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Lehmann aug Plauen in Wort und Dill» die Entstehung und den Werdegang des Deutschen Museums in München schildern wird. Hierzu chreibt man uns noch: Der historische Gedanke dÄ Museums ist so eingestellt, daß die Kultur- erscheirnmgen Jahrhunderte und Jahrtausende hindurch verfolgt werden formen. (Zeder Kulturortschritt hat Aufnahme gefunden, es gibt nichts in der Wissenschaft, Technik und dein Verkehr, was nicht ausgiebig behandelt und eingehend dargestellt ist. Es ist somit ein sehr interessanter Abend zu erwarten. (Siehe heutige Anzeige.)
— Gernhardtscher Zither- und Manbolinen-Chor. Nächsten Sonntagabend im Katholischen Vereinshaus volkstümliches Zither-Orchester-Konzert. Näheres in der heutigen Anzeige.
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auS. Der Verein kann diese Veranstaltung als einen wertvollen Gewinn in seiner Geschichte vermerken. .,
•• 3m Lichtspielhaus Bahnhof - traft« gelangt gegenwärtig der Militärschwank »Wir sind vom t und I. Znfanterie-Negiment" zur Vorführung. Das Wien vergangener Tage bildet den Schauplatz der — natürlich unwahrscheinlichen — Handlung, di« sich in flottem Tempo abwelkelt und verschiedene Momente trefflicher Situationskomik aufweist. 3m Mittelpunkt des Spieles steht Paul Heidemann in der Nolle des falschen Leutnants Pcpi Psundmewr. Die Art seiner Darstellung erinnert in mancherlei Hinsicht lebhaft an Reinhold Schun-el. ohne aber an dessen künstlerische Leistungen vollständig heranzureichen. Eine tolle Mlmposse vervollständigt das sehenswert« Programm.
' Die Maul- und Klauenseuche ist neuerdings in Dortelweil und Rodheim v. d. H. (Kreis Friedberg), Aulendiebach (Kreis 'Bübingen), Stockhausen und Bissenberg (Kreis Wetzlar), sowie in Wolfshausen (Kreis Marburg) ausgebrochen. 3n Leihgestern, 3nheiden und Lauter (Kreis Gießen), Dornholzhausen und Katzenfurt (Kreis Wetzlar) ist die Seuche erloschen.
** Don der Landesuniversität. Der Prioatdozent Dr. Gottfried Max D i n g l e r aus München wurde mit Wirkung vom 1. Oktober 1926 an zum außeretatsmäßigen außerordentlichen Pro» essor für Forstzoologie und Schädlingsbekämpfung in der philosophischen Fakultät unserer Landesuni- oersität ernannt.
** (Eine Polizei Verordnung für d e n Fluglandeplatz Gießen ist jetzt von dem Polizeiamt Gießen erlösten worden und sofort in Kraft getreten. Für das Publikum sind folgende Vorschriften wichtig: Die Grenzen des in der Gemarkung Gießen auf dem „Vordersten Stolzen Morgen" liegenden Flugplatzes sind durch weißge- trichene, an den Endpunkten niedergelegte Brester kenntlich. Das Betreten und Befahren des Flugplatzes sowie das Reiten auf demselben ist Unbefugten verboten. Der Flugplatz bleibt ausschließlich dem Luftverkehr vorbehalten. Zuschauer dürfen sich nur auf den zugewiesenen Aufstellungsplätzen aufhalten. Das Aussteller, von Kraftfahrzeugen und anderen Fahrzeugen darf nur auf den zugewiesenen Plätzen erfolgen. Ausgenommen hiervon sind Fahrzeuge, die der Start» und Flugleitung zur Verfügung stehen, und die als solche kenntlich gemacht sind. Hunde müssen an einer kurzen Leine geführt werden. Die allgemeinen Bestimmungen über das Führen von Hunden (Maulkorbzwang und dergleichen) werden durch diese 23erorbnung nicht berührt. Das Betreten der Räume der Flugleitung, der Werkstätten und anderer, der Bodenorganisation des Luftverkehrs dienenden Räumlichkeiten ist ohne besondere Genehmigung der Flugleitung im Benehmen mit der Polizeiflugwache untersagt. Es ist verboten, in der Nähe der Flugzeuge und der Tankanlagen zu rauchen, unverwahrtes Feuer und andere Leuchtmittel außer elektrischen Glühlampen mit Ueberglocken zu benutzen sowie brennende Streichhölzer fortzuwerfen. Den Anordnungen der Beamten des Lustüberwachungsdienstes ist Folge zu leisten. Sofern nicht nach allgemeinen Strafgesetzen höhere Strafen verwirkt sind, werden Uebertretungen dieser Verordnung mit Geldstrafe bis zu 150 Reichsmark, im Falle des Unvermögens mit entsprechender Haft bestraft.
