HEITMANN’5
Harley-Davidson Motorräder
2761D
Vertreter
Ernst Faber, Gießen, Südanlage 7
wo bas Schicksal aushört und die Schuld anfängt. Kommt ein Mensch zu Fall, so geschieht das nicht nur. weil ihm, wie der Freiherr vom Stein einmal gesagt hat, die Zwinge des Willens: fehlt, sondern auch, weil die. die seines Lebens Morgen behüten sollten, die Kunst der Erziehung nicht verstanden oder weil er früh in eine Umgebung kam, die seine Lebcnsanschauung verwirrte. Oft gehen Familien unter, weil erschütternde Todesfälle den Weg der Hinterbliebenen aus dem seitherigen Geleise herauslenlten und in ganz andere Bahnen führten, oder weil politische und wirtschaftliche Umstände den Wohlstand untergruben und die Erwerbsmöglichkeiten behinderten, aber auch deshalb, weil schwere Schuld mit den Familien ging. Die Männer waren träge, neigten zum Wohlleben, zum Trunk, begehrten im öffentlichen Leben eine Rolle zu spielen, und vernachlässigten darüber ihre eigenen Angelegenheften. Die Frauen waren oberflächlich, verschwenderisch, vergnügungssüchtig, kümmerten sich nicht um ihre Kinder.
Daß es uns Deutschen jetzt so schlecht geht, ist ohne Zweifel Schicksalsfügung. Unsere geographische Lage bringt es mit sich, daß wir immer von Gegnern bedrängt sind: der Aufstieg, ! den unser Volk nach 1871 genommen, hat den Widerspruch Englands hervorgerufen. Sicherlich haben gewissenlose Menschen den Krieg vorbereitet, aber in der Hauptsache ist er über uns gekommen wie eine Naturkatastrophe, eine Sturmflut, ein Erdbeben, die zu bezwingen der Menfch nicht in seiner Hand hat. Mit dem Schicksal hat sich aber auch die Schuld verbunden, um I uns so unglücklich zu machen. Unser Bolk entwickelt Tatkraft, zeichnet sich aus durch klug I berechnenden Verstand, aber unser geistiges Leben entbehrt der Tiefe. Wir haben Weltgeltung erstrebt und sind arm geworden an geistiger Kultur. Alles soll die Masse machen. Wir veranstalten Massenkundgebungen und Massenproteste und vergessen, daß die Masse seelenlos ist. Wir erwarten das Heil von Locarno und Genf und nicht davon, daß unter uns ein Geschlecht aufwächst, das sittliche Kultur. Selbstverleugnung, Hingabe an große Ideen aufweist. Man trägt Volksbildung in weite Kreise, aber nicht, um damit das Glück und die seelische Vertiefung
WM 1
Mas der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 27. März 1926.
Butz- und Beitag.
Im Leben des einzelnen, der Familien und der Völker sind es zwei dunkle Mächte, die Herzeleid und Niedergang bringen. Diese beiden Mächte heißen Schicksal und Schuld. Eng ver- schtristert, Hand in Hand gehen sie durch die Welt, es ist schwer, im einzelnen Falle zu sagen,
Abg. Reiber (Dem.) geht bei seinen Betrachtungen vom Reichsschulgefeh aus: er verlangt von diesem besondere Berucksrch- I tigung Hessens a l s Simultan sch ul- I land. Der Redner be'auert, daß im r-taats- I haushalt keine Mittel für ein pädagogisches Institut in Gießen eingestellt feen; er bittet die Regierung, diese Angelegenheit nicht aus den I Augen zu verlieren. Die Forderung nach einem I Institut in Gießen müsse aufrecht erhalten werden. bis sie erfüllt sei. Der Redner unterbreitet dem Landesamt für das Bildungswesen eine Reihe von Wünschen und meint, wenn Abg. Dreht erklärt habe, es handle sich hier nicht um einen Abbau im Schulwesen, so wäre das doch nur ein I Streit um Worte. Weiter bekämpft Abg. Reiber die Anträge von Dr. Leuchtens und wendet sich auch gegen die statistischen Angaben des Aog. Dr. Keller. Den mittleven Beamten standen Posten in Gruppe 10 offen, aber den 4000 Lehreni so gut wie gar keine: man solle für die Lehrer- schäft auch solche Stellen bereit halten und darum । die Zentralstelle für Volksbildung nicht aufheben.
