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reichen, fei Italien gezwungen, bce Frage der Haltung Frankreichs und infolgedessen auch die seiner Trabanten, Polen und der Tschecho­slowakei, gegenüber einem Anschluß Oesterreichs an Deutschland, den der Vertrag von Versailles verbiete, in Rechnung zu ziehen. Din Anschluß Oesterreichs an Deutschland würde für Italien bedeuten, daß, während es jetzt sieben Millionen Oesterreicher (von deutscher Rasse) an feiner Grenze zu Rachbarn habe, es in Zukunft an seiner Grenze eine Bevölkerung von 72 Rlillio- nen Deutschen haben würde und die Grenze Deutschland von Bayern nach dem Brenner verlegt würde. Sollte ein neuer Pakt zu einem freundschaftlichen Einvernehmen zwischen Frankreich und Deutschland entstehen, so würde Italien seinerseits die Möglichkeit einer Rcugruppierung in Betracht ziehen. Daher werde auch der Gedanke eines engeren Einver­nehmens mit G r o ß b r i t a n n i e n die Aufmerk- samkeit in Rom erregen.

Die polnische Kegiermlgsknsis. Bartel übernimmt die Ncnbildttng des Kabinetts.

Warschau, 27. Sept. (Lil.) Aus dem Som­meraufenthalt PÜsudstis kommt soeben die Mel­dung. daß es P i l s u d s I i gelungen ist, den bis­herigen Ministerpräsidenten Bartel zu be­wegen, die Reubildung des Kabinetts zu Übernamen. Pilsudski hat beschlossen, den Kampf gegen die Rechtsparteien nicht aufzugeben, und ungeachtet der Forderungen der Opposition ausgesprochene Kampfkandidaten in das Kabinett auszunehmen. Bartel begibt sich am Montag früh nach 'Warschau und wird dem Staatspräsidenten eine fertige Kabinettsliste, die noch am Sonntag­abend zwischen Pilsudski und Bartel ausgearbeitet wurde, vorzulegen. Der Staatspräsident ist durch Pilsudski über das Ergebnis seiner Be­sprechung mit Bartel bereits unterrichtet worden und wird am Montag früh Bartel den Auftrag zur Kabinettbildung offiziell übertragen. Als neuen Innenminister nennt man T u g u t t und als älnterrichtsminister Mlodzianowski. DaPil- sudsii sich also für eine ausgesprochene Kampf­lösung. wie sie von der extremen Linken ge­fordert wurde, entschieden zu haben scheint, dürfte die Auflösung des Landtages unvermeidlich sein, wobei es allerdings noch sehr fraglich ist, ob dies auch eine baldige Aus­schreibung von Reuwahlen bedeuten würde.

Der Fall Gayda.

Prag, 26. Sept. (TU.) Dor dem Pragcr Be­zirksgericht begann der Beleidigungsprozeß des ehe­maligen Generalstabschefs Gayda gegen den Ma­jor K r a t o ch w i l und den ehemaligen Offizlers- burschen S o l o w j e w. Der Andrang des Publi­kums war ungeheuer groß. Krawchwil hat Gayda oorgeworfen, mit der sowjetrussischen Gesandtschaft in Prag in enaer Verbindung zu stehen, um i n der l o w j e t r u s s i s ch e n Armee eine Stelle zu erhalten. Er habe Inspekteur der russi­schen Militärschule werden wollen. Es handelt sich auch um Geldbeträge, die Gayda von russischer Seite erhalten haben soll, wegegen er militärlsche Dokumente an S o w j e t r u ß l a n d wei­ter geleitet habe. Gayda wurde beim Verlassen des Gerichtsgeboudes von einer großen Menschen­menge begeistert gefeiert. Die Verhandlungen wer­den noch einige Tage dauern.

