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SineUnterre-ungmitStresemann

Die Versöhunugspo! tik vo;r Thorry.

Paris, 27. Sevt. (Wolff.) DerMatin" ver­öffentlicht heute ein oem Außenpolitiker des Blattes, Sauerwein, voni Rcichsmintfter des Auswär­tigen gewährtes Interview. Reichsminister Dr. Stresemann führte darin, nachdem Sauermein her» vorgehoben hatte, daß bei den militärischen und finanziellen Sachverständigen Schwierigkeiten bei der Anbahnung einer Annäherung der beiden Län­der entstehen konnten, u. a. aus: Ich bin nicht über­rascht, daß von den Sachverständigen beider Länder Einwendungen erhoben werden, aber vergessen wir andererseits das englische Sprichwort: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg! Tatsache ist, daß Driand und ich über die Möglichkeit einer Annäherung einer Meinung sind. Dabei glaube ich, daß weder Herr Briand noch ich schlechte Patrioten sind. Eine Versöhnung zwischen Frankreich und Deutschland wird um so wirksamer sein, als sie unter der Mitwirkung von Staaten wie England, Belgien und Italien stattfinden wird, die auch den Vertrag von Locarno unterzeichnet haben. Was Frankreich und Deutschland anbelangt, so ist alles wie für eine Annäherung ge­schaffen: die einander ergänzenden Wirtschafts- quellcn, die geographische Nachbarschaft, die un­bestreitbare Tapferkeit beider Völker, der Arbeits­und Ordnungssinn. Zur Vorbereitung einer künf­tigen erfolgreichen Verständigung haben wir ge­glaubt, daß es das Beste fei, einander gewisse Zugeständisse zu machen, die die Lage der beiden Länder zu erleichtern geeignet sind. Das Große, das sich in den letzten Jahren ereignet hat, ist, daß der Haß und die Leidenschaften ständig mehr verschwunden sind, um einem gegenseitigen Verstehen und der Hoffnung auf eine künf­tige Zusammenarbeit Platz zu machen.

Die von einem Journalisten jüngst gestellte Frage, ob es sich um den Abschluß eines ge­schäftlichen Vertrages handle, beweist, daß man sich bisweilen eine recht enge Vorstellung macht. Man kann in Erwägungen darüber eintreten, daß zwischen beiden Ländern eine Interessenge­meinschaft hergestellt wird, wobei Frankreich auf Rechte aus den Verträgen und Deutschland auf Vor­rechte aus Abkommen und Verträgen verzichtet. Die von beiden Ländern zu bringenden Opfer sind nicht sehr groß, wenn man den Blick auf die Zukunft richtet, die wir vorbereiten wollen. Glauben Sie denn wirklich, daß Sie bei einer intimen Mitarbeit Deutschlands im Völkerbund, ohne daß Sie sich an moralische Unmöglichkeiten stoßen, viele Jahre hindurch unser Gebiet besetzt halten können, wenn wir anderseits Ihnen durch Trans­ferierung von Geld, der in gehöriger Form zugestimmt worden ist, helfen können, Hilfsquellen aufzufinden, die Sie brauchen? Ist es dann nicht na­türlich, daß wir so verfahren, wenn wir wirklich die Absicht haben, uns auf allen Gebieten zu ver­ständigen? Wie die französische öffentliche Meinung sich zu solchen Plänen stellt, weiß ich nicht. In Deutschland jedenfalls haben Sie viel Boden gewonnen. Die rheinisch-westfälischen Indu­striellen, die man gern als Vertreter des Nationalis- mus hinstellt, sind Pioniere auf diesem Wege. Hoffen wir, daß der bereits zurückgelegte Weg eine gute Vorbedeutung für einen guten Erfolg ist.

Bergbaudebatte im Unterhaus.

