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Nr. 305 Zweites Blatt Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheflen) Dienstag, 28. Dezember 1926

Italien und das italienische Problem in Europa.

Don * , e IIe).

Italien hat ein unbcbingteÄ Recht darauf, den ihm während des Weltkrieges verbündeten Mächten unter die Rate zu reiben, wie groß sein Anteil an dem Endsieg der Entente ist. ES war auf Grund deS DreiöunÖvertrageS (§ 6 b) nicht verpflichtet, an der Seite der Zentralmächte aktiv in den Krieg einzugreifen, da der Stotus- quo auf dem Balkan ohne fein W isfen eS war von Wien aus nicht über die aggressiven Abfichten Oesterreich- gegenüber Serbien unter­richtet worden - durch. den oft erreich: fchen Sin- marsch in Delgrad verändert worden tvar. Die einfache Tatsache s ines ReutralbleibrnS kann also nicht alS ein bewußter Akt zu Gunsten der Entente gedeutet werben. Sie war eS auch nicht. Sie war die Folge staatsmännischer Erwägungen, wie sie keinem Dolk in ähnlicher oder gleicher Lage verübelt werden können. Rach außen hin gab man in Rom bekannt, daS italienische H.cr sei noch nicht zum LoSschlagen gerüft-t gewesen. Es mag daran ein Funken von Wahrheit sein. Ich habe Leute sagen hören, daß diese Richt- bereitschast deS Heeres der Grund gewesen sei. warum Italien nicht schon früher, seinen wahren Interessen entsprechend, an der Seite Englands diese deutliche Sonderbetomlng vor einer Ententemach-t ist äußerst intsreffant und gibt zu denken in den Konflikt eingegrissen habe. Auch^daS ist möglich, obwohl viele Momente gegen eine solche Auffassung svre-chen. Jeden­falls hat Italien in den letzten Augufttagen 1914 einen Schritt getan, der unzweideutig zugunsten der Gnlente geschah: es hat fei:te Truppen von der französischen Grenze zurückgezogen, und es hat damit den Franzosen ermöglicht. ihrerseits die Grenze zu entblößen und die sreiwrrdenden Kräste in die Marneschlacht zu Wersen, welche selbst bei mangelhaftem Funktionieren d-es deutschen Generalstabs ohne die Möglichkeit der französischen Truppenverschiebung für die Entente verloren gewesen wäre. Italien kann also feinen Aiteil an dem Marnesieg der Alli- tenen mit vollem Recht begründen. Die zweite Dienstleistung diesmal offensichtlich und für Italien selbst ein Schicksal bergender Akt war die Kriegserklärung an Oesterreich Ihre Be­deutung: Galvanisierung der Erfolge von Gorlice und Festlegung gewaltig-r österreichischer H^ereS- malsen an der Isonzofront. Dritte Leistung: QIufred)tcrballtmg der Piave-Front trotz der surch'baren Riederlage bei Eaporetto und trotz deS Ausscheidens Rußlands alS kriegführenden Faktors auS dem Konzern der Ententemächte. (Hier läßt sich allerdings sagen, daß ein Separat­frieden Italien wohl der schlimmsten Blockade durch den anglo-americano-französischen Bund, wenn nicht sogar dem Kriege mit ihm, also der Aushungerung und Berwüslung. auSgesetzt hätte.) Unter allen Umständen halte also Italien An­spruch darauf, alS vollkommen gleichberechtigte Enlentemacht In den FriedenSteratunge i und bei der Verteilung der Deute behandelt zu wer­den. Daß dieS nicht geschah, weiß feder. Die ostentative Abreise des italienischen Unterhänd­lers Orlando auS Paris ist noch in jedermannS ©rinnenmn. nicht minder der erbitterte Kamps gegen Wilson in der Fiumefrage. Auch wurde sehr rasch nach Beginn dec Pariser Besprechungen bekannt, wie erbittert die Stimmung des italie­nischen BolkeS gegen Frankreich war. von dem es sich hintergangen, b?leidigt. unterschätzt süblte. und wie sich diese Erbitterung in eklatanten Haß auswuchs. alS eS sich erwies, daß Frankreich nicht daran dachte, auch Italien kolonialen Ge­winn ztlzugeskehen ob:r seine eigene gewaltige koloniale Vermehrung durch eine entsprechende Vergrößerung des ReparalioriSanteiles für Ita­lien auSzugleichen. D.r italienisch-französische AntogoniSmus. der lange vor dem Krieg bestanden hatte, durch den Krieg schein­bar beseitigt war, nach dem Krieg durch ger-echte und toür?ige Behandlung Italiens dauernd hätte ausgeglichen werden können, besteht biS auf den heutigen Tag weiter. Und zwar in unendlich verschärfter Form, denn er fand in den letzten Jahren reichliche Rahrung durch alle jene gegen das saf-isti'che Regime gerichteten Machinatio­nen. die auf französischem Doben auSgeheckt wur­den. und von den Faszisten, zu Recht oder zu äänrecht. französischer Urheberschaft oder Begün­stigung zugeschoben werd n.

