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»eichnete Baldwins Rede als durchaus unbe­friedigend und sagte, Baldwin müsse wissen, daß sowohl die Arbeitgeber als auch die Berg­leute es ablehnten, einen Schiedsspruch anzu­nehmen.

Die allgemeine Auffassung geht dahin, daß sich die Lage in keiner Weise gebessert habe. Der Sekretär des Bergarbeiterverbandes, Cook, erklärte, die Konferenz der Bergarbeiter- Delegierten am nächsten Freitag bedeute keine Kapitulation, sondern sei nur einer Prüfung der Lage gewidmet. Die Delegierten der Berg­arbeiter mühten ihren Führern erklären, ob sie nachgeben, oder neue Pläne zur Fortsetzung des Kampfes vorbereiten wollten. Wie die Blätter berichten, arbeiteten gestern in Warwickshire in­folge der Rede, die Cook in dem Bezirk gegen die Streikbrecher gehalten hat, 300 Bergarbeiter weniger.

Die Kriegsschuldlüge.

Ein amerikanischer Geschichtsprofcssor über die Kriegsursachen.

Berlin, 26. Juli. (WTB.) Auf Einladung des Arbeitsausschusses Deutscher Verbände sprach Pros. Harry Barnes, Professor der Geschichte an der amerikanischen Columbia-älniversität, in der Aula der Universität über die Kriegsschuld­frage. Prof. Barnes behandelte zunächst die all­gemeinen Ursachen des Weltkrieges und betonte, daß das Jahr 1912 einen Wendepunkt darstelle. Iswolski und Poincar 6 hätten von da ab Hand in Hand auf die Entfesselung des euro­päischen Krieges hingearbeitet. Die Mitschuld des serbischen General st abes bei dem Morde in Serajewo sei einwandfrei festgestellt. Rußland habe ganz Europa voreilig in den Krieg gestürzt. Politisch und diplomatisch sei kern Grund für die Entfesselung des Weltbrandes vorhanden gewesen. In der Rächt des 31. Juli habe sich auch Frankreich bereits für den Krieg entschieden. Die Plane von Frankreich und Ruhland seien einmütig auf einen europäi­schen Krieg hinausaegangen. Belgien habe mit den englischen Kriegsbeschlüssen nichts zu tun gehabt. Es sei lediglich ein Dorwand für die englische Diplomatie gewesen. Amerika habe nie die europäische Lage klar übersehen können. Wolle man eine Skala der Kriegsschuld aufstellen, so falle die einzige und direkte Ver­antwortung für den Weltkrieg Frankreich und Ruhland zu. In weiterem Abstande käme O e st e r r e i ch, das nur einen lokalen, keinen Weltkrieg wollte. An letzter Stelle stände Deutschland. Der deutsche Kaiser habe sich bis zuletzt bemüht, den Krieg zu vermeiden. Zum Schluß erllärte Prof. Barnes, daß der berüchtigte Schuldparagraph im Versailler Vertrag ohne jede Grundlage wäre. Die klare wissenschaftliche Erkenntnis der Kriegsschuldfrage verlangt eine Zurückweisung aller Maßnahmen des Versailler Vertrages, die auf jenem Schuld­paragraphen basieren.

Die Internationale Kommission für geistige Zusammenarbeit.

Genf, 26. 3ult (Wolff.) Die Inter- nativnale Kommission für geistige Zusammenarbeit ist heute unter dem Vor­sitz von L o r « n h - Riederkande in Genf zu­sammengetreten. In seiner Eröffnungsansprache hob der Vorsitzende die fruchtbare Tätigkeit der Kommission und ihrer Llnterkomitees seit der letzten Tagung in Genf hervor. Er erinnerte be­sonders an die Eröffnung des Internationalem Instituts für intellektuell Zuscnnmenarbeit in Paris und gedachte in ehrenden Worten des früheren Präsidenten der Kommission. Berg- s o n, welcher aus Gesundheitsrücksichten seine Demission als Mitglied der Kommission einreichen mußte und durch den früheren Ministerpräsiden­ten von Frankreich, P a i n l e v e , erseht wurde. Lorentz fügte hinzu, das Internationale Institut in Paris werde künftig nicht nur durch Beiträge der polnischen und tschechoslowakischen Regierung unterstützt werden. Auch andere Länder würden hoffentlich diesem Beispiele folgen.

