Einzelbild herunterladen

Delegation nach Genf zu entsenden, wenn es nicht im voraus die Garantie für seine Aufnahme erhält. Was weiter nun den Anspruch Spaniens auf Tanger anlangt, so stellt dies ein sehr ärmliches Zeugnis für die Autorität und das Prestige des Völkerbundes dar, daß seine Mitglieder jedesmal mit dem Eigentum anderer Leute bestochen werden müssen, wenn sie drohen, den Völkerbund zu verlassen.

Die Tangerfrage.

Spaniens Ansprüche.

Madrid, 26. Aug. (Havas.) Zur Tanger-- frage hat Außenminister Panguas folgende Erklärung abgegeben: Der spanische Standpunkt bietet örci Seiten, nämlich eine lokale Seite, eine territoriale und eine maritime Seite. Eine lokale Seite insofern, weil die Erfahrungen vollkommen die Unmöglichkeit der Lebensfähig­keit des internationalen Regimes erwiesen haben, eine territoriale Seite insofern, als Spanien niemals die zivilisatorische Aufgabe internationalen Charakters bis zum Ende wird durchführen können, die sie in Rordaftika über­nommen hat, wenn Tanger der Zufluchts­ort der Aufständischen und eine o f f en c Tür f ü r den Waffenschmuggel bleibt, endlich eine maritime Seite, denn das gemeinsame Interesse aller Mächte ist. die Neutralität der Meerenge zu gewährleisten. Diese ange­führten Erwägungen müssen den am Tangerregime interessierten Mächten anraten, eine vertiefte Prü- sung der allgemeinen Lage mit dem aufrichtigen Wunsche, eine endgültige Lösung zu finden, vor­zunehmen. Die natürliche Verbindung dieses Pro­blems und der Frage der Stellung Spaniens in Ge-nf wird angesichts des Herannahens der Völkerbundstagung, die in diesen Tagen entfaltete Aktivität erklären.

Ein französischer Vorschlag.

London, 26. Aug. (Wolff.) Pertinax be­richtet demDaily Telegraph" aus Paris, tue französische Regierung scheine hinsichtlich der Tangerfrage geneigt zu sein, für die einfachste und leichteste Lösung einzutreten, nämlich für die Übertragung der von Frankreich eingenom­menen vorherrschenden Stellung in der Ver­waltung Tangers auf Spanien, indem es einem Spanier den Vorsitz im Kontrollausschuß und einem anderen Spanier die ebenfalls von einem Franzosen besetzte Stellung des Haupt- verwalters einnehmen läßt. 2m Austausch dafür könnte eine Abänderung der spani­schen Zone erwogen werden. Der Hauptein­wand gegen die Schaffung eines Dölkerbunds- mandats sei, daß es das gesamte Ma­rokkoproblem in den Wirbel der euro­päischen Erörterungen ziehen würde. Rach der vorstehenden Lösung könnten italienische An­sprüche in derselben Weise befriedigt werden wie unter dem augenblicklichen Regime.

Französische Pretzhetze in Tanger

Die einzige in Tanger erscheinende fran­zösische Tageszeitung hat in spanischer Sprache einen heftigen Angriff auf die spa­nische Regierung veröffentlicht mit einer Warnung, daß die eingeborene Bevölkerung nie­mals eine spanische Herrschaft über die Tanger­zone annehmen würde, sowie mit einer Auf­forderung an alle Einwohner Tangers, sich den Vorschlägen für den Einschluß Tangers in das spanische Protektorat zu widersetzen. Der Artikel hat in der spanischen Kolonie große Er­regung ausgelöst. Der spanische Vertreter hat einen s charf en Protest beim französi­schen Konsulat erhoben. Die italienischen Einwohner haben sich dem Protest angeschlossen, da Mussolini in bem Artikel ebenfalls in beleidi­gender Form behandelt werde.

Frankreichs MandaLspflichten in Syrien.

