Staatsbauten in Nauheim.
Der hessische Finanzminister hat dem Landtag folgende Vorlage zugehen lassen:
In dem Entwurf des Staatsvoranschla^ für 1927 sind u. a. unter Kap. 6, Salzwerk, Dade- cmstalt und Tiefbauamt Dad-Rauheim die nachstehenden Beträge als einmalige Ausgaben mit den dabei angeführten Erläuterungen vorgesehen:
1. Herstellung der Terrassen st raße 11000 Mk. Die Terrassenstrahe als Haupt- zufuhrstraße nach dem Kurhaus ist chaussiert und durch starken Fuhrwerksverkehr und Verlegung unterirdischer Leitungen in schlechtem Zustande. Bei Regenwetter wird durch vorbeifahrende Autos das Publikum durch Schmutzwasser belästigt. Die Straße soll in gleicher Weise, wie die vor dem Tenniskaffse in Asphalt verlegt werden. Hierbei ist auch die Reueinfassung der Bürgersteige notwendig.
2. Herstellung der ilsabrücke im Anschluß tin den Sprudelhof 23 000 Mk. Der eiserne Steg über die Ufa, der den Sprudrlhvf mit dem Park verbindet, muß vollständig erneuert werden, da die Tragkonstruktion durch hohes Alter stark gelitten hat und bei lebhaftem Verkehr Einbruchgefahr besteht. Er soll, wie schon in früheren Zeiten projektiert war, erweitert werden, so daß der Gehweg in gleicher Breite durchgeführt werden kann.
3. Beschaffung eines Speisekabels nach dem Inhalatorium 15 000 Mk. Das Speisekabel, das von dem alten Elektrizitätswerk über die Trinkkuranlage nach dem Kurmittelhaus (Dadehaus 9) und dem Inhalatorium zieht, ist einerseits durch die vermehrten Anschlüsse stark überlastet, andererseits durch wiederholt aufgetretene Durchschläge infolge Einbaues von Kabelmuffen geflickt und deshalb in keiner Weise mehr betriebssicher. Aus Detriebsgründen ist die Erneuerung unbedingt notwendig.
4. Herstellung des SchwalheimerDrun- nens, insbesondere ErrichtungeinerUibrrbauung 10 000 Mk. Der Schwalheimer Brunnen wurde bei Herstellung der Löwrnquelle nur provisorisch überbaut, in der Absicht, später einen massiven Aeberbau herzustellen. Dieser Holzüberbau ist in der Zwischenzeit abgefault und kürzlich bei Sturm zusammengebrochen. An Stelle des provisorischen Ueberbaus soll der endgültige feste Aeberbau für die wertvolle Quelle ausgeführt werden. Sie Reufassung der Quelle selbst erfolgt im Herbst dieses Jahres, wofür die Mittel in 1926 vorgesehen sind.
Zusammen 59 000 Mk.
Die Mittel wären, da ihre Aufwendung durch Instandsetzung und Ersah bedingt ist, aus den Einkünften des laufenden Betriebs zu bestreiten. Diese baulichen Herstellungen sind dringender Ratur. Sie können auch während der Kurzeit nicht ausgeführt werden und sind andererseits geeignet, im Winter Arbeitsgelegenheit zu schaffen. Es wird daher der Antrag gestellt, der Finanzausschuß wolle seine Zustimmung dazu geben, die erforderlichen Arbeiten sofort zu vergeben.
Die Dereinrqung für gerichtliche Psychologie und Psychiatrie in Hessen
hielt ihre 23. Tagung am Samstag in Mainz im Gutenb"rgkasnro in Anwesenheit von etwa achtzig Teilnehmern ab. Als Vertreter der Regierung bzw. des Justizministeriums war Generalstaatsanwalt Hofmann erschienen.
Rach der Tagesordnung stand die Getan- aenentürsorge im wei testen Sinne einschließlich der sog. sozialen GerickV.shilf^ zur Beratung. Es waren ausschließlich Männer der Prax's, die hierbei in ihren Vorträgen zu W'wte famen. E'4 würde hier zu weit führen, den Inhalt aller Ausführungen mitzuteilen; er sei deshalb nur in Kürze angebeutet.
