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Das Münchener Eisenbahnunglück!.
München, 27.Mai. (W.D.) Die Frage her Schuld an dem Eisenbahnunglück im Ostbahnhof konnte nach den bisherigen polizeilichen Ermittlungen noch immer nicht geklärt werden. Der Führer des Zuges 814, der auf den haltenden Zug auffuhr, wurde gestern abend auf Anordnung der Staatsanwaltschaft vorläufig festgenvmmen. In seiner weiteren Vernehmung gab er an, nachdem sein Zug das Signal Berg am Laim passiert hatte, sahen er und der Heiner des Zuges das Vorsignal München Ost auf Halt. Er habe die Bremsen des Zuges, der mit etwa 50 Kilometer Geschwindigkeit fuhr, angezogen. Plöhlich sei das Vorsignal auf Freie Fahrt übergegangen. Er sah, als er weiterfuhr, plöhlich in etwa 40 Meter die oberen Lichter des Zuges 820. zog die Notbremse und wollte rückwärts fahren, doch es war bereits zu spät. Der Heizer des Zuges 814 bestätigte diese Angaben in vollem Umfange. Als der Personenzug 814 nach Ueber- fahren des Vorsignals mit unverminderter Geschwindigkeit beim Haltepunkt Berg am Laim ankam, hat der Beamte der Dlockstation Berg am Laim nach seiner von Zeugen bestätigten Angabe Warnungszeichen mit Laterne und Sig- nachvrn gegeben.
Die Aufbahrung der Todesopfer
München. 27. Mai. (TU.) 3n 26 Särgen sind die Todesopfer in der Aufbewahrungshalle des Ostfriedhofes aufgebahrt. Die Särge sind mit Lorbeerkränzen der Stadt und mit Schleifen in den Stadtfarben geschmückt. Zu beiden Seiten jedes Sarges stehen elektrische Kandelaber. Der Hintergrund der Trauerhalle ist schwarz ausgeschlagen und mit groben goldenen Kränzen geziert. Der Schmuck macht einen ernsten feierlichen Eindruck. Tausende durchziehen trauerbewegt die Halle, auch viele Angehörige und Freunde der Toten finden sich ein. Das Stchenbleiben ist nicht gestattet. Am Freitag werden die Toten zur Bestattung nach den einzelnen Friedhöfen gebracht.
Weitere BeUeidskundgebungen.
München, 27. Mai. (TU.) Anläßlich des schweren Eisenbahn-Unglücks am Ostbahnhof hat der päpstliche Nuntius Vasall di Torre- crvssa folgendes Beileidstelegramm an die Bayerische Staatsregierung gerichtet: „Tief erschüttert von dem Unglück, welches Bayern gestern am Ostbahnhos München getroffen hat, spreche ich dem bayerischen Ministerpräsidenten und der Bayerischen Regierung inniges Beileid aus, in aufrichtiger Teilnahme am Schmerz der Hinterbliebenen, denen ein unglücklicher Augenblick soviel Trauer brachte. Gott sei ihr Trost." — Weitere Beileidskundgebungen gingen ein von Generaldirektor Oeser, vom italienischen Botschafter und von der sächsischen Staatsregierung.
Strefemann zum Bochumer Kolonialtag.
Bochum, 27. Mai. (TU.) In Bochum findet in diesen Tagen ein Kolonialtag statt, zu dem ReichsauheTnninister Dr. Stresemann eitet Willkommengruh übermittelt. Darin heißt e& .Ich bin überzeugt, daß die Bestrebung nach Freiheit und Gleichberechtigung auf rvlonialem Gebiet im frei gewordenen Industriegebiet volles Verständnis findet. Nir- . gendwo wird man besser verstehen, was eigene Rvhstofsgebiete für ein so großes Industrieland l wie Deutschland bedeuten. Nirgendwo anders als im dichtbevölkerten Ruhrgebiet wird man stärker ? das Verlangen nach Gebieten empfinden, die mindestens einem Teil unserer Ueberschüsse an Volkskraft einen Tauschplatz auS der heimischen Enge eröffnen."
