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Nr. 174 Zweites Blatt
Schöne Literatur.
— DasWortkunstwerk. Mittel, seiner Erforschung. Don Geheimrat Professor Dr. O. Walzet. Preis in Leinenband Mk. 14,—. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. — Seinen früher erschienenen Büchern »Dom Geistesleben alter und neuer Zeit" und »Gehalt und Gestalt im Kunstwerk" läßt Walze! nun ein drittes Werk über grundlegende ästhetische Fragen der Dicht- * kunst folgen. Da die Behandlung dieser Fragen in der Form fein abgewogener, sprachlich vollendeter Essays geschieht, so werden der Wissenschaftler wie der Laie mit gleichem Genuß die klaren, geistvollen Ausführungen Walzels lesen. Der einleitende Aufsatz gibt die Grundlagen ideengeschichtlicher Literaturwissenschaft und wendet sich gegen impressionistische Dachzeichnung von Dichtung. 3m Zusammenhang damit behandelt der folgende die Abneigung des Impressionismus gegen ästhetische Rubriken. Der dritte Aussatz »Dichtung und Weltanschauung" versucht die entscheidende Stelle zu zeigen, wo sich Gehalt in Gestalt verwandelt. Der den ersten Teil ab- schließend«. Aufsatz über das Wesen des dichterischen Kunstwerks ist Zusammenfassung und zugleich Programm. Die Aufsätze des zweiten Teiles erörtern Einzelfragen und sind eine Ergänzung des ersten. Sie haben sich die Aufgabe gestellt, die Gruppen der Sprachlehre auf ihre künstlerische Bedeutung zu prüfen oder dem kunstvollen Gestalten des Dichters nachzugehen.
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— Eine monumentale Gesamtausgabe der Werke C. T. A. Hoffmanns, dieses so außerordentlich fruchtbaren und vielseitigen Poeten und Künstlers, den unsere Gegenwart wieder als besonders aituell empfindet und das gewiß nicht mit Anrecht, hat der Dücher-Dund in Berlin für seine Mitglieder durch Aebernahme der Ausgabe des Weimarer Derstiges Lichtenstein erworben. Walter H a r i ch, dem wir eine wertvolle Biographie Hoffmanns verdanten, hat es unternommen, die Werke des Dichters neu zu ordnen, ein Unterfangen, das man in Einzelheiten vielfach kritisieren kann, das aber vielleicht überhaupt nicht zur allseitigen Zufriedenheit zu lösen ist. Man hat sich eben seit Jahrzehnten daran gewöhnt, Zusammenstellungen als Einheiten aufzufassen, die man nun in über fünfzehn Bände auseinanbergerissen findet. Hat man sich hiermit einmal abgefunden — den Streit um die Berechtigung einer derart radikalen Umgliederung der Werke, wie Harich sie vorgenommen hat, überlassen wir gerne zünftigen Literarhistorikern — so wird man an der Ausgabe, die auch modern und gut audgeftattet ist, viel , Freude haben. 84
— Einen köstlichen Roman, voller Humor und Schalkhaftigkeit, aber auch voll bitter ernsten Deutungen zwischen den Zeilen schenkte uns Otto Freiherr von Taube in seinem ,.Opfe r- s e st". Für uns Hessen besonders amüsant wegen des gut getroffenen Lokalkolorits niederhessischen Landes um Kassel herum. Es ist eine Persiflage der sich völkisch gebärdenden Deutschtümelei, die sich folgerichtig bis zum Einheriertum und Wodanskult versteigt und unglaubliche Verwirrung in den Köpfen schwärmerischer Menschen anrichiet. Daneben aber auch ein Spiegelbild unserer Zeit, dem man die Spuren der Verfalls- lultur erschreckend deutlich ansieht. Zugleich der Bildungsroman eines reinen Toren, den geschäftstüchtigere Romantiker für ihre Zwecke weidlich ausnuhen. (3m 3nsel-Derlag zu Leipzig.) 206