Strafanstaltsbirektor Stumpf - Bukbach sprach über die Geschichte der Gefangenenfürsorae und ihre bistowsche Entwickl"nn bis zur Jetztzeit unter Berücksichtigung des Auslandes, sowie die Ziele der Fürsorge. Als solche kommen in erster Linie die Wiodereinordnung in die Wirtschaft kmrch Stellenvermittlung, die Ausstattung beim Abo^ng aus der Strafanstalt, die Fürsorae für die Angehörigen, die Aeberwachung der Kinder, die Aeberweisung in Entlassenenheime usw. in Frage.
Strafanstaltsarzt Medizrnalrct Dr. Schäfer- Bi''-bach behandelte den Strafvollzug an geistig Minderwertigen, den Begr'ff der geistigen Minderwertigkeit, die sich durch diese Minderwertigkeit einem geordneten Strafvollzug entgegen* stellenden Schwierigkeiten, di? Bekämpfung des Simulantentums und die Bedeutung besonderer Abteilungen für solche Minderwert "gen zum Zwecke ihrer möglichst individuellen Behandlung.
Oberstaatsanwalt Depper äußerte sich in längeren Ausführungen über die Tätigkeit des Hessischen Schutzvereins, das im Jahre 1925 neu eingerichtete Arbeitsheim in Dieburg (nicht zu verwechseln mit dem dortigen Arbeitshaus) und die kürzlich eingerichtete Aufnahmestelle auf dem Gute Hohenau in Rheinhessen. Infolge dieser Einrichtungen dürfe sich künftig kein Strafentlassener in He'sen mehr darauf berufen, daß ihm der Schutzverein ober der Staat nicht geholfen habe. Schließlich sprach sich der Redner für die Einrichtung einer Gerichtshilfe für Hessen aus.
Beigeordneter Dr. Aull- Offenbach behandelte in erschöpfender Weise auf Grund reicher Erfahrung die Strafrechtspflege und die öffentliche Fürsorge, die sich in seinem Wirkungskreise auf nicht weniger als ein Fünftel der gesamten Einwohnerschaft Offenbachs erstrecke. Es seien immer dieselben Leute, die sich zum Teil des Müßigganges auf öffentliche Kosten schuldig zu machen suchten. Hierbei behandelte der Redner besonders eingehend den Personenkreis, der die Arbeitsgebiete der Strafrechtspflege und der öffentlichen Fürsorge gleichermaßen beschäftige, die sich gewissermaßen die Hand zu reichen hätten. Dabei entwickelte er den Begriff der Asozialen (Gemeinschädlichen) und der Antisozialen (der Feinde jeder geordneten Gemeinschaft), die Inanspruchnahme der öffentlichen Fürsorge seitens dieser Gemein schädlichen und Gemeinschaftsfeindlichen. die Anterscheidung beider . Gruppen und ihre Grenzfälle. Die Erfahrungen, die er bei den Möglichkeiten zur Bekämpfung der Gemeinschädlichkeil gemacht hat, bezeichnete er als trübe und setzte sich dabei ins bestimmten und bewußten Gegensatz zu den Ausführungen seines Vorredners. Er machte weiter
den Vorschlag, daß sich der Iustizminister wegen der Schaffung einer sozialen Gerichtshilfe mit dem Hessischen Städtetag in Verbindung setzen möge. Schließlich behandelte Dr. Aull, dessen Ausführungen den starken Beifall der Versammlung fanden, das viel umstrittene Problem der Beseitigung der Fortpflanzungsfähigkeit Gemein- schädlicher gegen oder ohne ihr Einverständnis und die möglicherweise noch bestehendem Schwierigkeiten strafrechtlicher Ratur.
Am Ende der Tagung beschloß die Vereinigung, daß der Vorstand eine Entschließung aus- arbeite, in der die Schaffung einer sozialen Gerichtshilfe nach preußischem Vorbild als wünschenswert bezeichnet wird. Die Entschließung soll dem Iustizminister übermittelt 'werden.
Oberhessen.
