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der Gröhe nicht fehlen durfte. M3<b denke," so fasste der Minister,dah die Verehrung Friedrichs des Drohen dem ganzen deut- s ch e n Volke zukommt. Ein bayrischer Einspruch gegen die Fridericusmarke ist keineswegs erfolgt." Die Zehnpfennig-Marke sei übrigens keineswegs die am meisten gebrauchte. Die AuslandS- marke sei die 25-Pfennig-Marke, auf der Goethe, der anerkannteste grohe Deutsche der Vergangenheit, dargestellt sei. Politik sei für daS Reichspostministerium nicht in Frage gekommen. Es seien allein sachliche Gesichts- punkte maßgebend gewesen. Eine Zurücknahme der Fridericusmarke sei schon aus technischen Gründen nicht möglich und werde nicht erfolgen. Kleber das Arbeitsprogramm der Reichspost sagte der Minister, daß die gegen­wärtige Finanzlage der Reichspostverwaltung keine kostspieligen Reuerungen gestattet, wie etwa eine Vermehrung der Postaustragung und der Leerung der Briefkästen. Die technischen Versuche der Reichspost werden mit allen verfügbaren Mit­teln fortgeführt, die -um Teil bereits durchgeführte Mechanisierung des Betriebes soll je­doch nicht etwa noch einen neuen Beamtenabbau bringen. Die Post arbeitet mit dem denkbar klein­sten Personalstand. Auf dem Gebiete des Rundfunks und der Verbesserung der ileber- tragung unterhaltender Darbietungen werden ständig neue Versuchs angestellt.

DeutschlandsBeschwerden an Polen.

Gegen Ausweisungen Deutscher aus Ostoberschlcsien und Beschlagnahme deutschen Kirchcngutes.

Berlin, 27. Ott (Wolff.) Die Reichsregierung hat an die polnische Regierung zwei Äeschwerde- nolen gerichtet. In der ersten wird gegen d i e Ausweisung von zwei reichsdeutschen Leitern industrieller Werke in Ost- o b e r s ch l e s i e n , die bis zum 1. Rovember das polnische Gebiet verlassen müssen, Einspruch er­hoben. Dieser Fall ist gleichzeitig bei den Verhand­lungen über das Riederlassungsrecht mit der pol­nischen Delegation in Berlin zur Sprache gebracht worden, wobei im allgemeinen auf d i e schika­nöse Behandlung Reichsdeutscher in Ostoberschlesien, besonders durch rigorose Besteuerung, hingewiesen worden ist. Die Rieder- lassungsverhandlungen gehen nur sehr lang- f a m vor sich. Die zweite deutsche Beschwerdenote erhebt Einspruch gegen den Liguidations- beschluh, der sich gegen 17 wohltätig- keitsan st alten des Deutschen Frauen- Vereins in Posen und Pommerellen richtet. Auch hier war die deutsche Regierung gezwungen, in einer Beschwerdenote gegen diese Liquidation Ein­spruch zu erheben, da es sich nach der deutschen Auf­fassung hier um Eigentum handelt, das wie fiir- chengut behandelt werden muh und infolge­dessen der Liquidation nicht unterliegt. Auch der kattowihec volksbundprozetz dürfte noch ein diplo­matisches Rachspiel haben.

yilfudskis neueste Pläne.

P i l s u d s k i neuestes Ziel scheint die Wie­de r a u f ri cht u n g deS alten König­reiches zu sein Gr soll sich bereits dahin festgelegt haben, sich mit allen Kräften dafür einzusetzen, dah dem Fürsten Radziwill die Königskrone angetragen wird. 3nnenpolitisch dürfte das ein sehr geschicktes Manöver sein, da er als Vorkämpfer der Monarchie sehr rasch die Unter st üyung der großen Polt- tiichen Rechtsparteien erhalten kann, während er heute weder rechts noch links Sym­pathien besitzt unb mit fernem Heer ziemlich isoliert dasteht. Aber die Radziwills sind nicht die einzigen, die Anspruch auf die Krone Polens erheben. Eine ganze Reihe sehr ange- ' sehener Familien glaubt ebenfalls das Recht der Anwartschaft auf den polnischen Thron zu .besitzen. Von ihrer Seite droht also die Ge­fahr, daß sie die Pläne Pilsudskis durchkreuzen t und die Ausrufung des Fürsten Radziwill zum polnischen König verhindern werden Man kann F" wohl mit ziemlicher Sicherheit annehmen, daß Pilsudfki mit seiner Absicht nicht durchdringen '' wird, wenn er es auch sehr gerne sehen würde, hinter sich einen königlichen Blitzableiter zu wissen, trotzdem aber unbehindert als Diktator weiter herrschen zu können