London, 28. Sept. ($11.) Das Unterhaus trat am Montag zu der angekündigten Sonder­sitzung zum Zwecke der Verlängerung der Ausnahmebest tmmungen zusammen. Zu Beginn der Sitzung entspann sich insbesondere zwischen Baldwin und Macdonald eine lebhafte Auseinandersehuu g, da Macdonald eine Verlängerung der augenblicklichen Sondertagung bis zum Mittwoch verlangte, um die eventuellen Ergebnisse der am Mittwrch stattfindenden neuen Beratung der Bergarbeiterexekutive abzuwarten. Baldwin widersprach diesem Antrag sehr energisch. Der Premierminister erklärte, die Regierung habe mit allen Kräften versucht, zu vermitteln und zu verhandeln. Churchill habe erreicht, daß die Mög­lichkeit einer Konferenz zwischen den Berg­arbeitern. Regierungsvertretern und Gruben­besitzern wieder in greifbarere Rähe gerückt wor° den sei. Die Grubenbesitzer hätten dann aber doch Verhandlungen abgelehnt und er, Baldwin, sei der lleberzeugung, daß die Gruben­besitzer damit einen schweren Fehler be­gangen und wenig Weitsichtigkeit und Einsicht für die schwere Lage des Landes bewiesen hätten. Die Regierung beabsichtige vorläufig nicht, neue Schritte zu tun.

Macdonald wies auf den Widerspruch zwischen den von Churchill gemachten Vorschlägen und denen Baldwins hin. Dieser Widerspruch habe schwer enttäuscht. Die Regierung habe sich mit ihrem achtstündigen Arbeitstag vollkommen den Grubenbesitzern ausgeliefert. Macdonald schlug vor, die Regierung solle dem Unterhause einen Gesetzentwurf vorlegen, der in einem ein- -lgen Artikel bestimme, daß der Achtstun­dentag vorläufig nicht in Kraft trete Lloyd George deutete ebenfalls auf den Ge­gensatz zwischen den Churchillschen und den Bald» winschen Vorschlägen hin und erklärte, daß, wenn die Grubenbesitzer immer wieder Vergleichsvvr- schlage zurückwiesen, die Regierung verpflichtet 'ei-, ne zur Annahme zu zwingen, zu­mal ine Annahme eines solchen Vorschlages auf Seiten der Bergarbeiter ja keineswegs mehr so große Schwierigkeiten bereite. Churchill ctarf®- er sei der lleberzeugung. daß niemand mehr habe tun können, als die Regierung getan habe Er wies die Gerüchte von Differenzen zwischen ihm und Baldwin entschieden zurück Wenn die Grubenbesitzer auf sein Angebot einer neuen gemeinsamen Konferenz mit den Berg- arbeitern eingegangen wären, würde man sicher­lich heute schon eine vollkommen klare Situation vor sich haben. Mit 237 gegen 122 Stimmen wurde ein Antrag angenommen, der der Re­gierung die Initiative für ihr Vorgehen während der Herbsttagung überläßt. Macdonald wider- sprach dem Antrag mit der Begründung daß niemand wisse, was sich in dieser Zeit ereignen ranne.Ich hoffe, daß Reuwahlen stattfinden werden', so erklärte er unter lautem Beifall der Opposition und Lachen der Regierungsparteien.

Moskau und Litauen.

Riga, 28. Sept. (211.) Am Montag morgen traf eine litauische Delegation mit dem Minister- Präsidenten Slezevicius an der Spitze in 21 i g a ein, um bereits am Vormittage nach Moskau weiterzufahren. Der litauische Mi­nisterpräsident hat die lettländische Regierung von seiner Durchreise nicht in Kenntnis gesetzt. Der

Zweck der Reise ist der Abschluß eines litauisch-russischen Garantie- und Wirtschaftsverträges. In einem Inter­view. das ein Mitglied der Delegation einem russischen Journalisten gewährte, wird erklärt, daß in den Verhandlungen mit Rußland die Wilna-Frage eine besondere Rolle spielen werde. Es ist anzunehmen, daß die litauische Delegation erst nach Unterzeichnung des Ver­trages aus Moskau zurückkehren wird.

Die pomische Krisis.

Das neue Kabinett Bartel.