Oie Haussuchungen in Preußen.
C'üie Rede Hngenbergs.
Bielefeld, 27. Mai. (TU.) In einer Versammlung deutschnationaler Vertrauensmänner seines Wahlkreises in Bielefeld führte Abg. Dr. H u- aenberg u. a. folgendes aus: Ich muß mein lebhaftes Erstaunen darüber aussprechen, daß von den Hochverrätern und Schwerverbrechern, gegen deren Schandtaten vor zehn Tagen der demokratisch-sozialistische Blätterchor die Posaunen blies, immer noch niemand hinter Schloß und Riegel sitzt. Sie waren ertappt, sie waren geflohen! Als sie sich dann einer nach dem andern im Stile des Ordnungsstaates zur Stelle meldeten, lüfteten die hohen Polizeibehörden den Hut und sagten: „Bitte schön, wir haben ja gar nichts gegen euch." Es war eine politische Geste zur Beeinflussung der Kabinettsbildung. Man befaß kein Material zum Beweis hochverräterischer Vorgänge, sondern hoffte höchstens, es durch eine Razzia, eine Streife in die Privathäuser und Privatakten der politischen Gegner zu finden. Im Grunde war man schon befriedigt, wenn man dabei kleine bedeutunaslose politische Pikanterien in einigen nicht verschlossenen gegnerischen Schreibtischen fand. Aber trotzdem war nach Ansicht der preußischen Staatsregierung kein rechtlicher Zweifel möglich, daß die einzige gesetzliche Voraussetzung eines vom Richter nicht genehmigten Eindringens in Haus und Heim vorlag: nämlich Gefahr im Verzüge.
In der Tat: der Erfolg hat bewiesen, daß Gefahr im Verzüge war: nämlich bi? Gefahr, daß der Richter das beabsichtigte Vorgehen für vollkommen unzulässig, unbegründet und un- möglich erklärte, und daß baburd) die ganze große Aktion vereitelt würbe — was gewiß schabe gewesen wäre. Aufbauende Arbeit für die nationale Gesamtheit ist die Arbeit an einem nationalen Zwsckvermögen, das nicht einem einzelnen, einer wirtschaftlichen Gesellschaft ober Gruppe ober einem wirtschaftlichen ober anderem Verbände dient, — über dem vielmehr — alles in den üblichen, den Steuer- und sonstigen Behörden bekannten Formen geschäftlicher Tätigkeit — ein Kreis sich selbst ergänzender nationaler Männer aus allen ^Berufen — nicht etwa ein Kreis einseitiger Wirtschaftler — steht, die darin einig sind, daß sie mit ihrer Arbeit dem Vaterlande dienen wollen. Sollten die politischen Gegner, die heutigen Machthaber, sich nicht eigentlich vis in das Innerste ihrer Seele hinein schämen, wenn sie darauf ertappt werden, daß sie diesen Kreis von Männern mit absichtlichem Durcheinanderwerfen der verschiedensten alten und neuen, gar nicht dazu geeigneten und auch gar nicht zu
sammenhängenden Dinge zu einem Kreise von Verschwörern und Hochverrätern zu stempeln suchen? Und daß sie aus politischer Neugier rechtswidrig bei ihnen Haussuchungen halten? Sind solche Macht- habsr zum Regiment in Preußen geeignet?
Aus dem hessischen Finanzausschuß.
D a r m st a d t, 27. Mai. Der Finanzausschuß des Landtags stimmte in seiner gestrigen Sitzung der Regierungsvorlage zur Uebernahme einer Ausfallgarantie des Freistaates Hessen für Lieferungsgeschäfte nach Rußland zu. Die Bürgschaft Hessens beträgt eine Million Mark, darf aber mit Zustimmung des Finanzausschusses überschritten werden. Der Ausschuß stimmte auch den Anträgen zur Niddaregu- lierung zu.
Die ttohlenkrifis 'm England.