Sentrumstag für Oberhessen.
sf. Friedberg, 26. Oft. Der 0 berhessi - s ch e Zentrumstag, der am Sonntagnachmittag in dem Saale von Groß-Friedberg abgehalten wurde, war trotz des schlechten Wetters sehr gut besucht. Landtagsabgeordneter Weckler eröffnete die Tagung mit der Mitteilung, daß der langjährige Führer im Wahlkreise Friedberg-Büdingen, Rechtsanwalt Schröder, sein Amt wegen Arbeitsüber- bäufung niedergelegt habe und zum Ehrenvorsitzenden ernannt worden sei. Rechtsanwalt Schröder dankte für die Ehrung und übernahm für dieses Mal nochmals den Vorsitz in der Versammlung,
Da der als Redner angekündigte Reichstagsabgc- ordnete Dr. Dessauer durch einen Trauerfall in seiner Familie am Erscheinen verhindert war, übernahm Parteisekretär Wolf ermann das Referat über Außenpolitik. Er gab einen Ueberblick über den Weg, den die deutsche Politik von Versailles bis Locarno, Genf und Thoiry gegangen ist, und stellte mit Befriedigung die Besserung der Lage Deutschlands in der Welt fest, an welcher die Zen- trumsfuhrer einen bedeutenden Anteil hätten. Dann streifte er noch die brennenden Fragen der Gegenwart, z. B. die Wiedergewinnung von Eupen-Mal- medy, die Regelung der Ostgrenzen, die Mobilisierung der Reichsbahnobligationen, das Wirtschaftsmanifest u. a. Die Ausführungen wurden von der Versammlung sehr beifällig ausgenommen.
lieber die hessische Politik sprach sodann der Führer der hessischen Zentrumspartei im Landtage, Domkapitular Prof. Lenhardt. Er suchte die Zugehörigkeit des Zentrums in der großen Koalition zu rechtfertigen und befaßte sich be- fonders mit dem Volksbegehren auf Auflösung des Landtags. Da sich das Vorgehen des Wirtschafts- und Ordnungsblocks auch gegen die Politik des Zentrums richte, gäbe es für diese Partei nur ein glattes „Nein". Weiter gab der Redner die bereits berichtete Erklärung über das hessische Landesamt für das Bildungswesen ab. Zum Schluffe seiner Rede wandte er sich noch in heftiger Weise gegen den sich in S ch u l e und Leben immer breiter machenden Naturalismus, dessen Bekämpfung und Ueberwindung eine Hauptaufgabe der Kirche sei.
Rechtsanwalt © d)t ö b e r schloß die Versammlung mit der Aufforderung, den bewährten Führern auch fernerhin Vertrauen zu schenken.
Feuerwehrtag in Herbstein.
h> Herbstein, 26. Oft. Zu der auf Sonntag angesetzten Gründungsfeier der hiesigen Freiwilligen Feuerwehr und zur Bezirkstagung der Feuerwehren des Kreises Lauterbach hatten sich über 300 Feuerwehrleute von nah und fern hier eingesunden und trotz des schlechten Wetters in der Bahnhofstraße aufgestellt. Rachmittags 2.30 Ahr setzten sich die zu einem Festzug zusammengetretenen Wehrleute, voran das Musikchor der Freiwilligen Feuerwehr Herbstein und die geladenen Ehrengäste, in Bewegung. Auf dem Marktplätze nahmen die Wehren in einem offenen Viereck Aufstellung. Bürgermeister Kübel begrüßte hier die auswärtigen Wehren, er gab einen kurzen Rückblick über die Entwicklung des Feuerlöschwesens der Stadt Herbstein, wünschte der Bezirksversammlung den besten Verlauf und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die Wehrleute einige schöne Stunden in kameradschaftlicher Weise in Herbstein verleben möchten. Regierungsrat Ranz erinnerte zunächst an den in der vorhergehenden Rächt stattgehabten Brand des Amtsgerichtsgebäudes, und dankte der Feuerwehr für die zur Bekämpfung des Feuers geleistete Arbeit, er besprach dann das Feuerlöschwesen im allgemeinen, übermittelte der neu gegründeten Freiwilligen Feuerwehr die Glückwünsche der Staatsregierung und betonte, daß die Feuerwehren berufen seien, an ihrem Teil mitzuwirLKn an dem Wiederaufbau unseres Vaterlandes. 