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Verminderung der Bewaffnung der einzelnen Staaten zu erreichen. Die Kommission hat sich in ihrer Mehrheit dahin ausgesprochen, daß die Militärbudgets nicht als eine derartige Unterlage dienen würden, vielmehr sei die Her­absetzung der militärischen Ausgaben als eine Folge der Abrüstung anzusehen. Auch in der Frage der sog.Potentiels de guerre siegte die französische Auffassung, die in der Entwaffnungs­frage im weitesten Maste die geographische Lage eines Landes, die Zahl seiner Einwohner, seine wirtschaftlichen Hilfsquellen, die Länge seiner Grenzen berücksichtigt sehen wpllte, während von deutscher Seite dem entgegengehalten wurde, dast bei einer derartigen weitgehenden Berücksichti­gung aller einzelnen Faktoren man niemals zu positiven Resultaten in der Ab­rüstungsfrage gelangen würde. Von der Kom­mission wurden weiterhin Sonderabmachungen zwischen einzelnen Staaten empfohlen, die die allgemeine Entwaffnung wesentlich erleichtern könnten. Ein ausführlicher Bericht über die Ar­beiten der gemischten Kommission wird der vor­bereitenden Kommission für die Abrüstungskon­ferenz vvrgelegt werden.

Dor Vorsitzende des Ausschusses, der tschecho­slowakische Gesandte in Bern, V e v e r k a , erklärte einem Haoasvertreter nach Schluß der Tagung, der deutsche /Delegierte v. Möllendorf hätte die Be­friedigung gehabt, daß alle seine Kollegen seine Vorschläge, nicht betresefnd die Kontrolle das sei ein Wort, das man besser nicht ausspreche, aber b. ' f fv . . ' t x.

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künftigen Abkommens angenommen- yätten. Die Be­schlüsse der Kommission seien demnach e i n st i m - m i g angenommen. Er habe das Gefühl, daß ein weiterer Schritt vorwärts in der Vorbereitung der Abrüstungskonferenz getan worden sei.

3ra;$en will Syrien.

Vcrhattdlttuqe« in Paris. Briand znriilkhaltcnd.

Paris, 8. Okt. (114.) Der italienische Botschaf­ter, Baron Avezzana, hatte Dienstag abend eine längere Unterredung mit Briand, der be­sondere Bedeutung beigemessen wird, weil nach ifa- Uenischen Blättermeldungen Baron Avezzana m i t ganz bestimmten Instruktionen nach Paris zurückgekehrt ist. Es dürfte fick) vor allem um die Jrage eines französisch-italienischen Mittel- meerabkommens sowie eine Einigung über die äolonialfrage handeln. Die Unterredung beschäftigt die französische Presse lebhaft. Einzel­heiten über die Unterredung sind noch nicht bekannt- geworden. Die erinnerlich, hat dasEcho de Paris" vor einigen Tagen als Versuchsballon die Nachricht gebracht, daß Mussolini bereit sei, auf alle feine Forderungen Frankreich gegenüber zu verzichten, wenn Italien das französische Mandat über Syrien erhalten würde. 3m Laufe des gestrigen Vormittags verlautete in französischen politischen Kreisen gerüchtweise, daß der italienische Botschafter Avezzana Briand einen dahin­gehenden Vorschlag unterbreitet hätte. Eine Bestätigung dieser Nachricht, deren Tragweite nicht überschätzt werden kann, war nicht zu erhalten, doch ließ sich feskstellen, daß man am Quai d'Orsay einer Abtretung Syriens an Italien völlig ableh­nend gegenüberstehen würde. Briand soll betont haben, daß Frankreich Zunächst seine schwebenden politischen und finanziellen Probleme lösen müsse, bevor es sich mit der Mittelmeerfrage beschäftigen könne.