London. 28. Mai. (WTB. Funkspruch.) „Westminster Gazette" berichtet, daß hinter den Kulissen große Anstrengungen gemacht werden, die Krise im Kohlenbergbau möglichst schnell zu beenden. Der Kohlenmangel im ganzen Lande macht sich immer ernster bemerkbar. Die Verluste der Eisenbahn werden bereits auf 6V? Millionen Pfund geschäht. Die Bereitschaft des Dergarbeiterführers Smitb, eine Abstimmung unter den Bergarbeitern über die Arbeits- zett vorzunehmen, wttd als hoffnungsvolles Zeichen ausgelegt.
Das englische Arbeitsministerium gibt bekannt, daß die Zahl der unterstützungsberech- tigten Erwerbslosen in Großbritannien am 17. Mai 1 612 700 betrug, das waren 36 800 mehr als in der Vorwoche und 427 600 mehr als vor einem Jahre. Ansprüche lagen außerdem von weiteren 358 000 Arbeitslosen vor, die infolge des Streiks im Bergbau ohne Beschäftigung sind. Hinzu kommen noch ungefähr 50 000 Personen. die in anderen Industrien gestreikt haben und die Arbeit haben noch nicht wieder aufneh- men können.
Nach einer DÜittermeldung aus Paris ist infolge Kohlenknappheit der Passagierver- kehr zwischen Doulogne und Folkestone von heute ab eingestellt worden: auch die Schnellzüge zwischen Paris und London, die den Anschluß an die Fahrbahn vermitteln, fallen aus.
Die Forderungen der Bergarbeiter.
London, 27.Mai. (TU.) Das von der Regierung gemachte Angebot einer weiteren Sub» venttonszahlung in Höhe von drei Millionen Pfund läuft am kommenden Montag ab und noch immer sind keine Anzeichen fite Verhandlungen vorhanden. Der Präsident der Bergarbeiterge-- werkschaft, Herbert Smith, machte in seiner gestrigen Rede keinerlei Andeutungen, daß die Bergarbeiter oder ihr Führer ihre Ansichten auch nur im geringsten geändert hätten. Ganz tm Gegenteil war er der Auffassung, baß der Kamps von längerer Dauer sein werde. Eine Einigung tonne nur erzielt werden, wenn
1. die unwirtschaftlich arbeitenden Gruben geschlossen würden,
2. die hierdurch arbeitlos werdenden Bergarbeiter Arbeitslosemtnterstühung erhiellen und
3. ein Komitee gebildet würbe, daS sich au8 Grubenbesitzern, Bergarbeitern und Derbrauchew zusammensetze und daS die Aufgabe habe, öte Inlandpreife festzusetzen.
Smith wiederholt damit bereits vor einigen Tagen gemachte Vorschläge.
Verschärfte Kohlensperre.
Essen. 27. Mai. (TU.) Der britische Berg- arbeiter-Derbanb hat an die Bergarbeiter-Internationale sowie an die Transportarbeiter-Föderation telegraphisch das dringende Ersuchen gerichtet, die schärfsten Maßnahmen zur Unterbindung der Kohlentransporte nach England zu treffen, da die bisherige Aktion zur Durchführung der Kohlensperre gegen England fast erfolglos geblieben sei. In den nächsten Tagen sollen in Duisburg Verhandlungen zwischen Vertretern der Bergarbeiter-Internattonale und der Internationalen Transportarbeiter-Föderation über die zu treffenden verschärften Maßnahmen zur Durchführung der Kohlensperre gegen England ftattfinden.
Die Lage in Polen.
P aris, 28. Mai. (WTB.-Fulckspruch.) Dem Außenpolltiker des „Malin", der sich in Polen aufhält, wurde über die mögliche Entwicklung der Polittk von führenden Persönlichkeiten der Rechten erklärt: Entweder wird P i l f u d s k i zum Präsidenten gewählt, dann werden wir stumm Opposition treiben. Wir warten auf die Fehler, die ein Mann zweifellos machen wird, der schon offenkundig seine Unfähigkeit bewiesen hat. Wird Pilsudski nicht gewählt und verhält sich ruhig, dann werden wir an der Sanierung des Landes und der Revision der Verfassung Mitarbeiten, denn wir erkennen an, daß er nicht in allen Dingen Unrecht hat. Nimmt Pilsudski aber, wenn er nicht gewählt wird, feine Zuflucht zur Gewalt, dann werden wir kämpfen und die Regimenter der Umgegend von Posen werden ausWarschaumar schieren.