Die neue Lage in der Tschechoslowakei.

Ailtonomiewünsche der Slowake«.

Prag, 26. Oft. (WD.) 3m Zusammenhang mit den Verhandlungen des Ministerpräsidenten S v e h l a mit dem Führer der Slowakischen Volkspartei, Abgeordneten H l i n k a , findet am 23. Oktober in Rosenberg eine gemeinsame Sitzung der Abgeordneten und Senatoren der Slowa­kischen Volkspartei statt, in der über die weitere Taktik der Partei, insbesondere die Entscheidung über einen etwaigen Eintritt in das Ka­binett und über die Bedingungen, unter denen Lies geschehen könnte, entschieden werden soll. Hlinka erklärte in seinem Organ, daß der Pitts­burger Vertrag die Achse seines politischen Pro­gramms set Das ist alfo die vollständig« Autonomie der Slowakei mit eigenem Landtag, eigener politischer und Finanzverwal- tung, mit slowakischer Staatssprache und voll­ständiger Autonomie in Schulsachen.

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Italiens Außenpolitik.

Unmögliche Bedingungen für einen Pakt mit Deutschland.

Rom 26. Oft. (WB.) Ein Leitartikel des BlattesLavoro d'3talia" meint, daß die Po­litik Mussolinis die Aufmerksamkeit der gan­zen Welt auf die italienischen Probleme und Bedürfnisse gezogen habe. 3talien fei durch feste Bande mit England verbunden. Die Bedro­hung infolge einer etwaigen deutsch-französischen Verständigung sei ein Hirngespinst, wie man deutlich aus dem Zögern und den Zwei­feln, die Berlin und Paris in den letzten Tagen bekundet hätten, ersehen könne. 3n bezug auf Deutschland und Frankreich habe 3talien nur friedliche Absichten. 3n bezug auf Deutschland feien öte in den beiden bekannten Reden Musso­linis aufgeftellt.m Forderungen unantastbar, so­daß keinerlei Diskussion über die Rechte 3taliens in Südti rol ober über

die Einverleibung der österreichi­schen Republik in das Deutsche Reich ge­stattet sei. Außerhalb dieser beiden Fragen seien alle Abkommen möglich. Frankreich müsse die Gewohnheit ablegen, italienische Kla­gen stillschweigend zu übergehen, als ob 3talien ein Kleinstaat sei, den man an der Rase herum­führen könne.

Verhaftung eines Erzbergermörders?

Paris, 26. Oft. (Wolff.) Aus Kolmar wird über die dort erfolgte Verhaftung eines an­geblichen Erzbergermörders folgendes gemeldet: Die Polizei hat am Samstag nachmittag einen, Mann, der sich Fournier nannte und als Straßburger ausgab, festgenommen. Fournier, der einer der Haupturheber der Ermordung Erz­bergers sein soll, hat sich im vergangenen 3imt in Kolmar niedergelassen: er wohnte zusammen mit einer Kellnerin aus dem Saar­land. Vor zwei Wochen hat Fournier, der sich in der ersten Zeit sehr unauffällig verhielt, mit einem Landsmann namens Zintz dieElsässische Garage Zintz & Co"' errichtet. Der Polizei zu- gegangene Mitteilungen über seine Geschäfte ver­anlaßten eine unauffällige Untersuchung, durch die festgestellt wurde, daß der angebliche Four­nier ein Deutscher ist. Es ist noch nicht ermittelt, woher und auf welche Weise er nach Frankreich gekommen ist. Der Festgenommene hat bisher jede Aeuherung über seine an­gebliche Teilnahme an der Ermordung Erzber­gers und über die Herkunft der bei ihm Vorgefundenen, ihn in dieser Hinsicht kompromittierenden Pa­piere abgelehnt. Diese Paviere beweisen, wenn nicht seine Beteiligung an der Ermordung Erzbergers, so doch seine engen Beziehun­gen zu den Elementen, die die Urheber der Ermordung Erzbergers sind. Die Polizei glaubt, den wirklichen Rainen des Verhafteten zu Lennen, lehnt es aber ab, ihn vor einer sicheren und einwandfreien 3dentifizierung bekanntzugeben. Die Verhaftung des angeblichen Fourniers ist erfolgt wegen Verletzung der polizeilichen Be­stimmungen über den Aufenthalt von Fremden.