London, 26. Aug. (Wolff.)Daily News" schreibt in einem Leitartikel: Trotz Iouvenels kühner Behauptung, daß er die ihm in Syrien anvertraute Aufgabe durchgesührt habe, besteht nicht der geringste Zweifel, daß Frankreich streng zur Rechenschaft gezogen werden wird wegen der langen Folge verbrecherischer Fehlgriffe als Mandats macht in Syrien. 2n der Behandlung der syrischen Bevölkerung haben die Franzosen jeden mili­tärischen Fehler gemacht, den man überhaupt machen konnte. Frankreich flößte dem syrischen Volke den Geist des unversöhnlichen Hasses ein und warf große Gebiete in Armut und Chaos. Es bestehen keinerlei Anzeichen für die Richtigkeit der Behauptungen Iouvenels, daß Syrien versöhnt oder der französischen Herrschaft unterworfen sei. Bei dem Kampfe bis zum Ende werden die französischen Truppen und die fran­zösischen Millionen ebenso gewinnen wie in Marokko, aber Syrien ist nicht Marokko, und es ist die Pflicht des Völkerbundes, Frankreich rechtzeitig scharf an diese wichtige Tatsache zu erinnern.

Die Luftabrüstung.

London, 27. Aug. (WTB. Funkspruch) 3n der gestrigen Sitzung des vorbereitenden Ab­rüstungsausschusses in Genf wurde ein von Frankreich eingebrachter Antrag angenom­men, wonach Zivilflugzeuge und Zivil- f lieg er sowie das gesamte mit der Luftfahrt beschäftigte Arbeitspersonal mit zu den Faktoren gehören soll, nach dem sich die militärische Luftstärke der einzelnen Mächte bestimmt. Die Morning Post" bemerkt dazu, durch diesen Be­schluß sei die Frage der Luftabrüstung gleichsam ad absurdum geführt worden. Die Mei- nungsverschj-edenheiten zwischen den Engländern und Amerikanern einerseits und der von Frank­reich geführten Mächtegruppe andererseits habe in Genf nunmehr einen Grad erreicht, bei dem bittere Polemik und Sarkasmus das Merkmal jeder Sitzung fei.

Bildung des neuen griechischen Kabinetts.

Athen, 26. Aug. (Agence d'Athenes.) Alle politischen Parteiführer zeigten bei den Erörte­rungen über die Bildung des Kabinetts entgegen­kommenden Geist und patriottsche Gefühle, die gute Aussichten auf die Zukunft des Landes eröffnen. Die Besprechungen führten zu bem Be­schluß, das Kabinett aus Zivilisten unter dem Vorsitz des Generals K o n d h l i s , des Führers der Rationaldemokratischen Partei', zu bilden. Diese Lösung wurde als das beste

Mittel angenommen, die Parlamentswahlen zu beschleunigen, die nun auf Ende Oktober fest­gesetzt wurden. Das Kabinett wird heute die erste Sitzung abhalten, Um jeden Fluchtversuch zu ver­eiteln. wird Pangalos nach Kreta ge­bracht und in der Festung 3zeddin gefangen- gehalten werden.

Die verbotene Naiionaihymne.

Berlin, 27. Aug. 2n Kreuznach wurde am Montagabend auf dem Jahr­markt in einem Tanzzelt von der Kapelle ein Rheinlandpotpourri ge­spielt, in dem auch einige Klänge des Deutsch­landliedes enthalten sind. Die in dem Zelt anwesenden Gäste stimmten das Deutschlandlied an. 2n diesem Augenblick betrat ein fran­zösischer Gendarm das Tanzzelt. Gr ver - b o t sofort das Weitersingen des Liedes und stellte die Personalien des Wirtes und des Kapellmeisters fest. Beide sind zur Anzeige ge­bracht worden.

Verweischung

Tiroler Familiennamen.