— Haus Ithaka. Roman von Rudolf P r e s b er. 3n Leinen gebunden Mk. 7,—. lDeutsche Verlags-Anstalt, Stuttgart.) — Alle Lichter seines behaglichen Humors läßt Presber in seinem neuen Roman spielen. Haus Ithaka: das ist das gastliche Heim an der Ostsee, das HauS des Jugendfreundes, in dem der berühmte, von Erfolg und Frauen verwöhnte Maler Julius Darrenthin das Wiedersehen mit seiner in Amerika aufgewachsenen Tochter aus früh geschiedener Ehe feiert. Das fröhliche Leben des kleinen, aufstrebenden Ostseebades bildet den Hintergrund der Begebenheiten, die prächtige, unvergeßliche Gestalten und eine Menge köstlich ge- schilderter Badegäste vorführen. Dem Typ des modernen, von Amerika kommenden Weltkindes ist in Lux. der blonden Hausfrau von „Ithaka", »ter schlichte Typ der gütigen, stillen Frau, der 'die Kinder und die Blumen gedeihen, entgegen- -gestellt. Die ganze Handlung ist in helle Farben 'getaucht, selbst die ernsten Szenen sind von einem wehmütigen Humor überhaucht. Ein Buch voll -froher Erfüllung, das auch dem alternden, resignierenden' Helden Ausblicke auf ein stilles, friedliches Glück im Mitleben mit feinem Kinde eröffnet. 376
— Friedrich greif a. Putsch auf Ithaka. Ganzleinen 4,50 Mk. — „Putsch auf -Ithaka" ist eine richtige Sommergeschichte, launig -und heiter. Der Roman spielt auf der glückseligen Insel Brioni in einem Kreis von Menschen aller Rationen, deren müßige Phantasie Durch den klugen Cinsall eines vorsorglichen Ehemanns von dem gefährlichen Spiel mit der Liebe <iuf den imaginären Putsch abgelenkt wird, der ler Insel Odysseus gilt, in Wirklichkeit aber aiie zur Ausführung gelangt. Die Grundprobleme les Romans sind eigentlich sehr ernst, aber .Zreksa stellt sie dar in einer entzückenden kunst- heiteren, erlösten Form, und so dürfte an dem Buch sowohl derjenige seine Freude haben, welcher nichts sucht als eine buntverschlungene, auf inD ab wogende Handlung mit tragischen und Zomischen, anziehenden und abstoßenden Gestalten, «ls auch derjenige, welcher hinter der Flucht der Erscheinungen nach strenger, bestimmter Gesetzmäßigkeit sucht. (Verlag Ph. Reclam, Leipzig.)
— Gottwert Ingram und sein Werk. Roman von Gustav Schröer. Leinen 6 M. Verlag von Quelle & Meyer in Leipzig. Aus 6er Gegenwart holl sich Gustav Schröer seine Stoffe und Gestalten. Gottwert Ingram, ein Dauer, dessen Vorfahren seit Generationen Besitzer desselben Hofes waren, ein Held von bezwingender Größe, wird selbst der Totengräber seines geliebten Heimatdorfes. Der reihende Wildbach, der so oft Rot und Zerstörung Über die Taldörfer gebracht hat, soll durch eine Talsperre abgefangen werden, das ist Ingrams uner-
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhefsen)
Für den Büchertisch.