DerTemps" meldet, dah die Identität des an­geblichen Fournier, der sich auch einige Zeit in Sidi bei Abbes (Algier) aufgehalten habe, noch nicht festgestellt sei. Der Verhaftete habe allerdings erklärt, E d e l ni a n n zu heißen und Offizier im deutschen Heere gewesen zu sein. Die Polizei habe den Verhafteten dem Erkennungsdienst übergeben und seine Photographie der deutschen Polizei und der Staatsanwaltschaft in Offenburg i. B. über­sandt, die in der Erzbergerangelegenheit die Unter­suchung geführt hat, um festzustellen, ob der angeb­liche Fournier nicht der Mörder Tillessen oder sein Mittäter ist. Erst am Donnerstag oder Freitag würde man über die Identität des Festge­nommenen unterrichtet sein. Nichts erlauve aber zu bestätigen, daß er an der Ermordung Erzbergers beteiligt gewesen sei. Jedenfalls stehe der Name Edelmann falls er wirklich so heiße nicht auf der Liste der von den deutschen Gerichten noch immer gesuchten Mörder. Die in dem Zimmer des Verhafteten gefundenen Papiere ließen aller­dings die Annahme zu, daß er In Beziehun - gen zu den Urhebern des Mordes gestanden hat.

Die Lektion für Dichtkunst an der Berliner Akademie.

Berlin, 26. Oft. (WD.) 3n der Vollsitzung der Preußischen Akademie der Künste wurde heute abend 6 Hhr in Anwesenheit des preu­ßischen Ministers für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung, Professor Dr. D e ck e r , die neu­gegründete SektionderDichtkunst eröffnet, der als erste Mitglieder Dr. Ludwig Fulda, Dr. Arno Holz und Proscs'or Dr. Thomas Mann sowie Hermann Stehr, und als wis­senschaftliche Senatoren Llniversitätsprofessor Petersen und Geheimrat Dr. B u r d a ch ange­hören.

Der Präsident der Preußischen Akademie, Professor 7Nax Liebermann, würdigte in seiner Begrüßungsansprache die Ver­dienste des preußischen Kultumninisters bei lieber« windung der Schwierigkeiten, die sich der Gründung der neuen Sektion entgegeng.estellt haben, und sprach die Hoffnung aus, daß auch manche andere Pläne der Akademie, die an autoritativer Stelle schon als berechtigt anerkannt seien, bald in die Tat umgesegt werden. Bei der Umschreibung der Aufgaben der neuen Sektion sagte er: Wir sollen ohne Vorein­genommenheit auch die Ideale der jünge­ren Generation zu verstehen suchen. Bei dieser Umstellung unserer Mentalität kann uns die neue Sektion wesentliche Dienste leisten. In der Ver­mittlerrolle, die der Akademie obliegt, können gerade die Dichter tiefgehendere Wirkungen er­zielen als ihre Kollegen von den Fakultäten für Musik und bildende Kirnst.