Rom. 26. Aug. (WB.) Agenzia Uffiziclle veröffentlicht heute das Dekret über die Italieni- fierung der südtiroler Familiennamen. Der Prä­fekt der Provinz Trient wird eine Liste der Aamen und Adelsprädikate aufstellen, die d t e italienische Form zu erhalten haben. Ferner wird eine genaue Liste derjenigen Familien aufgestellt werden, die den gleichen Ramen tragen. Dann werden die Betreffenden den italienischen Ramen bezw. den Adel in ita­lienischer Form erhalten und zwar wird jedem Familienmitglied ein besonderes Dekret zuge- stellt. Das Dekret wird auch dem Gemeindeober­haupte zwecks entsprechender Eintragung in die Register übermittelt werden.

Weiterer Rückgang Der Erwerbslosigkeit.

Berlin, 26. Aug. (WTB.) Der Rückgang in der Zahl der Hauptunterstühunasempfänger hat auch in der ersten Augusthälfte. a n ge­halten. Die Zahl der männlichen Haupt- unterstützungsempfänger ist von 1 328 000 am I. August auf 1 287 000 am 15. August 1926 zu­rückgegangen, die Zahl der weiblichen Haupt- unterstützungsempfänger von 324 000 auf 317 000. Der Gesamtrückgang beträgt 2,9 Prozent. Die Zahl der Zuschlagsempfänger (unterstützte Familienangehörige) ist von 1 645 000 auf 1 594 000 gesunken.

Kunst und Wissenschaft.

Die Berner Wettkirchenkonferenz.

3m Ständeratssaal des Bundes Palastes trat am Donnerstag der Fortfetzungsausschuß der Stockholmer Weltkirchenkonferenz zu feiner ersten Vollsitzung zusammen. Der Ramensaufruf ergab eine lückenlose Beschickung seitens der berechtigten Kirchen. Es waren 48 Vertreter der europäischen Kirchen, 14 der britischen, 12 der amerikanischen und 8 der orthodoxen vertreten. Hierzu treten ate besondere Gruppen die Altkatholische Kirche und die aus dem römisch-katholischen Verbände ausgeschiedene tschechisch-slowakisch:Rationaltirche. 3n seiner Eröffnungsrede wies Erzbischof Sö­der b l o m auf die Fortschritte hin, die der Gedanke der Korperation seit dem 3ahre 1920 gemacht habe. Die erste Ansprache hielt der griechisch-orthodoxe Erzbischof von Polen, Dio­nysius. Auf Antrag der französischen Abord­nung wurden Grüße an den Welt­bund für 'Freundschaftsarbeit her Kirchen und an den Völkerbund gesandt, in denen der Hoffnung Ausdruck gegeben wird, daß die bevorstehenden Beratungen im Geiste der Vollerversöhnung und der brüderlichen Liebe geführt werden mögen. Der Erzbischof von Canterbury D. Davidson und Professor D e i ß m a n n legten die Akten der Weltkirchen­konferenz vor, die in zwei stattlichen Bänden in englischer und deutscher Sprache erschienen und ein Dokument von hohem wissenschaftlichem und kirchlichem Werte darstellen. Die deutsche AuT- gabe wird von Professor Deihmann-Berlin be­sorgt. Am Rachmittag fand eine Begrüßung durch den schweizerischen Bundesrat statt, die namens des Fortsetzungsausschusses vom Deichs­gerichtspräsidenten Dr. Simons beantwortet wurde. Am Freitag beginnen die sachlichen Ver­handlungen.

Prähistorische Junbe in Salzungen.

3m Moorgrund bei Gumpelstadt, wo vor 3ahren prähistorische Gräber aufgrbeckt wurden, hat man jetzt an derselben Stelle bei Steinbruch­arbeiten die Ueberrefte vorsintflut­licher Tiere gefunden. Die Reste von mäch­tigen Tierschädeln, Kinnladen und Zähnen rühren offenbar von Raubtieren her. 3m Hintergründe des Bruches zeigt sich der Eingang einer Hohle, deren Größe erst noch zu erforschen ist. Sicher­lich hatten hier Höhlenbären ihren Unter» schlupf, die ihre Beute da verzehrten. Es wird versucht werden, die Knochenreste zu sammeln und ihre Herkunft von wissenschaftlichen Autori­täten feststellen zu lassen.