Das von der Kommission gebildete inter­nationale Komitee für die Beziehungen zwischen den älniversitäten befaßte sich mit dem Projekt einer internationalen Schule für hohe politische Studien zur Heranbildung von Staatsmännern, Diplomaten, Politikern, Redak­teuren, Hochschulprofessoren für politische Wissen­schaften usw. Das Projekt war von Baranh, Direktor der larhngologischen Klinik von älpsala, eingereicht worden. Rach längerer Beratung nahm das Komitee eine Entschließung an, in der die Gründung einer derartigen Schule als außerordentlich wünschenswert bezeichnet, und das Internationale Institut in Paris mit der Prüfung der Möglichkeiten für eine Ver­wirklichung des Projekts beauftragt wird.

Der deutsche Gesandte in Wien.

Wien, 26. Juli. (Wolff.) Der neuernannte Gesandte deS Deutschen Reiches, Graf Ler­ch e n s e l d, erschien heute mittag, in Begleitung des diplomatischen Personals der Gesandtschaft beim Bundespräsidenten, um ihm sein Beglaubigungsschreiben zu überreichen. Eine Ehrenkompagnie erwies dem Gesandten bei seiner An- und Abfahrt unter den Klängen der deutschen Rationalhymne die Ehrenbezeugung. Bei der äleberreichung des Beglaubigungsschrei­bens. wobei freundliche Ansprachen ausgetauscht wurden, waren Bundeskanzler R a m e f und der Kalinettsvizedirektor Klasterski zugegen.

Kunst und Wissenschaft-

Sp'chbergensahrl eines Göttinger Gelehrten.

Der ordentliche Professor an der älniversität Göttingen und Leiter des agrikulturchemischen und bodenkunolichen Instituts Edwin Blank wird in Begleitung seiner beiden Assistenten eine Forschungsreise nach Spitzbergen antreten die der chemischen Untersuchung der arktischen Böden gewidmet fein wird. Die Finanzierung erfolgt durch die Rotgemeinjchaft der deutschen Wissenschaft und die Gesellschaft der Wissenschaft zu Göttingen.

Geheimrat Kleiner, Heidelberg, f.

In Heidelberg ist dec Geh. Hofrat Prof. Dr. Fleiner, der langjährige Leiter der medizinischen Poliklinik, im Alter von 69 Jahren gestorben. Prof. Dr. Fleiner ist im Jahre 1883 als Privat- dozent in den Lehrkörper der älniversität Heidel­berg eingetreten und seit 1892 Professor. Im

Wintersemester ist er in den Ruhestand getreten. Prof. Dr. Fleiner war Spezialist für Magen­erkrankungen.

Aus aller Welt.

Das Juister Flugunglück.

Berlin, 27. Juli. (WTB. Funkspruch.) Der fünfte bei dem Flugzeugunglück in Juist verunglückte Passagier, den die Aerzte hofften, am Leben erhalten zu können, ist nunmehr eben­falls seinen schweren Verletzungen erlegen, so daß sämtliche 5 Insassen des verunglückten Flugzeuges den Tod gefunden haben.

(Eine geheimnisvolle Mordtat.

In Dießen am Ammersee ist die Gen­darmerie einer Mordtat auf die Spur gekom­men, die bereits vier Wochen zurückliegt. Am 1. April hatte ein gewisser Blau in Dischofs­ried ein Anwesen gepachtet. Inzwischen hat sich herausgestellt, daß Blau seinen Ramen 3 u U n - recht führte und daß der wirkliche Blau am 28. Juni den Pächter besucht hatte. Seit diesem Tage sind berde verschwunden. Der Verdacht, daß Blau durch den Pächter beiseite geschafft worden ist, hat sich nun­mehr bestätigt. Am Sonntagabend fanden Gen­darmeriebeamte im Garten des Anwesens die Leiche des Blau, der viele Derlehungen aufwies. Don dem Täter fehlt jede Spur.

Raubüberfall.

