Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 29. März 1926.
gurAulo-Derbindung Giehen - Kleebachtak.
Wie uns von gut unterrichteter Seite mitgeteilt wird, hat die Reichsbahn gegen die beabsichtigte Einrichtung der K r a f t p o st - linie Gießen — Niederkleen mit der Begründung Einspruch erhoben, daß sie einen wesentlichen wirtschaftlichen Nachteil durch diese Linie erleide. Die Reichsbahn beziffert den voraussichtlichen Ausfall an Personenfahrgeldern auf monatlich 2000 RM. Einer Besprechung wegen dieses Einspruches im Stadthaus zu Gießen folgte am Freitag eine solche in der Reichsbahndirektion von Frankfurt a. M. Die Reichsbahn war nicht zu bewegen, ihren Einspruch zurückzuziehen . Es soll nun versucht werden, zwischen der Reichs post und der Reichsbahn eine Derständigung dahin herbeizuführen, daß erstere von dem beabsichtigten älnterneh- acz ;;ir;pnrnL uajjunßn? usm
diese Bemühungen zum Ziele führen werden, steht bis jetzt noch nicht fest.
Zu der Stillegung der Giehener
, EisenbahnwerKstätte
goßt uns vom Einheitsverband der Eisenbahner Deutschlands, Ortsgruppe Gießen, eine Zuschrift zu, in der es heißt:
„Daß die Stillegung der Werkstätte wegen deren zum Arbeitsanfall ungünstigen Lage derart zwingend sei, um gerade jetzt — in einer Zeit, wo der Arbeitsmarkt mit Erwerbslosen überfüllt ist — vorgenommen zu werden, erscheint unter keinen Umständen gerechtfertigt. Hat doch die Direktion Frankfurt a. M. erst kürzlich der Reichsbahn-Hauptverwaltung berichtet, daß der Wagenzulauf immer günstiger wird. Damit wird auch von dieser Stelle die Stillegung als unbegründet erachtet.
Mit der Schonung des sozialen Organismus der Städte verhält es sich so, daß es einmal mehr als unwirtschaftlich ist, die Immobilien und sonstigen Fabrikationswerte eines so großen Werkes unproduktiv liegen zu lassen und Aum andern 200 eingeschulte Qualitätsarbeiter mit Arbeiten beschäftigen zu wollen, für die zur Genüge ungelernte Arbeitskräfte vorhanden sind. Wie das Versprechen, die Belegschaft voraussichtlich »für die nächsten Monate" in der Bahnunterhaltung (Rotte) zu beschäftigen, als soziale Schonung bezeichnen kann, ist sehr unverständlich. Wie liegen die Verhältnisse? 20 Prozent der Belegschaft ist 25 bis 40 Iahre, 23 Prozent 15 bis 24 Fahre, 20 Prozent 10 bis 14 und der Rest 6 bis 9 Jahre int Werkstättendienst bei der Eisenbahn tätig. 82 Prozent sind gelernte und altbewährte Handwerker der verschiedensten Berufe. Eine ülebersührung in das Zeitarbeiterverhältnis würde die Leute außerhalb der tariflich geregelten Lohn- und sonstigen Bestimmungen setzen. 3m Einkommen würden die Leute um 40 bis 60 Proz. geschädigt. Schließlich würden die Leute mit dieser Maßnahme um ihre teuer und mühselig erkauften Pensionsrechte der Abteilung B der Eisenbahnpensionskaffe kommen. WaS die Gewährung von erhöhten älebergangsgeldern anlangt, so handelt es sich hierbei um nichts anderes als' das; die Reichsbahn-Gesellschaft den Entlassenen für weitere „sechs Arbeitstage" den Tariflohn zahlt. Denn der Verzicht der Reichsbahn auf die Arbeitsleistung der gekündigten Arbeiter während der 14 Tage Kündigungszeit kann absolut nicht als eine Sonderleistung in sozialem Sinne angesehen werden.