Kunst und Wissenschaft.
7. Jahresversammlung der Deutschen Gesellschaft für Völkerrecht.
Die Deutsche Gesellschaft sür Völkerrecht hält gegenwärtig ihre 7. Jahresversammlung in Wiesbaden ab, an der fast alle deutschen Universitäten, die Juftizminister des Reiches und der Länder sowie die Behörden vertreten sinh. Unter den Anwesenden befinden sich der Reichsgertchtspräsident Dr. Simons, der frühere Reichsfusiizminifter Dr. S ch i f f e r, der Präsident des Obersten Gerichts in Danzig, Dr. E ru s o n, Geheimrat M a r • tius vom Auswärtigen Amt und Ministerialrat Lutterloh. 3m Mittelpunkt der Tagung stand die Behandlung der Frage: „Sind die Staaten allein im Völkerrecht parteifähla?" durch den Kölner Uni- versitätsprofssior Dr. Ebers.
Hauptmanns Absage an die Akademie.
Am 20.Mai hat Gerhart Hauptmann an den preußischen Kultusminister Dr. Becker einen Brief gerichtet, in dem er die Ginlabung des Ministeriums für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung der neugegründeten Sektion für Dichtkunst beizutreten, gblehnt. Zur der Ab
lehnung Hauptmanns wird von anderer Seite bemerkt, daß die vier anderen Herren (Arno Holz, Thomas Mann, Hermann Stehr und Ludwig Fulda) die Berufung angenommen haben.
Aus aller Wett.
Dle Neuyorker Plattdeutschen beim Reichspräsidenten.
Reichspräsident von Hindenburg empfing eine größere Abordnung des Plattdeutschen Volksfe st Vereins und von 82 plattdeutschen Vereinen aus Neuhork und Umgebung, die sich zur Zeit auf einer Deutschlandreise befinden. Der Präsident des Plattdeutschen Vereins Neuyorc, Herr Claus Oetien, richtete an den Reichspräsidenten eine Ansprache auf Plattdeutsch, in der er betonte, daß die Plattdeutschen in Amerika an deutscher Treue und deutschem Glauben schon über 50 Jahre festhalten. Der Reichspräsident erwiderte mit herzlichen Worten der Freude und des Dankes für die treue Anhänglichkeit der Plattdeutschen in Amerika an Heimat und Muttersprache. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Gäste bei ihrem Besuche im alten Vaterland angenehme Eindrücke erhalten und die alten Bande festtgen und stärken möchten. So würden sie auch dazu beitragen können, Mittler zwischen der alten und neuen Heimat zu sein, um die guten Beziehungen zwischen Deutschianb und den Vereinigten Staaten zu vertiefen und auszubauen.
Ein Wirbelsturm.
Die Blätter melden aus Novisad (Neusatz), daß dort ein Wirbelsturm zusammen mit gewaltigen Regengüssen zahlreiche Häuser zerstört und Telegraphenmaste umgerissen habe. Das Flußtal ist vollkommen überschwemmt. Die bisherigen Meldungen sprechen von neun Toten und außerordentlich großem Sachschaden.
Die Verheerungen des Takachi-Ausbnrchs.
Der Schaden, der durch den Ausbruch des Vulkans Tokachi verursacht wurde, wird auf 8 500 000 Pen geschätzt. 33 Drücken, 730 Häuser, 3 Kilometer Eisenbahn und 6 Kilometer Straße sind vollständig zerstört.
Rückkehr des französischen Tokio-Aliegers.