In Frankfurt a. d. Oder wurde der Orgel» bnumeister Paul Walker in seiner Villa von maskierten Männern überfallen. Die Täter warfen dem Greise ein Tuch über den Kopf und mißhandelten ihn schwer, so daß er die Be­sinnung verlor. Dann raubten sie die Wohnung aus und nahmen vor allem Barmittel in Höhe von 1000 Mark mit.

Raubüberfall auf einen Zug.

Zwölf Männer überwältigten das Deamten- personak des Southern-Pacific-Fracht- z u g e s und warfen Seidenballen im Werte von 10 000 Dollar in ein neben dem Zuge fahrendes Automobil. Drei von den Räubern wurden beim Abspringen vom Zuge festgenommen.

Straßenraub.

Bei Heidelberg wurde der Maurer Friedrich Burghardt auf dem Heimweg von Handschuhs­heim von zwei jüngeren Männern ü b e r f a l - l e n, die ihm seinen Wochenverdienst abnehmen wollten. Der eine der Strolche schoß mit einem Revolver und durchschoß dem Angegriffenen die rechte Rockseite. Dieser zog nun seinerseits ein Messer und verletzte seinen einen Gegner am Arm. Bei dem Versuch, den «Revolver zu er­greifen, erhielt er einen Schuh in die Hand. Als auf seine Hilferufe Passanten herbeieilten, suchten die beiden Strolche das Weite.

In einem Aukklonslokal erschlagen.

In Hamburg kam es in einem Auk- tionslokcv zwischen dem als Käufer anwesenden Kaufmann Blumenthal und dem die Goldauktion abhaltenden Goldschmiedemeister Roth zu einer Auseinandersetzung. Roch versetzte Blumenthal einen Faustschlag ins Gesicht. Blumen­thal, ft ar6 gleich darauf. Der verhaftete Roth erklärte, lediglich in Abwehr gehandelt zu haben.

Motorradunglück.

In Lampertheim näherte sich in dem Augenblick, als der Zug WormsWeinheim die Bürstadter Strahen-Kreuzung passierte, ein Motorradfahrer, der den Zug wohl nicht beachtet hatte, und fuhr, da die Schranke nicht g e s ch l 0 ss e n war, auf den Zug auf. Er wurde etwa 20 Meter weit in das Feld geschleudert, während fein Motorrad von der Lokomotive mit­geschleift wurde. Rachdem der Zug zum Halten gebracht worden war, bemühten sich die Passa­giere um den Schwerverletzten, dessen Personalien nicht festgestellt werden konnten. Der Verletzte verstarb bereits auf der Weiterfahrt nach Lampertheim. Eine älntersuchung über die Richt- schließung der Schranke ist eingeleitet.

Schwerer Unfall.

In Reuhendorf i. d. Rhön wurde dem Hütejungen eines Landwirtes und Sohn des Schuhmachers Wolf von einer Kuh der Bauch aufgeschliht, so daß die Eingeweide heraustraten. Dem Bedauernswerten wurde nach seiner Einlieferung in die Würzburger Klinik eine Riere entfernt. An seinem Aufkommen wird gezweifelt.

(Ein Kind vom Zuge überfahren.

Äm Bahnhof von Traben-Trarbach lief ein Kind, nachdem es gerade aus dem Zuge ge­stiegen war, direkt in einen aus entgegengesetzter Richtung kommenden Zug hinein. Es wurde sofort getötet.

Tod in den Bergen.

Beim Abstieg von der M ä d e l e Gabel im Allgäu rutschte am Sonntag der Pfarrer Brand aus Eichhorn in Baden ab und stürzte 400 Meter tief in eine Schlucht. Zur Bergung des Verunglück­ten ist eine Expedition von Obersdorf abgegangen.

Verhängnisvoller Brückeneinsturz.

Durch Einsturz einer Brücke bei Whites- ville (West-Virginia) wurden fünf Personen getötet und etwa 42 schwer verletzt. Auf der Brücke befanden sich an 300 Personen, die auf dem Wege zu einem Fest waren. Fünf von den Verletzten dürften raum mit dem Leben davon­kommen.

(Eine Landgemeinde durch Feuer zerstört.