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Vriands Stellungnahme bedeutet sicherlich keine schroffe Ablehnung des italienischen Vorschlags, der offenbar auf Chamberlains kürzlichen Besuch bei Mussolini zurückgeht. Chamberlain hat vermut­lich seine Dermittlungsaktion zwischen Italien und Frankreich auf folgender Basis einzuleiten versucht: Italien verzichtet auf seine Ansprüche auf das fran­zösische Tunis, erhält dafür aber von- Völkerbund das syrische Mandat übertragen, auf das Frankreich verzichtet. Frankreich wird allerdings - noch die Bedingung gestellt haben, in diesen Tausch nur bann einzuwilligen, wenn es dafür weit­gehende diplomatische Unter st ützung Italiens erhält. Die ganze Angelegenheit ist . aber insofern von hervorragender Bedeutung, als * Syrien ein Völkerbundsmandat ist, über x-das der Völkerbund und nicht Frankreich oder England bestimmen. Wir haben aber die Völker- e bundspolitik schon wiederholt von ihrer unangeneh­men Seite zu spüren bekommen, so daß es nicht ausgeschlossen erscheint, daß Italien tatsächlich nach einem Verzicht Frankreichs das Syrienmandat er­hält. Es setzt sich übrigens damit in allernächster Nähe der Türkei fest, wodurch auch das Miß­trauen der Angoraregierung und ihre militärischen Abwehrmaßnahmen verständlich werden.

Amerika und Thoiry.

Keine Verstimmung in ZVashinsttou.

D a s h i n g k o n , 28. Off. (Associated Preß. Funkspruch.) 3n Regierungskreisen ist man über­rascht über die im Auslande veröffentlichten Nach­richten. daß Amerika gegen Deutschland verstimmt sei wegen der geplanten Auf­legung vondeulschen Eisenbahn bonds und der Bildung des europäischen Stahltrusts. Das Staatsdepartement und das Schatzamt erklärte, daß die amerikanische Regierung über die beiden Vorschläge nicht befragt worden sei. Das Staats­departement erklärt ausdrücklich, daß es durch Presjenachrichten Kenntnis von dem Stahltrustplon erhalten habe. Das Schatzamt äußerte, es sehe feinen Grund, warum es über den Trustplan hätte be­fragt werden sollen. 3n Regierungskreisen wird betont, dah die Londoner und Pariser Meldungen über amerikanische Verstimmung keinerlei be­rechtigte Grundlage haben. Ls wird da­gegen angedeutet, daß hier einige Verstimmung be­stand über das kürzliche Bestreben der britischen und der französischen Presse, den Vereinigten Staaten die Verantwortung für ein mögliches Scheitern von Vereinbarungen zwischen dem französischen Ministerpräsidenten und dem deutschen Reichskanzler zuznfchieben.

Coolidge bleibt fest.

Herricks Botschaft an Frankreich.

Paris, 27. Okt. (TU.) Besondere Aufmerk­samkeit erregt die Nachricht von der Rückkehr des amerikanischen Botschafters Myron Th. H e r r i d nach Paris. Herrick wurde, wie erinner­lich, gleichzeitig mit den amerikanischen Botschaf­tern in Berlin und London vom Präsidenten Coolidge nach Washington berufen, der nach seiner Aussprache über das Schuldenproblem mit Staatssekretär Mellon auch die Auffassung der europäischen Botschafter wissen wollte. Präsident

Coolidges Ansicht scheint sich nicht geändert zu haben. Herrick soll von ihm beauftragt worden fein, der französischen Regierung mitzuteilen, daß Amerika mit Sympathie jede Anstrengung zur Stabilisierung des Franken unterstützen werde. Jedoch werde mitgeteilt, dast die Ber­einigten Staaten sich weder an einer An­leihe beteiligen, noch Kredite garan­tieren würden, solange die französischen Schulden bei Amerika nicht endgültig konsoli­diert sein würden.

Der russische Kommunistenkongreß.

Rhkow zur Wirtschaftslage Rußlands.