Der i:alienisch-'ranzösl ch? Gegensatz ist jeden­falls heute ein außerordentlich schwerwiegender Faktor im Zusammenspiel der europäischen Krätte, wenngleich die akute Gefahr, die er nach An­sicht mancher Politiker einsch'irßt. nicht so groß sein dürste, wie es manchmal den A -.schein hat.

Ungünstig beeinflußt wurde jedenfalls die Spannung durch die Auslegung, welche man dem italienisch-albanischen Schiedsger.chtsvertrag in Belgrad und in Paris gab. Wenn man in öic- s.m Vertrag praktisch gesprochen so etwas wie ein ander- benanntes Protektorat Ita­liens über Albanien sieht, so muß man log'.scher- weise sagen, daß die Gleichgew chtsverteilung an dec adria'.ischen Ostküste, gemessen an der Glie­derung Europas, w.e sie Versailles und Et. Ger­main festlegten, z i Ungunften Jugoslawiens also auch Frankr.<chS verändert ist. ES wird einmal von dem Charakter der französisch-jugo- s'.awischcn Allianz abhängen. inwieweit ein Kon- slikt Italiens mit dec einen dec beiden Mächte /in aktives Eingreifen der anderen nach sich ziehen muß oder nicht: alle Wahrscheinlichkeiten sprechen dafür, daß, käme eS überhaupt zu einem solchen Krieg, Italien ihn nach zwei Fronten führen müßte.

Eine andere, nicht zu unterschätzende Gesabr. die durch den albanischen Vertrag hcraufoe- schworen werden könnte, ist Die. daß sich das enttäuschte und verärgerte Jugoslawien wieder der großen, allslawischen Mutt.-r Rußland nä­hern könnte, zu der es biS jetzt eine große Di­stanz wahrte. Es hat nicht einmal eine diplo­matische Vertretung in Moskau unterhalten, auch leine in Belgrad zugelassen. Die Rachr.chten die und au3 diesem Lande zukommen, bestätigen jedenfalls, daß sich in der öffentlichen Meinung ein Umschwung in der angedcuteteten Richtung vorzubereiten beginnt. Rintschitsch, dessen Po­litik auf ein gutes Verhältnis zu Italien hin­zielte und der deswegen von vielen Jugoslawen

*) Dgl. den ersten Teil in Nr. 302 desGieß. Lnz." vom 27.' Dezember.

Politik dienstbar machen? D e Frage blei't offen. Es bedürfte noch deutscherer Phänomene, um ganz klar zu sehen. Soviel steht aber unter allen Umständen sest: daß England feiner west- curobäif den Blockpolitik Ei.g'.and-Frankceich- Deutschland. die es mit afiet Wacht betreibt, Italien ausgeschlossen sehen will. Warum also sollte eS als treibenden Faktor in seinen Plänen nicht eine von ihm begünstigte (wenn nicht gar geschossene) Konstellation wirken lafren?

So wenig Fürsprecher auch biS jetzt noch In dem saszistlschen Italien jede pancuropäische Po­litik hatte: die Möglichkeit allein der Entstehung eines neuen prnslatoischen Blockes wird auch Mus o- lini eine freundlichere Stellung gegenüber einer gesamteuropäischen Einigung zur Pflicht machen. Daß er schon eine solche Wendung genommen hat: davon legt nichts mehr Zeugnis ab, alS der in aller Stille ousgearbeitete Sch.edsrerirag mit Deutschland, desien textlicher Riederlegung ein Akt außerordent.icher politischer Klugheit vorausging. die Schaffung einer selbstän­digen Provinz Bozen in Südtirol, d. h einer Befreiung der deutschen Minderte ten von dem Druck der Trienter Machthaber. Dieser Llkt. der in qan, Südtirol mit grob ter Freude und Genugtuung ausgenommen wurde, bestätigt auch was im ersten Teil dieser Darlegungen über die staatsmännischen Fähigke tm Mussolinis selbst gesagt wurde und über die eventuellen weiteren Entwicklungsmöglichkeiten des saszistischen Sy­stems überhaupt.