Deutsche Aerzte in Wien.

3n Wien trafen mit dem Dampfer, von Passau kommend, etwa 150 Aerzte aus Deutsch­land zum Besuch und Studium der österreichischen Kurorte und Heil­anstalten ein. Zum Empfang am Donaukai fanden sich als Vertreter der deutschen Gesandt­schaft Legationssekretär Dr. Steiner ein, der den Generalsekretär der Gesellschaft für ärztliche Studienreisen Prof. Lenhofs und Geheimrat Dietrich vom Reichsgesundyeitsamt sowie die an­deren Reiseteilnehmer aufs herzlichste begrüßte. Die Gesellschaft begab sich hierauf nach dem Kur­ort Baden bei Wien, wo sie mehrere Tage bleibt, um von dort aus nach Wien unb Um­gebung wissenschaftliche Ausflüge zu machen. 3n der ersten Septemberwvche führt die Reise über Graz, Villach, Gastein und Zell am See noch Deutschland zurück.

Aus aller Wett.

Die Untersuchung des Eisenbahnattentats.

Die Hauptverdachtsmomente der Polizei rich­ten sich immer wieder auf zwei bisher noch nicht gefaßte Personen, die ein Landmann am Morgen nach der Unglücksnacht aus der Richtung der Unglücksstelle in großer Hast eilen sah Eine ge­

naue Beschreibung der Verdächtigen ist veröffent­licht worden. Seit Mittwoch weilt auch der Ber­liner Kriminaldirektor Vogel in Leiferde und kam nach einigen Beobachtungen und Feststel­lungen ebenfalls zu der Ansicht, daß es sich bei dem Unglück nur um ein Attentat handeln kann.

Schwerer Flugzeugabsturz bei Dortmund.

Donnerstag nachmittag stürzte auf dem Flug­platz Dortmund-Brakel ein holländisches Postflugzeug, das von Rotterdam kam,beim Weiterilug nach Dessau ab, wobei es vollständig zertrümmert wurde. Während der Pilot sofort tot war, wurde der Begleiter in schwerverletztem Zustand in die Städtische Krankenanstalt ge­bracht. wo et jedoch bald seinen Verletzungen erlag. Die Schuld an dem Absturz ist dem Piloten zuzuschreiben, der verbotswidrig akrobatische K u n st f l ü g e unternahm.

3n der Zelle verbrannt.

3n dem Bezirksgefängnis von Schum bürg in Rord-Böhmen brach in einer Zelle, in der zwei Häftlinge eingesperrt waren, Feuer aus. Da der Beschließer, der über das einzige Paar Schlüssel verfügte, gerade in die Stadt ge­gangen war, vermochte niemand die Zellentür zu öffnen. Man sah die verzweifelten Bemühun­gen der zwei Gefangenen am Zellenfenster, ohne daß man ihnen helfen konnte. Als man den Be­schließer mittels Auto aus der Stadt geholt hatte und die Zelle öffnete, fand man die beiden Häftlinge t o t vor.

Fabrikbrand in Wien.

3n Wien ist in der Fettwarenfabrik Gans A. G., vermutlich infolge Selbstentzün­dung, ein großer Brand ausgebrochen, der sich bald über das ganze vier Stori hohe Gebäude ausbreitete. Trotz des schnellen Umsichgreifens des Feuers konnten fkt), die in der Fabrik be­findlichen Arbeiter und Kontoristtrmen noch recht- zeittg retten. Zwei Personen erlitten hierbei schwere Brandwunden. Bei den Löscharbeiten wurden vier Feuerwehrleute verletzt. Der Brand konnte bis zum Abeick> gelöscht werden.

Line Familie durch Gas vergiftet.