Riga, 27. Oft. (TU.) Gestern abend fand in Moskau die feierliche Eröffnung der Konferenz der allrussischen kommunistischen Partei statt. Dem neuen Präsidium gehören 37 Mitglieder an, darunter Stalin, Woroschilow, Rhkow, Bu­charin, Kubyschew, Kalinin, Molotow, aber kein Mitglied der Opposition. Auf dem Par­teitag hielt Rylow ein Referat über die Wirtschaf tslage der Sowjet-Union, in dem er auf die Leistungen der 3ndustrre und der Landwirtschaft hinwies und insbesondere über bedeutende Fortschritte auf dem Gebiete der Elektrifizierung berichtete. 3m lausenden Jahre, so erklärte er u. a., werden ne ueKraft werke in Betrieb genommen werden, die weitere 150 000 Kilowatt erzeugen werden. 3m Donez-Becken hat sich in den letzten zwei 3ahren die Kohlen­förderung um 7 Millionen Tonnen erhöht. Der 3ndustrie-Plan sieht eine Ausdeh­nung der (Industrie im laufenden 3ahre um 18 Prozent und im nächsten 3ahre um 12 Prozent vor. 3m berf(offenen Wirtschaftsjahre hat die 3ndustrie einen Ertrag von 500 Millionen Rubel ergeben, wobei der Amortisationsfonds nid)t ein­gerechnet ist. 3m lausenden 3ahre werden in der Industrie eine Milliarde Rubel zum Zwecke umfangreicher Erweiterungen in­vestiert werden. Die 3ndustrialisierung des Lan­des setzt das unerschütterliche Festhalten an der erprobten Preissenkungspolitik, Aus­dehnung des ländlichen Marktes und schließlich die Erhaltung des Bündnisses zwi­schen Proletariat und Bauernschaft voraus.

Das Deutschtum in der Nordmark.

Einweihung der ersten deutschen Pr.vatfchule in Apenrade.

A p e n r a b e, 27. Oft. (TU.) Der gestrige Tag bildete mit der Einweihung einer deutschen Privatschule, der er st en deutschen höhe­ren Schule im abgetretenen Gebiet, einen Markstein in der Geschichte des Deutschtums im abgetretenen Rordschleswig. Reben den füh­renden Vertretern des Deutschtums in Rord­schleswig hatten sich zahlreiche Vertreter von südlich der Grenze eingefunden. Alle Schulen, die zum Bau Beiträge gesammelt hatten, waren durch je einen Schüler vertreten. Als Vertreter des Deutschen Reiches war General­konsul Dr. Kühne anwesend. Die Einweihungs- feier, die ein kraftvolles Bekenntnis des nord- schleswigschen Deutschtums zu deutscher Kultur und Dolkswissenschaft bedeutete, begann mit der Uebergabe des Schlüssels, der der Einzug des Lehrkörpers und der geladenen Gäste folgte. Mit dem Gesang des Deutschlandliedes schloß die wirkungsvolle Feier. Abends 7 Uhr begann als wirkungsvoller Abschluß der Feierlichkeiten die Festaufführung vonGlaube und Hei- m a t durch das Rordmark-Landestheater.

Das Schulgeld in Preutzen.

Berlin, 27. Okt. Der Hauptausschuh des Preußischen Landtages behairdelte eine Reche von Kultursragen, und wandte sich dann der Beratung der Anträge über die Aufhe­bung der Erhöhung des Schulgeldes an den höheren Lehranstalten zu. Ein Vertreter des Finanzmimsteriums erklärte, daß für das lausende 3ahr nichts geändert werden solle, daß auch für die Regierung feine Lösung in Betracht komme, die die Staatseinnahme aus den Schulgeldern herabsetze. Schließlich wurde der Antrag angenommen, wonach für kinder­reiche Familien in weitgehenderem Maße als bisher Ermäßigung bzw. Erlaß des Schulgeldes ein treten soll. Annahme fand auch der Antrag, nach dem die Ermäßigung bei dem zweiten Kinde 25 Prozent, bei dem dritten Kinde 50 Prozent betrage und weitere Kinder frei bleiben sollen, wonach ferner die Er­zieh u n g s b ei h i l f en und Freistellen vermehrt werden sollen. Der Hauptausschuh nahm ferner einen Antrag an, der die Lehr­aufträge für die WeltanschauunHsfragen an den Hochschulen tunlichst vermehrt wissen will.