Wenn nun einige Kurzsichtige in dem deutsch- italienischen Vertrag eine Spitze gegen Frank­reich crblden wollen, so kann man ihnen, in welchem Lande sie immer seien, nur sagen, daß sie einen ungeheuren Irr um be efjen. Mussolini, wie jeder denkende Ita'iener. weiß viel zu genau, daß es cir.e CebenSnotoenfcigfeit für Deutschland ist. mit Frankreich in guten Beziehungen zu leben, und daß lein deutscher Staatsmann daS ungeheure Verbrechen begehen könnte, die müh-

Mein Nachbar Mussolini.

Don Gustav W Oberleln, Rom.

Untere Hähne krähen sich den Gu'en Morgen zu. Der meine ruft auf gut Deutsch: Kikeriki, der seine erwidert schneidend: Sja, eia. ala'.a! Das ist der saszistische Schlachtruf, während ich eine notorisch friedliche Ratur bin. Es darf daher als.eine glückliche Fügung bezeichnet wer­den. daß zwischen der pompösen Villa Torlonia und meinem bescheidenen Villino neutrales Ge­biet liegt, eine seinerzeit sequestrierte und da- durch herrenlos gewordene, ganz und gar ver­wilderte deutsche Villa. Vielleicht erwirb sie mein Rachbar. dann werde ich ihn bitten, doch endlich einmal den seit zwölf Jahren ins Kraut geschossenen, nach Doethescher Vorschrift nun hochstehenden Lorbeer zurückzuschne.den. Es ist nicht gut, wenn einem der Lorbeer über den Kopf wächst. Rachbar! Und mir nimmt er die Sonne weg.

Außer dem verlotterten Park, dessen ur- wüchsige Ungebundenheit die der ln^lienden Raiionaleigentümltchkeit entgangenen irib^nun Generation auf Generation h.-ranzüchtenden Sing­vögel bejubeln, die Rotkehlchen und Zaunkönige, meine hochverehrten Dersmentore. trennt uns eine Straße, eine Prachtstrahe. eine historische Siraße. die Via Romentana. wo sich ein Dor- saswe meines RachbarS, ein gewisser Rero. den Tod gab. Das wirst so seine Schatten. ...

Aber man braucht sie ja nicht zu sehen. Und zudem ist der Duce, wie man weiß, g es eit. Er macht sich's öfters, wenn er von den StaatS- geschästen ausruhen will, zu Hauke recht bequem, lädt Künstler oder Journalisten zu Gast, und zwinkert, toenn einer In seiner Aengstlichkeit aus die Erhaltung der guten Beziehungen anstoßen will und »daß das Band, das u:t3 verknüpft, immer fester und fester werden möge", zwinkert, sage ich. mit sämtlichen Krähenfüßen und Mund­winkeln: Aber Kinder, ich bin ja gar nicht so !

Und dann greift er selber zur Fiedel._ Der Umgang mit mufifeneugen'en Gegenständen scheint eine charakteristische Eigentümlichkeit der Cäsaren zu sein. Rero fang zur Laute und Fridericus fr leite, toenn ich mich recht erinnere, die Flöte. Das gibt starken Raturen einen qe- wissen lyrischen Glanz. Und da mich alles Ly­rische anzieht, bin rch zwangsläufig meinem Rach- bam zugetan. Er könnte meinetwegen die dicke Aktenmappe mit meinem Ramen. der er zu­weilen mit hochgezogenen Augenbrauen einen politischen Artikel einverleibt, ruhig ins Feuer werfen. Die Kritik, Eccellenza, ist das Salz für die Suppe, und die Politik aber ich will ja ein Feuilleton schreiben. Der Zaun­könig diktiert mir in die Feder.