Am Donnerstag fand in Leipzig-Löß - nitz ein vom Nachtdienst heim kehrender Sipo­wachtmeister seine Frau mit den vier Kindern im Alter von 15 3ahren durch Gas vergiftet auf. Wiederbelebungsversuche hat­ten bei drei Kindern Erfolg, die Mutter und das fünfte Kind toaren der Vergiftung bereits erlegen. Die drei Kinder befinden sich auf dem Wege der Besserung.

Opfer der Ostseesiürme.

Die Stürme auf der Ostsee haben mehrere Opfer gefordert. So fenterte im Iasmunder Bodden bei einer Regenboe ein Fischerboot. Die beiden Insassen, der Fischer Rickel und fein 14jähriger Sohn aus Neuhof auf Rügen, find e rt r u n t em.

Lin Hochstapler.

3n Albuquerque (Neu-Mexiko) wurde ein Mann verhaftet, der behauptete, Friedrich W. v. Krupp zu heißen, der 21jährige Sohn des derzeitigen Familienoberhauptes der bekann­ten deutschen Familie von Krupp zu fein und der unter diesem Namen eine ausgedehnter Reise durch die Vereinigten Staaten unternommen hatte. Er besuchte u. a. Henry Ford in Detroit, verkehrte in dessen Haus, bekam von Ford ein Automobil geschenkt, nahm als Ehrengast an der Vorführung des neuen Ford-Kleinflugzeuges teil und fand in gleicher Weife auch bei anderen Groh-Indu­striellen in Detroit gastliche Aufnahme. Friedrich von Krupp" gab sogar in Denver (Detroit) den Pressevertretern ein Interview unb erklärte,Krupp baue keine Kanonen mehr". Mit dem von Ford erhaltenen Auto bereifte der junge Mann das Land und besuchte u. a. sogar Edison. In Denver und anderen Orten gab er Schecks über hundert Dollar aus, die jedoch, da deckungslos, zurückkamen. Eine der so geschä­digten Firmen erstattete Anzeige, worauf Herr v. Krupp in Reu-Mexiko verhaftet wurde. In Begleitung des Hochstaplers befand sich ein anderer junger Mann, der als Pri­vatsekretär ausgegeben wurde.

Eine bestialische Stiefmutter.

Vor dem Großen Schöffengericht in Kassel enthüllte sich in einer Verhandlung das furchtbare Martyrium eines armen Kindes. Angeklagt war die Ehefrau Christine Böhling aus Wellerode wegen fortgesetzter Mißhandlung ihres schwäch­lichen sechsjährigen Stieftöchterchens. Durch Zeugen­aussage wurde sestgestellt, daß die Angeklagte das Kind, angeblich, weil es die Suppe nicht essen wollte, so schlug, daß es au sdem Munde blutete. Darauf wurde es gezwungen, die Suppe samt dein eigenen Blut aufzuessen. Als die Mißhandlungen sich wieder­holten und im Dorfe allgemein bekannt wurden, forderte man den Landjäger zu einer Untersuchung auf. Dieser fand das Kind in einem bejammerns­werten Zustand. Arme und Beine waren schwarz angelaufen, blutunterlaufene Striemen auf dem ganzen Körper legten Zeugnis von einer u n - menschlichen Behandlung ab. Der Sach­verständige, der das Kind untersuchte, war er­schüttert von dem Anblick. Die Mutter hatte m i t einer Klopfpeitsche auf das zarte Wesen losgeschlagen: es war ihr egal, ob das Kind auf der Strecke blieb oder nicht. Für ihre bestialische Tat wurde die Angeklagte zu neun Monaten G e - f än g n i s verurteilt. Der ebenfalls angeklagte Vater mußte mangels Beweises freigefprochen werden.

Unglück bei einem französischen Autorennen.

In Doulogne sur Mer ereignete sich kurz nach Beginn eines Autorennens ein schwerer Unfall. Ein englischer Wagen fuhr mit 120 Kilo­meter Geschwindigkeit in einer Kurve gegen einen Baum und wurde zertrümmert. Der Führer war sofort tot. Außerdem wurde ein Zuschauer getötet und mehrere andere Personen, darunter zwei Polizisten, schwer verletzt.