Der angeblicheErzbergermörder

Berlin, 27. Oft. (Wolff.) Die Staats­anwaltschaft in Offenburg hält die französischen Rachrichten über die Verhaftung eines Erz­bergermörders für eine der Kombinationen, wie sie bezüglich der Mörder Erzbergers und ihrer Hintermänner von Zeit zu Zeit auftauchen.

Kleine Mtische Nachrichten.

Reichspräsident von Hindenburg empfing den Reichskanzler Dr. Marx sowie den Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht.

3n Buenos Aires if^ ein 3unkers - Groß­flugzeug angekommen, das demnächst in den Ver­kehrs dien st eingestellt werden soll. Reichskanzler a. D. Dr. Luther wird das neue Flugzeug benutzen, um Paraguay zu besuchen,

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Der diesjährige Landes Parteitag der Deutschen Dolkspartei in Hessen wird am 26., 27. und 28. Rovember in Worms veranstaftet.

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Das Schulschiff des deutschen Schulschifsverban- desGroßherzogin Elisabeth" ist am 25. Oktober wohlbehalten in Teneriffa ange­kommen und wird am 28. Oktober nach Bahia weiterscgeln.

Der Schwiegersohn des verstorbenen Reichs- prSsidenten Ebert, Dr. I ä n i ck e, dessen Disziplinar­

strafe auf dem Gnadenwege erlassen wurde, wird nach seiner Uebernahme in den preußischen Staats­dienst bei der Polizei eingestellt werden, zunächst als Regierungsassessor im Polizeipräsidium.

In Minos Goraes im Innern Brasiliens find ernste revolutionäre Unruhen ausgebrochen. Die Kolonisten fliehen mit allem verfügbaren Hab und Gut, da sie den Ausbruch des Bürgerkrieges befürchten.

Aus aller Welt.

Internationale Bauausstellung 1930.

Von maßgebender Seite erfährt dasB.T.", daß es zwischen der Stadt Berlin und dem Werkbund zu einer prinzipiellen Einigung über die Abhaltung der großen 3nternationalen Bau-Ausstellung im 3ahre 1930 in Berlin ge­kommen ist. Die Stadt Berlin hat durch Ober­bürgermeister Böß erklären lassen, daß sie ihr 100 Hektar großes Gelände bei Eichkamp zur Verfügung stellen werde. Außerdem erteilte der Magistrat Oberbürgermeister Böß weitere Voll­machten zur Fortführung des Planes. Der Ber­liner Magistrat will in den nächsten Tagen durch eine Deputation bei der Reichsregierung vor- sprechen und die Ernennung eines Reichskom- m i s s a r s für diese Ausstellung beantragen. Ein ähnlicher Schritt wird vom Werkbund unternom­men werden, der gleichzeitig eine bestimmte Per­sönlichkeit Vorschlägen wird, die als Repräsentant im modernen Wirtschaftsleben auch über Deutsch­lands Grenzen hinaus bekannt ist. Reben dem Reichskommissar soll ein Ausschuß gebildet wer­den, in dem neben dem Werkbund auch Ver­treter Berlins und interessierter Verbände ver­einigt werden sollen. Das Reich, Preußen und Berlin haben ihre prinzipielle Einwilligung zur finanziellen Unterstützung gegeben, doch soll auch Privat kapital herangezogen werden. Die Bau- und sonstigen Unkosten werden auf etwa 50 Millionen Mark geschäht.

Die künstlerische Formgebung des Reiches.

Eine AusstellungDie künstlerische Formgebung des Reiches" wird am 29.Ok­tober vorn Reichsminister des Innern im Reichstags­gebäude eröffnet werden. Sie zeigt aus dem Ar­beitsgeb ie t des Reichskunstwarts Bei­spiel der während der letzten Jahre unternommenen Neugestaltung der amtlichen Graphik und aller damit im Zusammenhang stehenden Fragen und enthält also die Hoheitszeichen, Fahnen, Münzen, Medaillen, Urkunden, Drucksachen, Siegel, Stempel und Marken des Reiches und außerdem Beispiele der Auswirkung der reformatorische» Tätigkeit auf Kunst und Handwerk. Eine besondere Abteilung wird den staatlichen Feiern, eine weitere dem Reichsehrenmal gewidmet sein.