Ministerialdirektor U r st a d 1 meint, er habe nicht die Zeit, um die vielen Anregungen aus diesem Hause zu besprechen, doch müsse er dem Abg. Dr. Greiner sagen, daß vieles von dem, was er als Wunsch hier ausgesprochen habe, schon längst geschehe. Die kommunistischen Ideale, die jener entwickelt habe, werde er (der Redner) indessen ablehnen. Wenn Verstoße gegen den Geist der Simultanschule vvraelommen waren, so sei das zu beanstanden. Der Fall des Lehrers Weber in Offenbach werde noch geprüft. Man solle das Reichsschulgesetz abwarten und hoften, daß es ein friedliches Nebeneinanderarbeiten der Konfessionen in Hessen ermöglicht. Abbau heiße Verschlechterung: daß das Landes- amt für das Bildungswesen am allerwenigsten gern und nur mit blutendem Herzen an diese Ausgabe herangehe, dürfe wohl jeder glauben. Der Redner tritt bann dem Verlangen des Abg. Dr. Leuchtgens nach Abbau in der Zentrale des Landesamtes für das Zwangs- wesen entgegen. Er erklärt, nach Prüfung di^er Angelegenheit zu ganz anderen Zahlenergebnissen über die in diesem Amt beschäftigten Beamten gekommen zu fein; die Zunahme sei lange nicht so groß, namentlich nicht im Hinblick auf die vermehrte Arbeit. Der Redner nimmt dann noch in längeren Darlegungen gegen verschiedene cn^ dere Grklärunaen des Abg. Dr. Leuchtgens kritisch Stellung und "lehnt dessen Anträge ab.
Nächste Sitzung Samstag.
_ . Diese Marke
213Sag Kaltfärbe-Kugo! fordern.
fä.bt bequem u. prachtvoll ohne Kochen Erhältlich in alle Stoffe und Kleldunasstücke. Drog<rlen usw.
vertritt dann das Bildungsideal des Zentrums I und der katholischen Kirche und wendet sich | gegen die Simultanschulen, insbesondere gegen j Angriffe im Unterricht und in Lehrbüchern, in I denen Einrichtungen der iathol scheu Kirche an- I gegriffen worden wären. In Oßeibach wäre ein Junge von einem kommunistischen Lehrer geprügelt worden, weil er ein Lied nicht singen wollte, in dem der Vers vorkommt' „Seht auf's Dach den roten Hahn".
Abg. Dr. Diehl (Dntl.) meint, es sei zwar vieles Brauchbare über die Schule gesagt worden, auch von Dr. Greiner, aber vieles von ihm lehne er doch ab. Er müsse auch die Bemerkung des Abg. Heinstadt ablehnen, als ob Dr. Greiner kein Dogmatiker sei; er sei tatsächlich als Kommunist ein ausgesprochener Dogmatiker. Es sei | nicht so, wie Dr. Greiner es hinstelle, als ob nichts auf sozialem Gebiete geschieht; der Redner erinnert dann an die Arbeit der Gemeinden und der christlichen .Kirche. An der Simultanschule halte er fest, allerdings müßte das Schulgesetz loyal gehandhabt werden. Es sei undenkbar, daß Adventisten Gesinnungsunterricht ! erteilen; das Landesamt für das Dildungswesen müßte einmal hier nach dem Rechten sehen. Cs handle sich hier allerdings um Ausnahmen. Es könne von einem Ansturm der Deutschnationalen gegen die Volksschule nicht die Rede sein: die Deutschnationalen hätten nicht einmal Abbauanträge gestellt, in denen bestimmte Zahlen genannt seien. Der Redner erörtert dann das Problem der K la s s en f req u enz. Aus den gegebenen Tatsachen müsse man die Folgerungen ziehen.
Es handle sich nicht um Abbau, sondern nur darum, daß eine Anic-bl von Anwärtern eine Zeit lang warten müsse. In allen anderen Ve- amtensiänden fei die Wartezeit üblich. Theologen haben früher 15 3ahre warten müssen.