Der preußische Kultusminister Dr. Becker dankte Liebermann für dessen Bemühungen in seiner bald siebenjährigen Präsidentschaft, die Akademie der Künste aus unfruchtbarer Isoliert­heit zur Mitwirkung t m Kun st leben unserer Zeit zu führen. 3m Zusammenhang mit den Aufgaben der neuen Sektion, die die erste staatlich autorisierte Vertretung des deutschen Schrifttums darstelle, erinnerte der Minister an die Beratung der Regierung in der Frage der Dauer der gesetzlichen Schutzfrist für die Werke der Literatur, an den Schiller- und Robelpreis und an die Maßnahmen zur Lin­derung der dringendsten Rotlage der freien Geistesarbeiter. Zur Förderung des dichterischen Rachwuchfes empfahl er das System der Reise­stipendien und literarischen Preise und gab bekannt, daß in dem Voranschlag sür den preußischen Staatshaushalt für 1927 ein Betrag von 3000 OHarf für einen von der Literarischen Sektion auszuschreibenden Staats­preis vorgesehen ist und daß ferner die Witwe des verstorbenen Ehrenmitgliedes der Akademie, Geheimrat Eduard A r n h o l d, 2000 Mark jähr­lich der Akademie für einen Eduard-Aonhold- Preis stiftete. Der Minister sprach die Hoffnung aus, daß diese Stiftung ein weithin sichtbares Beispiel geben möge und schloß mit Darlegungen über das Verhältnis zwischen Kunst und Staat, die beide Diener sein sollen am gemeinsamen Werk der Erhaltung der Kultur des Vaterlandes. Als Vertreter der Mitglieder der neuen Sektion antwortete

Thomas Mann, indem er in feinsinnigen Darlegungen an die Schluhsentenz des Ministers anknüpfte, dah

Kunst und Staat aufeinander ange­wiesene Organe des nationalen Le­bens seien und im Gegensatz mit der anderen These beleuchtete, wonach jeder Künstler seine eigene Akademie ist. Der deutsche Schriftsteller empfindet sein Offiziellwerden, fo sagte er, vor allem als Verlust seiner rädikalen Freiheit und llnbedingtheit seiner Existenz. Seine Bedenken können nicht auf gedanklichem Wege überwunden werden, sondern nur auf dem Wege inneren Erlebnisses und der großen Entdeckung, daß das dichterische Schrifttum wirklich und nicht nur offiziell redensartig Organ des nationalen Lebens ist. Thomas Mann schloh mit dem Ver­sprechen, daß die E r g ä n z u n g s w a h l e n, die den Mitgliedern der neuen Sektion zunächst ob­liegen, mit vollem Freisinn und nur mit dem Sinn für Rang und Würdigkeit vorge­nommen werden sollen.

(Ein Zwischenfall ereignete sich nach einem uns eben zugegangenen Funkspruch, als Arno Holz, der als Redner nicht vorgesehen war, es durchzusetzen wußte, daß er das Wort erhielt. Er wiederholte seine bereits in einem Schreiben an Liebermann nieder- gelegte Kritik des Akademie st atuts und kündigte an, daß er mit mehreren Herren aus der Mitte der Versammlung, die sich dazu bereit erklärt hätten, unter Hinzuziehung von juristisch geschulten Sachverständigen einen neuen Statutenentwurf ausarbeiten werden. Als Arno Holz den Akademie-Präsi­denten Max Liebermann scharf angkiff, ver­wahrte sich die Akademie gegen die Angriffe auf ihren Präsidenten. Ludwig Fulda wies auf die Rotwendigkeit hin, die Debatte über die Statuten zurückzustellen und zuerst praktische Arbeit zu leisten.

Kunst und Wissenschaft.

Kongreß der internationalen Bereinigung für Rechts- und WirtschaftsphNofophie.