Die Reise eines Ballons.

Bei Külsheim fand ein Landwirt auf seinem Acker einen kleinen Ballon mit einer daran be­festigten Postkarte, der am '22. August in Hau- bou rbin (Rordfrankreich) ausgelassen wopden war. Der BaUon trug die AufschriftLille".

Noch ein Todesopfer der Pilzvergiftung In Jalkenberg.

Die Sattenberger Pilzvergiftungen haben einen werteren Todesfall zur Folge gehabt. Am Donnerstagabend ist die Schwester Marie Palm- reuther, deren Zustand sich im Laufe der ver­gangenen Rächt durch Herzschwäche verschlimmert hatte, ebenfalls gestorben.

Vereinsgelder für Privatgeschäfte.

Bei der Rettungsgefetlschaft der Wasser­sportvereine von Berlin und Umgegend sind Veruntreuungen zweier leitender Vor­standsmitglieder aufgedeckt worden. Der erste Vorsitzende Arndt und der Schatzmeister Berg­mann haben teils gemeinsam, teils getrennt mit Geldern der Gesellschaft Privat­geschäfte gemacht, wodurch die Rettungs- gesellschast um erhebliche Beträge geschädigt wor­den ist.

Kampf mit Verbrechern.

In Schönhausen an der Elbe wurde ein Oberlandjäger, als er einen Dachdecker wegen Diebstahls verhaften wollte, von dessen Söhnen mit Messern angegriffen. Der Beamte tötete in der Notwehr einen der Angreifer durch einen Schuß. Der Dachdecker und fein anderer Sohn gaben darauf den Widerstand auf.

Bei einer Paddelbootfahrt ertrunken.

Bei einer Paddelbootfahrt ertranken zwei Badegäste des Östfeebades Carlshagen, der Ingenieur Sammler und ein Herr Strafemann, beide aus Chemnitz.

Bergwerksunglück in Amerlkg^

Indiana (Pennshlvanien), 26. Aug. (WB.) In einem der Bituminions Coat Company in Clymen gehörenden Bergwerk bei Cleanfield find 60 Bergarbeiter infolge einer Explosion verschüt­tet worden, von denen bisher nur 6 gerettet werden konnten.

Orkan in Neu-Orleans.

Durch einen Orkan in der letzten Nacht wur­den zwei Personen getötet und Schaden an Gebäuden und der Ernte angerichtet, der auf eine Million Dollar geschützt wird. Es wird befürchtet, daß noch mehr Menschen dem Sturm zum Opfer gefallen sind.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 27. August 1926.

Vermehrte Notstandsarbeiterr.

Die Verhandlungen der Reichsregierung über eine Vermehrung der Notstandsarbeiten, ins­besondere über die Verwendung der vom Reichs­tage bewilligten 100 Millionen Mark zur Ver­stärkung der bisherigen Reichsmittel für die pro­duktive Erwerbslosenfürsorge, haben jetzt in einem Erlasse des Reichsarbeitsministers vom 14. August ihren Niederschlag gefunden. Der Deutsche Land­kreistag hatte zusammen mit den anderen kom­munalen Spihenverbänden am 22. Iuli insbeson­dere den Wunsch geäußert, daß bei der Aus­wahl der Rotstandsarbeiten die Anerkennung in beherzterer Weise und in weniger umständlicher Form erfolgen möchte als bisher. Dies wird nun geschehen können, insofern eine mildere Hand­habung der Bestimmungen für diejenigen Gebiete Platz greifen soll, die als besondere Rotstands­gebiete gelten. Dies sind nicht nur diejenigen Länder und Provinzen, in denen die Zahl der Unterstützungsempfänger 2 Prozent der Einwoh­nerzahl übersteigt, sondern außerdem diejenigen Gemeinden, in denen die Zahl der Hauptunter- stühungsemp sänger mehr als 5 Prozent der Ein­wohnerzahl beträgt