Man kann nicht sagen, um die Villa Tor­lonia herum herrsche großes Gepränge, Dauec- aussahrt von eleganten Equipagen und so. Rein, dasür arbeitet der Duce zu viel. Sitzt oder steht er vielmehr nicht hinter feinem Schreib­tisch im Pala^o Chigi, so ist er sicher gerade auf der Fahrt nach einem anderen Ministerium. Er hat da eine große Auswahl. Am lautesten ist eS entschieden In jener Rächt zugegangen, als et gar nicht zu Hause, sondern noch in seiner romagnolischen Heimat war. Die Faszisten ha­ben aber trotzdem wegen deS Attentats nicht nur vor der Villa Torlonia. sondern die ganze Via Romeniana hinaus, hinunter demonstriert. An Schlaf war nicht zu denken, sogar unter? beiderseitigen Krahqockel schwiegen verschüchtert in beiden Sprachen. Und die Angrenzer haben schon seit dem vorletzten Anschlag an der Porta Pia einen hochnotpeinlichen Kontrollbesuch nach dem andern erhalten.

Schnurgerade geht es zur Porta Pia. wo die Handgranate platzte, hinauf. Eine Dopvel- allee von Platanen und Detektiven. Die Ge­heimen erkennt man sofort an der unauffälligen Haltung, die sie zur S-chau tragen. Paffanten tun gut, die Reklametaseln^ nur im Vorbeigehen zu lesen und sich nicht länger, als zum (Sin- und Aus treten nötig, vor den Geschäften,auf­zuhalten. Außerdem sind die Ztoi'chenräume zwischen den Bäumen mit bunten Karabiaieri und beräöertcn Polizisten verziert. Lächelnd fährt mein Rachbar tagtäglich diese Straße. Mir kann nichts geschehen, sagt er.

Uebrigens, um das richtig zu stellen, ist er aar nicht mein richtiger Rachbar. kenn die Villa Torlonia ist gar nicht seine richtige Wohnung. Dort lebt er sommersüber als Gast. Wer nach

Rom kommt und ihn auszusuchen daS Telephon- buch aufschlägt, findet dort unter M. verzeichnet 1482 Mussolini S. S. Benito. Presid. bei

Eonsiglio. abit., v. Rasella, 155.

Ein Herr Irgendwer. Während Signore Mu- sltelli vorher und Professors Musumeci nachher durch Fettdruck a'än-en. durch Einrücken für ihr Speditionsgeschäft und ihre Rlerenfpezialität die gebührende Au^..erlsamkcit heischen.

Die Via Rasella H'gt im Zentrum der Alt­stadt. in steilem Abfall d e Plazet Dorberini mit dem Inferno, dem Höllentun >el unter dem Qui- rinal verbindend. Es ist eine der typischen römi­schen Straßen ohne Gehsteige, ohn: moderne Ge­schäfte. ohne Sonne. Um lo mehr Leute wohnen hier, die, toenn sie auch sonst keine Würden und Titel tragen, doch mit Stolz von sich sagen dürfen, mcht nur Zeitg nossen. sondern sogar Rachbarn Mussolinis zu sein. AuS vielen HauS- einschnitlen. die man Läden nicht nennen kann und Höhlen nicht heißen darf, hängen gelblich- weiße Kaskaden heraus, Kapok od^r schlechte Wolle, zum Zeichen, daß e3 die Straße der Matercssai ist. de: Matratzenmachcr. Ein Leisten- Händler. ein Büchs-nmacher. ein Färber da­zwischen. Und natür ich verschoben? W rte. Alle haben, toenn nicht di: Schwelle mit Ochsenblut, so dafür die obere mit den Farben der Trikolore bestrichet oder grüntoeißrote Fähnchen chnauS- gehängt. Alle zßn Schritte steht ein Mensch, der eine unauffällige Miene zur Schau trägt.

Düsterer alS alle die düsteren Häuser ist ein alter, weit herauf wie ein Berlin vergitterter Palazzo, in d.sien Tor inganz e ne -trübe Ampel brennt. R immer 155. Di: Residenz Mussolinis. Und da gibt es noch Historiker, die ihn mit jenem Rero vergleichen, der sich ein goldenes HauS erbauen und von der Terrasse auS eine goldene D ücke zum Kapitol hinübe 1. ließ, um als Dio'.n iS bequ?mer m t dem Jupiter dort pla: dem zu kännrn. In der Via Rasella ist kein H'uch vom Palatin zu spüret.