Die internationale Vereinigung für Rechts­und Wirtschaftsphllosophie, die mehrere tausend Mitglieder zählt, veranstaltet in Berlin vom 26. bis 29. Oktober ihren 4. Kongreß. Der Kongreh wurde unter zahlreicher Beteiligung von Ju­risten fast aller Kulturstaaten und Vertretern der Reichs-, Staats- und Kommunalbehörden feierlich eröffnet. Auf die Begrühungsworte des Vor­sitzenden der Vereinigung erwiderte Reichsminister Dr. Bell u. a. folgendes:

Die schweren politischen und wirtschaftlichen Er­schütterungen, die hinter uns liegen, haben an die Gesetzgebung gewaltige Anforderungen gestellt und stellen sie noch immer. Hier bedarf die Rechtspolitik eines weisen Kompasses, damit die Vielheit des posi­tiven Rechtes die einheitliche Grundlinie nicht verliert. Aber nicht nur für die Rechtspolitik des Gesetzgebers kann die rechtsphilosophische Be­trachtung fruchtbar fein, sondern noch in weiter- gehendem Maße dadurch, daß sie die am öffentlichen Leben beteiligten wirtschaftlichen und politischen Gruppen und mehr noch jeben einzelnen Bürger zur Besinnung auf die großen Zusammen­hänge des Rechtslebens und zur Einstel­lung auf die R e ch t s i d e e beeinflußt."

Die Berliner Weltausstellung für 1930.

Zwischen dem Deutschen Werkbund und dem Berliner Magistrat schweben Verhand­lungen über die Veranstaltung einer großen inter­nationalen Ausstellung im 3ahre 1930, die im "Laufe dieser Woche fortgesetzt werden. Die in Betracht kommenden industriellen Stellen haben sich damit einverstanden erklärt, daß die Aus­stellung in Berlin stattfinden soll. Als Ausstel­lungsgelände kommt der Raum zwischen Kaiser­damm, Eichkamp und Grünewald in einer Gröhe von über 100 Hektar in Betracht. Es soll die Errichtung von zwölf großen Hallen, darunter einem großen Kongreh- u. Konzert- Hau ß, projektiert sein. Auch gartentechnisch soll das Gelände in vorbildlicher Weise ausgestaltet werden. Bei der Ausstellung soll es sich um eine Bauausstellung handeln, mit _ der eine internationale Werkbund-Ausstellung für 3nnen- Einrichtung usw. verbunden werden soll.

Wo mirbeau einen Cezanne fand.

Zwei Jahrzehnte sind >etzt seit- dem Tode des großen französischen Maler Paul Cszanne ver­flossen, und die Kunstgeschichte hat ihn als einen der größten Meister anerfannt, der der Welt eine neue Schönheit offenbarte und einen neuen Stil schuf. Bei Lebzeiten aber ist dieser Meister nur wenig geschätzt und noch in der Epoche seines reichsten Schaffens geradezu verachtet worden. Der feine Dichter Octave Mirbeau, der als einer der ersten für ihn eintrat, hat darüber eine bezeichnende Geschickte erzählt.Als ich eines Tages", schreibt er,bei meinem Verleger Charpentier war, mußte ich plötz­lich einen Ort aufsuchen, zu dem sich selbst die Könige zu Fuß begeben. In dem verschwiegenen kleinen Gemach hing ein Bild, das mir ein Meister­werk zu sein schien. Um es genauer zu betrachten, kletterte ich auf den Sitz und schrie von meinem Throne aus laut auf:Das ist ja ein herrliches Ge­mälde, das ist ein Cszanne ersten Ranges!" Man hörte mein Rufen, stürzte herbei und suchte die Tür einzuschlagen, denn man glaubte, ich sei verrückt ge­worden ober habe einen Schlaganfall bekommen. Was ist denn mit Ihnen?" fragte Charpentier, als ich die Tür freiwillig öffnete.Wissen Sie, was das ist?" erwiderte ich feierlich, indem ich auf das Bild zeigte.Ein Schund ist cs," sagte mein Verleger, ohne aus der Ruhe zu kommen,ein wertloser Schund, den Zola von einem offenbar verrücken Menschen bekommen und den er mir angeschmiert hat. Ich wollte es gern verschenken, aber niemand wollte es nehmen-, einer drohte mich sogar zu ver­klagen, wenn ich es ihm schickte, da habe ich es hier untergebracht."Sie sind ein Barbar", rief ich. Charpentier war mir sehr dankbar, als ich das Bild mitnahm, und so kam ich in den Besitz eines der schönsten Werke des Meisters."

Aus aller Welt.

Die Anklage gegen den Iuwelenräuber Spruch.