Warschau, 27. Sept. (Wolff.) Der Staatspräsident hat die Regierung Bartel in ihrer Zusammensetzung neu er­nannt. Dies zeugt, daß man entgegen den Bestimmungen der Verfassung über die beiden Mißtrauensvoten des Landtages gegen den Innenminister und den llnterrichtsminister zur Tagesordnung übergegangen ist. Die rechtsstehenden Abendblätter greifen Pilsudski, den Staatspräsidenten sowie den Premierminister Bartel aufs schärfste an. Das Organ der Piast- partei,Echo Warszawski". behauptet, daß der Handlung Pilsudskis eine provozierende Her­ausforderung gegenüber dem Sejm bedeute. Interessant ist es, daß das Piastenorgan sofort nach Erscheinen von der Polizei konfisziert wurde. Alle Versuche der Regi.rmg, sich mit den Parteien zu verständigen, sind gescheitert. Premierminister Bartel ertlärte, daß er sich trotzdem am Donnerstag dem Sejm vorstellen und ein Vertrauensvotum verlangen werde. Da aber ohne Zweifel das Vertrauens­votum vom Sejm mit Mehrheit abgelehnt werden wird, wird versichert, daß der Premier­minister Bartel schon am Montag beschlossen hat, auf Grund der Vollmachten, die er vom Sejm seinerzeit erhalten hat, beide Kammern, d. h. den Sejm und den Senat, aufzulösen.

Der Fremdenhatz in China.

London, 28. Sept. (WTB. Funkspruch.) Rach einer Agenturmeldung aus Schanghai soll in der Gegend von Tschungtsching eine chine­sische Geheimgesellschaft gebildet wor­den fein, die 100 Dollar Belohnung f ii r jeden englischen Staatsangehörigen aussetzt, der ihr lebend ausgeliefert wird.

Kunst und Wisisnschaft.

Zahnärztctag in Düsseldorf.

2n Düsseldorf wurde der deutsche Zahn­ärztetag, auf dem der Reichsverband der Zahn­ärzte Deutschlands, der Zentralverband deutscher Zahnärzte, die deutsche Gesellschaft für dentale Anatomie und Pathologie, die für Paraden- tosenforschung, die Deutsch-Oesterreichische Gesell­schaft für Kiefervrthopüdie und der Reichsver- band beamteter Zahnärzte vertreten find, mit einer wissenschaftlichen Sitzung der Sektion 30 Zahnärztliche Heilkunde" der Versammlung deutscher Raturforscher und Aerzte eingeleitet. Prof. Dr. Adloff (Königsberg) sprach über die vergleichende Anatomie in ihrer Bedeutung füc die Beurteilung des menschlichen Gebisses, Professor Dr. Euler (Breslau) über die Ent­wicklung des ersten Mahlzahnes, die er durch mikrvphotographische Aufnahmen ergänzte. Dr. W e s k i (Berlin) behandelte einige Fragen über den histologischen Bau der Wurzelhaut in einem längeren Vortrag, der durch öle Epithel-Studien von Professor Dr. Fischer (Hamburg) ergänzt wurde. Professor Stein (Leipzig) erörterte die Bedeutung der Schulzahnklinik und ihre Ausnutzung zur wissenschaftlichen Arbeit, 5>r. Stuckenschmidt (Rauen) die Begrenzung schulärztlicher Tätigkeit und Dr. K i e n t o p f (Berlin) die Mitarbeit der Schulen in der Auf­klärungsarbeit des Zahnarztes. Besonderes In­teresse wurde dem auf der Tagung gezeigten Automobil der Schulzahnklinik Bonn, das nach dem Entwurf von Professor Kantoro­wicz erbaut und für die zahnärztliche Ver­sorgung der Landbevölkerung gedacht ist, ent­gegengebracht.

Eine deutsche historikerversammlung In Breslau.

Vom 3. bis 9. Oktober tagt in Breslau die dies­jährige Versammlung deutscher Histo- riker und Geschichtslehrer, ferner die Gesellschaft für Kirchengeschichte und die Konferenz l a n de s ae s ch i ch t l i ch e r P u b l i k a t i o n s i n st i t u t e. Es werden u. a. sprechen: Adolf Damaschke überDie Boden­reform im Geschichtsunterricht", Oberstudienrat Dr. Pinnow (Kassel) überDie ausländischen Ge­schichtsbücher und ihre Behandlung der deutschen Dinge". Auf einer besonderen Osteuropa-Ta- g u n g werden die Professoren Stählin, Haase, Has- singer, Recke und Seger sprechen. In der Gesell­schaft für Kirchengeschichte sprechen u. a. auch die Gießener Professoren Dr. Laqueurlieber die palästinensischen Märtyrer der Kirchengeschichte des Eusebios" und D. Bultmannlieber paulinische Anthropologie". Im Verband deutscher Hi­storiker sprechen u. a. die Professoren Geizer (Frankfurt), Oertel (Graz), Schaeder (Bres­lau), Schmeidler (Erlangen), Röhrich (Kiel), H'rsch Mien), G ötz (Leipzig) (über Franz von Mslssi), Ritter (Freiburg), Stieve (Berlin), R o t h f e l s (Königsberg).