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Gayda ist 1890 geboren, hieß vor dem Kriege Rudolf Heidi und war Drogist, im Kriege Sanitäts­soldat in der österreichischen Armee, lief zu den Montenegrinern über und kam später über Frank­reich nach Sibirien, wo er an der Organisation der tschechischen Legion hervorragenden Anteil nahm. 1920 kehrte er als General von Wladiwostock nach Prag zurück, wurde von der tschechischen Armee übernommen, zur weiteren Ausbildung auf die französische Kriegsschule von St. Eyr geschickt, 1922 kommandierender General und 1924 mit 34 Jahren Generalstabschef der tschechischen Armee. Die tschechi­schen Faszisten sahen in ihm ihren Führer. Juli 1926 wurde er beschuldigt, seinerzeit in St. Eyr den Bolschewisten militärische Geheimnisse ausgeliefert zu haben und August 1826 in den Ruhestand ver­setzt. Zu seinem Nachfolger wurde General Pod- hagsky, ein ehemaliger österreichischer General, er­nannt.

Amerika und die Abrüstungs­konferenz.

Washington, 25. Sept. (WD.) In gut- unterrichteten Kreisen wird erklärt, daß die Ber­einigten Staaten von Amerika zwar die Be­mühungen in bezug auf die Rüstungsbeschrän­kung beifällig aufnehmen, daß Präsident Coo- lidge jedoch den Wunsch hat, die genaue Art der auf der Konferenz zur Abrüstung ge­machten Dorschläg« zu kennen, bevor er in die Prüfung der Frage der Teilnahme der Ber­einigten Staaten an dieser Konferenz heran­tritt. E s werden erhebliche Zweifel darüber geäußert, ob die Teilnahme der Bereinigten Staaten an der allgemeinen Konferenz erfolgen wird, wenn sich eine Debatte über die Frag» der Abrüstung zur See entspinnt, an der Ver­treter von Staaten teilnehmen, die keine Ma­rine haben.

Neue Schwierigkeiten in Griechenland.

Athen, 27. Sept. Die a n t i v e n i s e l i st i- schen Führer Tsaldaris. Metaxas und De- merdis erschienen beim Präsidenten K o n d u r i- o t i s und forderten von ihm die Entlassung des Kabinetts Kondhlis, die Bildung einer reinen Geschäftsregierung und den Verzicht auf das Derhältniswahlrecht bei den kommenden Reuwahlen. Präsident Konduriotis beabsichtigt sämtliche Parteiführer gemeinsam mit Kon- dhlis zu sich zu laden, um einen Ausweg aus der jetzigen schwierigen Lage zu finden. Wie verlautet, strebt Konduriotis ein Koalitions­kabinett an.

Weiterer Rückgang der Ardeitslssigkeit.

Berlin, 25. Sept. (Wolff.) In der Zeit vom 1. bis 15. September ist die Zahl dec männlichen chauptunterstützungsempfänger von 1245 000 auf 1 195 000, die der weiblichen von 303 000 auf 289 000, die Gesamtzifser von 1 548 000 aus

1 484 000, d.h. um 6 4 000 oder über vier Prozent zurückgegangen. Die Zahl der Zuschlagsempfänaer (unterstützungsberechtigte An­gehörige der Vollerwerbslosen) hat sich von 1538 000 auf 1 484 000 verringert.

Vie Lage -er Arbeitnehmer. Eine Rede des Reichsarbeitsminifters Dr. Brauns.