Ernannt wurde der Lehrer Adolf Edelmann zu Storndorf (Kreis Alsfeld) zum Lehrer an der Volksschule zu ‘Beuern (Kreis Gieften).
•* D i e Matthäus-Gemeinde veran- stallet jeden vierten Freitag des Monats nach dem Muster anderer Gemeinden (BerÜn, Köln, Frankfurt a. M.) Konfirmanden stunden für Konfirmierte, d.h. Zusammenkünfte der Erwachsenen, in denen in der Form der ■Unterredung oder der Bibel stunde die großen Fragen des christlichen Glaubens besprochen werden. Beabsichtigt wird engster Zusammenschluß der verschiedenen Bereinigungen der Gemeinde und eine vertiefte christliche Erkenntnis in lebendiger Auseinandersetzung mit der modernen Welt und ihren Widerständen. Die erste Zusammenkunft findet am Freitag, 29. Oktober, abends 8 Uhr im Matthäus-Saal statt. (Siehe Anzeige.)
*• Aufter Lebensgefahr. Das Befinden des Fahrburschen Hans H e n ft. der bekanntlich von dem Bäckergesellen in leichtsinniger Weise schwer angeschossen worden war, hat sich nach etwa zehntägigem gefahrvollen Krankenlager nun gebessert. Lebensgefahr besteht für den Mann nicht mehr, immerhin wird er zunächst noch in der Klinik verbleiben müssen.
WSN. Die Schnakenbekämpfung im Winter ist besonders wichtig. Nur bei strengem Winter suchen die Schnaken die Kellerräume der Häuser auf, bei mildem Wetter bleibt der größte Tell im Freien. 3n den Kellern sitzen sie auch nur bei Kälte an den Wanden fest, während sie sonst beim Absprihen oder Abbren- nen auffliegen und dadurch vielfach der Vernichtung entgehen. Das bisher bewährteste Mittel der Sch.iakenbekämpfung ist das Abbrennen. Es geschieht am besten in der Weise, daft man einen Stock mit Asbest umwickelt. Man braucht dazu einen Streifen, der etwa 30 Zentimeter lang und fünf Zentimeter breit ist. Den so entstandenen Kolben taucht man in Brennspiri- tus und fährt damit an den Wänden entlang, immer von oben nach unten. Cs muft aber sehr schnell gehen, damit nicht doch einige Schnaken davonfliegen. Und im übrigen muft man darau achten, daft nicht etwa ein Brand entsteht.
RDD. Erleichterter Besuch der Kriegergräber in Frankreich. 3m Hinblick au die nahenden Totengebenhage (1. November, Aller- heiligen.und 21. November, Totensonntag) sei barauf
Die Aulolinie Gießen - Holzheim konzessioniert.
ch Grün in gen, 26. Oft. Wie kürzlich im »Gieß. Anz." berichtet wurde, hatte die Reichsbahn gegen die Eröffnung der Autolinie Gießen — Steinberg — Grüningen — Holzheim Einspruch erhoben. Herauf hatten die Gemeindevertretungen der in Frage lammenden Gemeinden eine Kommission gewählt, die mit der Reichsbahn in Verbindung trat. Die Reichsbahn- direktion nahm aber den Einspruch nicht zurück. Darauf ist d e Kommission bei dem Ministerium vorstellig geworden und hat nun von diesem die Konzession erlangt. Das gegen den Unternehmer der Autolinie ein geleitete Strafverfahren wurde aufgehoben. Nunmehr farm der Autobetrlsb offiziell eröffnet werden. Sobald der zweite Wagen in Betrieb genommen wird, erscheint ein gedruckter Fahrplan.