Das Landesamt für das Dildungswesen solle die Zahl der Stellen festsetzen, die vorläufig eingespart werden könnten. Für die Junglehrer müsse aber gesorgt werden, was von der evang. Kirche geschehen könne zur Linderung der Iung- lehrernot, werde geschehen. Zum Schlüsse seiner Ausführungen verwahrt sich Abg. Dr. Diehl, unter Hinweis auf fein stetiges Eintreten für die Volksschule, nochmals dagegen, daß seine Partei volksschulfeindlich sei.
Hessischer Landtag.
D a r m st a d t, 26. März. Präsident Adelung eröffnet die Sitzung um 9',. Uhr. Zu einer Anfrage der kommunistischen Abg.' Frau Roth wegen Verteilung der Mittel für den Landaufenthalt tuberkulöser Stadtkinder teilt Ministerialrat Spanier mit, daß vom Reich 11131 Mark überwiesen worden sind. Weiter machte der Regierungsvertreter nähere Angaben über die Verteilung dieser Gelder, die auf Grund von Richtlinien und im Einvernehmen mit den Spitzen- verbänden der privaten Volkswohlfahrtspflege CrfDl®ic Beratungen des Staatshaushalts für 1926 werden bei Kap.53 bis 74 (Landesamt für das Dildungswesen) fortgesetzt. Präsident Adelung verliest zahlreiche Anträge, die zu diesen Kapiteln vorliegen. Der wichtigste dieser Anträge ist der von den Koalitionsparteien (Kaul, Lenhart, Schreiber) der nachstehenden Wortlaut ^'„Cffiir beantragen, der verminderten Schüler- zahl'in den Volksschulen durch eine entferedjente Einsparung von Lehrkräften Rechnung zu tragen. Demzufolge sind die Klaffen mit stark verminderter Schülerzahl dergestalt zu- sammenzulegen, daß — unter Berücksichtigung der örtlichen, räumlichen und konfessionellen Der hältnisse wie auch der bestehenden Sonderklassen — die im Dolksschulgeseh vorgesehene Normal- b e 1 e fju n g erreicht wird. Die Freimachung der Stellen hat in der Weise zu erfolgen, baß mit De ginn des neuen Schuljahrs zunächst mindestens 200 Schulverwalter und -Verwalterinnen außer Derw en ö ung gestellt werden. Im weiteren soll jede zweite freiwerdende DolksschuNehrerstelle unbef etzt bleiben. Zum 1. Oktober d. 3. und 1. Januar 1927 ist dem Finanzausschuß Mitteilung zu machen, wieviel Stellen über die Zahl von 200 hinaus eingesvart worden sind."
Abg. Storck (Soz.) geht von der Ansicht auS, daß die Rechtsparteien bte Einheitsschule bekämpften und von den alten Bildungsprivilegien nichts aufgeben wollten. Das Schulwesen in Heffen. insbesondere das Bollsschulwesen Ware vvm Landesamt für das Dildungswesen, trotz des Drängens der Sozialdemokraten, nicht weiter ausgebaut worden. Der ^Redner fordert dann den Ausbau der Fortbildungsschule, die eine abgeschlossenere Bildung für viele Schuler bedeute als die höhere Schule. Die Sonder- Haffen, die Klassen mit erweiterten Lehrzielen, hotten sich gut bewährt und dürften nicht abgebaut werden. Für das zehnte Schuljahr sei die mittlere Reife zu fordern. Dom Landesamt für das Dildungswesen sei eine stärkere Forderung der Aufbauschulen und des Werkunterrichts zu verlangen; ebenso sei die Zentralstelle für Bolksbildung aufrechtzuerhallen. Im Anschluß an diese Forderungen wendet sich der Redner gegen die Abbauanträge von Dr. Leuchtgens. (Dem der soz. Abg Widmann den Ausdruck „Faulenzer zuruft, der deshalb zur Ordnung gerufen wird.) Hinter den Anträgen stehe die politische Absicht, die Dollsblldung herabzudrücken. Auch setzt sich der Redner mit anderen Abbauanträgen
Gießener Wochenmarktpreisc.
Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarlt: Butter 200 bis 210, Matte 35 bis 40, Käse 50 bis 140, Wirsing 30, Weißkraut Rotkraut 30, gelbe Rüben 25, rote Rüben 20, Spinat 45 bis 50 Unter-Kohlrabi 10, Grünkohl 35, Rosenkohl 60, Tomaten 150, Zwiebeln 17 bis 20, Meerrettich 60 Feldsalat 100 bis 150, Endivien 80 bis 100, 40* bis 100, Schwarzwurzeln 40 bis 70, Kartoffeln 4 bis 5 Acpfel 15 bis 25, Dörrobst 35, Honig 50, junge Hahnen 120 bis 130, Suppenhühner 120 bis 130 Pf. das Pfund; Gier 12 bis 13, Dlw Sl 60 bis 160. Lauch 10 bis 20 Sellerie 20 bis 70 Ps. das Stück; Radieschen 30 Pf. das Bund ______________
nachm. 6 Uhr. Zeichen-Ausstellung. — Gießener Ruder-Gesellschaft: 8*/; Uhr vorm. Bootstour nach der Datenburg. - Paddler-Gilde Gießen im D K.D. i .3 Uhr, Bootshaus der ..Hassia Anpaddeln. - Motorradsport Gießen 1926: vorm. 9 Uhr. Lahnbrücke, Treffen zur Vereins- fahrt. , . ,
— Der Goethebund teilt in seiner heutigen Ankündigung mit, daß die Fcstsviele der Haaß-Ber- kow-Truppe bereits um 7.30 Uhr beginnen müssen, um den auswärtigen Besuchern die Rückfahrtmöglichkeiten zu erleichtern. Der „Totentanz", der am ersten Tage zur Aufführung kommt, hat bei dem erstmaligen Gastspiel der Haaß-Berkow-Spiele in unserer Stadt einen tiefen Eindruck hinterlassen. — Siehe Anzeige. _.. , ,
— Ein Heils verband der Eisenbay - ner; Montag nachmittag im Katholischen Bereins- haus Protestoersammlung aller Eisenbahner. (Siehe heutige Anzeige.)
Die Sondcrsteuer vorn bebauten Grundbesitz. Mit Wirkung vom 1. 2lpril 1926 tritt für den Doltsstaat Hessen eine neue Bestimmung in Straft: Wer am 31. Dezember 1918 ein gänzlich unbelastetes Anwesen batte, kann Herabsetzung der Sondersteuer auf 10 Proz. der Friedensmiete beantragen, wer teilweise belastete Anwesen hatte, kann Herabsetzung auf 15 bzw. 20 bzw. 25 vH. der -Friedensmiete beantragen. Die Ermäßigung der Steuer findet nur auf Antrag statt. Der Antrag ist biS zum 3 1. März 1926 dem zuständigen Finanzamt
eiiizureichen. __ , ,
■** „Submissio n." Dieses Wort thngl. manchem nicht angenehm. Es erinnert zu sehr an Rechenfehler, die mancher Handwerksmeister beim Kalkulieren größerer Aufträge SPncicht hat und an denen er dann „bangen“ blieb. Das Wort muß sich aber auch mancherlei gefallen lassen. Z. B. wird es recht häufig ganz falsch angewandt. Bei Hol z Versteigerungen schreibt man vielfach Submissionen auS. ohne dar" auf zu achten, daß das Wort .Submission doch Vergebung an den Wenigstfordernten heißt, und logischerweise müßte, wenn man in solchem Zu- sommenhange von einer Submission spricht, doch auch das Holz an denjenigen vergeben werven, der am wenigsten dafür bezahlt. Die Behörden wollen doch aber für das Holz ihrer Gememde möglichst viel Geld erlösen an den Hochst- bietenden verkaufen. Deshalb ist die Ausschreibung einer ..Submission in Nefan Falle durchaus abwegig. Man schreib-, doch kurz und richtig «Holzversteigerung . wem das aber nicht treffend genug erlernt, der schreibe .Holzversteigerung auf schriftächem Wege an Den Meistbietenden“. Das Ausschweben ist in beiden Fällen sinngemäß richttg. und man hat ein Fremdwort vermieden, das an dieser Stelle ganz fehl am Ort war. .
“ Kaust Wohlfahrts.Briefmarken'. In der heutigen Zeit ist es nur wenigen möglich, irgendwelche größere Spenden zur Minderung der aufs äußerste gestiegenen Not weiter ^evollerungs- schichten zu geben. Jeder kann aber anläßlich der Freimachung seiner Postsendungen mit Wohlfahrts- Briefmarken einige Pfennig opfern. Viele Denig geben bann ein Viel! Diese Marken sind noch dis zum 15. April beim städtischen Wohlfahrtsamt zu haben. Sic gelten bis Ende Mai. ..