schütt erliche r Plan. Wie er sein Werk in reiner Menschenliebe und in lauterer Gesinnung beginnt, nur besorgt um das Wohl und Wehe seines so oft bedrohten Heimatdorfes, und wie gehässige Beider unb gewinnsüchtige Materialisten das Werk der Nächstenliebe durch Profitsucht und krassen Egoismus in den Schmutz ziehen wollen, wie Ingram heldenmütig diesen ungleichen Kampf auf sich nimmt und ihn bis ans Ende durchficht, das alles wird in der aus früheren Werken Schröers wohlbekannten spannenden Weise erzähll. 403
— Sie Rornen spinnen. Roman von Andreas H a u k l a n d. (Drei Masken-Verlag, München. Drosch. 5,50 Mk.. geb. 7 Mk.) — Der Roman erzählt uns von dem Schicksal zweier feindlicher Geschlechter in nordischer Vorzeit. Sippenstolz und Blutrache. Kampf und Feftge- läge, zarte Frauenliebe und dämonische Rachsucht des verschmähten Weibes bestimmen die Handlung. Die Treue zum eigenen Blut, das Grund- motiv der Erzählung, wird hier germanischen Dauern zum unentrinnbaren Schicksal, das sie mit stiller Selbstverständlichkeit und wahrhafter Größe auf sich nehmen. Die Dichtung, voll epischer Schönheit und kraftvoller Schilderung, übt auf den Leser eine sehr starke Wirkung aus. Das Buch, das sich selbst am besten empfiehlt, wird sicherlich viele Freunde gewinnen. 92
— Alice Derend: Betrachtungen eines Spießbürgers. (Verlag Albert Langen in München.) — Die geistvolle Dichterin hat hier fein ironische Skizzen niedergelegt, boshaft. witzig und doch nicht tötlich. es sind die Menschen, wie sie täglich um uns sind, scharf gesehen und amüsant geschildert zu Ruh und Frommen ihrer Mitmenschen, die grade in diesen Hundstagen sich gerne daran ergötzen werden.
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— Der Prominente. Roman von Alfred Auerbach. (Sonnemann-Derlag. Halle a. S. Geb. 5,40 Mk.) — „Der Roman unserer Zeit" liegt hier vor. der den brausenden Rhythmus dieser Tage, das erregende Schaussüel der Rachkriegszeit und Inflation, den wirbelnden Tanz um Geld und Genuß in lebensvolle Bilder faßt. Im Mittelpunkt der effektvollen Handlung steht das Lebensschicksal eines vielgefchäftigen Generaldirektors. Mit beißender Satire und rücksichtsloser Offenheit schildert der Verfasser, wie die geschäftskluge Genießernatur des „Prominenten" weniger durch Tüchtigkeit, als durch gerissene Ausnutzung aller Gelegenheiten in unserer sinnlosen Zeit Erfolg hat. Im Gegensatz dazu steht die Welt der Enterbten des Schicksals. Ein bewegtes, charakteristisches Zeitgemälde entsteht, oft zur Karllatur verzerrt, aber dennoch ein unmittelbarer Ausdruck unserer Zeit. 219
— Fritz Müller, Partenkirchen, „Warum?" Fröhliche Fragen zum Rachdenken. (L. Staackmann. Verlag. Leipzig.) Ein Buch, das dem Leser auf langer Bahnfahrt, in umregneter Ferienhütte, in toten, einsamen Stunden hundertfältige Anregung bietet. Mit vollem Bedacht gibt keine der „Warum"-Ge- schichten -r- der amüsanten sowohl als der ernsten -- die volle Lösung. Dazu versteht es Fritz Müller. Partenkirchen, der unseren Lesern ja seit Jahren kein Fremder mehr ist, diese Plaudereien und Erzählungen in einer Schale frisch und unverbraucht darzureichen, die von Schall- Hastigkeit, Lebensweisheit und fröhlichen Farben bunt und lebendig glitzert und glänzt. Ueberall zeigt sich, wie eine Handbreit fort vom Wege unserer Bildung die Rätsel — auch die der Seele — aufschießen, die das Leben warm, lebendig und lockend machen. 370
