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' Neues vom B e a rn te ns ch« in. Wie der Verband der Kriegsbeschädigten und Kriegs­hinterbliebenen derHasfia" uns mittcilt, hat das Reichsversorgungsgericht kürzlich grundsätz­lich entschieden, daß der Deamtenschein auch solchen Schweclriegrrbeschädigten gewährt werden kann, die vor Eintritt in den Heeresdienst einen Beruf noch nicht ausgeübt haben. Das ist wichtig besonders für die als Kriegsfreiwillige einge­tretenen früheren Schüler höherer Lehranstalten.

Bei etwa früher rechtskräftig geworbenen Ab­lehnungen deS DeamtenscheinS. die damit bcgrün- det waren, daß der Antragsteller vor seinem Diensteintritt einen Beruf nicht ausgeübt hat. bietet die jetzige Entscheidung eine Handhabe zur Wiederaufnahme des Verfahrens.

** Auftrieb a u f dem heutigen Frank­furter Schlachtviehmarkt: 397 Ochsen, 72 Bullen, 616 Kühe, 331 Färsen, 367 Kälber, 182 Schafe, 3590 Schweine.

Die Rosen- und Dahlienschau.

Auch in diesem Jahre veranstaltete der hiesige Obst- und Dartenbauderein eine Losen- und Dahlienausstellung, die gestern in der Turnhalle an Oswaldsgarten stattfand. Man wollte den Blumenliebhabern noch einknal Ge­legenheit bieten, sich an den herrlichen Farben des Rosen- und Dahlienflors zu erfreuen, und hierbei das Beste nach eignem Geschmack für den Hausgarten auswählen zu können. Daß dies auf der erst vor acht Tagen geschlossenen Gartenbau- und Elektrizitätsausstellung in der Volkshalle sehr vielen Besuchern in der drangvollen, staubi­gen Enge nicht möglich gewesen war, bewies die gestrige reichliche Besucherzahl, die über 800 betrug.

Cs ist schwer zu sagen, was man an den wunderbar schönen Rosen der Rosenfirma Gcbr. Schultheis aus Steinfurth mehr bewundern sollte, den Reichtum an Sorten, die Vollkommen­heit der einzelnen Blumen oder die große Menge, etwa 8000 Roseki. welche in größeren Sträußen die beiden Tafeln füllten, die dre Länge des Saales einnahmen, und dies zu einer Zeit, wo die Blumen zur Reige gehen und die Trocken­heit der letzten Monate jedes Wachstum hemmte. Wiederum waren es die gelben, durch Orange nach kupferrot und Zinnober spielenden Farben­töne, die am reichlichsten vertreten waren und am meisten bewundert wurden. Als die besten Ver­treter dieser Abkömmlinge der persischen Sonnen- oder Kapuzinerrose gelten gegenwärtig die ©orten Golden Ophelia. Souvenier de Claridius Pernett, Reverend F. Pax^ Roberts. Wilhelm Kordes, Los Angeles und Lady Inschiquin. Unter den dunklen Sorten, die von vielen Liebhabern ihres hervorragend ausgeprägten Dustes tragen be­vorzugt werden, sind als auffallend schön zu nennen: Mrs. Henry Winnet, Covent Garden, Miß C. E. van Rossem, Etoile de Hollande, Elsie Deckwith, Elvira Aramayo und Ruhm von Steinfurt, eine herrlich duftende leuchtend rote Rose, deren starke Stiele sie für Vasen wertvoll macht und die außerdem den Vorzug besitzt, daß sie eine der allerbesten Herbst- blüher ist. Eine der allerschönsten neueren Rosen dürfte neben der Neuheit Helga, die in mehreren Sträuben gezeigt war, die Sorte Pint Pearl sein. Sie vereinigt neben vollendeter Form kräftigen Wohlgeruch und einen Liebreiz ihres dunklen hell schattierten Rosenrot, wie kaum eine andere der ganzen Ausstellung, die nebenbei be­merkt das Beste enthielt, was Rosenzüchter aller Herren Länder in älterer, neuerer und neuester Zeit an schönen Rosen gezogen haben. Wir dürfen uns freuen, die wellbetannte Firma mit ihren blühenden und duftreichen Erzeugnissen öfter bei uns zu sehen.