Internationale Buchkunslausstellung.

Der Verein deiitscher Buchkünstler veranstaltet vom Juni bis September 1927 unter dem Protektorat von Exzellenz von Harnack, Gerhart Hauptmann und Max Lieber­mann in Leipzig eine internationale Buchkunst­ausstellung, deren Leitung in den Händen der Pro- fessoren Steiner (Prag), Ehmke, Gruner, Mathön, 8». ' Preetorius, Weih, Czeschka und

m ®,ne Reihe der berühmtesten deutschen

Buchkünstler wird umfassende Uebersichten ihres Schassens geben. Auch hervorragende Buchkünstler des Auslandes werden mit größeren Kollektionen vertreten sein. Als Musterbeispiel der Sammlung eines Bücherfreundes wird die des Dr. h. c. Karl Suingfpor in Offenbach, Ehrenmitglied des Kerems Deutscher Buchkünstler", vorgeführt

Auffindung eines Riesenmammuts.

Im Transbaikal-Gouvernement ist in den ewigen Eisschichten ein gut erhaltener Mammut- Kadaver aufgefunden worden. Der Fund wurde nach Leningrad an die Akademie der Wissen» c oUen zu wissenschaftlicher llniersuchung abge- 'ovdt. Dies ist in dem letzten Jahrhundert der zweite Vorfall, daß ein vollkommen erhaltener Mammut ° Kadaver zutage gefördert werden

wieder eine ©utenbergbibel nach Amerika verkauft.

Die dreibändige Gutenbergbibel auf Perga­ment, die sich im Besitz des Denediktinerklosters St. P a u l bei Klagenfurt befand, ist lautDerl. Lokalanz." für 175 000 Dollar einem Reuyorker Bibliophilen deutscher Herkunft, Dr. Otto Voll- b e h r, verkauft worden.

Eröffnung des 5. Deutschen Soziologentages.

InWien wurde in Anwesenheit des Bun­despräsidenten und zahlreicher hervor­ragender Soziologen aus Deutschland und Oester­reich der 5. Deutsche Soziologentag eröffnet Der Bundespräsident begrüßte den Kongreß und sprach die Hoffnung ans, daß der 5. Deutsche Sozivlogentag von Erfolg begleitet sein werde. Namens der Bundesregierung betonte Vizekanz­ler Waber daS einheitliche Zusammenwirken zwischen deutschen und österreichischen Gelehrten. Die Bundesregierung sehe mit großem Interesse den Beratungen des Kongresses entgegen und verspreche sich davon eine weitere Förderung der Gesellschaftslehre.

herbslverfammlung des evangelisch-sozialen Kongresses.

Die diesjährige Herbstversammlung des evan­gelisch-sozialen Kongresses in Frankfurt a. d. Oder wurde durch den Vorsitzenden, Reichs­gerichtspräsidenten Simons (Leipzig), eröffnet, der in seiner Begrüßungsansprache zeigte, daß die B o d e n f r a g e ein europäisches Problem ist. Der Führer der Bodenreform-Bewegung Damaschke sprach über die sozialen Wirkungen ter Dodennot. In ganz Deutschland sind 1 159 000 Wohnungen zu wenig. Das müsse zu einer Kata­strophe führen, wenn es nicht gelinge, dem durch die Einflüsse der modernen Wirtschaft zermürbten Industriearbeiter ein eigenes Heim zu schaffen. Zu den Forderungen des Heimstättengesetzes habe sich auch Hindenburg schon vor langem be­kannt. Das Grundgeseh der Bodenreform fei in der Reichsverfafsung verankert. Weitere Vor­träge wurden gehalten von Pfarrer Schu­bring, Berlin, überDie Kunst in der Woh­nung". von Frau Geheimrat T i t i u s, Berlin, und Privatdozent Dr. Bechtel, Breslau, über Die Bodenfrage als soziales Grundproblem".