Köln, 25. Sept. (WLB.) Heber die Lage der Arbeitnehmer sprach Reichsarbeitsminister Brauns auf einer Versammlung des Christlichen Geverkschastsbundes. Rach den vorläufigen Fest­stellungen des Instituts für Konjunkturforschung wird der Zuwachs an Erwerbstätigen in 'Deutschland gegenüber 1913 ungefähr 3,5 Millionen betragen (31,6 Millionen gegenüber 27,9 Millionen). Außerdem hat eine starke P r o l e t a r i s i e ru n g der Erwerbstäti­gen stattgefunden. Die Teilergebnisse der Be­rufszählung weisen eine beträchtliche Abnahme der Selbständigen nach. Bei dem ungefähr glei­chen Kreis der versicherungspflichtigen Personen unterlagen der Krankenversicherung im Jahre 1913 14,4 Millionen, im Jahre 1924 dagegen 19,01 Millionen Personen. Hinzu kommt eine starke Verminderung der Arbeits­gelegenheit. Wenngleich auch die Löhne der ungelernten Arbeiter die Kaufkraft der Vorkriegslöhne im allgenreinen erreicht ha­ben, und die Löhne der gelernten Ar­beiter sich d esem Stand wenigstens genähert haben, drückt ö(c traurige Lage des Arbeits- markteS auf die Lebenshaltung der Arbeiter und vermehrt die Unsicherheit ihrer Existenz. Bei der Erörterung der Abhilfsmaßnahmen beschäftigte sich der Minister eingehend mit dem Arbeitsbeschasfungsprogramin. Der Minister nahm dann auch Stellung zur Rede des Großindustriellen Dr. Silber- berg und be'eichne e sie als ..E.eignis", vo.aus- gesetzt, daß das deutsche Unternehmertum hinter ihm stehe. Er wies darauf hin, daß es nicht bloß auf die Wiedererrichtung der äußeren Or­ganisation der Arbeitsgemeinschaft ankomme, son­dern auf die seelische Einstellung der­jenigen. die sie handhaben. An diesem rechten Geiste fehle es leider noch. Auf die Frage, wer anfangen müsse mit einer anderen seelischen Ein­stellung, antwortete der MinisterB e i d e". Wenn aber schon einer den Vorrang haben soll und die Führung beansprucht, dann sollen die Unternehmer auch auf diesem Gebiete Führer sein. Die unabweisbare seelische Umstellung der Arbeitnehmer und Arbeitgeber sei zum Teil eine W i l l e n s s a ch e und müsse als solche wachsen auf dem Boden einer religiösen, mindestens aber einer idealistischen Einstellung. Sie sei zum Teil auch eine Bildungs- und Schulungs­aufgabe. Diese letztere sei seit Kriegsbeginn leider vernachlässigt worben und müsse wieder ausgenommen werden.

Der Ausbau der Wasserstraßen.

Das Arbcitsbeschaffnnqsprogramm.

Berlin. 25. Sept. (WTB) In der Haupt- bersammlung des Zentralvereins für Deutsche Binnenschiffahrt am 25. September hielt Mi­nisterialdirektor GährS vom Reichsverkehrs­ministerium einen Dortrag über Ausgestaltung des deutschen Wasserstrahennetzes, wobei er u. a. folgendes auSführte: Arbeitsgelegenheit in grö­ßerem Umfange können nur neue Kanalbauten schaffen, für deren Ausbau die Reichswassev- straßenverwaltung seit längerer Zeit ein Pro­gramm verfolgt, in daS mit Rücksicht auf die finanzielle Lage des Reiches nur dringliche Bauten ausgenommen wurden. Reben der Er­weiterung einer Reihe begonnener Bauten unv° faßte das Progrannn an neuen Bauten vor allem die drei großen Wasserstraßen, zu deren Aus­bau das Reich durch Staatsverträge verpflichtet war, nämlich den Mittellandkanal von Peine bis Burg nebst Südflügel, den Ausbau des Reckars zunächst bis Heilbronn und die Fortsetzung der Rhein-Main-Donau- Straße von Aschaffenburg bis Würzburg. Des weiteren waren u. a. in Vorschlag gebracht die Kanalisierung der Weser von Minden bis Bre­men und die älmkanalisierung des unteren Mains zwischen Mainz und Frankfurt. Alle diese Bauten, deren Finanzierung bisher auf große Schwierigkeiten stieß, sind durch das Ar­beitsbeschaffungsprogramm stark gefördert wor­den. Die Fortsetzung der beiden süddeutschen. Wasserstraßen ist gesichert, ebenso der Dau des Mittellandkanals bis zur Elbe. Für die Kanali­sierung der Weser von Minden bis Bremer, und für die Amkanalisierung des untern Mains werden ebenfalls Mittel angefordert. Vor der Inangriffnahme diestzr Bauten sollen aber noch die gesetzgebenden Körperschaften des Reiches ge­hört werden. Endlich wird mit Hilfe der produk­tiven Erwerbslosenfürsorge die K a n a l i f t e - rung der Lahn unterhalb Limburgs ver­vollständigt, so daß dann Schiffe von etwa 200 Tonnen Tragfähigkeit jederzeit lahnaufwärts bis Limburg gelangen können. Die Ausführung der gesamten Bauten wird Aufwendungen von ins­gesamt 710 Millionen Mark erfordern, wozu bei einem Teil der Bauten noch erhebliche Länder­beiträge kommen, stellt also ein großzügiges Bau­programm dar, das sich aber auf etwa zehn Jahre erstreckt.