Mann kann also keineswegs von sozialen Rücksichten sprechen. 3nt Gegenteil: die Stilllegung muß für etwa 200 Eisenbahner mit Familien unbeschreibliche Härten mit sich bringen." Ausstellung von Schülerarbeiten Im Zeichensaal der Oberrealschule veranstaltet der Zeichenlehrer der Anstalt, I. Klein, z. Z. eine Ausstellung von Schülerarbeiten aus allen Klassen (Sexta bis Oberprima): das Ziel des Unterrichts — der glücklicherweise durch sämtliche Altersstufen in derselben Hand bleibt — ist: Erziehung des Auges zum richtigen Sehen und Entwicklung des Farbsinns. Das wird nicht nur an der üblichen toten Vorlage entwickelt, sondern wesentlich auch im phantasieanregenden Zeichnen und Malen nach dem Gedächtnis und aus der individuellen Vorstellung. Die hier vereinigten Arbeiten veranschaulichen das sehr deutlich und geben einen interessanten Ueber-
blick über die Entwicklung des einzelnen sowohl, wie über die Einstellung zur Umwelt, zum Gesehenen, und die Mittel und Versuche der Wiedergabe in den verschiedenen Jahrgängen. Mit den Sextanern fängt es an; hier sieht man die allerersten,' teils schüchternen, teils erstaunlich temperamentvollen Versuche, sich mit Umgebung, Gestalt, Farbe und Raum produktiv auseinanderzusetzen. Und man findet, charak- tcristischerweise, eigentlich nichts, was völlig hilflos oder phantasielos bliebe. Und eigentlich ist auch hier die kindliche Eigenform am unmittelbarsten ausgesprochen ; auf höheren, entwickelteren Stufen zeigen sich sofort die verschiedensten Einflüsse, nachklingende Eindrücke von irgendwo einmal Gesehenem und Festgehaltenem. Typisch ist die technische Unbeholfenheit und infantile Schilderei, die etwa der gesprochenen Erzählung in diesem Alter gleichzusetzen ist. (Wir nennen besonders Arbeiten von Schäfer und Geiß.) Die Quinta ist sehr farbenfreudig. Hier sei erwähnt Häuser (gar nicht schlecht, aber stark von außen beeinflußt) und Geiß, der viel primitiver, aber auch persönlicher wirkt. In der Quarta interessiert besonders der Vergleich zwischen Vorlagearbeiten und Bildern, die aus eigener Phantasie gemacht sind. Die Tertianer zeigen schon technische Fortschritte. Hederich (ob er Van Gogh einmal gesehen hat? Es liegt kein Grund vor, kindliche Ausdrucksversuche minder ernst zu nehmen, als die Kunst der Erwachsenen) und Bürck scheinen besonders begabt. Aus DIII: Möller mit hübscher Federtechnik (ähnlich den sehr guten Entwürfen von Grobe I b) und Oierlarnin, der ein Romantiker zu sein scheint. Die Sekundaner arbeiten auch motivisch schon komplizierter; Bremer zeigte eine glückliche Hand, von Häuser sieht man nicht üble Schwarzweiß-Stllcke. In der letzten Oberstufe endlich findet man viel figürliche Themen, auch Perspektive und räumliches Sehen wird erprobt. Wir nennen hier Stork (Ib) mit Bleistiftporträts, oimon, der sehr sauber arbeitet, ferner Fleischmann, Heuser, Goubeaud mit ein paar recht guten Köpfen; weiterhin Kabel mit zwei Stilleben und Schenk mit einem (vor allem technisch beachtlichen) Bildnis. — Im Singsaal endlich findet man Arbeiten von Fortgeschritteneren: Aquarell, Graphik, auch Oelbilder; Krombach (am besten im Stilleben) und Rohrbach seien herausgegriffen aus dieser Sonderklasse, die sich an Samstagnachinittagen unter Führung und Leitung von Zeichenlehrer Klein fakultativ weiterbildet.
Vornotizeu.
— Tageskalender für Montag. Oberrealschule Gießen: 11 Tlhr vorm. bis 6 ^Ihr nachm. Zeichen-Ausstellung. — Tierschutz-Verein Gießen: 8Vs Tlhr, Kaufmännisches Vereinshaus, Generalversammlung. — Einheits-Verband der Eisenbahner Deutschlands. Ortsgruppe Gießen: 5Vi Tlhr nachm. Katholisches Vereinshaus, öffentliche Protestversammlung. — Schützen-Verein Gießen: 8 Tlhr, Schützenhaus, Frühjahrs-General- Versammlung. — Lichtspielhaus. Bahnhofstraße: „Die Mühle von Sanssouci". — Astoria-Licht- spiele: „Die mit Seelen Handel treiben".
— Dom Goethebund wird uns geschrieben, daß die Haaß-Berkow-Spiele sich eines regen Zuspruches aus allen Kreisen unserer Bürgerschaft erfreuen. Bemerkt sei noch, daß zu dem Gastspiel (das mit Rücksicht auf die Wünsche auswärtiger Besucher jeweils um 7Vs Tlhr abends beginnt) die Haah-Derkow-Spiele ihre eigens von ihnen entworfenen Kostüme und Bühnendekorationen mitbringen. Ebenso wird der musikalische Teil der Ausführung von Kräften der Spiele ausgeführt. (Siehe heutige Anzeige.)