•• Der (Siebener 5 r u bl a 618 - Pferde markt findet am 14. April statt Mit dem Markt ist e ine Prämiierung des besten Pferdematerials verbunden, wofür über 1100 AN. zur Verfügung stehen. Die Ziehung derPferte- marktlotterie findet am 15. April statt. Man bc achte die heutige Bekanntmachung.
-d. Städtische Brcnnholzver ft ei g e * rung. Bei der gestrigen städtischen Brennholzver- Weigerung im Hangelstein wurden folgende Preise geboten: Buchescheiter 20 bis 22 Mk., Eiche, cheiter 10 bis 11 Mt., Bucheknüppel 15 bis 17 Eiche-
knüppel 8 bis 9 Mk., Fichteknuppel 7,50 Mk Buchestöcke 8 bis 10 Mk., Eichestocke 6 brs 7 Mk. je Nm., Buchewellen 42 bis 44 Mk„ Elchewellen lb bis 17 Mk., Aspewellen 20 Mk. je 100 Stuck, Fichtederbsiangen 1. Klasse 25 Mk., 2. KI. 23 Mk., Fichtereisstangen 1. Kl. 23,60 Mk., 2. Kl. 2a Mk. je Festmeter, Fichtebohnenstangen 10 bis 11 Mk. je 100 Stück.
Die Gewerbe- und Maschinen- baukchule Gießen kündigt in unserem heutigen Anzeigenteil Abendkurse ab 3. Mai an. Die Anstalt gibt Bauhandwerkern, Schreinern. Malern, Schuhmachern in ein bis drei Semestern die für die selbständige Ausübung ihres.De» ruses erforderlichen praktischen und theoretischen Kenntnisse. Die Maschinenbauschule bildet Ma- schinentechniker usw. in vier Semester auS. An- gegliedert ist eine Abteilung für Flugzeugbau und Radiotechnik. Außerdem haben die Schuler Gelegenheit, in einem weiteren Semester sich ,m höheren Maschinenbau usw. auszubilden.
" Eine Reichs - Fuchswoche veranitalten die Fachverbände der deutschen Pelzbranche in der Zeit vom 25. März bis einschließlich 5. April. Die Pelzgeschäfte werden in dieser Zeit ihre Schaufenster entsprechend dekorieren, um zu zeigen, daß Pelz als Modeattribut an keine Jahreszeit gebunden ist.
Zu den Schulkapiteln des Staatshaushaltes spricht dann Abg. Heinstadt (Ztr.), ter te- merkt, daß eS an sich fein erfreuliches Zeichen sei, wenn Kulturfragen so eingehend erörtert würden. Der Redner stellt sich auf den Standpunkt, daß die ftnanziellen Belange des Staates gewahrt und für eine gute Schule gesorgt werden müffe. Das Zentrum stehe Mer in der Mitte ter Parteien; es treffe ferne Entscheidung, ohne auf Popularität oder Anpopularität Rücksicht zu nehmen. Die Zentrumsparter habe sich teilweise gegen die Lehrpläne der höheren Schule, aber nur au« sachlichen Gründen gewendet. Im Schulwesen sei zu viel Experimentieren. Ueter den Förterklassen und Begabtenklassen vergesse man die Olorma Hl affen. Die Fortbildungsschule sei noch nicht populär, weil sie zu einem Zeitpunkt eingeführt wurde, der ter aderungünftigfte war. Die Entwicklung müsse langsam vor sich gehen; bei Befreimigsgesuchen sollte man entgegenkommender fein. Gegen Vie weibliche Fortbildungsschule fei an sich nichts einzuwenten, wohl aber gegen die Art, wie der Unterricht erteilt wird.
Der Rock für die Volksschule fei auf 200 000 Schüler zugefchnitten: jetzt fd der Rock zu w e H, ba nur noch 140 000 Schüler vorhanden find.