aller Welt.

Eröffnung

der Berliner Polizeiausstellnng.

Ar wurde Samstagvormittag in den

Ausstellungshallen am Kaiserdamm die erste große Pollzeiausstellung eröffnet. Schon lange öor5er fuhren Hunderte von Automobilen mit oen Ehrengästen aus dem In- und Ausland vor den Ausstellungshallen vor. In der Ehrenhalle Automobilhalle fand dann der feier- li^e Eroffnungsakt statt. Man sah die Spitzen ®taatäs und Gemeindebehörden und insbesondere ungezählte in und ausländische Polczerumformen aller Dienstgrade. Unter einem mit tJernJ>reuf3if$2n Adler geschmückten schwarz- eröffnete Minister Severing die Ausstellung nut einer längeren Ansprache. Er betonte daß die Verbrecher schon lange rSic ^izei müßte die- fer Entwullung folgen, da die Bekärnp- fÄ,^f^aöJin9c £»in gemeinsames sLr (a 1 -V Nationen barftcUc.

i bÄ9tu?-le mlt besonderer Ocnug. tiunj daß es St. Stiefemam in Gens getan- Polungen über die ) oli-._ioerhaltmsse zu beseitigen. Die

Schupo sei keine Ersahformation für die Reichswehr, sie diene ausschließ­lich friedlichen Berwaltungsauf- gaben. Hierauf verlas Ministerialdirektor Dr. Abegg Begrüßungsschreiben des Reichspräsidenten und des Reichs­kanzlers. Oberbürgermeister D o e h betonte, daß das Ziel der Ausstellung Fortschritt und Aufklärung sei. Früher hätten sich häufig Städte zum Selbstschutz zusammenschliehen müs­sen. Heute ständen wir unter dem Schutz des Staates, aber nicht eines Obrigkeitsstaates, son­dern einer modernen deutschen und preußischen Polizei, die selbst, in richtiger Auffassung ihres Berufes, ein Teil des deutschen Volkes zu sein wünsche. In den wenigen Jahren sell dem Um­sturz habe sich ein neues Verhältnis zwischen Polizei und Devöllerung herausgebildet. Mit besonderer Genugtuung begrüße er die zahl­reichen fremden Gäste, die zum Teil als Aus­steller, zum Teil als Besucher der Polizeikon­ferenz in der Reichshauptstadt anwesend seien. Im Ramen der preußischen Regierung erklärte hierauf Ministerpräsident Braun die Aus­stellung für eröffnet.

Rückkehr der Ostasienfliegcr.