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** D i e Oeffentliche Handelslehr- a n st a l t. Die Industrie- und Handelskammer Gießen schreibt uns: Verschiedene Anfragen wegen des Wegganges des Herrn Dr. Feld lassen erkennen, daß die Ansicht verbreitet ist, die Oeffentliche Handelslehranstalt werde nun eingeben. Demgegenüber sei als selbstverständlich betont, daß diese öffentliche Anstalt in ihren beiden Abteilungen (höhere Handelsschule und zweijährige Handelsschule) ganz im Sinne ihrer bisherigen Entwicklung weitergeführt wird unter der Aufsicht eines Kuratoriums, das sich aus Pertretern der Industrie- und Handelskammer, des Kaufmännischen Vereins, der Stadtverwaltung, der Stadtverordnetenversammlung, des Kreisamts, des Stadtschulamts, des Vereins der Einzelhändler von Gießen, der Elternschaft, der Angestelltenverbände und der Schule zusammensetzt. Herr Dr. Feld, der Gründer und bisherige Leiter der Handelslehranstalt, wird übrigens bei seiner hauptamtlichen Dozententätigkeit an der Universität Frankfurt a. M. noch mehr Gelegenheit als bisher haben, die Interessen der hiesigen höheren Handelsschüler bei ihrem eventuellen wirtschafts
wissenschaftlichen Studium in Frankfurt a. M. zu fördern.
' Sperrung der Kreisst raße Klein-Linden — Grohen-Linden. Das Kreisamt Gießen gibt bekannt: Die Kreisstrahen- strecke Klein-Linden—Grohen-Linden wird vom 6. April ab wegen Ausführung von Kleinpflasterarbeiten für den Fuhrwerks- und Autoverkehr gesperrt. Der Durchgangsverkehr von Gießen nach Frankfurt wird über Klein-Linden— Lützellinden—Grohen-Linden. derjenige von Frankfurt nach Gießen über Grohen-Linden— Leihgestern geleitet.
*'BismarckfeieraufdemHoherods- k o p f. Am Ostersamstag, 3. April, begeht der VHC. seine übliche alljährliche Bismarckfeier auf dem Hoherodskopf. Die Weiherede hält Studiendirektor T e n e ck e (Herford).
Gin rätselhafter Fund. Der Polizei- bericht meldet: Am 28. Februar sanden Arbeiter im Walde zwischen Lich und Rieder-Bessingen eine schwarze Aktentasche und am Boden zerstreut zwei einzelne Markstücke. Bei der Fundstelle lagen Pa- pierreste von einer Reklamekarte des städtischen Volksbades in Gießen und eine grüne Papierhülle von einer Geldrolle der Schlachthofkasse Gießen. Wie die Aktentasche an diesen abseits gelegenen Ort gelangt ist, steht nicht fest. Möglicherweise rührt sie von einem Diebstahl her. Personen, die zu den Vorgängen aufklärende Angaben machen können, werden ersucht, sich mit der Kriminalpolizei Gießen ins Benehmen zu setzen.
** E i n versuchter Straßenraub. Der Polizeibericht meldet: Am 15. März, abends gegen 11 Uhr, wurde in der Ostanlage eine ältere Frau von einer Mannsperson belästigt, als sie im Begriff war, die Haustür aufzuschiießen. Der Unbekannte versuchte, der Fran die Handtasche zu entreißen. Auf die Hilferufe ging der Täter flüchtig. Er wird wie folgt beschrieben: 20 bis 25 Jahre alt, schlanke Figur, bartlos, trug blaue Mütze und dunklen Anzug.
*'f Festgöno m m e n wurden zwei Personen wegen fortgesetzter Kreditbetrügereien.
** Gestohlen wurden, wie der Polizeibericht meldet, in der Nacht zum 21. d. M. aus einer verschlossenen Bauhütre an der Grünberger Straße (am Stadtwald) nachstehende Geräte und Werkzeuge: eine schwere Gießkanne, ein Eimer, eine große Schaufel, eine Rolle Jsolierdachpappe, zwei Zollstöcke und ein Hobel. Vor Ankauf dieser Gegenstände wird gewarnt.
*• Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt. 310 Ochsen. 39 Dullen. 845 Färsen und Kühe. 673 Kälber. 189 Schafe, 4649 Schweine, 12 Schaflämmer.