— Histörchen. Roman von Rudolf Hans Bartsch. (Verlag L. Staackmann, Leipzig.) — Man liest diese „Histörchen", die zumeist im alten Oesterreich spielen, ihrer reizvollen Schilderung, ihrer feinen Perfonenzeichnung und ihrer graziösen Sprache halber mit hohem Interesse. Das Buch wird jeden Leser voll befriedigen, und darum wird es seinen Weg machen. 218
— Rideamus Wichtigkeiten! Zeichnungen von Dely. (Verlag Dr. Ehsler & Co., Berlin.) — Ein Buch, das dem gereiften Leser eine Stunde humoristischer Unterhaltung bereiten kann. 85
— Der zweite Schuß. 12 gleichartige Erzählungen von Michael K o h l h a a s. (Verlag Curt Pechstein, München. Preis geb. 3 Mk.) — Goldener Humor durchzieht das Buch von Anfang bis Ende, ein Humor, so urwüchsig und köstlich, daß man ohne weiteres an Ludwig Thoma erinnert wird. Man darf diesem heiteren Plauderer und fein gestaltenden Erzähler eine gute Empfehlung mitgeben. 66
— Geschichten vom Auto. Rovellen von Theodor Heinrich Mayer. (Verlag 2. Staackmann. Leipzig.) — Dieser Novellenband vereinigt Wirklichkeit und Dichtung in so virtuoser Weise, daß man in höchstem Maße gefesselt wird. Hier liegt ein Buch vor uns. das dem Sportsmann. dem Automobilisten, aber auch dem literarisch interessierten Menschen gleich lieb und wert sein toirt). 306
— D i e Jäger vom Thursee. Roman aus den Wildnissen der Steinzeit von F. H. Achermann. Farbige Umschlagseite von Willi Plank. Stuttgart. (Verlag Otto Walter A.-G., Konstanz. Drosch. 3.60 Mk.. geb. 4,80 Mk.) — Achermann hat in diesem Roman den Typus des prähistorischen Kulturromanes geschaffen. Vor unfern Augen weitet sich das Land der Urzeit mit seinen brausenden Waldungen, Steppen, Seen und Flüssen: Mammut. Hirsch und Höhlenlöwe streifen durch die Wildnisse, die ersten Menschen, Jäger und Fischer, kämpfen die ersten Kämpfe mit der Urnatur des Landes und der Umatur der Herzen. Hochdrarnatisch und spannend erleben wir Iagdabenteuer und Urwaldschlachten, sehen wir die ganze Kultur einer verschollenen dunklen Epoche lebendig werden in Höhlen- wohnung und Pfahlbauerndorf. Diesem Buche ist eine große Lesergemeinde verdienterweise sicher.
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— Dorfjunge. Ein Buch für alt und jung von Paul Keller. Mit Bildern von Mar Odvy. (Dergstadtverlag. Breslau 1. Geb. 4.80 Mk.. kartoniert 3,20 Mk.) — Welche Poesie steckt in all diesen Geschichten. Welche Unmittelbarke l der Empfindung, welche Originalität und Kraft der Charakteristik, welche Dildkrast der Sprache. Alle
Geschichten, geschrieben in einer wundervoll traulichen Weise und in einer Frische, wie von Dergluft durchwehter Sprache. Diesem Buch eine gute Empfehlung. 160
Literatur des Auslandes.
— Horaz' Lieder. Von Geheimrat Professor Dr. Th. Dirt. Erster Band: Horaz' Lieder und römisches Leben. Zweiter Band: Studien zur Kritik und Auslegung. Leinenband je 7,20 Mk. Verlag von Quelle u. Meyer m Leipzig. Unvergänglicher Besitz sind auch für uns noch die Odeen des römischen Liebesdichters Horaz, geben sie uns doch einen Ausschnitt der Antike, an den mir alle anknüpfen können, den Alltag gespiegelt in dem Erlebnis eines einzelnen. des Dichters. Birt als Wissenschaftler und Kenner des antiken Lebens kann wie kein anderer hier als Führer dienen. Das hat er in seinen früheren Werken bewiesen, das zeigt er in womöglich noch höherem Maße in feinem Horazbuche. Den weitesten Kreisen vermittelt er im ersten Teile des Werkes ein neues lebendiges Bild vom Leben im kaiserlichen Rom und den Prominenten dieser Jahrzehnte. Vieles, was im ersten Teile nur skizzenhaft gebracht werden konnte, wird in den „Studien" begründet und erläutert. In mehreren Abschnitten werden hier kritisch die Trinklieder, die Staatsoden, die Liebeslieder und die Metrik des Horaz u. a. m. behandelt. So entsteht ein abgeschlossenes Bild des Dichters, fest gegründet durch kritische Auslegung. 409