Ein Geschenk Hindenburgs.

Der Reichspräsident von Hinden­burg hat der D e r n k a st e l e r evangelischen Kirche eine kostbare Altarbibel als Ge­schenk übersandt. Die eigenhändige Widmung des Reichspräsidenten lautet:Der Evang. Gemeinde in Demkastel für ihr erneuertes Gotteshaus mit dem Wunsche gewidmet, daß echtes Christen­tum, deutscher Geist und brüderlicher Sinn hier stets eine Heimstätte haben mögen.

Sladkjubiläum.

650jähriges 3ubiläum als freie Stadt feiert am 1. Dezember die Stadt Braubach Die Originalurkunde, worin König Rudolf von Habsburg Gottfried von Eppstein die Rechte und Freiheiten für dessen Stadt Braubach als Anerkennung für seine Dienste verleiht, befindet sich in Wernigerode in dem fürstlich Stolber- gischen Hausarchiv.

Gras Luckner in Reuyork.

Graf Luckner, seine Gattin und Offiziere des SeglersVaterland wurden vom stellvertreten­den Reuyorker Bürgermeister in Vertretung des ertränkten Bürgermeisters Walter im Stadt- hause offiziellempfangen. Graf Luckner erklärte, er überbringe die herzlichsten Grüße der deutschen Kinder, welche nie vergessen würden, daß Amerika sofort nach d?m Kriege Nahrungsmittel sandte. Bürgermeister Corrigan führte aus, je enger die Beziehungen zwischen Deutschland und Amerika sich gestalteten, desto besser sei es für die beiden Länder, Amerika hege die größte Bewunderung für Deutschlands Pro­dukte und Fabrikate.

Beginn des Holzmann-Prozesses.

Donnerstag, beginnt vor dem Schöffengericht Berlin-Mitte der Prozeß gegen Michael Holz- mann wegen Bestechung des früheren Leiters des Berliner Fremdenamtes, Oberregie­rungsrat Bartels. Kutisker tritt in dem Pro­zeß als Rebenkläger auf. Er will von Holzmann durch die Drohung mit Mord gepreßt worden sein.

Bergmerksunglück.

Auf der ZecheAlte Steincuhle bei Bochum verunglückten auf der 50 - Meter - Sohle zwei Hauer dadurch tödlich, daß sie unter plötzlich hereinstürzende Gesteinsmassen gerieten. Der eine von ihnen erstickte, während der andere einen Genickbruch davontrug, der seinen so­fortigen Tod zur FoLge hatte.

Zwei Flieger löblich verunglückk.

In Paris sind die beiden bekannten Flieger­leutnants Robin und ßatapie aus einer Höhe von 200 Meter tödlich abgestürzt.

Eine ganze Familie ermordet.

3n der Rahe der griechisch-bulgari­sch en Grenze wurde ein französischer 3n° genieur, seine Frau und fein Sohn ermordet und ausgeraubt. Der französische Gesandte hat strenge Untersuchung des Zwischenfalls ver­langt.

Die Wagendeichsel in der Straßenbahn.

Ein in schneller Fahrt befindlicher zwei- spänniger Arbeitswagen fuhr in Reukölln mit voller Wucht gegen die Flanke eines Stra­ßenbahnwagens. Der Anprall war so heftig, daß die Deichsel des Wagens durch die Sei­tenwand des Straßenbahnwagens drang. Die Deichsel traf eine Frau im Genick und drückte sie gegen eine Fensterscheibe. Die Glasscherben verschnitten der Frau die Hals­schlagader, so daß sie nach wenigen Mi­nuten starb. Zwei weitere Fahrgäste wur­den durch Glassplitter verletzt.

