Das lachende Haus.
Roman von Sophie Kloerß.
87. Fortsetzung. Nachdruck verboten.
Wie sie sich aber emporziehen wollte, gelang das nicht. Zu schwer der Körper, der niederzog; kaum, daß sie die Arme so weit auf das Eis brachte, um nicht abzusinken. Wieder, immer wieder ein neuer Versuch, jeder verzweifelter, jeder ermüdender — — sie kam nicht heraus.
„Dina, Dina —", was hatte denn der Hund? Wie toll kreiste er auf dem Eise, bellte, heulte, — jetzt sauste er ab.-
Sie will Menschen holen. Gute kleine Dina, dachte Thora. Aber wer versteht sie? Und sie mühte sich von neuem.
Heider Steffen hatte eben die letzte Last verladen lassen und wollte nur Ille einen kurzen Gitten- tag sagen, — vor Ille brauchte er sich ja nicht zu scheuen —, da sauste etwas wie wahnsinnig auf den Hof, flog auf ihn zu, bellte, schrie, man konnte es wirklich nur schreien nennen, jagte wieder fort, rannte — immer laut bellend — im Kreise am Hause und an den Ställen hin, zu den Polacken, nun wieder zu ihm. —
Herr Gott, das war ja Thoras Hund! Was hatte der? Was wollte der? Jetzt schoß er wieder zum Heckenweg, jetzt sah er sich um. —
In den Minuten hat Heider Steffen seine langen Beine gesegnet. Er rannte, wie er im Leben noch nicht gerannt war. Er rannte, daß er kaum den Grund berührte, einen Schritt nehmend, wo andere drei brauchten, in langen, schwingenden Sätzen — —BMUMl’tiWMmMI R IW Ul' BragltCMWKagPgMBtg——I
schon sah er das Tier über das Eis saufen, sah undeutlich in der einsetzenden Dämmerung etwas auf dem Eise, das sich dunkel abhob — nun kam Thoras Stimme: „J)ier, hier! Ich halte mich schon noch, — ich —* da war er heran.
Sich niederwerfend, um das Eis nicht übermäßig zu belasten, schob er sich die letzten zehn Meter näher, griff nach ihren Händen, — wie froststarr die waren — zerrte mit eisernem Griff, jetzt packte er unter die Ellenbogen, jetzt unter die Schultern — und da kniete sie neben ihm auf dem Eis, triefend, schauend, zitternd, und doch — sie wäre ja sonst keine Bunsen gewesen — lachend.
„Das war höchste Zeit, Herr Steffen."
Er lachte nicht mit. „Ja, das war es. Können Sie wohl aufstehen? Nein, ich will erst Ihre Schlittschuhe lösen. Wenn der Hund nicht gekommen wäre — wenn ich nicht noch auf dem Hof gestanden hätte —"
Dann.sprachen sie beide nicht mehr. Die Eisen klirrten von den Füßen. Nun standen sie, Thora schwankend, aber schon wieder mit festem Willen sich zusammenreißend, — Steffen sehr blaß, mit fest zusammengedrückten Lippen. Wie böse er aussah! Ihr verging das Lachen. „Nehmen Sie meinen Arm!"
Ohne Widerspruch gehorchte sie. Halb gleitend, halb gehend erreichten sie das Ufer, gingen — immer noch wortlos — an das Haus und hinein.
„Ziehen Sie sich sofort um!" sagte Steffen kurz. „Ich werde Ille sagen, daß Sie Ihnen helfen jgll." Während Thora sich ganz scheu auf ihr Zimmer hinaufbegab, suchte er Ille und schickte sie der Schwester nach. „Sorgen Sie, daß Fräulein Thora sich hinleot! Sie kann eine Lungenentzündung bekommen.^
„Und Sie? Sie scheinen mir auch ziemlich naß geworden zu sein."
„Ich setzte mich so lange an den Ofen, bis Sie wiederkommen und sagen, wie es Ihrer Schwester geht."
„Herrje," sagte Ille oben, „das lanae Laster hatte eben ein paar Augen — dem möcht ich aber nicht begegnen, wenn er mal in Rage ist. Ziemlich scheint er es schon zu sein. Du sollst dich hinlegen. Er kommandiert einfach nur so."
„Ich leg' mich nicht hin."
„Thora, sei verständig!"
„Laß mich gefälligst in Ruhe! Ich tu, was ich will."
„Oller Bock!"
Heider Steffen hatte noch nicht lange am Feuer gesessen und zornige Gedanken gehütet, da kam ein Tritt die Treppe wieder herunter. Thora in trockener Kleidung. Ille halle es oorgezogen, sich nicht sehen zu lassen. Mochten die beiden ihre Kämpfe unten allein ausfechten, denn heute prallten sie sicher gründlich zusammen. Der Lebensretter war so gar nicht romanhaft gerührt.
„Sie sollten sich doch hinlegen!"
„Das hab' ich nicht nötig." Es sollte gar nicht trotzig klingen, aber auf den Mann wirkte es doch wie Trotz und Widerstand.
„Nein, Sie haben nichts nötig, was andere Ihnen sagen und raten. Sie sind sich selber Gesetz. Sie sind so vortrefflich, Sie sind so, so —"
„Was denn noch?" Ganz still stand das Mädchen, sah mit gesenktem Kopf, ein bißchen schuldbewußt, ein bißchen hinterhältig zu ihm auf. „Was denn noch?"