Und die Wohnung des D c ? D'gen wir. sie sei nicht gead? mrdern eingerichtet. Ein' offenbar überästhetifche Dame hat mit einmal geklagt, am schlimmste t sei es. daß er D ldrr und Photo­graphien mit Reißnägeln an die Wand hefte. Aber neben dem Schreibtisch steht ein Flügel und griffbereit liegt de Violine. Ein auSze- stopfter Adler, toenn es nicht ein Kondor ist, erinnert ihn stets an den Höhenflug, der großen Geistern vergönnt.

In diesem Ha s? also leben die eigentlichen Ti'elinhater d'eseS Fe. illttonS. F'.umachbarn deS allmäch'igen Duce sozusagen. Ihre Adressen seien verschtoieqen. um den Intimi ätsjägem die Arbeit nicht allzu lcicht zu machen. Drnken Sie nur: M' ssolini wohnt in Ro n. alle n, und seine Fa­milie in Ma land! Und öle Fra ixn. daS toeiß man doch, sind ihm nicht gerade spinnefeindI Wahnsinnig pikant . . . Al>er ich wiederhole: Der Duce hat sehr viel, übermäßig viel zu arbeiten.

Un'er seiner Wohn uni dehnt sich ein un­geheures Gewölbe aus, in dem eine Herde stum­mer Klavier.' haust. Geduldig harrend'des Tages, da sie zur Schlachtbank geführt werden. Kommt nun ein Virtuose:r. noch I eb-r. ein? Künst- 'erin aus fernen Landen, um in Rom ein Gast­spiel zu geben, so muh sie natürlich tücht q üben. Und 3'1 diesem Zweck führt sie der Impr s r o in das Gewölbe: Bitt? sehr, alle ersten Mack.rn vorh md?n! Türe zu. d?r Klavierlöto? ist allein. Haut a'sobal) d e Prankei einem Dlüttzner inS fletschend.' Gebiß. Tobt. Rast. Ist ja mutter- rcel mall ein. Es hallt scha lerst ch von den gruft- kählen Wänden. Der Göttliche vergißt sich unö die Welt.

Ha plötzlich öffnet sich die Türe, ein Dierec erscheint und läßt im Auftrag S?iner Exzellenz ergeb?.nft fragen, wie der Virtuose leiße. Wer läßt fragen. Mussolini? Ja Person. Der D ce liegt droben krank zu D'tl, zuerst hat er sich über di? Stör ng geärgert, ab?r dann habe die phäinornena'e Künstlerschaft fein Interesse ertoeTt, er liege und lausche, und et bitte den Maestro--

So erzählen sie. Ist daS nicht schön von Mussolini? Seht so etwa ein Tyrann and? Es robt eben doch nichts über die'k?rv:rsöhnende K'mst. Ich bin stolz auf meinen Rachbarn Mussolini.

mit scheelen Augen angesehen wurde, weil man in dem von ihm eingeschlagenen Kurs die dau­ernde Gefahr einer Preisgabe jugoslawischer Grundiutrressen witterte, hat nach dem Abschluß des albanisch-italien'.schen Vertrages demissio­niert, Paschitsch, der jugoslawische DiSmarck, rst gestorben, unö RaÖitsch. der radikale Kroaten­führer, Föderalist, Feinö öcr serbischen Omni- votenz über öie slowenischen unö kroatischen Be­standteile Öe3 Staates, außerdem leidenschastlicher Sowjetsreund. hat Oberwasser bekommen nach dem Tode seines Erzfeindes und sofort seine russophile Parole ausgegeben. Trotzdem scheint es mir, daß ein Umschwung sich nicht von heute auf morgen vollziehen, unö. toenn er sich voll­zieht. leine allzuraschen positiven Resultate zei­tigen wird. Er könnte allerdings beschleunlat werden, toenn die sranzösisch-jugoflatoifchen Ab­machungen nicht für Frankreich den militärischen Bündniszwang ergäben im Falle cineS jugo­slawischen Angriffs auf Italien. (Denn das in der Adria Ita.ien keine Offensive crgrci'en wird unö doppelt nicht nach dem Abschluß deS albanischen Vertrages liegt wohl auf öcr HanÖ.» Praktisch würde dann allerdings eine Wafscnhilse Rußlands wohl auch kaum in Frage kommen: c8 könnte sich aber, als spätere Folge der Anlehnung Belgrads an Moskau der diejenige Sofias folgen würde abermals ein slawischer Block im Osten bilden, der nicht nur für öie nichtslawischen Dalkanstaatm unö Ita­lien. sondern auch für das gesamte westliche Euroxa. D utschland einbegriffen, eine äußerste Gefahr öarftcLIcn würde.