Das Zentrum habe zuerst den Abbau von 350 Lehrern verlangt, habe dann aber sich entschlossen, nur 200 Stellen der Anwärter zu streichen. Das flache Land dürfe die Kosten des Abbaues nicht tragen; die Städte müßten mehr belastet werten als das Land; einklassige Schulen sollten vom Abbau überhaupt nicht getroffen werden. Bei 43 Schülern einer Klasse in den Städten könnten 250 Lehrer erspart werten. Die sozialen Verhältnille ter Abzubauen ten müßten berücksichtigt werten, aber auch das Wohl des ganzen Staates. Man dürfe seine Sorge nicht nur für die Junglehrer in die Wagschale werfen, sondern müsse sie auch den Anwärtern anderer Berufe zuwenden. Die Zahl ter höheren Schule mülle verringert und ter Andrang zu ihnen vermindert werden. Aach tem Antrag Dr. Leuchtgens würden 80 Lchramtsassessorsn abgebaut, das sei zu viel, so weit gche das Zentrum nicht. Der Begriff des Dildimgsideals fei umstritten; Quellen, Ziel und Weg dazu wären sehr verschieden Eine deutsche Dildungseinheit gebe es nicht. Der Redner
des einzelnen zu fchaffen, sondern um ihn für den politischen und wirtschaftlichen Kampf aus- zurüsten. Ein Uetermah des Sportes, der unserem Volke im Gegensatz zu den Bestrebungen des Turnvaters Jahn ursprünglich wesensfremd war, schädigt unsere Jugend. Wieviele von denen, die Sonntag für Sonntag zum Wettkampfe antreten, lesen Schiller, Uhland, Alexander von Humboldt oder Heinrich von Treitschke? Vor ungefähr fünf Jahren ist irgendwo in Norddeutschland auf einem Gebiete, das seither nicht besiedelt war, eine völlig neue Industrie- gemeinde entstanden, die rasch 3500 Seelen umfaßte. Als man dort auch Gottesdienste einrichtete und das Werk, dem die ganze neue Siedlung diente, um einen Beitrag hierfür ersuchte, wurde die Antwort erteilt: „Zweck des Unter» nehmens ist die Erzielung des Gewinnes. Darum lehnen wir unproduktive Ausgaben für die Kirche ab." Das ist der Geist unserer Zeit, der auf rein materialistische Ziele eingestellt ist. Unter solchen Umständen lernt man es verstehen, daß die Menschen gegenwärtig untereinander so gehässig sind, und nicht im mindesten Bedenken tragen, einen Gegner wirtschaftlich und moralisch zu vernichten. Eins der beliebtesten Worte un° seret Zeit ist: „Protest in der schärfsten Form." Das ist das Gegenteil von der Mahnung, die Paulus gibt, wenn er sagt: „Eure Lindigkeit lasset kund werden allen Menschen." Es fehlt
I uns die Kultur des Geistes, am meisten die Kultur des Herzens. So ist cs schon um das Jahr 1910 gewesen. Der Berliner Philosoph Johannes Paulsen, ein Mann von umfassender Gelehrsamkeit und hoher ethischer Aufsässig, hat vor seinem Tobe gesagt, daß ihm das Abscheiden aus einer Welt, vie ihm so fremd ge-
I worden sei, nicht schwer falle. Längst hat man in Deutschland das Wort Goethes vergessen: „Große Gedanken und ein reines Herz, das ist es, was wir von Gott erbitten sollen." Schon
I deshalb erstrebt man diese Güter nicht mehr, weil man mit Gott keine Verbindung mehr hat.
Eine Stunde des Nachdenkens über diese Fragen wird den Buß- und Bettag zu dem machen, was er sein soll, zu einem Tag ter Besinnung, und damit zu einem Tag, der nicht wertlos ist. H.B.
Boriwtizen.
— Tageskalender für Samstag. Oberrealschule Gießen: 2 bis 6 Uhr nachmittags Zeichenausstellung. - Spiel-Vereinigung 1900. 8i;2 Uhr. Vereinslokal (Doller), außerordentliche Generalversammlung. Freiwillige Gallsche Feuerwehr: 81/2 Uhr. Saalbau Sauer, ortentuche Hauptversammlung. — M. T. V. Handball-Ab- teilung: 8 Uhr. Vereinslokal, theoretischer Uebungsabend. _
- Tages la len der für Sonntag Oberrealschule Gießen: von vorm. ll Uhr bis
’ Besichtigung unt# Vorführung kann jederzeit erfolgen.