— Selma Lager 1 ös. Charlotte Löwenskö 1 d. Roman. Preis in Leinen gebunden 7 Mk. Verlag von Albert Langen in München. — Die Lagerlös besitzt die unnachahmliche Kunst der großen Märchenerzähler der Menschheit: und in beseligter Ergriffenheit erfahren wir durch sie, wie die kostbarsten Besitztümer der Völker, ihre Volksepen, Märchen und Sagen, entstanden sein mögen. Ihre Dichtung ist der Urdichtung der Welt verwandt, und ist zugleich durch Fäden innigsten Verständnisses mit der Kunst der Jetztzeit berbunDen. Was diese große Dichterin erzählt, sie hebt es auch dem matten Scheine bet Alltäglichkeit in das märchen- farbige Licht zeitloser Ewigkeit, sie deutet den verborgenen Glanz des Geschehnisses, die Schicksalsgemalt der „Zufälligkeiten", die Einmaligkeit und Unabänderlichkeit des Augenblickes. Eine scheinbar ganz schlichte Sache ist die Geschichte der mutigen und aufrechten Charlotte Löwen- sköld, die als Stütze bei einem alten Propst-- Ehepaar waltet und mit einem asketisch gesinnten jungen Pfarrer verlobt ist. Durch ein unbedachtes Wort und die hämischen Wünsche einer stillen Feindin wird sie um ihr Lebensglück gebracht, nimmt falschen Schein und Schuld auf sich, um den geliebten Mann zu schützen, und findet an anderer Stelle, wenn auch nicht Ersah, so doch liebe Pflicht. Ein ganz schlichte Geschichte, — aber an das Geheimnis des Lebens rührt dieses ernste und doch von feinem Humor überfonnta Buch: wie sich aus leichten Nebelschleiern Gewitterwolken ballen, wie sich Herzen fremd werden, die sich zutiefst verbunden glaubten, wie sich Binden um sehende Augen legen und Erblindete zum Licht erwachen. 295
— Romain Rolland Aert. überseht von Erwin Rieger, Rotapfel-Verlag Zürich und Leipzig. Geh. 3 Mk., geb. 4,50 Mk. Rolland hat dieses Drama seinen „Tragödien des Glaubens" beigezählt. Es spielt in einem sagenhaften Holland des 17. Jahrhunderts, die äußeren Ereignisse, die es berichtet, gehen auf keine historisch« Begebenheit zurück, aber die inneren Erlebnisse seines Helden waren und sind immer und überall Wirtlichkeit. Der Glaube an die Legitimität des Herrscherberufs, zu dem er geboren ist, führt Aert, den gefangenen Knaben, zum Kampf gegen die Räuber seines Rechts und seiner Freiheit, und gibt ihm die Kraft zum Letzten: aus dem Zusammenbruch seiner Pläne rettet er die Freiheit seiner jungen Seele, indem er den hoffnungslos gebundenen Leib vernichtet. Ein 3üng- lingsschicksal, dessen große einfache Wahrheit ist, daß das Leben nur dann lebenswert ist, wenn es feinem eigenen Gesetz getreu sich entwickeln kann. 405
— Sherwood Ande rson: Der arme Weiße, übertragen von Karl Lerbs, Seinen 7,50 Mk. (Insel-Verlag zu Leipzig). — Wir zeigten hier kürzlich Fellers Gegenwartsbuch „Amerlla und wir" hier an. Dieser Roman eines modernen und wie man uns sagt drüben viel gelesenen amerllanischen Schriftstellers gibt die Vorgeschichte dazu: es ist eine fabelhaft instruktive Studie über die ersten Anfänge des großartigen Industrialismus (großartig rein ökonomisch genommen) in den Getreidestaaten des Rordostens. Und mehr als das, es ist ein sehr nachdenkliches und zum Nachdenken und Vergleichen anregendes Gemälde der Psyche des amerikanischen Menschen, den Industrialismus und Kapitalismus aus der Dahn des wunschlos zufriedenen Farmers, des ruhig dahinlebenden Landarbeiters wirft. Der „Fortschritt" ergreift diese