In M e l l m a n n s r e ich (Oesterreich) wurden durch ein Großfeuer 25 Anwesen eingeäschert. Der Schaden beträgt ungefähr 300 000 Schilling.

Vorsicht mit rohem Obst!

In Rothenbergen bei Gelnhausen ist ein vierjähriges Kind, das nach dem Genuß von rohem Obst Wasser getrunken hatte, unter qualvollen Schmerzen gestorben.

Fleischvergiftungen in Polen.

In Luck sind ungefähr 120 Soldaten an Fleischvergiftungen erkrankf. Auch zahlreiche Zivilpersonen erkrankten unter den gleichen Ver­giftungserscheinungen. Die älntersuchung ergab, daß t>a5 Städtische Schlachtamt an Militär- und Zivilbevölkerung Schlachtfleisch geliefert hatte, das die Llrsache der Vergiftungen war.

Wettervoraussage.

Wenig wärmer, wolkig mit mäßiger Auf­heiterung, meist trocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 18 1 Minimum 10,8 Grad Celsius. Riederschläge: 3.7 Millime.er. Heutige Morgentemperatur: 12 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhauptftadt.

Gießen, den 27. Juli 1926.

Kreuzotterbitz.

(Don einem ärztlichen Mitarbeiter.)

Wenn zu dieser Jahreszeit Kinder in den Wald gehen, um Beeren zu sammeln, so laufen sie meist barfuß einher, trotz mancher Gefahren, die das Darfußgehen in gewissen Gegenden Deutschlands mit sich bringt. Da ist vor allem die Kreuzotter zu nennen, jene einzige deutsche Giftschlange, die alljährlich ihre Opfer fordert. Mit Dorliebe lagert sie im dichten ilnter- holz und in Wäldern, in der Heide, im Moore an schilfreichen Ufern und ©een. Aber auch auf Wiesen und Feldern ist man vor ihr nicht gerade sicher. Leicht ist die Viper an dem eigenartigen Andreaskreuz auf der Oberfläche des Kopfes zu erkennen. Ihr Giftapparat ist vorzüglich aus­gebildet: in einer Schleimhauttasche am Gaumen- dach liegt der Giftzahn verborgen: er steht durch eine feine Röhre mit einer Drüse, die das Gift liefert, in Verbindung. Wenn das Sier zubeißt, richtet sich der Zahn auf, und das Gift fließt durch das Röhrchen in die Wunde.

Gar bald beginnt die Bißstelle an der dicht nebeneinander befindliche kleine Sttchwunden sicht­bar sind zu schwellen und heftig zu schmerzen. Richt selten treten bald rote, von der Wunde aus­gehende Streifen auf, die naheliegenden Drüsen vergrößern sich: schnell schreitet die Schwellung fort, und es bilden sich oberflächliche Hautblu- hingen. Werden jetzt nicht Gegenmaßnahmen ge­troffen, dann können schon nach wenigen Stunden Kopfschmerzen, Schwindel, Ohnmächten, Angst­gefühle, Atembeschwerden, Tlebelkeit, Erbrechen, Durchfälle und Pulsaderverschlechterung einsetzen, und schließlich kann der Tod durch Atemlähmung oder Herzschwäche erfolgen.

Für Erwachsene ist der Kreuzotterbiß in­folge der verhältnismäßig geringen Mengen Gif­tes, die in den Körper gelangen nur selten tödlich: wesentlich häufiger sterben Kinder an den Folgen des Bisses. Sitzt die Wunde nahe dem Herzen, so ist sie ungleich gefährlicher als am Fuß. Auch von Temperatur und Jahreszeit hängt die Wirksamkeit des Kreuzottergiftes ab. lieber- steht der Körper die Vergiftung, so find bei den leichten und mittelschweren Fällen sämtliche Er­scheinungen nach Ablauf einer Woche abgeflungen.

