Das große Würfelspiel.
b Martina Wilemar.)
Roman von Franz lauer Kappus.
26. Fortsetzung. Nachdruck oerboten.
Ohnmächtig folgte Kreuth ihrem Blick. Rätselhaft verloren sich die Gleise in der Finsternis. Ein ferner Semaphor reckte die Arme. Rote und grüne Punkte waren seine Hände. „Dort? D, Madame — nicht dort ist Berlin!"
Die weißen Finger züngelten. Sie sprangen los, faßten Kreuth beim Rock, zogen ihn dicht heran. Süß wehte es von heißen Lippen. „Ich kapituliere, Herr von Kreuth! Begreifen Sie? Ich strecke die Waffen." Die Stimme der Sabukowa wurde drängend. „In einer Viertelstunde fährt der Zug nach Montreux! Wir nehmen den Zug nach Montreux! So, wie wir da stehen: wir beide. Und bleiben m Montreux."
Besinnungslos starrte Kreuth auf die Frau. Er wollte zurückweichen — und konnte es nicht.
Plötzlich stand auch der Träger von früher da. „Nach Montreux?" fragte er, wie durch ein Wunder orientiert. Kreuth gab ihm Geld und seinen Gepäckschein. Auf einmal war auch eine zweite Handtasche da: alles rätselhaft, unbegreiflich.
Zehn Minuten später brauste der Zug mit den beiden davon.
XX.
I Die Aktien der Haguwa fielen.
Jeden Tag telephonierte Ernst Wilemar mit Oriewicz, jeden zweite Taa stand er in dem kleinen Bureau in der Landgrafenstraße. Unentwegt zuversichtlich tat der Bankier. Immer schwenkte er die verrunzelten Hände mit der gleichen Bewegung durch die Luft. „Verschiedenes passiert zwischen Himmel und Erde! Nur nicht kleinmütig werden. In -ein paar Wochen haben wir die Bilanz da. Dann reden wir weiter. Heddenhausen ist ein schlauer Kopf, ein sehr schlauer Kopf. Und Hartgummiwaren sind ein Artikel, werden immer ein Artikel sein." Oriewicz lächelte pfiffig. „Wer wird da gleich die Flinte ins Korn werfen?"
Das war leicht gesagt.
Bedrückt ging Wilemar umher. Nur die eine Sorge hatte in ihm Raum. Die vierzigtausend Mark standen auf dem Spiel: er allein wußte, was das
bedeutete. Die vierzigtausend Mark konnten Rettung oder Untergang bringen. Glückte der Schlag, dann war alles gut. Dann konnte man wieder freier atmen und etwas Vernünftiges anpacken. War das Geld verloren, dann brach alles zusammen. Im nächsten Jahre konnte man dann betteln gehen, wenn nicht Aergeres geschah.
Oft drang Lily in den Vater. „Warum diese Leichenbittermiene, Papa? Warum sich selber das Dasein vergällen? Geht es euch denn gar so schlecht? Es sieht mir nicht danach aus. Und die Zukunft Ach Gott, immer kommt es anders, als man glaubt. Man soll nicht so hartnäckig an die Zukunft denken."
Ernst Wilemar schwieg.
Lily hatte gut reden. Ihr neuer Vertrag mit der Apollo A.-G. war nahezu perfekt. Findeisen hatte einen Narren an ihr gefressen, wie die Wiener Kollegen sagten. Mit beiden Fäusten stieß er sie vorwärts. Demnächst kam die „Rache der Berge" heraus. Ausführlich beschäftigten sich die Blätter mit dem Film. In jeher Vornotiz erschien Lilys Name in gesperrten Lettern. Mia Hell ließ bereits anonyme Briefe schreiben.
Und immer wieder kamen Blumen. Anton Hönisch war der konsequente Spender. Der Himmel wußte, wie er Lilys Familiennamen und Adresse ermittelt hatte. Stundenlang spazierte er vor ihrem Hause auf und ab, den steifen Hut schief auf den gelben Locken. Dann und wann sandte er ein paar krause Zeilen hinauf. Lily müsse seine Frau werden, was es auch koste. Sein ganzes großes Vermögen lege er ihr zu Füßen. Zwei neue Abschlüsse mit dem mächtigsten deutschen Zuckerkonzern habe er nur ihr zuliebe „getätigt".