An der Rampe hatte die Samenhandlung D ö l l» Gießen, die wir ebenfalls vom vorigen Jahre und aus der Gartenbau-Ausstellung ken­nen, nochmals eine Dahliensammlung von über 100 der schönsten Sorten ausge­stellt. Dahlien wie Andreas Hofer, Engelhards Liebling, Rheinisches Mädchen, Goldene Sonne und Mauerblümchen sollten nirgends fehlen, wo man Dahlien pflegt. Auch in der Blumenzucht bedeutet Stillstand Rückgang. Die besten Sorten von Stofen oder Dahlien beanspruchen nicht mehr Raum und Pflege als alte, längst überholte ältere Sorten.

Die Gärtnerei Schmitz hatte es über­nommen, den Saal mit Lorbeerbäumen und an­deren immergrünen Gewächsen, Winterastern, Fensterkästen mit brennendroten Hängegeranien, Bindereien und zwei gedeckten Tafeln auszu­schmücken. Die letzteren zeigten, wie sich auf ein­fache Weise unter Verwendung von Mhrten- spargel, Rosen oder Dahlien einer Tafel ein fest­liches Gepräge geben läßt.

Die hervorragend beschickte, sehenswerte Aus­stellung hatte ein in jeder Hinsicht zufrieden­stellendes Ergebnis. Die ausgestellten Blumen wurden versteigert. 2t-

Borrwtizen.

Tageskalender für Montag: Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Der Rebell von Valencia. Astoria-Lichtspiele:Kompromittiert".

** Die Gießener H e r b st s | e auf Os­waldsgarten hatte gestern bei günstigem Wetter einen guten Auftakt zu verzeichnen. Der Platz war am Nachmittag und ebenso abends von einer gro­ßen Menschenmenge dicht gefüllt, die den vielfältigen Unterhaltungsmöglichkeiten ihr lebhaftes Interesse schenkte. Soweit wir bei einigen Nundgängen über den Platz bemerkten, war der Zuspruch in den Schaustellungen und Belustigungsstätten recht rege; den Hauptanziehungspunkt stellte natürlich wieder die Achterbahn dar. Im Gegensatz zur Frühjahrs­messe ist diesmal die Messe nicht auf die Westanlage ausgedehnt worden, sondern auf Oswaldsgarten be­schränkt geblieben. Der Messebetrieb soll noch bis zum nächsten Sonntag dauern. Neben gutem Wet­ter müßen sich die Schausteller dazu vor allem auch viele leistungsfähige Portemonnaies der Bürger­schaft wünschen, eine Sache, die wir nach der finan­ziell anstrengenden Ausstellungswoche noch nicht als ganz gesichert ansehen. Es soll nämlich, wie man hört, allerlei Leute gegeben haben, die nach den Geldstrapazen der Ausftellungsabende recht kräftig bei ihren Lebensmittel-Lieferantenin die Kreide" gestiegen sind.

** Die Neupflasterung der West- a n l a g e zwischen Frankfurter Straße und Bahw- hosstraße ist recht flott vorangekommen. Dis zur Hälfte der Straße ist der -Umbau bereits fertig- gestellt, die restliche Hälfte wird in dieser Woche im Unterbau (Detonplatten) hergestellt, während

in der folgenden Woche die Oberdecke, bestehend aus Kleinpflaster, aufgebracht wird. Der Umbau der Straße wird voraussichtlich bis Ende nächster Woche fix und fertig fein.

** D t e Lose der Gießener Pferde- marktlotterie erfreuen sich einer lehr großen Nachfrage. Die Ziehung findet bestimmt am 30. September im Stadthaus, Bergstraße 20, statt; ie ist öffentlich. Die Einschüttung der Lose- und tzewinnröllchen geht unter polizeilicher Aufsicht vor ich, woran sich alsbald die Ziehung anschließt.