Der verwegene 3uwelenraub in dem Berliner 3uweliergefchäft Marotli & Freuk in der Tauentzienstraße wird in überraldjenö schneller Weise seine gerichtliche Sühne finden, obwohl der Mittäter Paul Gerlach noch nicht ge­faßt ist. Johannes Spruch ist bereits die An­klageschrift im Untersuchungsgefängnis Moabit zugestellt worden. Er wird sich am 30. Rovember vor dem Erweiterten Schöffengericht Charlotten- burg unter Vorsitz von Landgerichtsdirektor Crohne wegen schweren Raubes mit Waffengewalt, Rötigung und uner­laubten Waffenbesitzes zu verantworten

haben. MitanaeNagt sind wegen Hehlerei Mur Schwester Charlotte Spruch und die Filmstattstin Else Ringshausen.

Die Automobilstrahe KölnDüsseldorf.

Der Provinzialausschuß der Rheinprovinz hat sich mit dem Vorschlag deS Landeshauptmanns in der Frage der Äutonwbilftrahe KölnDüssel- dorf und mit der Derlängerungsmöglichkeil nach Essen und DuiSburg einverstanden erklärt, sowie den Landeshauptmann beauftragt, mit größtem Rachdruck die weiteren Schritte bei der Reichs- und Staatsregierung zur Erlanaung der notwendigen Mittel aus der produktiven Er- werbslosenfürsorge zu unternehmen.

Zum Freiburger Rulschbahnunglück.

3m Laufe der Rächt ist der 13jährige Rudolf Flügel aus Freiburg feinen Verletzungen, die er sich bei dem Rulschbahnunglück zugezogen hat, erlegen. Damit erhöht sich die Zahl der ums Leben gekommenen Personen auf zwei. Der Zu stand des dritten Verletzten ist noch immer sehr ernst.

Einbruch im Bierfener Rathaus.

Dienstag Nacht drangen Diebe in das Bürger­meisteramt, öffneten mit Nachschlüsseln das Amts­zimmer des Bürgermeisters, des Stadtdirektors und die Tür des Standesamts, wo sie die Schränke und Tische erbrachen. Die Diebe drangen bann durch ein Fenster des Stadthauses ein, erbrachen auch dort die Schranke und erbeuteten mehrere Hundert Mark.

Zum Tode verurteilt.

Das Berliner Schwurgericht sprach den Buch­halter Walter Schumann schuldig, den Tabakhändler Wilhelm Wurzel am 25. Dezember T923 ermordet und beraubt zu haben, und verurteilte ihn roeaen Raubmordes zum Tode und dauerndem Verlust Der bürgerlichen Ehrenrechte. Der Angeklagte nahm das Todesurteil ohne jegliche Gemütsbewegung auf.

Schlangentee.

Brühen von gekochtem Schlangenfleisch, Pul­ver aus getrockneten Rattern und Eidechsen Ha- Ven lange Zeit als wichtige Heilmittel gegolten. 3n Frankreich werden sie noch heute auf dem Lande benutzt, und erst im 3ahr« 1889 ist das Vipernpulver" aus dem offiziellen Arzneimittel­schatz der Aerzte gestrichen worden. Diese Tat­sachen hebt ein Aussatz von Dr. Mathiex in der PariserLibertö" hervor. 3n den Savennen sammelt man noch heute eifrig Schlangen, die getrocknet und dann mit Wasser ausgekocht wer­den. Diese Flüssigkeit wird gegen Erkältungen und Fieber angewendet; sie öffnet die Poren und soll eine starke schweißtreibende Kraft haben. Die Verwendung des Mittels läßt sich in der Geschichte weit zurückverfolgen. Vipern bildeten den Hauptbestandteil jenes lange Zeit so viel benutzten Allheilmittels, das manTheriak" nannte. So erzählt z. B. Mme. Sevignö von einer bekannten Same, daß sie durch eine Vipernboillon" von schwerer Krankheit voll­kommen geheilt worden sei. Als die Königin Anna von Oesterreich 1663 von einem heftigen Fieber ergriffen wurde, verordneten ihr die Aerzte einenSchlangentee", von dem siemit einer bewunderungswürdigen Schnelligkeit" ge­nas. 3m 17. 3ahrhundert war die Verwendung von Schlangen für Arzneimittel so groß, daß die Tiere zu Tausenden, immer in Bündeln von zwölf zusammen, nach Paris gebracht wurden.