2n das Hoch aus das Vaterland stimmte die Versammlung begeistert ein. Der Kreisfeuerwehrinspektor beglückwünschte ebenfalls die junge Wehr und hieß sie als neues Mitglied des Landesverbandes Freiwilliger Feuerwehren herzlich willkommen, er dankte dem Stadtvorstand für die Bewilligung der Mittel zur Ausrüstung und Equipierung der Wehr, ermahnte die Wehr, an ihrer Ausbildung fleißig weiter zu arbeiten und freue Wacht über ihre Stadt zu halten, dabei aber die Hoffnung aussprechend, daß sie niemals wieder Veranlassung haben möge, ihr Können praktisch zu betätigen. Sein „Gut Wehr" galt der Freiwilligen Feuerwehr Herbstein. Der Ehrenkommandant Stang dankte für die pekuniären Opfer der Gemeinde und gelobte, daß sich die Wehr dieser Opfer allezeit würdig zeigen und an ihrer Weiterbildung fleißig arbeiten würde. Mit dem Musikvortrag „'Stüber reicht die Hand zum Bunde" hatte die schlichte, aber erhebende Feier ihren Abschluß gefunden. Im Anschluß an die Feier fand eine Dezirkstagung der Feuerwehren des Kreises statt, die von Regierungsrat Ranz eröffnet und geleitet wurde. Der Kreisfeuerwehrinspektor hielt dabei einen Vortrag über Feuerlöschfragen und besprach Feuerverhütungsvorschriften und kleine Löschgeräte. Hierauf wurden die Satzungen des Kreis- verbandes der Freiwilligen Feuerwehren genehmigt und der Kreisfeuerwehr- inspektor zum Vorsitzenden des Verbandes gewählt. Da ein genügend großer Saal nicht zur Verfügung stand, mußte die Versammlung in einem zweiten Lokal wiederholt werden. In den beiden Versammlungsräumen entwickelte sich nun bei Musik und Lied ein fröhliches Treiben, und der kameradschaftliche Geist, der in den Wehren des Kreises heimisch ist, fand in der schönsten Weise Ausdruck. Am Abend fand ein Feuer* Wehrball in dem Vereinslokal statt, der in der harmonischsten Weise verlief.
Landkreis Gießen.
k, Wieseck, 26. Oft. Die im Lause dieses Jahres neugegründete Kolonne Wies eck des Arbeiter-Samariterbundes hielt am Sonntagnachmittag und Montagabend ihre Abschlußprüfung für. ihre ersten Kursus- teilnehmer ab. Dank des Entgegenkommens der Gemeinde, die einen namhaften Betrag für diesen Zweck bewilligte, und der Opferfreudigkeit seiner Mitglieder war die Kolonne in verhältnismäßig kurzer Zeit in der Lage, sich mit dem Rot- wendigsten auszurüsten. Als Kursusleiter stellten sich alle drei hier praktizierenden Aerzte zur Verfügung, nach der getroffenen Vereinbarung leitete Dr. Schmidt den eben beendeten ersten Kursus. Der an einer langen Reihe von Abenden erteilte Unterricht erstreckte sich auf einen praktischen Teil (Verhalten bei Anglücksfällen, Anlegen von ersten Verbänden, Wundbehandlung) und einen theoretischen Teil, der die notwendigen Kenntnisse über den inneren Aufbau des Menschen und die Funktionen der einzelnen Organe vermitteln sollte. Die weit vorgeschrittene Jahreszeit mit ihrem ungünstigen Wetter verbot, die Schlußprüfung in der ursprünglich beabsichtigten Form, gleichzeitig als Schauübung, abzuhalten, und machte die Verlegung in den Braunschen Saal notwendig. In Anwesenheit einer Anzahl Interessenten fand am Sonntagnachmittag die praktische Prüfung statt, die die Prüflinge vor mitunter recht schwierige Fragen stellte. Es muhten Verbände für die einfachsten bis zu den schwersten Verletzungen angelegt werden. Jeder einzelne Verband und sonstige Behandlung der Verletzten wurde von dem leitenden Arzt einer eingehenden Prüfung unterzogen, wobei sich herausstellte, daß alle Verbände sowohl bezüglich der richtigen Auffassung der Verletzung, als auch.in rein technischer Ausführung einwandfrei und sogar lobenswert angelegt waren. Anschließend erfolgte eine Prüfung im richtigen und sachgemäßen Transport von Verletzten. In seinem Schlußwort konnte Dr. Schmidt den Kursisten das Zeugnis ausstellen, daß sie jederzeit mit vollem Ernst und großem Interesse dem Anterricht gefolgt seien und sie bei eventuell eintretendem Ernstfall dem Arzt hilfreich zur Seite stehen könnten. Der mit an- wesende Leiter der Gießener Kolonne, B u e s, Gießen, zollte der geleisteten Arbeit ebenfalls vollste Anerkennung. Von den 6 Frauen und 16 Männern, die sich der Prüfung unterzogen, wurden 20 Verbände artgelegt. Diesem praktischen Teil schloß sich am Montagabend die theoretische Prüfung an, die ebenfalls recht befriedigende Ergebnisse zeitigte, so daß von sämtlichen Prüflingen die notwendigen Voraussetzungen erfüllt wurden. Mit Rücksicht auf die im allgemeinen Interesse liegenden Bestrebungen der Samariter wäre es wünschenswert, wenn die Beteiligung an dem am 1. Rovember beginnenden neuen Kursus wiederum so zahlreich wäre, wie beim ersten.