Der Dogelsbergfilm.
WSN. Schotten, 26. Oft. 3n einem hiesigen Lichtspielhaus gelangte gestern abend der erste Teil deS von der Lehrsilmgesellschaft Wies baden zusammengestellten Kulturfilms über den Vogelsberg zur Erstaufführung. U. a. sah man prachtvolle Bilder von Bad Salz- Hausen mit seinen schonen Kuranlagen. Auch das Städtchen Nidda zeigte sich von einer sehr angenehmen Seite, wobei insbesondere das Altertümliche und Ländliche zum Ausdruck tarn. Bon Schotten sah man eine gut gelungene Gesamtansicht, sowie Aufnahmen vom Rathaus, der Kirche und der Molkerei. Ferner brachte der Vogelsberger Hohenllub stimmungsvolle Bilder vom Hoherodskopf, Tauf st ein, Bielstein und anderen markanten Punkten des Bo» gelsberges. Gegenwärtig finden noch eine Neibe I vvn Aufnahmen statt, so daß der Film bald alle Städtchen und hervorragenden Punkte des Bogelsberges umfassen dürste.
(Diesem Filmwerk würde man gerne bald auch in einem Gieftener Lichtspielhaus begegnen. D. Red.)
Vermischtes.
Vom Auto kotgefahren.
Ein Kasseler Personenauto fuhr an einer unübersichtlichen Stelle in eine Gruppe von Fabrikarbeiterinnen hinein. Dabei wurde eine 20- jährige Arbeiterin aus Nieder'aufungen von dem Auto zu Boden geworfen und sofort getötet. Die Leiche ist von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden.
Bon einem Hund überfallen.
Die Gräfin Gertrud von Oberstadt, bie frühere Schauspielerin Trude Troll, wurde in ihrer Berliner Wohnung von ihrem Hunde, einer englischen Bulldogge, angefallen. Das wütende Tier brachte ihr schwere Bißwunden an Händen, Beinen und Füßen bei. Das Hauspersonal konnte schließlich die Gräfin von dem Hunde befreien.
Der Schutz durch das Fenster.
3n Apolda hat sich durch unvorsichtigen Umgang mit einem Tesch.ng ein schweres Un- glück ereignet Der Wollfabrikant Emil Männer, der sich in seinem Fabrikraum an einer Maschine beschäftigte, brach plötzlich tot zusammen. Ein von außen durch das Fenster gefeuerter Teschingschuh hatte seinen Tod verursacht Als Täter wurde der Sportlehrer Hans Schneider aus Apolda sestgestellt und verhaftet Schneider hatte nach Spatzen geschossen, wobei der unglückliche Schuß abgegeben sein soll.
Aus der Provinzialhauptftadt.
Gießen, den 27, Oktober 1926.
Die Vasler Mission in Giesien.
j Bortrag „Chinesisches Familienleben".
br. In einer Zeit, da die Völker auseinander- streoen, müssen wir Verständnis füreinander und Hochachtung voreinander wiederum von neuem uns gewinnen. Missionar Saut, der am Montagabend die Reihe der Missionsoorträge in unserer Stadt ab-- schloß, zeigte in seinem Vortrag über „Chinesisches Familienleben", wo die Kräfte dieses chinesischen Volkes, das sich durch mancherlei Wirren der Jahrhunderte immer wieder hindurchaekämpft hat, begründet liegen. China ist das größte Volk der Welt und das älteste; es hat eine funftausendjahrige Geschichte hinter sich, seine Tragkraft liegt m der Familie.