In jedem Falle von Kreuzotterbih soll das verletzte Glied sogleich abgeschnürt werden, um die Auswirkung des Giftes im Körper zu ver­hindern. Jedoch darf die Abschnürung nicht län­ger als 2 Stunden bleiben, da sonst ein Ab- fterben des Gliedes zu befürchten ist. Deshalb ist stets, so schnell als möglich, für ärztliche Hilfe zu sorgen. Das vielfach empfohlene Aussaugen der Wunde mit den Lippen ist abzulehnen, da der Hilfsbereite mit Rücksicht auf die wohl stets vorhandenen Rißchen in der Mundschleimhaut Gefahr läuft, sich selbst eine Vergiftung zuzu- ziehen. Andererseits besteht für den Gebissenen die Gefahr, daß bei dieser Methode Mundbak­terien in die Wunde gelangen und Eiterungen Hervorrufen. Dort wo ein Schröpfkopf zur Ver­fügung steht, soll man ihn schleunigst anlegen, statt auszusaugen. Weiterhin kann man versuchen, mit übermangansaurem Kali oder mit Chlorkalk das Gift zu zerstören: man muß aber wissen, daß diese Mittel vielfach versagen und keines­wegs die ärztliche Hilfe überflüssig machen. Ganz unzweckmäßig ist das Auswaschen der Wunde, da hierbei die Gefahr besteht, daß das Gift noch tiefer in das Gewebe gebracht wird. Auch das Ausbrennen der Giftstelle mit der Zigarre ist zu unterlassen, da hierdurch gleichfalls die Mög­lichkeit des Eindringens von Eitererregern gege­ben ist. Ausschneiden und Ausbrennen der Wunde ist lediglich Sache des Arztes. Dagegen empfiehlt es sich, daß der Erkrankte bis zum Eintreffen ärztlicher Hilfe reichlich starken Kaffee und Tee zu sich nimmt, damit das vom Körper aufgenom­mene Gift so schnell als möglich wieder ausge- schieden wird. Alkohol in konzentrierter Form (Branntwein, Schnaps, Likör usw.). der bisher bei Schlangenbissen eine große Rolle gespielt hat, wird neuerdings, wie Dr. Werwarth (Danzig) in einer medizinischen Fachzeitschrift ausführt, auf Grund von Versuchen als Gegengift strikte abgelehnt. Es bleibt also beim Abschüßen des verletzten Gliedes und bei der Sorge für schnellste ärztliche Hilfe.

Das sicherste Mittel gegen Kreuzotterbiß ist das Tragen von derbem, hohem Schuhwerk, durch das die Zähne der Viper nicht durchzudringen vermögen. Beim Lagern im Freien soll man stets vorher gründlich den Boden absuchen, um unlieb­same Vorkommnisse zu vermeiden.

(Lietzener Wochenrnarktprerse.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt das Pfund: Butter 170 bis 180 Pfennig. Matte 30 bis 35, Käse (10 Stück) 60 bis 80, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 15 bis 20, Rotkraut 30, gelbe Rüben 10 bis 20, rote Rüben 15, Spinat 30, Römifchkohl 8 bis 10, Bohnen (grün) 17 bis 35, (gelbe) 30 bis 35, Erbsen 12 bis 15, Mischgemüse 10, Tomaten 20 bis 80, Zwiebeln 20 vis 25, Rhabarber 15, Pilze 25 bis 30 Kar­toffeln 5 bis 6, Frühäpfel 15 bis 30, Falläpfel 8 bis 10, Birnen 15 bis 30, Heidelbeeren 35 bis 40, Johannisbeeren 30, Pflaumen 30 bis 35, Mirabellen 50 bis 60, Honig 40, junge Hahnen 90 bis 100, Suppenhühner 110 bis 120; das Stück: Eier 12 bis 13, Blumenkohl 20 bis 80, Salat 5 bis 10, Salatgurken 20 bis 40, Einmach- gucken 4 bis 5, Endivien 15 bis 20, Ober- Kohlrabi 5 bis 15, Rettich 10 bis 20 Pfennig.

Bornotizen.

Tageskalender für Dienstag. Gesangverein Heiterkeit: Versammlung imPost- kellec". Lichtspielhaus, Bahnhofstraße:Gräfin Mariza". Astocia-Lichtspiele:Die Maske des Lopez".