T Grünberg, 26. Oft. Der Rindvieh- b e stand in unserer Stadt hat sich in der letzten Zeit unter der Einwirkung der vorzüglichen Futterernte recht günstig entwickelt. Sowohl die körperliche Beschaffenheit, wie auch der Gesundheitszustand der Tiere ist erfreulicherweise gut. Zur Zeit werden etwa 600 Stück Rindvieh, meist Simmenthaler und Vogelsberger Rasse, hier gehalten. Der Aufzucht chenken unsere Landwirte in kluger Weise ihre be- ondere Mufmc.tf'-mfeit. Durch fortgesetzte sachver- tändige Beratung ist.es ihnen ermöglicht, stets die erfolgversprechendsten Wege für ihre Züchtertätigksit einzuschlagen. Die Schweinezucht ist dagegen in den letzten Jahren bedeutend zurückgegangen; ältere Tiere über den Läuferzustand hinaus gibt es jetzt nur noch etwa 250 Stück. Ebenso läßt die Ferkelzucht sehr zu wünschen übrig. Dieser Rückgang hat seinen Grund darin, daß viele Leute, die in her Notzeit sich ein Schwein aufzogen, unter der günstigeren Gestaltung der jetzigen Verhältnisse davon wieder abgekommen sind. Auf der absteigenden Linie bewegt sich auch die hiesige Ziegenzucht. Während im Jahre 1924 in unserer Stadt 355 Ziegen und im Jahre 1925 noch 289 vorhanden waren, zählt man jetzt nur noch etwa 250 Stück. Die Abschaffung dieser Tiere ist durch die günstigere Gestaltung in der Milchversorgung veranlaßt worden. Die Bemühungen des mittlerweile ebenfalls aufgelösten Ziegenzuchtoereins könnten den Rückgang nicht aufhalten. Heute wierd vielfach wieder der Wunsch nach einer Neugründung des Zie - genzuchtvereins laut, weil man sich nur davon eine Besserung unserer Ziegenzucht verspricht.
Z Beltershain, 26. Oft. Unsere Feld- bereinigung gibt viele Arbeitsmöglichkeiten, infolgedessen gibt es in unserer Gemeinde keine Arbeitslosen. Nach der Zuteilung der Grundstücke und der Versteigerung der Massengrundstücke gehen die Wegearbeiten fort. Durch den Abtrieb des Waldes im Breiteloh, rechts und links der Straße von Beltershain nach Göbelnrod, dessen letztes Stück dieses Jahr fällt, hat die ganze Gegend ihr Aussehen verändert. In dem abgetriebenen Stück des Breitelohwaldes sind nun auch die Schanzen sreigeworden und zum Einebnen den neuen Besitzern übergeben, damit verschwindet ein nicht nur heimatkundlich wichtiges Stück unserer Gegend, sondern auch ein Erinnerungszeichen aus der Geschichte unseres Vaterlandes. Es war im Siebenjährigen Krieg am 1. August 1762, da brach unter der Führung des Prinzen Conde das Heer der Franzosen überraschend gegen Grünberg vor und bezog im Breiteloh ein befestigtes Lager. Daher stammen die Schanzen, die seither im Walde erhalten blieben, nun aber verschwinden sollen.
is. Steinbach, 26. Oft, Nachdem der hiesige Schützenverein bereits die Einzelkreis- m e i ft e r f ch a f t sowie die Gruppenmeister- schaft in diesem Jahre errungen hat, schoß er bei Dem Landesschießen mit 387 Ringen den Wanderpreis des Verbandes hessischer Klein- kaliberschützenvereine. Für die beiden ersteren erhielt er je ein Diplom, der Wanderpreis ist ein wertvoller silberner Pokal. Die Gruppe, welche die beiden letzten Preise errang, bestand aus den Schützen H. L. Gerhard, H. L. Balser, L. Haas VI., H. Port und K. Nikolaus.