Wettervoraussage.

Oestliche bis südliche Winde, vielfach.be­deckt, geringe Riederschläge, Abschwächung des Rachtfrostes.

Gestrige Tagestenrperaturen: Maximum 7,5, Minimum minus 2,0 Grad Celsius. Heutige Mor­gentemperatur: 0,5 Grad Celsius. l

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 28. Oktober 1926. .

Ium Semesterbeginn.

Die schöne Zeit der dreimonatigen Sommer­ferien ist nun vorbei. Die Universität öffnet wieder ihre Pforten. Bruder Studio kehrt zu uns zurück.

Sie werden viel beneidet um diese Ferien, der Student und der Hochschullehrer, beneidet besonders von den vielen, für die Ferien gleichbedeutend sind mit Richtstun. Wohl sind im allgemeinen Ferien und Urlaub zum Ausruhen da, aber für den Studenten und seine Lehrer sind' sie dies zumeist nicht. Der Hochschullehrer ist nicht nur Lehrer, er ist auch Forscher. Er kann nicht stille stehen in seiner Arbeit, sondern muh in seinem Fach auf der Höhe bleiben. Er muh oft Forschungsreisen unternehmen und Bücher oder sonstige wissen­schaftliche Abhandlungen schreiben. Zu alledem hat der vielbeschäftigte Hochschullehrer während der Vorlesungen keine Zeit, es müssen die Fe­rien, insbesondere die Sommerferien dazu be­nutzt werden. Ohne Ferien wären die meisten Dozenten außerstande, ihre Forschertätigkeit aus­zuüben. Auch für den Studierenden sind die Ferien nicht nur eine Zeit des süßen Richts- tuns, besonders nicht für den in den höheren wemestern. Es ist ausgeschlossen, daß ein Studie­render, der wöchentlich 30 und mehr Stun­den Vorlesungen und Uebungen belegt hat, den ihm dort dargebotenen Stoff in der freien Zeit, die ihm noch verbleibt, so verarbeiten kann, daß er sein geistiges Eigentum wird und bleibt. Zu dieser eigentlichen Lernarbeit geboren eine 2tetfje ruhiger Sage und Wochen: dazu sind die großen Ferien da. Und weyn diese der Arbeit gewidmeten Ferientage abwechseln, mit solchen Harm ros er 3ugendfröhlichkeit. so finb die Ferien richtig angewandt.

Run ist sie vorbei-, diese Ferienzeit. Aus allen Teilen des Hessenlandes und des übrigen deutschen Vaterlandes, sowie aus dem Ausland streben sie in diesen Tagen wieder unserer Stadt zu, die gewillt sind, das Wintersemester an un­serer Universität zu verbringen. Wenn man es nicht gewußt hätte, das Stratzenbild der letzten Tage hätte es uns gezeigt, daß der Semester beginn bevorsteht. Schon Ende der vo- ' rigen Woche sah njan allenthalben junge Männer, mit Schließ körben und Koffern beladen, ihrem Dau" zustreben. Hier und da tauchten schon > bunte Mützen auf, und der allabendliche Bummel zeigte bereits wieder ein farbenfrohes Bild. 3n der Großstadt fällt dieser Wechsel im Straßen- bild nicht auf. Wir aber in unserer kleinen Uni­versitätsstadt freuen uns, daß unsere Studenten wieder da finb; wir haben sie vermißt in den letzten drei Monaten. Sie gehören zu uns und wir zu ihnen.

Das Lutherbttd in der Wietzener Stadtkrrche.

Wohl alle Besucher der Stadtkirche kennen das schöne Lutherbild, das die östliche 3nnenwand dieser Kirche schmückt. Aber nur die wenigsten haben bis vor kurzem gewußt, daß dieses Bild von dem noch heute in Gießen be­stehenden und 1837 gegründeten Gesang­vereinL i ede rk r a n z gestiftet wurde. Es ist in Rr. 236 desGießener Anzeigers bereits kurz darauf hingewiesen worden; vielen wird es aber doch willlommen sein, über die Stif­tung dieses Bildes etwas Räheres zu erfahren.