* Ein ausgefallener Lichtbilder- vortrag. Der für Samstagabend vom Jung- deutschen Orden in den Palast-Lichtspielen ange­kündigte LichtbildervortragSchlacht und Grauen" wurde am Eingang zu den Lichtspielen von der Leitung des Iungdeutschen Ordens abgesagt. Der Dovtragssaal war, wie man uns erklärte, den Veranstaltern vermietet worden mit der 2er» icherung, dah der Dorführungsapparat für tehende Lichtbilder geeignet fei. Eine Inaugen- cheinnahme des Apparates kurz vor der Oesf- nung des Hauses ergab jedoch, daß die Maschine die notwendige Eigenschaft für länger stehende Dilder nicht hatte. Damit war den Veranstaltern die Voraussetzung für das Gelingen ihres Dor­trägsplanes genommen, und es blieb ihnen nichts anderes übrig, als dem sehr zahlreich herbei­strömenden Publikum eine Absage zu übermitteln. Der Dortrag soll, wie man uns weiter mitteilt, voraussichtlich am 11. Ottober stattfinden. Ent­sprechende Mitteilung ergeht noch durch eine Airzeige.

** Vom Iungdeutschen Orden. Am Samstag fand hier, wie man uns berichtet, ein er­weitertes Kapitel der Bruderschaft Gießen des Iungdeutschen Ordens statt, in weichem an Stelle des zum Komtur der Ballei Oberheffen gekürten Studienrats Wilhelm Schmidt der Studienrat Dr. Gebhardt zum Großmeister der Brudcr- fchasi Gießen nach jungdeutschem Führerwahlsystem gekurt wurde.

** Einen blühenden Dirnbaum­zweig überbrachte uns am Samstag Herr Klein, Mühlstr. 16 wohnhaft. Solche Natur­erscheinungen sind bei Bäumen oder einzelnen Teilen derselben nicht selten, trenn sie durch Insektenfraß, Trockenheit oder Krankheiten vor­zeitig ihre Delaubung einbühten und dadurch ihre Existenz bedroht wird. Sowie das Weibchen des Frostnachtschmetterlings schnell noch seine Eier legt, wenn es vom Raupenleimringe ein Ent­rinnen nicht mehr gibt, rafft sich auch die Pflanze zur letzten Kraftanstrengung auf und versucht, durch Dlütenbildung ihre Art zu erhalten.

* Gedenkstein-Einweihung. Die Alters - Vereinigung 18761926 hatte sich gestern nachmittag mit Familienangehörigen im Hardtwäldchen zu einer Feier zu- sammengefunden, die der Einweihung eines in einem lauschigen Waldwinkel errichteten Gedenksteins galt. Der nahezu zwei Meter hohe Lungsteinsindllng aus dem Londorfer Gebiet trägt die InschriftAiterävereinigung 18761926", am Fuße ist aus Klinkersteinen die Zahl50 an­gebracht. Architekt Nikolaus hielt nach den Klangen eines Chorals die Weiherede, in der er die schöne Sitte der 50er-Dereinigungen, das Kameradschaftsgefühl der gleichaltrigen Geburts­tagskinder und die Pflege der Erinnerung an die verlebten Iugendjahre trefflich darlegte. Er ver­las am Schluffe seiner Ansprache eine Urkunde, die, in den Grundstein eingelegt, späteren Gene­rationen noch Zeugnis von Freundschaft und Zusammengehörigkeitsgefühl der 50er geben soll. Der feierliche Akt klang aus in einem Hoch auf die 50er-Dereinigung und das deutsche Vater­land mit dem Gesang des Deutschlandliedes. Die Festversammlung blieb bis zum Eintritt der Dunkelheit im Wäldchen vereinigt und mar­schierte dann unter Musikbegleitung nach der Hardtwirtschaft, wo nach einer gemütlichen Stunde die Feier ihren Abschluß fand. Demerkt sei nebenbei, daß das Hardtwäldchen ein schönes Plätzchen für Spaziergänger ist. Ein gepflegter schattiger Fußweg, den die 50er-Vereinigung hin­reichend mit Ruhebänken ausgestattet hat, führt zur Höhe des Gedenksteins; man genießt von dort eine herrliche Aussicht lahnauf- und -abwärts und bleibt auf dem ganzen Wege vom Autostaub und -dunst verschont.