Zunächst springt uns die überragende Stellung und Autorität des Cbinesenoaters in der Familie in die Augen, eine Autorität, die durch gar nichts anderes begründet und befestigt wird als allein durch das pietätvolle Verhalten der Kinder. Der Sohn Hot auch gegen feine lleberzeugung unbedingten Gehör, fam seinem Vater zu leisten. Dazu muß die Bereitwilligkeit treten, ihm zu dienen und sich selbst zu verleugnen. Der alte Vater wird von seinen Kindern ernährt. Der Vater ist nicht verantwortlich für die Kinder, aber der Sohn für den Vater. So zeigt sich auch im äußeren Verhalten vornehme Zurückhaltung, etwa im Gespräch. Ein starkes inneres Band zieht sich durch die ganze Familie und wird befestigt in allerlei Lagen des Lebens, etwa durck bie Pflege bes kranken Vaters. Es ist nicht eigentlich Liebe, was die Kinder dem Vater gegenüber erweisen, sondern es ist einfach festes Gebot. Wie der Vater in der Familie lebt, so leben die Söhne ganz für die Familie. Jedes individuelle Auseinanderstreben wird verhindert. Die ganze Familie hat Anteil an dem Glück des Sohnes. Die Frau nimmt eine völlig untergeordnete Stellung ein, die schon bedingt ist durch die Gattenwahl, die nie nach freier Entscheidung der Beteiligten geschieht. Die junge Chinesenfrau hat ein ganz furchtbares Los. Sie muh sich unbedingt beugen, auch im größten Unrecht, darf auch der größten Züchtigung nicht widersprechen, hat überhaupt keine Ansprüche zu stellen, sie ist lediglich Dienerin, Arbeitskraft, die bi» schwerste Arbeit, besonders auch auf dem Felde, zu erledigen hat. Der Ausweg des Selbstmordes wird daher von vielen jungen Chinesenfrauen gebraucht. Die Frau wird nur genommen, damit das Geschlecht sich fortpflanze. Kindersegen bedeutet ein großes Glück, jedoch werden wiederum die Knaben bevorzugt; eine Frau, die Mädchen gebiert, wird verstoßen.
Dieses alte starre Snstem kann sich aber nicht weiter behaupten, es find in der Gegenwart starke Bewegungen im Gange. Immerhin hat es auch einige Lichtseiten. Der Familiensinn und das Zusammenleben der Familie haben eine gediegene Grundlage. Der Chinese hat in seiner Familie jederzeit einen Anhaltspunkt. Er hat beständig eine Heimat, das Volk braucht keine Wohltätiakeitsein- rieft hingen, keine Armen- und Waisenhäuser, weil bie volle Verpflichtung von der Famllie übernommen wird. Die Verbindung mit seiner Heimat vergißt der Chinese nie, im Ausland zu sterben, wäre ihm das größte Unglück. Dazu kommt noch ein anderes: Das Volk ist arm an Festen. Der Sonntag fällt weg. Groß ist die Ausdauer und Zähigkeit der Chinesen bei der Arbeit. Nur einige wenige Nationalfeste bringen die notwendige Ruhepause. Dagegen wird in der Familie jeder Anlaß gebührend gefeiert Die Familienfeste stehen völlig im Vorder- gründ, z. B. Geburt eines Sohnes, nicht eines Mädchens, das Hochzeitsfest, der große Geburtstag im 61. Jahr, der Einzug in ein neues Haus, die Beerdigung usw. In den Händen der Stammesältesten, die aus der großen Familie herausgewachsen sind, liegt die Leitung, die sonst der Obrigkeit zukommt. Sie haben eine ungeheure Macht in ihren Händen, und trotz alledem wird das chinesische Volk nie aus sich allein heraus die Kraft finden zum Neuaufbau, sondern es bedarf des Geistes der Liebe, die in den Menschenherzen eine Macht geworden ist durch Jesus Christus.
