogen werden. Die Finanzprojekte Cail­laux' werden, wie halbamtlich mitgeteilt wird, erst nach Fertig st ellung des Planes der Finanzsachverständigen, also un­gefähr in vier bis fünf Tagen in der Kammer eingebracht werden. Die Regierung erklärte sich bereit, die Aussprache über die Interpella­tionen über die Finanzpolitik sofort nach @tnbringung der Finanzprojekte zu erörtern. Von radikaftozialistischer Seite hat der Abge­ordnete Marin heute eine Interpellation über die Gründe der Absetzung des General­gouverneurs der Danque de France, R o b i n e a u, eingebracht. Der ungünstige Ein­druck der Absetzung Robineaus wird durch den überraschenden Rücktritt des Generalsekretärs der Danque de France, Aupetit, der heute nach­mittag bekannt wurde, verstärkt. Die Stimmung im Senat ist besonders erregt. Poincare bekennt sich in einem Interview, das die Liberte veröffentlicht, als entschiedener Gegner des Washingtoner Abkommens und sagt dem Kabinett bereits den Kampf an. In bept Interview, das Poincare einem Vertreter

Die Arbeiten der Abrüstungskonferenz

Genf, 29. Juni. (TU.) Montag vormittag trat die gemischte Kommission der vor­bereitenden Abrüstungskonferenz im Völkerbundspalais zusammen. Deutschland war durch Staatssekretär v. Möllendorf ver­treten. Sie Kommission, die den Auftrag hat, die ganezn wirtschaftlichen Probleme der industriellenRüstungsfrage zu be­arbeiten, begann sofort mit der ® eneral- b e b a 11 e. Fast sämtliche Redner wiesen auf die großen Schwierigkeiten hin, eine Dergleichsbasis für die militärischen Ausgaben der Staaten zu finden. Auch Staatssekretär v. Möllendorf unterstrich die Rotwendigkell, eine neue Der­gleichsbasis zu schäften, da es nicht an­gängig sei, die Ausgaben derjenigen Staaten, die über ein stehendes Heer verfügen, mit den Ausgaben der andern Staaten, die nur eine Miliz hätten, in Parallele zu stellen. Auch wäre bei einem Vergleich der militärischen Dudgets zu berücksichtigen, daß diese Staaten feine Rüstungsindustrie hätten und daher alles aus dem Ausland einfuhren müßten. Die Ge­mischte Kommission wird in zwei täglichen Sitzun­gen ihre Arbeiten fortsehrn und hofft, sie am Samstag abschliehen zu können. Der Marine- a u s s ch u ß beschäftigte sich mit der Frage der Geschühkaliber als einem Vergleichs- maßstab für die Kräfte der Marine. Er lehnt es weiterhin ab, die Tatsache zu berücksichtigen, dah durch überseeische Besitzungen und Mandate die Flotte vielfach zu einer Ve rt e i- lung ihrer Kräfte gezwungen sei. Auf der Tagesordnung stehen weiterhin folgende Punkte: Ist es möglich, Fabriken, die normalerweise für die Herstellung von chemischen Pro­dukten einschließlich Farben verwendet werden, binnen kurzem auf die Herstellung

von giftigen Gasen umzusteilen? Außerdem hat die Kommission die wirtschaft­lichen Folgen zu prüfen, welche die Aufnahme von Bestimmungen über das Verbot ge­wisser Kriegsformen, wie den Gift- g a s k r i e g, in der Konvention betreffend die Abrüstung haben könnte.

König Alfons über die Völkerbundsfrage.

Paris. 26. Juni. (TU.) In einer Unter­redung mit einem Vertreter desFigaro" er- fiärte König Alfons, er fei ein aufrich­tiger Freun d des Völkerbundes, aber die Ventralen hätten zu wenig Anteil an der Genfer Einrichtung. Es feien viele Irrtü­mer begangen worden, und vielleicht wäre es besser gewesen, wenn Deutschland gleich am Anfang in de n^ Völkerbund aus­genommen worden wäre. Spanien erfahre nicht die Dehandlung, die es ver­diene. Wenn Spanien nicht die Anerkennung finde, die seiner Geschichte und seiner gegen­wärtigen Bedeutung würdig sei und wenn es mit seinen Ansprüchen auf einen stän­digen Ratssih nicht durchdringe, so könne es dazu gebracht werden, das Interesse am Völkerbund zu verlieren. Das sei für Spanien eine Chrenfrage.

Vereiteltes Attentat

auf den spanischen König.

Paris, 29. Juni. (TU.) Wie derI n - tranfigeant meldet, hat die Pariser Geheimpolizei aus Anlaß der Reise des spanischen Königspaares um­fangreiche Sicherungsmahnahmen ge­troffen. Der Polizei ist es gelungen, im letz­ten Augenblick ein Attentat auf den König zu vereiteln. 15 spanische

derSibert 6 gewährte, sagte er u. a.: W i r, die wir Deutschland gegenüber so viel Mäßigung (!!) an den Tag legten, dürfen mit Recht annehmen, daß die Vereinigten Staaten ihren früheren Waffengefährten zum mindesten mit derselben Rücksicht behan­deln werden. Wir brauchen eigentlich unfern Verbündeten nichts zu zahlen, solange nicht die uns zugefügten Schäden und Verwüstun- g e n behoben sind und auch hiernach brauchen wir Amerika nur soweit bezahlen, als wir selb st von Deutschland bezahlt werden.