Sprechstunden der Redaktion.
Besuche können nur in der Zeit von 1 2 b i s 1 Uhr mittags und 5 b i s 7 Uhr nachmittags auf Annahme rechnen. — Für unverlangt ein gesandte Manuskripte ohne beigefügtes Rückporto wird keine Gewähr übernommen.
Groh-Wiesbaden.
Wiesbaden, 27. März. (WEN.) Be» kanntlich hat die Stadt Wiesbaden den Eingemeindungsvertrag mit B i e- brich, der am 1. April in Wirksamkeit treten sollte, gekündigt, weil die Stadt Biebrich mit der Thüringischen Gasgesellschaft einen Vertrag abgeschlossen hatte, wonach die Mehrheit der Aktien des Biebrich er Gaswerks aus dem Besitz von Biebrich in den Besitz der Thüringischen Gasgefell schäft übergehen sollte. Inzwischen wurden mit der Thüringischen Gasgesellschaft Verhandlungen eingeleitet. Wie der Wiesbadener Oberbürgermeister Travers in der heutigen Stadtverordnetenversammlung mitt eilte, hat sich die Thüringische Gasgesellschaft bereit erklärt, den Vertrag aufzuheben. Damit sind die Schwierigkeiten behoben. Der Gemeindeausschuh des preußischen Landtages, dem die Eingemeindungsangelegenheit überwiesen ist, wird in den nächsten Tagen nach Wiesbaden fontmen und die Angelegenheit an Ort und Stelle studieren. Die definitive Er-- ledigung durch den Preußischen Landtag erfolgt im April, so daß die Eingemeindung von Biebrich, Schierstem und Sonnenberg sich am 1. Mai vollziehen kann.
DerReickisbank-Abschlutzfür1S25
Die Reichsbank erstattet jetzt ihren Verwaltungsbericht für das Jahr 192 5. I Einer Uebersicht über die allgemeine Wirtschaftslage
im Berichtsjahre folgen Angaben über das Lank- unternehmen, aus denen wir folgendes hervorheben:
Die Gesamtumsätze bei der Reichsbank sind im Jahre 1925 von 526 Milliarden im Vorjahre auf 574,5 Milliarden gestiegen, gegenüber 422 Mill, im Jahre 1913. Der Goldbestand hatte mit 1208 Millionen vom 31. Dezember 1925 gegenüber 760 Millionen Ende 1924 den Goldbestand von Ende 1913 — 1170 Millionen — überschritten. Der Silberbestand ist von rund 767 000 RM. am 1. Januar 1925 auf 3 690 000 RM. Ende 1925 gestiegen. Der Anteil der Wechsel mit zwei Unterschriften am Gesamtbestande ist von 17 Prozent Ende des Vorjahres auf 11,7 Prozent Ende des Berichtsjahres zurückgegangen. Die Gesamtsumme aller angefauften Wechsel und Schecks stellte sich auf 20,6 Milliarden. Sie ist gegenüber dem Vorjahre um ein Geringes gestiegen. Bei Verfall wurden Wechsel und Schecks in einer Gesamtsumme von 400 Millionen (i. V. 373 Millionen) nicht eingelöst. Der gesamte Zahlungsmittelumlauf stieg von 4273 Millionen Ende 1924 auf 5208 Millionen Ende 1925. Der Giroverkehr ist gegenüber dem Vorjahr etwas zurückgegangen. Es wurden insgesamt 19,3 (20,7) Millionen Gutschriften und 17,7 (18,5) Millionen Belastungen vorgenommen. Die Deckung für die täglich fälligen Verbindlichkeiten ist von 191,7 Prozent Endendes Vorjahres auf 82,8 Prozent Ende des Böric^sjahres zurückgegangen. Dem Rentenmarktilgungsfonds wurden vom Reich weitere 46,7 Millionen RM. überwiesen. Hierzu kam der Gewinnanteil des Reiches an der Reichsbank für 1924 in der Höhe von 55,6 Millionen RM. Die Grundschuldzinszahlungen der zugunsten der Rentenbank belasteten Grundschuldver- pflichteten erbrachten 87,4 Millionen RM. Hiervon wurden nach Aussonderung dec laut Rentenbank- Liquidierungsgesetz der Rentenbank-Kreditanstalt zur Verfügung zu stellenden 25 Millionen RM. 62,4 Mill. RM. dem Rententilgungsfonds überwiesen. Ferner sind diesem Fonds 193,4 Mill. RM. aus der Abwicklung der in § 11 des Liquidierungs- gesetzes genannten Rentenbankkredite zugeflossen. Insgesamt wurden an Rentenbankscheinen rund 371 Mill. RM. getilgt.