Lily lachte dazu, Martina träumte vor sich hin.
„Wach auf, Schwesterchen, wach auf!" In allen Tonarten redete Lily auf Martina ein. „Das kann doch ewig nicht so fortgehen! Deine schönsten Jahre vertrauerst du ja. Laß den Burschen laufen oder schreibe ihm einen Brief, daß er alle Engel fingen hört. Er verdient es nicht anders."
„Er kommt ja dieser Tage." Martina zeigte eine Depesche Kreuths aus Montreux. „Seine Abreise hat sich verzögert. In spätestens einer Woche ist er da."
Lily versuchte es anders. Martina sollte unter Menschen. An drei Abenden holte Lily sie vom Bureau ab, fuhr mit ihr zu Gerson und bestellte für sie, ohne viel zu fragen. Vergebens sträubte sich
Martina. Lily legte aus Eigenem zu, wenn die Ersparnisse der Schwester nicht langten. Am vierten Abend waren das neue Kleid und der rostrote Samt- mantel mit dem Fuchsbesatz fertig. XEine kleine Modepuppe, stand Martina da.
„Behalte nur das hübsch an", sagte Lily, als die Schwester alles wieder ausziehen wollte. Gar nicht angebracht erschien Martina der Aufwand. Der neue Besitz bedrückte sie. Ein Frevel war das.
Die Autodroschke fuhr ins Esplanade.
Seit halb sieben Uhr wartete hier Heinz Baron Rheinfeld. Sanfte Teemusik erscholl. Selbstverständlich saßen die Menschen bei den weißgedeckten Tischen. Blumen leuchteten in schlanken Vasen. Lautlos eilten die Kellner.
„Meine Schwester Martina."
Zehn Minuten machte Rheinfeld Konversation. Er kannte alle Gäste, nannte viele Namen. Das ergab Anknüpfungspunkte. Vorsichtig lenkte Rheinfeld das Gespräch auf persönliches Gebiet. Ob Martina nicht auch zum Film wolle? Interessiert studierte er ihre Züge. Als er erfuhr, daß Martina in ein Bureau ging, wurde er nachdenklich. Fast traurig blickte er sie an.
Dann wandte er sich zu Lily. Seit ihrer Heimkehr hatte er sie nicht gesehen. Und doch wußte er alles, was sie betraf. Auswendig sagte er die Sätze her, die in den Zeitungen von ihr handelten. „Es wird noch schöner kommen. Das find ja erst die Präludien. Ich gratuliere Ihnen, Fräulein Lily." Flüchtig tüjjte er ihre Hand.
Wieder erzählte Lily.
„Und die Herrenwelt?" fragte Rheinseld in einer kleinen Pause. „Natürlich Huldigungen en mässe? Das gehört schon dazu."
Lily war es, als ob ein Schatten über sein Antlitz flöge. „Warum haben Sie sich denn noch nicht gemeldet, Baron Rheinseld?"
„Wozu sollte ich mich melden?" fragte er und schaute auf Martina. „Alles Wissenswerte hat in den Blättern gestanden. Für mein Archiv genügt das."
„Für Ihr Archiv?" Die großen Augen Martinas staunten. Auch Lily war überrascht.
„Also haben Sie doch eine geschäftliche Beziehung zum Film?"
„Da sei Gott vor." Sinnend lächelte Rheinfeld auf seine schöne Rechte hinab. Gedämpft sagte er
dann: „Sie sind nicht die erste, die ich entdeckt habe, Fräulein Lily." Abermals schwieg er eine Weile' „Entdeckt ist überhaupt ein unrichtiges Wort. So eine wie Sie braucht nicht entdeckt zu werden. So eine reiht sich selbst Bahn. Sagen wir also lieber: ein wenig vorwärtsgebracht. Sie sind nicht die erste, und doch —"
„Und doch?"
„Die erste." Rheinfeld hob die Hand mit dem Jafpiswappen. „Aber das verstehen Sie wahrscheinlich nicht. Und auch Sie nicht, Fräulein Martina."