Es feint. Öaß es wieder England vor- b-ehalten blieb, diese Gefahr im ersten Moment ihres Aultauchens zu erkennen. England heißt den itaiienisch-albanischen Schiedsrertrag gut. es hat sein Zustandekommen begünstigt. Hat es dies getan, um Italien in eine Bahn zu bringen, Öie der englischen Politik entgegen kommt? Will es Italien seiner, der englischen, antirussischen

fom gesponnenen Fäden zwischen Paris und BerNn wieder abreißen zu lassen. Jeder Deut che weiß, daß sich ein befriedetes Europa nur aut- bauen kann aus der schließlichen Entente zwischen den beiden wichtigsten europäckchen Großmächten und jeder Franzose toeib dasselbe er weih aber auch außerdem, daß ein Krieg gegen Ita­lien, und sei er ,u>ch so siegreich, ihm die so- fertige tötliche Feindschaft England- zuz eßen würde, das unter keinen Umständen eine Ver­mehrung der französischen Vormacht dulden könnte: ganz abgesehen davon, ktz^ß Frankreich pekuniär durch einen Krieg ruiniert / erben müßte. Und schließlich wird man weder in Rom noch in Paris vergessen, daß man in gewissen sinanziellen Angelegenheiten ja nach einigermaßen an Washington gebunden 13. also ohne Ame­rika- Gnaden wohl kaum einen Konflikt riskieren könnte. Wie aber Amerika über europäische D nge denkt, weiß man. Man wünscht Fr ede i in dem wichtigen Absatzgebiet Europa, aber nicht Krieg! Und der Dollar regiert bekanntlich nach tote vor!

Daß von Pari- auS ein unbesonnener Alt ge­schehe, ist mehr alS untoahrscheinltch. Daß er von Rom auS nicht geschieht, dafür, glaube ich, bürgt, bei al em rorhanle ten A tagonism^ und Ressen.iment. die staatSmänni che K ug' e t Mus­solini- unö seine be'änftlgenöe Macht gegenüber den rad kalen G'emenlen des Fas Ismus Schlim­me- konnte sich allerdings ereignen, toenn er einem Attentate zum Opler s c c W e immer man zu ihm unö dem Faszi-muS stehen möge: daß daS Leben Mussolinis erhalten bleibe, ist nicht nut von äußerster Bedeutung für Italien län­dern für ganz Europa. Und nickt m nder wich­tig für den Frieden deS Erdreiies ist. daß an Italien gut gemacht werde, toaS im Frieden von Versailles versäumt wurde. Die auöge eich- netc englische Zeitschrift »Observer" hat, al- erste. dieses Kapitel angeschnitten: es möge zwischen England. Frankreich. Italien und Deutschland die Frage dec kolonialen Manda's- verteilung gemeinsam gelöst tre.öen: im Geiste von Locarno Geschieht dieS. so ist ein erster, großer europäischer Akt Wahrheit geroröen. ES ist kein Grund vorhanden, daran zu z oeiseln. daß endlich europäische Vernunft auf dem Plane erscheine.

AuS all den rorangehenden Darstellunoen er­hellt, tote kompl ,.crt öe i'.alienische Frage in­nerhalb des G.'sam:kompler?s öcr europäischen Fragen sich darstelkt. D.eS nicht eine -Minute lang aus dem Auge zu verlieren, ist Pflicht und Aufgabe aller, öer.cn am Zustandekommen einer höheren europäischen Einheit in welcher Form auch immer -- gelegen ist. W.e b c Ostgrenze einer solchen Einheit einmal verlausen wird, ist eine Fräste, öle sehr in der Schwebe bleibt Aber sie ist nicht eine Frage erster Ordnung. Eine solche ist lediglich de Intensilät unö Dickte, mit öcr sich öcc europäische Grunökompler selbst: DeutschlanÖ. Frankreich, Italien, unter enger Dei- orör.ui g an Englanö zusammenschließt. Ist ö.c- ser Komple, erst eine eoiöcntc Macht gewor­den: d. h. ein Block solcher Einheiten, ö e durch Geschichte, Kultur und Zivillsatlan aus ähnlicher Grundlage ruhen, so wird auch eine möglicher­weise austauchende Östliche Gefahr, die von einem ungceintcn Europa xu fürchten wäre, ihre Be­deutung verlieren. Man kann ohne weitere- un­terschreiben, was ein kluger Italiener so for­mulierte:Wenn die europäischen Staaten Eu­ropa wollen, wird Europa erst recht die curo- scheu Staaten woll.m "