# Reiseverkehr und Tierschutz. Wir sind wieder mitten in der Reisezeit. Wie manchen Freund der Tiere treibt die Sehnsucht in ferne Berge oder Täler, wo der Sinn für Tierschutz noch fremd ist. Rehmt euch dort der Tiere an, die oft nur aus älnwissenheit oder Ge­wohnheit gequält werden. Verlasset solche Plätze, wo man euren Klagen kein Gehör schenkt, und sagt dies den Leuten ausdrücklich, damit der Geld- ack das spürt, was die Vernunft und Der- tandeskraft nicht einsehen wollen. Ihr werdet da- )urch manchmal Wunder wirken in dec Ab­teilung von Rückständigkeiten aller Act, unter denen Tiere zu leiden haben. Run probierts und lasset euch nicht entmutigen! Tut euren Mund auf für die Stummen, für unsere oft noch so sehr leidenden armen Tiere!

* Zur ® artenbau- und Elektri­zität s-A u s ste l l u n g vom 11. bis 19. Sep­tember in der V 0 lkshalle ergeht in unserem heutigen Anzeigenteil eine Aufforderung an die interessierten Ausstellerkreise. Die Anmeldungen müssen bis zum 15. August eingereicht werden. Hoffentlich melden sich zu den bisherigen noch zahlreiche weitere Aussteller, die der heutigen Ankündigung ihre Aufmerksamkeit schenken mögen.

** 3do Puhonnys Künstler-Mario­netten-Theater aus Baden-Baden, von frühe­ren Gastspielen her in Gießen wohlbekannt, erfreute am Sonntag eine leider nur allzu kleine Schar Ge­treuer im Stadttheater mit einem sommerlich heiteren Programm. Am Nachmittag ging für die Jugend Otto Eichnodts luftiges MärchenspielDer Frosch­prinz" über die Bretter. Abends zauberte das kleine Puppenvolk den Erwachsenen ein erlesenes Kaba- rettprogramm vor, das der unermüdliche Conferen­cier mit viel Witz und Satire begleitete. Seine kleinenKollegen" sorgten dafür, daß je nach Temperament schallende Heiterkeit oder verständ­nisinniges Schmunzeln nicht abriß. Als Zwischen­spiel war eine orientalische GroteskeDie Rache des Hakim", den Schluß machte als Clou des Abends Christian Morgensterns köstliche PersiflageEgon und Emilia",kein" Familiendrama.

DerKrieg gegen Zye Hinden­burg p l a k a t e" zur Frage der 5tttftenenteig» nung, über den wir f. Zt. berichteten, hat dieser ein gerichtliches Rachspiel gehabt. Einer der Täter, der beim Abkratzen der Plakate er­wischt worden war, ist, wie uns mitgetcilt wird, t>urd> Strafbefehl des hiesigen Amtsgerichts we­gen groben Unfugs mit einem Strafbefehl, von 10 Rm. bedacht worden. Als strafmildernd kam die Jugendlichkeit des Täters in Betracht. Ein Verfahren wegen Sachbeschädigung schwebt noch Hoffentlich trägt diese Strafe dazu bei, daß die an den öffentlichen Anschlagstellen ausgehängten Plakate für die Zukunft vor Beschädigungen geschützt sind.

" Feuer. Gestern abend 8.35 Uhr lief durch den Feuermelder am Leihgestemer Weg eine Feuermeldung auf der Feuerwache ein und außerdem wurde telefonisch von der Dergschenke gemeldet, es brenne in dec Arbeiterckolonie des Bergwerkes. Die Wache rückte sofort aus: sie wurde durch den Herrn, der .den Feuermelder abgezogen hatte, zur Brandstelle gebracht, wo in einem Stallgebäude zwischen zwei Wohnhäusern Feuer ausgebrochen war. Da Hydranten sich nicht in der Rähe befanden, muhte die Öluto- mobilsprihe an einem weit entfernten Teiche an­legen und mittels einer sehr langen Schlauch­leitung das Wasser zürn Brandherd bringen. Darauf wurden die Flammen in kurzer Zeit bewältigt, nachdem sie inzwischen durch die Be­wohner und die Feuerwehr mittels Aufgiehens von Wasser kleingehalten waren. Die Wache traf um 10.17 Uhr wieder auf OSwaldsgarten ein.