Der Rohgewinn beträgt: 181004 149 RM. (i. V. 307 073 350 RM.). Hierzu trugen bei: Gewinn von Wechseln und Schecks 159 (200) Mill. RM. üombardgeschäfte 2,3 (18,8) Mill. RM., Gebühren 9 (18) Mill. RM., Zinsen von Buchforderungen 5,8 (1,4) Mill. RM., Gewinn auf Wertpapiere 46 000 RM. (2,1 Mill. RM.), Erträge aus Grundstücken der Bank 874 000 RM. (412 000 RM.), Gewinn auf Edelmetall 75 000 RM. (65 000 000 RM.). (Der vorjährige Gewinn beruhte auf der Realisierung des Silberbestandes.) Verschiedene Einnahmen 3,6 (1,2) Mill. RM. Die Verwaltungskosten erforderten 85,9 (86,7) Mill. RM. Die Unkosten für die Anfertigung neuer Reichsbanknoten (8,2 Mill. RM. gegen 7,4 Mill. RM. i. V.) sind in diesem Jahre der Rücklage für Notendruck entnommen, während sie im Vorjahr, da diese Rücklage noch nicht bestand, unter Ausgaben verbucht worden sind. Es werden überwiesen: dem Delkrederefonds 23 (110) Mill. RM., der Rücklage für Notenneudruck 13,2 (10) Mill. RM- und der Rücklage für Neubauten rund 13 (10) Mill. RM. Der Anteil der Rentenbank an dem mit ihren Darlehen erzielten Gewinn beträgt 3,1 (19,7) Mill. RM. Verluste aus den im Reichsinteresse während des Krieges übernommenen Dalutagaran- tien (i. V. 40,7 Mill. RM.) sind in diesem Jahre nicht mehr entstanden.
Der Reingewinn beträgt 42 742 432 RM. (122 514 191 RM.). Der Minderertrag gegenüber dem Vorjahr erklärt sich in erster Linie aus der Ermäßigung der Zinssätze im Kreditgeschäft und der Beseitigung der Gebührenberechnung im Giroverkehr, abgesehen von den bereits erwähnten ansehnlichen Einnahmen einmaliger Natur des Vorjahres aus der Realisierung von Silberbeständen. Von Bedeutung war ferner, daß die Reichsbank im Berichtsjahr auf die für öffentliche Stellen im Rediskontwege angelegten Wechselsummen Zinsen in Höhe von 43,8 Mill. RM. an diese Stellen zu vergüten hatte. Von dem Reingewinn werden gemäß Bankgesetz 20 Proz. = 8 548 648 RM. (24 502 838 Reichsmark) der gesetzlichen Rücklage überwiesen. Nach Abzug von 8 Proz. für die Anteilseigner erhält das Reich 12185 449 RM. (i. V. 55 608 515 RM.). Die Dividende von 10 Proz. erfordert 12278810 (9 000 000) RM., der Rest von 9 729 687 RM. (33 402 838 RM.) wird der Sonderrücklage für künftige Dividendenzahlungen zugeführt.
Als Eigentümer der Reichsbankanteile waren Ende des vorigen Jahres 11 496 Eigner eingetragen, darunter 1357 Ausländer. Die Zahl der Beamten, Angestellten und Arbeiter ist von 14 635 Köpfen Ende 1924 auf 11637 Ende 1925 zurückgegangen, darunter 8763 Beamte.
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Konkursverfahren.
Heber das Vermögen des Kaufmanns Theodor Köhler in Gießen, Steinstr. 17, Inhaber der Firma F. Hirsch Witwe & Co. in Gießen, Marktstraße 22, wird heute am 23. März 1926, nachmittags 5 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet.
Der Kaufmann L. Althoff sen. in Gießen tqirb zum Konkursverwalter ernannt.
Konkursforderungen sind bis zum 7. April 1926 bei dem Gerichte anzumelden.
Es wird zur Beschlußfassung übet die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigeraus- schuffes und eintretenden Falls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der ange- meldeten Forderungen auf Dienstag, den 20. April 1926, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte, Zimmer 106, Termin anberaumt. 28568
Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nicht- an den Gemeinschuldner zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 7. April 1926 Anzeige zu machen.
Hessisches Amtsgericht in Gießen.