Aus aller Welt-

Erster internationaler Film-Kongreß.

In Paris wurde in Anwesenheit des Präsi­denten der Republik in der Sarbonne der Erste Internationale Filmkongreß unter starker deut­scher Beteiligung eröffnet. Dieser Kongreß findet auf Anregung des Völkerbundes statt. In Ver­tretung des Hanbelsministers begrüßte Land­wirtschaftsminister Queuille im Ramen der fran­zösischen Regierung und der Direktor des inter­nationalen Arbeitsamtes, Albert Thomas, im Ramen des Dölkerbundsrates die Kongreßteil­nehmer. Als erster Delegationsredner ergriff hier­aus der Führer der deutschen Abordnung, Gene­raldirektor Dr. B a u s b a ch (Ufa) das Wort, um aus die Bedeutung des Films als Mittel für die Döllerverbindung in seiner Eigenschaft als Kultur- und Wirtschaftsfaktor hinzuweifen. In das Bureau des Kongresses, daS beute vormittag gebildet wurde, und das aus 20 Mitgliedern be­steht, wurden fünf Deutsche gewählt. Die deutsche Sprache wurde neben der französischen und eng­lischen als Verhandlungssprache zugelassen.

Arbeitsgemeinschaft deutscher Flughäfen.

Die Arbeitsgemeinschaft deutscher Flughäfen tagte in Hamburg vom 24. bis 26. September. Die Tagung war von 43 Vertretern der an deutschen Flughäfen beteiligten Verwaltungen der Länder und Städte besucht. Der Hauptpunkt der Verhandlungen bildete der enge Zusammenschluß der bisherigen Arbeitsgemeinschaft in demVer­band deutscher Flughäse n. In den Vor­stand wurden u. a. erwählt: Stadtrat Dr. Krö- n i g, Konsul Haßlinge r, Stadtrat Weigel, Direktor S a u e r n b e i m e r. Das Ergebnis der langwierigen Verhandlungen mit der Deutschen Lufthansa über die für das Etatsjahr 1926 zu entrichtenden Flu gh af engebühren wurde ge­nehmigt.

Kaukasusflug des Dornier-Merkur-Flugzeugs.

Der im deutsch-russischen Flugdienst einge­setzte Dornier-Mertur ist auf seinem Sonder- flug nach Transkaukasien in Tiflis gelan­det. Der Pilot hat den Kaukasus in 4600 Mtr. Hohe mit einer Ladung von 1500 Kg., drei Mann Besatzung und sechs Passagieren überflogen. Es ist bcabsichtigt, diesen Sonderslug Friedrichs­hafen Berlin Moskau Charkow Tif­lis bis Baku zu erweitern. Der Rückflug er­folgt über RostowCharkow nach Moskau.

Jn 4500 Bieter Höhe die Alpen überflogen.

Wie dieMünchner Neuesten Nachrichten" mel­den, hat ein Messerschmidt -Leichtflugzeug von einer Motorenstärke von 29 P. S. trotz Schnee, Nebel, Kälte und starker Böen die Alpen in 4500 Meter Höhe üverflogen und ist nach Zurücklegung von 1100 Kilometer in sieben Stunden 50 Minuten südlich der Dolomiten ge­landet. Es ist dies die erste Ueberquerung der Ge­samtalpen durch ein Leichtflugzeug. Auch die er­reichte Höhe ist bisher von schwachmotorigen Leichtzweisitzern noch nicht erreicht worden.

Drohbriefe der Berliner Juwelenräuber.

Die Pariser Polizei sucht eifrig nach den beiden Juwelendieben, die am Samtstag in der Tauentzien- straße in Berlin ein Juwelengeschäft ausraubten. Man nimmt also an, daß die beiden nach Paris geflüchtet sind. Eine der beiden Kontoristinnen, die die Juwelenräuber in der Tauentzienstraße energisch verfolgt hatten, erhielt eine Postkarte folgenden Wortlauts:Ihr Dazwischentreten hätte böse Fol­gen für Sie haben können. Ein zweitesmal lassen Sie diese Dummheit. Wir waren nicht zwei, sondern drei Personen. Die Täter." Die Starte, die mit einer Schreibmaschine geschrieben ist, trägt den Poststem­pelSpandau I" und das gestrige Datum.