Die Uebergabe des Bildes an den Vorstand der evangelischen Gemeinde zu Gießen erfolgte am 6. Rovember 1342. 3n der Stiftungsurkunde heißt es:Von ernstem Eifer beseelt, sich immer­fort nach ihren obwohl schwachen Kräften als würdige Glieder der Kirche zu erweisen, in welcher sie die christliche Wiihe empfangen und welcher sie mit Liebe und Ueberzeugung ange­hören, ü/iben die ehrerbietigst unterzeichneten Mit­glieder des hier unter dem Ramen desßieber- Ganzes" zur Förderung und Verbreitung der Kunst des Gesanges von dem Cantor Schwabe gegründeten Vereins. c>ls sie wahrgeno^men, daß der hiesigen Stadtk'r'che ein würdiges Äbbild des großen, acht deutschen Mannes, durch dessen Be­mühung unter des Allmächtigen Beistand die christliche Kirche auf die einfache Lehre des Evan­geliums zurückgesührt worden, als Eriirnerun-gs- denkmal an dieses segensreiche Ereignis aimod) abgehe, einmütig den Beschluß gefaßt, diesem oft empfundenen und auch geäußerten Wunsche der Gemeinde nach einer solchen Ausschmückung ihrer Kirche durch die Fürsorge für die Anfertigung eines möglichst ähnlichen Abbildes des großen Kirchenreformators zu entsprechen." Dieses Lutherbild ist eine getreue Rachbildung der Lutherfigur, wie sie sich auf dem in der Haupt- und Stadtkirche zu Weimar aufgeftettten Altar­bilds zeigt. Die Rachblldung selbst hat der da­malige Maler August K ö n i tz e r in Weimar angefertigt, nachdem die Höchsts Behörde des Großherzogtums Sachsen-Weimar die E^aubnis hierzu bei demallerhöchsten Eigenthümer ge­dachten Altarbildes" erwirkt hatte. Der goldene Rahmen, in den das D'ld eingefaßt ist, wurde ebenfalls von den Mitgliedern des Lieder­kranzes gestiftet. Sämtliche Vereinsmitglieder. deren Zahl damals 84 betrug, haben ö:e Stis- tungsurkunde mit ihrer e'genhändigen Ramens- unterschrift versehen. Als Direktor des Vereins Zeichnete C. Schwabe, der Vater des späteren Pfarrers Schwabe, als Rechner W. E. Hqinrich, als Sekretär G. Plank und als Dibl-iothekar 3. Kunz. Von den übrigen Vereinsmitgliedern seien erwähnt: Th. Rollos, Chr. Reiber. W. Dusch. C. 3. Herbert. B. Stohr. F. Möbl. C. Ho- rehseck, Chr. Petri, P. Vogt. C. Peppler, F. C. Loos. PH. Lüdeking. C. Schafffta^dt. L. Roll, C. Busch. Bei der Uebergabe des Bildes wurde die Bitte ausgesprochen, ihm ..zur immerwähren­den Erbauung der versammelten Gemeinde eine geeignete Stelle zu überweisen, auf daß durch die fortdauernde Erinnerung an den St-fter des evangelischen Christentums und eine lebendige Vergegenwärtigung der erhabenen Person des­selben jeglicher gemahnt werde, fest und treu am Glauben dieser Kirche zu halten."

Die Geldmittel zur Beschaffung des Bildes wurden durch zwei öffentliche Konzerte desLiederfranzes" aufgebracht, von denen das erste am 5. Dezember 1811 im Klub- saale stattfayd. Die Eintrittskarten h'erzu kosteten im Vorverkauf 30 Kreuzer, an der Kasse 36 Kr. Der Ertrag dieses Konzertes war. wie es in , der bett. Konzertanzeige b'. -zur Anschaffung eines werthvollen Lntberbildes für d'e hiesige evange­lische Kirche bestimmt". Er betrug 340 Gulden