Wie in Blättern gemeldet wird, hat der französische Flieger, Hauptmann Pelletier d'O'i sy, der am Donnerstag die Fortsetzung seines Fluges Paris —Tokio in Warschau aufgeben müßte, beschlossen, nach Paris zurückzukehren, da die Reparatur seines Flugzeuges nicht vcn: Ablauf von 2 Wochen ausgeführt werden könne.
Gesunkener Dampfer.
Heute früh lief der große deutsche Tank- dampser „Phoebus (10000 Tonnen) aus dem Fahrwasser und strandete auf dem Asse- ler Sand. Mehrere 'Bergungsdampfer würben von Hamburg aus nach der Llnfallstelle entsandt, um den schwer beladenen Dampfer abzuschleppen.
Schisssexplosiov.
Infolge einer Röhrenexplosion auf dem englischen Küstendampfer „Gssequebo", der sich 80 Kilometer von der Mündung deS Deme- raraflusseS entfernt befand, wurden sieben Personen getötet und 25 verletzt. Der Dampfer wurde nach Georgetown geschleppt.
Explosion eines OelbehStters.
Sin schweres Explosionsunglück hat sich nach der „DZ" im Elektrizitätswerk Ehar- lottenburg ereignet Dort ist durch Kurzschluß die Ekplosion des OelbehälterS erfolgt Drei in dem Raum beschäftigte Personen sind schwer verletzt, zwei so schwer, daß sie kaum mit dem Leven davonkommen dürften.
Bluttat in geistiger Umnachtung.
Wie die „Chemnitzer Neuesten Nachrichten" nrelben, verletzte in den frühen Morgenstunden ein Strumpswircker in einem Anfall geistiger Umnachtung vier Personen durch Beilhiebe und Messerstiche. In drei Fällen sind die Verletzungen schwer. Der Täter wurde in eine Irrenanstalt überführt.
Weltrekord im Fressen.
Im Hagenbeckschen Tierpark in Hamburg- Stellingen hat der See-Elefant „Goliath" den Weltrekord im Fressen geschlagen. Um den Riesen möglichst allen Besuchern beim Schlingen feiner kapitalen Vüchlzeiten zu zeigen, wurde er an einem Tage 12 mal gefüttert und konsumierte annäberrtb 385 Pfund Fische. Goliaths Bassin wurde zu dem Schauplatz eines glücklicherweise glimpflich verlaufenen Anfalls. Trotz aller Warnungstafeln hatte sich eilt junger Mann daran gemacht, den Felsen zu erklettern, stolperte, verlor das Gleichgewicht und stürzte in das See-Elefanten bereich Goliath befand sich in diesem Augenblicke an Land, kugelte aber sofort in sein Bassin, um den Gindringlurg anzugreifen. Mit Hilfe der Wärter konnte der leichtsinnige Hochtouriü wieder aus dem Wasser befreit werden, ehe er eine unerwünschte Bekanntschaft mit dem erzürnten Goliath zu machen brauchte.
Eisenbahnattentat eines Zehnjährigen.
Nach einer Blattermeldung aus Hanau entgleisten auf der Nebenbahn Hersfeld — Treysa die Lokomotive und zwei Wagen eines Personenzuges. Dem Lokomotivführer gelang es, den Zug sofort zum Stehen zu bringen. Ein lOjähriger Junge hatte mehrere große Steine auf die Schienen gelegt.
1400 Wildschweine abgeschossen.
In der Rheinpfalz, die bekanntlich sehr schwer unter der Wlldschrveinplagozu leiden hat, wurden vom Oktober 1924 bis 15. März 1926, also in einem Zeitraum von U Jahren, rund 1400 Wildschweine erlegt. Die Bckämpfungsmaß- nöhmen gegen die Borstentiere, die bekanntlich beträchtliche Schäden anrichten, werden auch in diesem Jahre fortgesetzt.
Wettervoraussage,
Stärkere Bewölkung, südliche bu3 westliche Winde mit Regenfällen, etwas kühler.