Die beiden Ostasienflieger der Deutschen Luft­hansa sind Sonntag vormittag im Berliner Zen­tralflughafen gelandet. Zum Empfange waren u. a. Reichsverkehrsminister Dr. Kröhne, der die Flieger begrüßte, erschienen. Der Minister führte u. a. aus: Der Flug war von der Deutschen Luft­hansa dazu bestimmt, die Unterlagen für die Be­urteilung eines bedeutsamen V'erkehrspro- blems zu schaffen. Ich glaube die Verdienste der Expedition nicht bester würdigen zu tonnen, als dadurch, daß ich bei Ihrer Rückkehr nach Berlin dem Wunsche Ausdruck gebe, daß die regel­mäßige europäisch - asiatische Luft- vertehrsverbindung möglichst bald als Er­gebnis einer freundschaftlichen Zusammenarbeit aller Beteiligten Länder zustande kommen möchte. Benn Empfang vertreten waren ferner noch das Aus-- wärtige Amt, das Reichswirtschaftsministerlum, das Reichspostministerium, das Reichswehrmimstorium, der Botschafterder Sowjetunion, der chinesische Gesandte, der lettische Gesandte und der schwedische Forscher S v e n S) e b i n. Bei einem den Fliegern gegebenen Frühstück jagte der chinesische Gesandte:Ihr Unternehmen wird sicher­lich dazu beitragen, die zwischen unfern Ländern bestehenden wirtschaftlichen Bande enger zu knüp- fen und auszubauen. Ausländer wie Sie, welche mit uns auf der Basis von gegenteili­gen und gerechten Verträgen verkehren, werden bei uns stets mit offenen Armen aufgenommen werden.

Verhaftung von Brandstiftern.

Unter dem Verdacht der Brandstiftung ist in Sandberg an der Rhön, wo in der vorigen Woche über 30 Häuser und mehrere Scheunen niederbrannten, der Posthalter Otto Link und seine Frau verhaftet worden.

Raubüberfall in der Berliner Tauenhienstraße.

Ein schwerer Raubüberfall, der wohl in der Kriminalgeschichte der Reichshauptstadt ohne Dei- fpiel dasteht, ist Samstag nachmittag in der be­lebtesten Geschäftsstraß? des Berliner Westens, der Tauentzienstrahe, verübt worden. Zwei gut- gekleidete Herren drangen in das Kunstkabinett Tauentzien" der G. m. b. H. Maroti & Freink, das Juwelen und dergleichen verteibt, ein. Der eine zwang den einzigen anwesenden Angestellten mit dorgehaltenem Revolver, nach dem Hinterraum zu gehen, in dem der Geschäftsinhaber Freink mit einem Geschäftsfreund aus Frankfurt a. M. faß. Ein zweiter Verbrecher setzte ein mitge- brachtes Paket mit Feuerwerkskörpern in Brand, die sich mit lautem Knall entzündeten. Auch scharfe Schüsse wurden abgegeben, durch die Freink und sein Geschäftsfreund ge­zwungen wurden, im Hinterraum zu bleiben. Rachdem die Räuber den Laden ver­lassen hatten, kamen sie gerade noch zurecht, um die Lunte mehrerer Spreng­körper auszutreten, beten Explosion sonst, zweifellos große Verheerungen angerichtet hätte. Was alles geraubt worben ist, ist noch nicht festgestellt. Es sollen für 10 000 Mk sein. Den Räubern fielen kost­bare Perlen, Brillanten unb dergleichen in die Hände, bie auf einem Schaufensterbrett ausgestellt waren. Rach bem UeberfaU flüchteten bie Verbrecher in basKaufhaus bes Westen s", in bem sie ben sich ihnen entgegenfteüenben Pförtner unb einen Geschäftsführer ebenfalls mit b c r Piftole bebrohten unb beiseite stießen. In bem in bem Kaufhause herrschenden Gewühl verschwanben sie unb konnten bisher noch nicht gefunben werben.

Beraubung eines englischen Postkraftwagens.

Der Inhalt eines Postkraftwagens des Lon­doner Postamtes, der Diamanten, Perlen, Geld­briefe und Schecks im Werte von 30 000 Pfund Sterling enthielt, wurde in der letzten Rächt bestohlen. Der Führer des Wagens wird ver­mißt. Hunderte von Polizisten haben die Suche nach den Tätern aufgenommen.

Raubübersall auf einen Eisenbahnzug in Indien.

Vier Räuber sprangen in den Dremswagen eines fahrenden Zuges, bedrohten einen dort befindlichen. Beamten mit einem Revolver und versuchten einen Safe zu öffnen. Polizisten brach­ten den Zug zum Halten und befreiten den Be­amten. Die Räuber sind entkommen.

Plünderungen in China.