1! Die Pilzernte 1926. Trotz des sehr feuchten Vorsommers war die Pilzernte in diesem Sommer äußerst gering. Merkwürdiger­weise trat derGallen-Röhrling", ein demStein- Röhrling" (Steinpilz) sehr ähnlicher, nicht giftiger, aber ungenießbarer Pilz in großen Mengen auf. Ganz besbnders gekennzeichnet ist der Stiel, der schon von Jugend an grubig genetzt und von grünlich-gelbbrauner Färbung ist. Der Geschmack ist außerordentlich bitter, ein einziger Gallen- Röhrling genügt, ein ganzes Pilzgericht zu ver­derben. Die Pilzsammler sollten stets bedacht sein, die Stiele abzuschneiden, da sonst beim Aus­reiben auch das Fadengeflecht, das der 2er» mehrung dient, vernichtet wird.

vo. FahrpreiserrnäßigungfürGe sellschaftsfahrtentzurIugendpflege wird nach den neuen Bestimmungen Jugendlichen (bei von Bereinen für Jugendpflege unter Lei­tung sachverständiger Erwachsener veranstalteten Ausflügen) gewährt, sofern die Jugendlichen das 20. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, und zwar in Höhe des halben Preises dsx 3. und 4. Klasse. Jugendliche unter 10 Jahren rechnen je zwei für eine Person. Auch die leitenden Per- Personen erhalten die Ermäßigung. Bei größe­ren Teilnehmerzahlen wird für je neun Jugend­liche eine Aufsichtsperson zugelassen. Die Gewäh­rung der 2ergünftigung will jetzt die Reichsbahn davon abhängig machen, daß die leitenden Per­sonen Lichtbildausweise besitzen müssen.

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Turnen, Sport und Spiel.

Sport und KrafienWhing.

UnterKraftmenschen" will der moderne Sport nicht nur den Schwerathleten gewertet wissen. Der Sport will jedem seiner Anhänger Kraft' verleihen, die über das normale Blaß unge- chulter menschlicher Körperkra t hinausgeht. Die Sportler des 20. Jahrhunderts sind an Körper­kraft nicht schwächer geworden, als es die Gym­nastiker im alten Hellas waren, wo die Kraft neben der Schönheit zu den sogenanntenFürsten­tugenden" zählte im Gegenteil, es werden heute kraftsportliche Leistungen vollbracht, die rüher nicht möglich waren.

Der moderne Sport lehrt: jeder Mensch, möge er auch noch so schwach fein, kann durch fleißiges Training und entsprechende Lebensweise har­monische Körperformen und hohe Muskellrast erlangen. Dieses Training umfaßt eine bestän­dige und langsam fortschreitende Steigerung der Kräfte. In der Kraftentfaltung des Körpers, die wirSport" nennen, findet bei diesem Trai­ning unsere Zeit gleichzeitig das Gegengewicht gegen die hohe Inanspruchnahme der Nerven, so daß sich durch Kraftsport Körper und Geist gleichzeitig harmonisch entwickeln. Die eigent­liche Domäne des Kraftsports ist wohl die Schwerathletik, aber auch in der Leichtathletik kann die Kraft stark ausgebildet werden. Wo Muskelpartien besondere Dienste zu leisten haben, kommt es leicht zu partieller Kraftentwicklung. So findet man beim leistungsfähigen Läufer meist gut entwickelte Beinmuskeln bei weniger ent­wickeltem Oberkörper, bei den Ruderern sind es Oberarm-, Bauch-, auch Nackenmuskeln, die be­sonders gekräftigt werden, usw. Die sportlichen Ziele der Kraftentwicklung sind auf den Ausgleich gerichtet, d. h., sie wollen durch zweckmäßige Uebungen Kraft in Leistungsfähigkeit umsehen und die durch den Sport gewonnenen Werte dann der Allgemeinheit als Kultursaktoren zu­leiten. Der Sportler bricht mit der Neigung des Menschenkörpers zur Trägheit, indem er sich neben seiner Berufstätigkeit noch ein wachsendes kraftsportticheS Pensum fetzt und daraus immer neue Lebenskraft schöpft.