Ein atlantischer Wirbel, der bisher nur über den britischen Inseln Regen verursachte, ent- weckelt, durch LemPeraturgMnsätze auf feiner Vorderseite beding^ Ranbstörungen, die nach Deutschland hineingreifen. Da auch der Kem des Wirbels unter Verstärkung ostwärts vor- brijtat, so ist eine stabile Wetterlage nicht mehr gesichert.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 22,8 Grad Celftus, Minimum: 9,2 Grad Celsius. Heutige Worgentemperatur: 14,3 Grad Celsius.
Aus der Vrovinzialhauptstadt.
Gi e ß e n, den 28. Mai 1926.
Die Pflege der Zimmerpflanzen im Sommer.
Je kleiner die Gefäße, um so mehr wird die verbrauchte Erde durch ^lmpflanzen in andere Behälter ersetzt werden müssen. Nur langsam wachsende, größere Dekorationspflanzen, tote Aspidistra, Clivien, Granaten, Lorbeer, Oleander und ähnliche dürfen mehrere Jahre in denselben Töpfen oder Kübeln unverpflanzt bleiben, wenn man dafür Sorge trägt, daß die nötige Nahrungsmenge durch allwöchentlichen Dungguß ersetzt wird. Pflanzen, die im Wachstum still stehen, bedürfen des Düngens nicht. Die beste Derpflanzzeit ist das Frühjahr oder der Vorsommer nach dem Abblühen, oder wenn der neue Trieb sich regt. Gewächse mit Blütenknospen darf man in der Weiterentwicklung durch Verpflanzen nicht stören. Je wärmer die Außentem- temperatur ist, um so leichter wird eine Pflanze die unvermeidlichen Verpflanzungen an den Wurzeln verheilen können und neue bilden. Häufig kommt es vor, daß der Wurzelballen in einer Weise verfilzt ist, daß sich das Gewirr ohne Messer und Schere nicht lösen-l«Ht und man genötigt sein wird, einen Teil des Wurzelfilzes wegzuschneiden. Das ist häufig auch bet Zimmerpalmen der Fall. Ist die Temperatur schon zu kühl. Wie das noch im Monat Mai vorkommt, so unterbleibt die Neubildung junger Wurzeln, die verletzten Stellen gehen in Fäulnis über, und man verliert die Pflanze. AuS diesem Grunde werden Palmen erst versetzt, wenn die Durchschnittstemperatur im Freien mindesten- 15 Grad beträgt. Dies ist im Juni und Juli erst der Fall. Bis dahin soll man bei Palmen mit dem Verpflanzen warten, eS jedoch nicht später vornehmen. Daß nicht jede Pflanzenart in irgendeiner beliebigen Erdart gedeiht, sei nebenbei bemerkt. Zimmerfarnkrauter, Azaleen und Rhododendron verlangen schwarze, mit scharfem Sand gemischte Walderde. Durch reichlichen Zusatz solcher Erde befördert man die Blühwillig- feit bei Blattkakteen, während alle anderen Stat» tusarten mehr schweren Boden mit etwas KalA schütt lieben.
Harte Palmen, Baukurien, oder Zimmertannen, Kalla, Hortensien, Myrten und auch di« Zimmerlinde tonnen über Sommer im Freien ausgestellt werden, sofern man ihnen einen Platz antoelfen kann, der gegen Sonnenbrand urtb Wind in gleicher Weise geschützt ist. Um ein zu starkes Aus trocknen zu verhindern, grübt man die Töpfe in Sand oder gesiebte Asche ein. Doch darf ein öfteres Nachsehen nicht versäumt werden, um das Einwurzeln in den Gartenboden zu verhindern. Sobald eine solche Pflanze plötzlich ein auffallendes Wachstum äußert, muh der Topf nachgesehen, und die durch das Abzugsloch gewachsenen Wurzeln müssen abgeschnitten werden. Geschieht das zu spät, oder versäumt man es gänzlich, so dauert die Freude am Üppigen Wuchs nur bis zu der Zeit, wo eingeräumt werden muß. Solche Pflanzen gehen später zugrunde. Die meisten anderen Pflanzen bringt man entweder an der Außenseite der Fenster unter, oder behält sie im Schuhe des Zimmers. ES ist dann aber! vorteilhaft, ihnen die Wohltat von Tau und Regen durch öfteres Abwaschen und Llebersprihen mit abgestandenem Wasser zu ersehen, und ihnen je nach Wachstum etwas Dlumendünger zu verabreichen. Dies ist das beste Dorbeugungsmittel gegen allerlei Ungeziefer. Wo sich solches dennoch einstellt, wasche man mit „Parantol" in zehnfacher Verdünnung. Es ist dies ein absolut sicher wirkendes Mittel. R.