(WD.) Die Stadt Che kitschen in der Provinz Honan wurde von Räubern geplündert. Die Räuber sollen mehrere hundert Personen, darunter auch zwei Frauen von den Misjicms- ftationen, gefangen genommen haben. Eine Missionsstation wurde vollständig zerstört.

Bergwerksunglück in Amerika.

In Inwood (Michigan) sind 35 Bergleute infolge Seilbruchs eines Förderkorbes ums Leben gekommen.

OrkankalaslrophL in Brasilien.

Die südbrasilianische Provinz Sao Paulo ist von einem Orkan heimgesucht worden. Die Stadt I taube wurde ü oll; laubig zerstört. Bisher wurden 200 Tote geborgen.

Wettervoraussage.

Rach weiteren strichweisen Regenschauern, zeitweises Aufklaren, doch meist wolkig, bei westlichen Winden kühl.

Gestrige Lagestemperaturen: Maximum 14,2 Grad, Minimum 5,8 Grad, heutige Morgentempe- rahir 7,9 Grad Celsius.

Am der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 27. September 1926.

Unser neuer Roman.

In der heutigen Rümmer, noch bevor die Erzählung der Sophie Kloerss bomSturm in Echmalebeck" abgeschlossen ist, beginnen wir be­reits mit dem Abdruck eines neuen, interessanten Romans:

Das große Würfelspiel".

Martina Wilemar

ein Kulturbild der Gegenwart von Franz Taver Kappus.

Der Autor, der sich mit dieser Arbeit unfern Lesern zum ersten Male imGießener An­zeiger" vorstellt, gehört zu den erfolgreichsten und routiniertesten Romanciers, die wir zur Zeit auf rein unterhaltendem Gebiet haben. Die stilistisch leichte Hand dieses Schriftstellers ist hrer bereinigt mit einem scharfen Blick für Men­schen und Dinge, für die typischen-Ericheinungs- formen der nahen Gegenwart, und mit der meisterlichen Gabe, dem Ablauf der Ereignisse jene zusammengedrängte Schärfe und das bor- wärtstreibende Tempo zu geben, die das Ganze zu der spannenden, fesselnden, Anteilnahme und Mitgehen erzwingenden Lektüre machen, aus die wir uns bon einem Tag zum andern freuen. Während die schnell unb filmartig wechselnden Schauplätze des Romans sich plastisch bor uns aufbauen und wieder verschwinden, spielen wir das große Würfelspiel der Gestalten dieses Buches um das Glück ihres Lebens mit, er­leben wir das leidenschaftliche Liebesschicksal der jungen Menschen, die im Mittelpunkt des Ro­mans stehen.

Nach dem ersten Fluge.

Ein Brief für alle, bie noch nicht geflogen sind.

Gießen, Ende September 1926.

Sehr verehrte gnädige Frau!

Tausend Dank für Ihre Zeilen von gestern. Sie haben sich danach sogar um mich geängstigt, als Sie mich im Flugzeug wußten; es war w'rklich nicht der geringste Grund zu irgendeiner Defürch- timg. Das will ich Ihnen durch eine ganz wahr­heitsgetreue Beantwortung Ihrer Fragen be­weisen.

Ob es mir nicht schwindlich wurde, als ich fühlle. daß ich ohne Halt in der Lust schwebte?" Sehen Sie, meine Gnädigste, hier muh ich Ihnen eine Enttäuschung beichten. Ich hatte mir fest borgenommen, genau auf den Moment zu achten, in dem das Flugzeug die Erde berließ, war ich mir doch fier bewußt, was für einen w'chtigen Augenblick in me'.n-m Leben dieses bebautet?, die Erfüllung eines Wunsches, den ich wie tausend Andere seit langen Jahren gehest habe. Aber der Aufstieg ging so leicht und glatt, daß man nicht spürte, wie das Flugzeug sich vom Boden erhob, und erst als ich in ziemlicher Tiefe unter mir einen Mann auf der Wiese sah, da wurde es mir klar, daß der Traum bereits Wahrheit ge­worden war.