■ I) Lich, 26. Oft. Am Freitag nachmittag ereignete sich am Güterbahnhof dahier ein schwerer Anfall. Der Monteur Karl Martin aus Gießen, Lahnstrahr, beschäftigt bei der Firma Möser in Butzbach, war damit beschäftigt, einen zirka 18 Zentner schwe ren Dampfheizungskessel auf einer Rolle von der Dahn nach der Stadt abzutransportieren. Der Mann stand auf dem Wagen und versuchte, den Kessel, der bei einer Bergung des Wagens ins Rutschen kam, festzuhaltk.«. Bei diesem Bemühen wurde er von dem Kessel vom Wagen herabgerissen. Der Kessel fiel zum Teil auf den Mann, der dadurch -^ine Wirbel
fäulenquetschung und Rippenbrüche erlitt. Er wurde in die chirurchische Klinik zu Gießen überführt. (Wie wir hören, ist das Befinden des Mannes den Amständen entsprechend gut.)
ch Bellersheim, 26. Ott. Der vorige Sonntag war für unsere Gemeinde ein Festtag von besonderer Bedeutung. Wir feierten Kirchweihe und zugleich die Einweihung unserer neuen Glocken. Mit Absicht hatte man die Einweihung der neuen Glocken auf den Kirchweihtag gelegt, um dadurch diesem Tage wieder etwas von seiner alten Bedeutung zurückzugeben und ihn zu feiern nach der Väter Weise. Viele, die auswärts wohnen und Bellersheim ihren Heimatsort nennen, waren gekommen, um mit der Heimat diesen Festtag zu begehen. Die geräumige Kirche konnte die Scharen kaum fassen. Mächtig brausten die Lob- und Danklieder unter Begleitung der Musikkapelle durch das Gotteshaus. Ergreifend war es, als nach der Weihe im Gottesdienst die tiefen, feierlichen Klänge unserer neuen Glocken zum erstenmal durch die Kirche hallten. Nachdem die Glocken verklungen, trugen ein Mädchen und ein Knabe zwei packende Stellen aus Schillers Glocke vor. Der Wciheakt war ein- geleikt worden durch Vortrag der Motette „Herr, deine Güte reicht so weit" durch den Mädchenchor unter Leitung von Lehrer De iß, und wurde geschlossen durch das in den Rahmen der Feier einzigartig passende Weihelied des Männerchors „Nun jauchzet auf, ihr Herzen alle, jauchzet auf, es tönt der Glocke Laut". Beide Chöre, letzterer unter Leitung von Adolf Göbel, machten tiefen Eindruck. Der Geistliche, Pfarrer Ger ich, predigte über das Wort, das die Glocken als Inschrift tragen: „Ehre sei Gott in der Höhe, Friedenaus (Erten und den Menschen ein Wohlgefallen." Nach der Predigt sang der Männerchor noch das Lied „Die Himmel rühmen des Ewigen Ehre". Es war eine feine, stimmungsvolle Feier, die wir erleben durften. Es herrschte nur eine Stimme des Lobes über den schönen Klang des nun vierstimmigen Geläutes (es, g, b, c). Die Kosten für die neuen Glocken beliefen sich auf etwas über 7000 Mark, die durch die hohe Opferwilligkeit der Gemeinde fast ganz aufgebracht wurden. Das Holz zum neuen Glockenstuhl stiftete die Mark Bellersheim. Am Schluß der Einweihungsfeier wurde noch einmal Dank gesagt allen, die zum Gelingen des schönen Werkes, das sich den Taten der Väter würdig anreiht, mitbeigetragen haben. Bemerkt sei noch, daß die Glocken von der Firma F. W. Rinker in Sinn gegossen wurden.
Kreis Friedberg.
WER. Bad-Ra uheim. 26. Oft. In einem hiesigen Garten sand man in den letzten Tagen, trotz des in den Gebirgen schon eingezogenen Winters, noch ausgereifte Himbeeren vor. Durch die warmen Septembertage kamen die Stauden hier und da nochmals zum Blühen und es entwickelten sich noch reise Früchte. — Gestern abend kurz nach 6 Ahr wurde laut „Bad-Rauheimer Zeitung" nach einer Villa in der Frankfurter Straße mit scharfer Munition geschossen und die Bewohner in großen Schrecken versetzt. Ob ein Du mm erlangen st reich oder ein Racheakt vorliegt, ist noch nicht aufgeklärt.