Aber mit ihm ging es durch. „Ob man Sie liebt wie ein ganz Unkluger — ganz gleichgüttig! —
Ob man Ihnen das Leben leicht machen möchte mit allen Kräften — so einerlei! — Ob man Ihnen da» Leben rettet — nicht mal wert ist man, daß Sie zum Dank einen vernünftigen Rat befolgen. — Sie, Sie, — ein Trotzkopf sind Sie, ein Querkopf — ein —"
„Was noch?"
„Aber nun muß es zu Ende sein. Ich Narr —, na, man hofft, weil man liebt. — Nein, Sie brauchen sich nicht zu fürchten, ich werd' Ihnen nicht mehr lästig mit meinen Gefühlen. Ich geh' jetzt meiner Wege. Mag ein anderer Gottesgabe und alles Drum und Dran bekommen. — Adieu, Fräulein Bunsen."
„Ja aber, ja aber! — Einen Augenblick, ich kann doch nicht. — Ich kann Ihnen doch nicht auf den Hof nachlaufen. — Bitte, nur einen Augenblick —" Und als er, sich wendend, kurz stehen blieb, kam es ganz leise: „Wenn Sie meinen, daß ich einen Herrn brauche — das meinen Sie doch? — ja dann — dann muß ich doch Ihre Frau'—" und zornig ausbrechend: „Sie machen es einem aber auch zu und zu schwer!"
„Dos hättet ihr ja auch wirklich eher haben können", sagte Ille, als sie nach einer Viertelstunde von oben kam. „Meinen herzlichen Glückwunsch, Thora! Du bekommst einen netten Mann. Ihnen, lieber Schwager in spe, kann ich nur kondolieren. Hier im Haus hat sie keiner regieren können, möge es Ihnen besser gelingen!" ' w
Sie ging an das Telephon. **
„Was willst du? Mutter benachrichtigen? Nein, die soll morgen überrascht werden."
„Ich will euch nur eine Ehrendame besorgen, denn ich fühle mich dem nicht gewachsen. Kallies haben keinen Anschluß, aber was meint ihr, wenn ich Frau Qualmann kommen lasse?"
(Fortsetzung folgt.)
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Einladung
zum
Republikanischen Tag am 29. und 30 Mat 1926
Wir laden die gesamte Bevölkerung unserer Stadt und der Umgebung zur Teilnahme an unserem republikanischen Tag herzlich ein.
Festfolge:
Samstag, den 29. Mai,abends 8.30 Uhr,in der Volkshalle auf dem Trieb Begrüßungsfeier
Sonntag, den 30. Mai,vormittags 10* , Uhr, auf dem Oswaldsgarten Bannerweihen. Weiherede: Bundespräsident Hörsing, Magdeburg, lieber reichen einer Schleife durch den Republikanischen Frauenbund, Gießen.
Sonntag, den 30. Mai, vormittags 11' 4 Uhr, vom Oswaldsgarten aus Banner-Umzug mit Trommler- und Pfeifer-Massenkorps durch Steinstraße -Marburger Straße - Walltorsttatze - Kirchenplatz - Neuen Bäue -Neuenweg - Seltersweg - Westanlage - Ecke Schanzenstraße.
Sonntag, den 30. Mai, mittags 1 Uhr, auf dem Oswaldsgarten und den Seitenstraßen, Aufstellung des Festzuges. - Marschroute: Neustadt - Bahnhof- sttaße - Alicensttaße - Seltersweg - Goethesttaße - Südanlage - Bleich- straße - Ludwigsttaße - Kaiserallee.
Sonntag, den 30. Mai, nachmittags 31/, Uhr, auf dem Platz vor der Volkshalle : Ansprachen und Masfenchöre, anschließend Volksfest und Konzert.
Sonntag, den 30. Mai, abends 8 Uhr, in der Dolkshalle Festabend.
Als Vertreter der drei republikanischen Parteien (Demokratische Partei, Sozialdemokratische Partei und Zentrumspartei) werden sprechen unsere Kameraden: Bundespräsident O. Hörsing, Oberpräsident in Magdeburg, Oberbürgermeister Dr. Luppe, Nürnberg, Senatspräsident am Kammergericht Dr. Großmann, Berlin, Regierungsrat und M. d. R. Knoll, Darmstadt, Redakteur Fr. Ebert, Berlin, Frau Bios, Stuttgart, (Republikanischer Frauenbund).
Außerdem werden Staatspräsident Ulrich und weitere Vertreter der hessischen Regierung unserer Feier beiwohnen.
Abzeichen, die zum (Eintritt zu sämtlichen Veranstaltungen berechtigen, sind im Vorverkauf bis Freitagabend bei der Oberhessischen Volkszeitung; Friseur Kleinschmidt, Neustadt und in unserer Geschäftsstelle, Gewerkschaftshaus, und bet sämtlichen Gruppenführern zum Preise von 75 Pf. zu haben. An der Tageskasse Preis 3Ut 1.-.
Wir bitten alle Republikaner ihre Häuser festlich zu flaggen.
Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold
Für den Festausschuß: Univ.-Prof. Dr. Kinkel (Bauleitung: Ortsoerein:
Storck, Gauvorsitzender und M. d. L. Stud.-Rat Schoen, I. Vorsitzender
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Freitag, den 28. Mai 1924, nachmittags 2 Uhr, versteigere ich im Löwen, Neuenweg dahier, zwangsw. gegen Barzahlung:
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