Neben rationeller Lebensweise und natur­gemäßer Ernährung steht bei dem Training für sportliche Krafte-.twicklung die Atemgymnastik im Vordergrund. Es ist, wie G->rge Hurward so richtig lehrt, beim Kraftsport irgendwelcher Art ganz falsch, zuerst danach zu trachten, einen möglichst ausgeprägten und umfangreichen Ober- armmuskel zu erlangen. Es kommt traniger auf kraftstrotzende Muskeln an, vielmehr auf Lebens­kraft, die ihren Sih nicht in den Deinen oder Armen, sondern in einer kräftigen Lunge, einem leistungsfähigen Herzen und sonstigen taöellofen Organen hat. Für das Training zur sportlichen Kraftentwicklung, das in Freiübungen, Geräte­übungen und spezielle Kraftübungen zerfällt, gibt es verschiedene Methoden, die aber in fol­genden Punkten übereinstimmen: die Uebungszeit soll mindestens eine Stunde vor oder nach der Mahlzeit liegen. Es soll im Freien oder bet offenem Fenster geübt werden. Dei kraftsport­lichen Uebungen müssen alle beengenden Klei­dungsstücke entfernt werden. Man übe ohne Hast. In Ruhepausen lege man sich flach auf die Erde und atme tief. Dei Herzbeschwerden sind alle Uebungen sofort einzustellen. Nach den Uebungen frottiere man den Körper mit einem trockenen Tuch. Del Beachtung dieser Horward- Gebote haben kraftsportliche Uebungen aber auch nur Zweck, wenn sie vollständig korrekt ausge­führt werden. Täglich muß trainiert werden. Im einzelnen umfaßt das kraftsportliche Training: Halsübungen (Kopfnicken, Kopfrollen), Uebungen zur Entwicklung der Arm- und Schultermuskeln (Armstoßen, -Beugen, -Kreisen), Uebungen zur Ausbildung der Dauchmuskeln (Rumpfbeuge), Uebungen zur Entwicklung der Beimnuskeln (Kniebeuge beim Heben, Spreiz- und Sprung­übungen). Expanderübungen, Stemmübungen, Streckübungen usw. vervollkommnen die durch die allgemeinen Kraftentwicklungsübungen ge- schafsene Kraft.

Wer einen massiven, durch sportliche Tätig­keit Wohl entwickelten und widerstandsfähigen Körper sein eigen nennt, vermag es, in schwer- athletischen Uebungen den höchsten sportlichen Kraftleistungen zuzustreben. Ringen und Boxen waren schon im Altertum und Mittelalter die Sportübungen, die den muskelüberladenen Körper ausgleichen helfen mußten. Dor allem keine ein­seitige sportliche Detätigung, die mehr oder weniger immer nur eine einseitige Entwicklung fördert. Kraftsportler müssen Difziplimnenschen sein, durch Enthaltsamkeit und Selbstbeherrschung sich 3um starken Charakter heranbilden, in der Krastsvortbetätigung selbst immer einen Höhe­punkt der Leibesübungen finden. Kraftsport wird so zum Träger urwüchsigen Dolkstums; denn er gestattet es verfeinerter Kultur, körperliche Kraftleistungen zu vertragen. K. B.

Fuhball - Ueberraschungen im Bezirk Bayern.

Der gestrige Fußball im Dezirk Dayern brachte einige große Ueberraschungen. So wurde der deutsche Meister, die Spielvereini­gung Fürth, von dem A.S.2. Nürnberg mit 3:0 Toren geschlagen. Wacker-München gelang es den vorjährigen süddeutschen Meister F.C. Bayern München 3:0 zu besiegen. Das erste Er­gebnis ist zu verstehen, wenn man sich vor Augen galt, daß Die Spielvereinigung Fürth es ja nicht nötig hat, sich auf einen der ersten Plätze her- aufzufchaffen. Aber bei dem letzteren Ergebnis kann man wohl jetzt schon feststellen, daß Bayern- ' München für die Meisterschaft des Bezirks bei einer so scharfen Konkurrenz wie der 1. F.C. Nürnberg und der 21.6.2. Nürnberg kaum mehr in Frage kommt.

Leichtathletik.