Für alle diese Bezirke ist die obere Grenze für die Gewährung von Rvtstandsmitteln allge­mein auf das sechsfache der ersparten Unter­stützung erhöht worden; der Zinssatz ist von 5 auf 4 Prozent herabgesetzt und die Tilgungs­dauer der Darlehen bis auf die Zeit von fünf­zehn Iahren ausdehnbar. Die gewünschte Der- waltungsvereinfachung ist dadurch herbeigeführt, daß für länger als 6 Monate dauernde Not­standsarbeiten, die bisher von der Reichsarbeits- Verwaltung bewilligt wurden, die Zuständigkeit der Reichsverwaltung nicht mehr aufrecht erhal­ten wird.

Eine gewisse Planmäßigkett bei der Vertei­lung der 100 Millionen Mark wird dadurch herbeigeführt, daß für jedes Notstandsgebiet Pro­gramme ausgestellt werden, und zwar von den Länderregierungen im Einvernehmen mit der Reichsarbeitsverwaltung. Hierzu werden noch weitere 50 Millionen Mark vom Reiche zur Ver­fügung gestellt. Reu ist ferner, daß das Reich öffentlichen Körperschaften für eigene Anleihen, die sie zum Zwecke der Rotstandsarbeiten auf­nehmen, Zinsverbilligungen gewähren wird, und zwar in der Regel um! 4 Proz., für eine Dauer von höchstens 3 Iahren.

Die Kommunalverwaltungen der RotstandS- gebiete werden diese Fortbildung der Bedin­gungen sicherlich begrüßen, obwohl die eigenen Lasten, die ihnen bei Einrichtung von Rotstands­arbeiten entstehen, bei der gegenwärtigen Finanz­lage der Kommunen sie schwer drücken werden. Sie haben in der Regel ja noch 20 Proz. aufzu­bringen, dort wo hohe Materiallosten entstehen, z. B. bei Straßenbauten, aber noch viel mehr, selbst 50 bis 70 Proz. der Gesamtrosten.

Vornotizen.

Tageskalender für Freitag. Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Die Wiskottens". Astoria-Lichtfpiele:Das Schmugglerschiff".

Aus dem Stadttyeaterbureau wird uns geschrieben: Der nachgelassene Schwank von Curt Kraatz,O, diese Bubiköpfe", der von Kraatz' langjährigem Mitarbeiter Max Real sertiggestellt worden ist, hat bei seiner gestrigen Uraufführung im Bad-Rauheimer Kur­haustheater lebhafte Heiterkeit erregt, so daß nach jedem Aktschluß der Vorhang dreimal in die Höhe ging. Es sind aber nebenbei auch soziale Gründe, die zur Annahme gerade dieses Schwan­kes führten, da die Tantiemen der Witwe von Curt Kraatz eine Hilfe in ihrer bedrängten Lage sein sollen. Auch das Wiesbadener Staatstheater bringt das Werk im September zur Ausführung.

WSR. Ein früher Herbst? Wesentlich früher als sonst mehren sich in diesem Iahre die Anzeichen eines vorzeitigen Herbstbeginnes. Die Turm- und Mauerschwalben, die sich gewöhnlich erst gegen Ende August zum Aufbruch nach dem Süden sammeln, haben, wie man schon in der vorigen Woche beobachten konnte, sich auf den Leitungsdrähten in großen Scharen versammelt und die Wanderung nach wärmeren Ländern an­getreten. Der Blumenflor, der sonst den August noch überdauert, ist heute vielfach abgestorben. Zu gleicher Zeit fast haben sich Georginen und andere Herbstblumen bereits zu voller Blüte entfaltet Auch die Sonnenblume, die in diesem Iahre eine auffallend vorzeitige Fruchtbildung zeigt, die Erika, die Eberesche und dergleichen geben bereits deutlich zu erkennen, daß der Herbst