Pfarrer Mahr, der Vorsitzende des Gießener Frauen-Missions-Dereins, dankte in bewegten Worten dem Redner. Er richtete ernste Mahnungen an die Zuhörer. Das deutsche Leben wurzelt in der Familie. Die Familie muß ruhen im Glauben an Gott. Zurück zu unserem Gott, das ist die Grundlage deutschen Lebens.
Die große Missionswoche hat damit chren Ab- schluß gefunden. Es war nicht allein eine völkerkundliche Schau, sondern es war in der Hauptsache ein Beweis dafür, daß lebendige Kräfte des Glaubens überall am Werk sein müssen, wo Gottes Reich gebaut wird.
Bornotizen.
— Tageskalender für Mittwoch. Siadttheater: 7.30 Uhr „Der alte $ejtor" (Ende nach 10 Uhr). — Völkerkundliche Ausstellung der Basler Mission in den Bäumen des früheren Hotels „Großherzog" von 9 bis 12 Uhr vorm. und 3 bis 7 Uhr nachm. — Nadclub Germania: 8.30 Uhr. Vereinslokal, Generalversammlung. — Lichtspielhaus Bahnhofstraße: „Wir sind vom k. und L 3nfanterie-Negiment".
— DieBortrags-Bereiniaung veranstaltet am morgigen Donnerstag ihren ersten dieswinterlichen Bortragsabeird. an dem Arthur
hingewiesen, daß es heute ohne Schwierigkeiten < möglich ist, die Gräber der Gefallenen in den ehe- < maligen Kriegsgebieten Frankreichs zu besuchen. 1 In Verbinde, na mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräbersursorge hat es die Direktion des Mit- tkleuropäischen Reisebureaus in Berlin übernommen, Reisende von jedem Ort Deutschlands aus zu i den Kriegergräbern zu befördern und dabei nicht nur für die Fahrt zum Reiseziel, sondern auch Unterkunft, Verpflegung, Autofahrt bis zum Fried- Hof, Empfang durch einen deutschsprechenden Vertrauensmann am Bahnhof des Reiseziels, sicherzu» tellen. Der Reisende entrichtet für diese Reise im voraus einen mäßigen Pauschalbetrag, in dem auch alle Nebenausgaben, wie Steuern, Trinkgelder usw., eingeschlosien sind.
RDD. Wieviel Handgepäck darf in das Abteil mitgenommen werden? Fast auf jeder Eisenbahnfahrt kann man die Beobachtung machen, daß die Reisenden sich mit Handgepäck überbürden. Jeder irgendwie freie Platz wird mit Koffern, Handtaschen, Schachteln, Schirmen und Stöcken belegt, größere Gepäckstücke werden häufig oqar in den Gängen der O-Züge uniergebracht: dadurch sind die Durchgänge versperrt und die Abwicklung des Verkehrs stark behindert. Geschieht dies vielfach auch aus Unkenntnis der bestehenden Be» timmungen, so sollte doch die gegenseitige Rücksicht- nähme auf die Mitreisenden dazu führen, in die Abteile nur das allernotwendigste Handgepäck mitzu- nehmen und die größeren Gepäckstücke aufzugeben. Nach der Eisenbahnverkehrsordnung dürfen leicht tragbare Gegenstände nur in die Personenwagen mitgenommen werden, wenn die Mitreisenden dadurch nicht belästigt werden. In der 1., 2. und 3. Wagenklasse steht dem Reisenden nur der Raum über und unter seinem Sitzplätze für Handgepäck j ur Verfügung, dessen Gewicht insgesamt 25 Kg. nicht überschreiten darf. In die 4. Klasse können auch Handwerkszeug, Tornister, Traglasten in Körben, Säcken oder Kiepen und ähnliche Gegen- tände mitgenommen werden, wie sie ein Fußgäger tragen kann. Das Gewicht der von einem Reisenden mitgeführten Gegenstände darf bann höchstens 50 Kg. betragen. Bei der Ausgabe von Handgepäck zur Beförderung werden folgende Gebühren erhoben: Die Aufgabe von 20 Kg. Handgepäck bis zu einer Entfernung von 50 Km. kostet 80 Pf., bis 100 Km. 1,20 Mk., 200 Km. 2 Mk., 300 Km. 2,60 Mark, 400 Km. 3,20 Mk., 500 Km. 3,80 Mk., und bis 700 Km. 4,60 Mk. Gibt man nur 10 Kg. auf, so ermäßigen sich die angegebenen Preise auf die Hälfte.