(Ein Jrauenreforb des Schweigens.

Ein Frau, die ein Geheimnis mehr als 30 3ahre lang treu bewahrt, dürste gewiß eine Seltenheit sein. Das weibliche Wesen, das diesen Rekord aufstellte, war aber eine 3ndianerin, die Squaw des Häuptlings der Shoshone-3ndianer 3ohn King. 3ohn King oderCreek 3ohnny", wie er allgemein genannt wurde, war dadurch berühmt geworden, daß er eines Tages mit großen Goldllumpen und eine Menge Gold­staub auftauchte, die er nach Verington, einer Stadt am Westrande des Wüstengebietes von Revada brachte. Man hatte alle Mittel ver­sucht, um ihm das Geheimnis zu entreißen, woher dies Gold stammte, das die Quelle seines Reich­tums geworden war, aber man konnte ihm nicht ein Wörtchen abringen. Als er starb, glaubte man, er habe seine Kenntnis dieses Goldschatzes mit ins Grab genommen. Run wird endlich das Geheimnis durch einen Bericht der Reuyorker Sun" gelüftet. Danach hatte der alte 3ohn auf seinem Totenbette seiner Frau die Stelle des Goldlagers anvertraut, ihr aber das Versprechen abgenommen, das Geheimnis ihres Stammes während ihres ganzen Lebens zu bewahren. Sie hielt treu ihr Gelübde, und erst, als sie selbst ihr letztes Stündlein herannahen fühlte, machte sie ihrem Schwiegersohn Mitteilung, dem jetzigen Häuptling des Stammes. Dieser glückliche Erbe des Geheimnisses verlor keine Zeit, um sich in) den Besitz des verborgenen Reichtums zu setzen und brachte ebenfalls reiche Goldschätze mit, wie der alte 3ohn vor 30 3ahren. Die Folge davon war, dah ein wilder Ansturm nach den wüsten Gegenden Revadas einsehte, bei dem Bergwerks- sachverständige, Mineralogen, Goldsucher _unö Abenteurer aller Art die Abhänge und Höhen des Grand Range durchforschten in der Hoffnung, ein neues Dorado zu finden.

Fremdwörter sind Glückssache.

Bei der Augenuntersuchung der Schulkinder entdeckt der Schularzt, daß Peter Knoll hoch­gradig an Kurzsichtigkeit (Myopie) leidet, und er teill das pflichtschuldigst dem Vater mit: Sehr geehrter Herr Knoll! 3ch habe bei der älntersuchung 3hres Sohnes bedenkliche Zeichen von hochgradiger Myopie festgestellt; bitte, tun Sie etwas Energisches dagegen, damit das Hebel nicht fortschreitet." Am andern Tage bringt Peter in wenig vergnügter Stimmung denselben Zettel dem Schularzt zurück. Auf der Rückseite sind die mit starker Hand geschriebenen Worte zu lesen: 3ch habe dem Galgenstrick eine tüchtige Tracht Prügel verabreicht. Der Unfug wird nicht noch einmal vorkommen. Der betrübte Vater."

Wettervoraussage.

Allmählich erneute Eintrübung und Heber- gang zu Regen, auffrischende südliche bis west­liche Winde, milder.

Die Wetterlage ist schnellen Veränderungen unterworfen. Während auf der Rückseite eines abgezogenen Wirbels kalte Luft nach Mittel­europa vorgedrungen ist, erfolgt gleichzettig von Westen her erneutes Vordringen von wärmerer südlicher bis westlicher Luft, deren Ausgleitungs- zone über Mittelengland liegt und die sich in östlicher Richtung ausbreitet.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 6 Grad Celsius, Minimum: 1,5 Grad Celsius. Riederschläge 3,6 Millimeter. Heuttge Morgen- temperatur: 3,1 Grad Celsius.