Die®emeiiiöenam3ol)resfcI;Iiif$.

Don Dr. Haekel, M. d. N. W.,

Geschäftsführer des Neichsstädtebundes.

Alle ©cmeinöen sehen mit Bangen der großen Schlußbilanz für das Rechnungsjahr 102ö entgegen. Die Wage des Eeineindeetats, die am Anfang des Rechnungsjahres in Einnahme und Aucgabe sorg­sam ausvalanziert war, hat im Lause des Jahre» überall schwere Erschütterungen erfahren Die Aus­gaben für Fürsorgezwecke, insbesondere für Er­werbslose und ausgesteuerte Erwerbslose, sind in einem Ausmaß gestiegen, daß sie den Etat der meisten Gemeinden über den Haufen geworfen haben. Zu sonstigen Zwangsausgaben, die inmitten des Rechnungsjayres unvorhergesehen die Gemcin- öen belasteten, gehören öie erl)eblichen Erhöh ingen der Beitrage zur Preußischen Landesschulkasse (In Preußen) und die Weihnachtszuwendungen für Be­amte, Angestellte usw. Dem steht auf der Einnahmeseite nur eine mäßige Erhöhung der Emahmen aus der Einkommen- und Körperschafts­steuer (um etwa 9,3 Prozent) und ein günstiges Ergebnis der Gewerbeertragssteueroeranlagung gegenüber, wahrend die erhofften Mehreinnahmen aus der inzwischen erhöhten Hauszinssteuer infolge der zahlreichen gesetzlichen (Steuerbefreiungen und 6teuerniebcr|d)lagunaen ausgeblieben find. Die er­wähnten Mehreinnahmen aus der Gewerbesteuer sind in den einzelnen Gemeinden verschieden aurge- fallen. Sie reichen in den meisten Stadien nicht ein­mal dazu aus, die unvorhergesehenen Mehraus­gaben zu decken, und haben nur in Ausnahmesällen eine Senkung der vielsiM überspannten Okroerbe- fteuerzuschläge gestattet, die zwar überall für w in- schenswert gehalten wird, aber unter dem Zwange der gemeindlichen Finanznot bedauerlicherweise nur selten verwirklicht werden kann. Als Endergebnis wird also da» Rechnungsjahr 1926 in den meisten Gemeinden ein Defizitjahr bleiben.

Aus dieser Gesamtlage ergibt sich für 1927 die Schlußfolgerung, daß eine weitere Verschlech­terung des Finanzausgleichs für die Gemeinden, wie sie durch eine Streichung der Reichsgarantie an der Umsatzsteuer ober durch rin gesetzliches Perbot der gemeindlichen Getränke- steuern vom 1. April 1927 ob herbeigeführt wer­den würde, für die Gemeindefinanzen untragbar ist. Weiterhin bleibt die Fürsorge der Gemeinden für die Erwerbslosen im Rechnungsjahr 1927 nur dann erträglich, roenn fie bei au gesteuer­ten Erwerbslosen von i auf/ beschräi. t wird, und wenn nach der gesetzlichen Regelung der Ar­beitslosenversicherung die neben dieser notwendig werdenden allgemeinen Fürsorgelaften der Gemeinden für Arbeitslose und derm Angehörige erheblich zurückbleiben hinter ihrer bisherigen Be­lastung mit Erwerbslosenunterstützung.

Ferner fordern die Städte, insvefondere die mitt­leren und kleinen Städte, für 1927, daß ihnen durch eine erhebliche Erhöhung der geringen Steatezu- fchüsse ober durch ausreichende Gastschulbelträge für ihre zahlreichen höheren und mittleren Sch' len, die zugleich für die gesamte Landbevölkerung übernom­mene und unter den heutigen Derhältnifsen für die