Das Konzert des Gesangvereins „Heiterkeit" am Sonntag nachmittag in der Neuen Aula der ^lniversität, über das wir in unserer gestrigen Ausgabe schon kurz berichteten, stand unter dem Motto: „Was der Tau den Fluren, sind der Seele Lieder." Diesem schonen Geleitwort entsprachen die Darbietungen des Vereins und der mitwirkenden Künstler in vollkommener Weise. Die Zusammenstellung der Bortragsfolge lieft das Walten eines feinen Geschmacks erkennen. Neben Kompositionen, die zum Andenken an Earl Maria v. Weber gesungen wurden, großen Männerchoren von Nietz, Kann, Hummel und Angerer war auch das Volkslied in lobenswerter Weise gebührend und würdig vertreten, das ja erfreulicherweise trotz aller Schlager der neuen Zeit nod) immer seinen hervorragenden Platz in der Dunst unseres Volkes behält, und das auch ein Gesangverein von Rang aus seinem AusgabenkreiS, wenn er ihn recht versteht, niemals streichen kann. Die Solistin brachte eingangs ebenfalls eine Komposition von Carl Maria v. Weber (Arie aus der Oper „Der Freischütz"). sodann hübsche und neckische Kompositionen von Rob. Schumann, Hugo Wolf und W. A. Mozart zu Gehör. Der Solist hatte Boccharini's Sonate in A»bur und Francois Ser Vais' Fantasie für Cello erwählt. Der stattliche Männerchor unter der feinsinnigen, vornehm gestaltenden Leitung seines Chormeisters Wilhelm Schättler - Gieften offenbarte in allen Stimmen prächtiges Material,' der Chor zeigte sich, abgesehen von einer kleinen Ausnahme, stets gut ausgeglichen, er brachte die vielerlei Nuancierungen in den großen Chören, wie auch die gemütvollen Kleinmalereien der Volksliedkomponisten fein heraus und erfreute durch saubere Aussprache. Es war erkennbar, daß die Sänger mit eifriger Hingabe an ihrer selbstgestellten Aufgabe unter der tüchtigen Leitung ihres Chormeisters gearbeitet hatten. Frl. Hanna Ringenwald -Gießen (Sopran) besitzt eine sehr ansprechende, warme und schmiegsame Stimme, die sie sowohl bei der Wiedergabe der Arie, wie auch bei den kleineren Liedern in forgfältiger Gestaltung zur eindrucksvollen Geltung zu bringen verstand. Man darf von dieser Künstlerin wohl noch recht Erfteuliches für das gesangliche Schaffen in unserer Stadt erwarten. Herr Ernst Schneider -Gießen (Cello) zeigte sich als Künstler von bemerkenswertem Range. Sein Spiel war geleitet von feinem Empfinden für die Tonsprache der Komponisten, der er rein und formvollendet Ausdruck gab. Auch diesem Künstler wird man gerne wieder im Konzertsaal begegnen. Frl. Marie Eckhardt - Gießen am Flügel war den beiden Solisten eine feinfühlige Begleiterin, die mit sicherem, künstlerischem Gefühl den Darbietungen eine würdige -Umrahmung gab. Die Besucher zeichneten den Chor und bie Künstler mit starkem und wohlverdienten Beifall
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