unkomplizierten, besinnlichen Menschen, spannt sie in sein rasendes Tempo, knechtet sie, das Problem „Kapital und Arbeit" taucht schon blutigrot am Horizont auf. Hineingeschoben in dies außerordentlich spannende wirtschaftliche und soziale Zeitbild ist die Geschichte einer Farmerstochter, die anders ist als die anderen, und die des „Armen Weißen" der aus dem trägen Süden hinzieht nach dem betriebsamen Osten, der dort erwacht aus dem Traumdasein seiner Kinderjahre und ein großer Erfinder wird, ein Wann, der den „Fortschritt" anlurbelt, selbst aber sich einkapselt in seine Traumwelt, nichts hören und sehen will von dem Umschwung, den seine Erfindungen dort draußen veranlassen. Es ist ein außerordentlich lehrreiches, aber auch ein amüsantes Duch, das uns der Insel-Derlag in ausgezeichneter Übertragung und der gewohnten mustergültigen Ausstattung übermittelt. Man wird es dem Verlag Dank wissen, wenn er, wie geplant, bald weitere Werke des Dichters dem deutschen Publikum vorlegt. 255
— Edgar Wallace: Der Frosch m it der Maske (Ricola-Verlag in Wien. Ganzleinen 6,40 Mk.). Ein fabelhaft spannender Detektivroman. die Lektüre einer Rächt, den Inhalt zu verraten, wäre ein Verbrechen am Leser. 309
Mittwoch, 28.3nli 1926
Geschichte und Politik.
— Das Ich und der Staat Sine Philosophie der Erziehung zum Reichsbürger. Von Dr. P. Harms. In Leinenband 4,60 Mk. Verlag von Quelle u. Meyer in Leipzig. Wir sind fein Volk, dem die Einsicht in die Notwendigkeiten der Politik in die Wiege gelegt wurde wie anderen Vollem. Wir müssen uns erst zu ihrer Erkenntnis hindurchringen, wir müssen zur Politik erzogen werden. Die Erschütterungen des Krieges und seiner Folgen haben unS aus dem Gleichgewicht gebracht. Ein namhafter Politiker zeigt uns hier den Weg. den wir gehen müssen, um wieder den festen Platt auf dieser Erde zu gewinnen, auf dem wir stehen und unS für die Aufgaben vorbereiten können, die unser noch im Dienste menschlicher Gemeinschaft harren Durch die Muttersprache wird jedes einzelne Ich für immer an das Volk gebunden, in das es hineingeboren wurde. Die erste Erziehung zum Staat geschieht also stets durch die Familie Erst durch die Schule gelangt das Ich unter den direkten Einfluß des Staates. In die Zwischenzeit zwischen Schule und Dürgerpflicht muß möglichst für beide Geschlechter ein Arbeitspflichtjahr treten. 3n verschiedenen Formen tritt dann das erwachsene Ich zum Staat in Deziehung, fast nie als Einzelwesen, immer nur als Teil einer Masse. Die Zeitung ist das Denkorgan der Masse, die Partei verkörpert ihren politischen Willen. DaS Organ des Staates Dagegen, mit dein er der Masse gegenübertritt, ist die Beamtenschaft. Auch für diese drei Massenorgane ergibt sich aus der politischen Umwälzung eine Reueinstellung. Zum Schluß werden die Grundgedanken des Buches in einem glänzenden Kapitel „Deutsche Diesseitsreligion" zusammengefaßt. Durch den Staat der Deutschen sollen wir für die Menschheit wirken, und well wir das sollen, deshalb müssen wir den Staat der Deutschen wollen mit allen Kräften unserer Seele. 413
— Die ausgezeichnete Sammlung „Menschen, Völker, Zeiten" des Verlages Karl König in Wien, ist um einen Band bereichert, der Wallenstein, diesem seltsamen irrlichternden Kometen am Himmel der Historie gilt. Max von B 0 e h n , dem mir scho>» manch kulturhistorisches reizvolles Werk verdanken, gibt auf dem glanzvoll prächtigen, aber auch schauerlich düsteren Hintergrund der Zeitgeschichte ein psychologisch äußerst interessantes, wenn auch in manchen Einzelzügen zumindest angreifbares Por trat des Friedländers. 363