«Ob ich mich auch recht warm angezogen und mich nicht erkältet hätte?" Beides nicht, man- saß ja auch so behaglich in der Kabine, und wenn ich nicht einmal ben Arm zum Fenster hinausgestrccki hätte, um mit dem Tuche zu winken, hätte ich gar nichts bon dem Luftzug gemerkt, selbst nicht bei dem offenen Fenster.

»Ob eS nicht beängstigend ist, die Erde so tief unter sich zu sehen?" Beängstigend? nein herrlich! Schade nur, daß so ein solides, schwer­fälliges Passagierflugzeug, solch ein Luftbummel- zug so niedrig und so tangfam fliegt (Sehen Sie, meine Gnädigste, wie schnell die Fluglust beim Fliegen kommt.) Es ist köstlich, unter sich die Dörfer zu sehen, die Menschen auf dem Felde, das gescheckte Vieh auf der Weide, die alten Burgen, und am schönsten war es, wenn ein glitzernder Wasserlauf im Strahl der Sonne das Bild belebte. Wie schnell gingen die 50 Minuten herum, bis der Pilot auf den Herkules bei Kassel deutete.

Die Fallböen sollen doch so schlimm sein?" Rach meinem Dafürhalten sind sie sehr viel weniger schlimm, als toemt man in einem wenig gut fabrenben Eisenbahnwagen bei jeder Weiche durchgeschüttelt wird. Man muß nur darüber aufgeklärt sein, daß es nicht die allergeringste Gefahr bedeutet, wenn das Flugzeug auch einmal infolge der Luftverhältnisse ein wenigabsackt". Ist man sich dessen bewußt und hat also keine Angst", so gewohnt man sich sehr schnell an solche kleine Unebenheiten. Rllr hat das bißchen Hupsen mehr Dergnügen, als älnbehagen bereitet; dabei bin ich, wie ich aus Erfahrung weiß, durch­aus nicht schwindelfrei. Es mag ja tvohl sein, daß bei stürmischem Wetter die Sache dort oben etwas unbehaglicher wird, aber man kann sich ja zu dem ersten Flug einen schönen, ruhigen Tag heraussuchen.

Ob das Flugzeug beim Landen nicht zu fest aufstieh?" Rein, es war dieselbe Beob­achtung wie beim Aufstieg, nur umgekehrt. Ich kann nicht sagen, in welchem Momeirt die Räder den Erdboden berührten. Man hatte mir gesagt, bei dem Gleitflug zum Landen hätte man so etwa ein Gefühl, wie wenn man in einem List herunterfahre. Ich meine, das stimmt nicht ganz, es geht sachter. Auf jeden Fall hatte ich nicht das allergeringste Gefühl des älnbehagens.

Ist damit Ihr Wiffensdurst gestillt, Frau Eva? Oder haben Sie noch ein paar Fragen? Ich beantworte sie mit Freuden, aber besser wäre es noch, Sie prüften es selbst einmal bei einem Fluge nach, ob ich auch richtig beobachtet habe. Sie werden dann bestimmt sagen: es war herr­lich, wollen wir wetten, ich setze 100 gegen 1.

Wie immer, in der Lust, zu Wasser und zu Land Ihr ergebenster

Adam. * *

Don dem Kreisausschußmitglied Landwirt Domm ersheim - Langsdorf ging uns gleich­falls eine flugbegeisterte Nachricht zu. Er hat bei klarem Wetter mit wundervoller Fernsicht einen Flug bon Gießen nach Frank­furt a. M. mitgemacht, der ihm zu einem besonderen Erlebnis geworden ist. Herr Bom­mer s h e i m rühmt den ruhigen und sicheren Flug der Maschine, und erflärt, daß alle Furcht bor dem Fliegen einfach lächerlich erscheint. Wer sich den Genuß eines Fluges in diesem Jahre noch berschaffen will, muß sich allerdings beeilen, denn am 8. Oktober wird die diesjährige Flug- saison geschlossen. D. Red.