„Ich schon gar nicht", sprach Martina gedehnt. Bloßer Schall waren die letzten Worte für sie ge* wesen. Hinterrücks hatte die Pein sie wieder überfallen. Wozu saß man da? Für wen hatte man sich herausgeputzt? Was ging das Archiv dieses alten Mannes sie an? Feindselig strichen ihre Blicke durch den Raum, an den vielen Menschen vorbei. Eine kleine Falle stand zwischen ihren Brauen.
Das sanfte Orchester war wild geworden. Immer mehr Paare traten zum Tanz an.
Martina drehte den Leib herum. Hilfesuchend schaute sie die Schwester an. Doch Lily merkte nichts.
„Wir langweilen Sie wohl, Fräulein Martina", sagte Rheinfeld aufmerksam.
„Durchaus nicht, Herr Baron."
Ganz lebte Lily wieder in ihrer Welt. Ihre Wangen glühten. „Es wird einen Kampf geben: einen Kampf zwischen der Hell und mir! Wie es scheint, hat sie sich hinter den Generaldirektor gesteckt."
„Gesteckt?" lächelte Rheinseld. „Längst ist sie dort zu Hause."
„Aber ich: ich lasse nicht locker." Leise erklärte Lily: „Sie müssen wissen: jeden Tag wird die Unter- schrift meines Vertrages hinausgeschoben. Das spricht doch Bände, Baron Nheiufeld?"
Die Musik schwelgte in Dissonanzen. Unermüdlich raffelte das Schlagwerk. Aufreizend klingelte und zwitscherte das Flexaphon.
Ein Bild sprang Martina an: Genau wie die dort drüben hatte auch Benno getanzt, immer nur getanzt, bald ein ganzes Jahr schon. Deutlich sah sie ihn in der geballt schwingenden Gruppe. Vielleicht tanzte er auch heute so: für Geld — zwanzig Fran- ken pro Abend und das Trinkgeld, das die Damen ihm schenkten.
(Fortsetzung folgt)
fclbft die fchmutzigften, mitOel, Farbe oder Russ befchmierten, reinigt VIFl fchnell und gründlich, ohne die Haut anzugreifen.
In Küche und Haus ift VIM zu allem Putzen, Scheuem und
Polieren unentbehrlich.
V 21
Verbesserte Packung 30 Pfg. Kem Verstopfen des Blechstreuers
W
Groß-Brauerei
mit erstklassigen Lager- und Spezial-Bieren sucht zur Einfllbrung ibxer Biere für Gießen und Umgebung tüchtigen, solventen, bei der einschlägigen Kundschaft gut eingesührten Vertreter.
Schriftliche Anaebole sind zu richten unter 8797nz an den Gießener Anzeiger.
Lichtspielhaus
Bahnhofstraße 34
Nur noch heute und morgen:
ft sind hm LiXtafuitm-BegtaNt
Ein Militärachwank in 7 übermütigen Akten.
Mit den großen Lieblingen des Kinopublikums. Mary Kid .......... als Liebling des Regiments
Grit Haid .............. als ihre blonde Schwester
Colette Brettl............ebenso süß. aber schwarz
Camilla Spira.......... als „bemmisches Kocher!1*
Lydia Potechina, als Erbtante eines tollen Neffen Mira Hildebrand, als vielbegehrtes Dienstmädchen Fritz Spira...... als der Herr k. und k. Oberst
Paul Heidemann, als echter Herzensbrecher und falscher Leutnant
Fritz Bendow. . . als der Leutnant mit Kaution Hans Albers ... als fabelhaft fescher Oberleutnant Hans Brausewetter . als einfach idealer Diener Paul Morgan......als k. und k. Sanitfttskorporal
Fritz Kämpers....... als der „Herrrrr Feldwebel“
Hungerkünstler Jolly, Morgenstern und andere bekannte Komiker als Reservisten. 8800c Fernen
Jimmie kuriert Minnie
Groteske in 2 Akten.
Sowie:
Die neueste Ufa-Wochenschau
Großes verstärktes Orchester
HONIG
Blüten-Schleuder gar. rein, goldkl.flüss. ob. lest, W-Pfb.-Buch- se Jh 10.— srko., halbe ^5.50 franko: Nachn. 30 Pfg. mehr. Gar. Zurück», unb Nachn. Lehrer a.D. Fischer, Obernenland 76, Kr. Brem. Provagan- daväckchcn t'^Psd. netto srko. b.Einig. von Mk. 1.70.