Raubmord.

Auf der Kohlenhalde des Gacgan-Schachtes der de Wenöelschen Grube in Kleinrossein (bei Forbach) ist der Bergmann S u n h e y tot aufgefunden worden. Sunhey, der polnischer Na­tionalität ist, und erst eine Schicht auf dem genannten Schacht absolvierte, befand sich im Besitze größerer Geldmittel. Man vermutet, daß er, da kein Geld mehr bei ihm vorgefunden wurde, auf dem Heimweg überfallen, ermordet und beraubt worden ist, zumal die Leiche an der brennenden Halde aufgefunden wurde. Meh­rere Verhaftungen in dieser Angelegenheit sind bereits borgenommen worden.

Eisenbahnunglück in pennsylvanien.

Bei Bethlehem (Nordamerika) stieß ein Schnellzug mit einem anderen Zuge an einer

Kreuzungsstelle zusammen. Ein Personenwagen wurde umgeworfen. Neun darin befindliche Rei­sende wurden getötet und 25 verletzt.

Weitere Bergstürze im Kanton Wallis.

Im Kanton W a l l i s , wo bei St. Meaurice eine Gletscherhöhle ein stürzte und die Wasser- und Schuttmassen eine Ueberschwemmung der Rhone hervorgerufen haben, haben sich nun an der Einsturzstelle weitere große Erdmassen in Bewegung gesetzt. Sie haben an der Sim - plonbahnlinie bei Chionez ein Viadukt ver­schüttet und die Eisenbahnbrücke über den Darthelmy fortgerissen. Dank der llmsicht /ines Dahnbeamten konnte ein Schnellzug, der von Mailand nach Lausanne fuhr, gerade noch vor dem Viadukt zum Stillstand gebracht werden. In dem Badeort L a v o y muhten das Hotel- gebäuöe und die Bäder geräumt werden, da sie von der Gefahr des Derschüttetwerdens sehr bedroht werden. Der internationale Eisenbahn­verkehr ItalienFrankreich wird über die Lötsch- berglinie umgeleitet.

Der Typhus in Hannover.

Seit Montagmorgen sind 23 Personen aus Öen Krankenhäusern als gesund entlassen, da­gegen 33 Erkrankte neu ausgenommen worden. 11 Personen sind gestorben. Die Gesamtzahl der Erkrankten und Ttzphusverdächtigen betrug 1742, die der Gestorbenen 133.

Verlegung des Bismarcklages.

Die vom Verein zur Errichtung eines Bismarck-NationalÖenkmals in Han­nover geplante Bismarcktagung muß der dort herr­schenden Typhusepidemie wegen auf einen späteren Termin verschoben werden. Der Verein ist übrigens bereits 1907 in Köln begründet worden. Das Denkmal, -sollte als Jahrhundertdenkmal zum hundertjährigen Geburtstag Bismarcks errichtet werden. Die bereits begonnenen Arbeiten wurden aber durch den Krieg unterbrochen. Dor 1A Jahren hat die Hauptversammlung des Vereins beschlossen, das Werk fortzusetzen.

Wiederverheiratung der Prinzessin Joachim von Preußen.

Die jüngste Schwiegertochter des Kaisers, die verwitwete Prinzessin Joachim von Preußen, hat sich wieder verehelicht. Die Prinzessin, eine geborene Prinzessin von Anhalt, ist heute in Schöneberg mit dem Reichsfreiherrn Johann Michael von Loen getraut worden. Der Ehemann ist der einzige Sohn des verstorbenen anhaltinischen Hofmarschalls Reichssreiherrn Hans von Loen.

Zuchthaus für einen Hochverräter.