Vornotizen.
— Tageskalender für Freitag. Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Die Leuchte Asiens". — AstoriwLichtspiele: „Tom Mix im Damenstift".
*
2. U. Don der Landes-Universität. Der ordetliche Professor der englischen Philologie Dr. Wilh. Horn hat je einen Ruf an die Universität Breslau und an die Universität Greifswald erhalten.
*• Die Juni-Miete in Hessen. Amtlich wird bekanntgegeben: Die gesetzliche Miete für den Monat Juni wird in gleicher Höhe wie für den Monat Mai festgesetzt. Sie beträgt hiernach 95 Prozent der Friedensmiete.
*• Gesundheitsschädliches Aus- stellen von Wurst-, Fleisch-, Fe 1 und Fischwaren. Das Polizeiämt schreibt uns: Die warme Jahreszeit veranlaßt uns, darauf hinzuweisen, daß vielfach in Lebensmittelgeschäften die daselbst auSlieqenden Fleisch-, Wurst-, Fett--, Käse- und Fischwaren, fotote auch andere leicht verderbliche Nahrungsmittel nicht genügend vor der Verunreinigung durch Fliegen geschützt werden. Abgesehen von dem ekelerregenden Eindruck ist die Gefahr der Krank"- heitsübertragung bei der Hitze und dem hierdurch sehr geförderten Verderb der genannten Waren sehr groß. Das Polizeiamt wird gegen diejenigen Labeninhaber Vorgehen, welche sich diesen einfachen hygienischen Forderungen und dieser selbstverständlichen Rücksichtnahme gegenüber der Bevölkerung entziehen.
* Nicht an den Bahnkörper! Das Kreisamt Gießen empfiehlt in Anbetracht der außerordentlichen Bedeutung, die der Ernte auch in diesem Jahre für die Ernährung zukommt, bas Lagern von Getreide, Heu, Grummet usw. unmittelbar am Bahnkörper möglichst zu vermeiden.
** Vom Reichsbanner Schwarz- Rot-Gold wird uns zu dem republikanischen Tag am nächsten Sonntag geschrieben: „Anläß» lich des Festzuges am republikanischen Tag findet mittags 2 Ahr eine Totenehrung statt. Der Zug wird 3 Minuten halten und alle Kapellen werden „Ich halt' einen Kameraden" spielen. Wir bitten hie Gießener Bevölkerung, in dieser Zeit auch der Toten zu gebenEen und sich, soweit sie dem Festzuge zusieht, durch Abnehmen her Kovf- bebechmg und durch Schweigen der Ehrung der Gefallenen anzuschließen."
*• Kreisstraßensperre. Die Kreis* straße Odenhausen — Straße Lollar — Sichertshausen wird wegen Umbau der Unterführung am Haltepunkt Friedelshausen von Dienstag, 1. Juni, ab auf die Dauer von etwa 10 Wochen für jeglichen Verkehr gesperrt. Der Verlchr wird über Ruttershausen—Kirchberg umge leitet.
*’ Die Wohlfahrtsbriefmarkew Die am 15. Dezember v. I. zugunsten der Deutschen Nothilfe ausgegebenen besonderen Wohlfahrtshriefmarken zu 5, 10 und 20 Pf. mit ' Reichs- und Länderwappen verlieren mit 2lblauf
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