B 96°/°iger g
| Spiritus | ■ 91m. 6.- b. Lit. | | Likörestenzen I B Kreuz-Drogerie | U Bahnhofstr. 51 8
8781L
Toit.-Seifc, 24 St. 1.73 Mk., Schubric- men, 100 Paar 2.48 Mk. Preisliste frei. II. Großmann, München » 10, Ltnbwurinfir.71.^id
Lebendfrische
SWWe toliaii Kelchs im Ausschnitt ww MlionssWW Sielet Süßlinge .empfiehlt
Gegenüber d Engel- avotheke. 07465
Schellfische (Tabliau 8805c Seelachs Goldbarsch Schollen Flutzhechte Blaufelchen v.
Bodensee lebende Aale
Seefische nur fite Nordseeware empfiehlt zu billigst.
Tagespreisen
W.$ifdil)ölg. A. (wth Ms.
Schulstr. 10 Tel. 1612
Frische SkkW aller Art sowie leöenöe Sattlen utiü WM empfiehlt billigst 81««
Bahnhosstr.50Tel.06
HiKmöen in Math, und sonst. Fächern f. Obertertianer, Oberrealschule, gesucht. Schr. Angcb. uitt8813Dan den Gieß. Anz.
idruckd«^
Pflege
WELLBLECH BAUTEN
WELLBLECH GARAGEN ■■■■■——BI MB—— WOLF NETTER SJACOBiwERKe E—a—nifiwiii.uwi um ■■ui ii BERLIN W.15 * FINNENTROP '/WE5TE
Vertr.: Emil Becher, üammslr. 43. Gießen,Tel 1190
Gasherde
Junker A Rub — Gaggenau in größter Auswahl
MW MW, VMM. 35
Erleichterte Zahlungsbedingungen. Auf Wunsch Ratenzahlungen.
WELTSPARTAG
Bezirkssparkasse Gießen
♦064
J. Pfeffer
Marktplatz
8
I
1 passende 1
8782a
IGießener Konzertverein
Sonntag, 31. Oktober, nachm. 5 Uhr, Universitätsaula:
Erstes Konzert Das
Peischer- Quartett vom Staatstheater Wiesbaden Streichquartette von Haydn, Mozart und Beethoven Eintrittskarten: 1. Platz 4 Mark, 2. PlaU 3 Mark, 3. Platz 2 Mark bei Emst Challyr und abends an der Kasse. Studentenkarten 1 Mark nur im Vorverkauf bei Herrn Sekretär Ritter gegen Ausweiskarte. — Abonnements für die zehn Winterkoqzerte: 1. Platz 30Mark, 2. Platz 20Mark bei ErnstChallier, ebendaselbst ausführliche Prospekte. — Die bestellten Abonnements liegen zur Abholung bereit 8714c
Mardfsclier Zither- o. Mandolioen-Chor Kick» E.V.
Gegründet 1905
Dirigent: Musiklehrer Wigand Gernhardt. ..........................................................................
Sonntag, den 31. Oktober 1926 abends 8 Uhr im
Saale des Katholischen Vereinshauses anläßlich des
21. Stiftungsfestes
Volkstümliches
Zither-Orchester-Konzert
BALL
Zur Deckung der Unkosten werden an der Abendkasse Karten zu 50 Pf. verausgabt 8786D
MM-Mmm Kick«
Unsere seit längerer Zeit bestehende
Abteilung für ältere Turner turnt wie seither jeden Mittwochabend von 6.45 biS 7.45 Llhr in unserer Turnhalle (Oberrealschule) unter Leitung einer staatlich geprüften Lehrkraft.
Äeuanmeldungen jederzeit an unseren 1. Sprecher Gg. Kling, Bückingstrahe 2, oder zu Beginn der Turnstunde erbeten.
Für Damen jeden Alters, die sich turnerisch betätigen wollen, findet die Hebungsstunde jeden Montagabend um 6.45 uhr ebenda statt. (8803c] Der Vorstand.
rnx.'?1