Kreis Büdingen.
)( Lißberg-Ortenberg, 26. Oft. In den Kirchen unserer beiden Gemeinden wurde jetzt der zweite Teil des Bethelfilms oorge- iührt. Die sehr zahlreich erschienenen Gemeindeglie- oer folgten mit Spannung und tiefer Ergriffenheit den klaren und schönen Bildern. Diakon Schwert gab zu allen Bildern treffliche Erläuterungen. Gemeindelieder umrahmten stimmungsvoll die Abende und ließen sie zu einer andachtsvollen Feierstunde der Gemeinden werden. An den beiden Nachmittagen wurde der Film für die Schulkinder vorgeführt, die in beiden Gemeinden mit ihren Lehrern sebr zahlreich aus den Orten Lißberg, Eckattsborn, Usenborn, Bobenhausen, Schwickartshausen, Hirzenhain, Ortenberg, Selters, Wiopenbach, Bergheim u. a. m. gekommen waren. Für die Anstalten Bethel und Niederramstadt gingen in Lißberg 103,67 bzw. in Ortenberg 174,82 Mk. ein.
Kreis Schotten. *
Schotten, 26. Oft. Gestern begann hier im Rathaussaal ein 14tägiger ^Lehrfursus für die nebenamtlichen Handarbeitslehre- rinnen an den Fortbildungsschulen. Es beteiligen sich daran sämtliche in Frage kommenden Lehrpersonen des hiesigen Bezirks. Der Beginn der Fortbildungsschule für die Orte, die während der Sommermonate keinen Anterricht hatten, ist am 1. Rovember.
)—( Ruppertsburg, 26. Oft. Auch die B e- zirkssparkasse L a u b a ch hat an die ihr an- gegliederten Schulsparkassen Stundenpläne, Kaienderchen und Lesehefte, betitelt „Empor aus eigener Kraft!" verteilen lassen. Das Schriftchen ist gut geeignet, im Lese- und Rechenunterricht der Oderklassen der Volksschulen und der Fortbildungs- schulen benutzt zu werden und so den Sparsinn zu fördern. — In den umliegenden herrlichen Waldungen der Gemeinde Ruppertsburg und Standes- herrfchaft Laubach ist in diesem Herbste eine recht reiche Bucheckernernte zu verzeichnen. — Auch hier setzt sich allmählich die Auffassung immer mehr durch, daß in der Pflege der Obst- bäume, insbesondere durch energische Schädlingsbekämpfung, mehr als seither geschehen muß. Nicht nur die Gemeinde hat ihre Apfelbäume mit Klebgürteln versehen lassen, auch auf Privat- grundstücken sieht man Leute mit dem Anlegen dieser Fanggürtel, die der Obstbauverein für seine Mitglieder gemeinsam bezogen hat, beschäftigt. Nur sollte man bedenken, daß man auf diese Weise nur den Frostnachtspannern zu Leibe rückt und auch gegen die vielen anderen Schädlinge während des Winters und Frühjahrs durch Kratzen, Bespritzen usw, energisch oorgegangen werden muh.
Kreis Alsfeld.
XlX Ruppertenrod, 26. Oft. Hier herrscht seit einiger Zeit der Keuchhusten ziemlich stark. Viele schlimme Fälle sind zu konstatieren, sogar 9—10jährige Kinder wurden von der Krankheit befallen. Die Eltern sollten bei dieser Krankheit nicht versäumen, rechtzeitig den Arzt in Anspruch zu nehmen.
Kreis Lauterbach.
fl. Lauterbach, 26. Oft. Am Samstagabend fand hier in der Adolf-Spieß-Turnhalle ein Werbeabend des Turnvereins Lauterbach 1 8 6 2 statt. Sowohl aus unserer Stadt, als auch aus den Nachbarorten, ja aus dem Vogelsberg und dem Schlitzerland waren Turner herbeigeeilt, so daß die große Turnhalle dicht besetzt war. Der Verein zeigte verschiedene Arten von Gewandtheits- Übungen für die verschiedenen Turnstufen, Hantelübungen und Keulenschwingen, ferner sehr schöne sog. 'Nacktfreiübungen für die Oberstufe. Auch die