Der Postaushelfer Wilhelm Warnke aus Hamburg hatte sich wegen Vorbereitung zum Hochverrat, Sprengstoffvergehens unb unbefug­ten Waffen tragens vor bem vierten Strafsenat des Reichsgerichts zu verantworten. Der Ange­klagte wird beschuldigt, 1923 inGüstrow (Meck­lenburg) Partisanen- und Terrorgruppen gebildet zu haben. Außerdem soll er mit einem gewissen Harry Waffen aus Berlin nach Meck­lenburg gebracht haben. Er selbst war im Besitze von Waffen. Er wohnte längere Zeit bei seinem Bruder, dem Landtagsabgeordneten Warnte in Güstrow, der in einem früheren Verfahren wegen der gleichen Straftat zu 21/2 Jahren Zuchthaus verurteilt worden war. Nach eflftünöiger Sitzung wurde das Urteil verkündet. Warnke wird w e - gen Vorbereitung zum Hochverrat und Sprengstoffvergehens zu einem Jahr und sechs Monaten Zuchthaus sowie 100 Mark ®etb- Zstrafe verurteilt. Sechs Monate und die Geld­strafe werden auf die Untersuchungshaft ange» rechnet. Der Reichsanwalt hatte zwei Jahre Zuchthaus beantragt.

2lu$ der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 23. September 1926. ,

MichaeüsLcrg.

(Zum 29. September.)

Der Erzengel Michael wurde schon von den alten Juden hoch verehrt. Bei ihnen galt er als besonderer Schützer des jüdischen Volkes. Nach der Offenbarung Johanni hat er im Himmel mit Satan, einem abtrünnigen Engel, und dessen Gefolgschaft gekämpft. Am Ausganz des fünften Jahrhunderts wurde zu Ehren des Erzengels Michael in Rom eine Kirche errichtet, und der­artige Kirchen sind dann später noch häufig ge­baut worden. Da Michael als der erste Glanbens- ftreiter galt, besonders im Kampf gegen daS Heidentum, entstanden namentlich dort viele Michaeliskirchen, wo dem Christentum Heiden zu- geführt wurden. Auch in Deutschland lassen sich viele Michaeliskirchen nachweisen: die ältesten wurden von Bonisacius, dem Apostel der Deut­schen, errichtet. Aus dem Konzil zu Mainz ist dann im Jahre 813 zu Ehren des Erzengels Michaelis der gleichnamige Gedenktag festgesetzt worden, der zunächst auch der Tag der Gngel- weihe hieß. Zur Zeit der Heidenbekehrung stand Michael in Deutschland bei den Christen in einem besonders hohen Ansehen. Ihm zu Ehren wurden bann am Michaelistage aus den Bergen Freuden- und Dankfeuer angezündet, und diese Berge hießen dann auch Michaelisberge. Manche Berge tragen diesen Namen noch heute. Der Erzengel Michael wurde als Herzog Michael und als der Schirmherr der Deutschen bezeichnet. Als dann die Jahrmärkte aufkamen, enrstanden Michaelisjahrmärkte, in vielen Gegenden wurde von diesem Tage an wieder bei künstlichem Licht gearbeitet. An manchen Orten der Schweiz und Englands werden noch heute am Michaelistage Umzüge und Wettrennen veranstaltet. So gibt es noch Schweizer Orte, wo St. Michael in eige­ner Person erscheint, um den Kindern kleine Ge­schenke zu bringen. Auch in Sinnsprüchen der Landwirte spielt Michael noch einige Bedeutung. So heißt es in einer alten Bauernregel:St. Mi­chaelis - Wein Herrenwein, St. Gallus-Wein Bauernwein", weiter:St. Michael steckt das Licht an, Mariä Verkündigung (25. März) bläst es wieder aus", oder:So viel Reif und Schnee nach Michaelis, so viel nach Walpurgis". Nach alten Wetterregeln soll ein regnerischer Michae­listag einen gelinden Winter, ein heller sonniger derartiger Tag jedoch einen strengen Winter bringen. A. M.

Gretzener Wochenmarktpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 170 bis 180 Pfennig, Matte 35, Käse (10 Stück) 60 bis 100. Wir­sing 8 bis 10, Weißkraut 6 bis 8, Rotkraut 10 Pis 15, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10. Spinat 20 bis 25, Römischkohl 8 bis 10, Dohnen 20 bis 25, Unter-Kohlrabi 6 bis 8, Tomaten 10 bis 20, Zwiebeln 7 Eid 8, Meerettich 40 bis 80,