— 3 ob. Haller. Das altdeutsche Kaisertum. 3n Ganzleinenband 8,50 Mark. (Union Deutsche Derlagsgesellschaft, Stuttgart.) Der auch in Gießen noch unvergessene Tübinger Historiker behandelt einen Abschnitt unserer Geschichte, der dem heute lebenden Geschlecht sehr fern gerückt ist. Um so erfreulicher ist es daher, daß Haller mit diesem Werk der großen Zeit der alten deutschen Kaiser auch für den Menschen unserer Tage neues Leben eingehaucht hat. Richt im Schimmer romantischer Verklärung, wie man sie zu Anfang des vorigen Jahrhunderts sah, sondern so, wie jene Menschen und Jahrhundert^ wirklich waren und wie wir sie auch heute nachfühlen können, werden sie von Haller darge stellt. Er lehrt, die Herrschergestalten eines Otto des Großen, eines Barbarossa aus den Möglichkeiten, Forderungen und Bedingtheiten ihrer Zeit heraus verstehen, ihr Handeln als eine oft kühne, aber doch zugleich durchaus nüchterne „Realpolitik" zur Wahrung der Damaligen deutschen Lebensinteressen erkennen. Aus der streng historischen Darstellung wächst mit Eindringlichkeit das Bild eines Schicksals von so gewaltiger Größe und Tragik heraus, wie sie kein zweites- mal seit dem Untergang der alten Welt gesunden werden. 33g
— M. D 0 eberl, Bayern und das preuß. Unionsprojekt. (Oldenbourg-Ver- lag, München. Drosch. 8 Mk., geb. 9,50 Ml.) 3n dem großen hier schon angezeigten Sammel- werke „Bayern und Deutschland" von dem Professor für bayerische Landesgeschichte an Der Universität München M. Doeberl ist soeben ein neuer Band erschienen: „Bayern und das preußische Unionsprojekt". Er beschäftigt sich mit einem der interessantesten und gedankenreichsten Versuche zur Lösung der Deutschen Frage, Der das großdeutfche und das kleindeutsche Programm miteinander zu verkoppeln suchte. Der damalige Leiter der bayerischen Politik, Ludwig von Der Pfordten, hat in den Unionsverhandlungen eine hervorragende Rolle gespielt. Der Verfasser ist zum ersten Male in der Lage, die bayerische Politik in der Zeit des preußischen Unionsprojektes auf Grund Der bayerischen Staatsakten und des ebenso umfassenden wie wertvollen Nachlasses Ludwig von der Pfordtens zu schildern. An zahlreichen Stellen begegnet man Gedanken, die heute, im Streit um Großdeutschland und das Dismarckische Reich wiederum der Gegenstand lebhafter wissenschaftlicher und publizistischer Auseinandersetzung bilden. 342
— Francesco Nitti: Bolschewismus, Fafzismus und Demokratie. Mit einem Bildnis des Verfassers. Verlag Franz Hansstaenal, München. 3 Mk. — Die italienische Originalausgabe dieser Schrift wurde von Mussolini gleich nach ihrem Erscheinen rücksichtslos unterdrückt, da der heutige Alleinherrscher Italiens in seinem Lande kein freies Wort duldet, das den imperialistischen Plänen des Fafzismus schaden könnte. Um so mehr Beachtung verdient, was Nitti, der für einen wahren Frieden in Europa schon so viel getan hat und wegen seines Bekennermutes im Exil leben muß, über das fafzi- stische Regiment in seiner Heimat zu sagen hat. Er sieht im Fafzismus den weißen Bolschewismus, der, wie der rote Terror in Rußland, nur in dem vom Kriege zerrütteten Europa möglich war und Frieden und Freiheit heute mehr als je gefährdet. Manche interessanten Bekenntnisie verleihen dem Büchlein besonderen Reiz und Wert. 356
— Di e unterdrückten Völker Der Welt. Gegen Lüge und Gewalt, bearbeitet und herausaegeben von D. Otte. (Ostmarkenverlag Wien VIII.) 403
— Deutschland vor neuen Gefahren! Von G. Wanderer. Walter Häkecke Vn lag in Stuttgart. 1 Mark. (407)