* Ein tragischer Vorgang ereignete stch gestern nachmittag 2 Uhr auf der Lumda­talbahn zwischen den Stationen Londorf und Allendorf a. d. Lda. Als der nach Gießen fah­rende, in Londorf um 1.52 Uhr abgehende Per­sonenzug in die Rähe der Station Allendorf kam, sprang nach den Bekundungen von Augenzeugen die 36 Jahre alte Ehefrau 2Inna R. aus Allendorf von der Böschung herab, wo sie mit einer Sichel gearbeitet hatte, zwischen den zweit- und drittletzten Wagen des fahrenden Zuges. Der Lokomotivführer hatte die Tat der Frau bemerkt und den Zug sofort zum Halten gebracht. Mit schweren Verletzungen wurde die Bedauernswerte unter dem Zuge hervorgeholt: ihr war das linke Dein am Oberschenkel, ferner der rechte Fuß abgefahren, während die linke Hand nahezu ganz abgefahren war, außerdem wurde noch eine Kopfverletzung feftgefteHt. Rach der ersten Hilfeleistung wurde die Fxau in dem Zuge sofort nach Gießen in die chirurgische Kli­nik überführt, dort ist sie gestern abend gegen 10 Uhr ihren schweren Verletzungen erlegen. Als Beweggrund zu dem Schritt der Frau ver­mutet man starke seelische Erregung.

.** Ehemalige Verkehrst r uppen und Pioniere zu Hanau. Eine Wiedecsehensfeier dec früheren Angehörigen dieser Hanauer Truppen­teile findet am 31. Juli, 1. und 2. August in 5) a n a u statt. In Verbindung damit soll eine Fahnenweihe vorgenommen werden.

Die Postautolinie GietzenKleebachtal.

Wie uns von unterrichteter Seite mitge­teilt wird, hat sich nunmehr die Kreisst ra- ßenbauverwa'ltung zu Wetzlar damit einverstanden erklärt, daß auch die in Kreis- Unterhaltung stehende Straße Hochelheim Dornholzhausen Riederkleen von dem Postauto befahren werden darf. Im übrigen soll, gutem Einvernehmen nach, damit zu rechnen sein, daß der von der Postverwaltunq in Auftrag gegebene Oßagen in Äürje ein- t ris f t, so daß die Eröffnung der Linie nur nod; eine Frage von kurzer Zeitdauer sein durfte.

Oberhessen.

z Landkreis Gießen.

X Klein-Linden, 26. Juli. Die Rog­ge n e c n t e hat in unserer Gemarkung stellen­weise begonnen. Sie wird in diesem Jahre län­gere Zeit in Anspruch nehmen, da viel Getreide lagert und mit der Vogelwicke stark durchwach­sen ist. Der Ertrag an Stroh und Körnern ist gut Der Weizen hat sich von der Rostkrank­heit erholt und steht jetzt voll und kräftig.

Hafer und Gerste zeigen einen vorzüg­lichen Stand, leider ist vielfach ebenfalls Lage­rung eingetreten, wodurch die Reife verzögert wird. Kartoffeln und Hackfrüchte sind sehr gut entwickelt, die Bekämpfung des älnkrauts madjt den Landw'r-.en aber viel Arbeit. Das Grummetgras verspricht einen guten Ertrag, da die feuchte Witterung das Wachstum fördert. Die Aussichten für Aepfel und Zwetschen sind sehr gering, Birnen werden vereinzelt Erträge abgeben.

f Klein-Linden, 26. Juli. Eix glück­licherweise noch harmlos verlaufener Zusam- m e n st 0 ß zwischen einem Radfahrer und einem mit zwei Personen besetzten Motorrad ereignete sich am Samstagnachmittag auf dec Frankfurter Straße, Ausgang nach Großen- Linden. Der Radfahrer kam mit dem Schrecken davon, die beiden Motorfahcer erlitten einige Hautabschürfungen und mußten das Motorrad nach Gießen zur Reparatur bringen. Die von den beiden GesangvereinenEintracht" undArion" am gestrigen Sonntag veranstal­teten Waldfestlichkeiten kamen infolge des