Die Zchuldenverhandlungen mit Amerika.

Paris, 28. Juni. (TU.) Finanzminister Caillaux hat gestern nachmittag mit seinen Mitarbeitern den finanziellen Teil der Regierungserklärung ausgearbeitet. Vach glaubwürdigen Presseangaben kündigt die Regierung in der Erklärung den festen Entschluß an, so schnell wie möglich eine Stabilisie­rung der Währung vorzunehmen. Die Schuldenabkommen mit Washington und London bilden nach der Auffassung der Re­gierung die unerläßliche Voraussetzung für die Inangriffnahme der Stabilisierung. Dem P a r i s S o i r" zufolge wird die Ratifizie­rung des Abkommens mit Washington vor­läufig noch verzögert werden. Der fran­zösische Finanzminister wünscht eine formelle Zu­sicherung der Vereinigten Staaten, daß im Falle der Ratifizierung des Abkommens Frankreich sofort eine Änleih e gewährt toiy. die zu Stabilisierungszwecken verwendet werdest soll. Die Regierung der Vereinigten Staaten stehe dem Gedanken einer Anleihe an Frankreich an sich wohlwollend gegenüber, jedoch will sich Caillaux nicht mit einer Zusicherung begnü­gen, sondern nur mit einem formellen Ver­sprechen. Zu diesem Zweck sollen so schnell wie möglich die Verhandlungen mit dem amerikani­schen Schatzamt wieder ausgenommen werden. Zum Führer der neuen Schuldendelega­tion, die nach Washington aufbricht, ist angeb­lich Dokanowski ausersehen, mit dein Cail­laux gestern abend eine lange Aussprache hatte. Die Regierungserklärung wird weiter auf die Verhandlungen mit dem Schatzamt und die von der Regierung geplanten Vorkehrungen ver­weisen.

Eine Abordnung der radikalsoziali- stischen Gruppe, der führende Mitglieder der Finanzkommission und der Kommission für auswärtige Angelegenheiten des Parlaments angehören, hat sich heute nachmittag zum Quai d'O rsah begeben und Driand davon benach­richtigt, daß die Radikalsozialisten das Wa­shingtoner Abkommen in seiner gegen­wärtigen Form verwerfen. Die Delegation wurde von Caillaux empfangen.

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Wie aus Veuhork gemeldet wird, weisen die Mitglieder der amerikanischen Schul- denkommission in scharfer Form die fran­zösischen Versuche zurück, die Schulden­oerhandlungen mit Amerika wieder aufzunehmen. Die Frankreich gewährten Be­dingungen lägen völlig im Bereich seiner Zah­lungsfähigkeit.

Anarchisten, die sich in Paris aufhalten, hatten von Spanien her den Auftrag er­halten, ein Attentat auf den König aus- Aufüljren, wozu ihnen reichliche Geld-, summen überwiesen worden waren. Die Pa­riser Geheimpolizei bekam rechtzeitig Kennt­nis von den Vorbereitungen der Anarchisten und konnte sie unschädlich ma­chen. Alle 15 waren schwer bewaffnet. Einzelheiten über die Entdeckung des Attentats sind noch nicht bekannt.

Die TagungderZeitungsverleger

Köln, 27. Juni. (WTB.) Der Verein Deutscher Zeitungsverleger trat heute, nachdem gestern in Anwesenheit der staatlichen und städ­tischen Behörden die bereits berichtete feierliche Eröffnung seiner Tagung im Großen Saal des Kölner Messegebäudes stattgefunden hatte, in seine geschäftlichen Beratungen ein.

Der Vorsitzende des Vereins, Kommerzienrat Dr. H. K r u rn b h a a r, Liegnih, eröffnete die Tagung mit Worten der Begrüßung und stellte fest, daß die Hauptversammlungen des Ver­eins Deutscher Zeitunqsverleger seit Jahren an innerer und äußerer Bedeutung und hinsichtlich des Besuches gewachsen seien. Dr. Krumbhaar widmete sodann dem im letzten Jahre verstor­benen Ersten Stellvertretenden Vor sitzenden des Vereins Direktor Karl Müller, Berlin, so­wie dem im letzten Jahre verstorbenen General­direktor der Deutschen Tageszeitung, T s ch e r - mal. einen warm empfundenen Vachruf. Der Vorsitzende erläuterte dann im einzelnen die Er­gebnisse der Dereinsarbeit im vergangenen Ge­schäftsjahr und wies besonders auf den Abschluß des großen Vertragswertes der Reichsarbeitsge- meinschäst der deutschen Presse, die Bemühungen um eine Reform des Presserechts und die Be­strebungen zur Heranbildung des verlegerischen und journalistischen Vachwuchses hin. Er schloß