Bei dem anläßlich des Münchener Oktober­festes seitens des Südbaherischen Landesverban­des für Leichtathletik gestern veranstalteten Werbesportfest siegte Dr. P e l h e r im 1000- Meterlaufen in 2:34:8, im 100-Meterlaufen Körnig- Breslau, sowie im 200-Meterlaufen Körnig- Breslau in. 22 :3 vor Faist - Karls­ruhe. Drechenmacher - Frankfurt a. M. stellte im Kugelstoßen eine neue deutsche Höhen- leistung mit 14.52 Meter auf.

Box-Wellmeister Dempsey geschlagen.

Am Donnerstag ging vor einer gewaltigen Zuschauermenge im Ausstellungspark von Phila­delphia der seit langer Zeit mit großer Span­nung erwartete Weltrnei st e r s ch a s t s kämpf zwischen Jack Dempsey und Gene Tunneh vonstatten. Das Treffen ging über 10 Runden. Dempsey zeigte nur einen Schatten seiner früheren Kampfnatur, mit der er vor drei Jahren Louis Firpo besiegte. Schon in der ersten Runde gelang es Gene Tunneh, nach heftigem Schlagwechsel einen Kinnhaken zu landen, der Dempsey, dem Verteidiger des Tftels, beinahe den k. o. brachte. Auch im Verlauf der weiteren Runden vermochte Tunneh verschiedentlich harte Treffer anzubringen, und erst in der sechsten Runde schien Dempsey aufkommen zu wollen. Nach wechselvollem Kampf erschien Dempsey in der letzten Runde mit blut­überströmtem Gesicht, ein Auge war geschlossen, das andere angeschlagen. Er erholte sich jedoch unter Einsatz seiner letzten Kräfte, obwohl Tunney mit aller Energie versuchte, den vernichtenden Schlag zu führen. Der Kampf, der bei strömen­dem Regen stattfand, endete mit einem über­legenen Punktsieg Gene Tunneys, der unter unbeschreiblichem Jubel als Sieger vor­gestellt wurde. Nach dem Kamps brach Dempsey in Tranen aus und erklärte, er habe bereits nach der achten Runde gewußt, daß er besiegt werde. Der Besuch von 130 000 Zuschauern entspricht einer Einnahme von zwei Millionen Dollar.

Gene Tunney, der seine Professional- Laufbahn im Jahre 1919 begann, war in den letzten sieben Jahren in 62 Kämpfen dreißigmal durch k. o. erfolgreich. Er erlitt nur einmal eine Niederlage, und zwar in seinem 15-Runden- Kamps gegen Harry Greb im Jahre 1922, in dem er den Titel eines Halbschwergswichts- meisters verlor. Schon im nächsten Jahr gelang es Tunneh, seinen Titel zurückzugewinnen.

Die Zuschauer setzten sich aus allen Klassen der Bevölkemmg zusammen. .Unter ihnen befanden sich 25 000 Frauen, vielfach Damen der Gesell­schaft, darunter Anne Morgan, die Schwester des bekannten Finanzmannes. Alice Roose- velt-Longworth, die Tochter des Expräsi­denten der Vereinigten ©taaten, ferner Vertreter der Finanzwelt, der Geistlichkeit, des Kongresses und der politischen Klubs. Die Menge empfing anfangs Dempseh mit tosendem Beifall, der sich jedoch später Tunney zuwandte, als Dempseh im Verlauf des Kampfes stark ent­täuschte. Das Ergebnis des Kampfes wurde von 10 Funkstattonen über Amerika verbreitet. Die Petroleum-Unternehmer I e r g i n s und Mc. Kinnie aus Longbeach teilten mit, daß sie für die Wiederholung des Kampfes in Los Angeles 750 000 Dollar aussehen.

Breitensträter - (Element unentschieden.

Am Freitagabend traten sich in Bremen der Cx-Europameister im Schwergewicht, der Schwei­zer Element, der mit Luwig Hahmann und Samson Körner bereits erfolgreich gekämpft hat, und der deutsche Exmeister Hans Breiten­sträter gegenüber. Der Kamps ging über 10 Runden. Breitensträter führte in den ersten Runden, stand aber in der 10. Runde direkt vor dem K. o. Der Richterspruch lautete unent­schieden.

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